Samstag, 22. September 2018

Tragesysteme von blackrapid.com

Wir sind beide viel unterwegs und haben dabei fast immer unsere Kameras dabei um das Erlebte in Fotoform festhalten zu können. Der beim Kauf einer Kamera beigefügte Standardgurt hat sich als sehr unpraktisch erwiesen und wird von uns schon seit Jahren nicht mehr verwendet. Damit hängt man sich die Kamera entweder um den Hals, was bei einer SLR (Spiegelreflexkamera) und dazugehörigem Objektiv viel zu unbequem und aufgrund des Gewichts durchaus auch schmerzhaft sein kann oder über die Schulter und läuft dabei Gefahr, daß die Kamera herunterrutscht. 

Um diese beiden Nachteile zu vermeiden, nutzen wir ein Tragesystem von blackrapid.com und zwar den R-Strap Sling Kameragurt mit „ergonomisch gewinkelter, atmungsaktiver Schulterauflage und Stabilisierungsriehmen“. Der Gurt verläuft diagonal um den Oberkörper, während die Kamera seitlich vom Körper an einem Karabiner hängt, der sich entlang des Gurts bewegen läßt. Somit ist ein blitzschneller Zugriff auf die Kamera gewährleistet, die man einfach von ihrer Position an der Hüfte in die richtige Schussposition zieht und sofort abdrücken kann. 

Die Kamera wird über den FastenR-5 und einem Karabiner am Stativgewinde befestigt und ist dadurch in keinerweise in ihrer Bedienung eingeschränkt. Der Karabiner ist mit Schraubhülse ausgestattet und somit kann sich der Karabiner auch nicht einfach so öffnen und damit die Kamera unter Umständen herunterfallen. Für noch mehr Sicherheit gibt es außerdem eine Lockstar-Manschette für den Karabiner, die vor versehentlichem Öffnen des Karabiners schützen soll. Katja nutzt den Lockstar nicht weil sie ihn als störend empfindet, Tommy hingegen schon. Allerdings haben wir beide auch unterschiedliche Systeme, wie wir den Tragegurt verwenden. Dazu später mehr.

Tommy style (+Problem Manschette/Vinyl FastenR-5)
Für mehr Stabilität ist der Kameragurt mit einem Stabilisierungsriehmen ausgestattet, der unter dem rechten Arm (Ausführung für Rechtshänder, den Gurt gibts auch für Linkshänder) verläuft und Riehmen vorne und hinten miteinander verbindet. Somit kann der Gurt nicht verrutschen. Und damit die Kamera bei größeren Wandertouren nicht umherbaumelt, sind ebenfalls zwei „Cam-Lock-Stopper“ vorhanden, mit denen das Rutschen der Kamera entlang des Gurtes verhindert werden kann. Der Kameragurt wurde schon vielfach ausgiebig praxiserprobt und hat sich dabei bewährt. Katja ist mit diesem Gurt und ihrer SLR 2016 zwei Wochen auf dem Jakobsweg gewandert und möchte den Gurt seither nicht mehr missen.

Wie bereits angekündigt, handhaben Katja und Tommy ihre Kameragurte etwas anders. Im Übrigen ist Katjas Gurt etwas schmaler, da es ihn auch in der Curve Version gibt, die vorallem für schmalere Fotografen und/ oder Frauen konzipiert ist. Es gibt Situationen, wo man die Kamera doch mal vom Gurt trennen möchte. In diesem Fall entfernt Tommy den FastenR-5 aus dem Stativgewinde und muß dafür natürlich erst die Manschette lösen, die über dem Karabiner liegt. Dafür kann er die Kamera allerdings auch flach auflegen. Katja hingegen öffnet einfach den Schraubverschluss vom Karabiner und hängt diesen aus dem FastenR-5 aus. Das geht schneller, allerdings kann man die Kamera nicht flach auflegen, weil der FastenR-5 noch in der Kamera steckt. Ein falsch oder richtig gibt es hier nicht, da es sich um persönliche Vorlieben und Praktikabilität handelt.

Über den Shop von enjoyyourcamera.com bezahlt man für den blackrapid Kameragurt je nach Ausführung ca. 70 Euro. Es gibt noch andere Varianten zum Beispiel ohne Stabilisierungsriehmen, für zwei Kameras (die hängen dann jeweils links und rechts) oder auch als Handschlaufen. Die Handschlaufen haben wir uns auch zugelegt wenn wir nur mal kurz irgendwo mit der Kamera hinwollen. Die Handschlaufe kostet ca. 27 Euro (ohne FastenR-5, den man unter Umständen noch zusätzlich benötigt und extra kaufen kann).

Katja style (+Abnutzung Karabiner)
Möchte man Kameragurt und Handschlaufe im Wechsel nutzen, spielt die unterschiedliche Art und Weise des Tragens des Kamergurts eine entscheidende Rolle. Die neuen FastenR-5 sind aufgrund der Vinylbeschichtung etwas dicker als die alten, die keine Beschichtung hatten und passen daher bei Nutzung der Lockstar- Manschette nicht mehr auf den Karabiner. Daher braucht man zwei FastenR-5 (jeweils am Kameragurt und an der Handschlaufe) und somit ist Tommys Handhabe die funktionierende. Nutzt man die Manschette sowieso nicht, paßt auch der vinylbeschichtete FastenR-5 in den Karabiner und somit kann Katja auch weiterhin den FastenR-5 in der Kamera belassen und tauscht einfach Gurt gegen Schlaufe.

Die Beständigkeit des Materials müssen wir definitiv im Auge behalten, denn bei Katja (sie nutzt ihren Kameragurt schon wesentlich länger als Tommy) hat sich der Karabiner schon mächtig abgenutzt. Vielleicht ist das ständige Tragen einer SLR und schwerer Objektive (z.B. eines großen Teleobjektives wie das 70-200mm) eine zu hohe Belastung für das Material?

Hier die nötigen Links:








Freitag, 7. September 2018

Teil 2: Unsere Erfahrungen mit dem abgestützten James Baroud Dachzelt


Wie im ersten Teil beschrieben, sahen wir uns aufgrund der fehlenden Stabilität der Dachreling sowie der Gewichtsproblematik gezwungen, einen erheblichen Teil der Dachlast vom Auto weg in den Boden zu leiten, um größere Schäden am Auto zu vermeiden. Die Stützen passen hinter die Vordersitze wo dann keine Passagiere mehr sitzen können, aber wir reisen sowieso nur zu zweit. 

