Samstag, 25. Mai 2024

Unsere Skandinavien Reise Teil 1 - oder Dänemark für Anfänger

 

Als wir Mitte April von zu Hause starten, setzt gerade wieder eine Kaltfront ein, deswegen haben wir es gar nicht so eilig, in den noch kälteren Norden zu gelangen und lassen uns Zeit. Wir besuchen den Tier – und Saurierpark in Germendorf, verbringen zwei entspannte Tage auf dem Stellplatz in Peenemünde, wollen eigentlich Rostock einen Besuch abstatten aber das fällt wegen dem Regenwetter aus (da macht der Stadtbummel keinen Spaß) und unseren letzten Stopp machen wir in Lübeck. Dort tauschen wir noch unsere fast leere Gasflasche und endlich geht es nach Dänemark. 

In Tønder verbringen wir zwei Nächte am Festivalgelände, für das der Ort auch über die Landesgrenzen hinweg bekannt ist. Am zweiten Tag besucht uns Silke, eine gute Freundin aus Norddeutschland, die den Großteil des Sommers in Dänemark auf einem Campingplatz in Sønderborg verbringt und extra zu uns rübergefahren kommt, um den Tag mit uns zu verbringen. Liebe Silke, nochmals vielen Dank dafür! Das ganze Wochenende haben wir direkt hinter dem Museum auf einem verwaisten Parkplatz verbracht und wundern uns nicht schlecht, als wir Montagmorgen die Jalousien öffnen und in einem Meer aus Autos stehen. Wir quälen uns aus den Betten und parken fürs Frühstück fix mal um, damit die letzten zwei Parkplätze auch noch gefüllt werden können.


Danach geht es nach Ribe, der angeblich ältesten Stadt Dänemarks, wo wir auf einen total überfüllten Womo Stellplatz treffen, der netterweise auch von PKW gefüllt wird. Wenn man die Beurteilungen auf Google über Stellplätze liest und die PKW Fahrer (oftmals zurecht) über die Wohnmobilfahrer schimpfen, müssen sie sich wirklich nicht wundern. Es gibt nun mal mehr Plätze für PKW als für Womos, da muss man ihnen nicht die wenigen Plätze aus Bequemlichkeit auch noch zuparken. Nun ja, wir finden einen Platz in der Nähe einer Schule, laufen in den alten Ortskern und genießen die entspannte Atmosphäre. Das Wetter zeigt sich von seiner besten Seite und unsere Gaumen verlangen nach einer Kleinigkeit zu essen. Beim Bäcker um die Ecke wird dieser Laune stattgegeben und mit unseren Errungenschaften ziehen wir an einen kleinen Platz am Wasser, den wir so hygellig finden, dass wir nur schwer wieder fortkommen. Aber wir müssen zu unserem Ludwig zurück, weil wir an der Schule nicht stehen bleiben können und verlassen Ribe. Wir fahren in Richtung Esbjerg und finden einen kleinen See, an dem wir, trotz der Hauptstraße in der Nähe, eine ruhige Nacht verbringen.


Der nächste Tag belohnt uns wieder mit viel Sonne und wir fahren die wenigen Kilometer bis nach Esbjerg, einer wenig spektakulären Großstadt im Westen Dänemarks. Eigentlich sind wir nur für die vier neun Meter hohen sitzenden Statuen aus weißem Beton gekommen, die im Industriehafen am Sædding Strand raus aufs Meer schauen. Sie heißen Mennesket ved havet, der Mensch am Meer und sie schildern die Begegnung des reinen, unverdorbenen Menschen mit der Natur. Wir fahren heute nicht weiter, verbringen lieber die Zeit am Strand mit Sammeln von Muscheln und Steinen (davon haben wir einfach noch nicht genug) und beim Bauen von Sandburgen. Wir haben Zeit, da wir Tickets gebucht haben für das Legoland zwei Tage später und dies ist weniger als 70km von unserem Standort entfernt.