Bei einem Fünftürer zeigt sich ziemlich bald der größte Nachteil dieser Stützen; sie stehen nämlich direkt vor allen vier Türen, die man aufgrund der geringen Entfernung (ca. 20 cm) nicht mehr aufbekommt. Also räumt man alle Utensilien in den Kofferraum und sollte dabei auch den ganzen Kleinkram nicht vergessen, der sich sonst in den Fahrer- und Beifahrertüren oder im Handschuhfach befindet, also Sonnenbrillen, Taschentücher, Kartenmaterial, Geldbeutel usw. sonst klettert man später nochmal durchs ganze Auto und versucht sich so lang wie möglich zu machen, um benötigte Hilfsmittel aus dem Fahrerraum zu fischen. Lebensmittel, Campingkocher und alles weitere versucht man zwar so clever wie möglich zu packen aber wie das ja mit großen Rucksäcken oder Koffern auch meistens ist; das was man sucht, steckt entweder ganz unten oder in unserem Falle eben ganz vorn. Das nervt mit der Zeit.

Steht man mehrere Tage auf ein und demselben Campingplatz und möchte Ausflüge mit dem Auto unternehmen, schraubt man die Stützen morgens ab, um sie am Nachmittag wieder aufzusetzen. Auch das nervt mit der Zeit, auch wenn wir in der Zwischenzeit sogar recht schnell mit der Montage bzw. Demontage geworden sind.

Irgendwie mußte eine andere Lösung her und zwischenzeitlich hatten wir sogar mit der Überlegung geliebäugelt, einen Kredit aufzunehmen und einen Wohnanhänger zu kaufen, den man einfach auf dem Campingplatz stehen lassen kann während man mit dem Auto kleine Ausflüge macht. Da unser großer Traum noch immer ein ausgebauter Bus ist, konnten wir uns mit der Wohnanhängeridee letzten Endes doch nicht wirklich anfreunden und überlegten weiter.

Beim Stöbern im Internet ist Tommy auf freebird gestoßen, ein kleines Unternehmen in der Nähe von Hamburg, das Anhänger mit Zelten bestückt und fürs Camping umbaut. Dabei kann man das Zelt dort entweder gleich mit erwerben oder den Anhänger für sein eigenes Zelt konfigurieren lassen. Tommy telefonierte mit dem Inhaber Steffen um unsere Möglichkeiten zu bequatschen und schon bald war klar, daß wir diese Variante bevorzugten. 

Wir kauften also einen Anhänger bei freebird, der nach unseren persönlichen Vorstellungen umgebaut wurde. Unser Zelt sitzt nun fest auf dem Hänger (kann aber auch demontiert werden) und muß somit nicht mehr mühseelig auf das Auto hochgewuchtet werden. Das ausziehbare Ladesystem ist auf Euronormboxen ausgelegt und damit hat man alle Ausrüstungsgegenstände, Klamotten und dergleichen sofort zur Hand und weiß vor allem gleich, wo sie sich befinden. Entschieden haben wir uns für 4 Boxen der Größe 60x40x28,5 und 4 Boxen a 40x30x28,5 der Firma Auer

Das Beste daran jedoch ist, daß der Kofferraum so gut wie leer bleibt und man für tägliche Ausflüge nicht das ganze Geraffel herumfahren muß. Es verbleibt im verschlossenen Hänger auf dem Campinglatz und purzelt beim Befahren der Serpentinstraßen nicht mehr durchs Auto.

Zusätzlich haben wir noch einen Faltpavillon erstanden, der uns Schutz vor Sonne, Wind und Regen bietet. Und wenn es mal zu windig wird und wir den Pavillon lieber wieder einpacken um ihn später nicht hundert Meter weiter zerbeult einsammeln zu müssen, können wir uns ganz bequem ins Auto setzen denn hier stören mittlerweile keine Stützen mehr von außen oder Kisten und Rucksäcke von ihnen. Welch ein Luxus im Vergleich zu früher. Mit diesem Setup sind wir definitiv der Hingucker auf jedem Campingplatz, denn sowas haben die wenigsten schonmal gesehen. Wer uns mal unterwegs antreffen sollte, nur zu, sprecht uns an, wir beißen nicht und beantworten gern Eure Fragen!

Mit dem Anhänger dürfen wir nur noch max. 100 km/h fahren und haben unser Reisen somit wesentlich entschleunigt. Das Ankommen dauert unter diesen Umständen etwas länger als sonst, aber wir haben uns daran gewöhnt. Bei dem Zustand der deutschen Straßen, all den Baustellen und Staus auf unseren Autobahnen kann man oft sowieso nicht schneller fahren.

Zusammenfassend kann man sagen, daß sich unsere Dachzelt Situation folgendermaßen weiterentwickelt hat: Vom einfachen Dachzelt zum Dachzelt auf Stützen zum Dachzelt aufm Anhänger.

Hier eine grobe Kostenaufstellung:
Dachzelt 3.000 EUR (separat gekauft)
Anhänger inkl. aller Umbauten 2.900 EUR
Eurobehälter 120 EUR
Wegfahrsperre Anhänger und Bremskeile 50 EUR

Unser Dachzelt – ein James Baroud Hartschalenzelt


Wie aus vielen unserer Reiseberichte zu entnehmen ist, haben wir seit März 2017 ein Dachzelt. Dabei handelt es sich um ein James Baroud Dachzelt Evosion, ein Hartschalenzelt, auf welches der Hersteller 5 Jahre Garantie für Dachschale, Zeltstoff und Mechanik gewährt. Der Vertrieb von James Baroud läuft über die Genesis Import GmbH, die ihren Showroom ganz in Katjas Nähe in Schwarzach am Main betreibt. Zum regelmäßig stattfindenden Tag der offenen Tür haben wir damals dort vorbeigeschaut und uns auch sofort für ein Zelt entschieden, es gekauft und montieren lassen.

Auf Campingplätzen und auch unterwegs werden wir oft auf das Zelt angesprochen, deswegen möchten wir gern ein paar Ausführungen zu dieser Thematik geben. Angelehnt sind unsere Bemerkungen an einen Artikel in SpiegelOnline aus dem Jahre 2017, der sich sehr gut mit der hier zu beschreibenden Problematik befaßt.

Aber vorher noch ein paar Zahlen zur Einordnung des Zeltes: es wiegt ca. 68 kg, hat zusammengeklappt eine Höhe von 33,5 cm und bietet geöffnet einen knappen Meter Sitzhöhe (98 cm), was für Tommy nicht ganz zum Sitzen ausreicht, für Katja allerdings schon. Unsere kleinere Zeltausführung hat eine Liegefläche von 198 x 140 cm, ausreichend für zwei Personen. Es gibt größere Ausführungen mit zum Beispiel 160 cm Liegefläche, wenn mehr als 2 Personen im Zelt schlafen sollen. Ebenso längere Zelte für die Montage auf Bussen, sowie alles mögliche Zubehör an Zelten, Planen und ähnlichem. Eine Leiter ist natürlich in der Grundausstattung enthalten, sowie eine Matratze, Fliegengitter, eine Lampe (mit 12 Volt wiederaufladbar) sowie ein kleiner Solarventilator an der Decke des Zeltes. Ausgestattet ist das Zelt mit Gasdruckfedern, die das Zelt beim Lösen der Verschlüsse sofort und ohne mechanische Einwirkung aufrichten. Der Zeltstoff ist wasserabweisend und hat uns bereits einige Male vor teils heftigem Regen geschützt. Hier kann man sich die verschiedenen James Baroud Modelle anschauen.  

Tommy fährt einen Ford Kuka mit erlaubter Dachlast von 75 kg. Hier wurde aus
drücklich von dynamischer Dachlast gesprochen, was uns den Eindruck gegeben hat, daß wir das Dach im stehenden Zustand (statisch) höher belasten können. Nach einiger Zeit bemerkten wir allerdings, daß sich die Dachreling ein wenig verbog, was man natürlich selbst nicht bemerkt, wenn man sich im Zelt befindet. Wir befürchteten Schäden an der Reling und noch schlimmer, am Fahrzeugdach und mußten uns etwas einfallen lassen, wie wir den Druck auf das Dach von 68 kg Eigengewicht plus zwei erwachsenen Personen verringern konnten. 

Die Dachreling und Halterung von Thule wurden zwar vom Verkäufer des Dachzeltes als vollkommen ausreichend bezeichnet aber welcher Verkäufer würde etwas anderes behaupten? Der oben verlinkte Artikel aus dem Spiegel erläutert sehr anschaulich die Problematik der fehlenden Differenzierung von dynamischer und statischer Dachlast und daß man sich als Verbraucher in einer Grauzone befindet. Denn die angegebene Dachlast ist eigentlich immer eine dynamische, bezieht sie sich doch auf ein fahrendes Fahrzeug. Schläft dann der Kunde im Zelt überschreitet er bereits die angegebene Dachlast und könnte bei auftretenden Schäden in die Röhre schauen, schließlich kann sich der Autohersteller auf unsachgemäße Nutzung berufen. Die Zelthersteller versichern natürlich, daß es bisher keine Schäden an Fahrzeugen gegeben hat und alles TÜV geprüft ist. Der Kunde hingegen fürchtet, im Schadensfalle trotzdem den Kürzeren zu ziehen.

Nach langem hin und her entschieden sich Tommy und ein Kumpel, vier Stützen für das Zelt zu bauen, die den Großteil der Dachlast zum Boden ableiten würden. Vorher wurden die Thule Halterungen an Anfang und Ende der Reling versetzt und ein „H“ aus 25x25mm und 2,5mm starkem Stahlprofil unter dem Dachzelt befestigt wodurch der Boden des Dachzeltes an Stabilität gewann.
   
Als einfachste und günstigste Variante für die Stützen stellten sich Gewindestangen mit Fußplatte aus dem Betonschalungsbau heraus. Diese werden in extra angebrachte Vierkantprofile am Boden des Dachzelts gesteckt und mit Splinten fixiert und garantieren einen Abstand von ca. 20cm zum Auto. Die Stützen sind 1,5m lang und sind durch eine eingesetzte Gewindestange höhenverstellbar und können somit auch auf unebenem Boden eingesetzt werden. Die Stützen wurden durch extra Querstreben noch verstärkt.

Das Ganze wurde abgeschliffen und grundiert und schlußendlich schwarz lackiert. Nach dem Trocknen wurden noch zusätzlich Lüftungslöcher gebohrt damit Schwitz- und Regenwasser ablaufen können. Anschließend noch Hohlraumversiegelung innen und fertig war die Sache. Im zusammengeschraubten Zustand passen die Füße quer hinter die Vordersitze.

Grob zusammengerechnet hat das Material circa 200 Euro gekostet. Das Bauen hat mit viel Fluchen, Schweiß und Alberei 2 Wochenenden und 3 Nachmittage in Anspruch genommen.

Aufstellung Material:
Stahlprofilrohre circa 60 Euro
Lack circa 50 Euro
Kleinteile (Splinte, Verschlussstopfen, Klammern für Splinte) 10 Euro
Gewindestangen mit Füßen 40 Euro
Rostschutz/Innenraumkonservierung 40 Euro

Mit der zusätzlichen Stabilität schläft es sich definitiv besser schon allein weil wir den Ford Kuka guten Gewissens auch weiterhin als Basis für das Dachzelt verwenden können. Es handelt sich schließlich um einen Firmenwagen, der nach der Leasingdauer ohne Schäden zurückgegeben werden muß. Über unsere Erfahrungen und die praktische Handhabung mit den Stützen geht es weiter in Teil 2.

Mittwoch, 8. August 2018

Die Drachen fliegen wieder (03.-06.08.2018)

Einen Monat früher als letztes Jahr fand Anfang August das diesjährige Drachenfest in Sankt Peter Ording statt und wir waren natürlich wieder mit dabei. Sankt Peter Ording liegt in Nordfriesland in Schleswig- Holstein und ist von unserem schönen Thüringer Wald so ca. 600km entfernt.

Die Fahrt dorthin ist nicht wirklich spektakulär und wer unsere deutschen Autobahnen kennt, wird mit dem Grund dafür vertraut sein: Geschwindigkeitsbegrenzungen aufgrund von beschädigten aber noch nicht für die Sanierung terminierten Streckenabschnitten, ausgewiesene Baustellen auf denen man selten jemanden arbeiten sieht, zähfließender Verkehr ohne jeden ersichtlichen Grund und eckelige Toiletten wo man nicht mal die Tür anfassen mag. Ich hege ja den Verdacht, daß man diese freien Toiletten, die nicht an eine große Raststätte angebunden sind, bewußt verkommen läßt damit der Reisende automatisch zu den Rasthöfen und somit auf Sanifair Toiletten ausweicht, einfach nur um denen ein besseres Geschäft zu generieren. Es kann doch wirklich nicht so schwer sein, diese Toiletten so halbwegs sauber zu halten. In Österreich geht’s doch auch (ja mir ist bewußt, daß dort ein Teil der Maut in die Reinigung der Toiletten investiert wird und ich bin mir fast sicher, daß die Deutschen nichts dagegen hätten, wenn dies auch mit unserem Geld passieren sollte, wenn denn die Maut irgendwann kommt).