 

Am nächsten Tag wird es wieder eine kurze Fahrt und in einer knappen Stunde sind wir in Randbøldal, ca. 12km vom Legoland entfernt. Dort ist in der Nähe einfach nichts zum Übernachten zu finden, es sei denn, man möchte zum Vermögen des Ticketpreises gleich noch ein halbes Vermögen für den Campingplatz ausgeben. Hier stehen wir privat, zahlen 10 Euro (Strom sogar inbegriffen) und können auch mal unsere Wäsche waschen. Es ist so warm, dass wir zwei Waschladungen locker bis zum Abend trocken bekommen. Außerdem ist die 3er Steckdosenleiste den ganzen restlichen Tag und die Nacht belegt.


Am nächsten Morgen haben wir den Wecker gestellt, um pünktlich zur Öffnung von Legoland vor Ort zu sein (das wäre 10 Uhr). Ein paar Minuten vor Legoland stecken wir im Verkehr fest und schieben es noch auf die zahlreichen Baustellen und die einhergehenden Verkehrsbehinderungen. Ein wenig später fahren wir auf der Parkplatzsuche an Legoland vorbei und uns fällt fast die Kinnlade herunter. Standen da gerade tatsächlich hunderte von Menschen vor dem Eingang?!? Wir fahren auf den riesigen Parkplatz, der schon gut gefüllt ist. Und da fällt es uns wie Schuppen vor den Augen, es ist der 1. Mai! Verdammt, das hatten wir beim Buchen total übersehen. Und ja, es ist ein internationaler Feiertag. 

Wir stellen fest, dass wir auf den falschen Parkplatz gefahren sind, weil es für Womos keine großen Stellflächen gibt und wir nicht alles blockieren wollen. Was tun? Wir sehen einen Mitarbeiter in seiner knallgelben Warnweste und Katja läuft mit ein paar Fragen zu ihm. Ja, wir können auf dem
angrenzenden Parkplatz parken aber um dort hinzugelangen, müssen wir das Parkticket für P1 lösen (75 DK) und dieses Ticket kann man nur einmal nutzen. Würde also bedeuten, dass wir beim Rausfahren von P2 nochmal ein Ticket lösen müssten. Der nette Herr meinte nur, das ist kein Problem, drücken Sie dann einfach den Service Knopf und sagen „CampingCar“ und ich lasse Sie dann raus. Das scheint wohl öfter zu passieren. Wir parken, laufen zum Eingang und mit knapp 30 Minuten Verspätung sind wir dann auch endlich im Legoland. 

Die Massen sind inzwischen weg, es hatte sich wohl nur gestaut, weil die auch alle Punkt 10 Uhr im Park sein wollten. Tja und dann sind wir drin und wissen überhaupt nicht, wo wir anfangen sollten. So viele Eindrücke prasseln auf uns ein, all die nachgestellten Szenerien aus verschiedenen dänischen Städten und Jamie ist total hippelig und zerrt Katja von einer Szene zur nächsten. Irgendwann beruhigt er sich (da war auch ein Eis im Spiel) und wir fahren mit der Legobahn, dann mit der Safaribahn und anschließend geht es auf den Aussichtsturm, von dem man einen tollen Überblich über den gesamten Park erhält. Jamie bekommt die Aufgabe, das Piratenland zu finden und von oben den Weg auszukundschaften. Die Fahrgeschäfte für die Kleinen klappern wir alle ab, fahren mit der Eisenbahn Tresine, löschen nebenbei noch ein Feuer und erkunden im Laufe des Tages weite Teile des Parks (wie wir später feststellen, leider nicht alles). Viele der großen Fahrgeschäfte können wir gar nicht nutzen, weil Jamie noch zu klein ist und es für ihn viel zu schnell gewesen wäre. Wie gut, dass dort am meisten los ist- die Wartezeiten betragen teilweise bis zu 45 Minuten. Der Park schließt um 18 Uhr, aber die Fahrgeschäfte stellen ihren Dienst bereits um 17 Uhr ein um die Leute zum baldigen Verlassen des Parks zu animieren. Wir warten das größte Gedränge ab (zum Glück gibts ja noch einen Spielplatz) und irgendwann nach 18 Uhr laufen wir glücklich aber müde zu unserem Ludwig. Katja macht sich bereit, nochmal „CampingCar“ in die Sprechanlage sagen zu müssen, aber die Schranke öffnet sich auch so. Komisch, das Ticket funktioniert doch eigentlich nur einmal. Bis zum heutigen Stellplatz müssen wir noch eine halbe Stunde fahren und Katja bespaßt Jamie auf der Rückbank, damit er nicht kurz vorher einpennt.