Aufgrund unseres camping setups sind wir momentan etwas langsamer unterwegs als sonst (hierfür wird es einen getrennten Artikel geben deswegen hier keine Details) und dürfen nicht schneller als 100km/h fahren (nagut, ab und zu vielleicht auch mal 120km/h max) und deshalb benötigten wir für die knapp 600km eben auch gute 7,5 Stunden. Dummerweise müssen wir jedesmal durch Hamburg durch und hierfür gibt es nur zwei Optionen: entweder Brücke und durch die ganze Stadt gurken oder der Elbtunnel mit den dazugehörigen obligatorischen Verzögerungen. Die hielten sich allerdings dergestalt in Grenzen, daß wir keinen stundenlangen Stau zu ertragen hatten und waren recht schnell durch den Tunnel durch. Danach wechselten wir auf die A23 und dort geht es immer recht gemütlich zu.

Kurz nach 20 Uhr erreichten wir Sankt Peter Ording und wußten bereits, daß die Camping Plätze wegen des Drachenfestes komplett ausgebucht waren, versuchten es also gar nicht erst, dort einen Platz zu finden. Wir fuhren direkt auf den 12km und stellenweise bis zu 2km breiten Strand und fanden recht bald eine Stelle, die uns zusagte. Wir parkten neben einer Berlinerin und ihrem Bus und wurden etwas forsch „gebeten“ doch etwas mehr Platz zu lassen, schließlich wollte sie hier in Ruhe schlafen. Nun ja, gaben wir ihr netterweise ein paar Meter mehr Platz und machten es uns gemütlich beziehungsweise erkundeten die Nachbarschaft und das „Eventgelände“ des Drachenfestes. Wie am Meer nicht unüblich, war es windig aber von den Temperaturen her immer noch sehr angenehm.

Irgendwann begaben wir uns ins Bett und unser Einschlafen war begleitet von der Musik, die vom Eventgelände zu uns herüberschwappte. Mit zunehmender Stunde und steigendem Alkoholpegel der Anwesenden sank das Niveau der Musik und der DJ rasselte seine auswendig gelernten Einlagen zwischen und teilweise auch während der Schlager runter. Ja das Einschlafen fiel schwer, auch weil wir immer im Hinterkopf hatten, daß wir hier eigentlich nicht stehen dürfen, weil das Parken auf dem Strand von 22:30 bis 07:30 Uhr untersagt ist. Aber andere waren auch hier und vor zwei Jahren hatten wir beim Strandschlafen Glück gehabt und sind ohne Knöllchen davongekommen. Vielleicht sollte uns das Glück auch diesmal hold sein.

06:30 Uhr schien die Sonne ins Zelt und küßte uns wach: Mit dem Rauschen des Meeres aufzuwachen ist ein tolles Gefühl und dafür nimmt man auch das Knöllchen in Kauf, das an der Windschutzscheibe klebte. Eigentlich handelt es sich noch gar nicht um ein Knöllchen sondern nur um eine nette Ankündigung, doch bitte bald in seinem Briefkasten nachzuschauen. Nun ja, wir waren das Risiko eingegangen und es war schiefgegangen; kein Grund sich den Tag deswegen vermiesen zu lassen. Wir gingen erstmal baden und nutzen auch gleich die Dusche am Strand und danach genossen wir unser Frühstück. In der Zwischenzeit war auch die Berlinerin wieder neben uns erschienen, die sich zwar gestern zum Schlafen niedergelegt hatte, aber irgendwann in den Morgenstunden mit ihrem Bus verschwunden war, um dem Ordnungsamt ein Schnippchen zu schlagen. Diesmal war sie diejenige, die uns etwas zu nahe auf die Pelle rückte, aber das fand sie diesmal gar nicht so schlimm – schon klar, schließlich war sie ja diejenige, die den Platz in der ersten Reihe unbedingt haben wollte. Sie erklärte uns dann auch, daß wir schon irgendwie auskommen würden. Tommy war ja immer noch sauer wegen der Begrüßung des Vortages aber ich verstrickte sie in ein kleines Gespräch; sie erklärte uns dann auch, daß das Knöllchen 30 Euro kosten würde und bei „Wiederholungstätern“ freuen sich wohl auch die Flensburger. Für die kommende Nacht mußten wir also eine andere Lösung finden.

Den Tag verbrachten wir mit langen Spaziergängen am Strand, Eis und Kuchen und dem Bestaunen der vielen Drachen und kits, die den Himmel bevölkerten. Einige der Figuren sind bis zu 15 Meter hoch und bei der Motivauswahl sind den Bastlern keine Grenzen gesetzt: Teddys, Kugelfische, Delfine, Rochen, Schimmel, Wäscheklammern, Star Wars Figuren, Autos, feuerspeiende Drachen, Spermien (!), Schlümpfe, Aladin und seine Wunderlampe, Dinosaurier, Seepferdchen, Pinguine, die Titanic, Echsen und vieles mehr. Einige tümmelten sich stundenlang am Himmel, andere hatten Probleme dabei, sich mit Luft zu füllen und sackten ab und zu mal auf den Boden oder standen erst gar nicht richtig auf. Hier wird der Bastler wohl noch einige Veränderungen vornehmen müssen um das Befüllen der Figur mit ausreichend Luft sicherstellen zu können.

Die Aussicht darauf, in irgendwelchen Akten als „Wiederholungstäter“ registriert zu sein gefiel uns nicht sonderlich und deswegen verließen wir gegen 21 Uhr den Strand um auf einen Parkplatz ganz in der Nähe zu fahren. Auf diesem hatten wir bereits letztes Jahr geparkt und hatten uns diesen mit nur zwei oder drei anderen Autos geteilt. Schon aus der Ferne war ersichtlich, daß es diesmal anders sein würde, denn der Parkplatz war gut gefüllt; viele der Camper die wir am Strand gesehen hatten, standen nun hier, um die Nacht ohne Ordnungswidrigkeiten zu verbringen und frühs wieder auf den Strand zu fahren. So hielten wir es auch; gleich nach dem Aufstehen fuhren wir wieder auf den Strand und dort genossen wir unser Frühstück.

Ganz allgemein gesprochen verstehe ich natürlich, warum das Übernachten am Strand nicht so gern gesehen wird, denn leider vermüllen diese Plätze recht schnell aufgrund der Unachtsamkeit der Parkenden. Allerdings muß ich sagen, daß die Parkplätze am Strand in der Regel sauber sind und ich den Strand selbst viel problematischer finde, wo man im Sand häufig mal Zigarettenstummel, Bierdeckel und anderen Müll findet. Einigen der sonnenhungrigen Tagesgäste ist der Weg zum Mülleimer wohl schlichtweg zu weit. Am Strand gibt es auch genügend Toiletten, die 24 Stunden am Tag zugänglich sind, weshalb ich diesen Ort definitiv bevorzuge. Der Parkplatz fernab vom Strand hatte letztes Jahr noch ein unzumutbar dreckiges Dixieklo, dieses existierte nun aber auch nicht mehr. Und wozu führt das ganze? Na klar, die Leute pinkeln in die Hecken und in die Grünflächen (wir haben sie selbst dort herauslaufen sehen) und ob es wirklich das ist, was das Ordnungsamt bevorzugt? Hier handelt es sich sicherlich um eine schwierige Frage und ich könnte mir gut vorstellen, daß diese Problematik in der Gemeindeversammlung öfter zur Sprache kommt, ganz einfach weil es keine Lösung gibt, die alle zufriedenstellen kann.

Sankt Peter Ording lebt vom Tourismus und den Kurgästen, die jedes Jahr wegen der gesunden frischen Meeresluft und der Schwefelquellen in das Nordseeheil- und Schwefelbad kommen. Andere florierende Einnahmequellen herrschen unseren Beobachtungen nach nicht. Erschreckend ist, daß alle leerstehenden Häuser zu Ferienwohnungen umgebaut werden und daß die meisten (wie gesagt, das sind unsere Beobachtungen) der beindruckenden Reetdachhäuser wohl eher von Maklern gehändelt werden oder sich gar nicht mehr in Privatbesitz befinden. Der Tourismus ist ein großes Geschäft aber die Frage drängt sich auf, wer an diesem Geschäft verdient.

Irgendwann am späten Sonntagnachmittag packten wir unser Hab und Gut zusammen und verließen den Strand um ein paar der morgen zu fahrenden Kilometer schon heute zu erledigen und somit die Reisezeit zu verkürzen. Sehr weit kamen wir allerdings nicht, denn bereits im 40km entfernten Büsum machten wir Stop. Dort fanden wir einen Parkplatz, auf dem das Übernachten nicht explizit verboten ist und dort gibt es sogar eine öffentliche Toilette. Was will man mehr? 

An der Strandpromenade befand sich eine Festivität in ihren letzten Zügen; einige Schausteller und Budenbesitzer packten bereits zusammen, wohl auch um dem herannahendem Regen ein Schnippchen zu schlagen. Wir hatten uns einen Strandkorb gesucht und genossen noch ein Radler / Bier und lauschten dabei der von der Bühne aus betriebenen Kinderbespaßung, die in vollem Gange war. Leider fällt den Animateuren heutzutage auch nichts anderes mehr ein als Kinder mit Süßigkeiten zu locken („Wollt Ihr Naschi?“) und auf und ab hüpfen zu lassen und ab und zu mal einen Luftballon in die Menge zu schmeißen. Den Kids scheints dennoch gefallen zu haben und die Eltern hofften wahrscheinlich darauf, daß die Kinder verausgabt früher als gewöhnlich ins Bett fallen würden.

Wir jedenfalls blieben nicht mehr lange auf und gingen nach ein paar Runden Uno ins Bett. Am Morgen stellten wir fest, daß wir unser Frühstück mit zahlreichen Mücken teilen bzw. unsere Unversehrtheit verteidigen müßten, deshalb packten wir zusammen, fuhren zu einem Bäcker, kauften Heißgetränke und ein paar Leckereien und fuhren auf einen ruhigen Parkplatz an einem Deich, wo wir mückenfrei und in aller Ruhe unser Frühstück genossen, das Chaos im Zelt und im Auto aufräumten und dann schweren Herzens aufbrachen um den Nachhauseweg anzutreten. Die kurze Auszeit war schön und auch notwendig, schließlich liegt unser Neuseelandurlaub schon viel zu lange zurück (Februar /März) und seitdem hatten wir höchstens mal ein verlängertes Wochenende. Jetzt wo alle in den Urlaub fahren, ist das natürlich hart und schmerzt schon ein wenig. Dies ist auch der Grund, warum wir jede sich bietende Gelegenheit fürs Wegfahren nutzen, damit uns zu Hause nicht die Decke auf den Kopf fällt.














Samstag, 28. Juli 2018

Empfehlung: Bunkermuseum in Frauenwald


Heute möchten wir mal eine Empfehlung aussprechen für das Bunkermuseum im schönen Thüringer Wald. Bist Du an Geschichte interessiert, vor allem an deutscher Geschichte? Möchtest Du in Erinnerungen schwelgen und ins Schwärmen geraten beim Anblick alter ostdeutscher Alltagsgegenstände oder Konsumgüter, die damals teilweise nur „unter der Hand“ zu ergattern waren? Interessiert es Dich, wie die Staatssicherheit damals solch einen komplexen Bunker ohne das Wissen der Bevölkerung bauen konnte? Möchtest Du vielleicht mal in einem Bunker übernachten?

Hier findet Ihr Informationen zum Bunkermuseum im Netz, es befindet sich beim Waldhotel „Rennsteighöhe“ und ist gut ausgeschildert. Macht Euch vor Eurem Besuch über die Öffnungszeiten schlau, da man den Bunker nur mit einer Führung besichtigen kann, um dort nicht verloren zu gehen. Eine Führung dauert knappe 45 Minuten (eher länger) und kostet für einen Erwachsenen gerade mal 7 Euro. Wer fotografieren möchte, wird gebeten, eine Fotolizenz von 1,50 Euro zu erwerben.

Bei dem Bunker handelt es sich nicht um einen Gefechtsbunker sondern um einen Bunker, der für die Führungsleute der Bezirkseinsatzleitung des Bezirkes Suhl erbaut wurde. Im Ernstfall hätte die Einsatzleitung dem Ministerium für Staatssicherheit unterstanden. Der Bunker verfügte über modernste Nachrichtentechnik, eine eigene Stromversorgung, Fernschreiber, Funktechnik und weitere Kommunikations – und Lebenserhaltungseinrichtungen. Die Selbstverteidigung der Anlage konnte von der hier stationierten Mannschaft gewährleistet werden. Einer atomaren Einwirkung hätte der Bunker aufgrund der hermetischen Verschlußfähigkeit ebenfalls Stand gehalten, allerdings hätte man bei atomarer Verstrahlung nach spätestens 8 Tagen ebenfalls aufgeben müssen weil der Sauerstoff im Bunker so lange nicht gereicht hätte. Ohne Bestrahlung hätte man ca. 1 Jahr im Bunker überleben und die Führung der Außenwelt übernehmen können.

Sehr positiv zu erwähnen ist die Führung, in unserem Fall durch Christian. Der ein oder andere Gast könnte befürchten, daß es sich bei solchen Veranstaltungen um verherrlichende Führungen handelt, wo über die glorreiche Vergangenheit erzählt wird, wo sowieso alles besser war als heute. Dem ist nicht so. Schon mit einem gewissen Stolz, was damals schon technisch alles möglich war, aber durchaus kritisch über die Hintergründe und die Machbarkeit des Unterfangens (was nützt eine Abschottung von 8 Tagen im Falle einer atomaren Verstrahlung?) wird sachlich über den Bau, die Umstände und das Leben im Bunker berichtet. Besonders interessant dabei sind die Anekdoten, aber auch Erfahrungsberichte aus der Bevölkerung, die damals im besten Falle geahnt hatten, daß da im Wald etwas sein mußte oder die als Wanderer an den Toren standen und nach zu langem Schauen nett aber bestimmt von „unauffälligen, plötzlich aus dem Wald erscheinenden Wanderern“ zum Weitergehen animiert wurden.