Wir verbringen zwei Tage auf dem Parkplatz des Erlebniscenters Kongernes Jelling, dem Nationalmuseum Dänemarks. Hier lernt man über das Leben als Wikinger und Krieger, Walhalla und den Übergang zum Christentum. Der Wikingerkönig Harald Blauzahn stellte hier im Jahr 965 einen großen Runenstein auf, um seine Eltern König Gorm und Königin Thyra zu huldigen. Dieser Runenstein ist noch heute in Jelling zu besichtigen. Außerdem wird das Geheimnis um die Namensgebung der heute bekannten Technologie Bluetooth gelüftet. Bluetooth heißt übersetzt Blauzahn und die Technologie wurde wohl zu ehren Harald Blauzahns benannt, da er zwar nicht unumstritten war, aber imstande viele Interessen und Ansichten aufgrund seiner Gabe zur Kommunikation zu vereinigen. Das Symbol für die Technologie leitet sich aus den Runen der Anfangsbuchstaben H und B ab. Das ganze Areal ist umgeben von weißen Säulen und diese repräsentieren den alten Schutzwall, den Harald Blauzahn damals um seine Wikingerstädte bauen ließ.

Als wir Jelling verlassen wollen, ist an ein Frühstück nicht zu denken. Ein Spezialkran steht genau vor unserem Ludwig und macht sich an die Arbeit, das Wikingerschiff auf seinen Hänger zu verfrachten, um ihm einen Tapetenwechsel zukommen zu lassen. Natürlich geht das nicht von jetzt auf gleich und außerdem müssen noch alle möglichen Utensilien aufs Schiff geladen werden, angefangen vom Ruder, den zahlreichen Paddeln, die Schutzschilder und einiges mehr. Die ganze Aktion dauert mehr als eine Stunde und Jamie sitzt begeistert vorne auf dem Amaturenbrett und will keine Sekunde verpassen.

Das Wetter hat umgeschlagen und es ist stark bewölkt. Kann man machen nichts und so beginnen wir unsere Trolljagd. Wir begeben uns in den Osten des Landes und dort sehen wir Ben Chiller und Sigurd. Noch ein paar Kilometer weiter und wir begutachten Simon & Anine. Näheres zu deren Standort und Hintergrundinfo gibt es in einem separaten Beitrag

Wir müssen Tanken und Einkaufen bevor wir uns aufmachen zu unserem heutigen Stellplatz, einem
kleinen künstlich angelegten See namens Egå Engsø, etwas nördlich von Aarhus. Da wir heute noch nicht viel Bewegung bekommen haben, beschließen wir, die komplette Runde um den See zu laufen, was immerhin 5,3km sind. Jamie sitzt zum Glück auf seinem Laufrad, sonst hätte er es wohl nicht geschafft. Der See ist ein Vogelparadies und außerdem sehr beliebt bei Joggern, Radfahrern und Spaziergängern. Gleich zu Beginn des Rundweges gibt es eine große Feuerstelle und Schutzhütten, in denen man mit seinen Schlafsäcken übernachten kann. Eine tolle Idee für eine Schulkasse, eine große Familienfete oder sonstige Zusammenkünfte.