Wer in der DDR groß geworden ist, weiß daß in vielen Bereichen Mangel herrschte oder daß man gewisse Dinge nur über Beziehungen bekommen konnte. So ist es bis heute rätselhaft, wie all das Material herbeigeschafft werden konnte, um diesen Kolos an Betonbunker zu bauen. Der Witz „Du bestellst 10 Säcke Zement und bekommst 2“ zauberte ein Schmunzeln über das Gesicht der Kenner weil es eben genauso funktionierte. Man wunderte sich damals vielleicht, wo die anderen 8 Säcke hingekommen waren; steht man in diesem Bunker, kann man sich gut vorstellen, wie überall abgezwackt wurde.

Der Bunker wurde nach der Grenzöffnung schnell entdeckt und leer geräumt, leider größtenteils auch kleingehauen und die Inneneinrichtung zerstört. Alles was heute an Einrichtungsgegenständen und technischer Ausstattung vorhanden ist, wurde in mühevoller Kleinarbeit gesammelt und teils von Privatspendern zur Verfügung gestellt um ein authentisches Bild von damals zu gewährleisten.





Freitag, 27. Juli 2018

Ein langes Wochenende in Rom (Mai) Teil 2

Mit dem Kauf eines Colosseo Tickets ist in den meisten Fällen auch der Eintritt für das nebenan liegende Forum Romanum mit inbegriffen und so war dies am 2. Tag unsere erste Anlaufstelle. Ein Forum war im römischen Reich ein Platz, der das politische, wirtschaftliche, kulturelle und religiöse Zentrum des Ortes bildete. Das Forum Romano ist das älteste römische Forum und Mittelpunkt der oben genannten Gesellschaftsbereiche (Politik, Wirtschaft, Kultur, Religion). Umgeben ist das Forum von den drei Stadthügeln Kapitol, Palatin und Esquilin. Das Kapitol entwickelte sich mit der Zeit zu einem wichtigen Hügel auf dem viele der Kaiser residierten und dort immer größere Prachtbauten errichteten. Auch befand sich dort der wichtigste Tempel des antiken Roms, das Capitolium. Als das sakrale Zentrum Roms und damit des gesamten Römischen Reiches gewann das Kapitol auch an politischer Bedeutung. Das englische Wort capital für Hauptstadt spiegelt diese Bedeutung noch heute wieder.

Die schiere Größe der Ausgrabungsstätte Forum Romanum ist überwältigend und dabei sind sicherlich noch nicht alle ursprünglichen Gebäude und Anlagen freigelegt. Viele andere wurden im Laufe der Jahrhunderte entweder mutwillig oder durch den Einfluß des Wetters zerstört. Wer an römischer oder bautechnischer Geschichte interessiert ist, kann sich hier tagelang recht gut beschäftigen und sich der Historie jedes einzelnen Hauses, Tempels oder Platzes widmen.  Die meisten allerdings, und da schließen wir uns mit ein, überqueren das riesige Gelände und versuchen so viel wie möglich von seiner Imposanz und Gewaltigkeit aufzunehmen. Es bietet sich ein atemberaubender Ausblick auf die Ausgrabungsstätte, die einen beeindruckenden Einblick erlaubt in eine längst vergessene Epoche unserer Zeitgeschichte, die uns als Menschen der Neuzeit deutlich machen kann, wie winzig und unbedeutend wir doch eigentlich sind und wie fortschrittlich die Menschen bereits damals waren. Zumindest haben viele dieser Gebäude dem Lauf der Zeit besser Stand gehalten als manche Bauten der Neuzeit.

Für diesen Nachmittag hatte ich wieder skip-the-line tickets gebucht und zwar für den Petersdom im Vatikan. Eigentlich zahlt man als Besucher keinen Eintritt für den Petersdom, allerdings ist die Warteschlange oft so lang, daß sie sich einmal komplett um den Petersplatz schlängelt. Mit den Tickets waren wir innerhalb von 5 Minuten drin und bekamen außerdem noch einen audio guide mit interessanten Fakten und Geschichten. Wie bereits erwähnt, war dies mein dritter Besuch in Rom, allerdings hatte ich es bisher noch nicht weiter als bis auf den Petersplatz geschafft. Und wenn ich nun schon mal im Petersdom war (es muß wohl nicht erwähnt werden, daß es dort sehr voll war) wollte ich auch hoch hinaus. Und zwar in die Kuppel des Petersdoms. 
Für die Besteigung der Kuppel gibt es zwei Möglichkeiten und ja, es handelt sich um eine Besteigung. Es gibt zwar einen Fahrstuhl, der allerdings aufgrund der Enge nicht bis ganz nach oben fahren kann. So zahlt man entweder 8 Euro für den kompletten Aufstieg oder 10 Euro um die ersten paar Meter mit dem Aufzug zurückzulegen. Tritt man aus dem Fahrstuhl heraus, befindet man sich noch im inneren der Kuppel und kann direkt in den Dom und auf die Menschenmassen schauen. Danach heißt es nur noch, Stufen, Stufen und nochmal Stufen erklimmen. Es ist eng und je weiter man noch oben kommt, desto weniger Platz hat man im Kopfbereich, da sich eine Kuppel nach oben hin verengt. Da man leider nicht der einzige Besucher ist, quält sich eine lange Schlange an Besuchern die Kuppel hinauf, was es schwierig mit dem Anhalten macht. Für meine asthmastrapazierte Lunge, gepaart mit Platzangst eine super Kombination. Oben angekommen war ich dankbar für das frische Lüftchen, das meine naßgeschwitzten Klamotten trocknete und genoß die Aussicht für die sich die Quälerei definitiv gelohnt hatte.

Hier noch ein paar Zahlen: Insgesamt hat man 551 Stufen zu überwinden. Abschnitt 1 hat 231 Stufen und kann mit dem Aufzug genommen werden (kostet eben mehr). Man befindet sich bereits in 45 Meter Höhe auf der inneren Aussichtsplattform. Abschnitt 2 erfolgt nur mit eigener Muskelkraft; für diese 320 Stufen gibt es keinen Aufzug. Es geht hinauf zu 117 Metern! Hier gibt es einen interessanten Erfahrungsbericht und einige Bilder über die Enge in der Kuppel. 

Anschließend stand ich noch ca. 10 Minuten für die Toilette an - das geduldige Anstehen lernt man in Rom auf alle Fälle, denn hierfür gibt es keine skip the line tickets. Hinunter zur Engelsburg und über die Engelsbrücke ging es anschließend über den Tiber und in ein Restaurant wo es mal wieder Pizza gab.

Für den dritten Tag hatten wir keine Verpflichtungen in Form von vorgebuchten Tickets und so ließen wir uns einfach treiben und klapperten bei der Hitze einige der Sehenswürdigkeiten ab: die Spanische Treppe war bereits am Vormittag gut besucht und was die Leute dort eigentlich tun, entzieht sich meinem Verständnis, aber egal. Es scheint ein must-do zu sein, auf dieser Treppe zu sitzen und dusselig in seine Kamera zu schauen und so tut es eben auch jeder. Anschließend besuchten wir noch den Trevi Brunnen, von dem ich es das erste Mal schaffte, Bilder zu ergattern. Das lag aber nicht etwa daran, daß er von den Besuchermassen verschont geblieben wäre. Im Gegenteil. Aber ich drängelte mich einfach mal nach vorn und fand sogar einen Sitzplatz groß genug, um ein Familienfoto zu schießen. 

Das Pantheon, welches ich noch immer für eines der beeindruckendsten Bauwerke Roms halte und Piazza Navona waren die nächsten Stationen.  Das Pantheon galt lange Zeit als die größte Kuppel der Welt und ist eines der am besten erhaltenen Bauwerke der römischen Antike. Vielen Besuchern ist nicht bewußt, daß es sich um eine Kirche handelt und plappern munter drauf los, während im Inneren des Gebäudes Gottesdiente stattfinden. Ab und an gibt es mal ein offizielles „Schusch“ um die Besucher zur Ruhe zu ermahnen. Wie auch in allen anderen Gotteshäusern Roms achtet man darauf, keiner Dame freien Einlaß zu gewähren, die ihre Schultern entblößt. Warum man hingegen kurze Röcke und Hosen nicht anstößig findet, habe ich bis heute nicht verstanden.

Die Piazza Navona war früher ein Stadion für athlethische Wettkämpfe. Nach und nach kamen Häuser und Kirchen hinzu und oftmals wurden Fundamente und Mauern des Stadions mit verbaut, weshalb sich auch die Form des Stadions bis heute erhalten hat und sichtbar ist. Bekannt ist der Platz für seine herausragenden Brunnen, wobei der Vierströmebrunnen (Fontana die Quattro Fiumi) der bekannteste ist. Vier männliche Figuren symbolisieren die größten Ströme der damals bekannten vier Kontinente (erbaut 1649): Donau, Nil, Ganges und Rio de la Plata. Die zwei anderen Brunnen jeweils an den Enden des Platzes sind im Süden der Fontana del Moro und im Norden der Neptunbrunnen.

Bereits in der Vergangenheit war der Piazza Navona ein beliebter Platz für Märkte, Feste und Messen und das hat sich bis in die heutige Zeit erhalten. Der Markt wird stark von Touristen frequentiert und deshalb findet man hier unzählige Souvenirstände und vor allem Maler, die ihre Werke verkaufen, wobei ich in den meisten Fällen bezweifle, daß es sich hierbei um Eigenwerke handelt. Aufgrund der starken Ähnlichkeit vieler Gemälde gehe ich davon aus, daß es sich um Drucke handelt, die als Handarbeit verkauft werden. Schön sind sie trotzdem.

Anschließend machten wir noch einen Abstecher beim Monumento Nazionale a Vittorio Emanuele II, dem Nationaldenkmal für Viktor Emanuel II. Gewidmet ist es dem ersten König des neugegründeten Königreichs Italien und beherbergt u.a. auch ein Grabmal des unbekannten Soldaten und den Altar des Vaterlandes, Tag und Nacht bewacht von zwei Soldaten. Dort befindet sich auch eine ewige Flamme, die die Erinnerung an besondere Personen oder Ereignisse wachhalten soll.

Es war zwar noch Zeit für unzählige weitere Entdeckungstouren aber nach drei Tagen Dauerhitze und ständigem auf-den-Beinen-sein waren wir kaputt. Wir machten uns auf den Nachhauseweg zu unserer Ferienwohnung und genossen noch ein abschließendes Abendessen bevor es am nächsten Tag erst wieder mit dem Bus von Termini zum Flughafen ging und von Rom Ciampino zurück nach Nürnberg.



Ein langes Wochenende in Rom (Mai) Teil 1


Kennt Ihr das auch? Die To-Do Liste wird immer länger, die Anzahl der Verpflichtungen leider auch und obwohl man sich nicht der Tatenlosigkeit schuldig macht, läßt sich der Berg einfach nicht abarbeiten. Wenn nicht, beneide ich Euch und sollte mal bei Euch in die Zeitmanagement Lehre gehen. Falls ja, tja dann muß ich nicht viel mehr erzählen, Ihr kennt es selbst nur zur Genüge.

Nachdem ich Euch indirekt die Begründung dafür geliefert habe, warum in den letzten Wochen auf diesem Blog nicht viel passiert ist, möchte ich gleich einen Bericht nachschieben. Schließlich will ich mir nicht nachsagen lassen, daß es zwar zum Jammern, nicht aber zum Schreiben gereicht hat.

Denn an Ausflügen und Ereignissen hat es definitiv nicht gemangelt, Tommy und ich sind regelmäßig unterwegs und genießen die Wochenenden bei verschiedensten Aktivitäten. Das vorbildliche Sommerwetter hat auch allerlei Anlaß dazu gegeben. Eine kleine Zusammenfassung folgt vielleicht später noch. Heute aber soll es um unser verlängertes Wochenende Mitte Mai in Rom gehen, welches wir mit meiner Familie anläßlich eines runden Geburtstages meiner Mum dort verbracht haben, wobei ich die Erwähnung von Zahlen und damit einhergehenden Ärger mit der Jubilarin strikt vermeide.

Mit Ryanair flogen wir von Nürnberg aus nach Rom Ciampino. Wer die Preisgestaltung von Ryanair ein wenig kennt, weiß daß die günstigen Preise nicht vom Himmel fallen. In diesem Fall lag es an der Abflugzeit 06:50 Uhr. Mein Bruder wohnt in Nürnberg und so verbrachten wir alle die Nacht in seiner Wohnung, quälten uns nach nur ein paar Stunden Schlaf aus dem Bett, von der Couch oder der Luftmatratze und machten uns ohne Frühstück auf den Weg zur U-Bahn, die uns direkt zum Flughafen brachte. Ich hatte für uns alle Priority Boarding gebucht, damit wir unser 2. Gepäckstück auch sicher mit in den Flieger nehmen konnten und es nicht am Gate abgeben mußten. Der weiter angepriesene Vorteil, als erster in den Flieger steigen zu können, verpufft in der Bedeutungslosigkeit, wenn man als erster in den Aufenthaltsraum gelangt, sich dort aufgrund der noch langen Wartezeit einen Sitzplatz sucht um sich später hinter die später angekommenen Passagiere ohne Priority Boarding in die Schlange zu stellen. Totaler Käse, aber wie gesagt, zumindest hatten wir unser Gepäck beisammen und mußten es nicht später erst an der Gepäckausgabe abholen.

Der Flug selbst ähnelte einer Verkaufsveranstaltung und zwischendurch konnte ich mir ein Lachen nicht verkneifen. Ja okay, Getränke und kleine Snacks sind nicht im Preis inbegriffen, das ist vollkommen okay. Als dann aber in aller Hektik, der kurzen Flugzeit geschuldet, der Trolley mit den zollfreien Waren durch den engen Gang geschoben wurde und kurz vor der Landung auch noch Lose zur Unterstützung irgendeiner Ryanair unterstützen Charity verkauft wurden, empfand ich es nur noch als störend, kommt doch der Fluggast nicht wirklich zur Ruhe.

In Rom angekommen hatten wir noch Zeit bis der von mir gebuchte Shuttle zum Hauptbahnhof Termini abfuhr und so frühstückten wir erstmal genüßlich und fuhren anschließend im klapprigen Bus durch den zunehmend chaotischer werdenden Verkehr. Ich war bereits zweimal in Rom und fungierte daher als Reiseleitung. Bereits im Vorfeld hatte ich Tickets für zwei der zahlreichen Römer Sehenswürdigkeiten gebucht, um das lange Anstehen zu vermeiden (die sogenannten skip the line tickets). Für diesen Nachmittag hatte ich die Tickets für das Colloseum besorgt und so fuhren wir (mit einigen Stops und Umwegen) erstmal zur Unterkunft um unser Gepäck loszuwerden und anschließend zu einem der bekanntesten und auffälligsten Bauwerke der Menschheitsgeschichte.
Im Kolosseum (Colosseo) selbst war noch immer viel los aber nichts im Vergleich zu den Menschenmassen um die Mittagszeit. Wir ließen uns Zeit um das Prachtwerk auf uns wirken zu lassen und konnten dabei leider nur Blicke in die Katakomben und die oberen Stockwerke erhaschen, da sie nur mit einer geführten Tour besichtigt werden können. Das Kolosseum ist selbst heute noch das größte jemals gebaute Amphitheater und faßte damals bis zu 50.000 Zuschauer. Hier fanden Veranstaltungen zur Belustigung und Unterhaltung des Volkes statt aber auch grausame Hinrichtungen von Christen und Verurteilten. Laut Wikipedia gilt das Kolosseum seit dem Jahre 1999 auch als Monument gegen die Todesstrafe und wird seither immer dann für 48 Stunden in bunten Farben angestrahlt, wenn ein Todesurteil ausgesetzt oder die Todesstrafe in einem Land abgeschafft wird.

Mit dem Abendessen gestaltete es sich etwas schwieriger als sonst, schließlich ist es wesentlich einfacher, die Vorlieben von zwei Reisenden unter einen Hut zu bekommen als von fünf. So verbrachten wir jeden der 3 Abende recht ausführlich damit, ein ansprechendes Restaurant zu finden, bei dem man nicht gleich sein komplettes Budget ausgibt. Was man in Sachen Essen in Rom wissen sollte: Bier ist wahnsinnig teuer, eine Flasche unter 8 Euro ist selten und für ein großes Glas kann man schon mal 10 Euro aufwärts löhnen. Fleischgerichte können ebenfalls teuer zu Buche schlagen und werden, für den Deutschen, recht ungewöhnlich serviert: das Steak fristet oft ein recht einsames Leben auf dem Teller ohne die bekannten Beilagen und wenn es Glück hat, leistet ein Salatblatt Gesellschaft. Das typische Schnitzel sucht man meist vergeblich auf der Speisekarte. Wer Pizza nicht mag, hat es schwer in Italien. Dafür ist das Eis Weltklasse und bei der Hitze kann man sich ganz gut auch davon ernähren.

Mit Unterkünften habe ich bereits meine Erfahrungen in Rom gemacht und sie waren nicht unbedingt die besten. Schaut man im Internet nach Unterkünften, werden zahlreiche Bed&Breakfast und andere Typen aufgezählt. Was man dabei aber nicht erkennt: es handelt sich hier mehrheitlich um private Wohnungen, wo Mieter oder Vermieter (das ist nicht immer so leicht zu erkennen) einfach ein oder mehrere Zimmer ihrer Wohnung untervermieten um sich ein paar Euro dazu zu verdienen. Diese zu finden ist oft schon ein Abenteuer für sich. Steht man dann vor dem richtigen Haus hat man die Auswahl unter zahlreichen meist unbeschrifteten Klingelschildern. Das versprochene Frühstück entspricht so gar nicht unseren Vorstellungen von einem Frühstück, schließlich bekommt man (wenn man Glück hat) eine Tasse Kaffee, Tee oder einen Orangen Saft, dazu kleine süße Teilchen, Zwieback oder andere Gebäckstücke, alle fein säuberlich extra in Plaste verpackt, gekauft in einer günstigen Großverpackung. Bekömmlich ist anders.

Da ich unter fewo.de eine Ferienwohnung gebucht hatte, war bei uns vieles anders. Wir hatten eine riesige Wohnung für uns alleine mit zwei Zimmern mit jeweils einem Doppelbett und ein Einzelzimmer. Die Wohnung war für mehr Leute ausgeschrieben, man hätte bei Bedarf also noch Sofas ausgezogen oder andere Betten hinzugestellt. Ein riesiges Wohnzimmer, zwei Bäder und eine mit einigen Gerätschaften ausgestattete Küche gaben uns genügend Platz und erlaubten es uns auch, unser Frühstück ausgiebig zu genießen. Die Wohnung befindet sich in der Nähe der Metro Station Valle Aurelia, die sich wiederrum nur ein paar Stops entfernt in der Nähe des Vatikans befindet.  Das Shopping Centre nur ein paar hundert Meter entfernt lieferte alles, was man für ein Genießer Frühstück braucht. Eine Kaffeemaschine im herkömmlichen Sinn kennen die Italiener als Expresso Trinker nicht und somit nahm die Zubereitung des Kaffees für 4 Kaffeetrinker im Expresso Maker (den man auf den Herd stellt) jeden Morgen einige Zeit in Anspruch.

.....in Teil 2 gehts weiter