 

Es beginnt ein neuer Tag und auch dieser ist verregnet. Wir fahren nach Knebel in Djursland und besuchen Porskær Stenhus, der größte runde Grabhügel Dänemarks. Einer der früheren Landbesitzer Ole Hansen versuchte 1859 die Steine des Grabhügels zu sprengen. Er brauchte das Geld für seine Familie und wollte die Steine als Baumaterial verkaufen, weil Granit sehr gefragt war. Die Bevölkerung war empört und eine Kette von Ereignissen wurde in Gang gesetzt an deren Ende der Grabhügel unter Denkmalschutz gestellt und Ole Hansen mit 100 Rix-Dollar entschädigt wurde. Die Grabkammer ist von 23 Randsteinen umgeben, einige von ihnen mehr als 2,5 m hoch.

Anschließend fahren wir die Straße wieder zurück und halten an der Kalø Slotsruin. Die Burg wurde bereits im Mittelalter erbaut und Teile des Damms zwischen Festland und Insel, auf der sich die Burg Kalø befindet, stammen noch aus dieser Zeit! Sie ist mit groben Steinen gepflastert und das Laufen ist nicht besonders angenehm, weswegen sich links und rechts Seitenstreifen gebildet haben, wo man die Strecke wesentlich einfacher zurücklegen kann. Nicht auszumalen, wie die Kutschen und Pferdekarren damals mit den Herrschaften (aua, der Popo!) oder allem Notwendigen über diese Steine geholpert sind. Wer Superlative mag, kann sich in sein persönliches Guinnes Buch der Rekorde schreiben, mit ca. 500 Meter auf Dänemarks längster noch erhaltener mittelalterlichen Straße gewandelt zu sein.


Die Lage der Burg war strategisch sehr gut gewählt, schließlich gab es nur eine Verbindungsstraße vom Festland (und so holprig wir die ist, war die vielleicht nicht mal für Pferde besonders gut zu begehen) und man genoss einen ungestörten Blick ins Umland. Ihre Geschichte wollen wir nur kurz anreißen: Im 14. Jahrhundert führte der dänische König zahlreiche Kriege, die durch stetig steigende Steuereinnahmen finanziert wurden. Es kam wie es kommen musste, die Bauern setzten sich zur Wehr, aber der Aufstand wurde niedergeschlagen. König Erik Menved ließ zum Machterhalt Zwangsburgen bauen, um weitere Aufstände schneller unterdrücken und Steuern besser eintreiben zu können. Kalø war eine dieser Burgen und die armen Bauern mussten sie auch noch selbst errichten, was 1313 begann. Immer wieder erwähnt wird die folgende Geschichte und sie soll auch hier kurz wiedergegeben werden. Der berühmteste Gefangene auf der Burg war Gustav Wasa, der an Kämpfen gegen den dänischen König Christian II. in Schweden beteiligt gewesen war. Nach einer Schlacht sollte Gustav 1518 Verhandlungen mit dem König führen, doch dieser ließ den Verhandlungsführer, also Gustav, festnehmen und auf Burg Kalø bringen. Ein Jahr später floh Gustav Wasa als Kutscher verkleidet von der Halbinsel und wurde zwei Jahre später König von Schweden.

Jamies Beine sind schon wieder kaputt, deswegen ist an Laufen nicht mehr zu denken. Es hat sich sowieso eingeregnet und so hängen in unserem kleinen Badezimmer wieder alle nassen Sachen zum Trocknen. Wir fahren nach Randers, weil wir uns hier einen wenig spektakulären aber dafür kostenfreien Stellplatz rausgesucht haben und gehen noch ein bisschen durch die Stadt spazieren.


Eigentlich haben wir es auf die FoodHall unweit von unserem Parkplatz abgesehen, aber Google hat eben nicht immer Recht, die angegebenen Öffnungszeiten stimmen überhaupt nicht, denn die Halle ist geschlossen. Blöd, weil wir doch eigentlich gar nicht kochen wollen heute. Wir laufen noch kurz über die „berühmte“ blaue Brücke, die früher mal eine Eisenbahnbrücke war und dann geht’s ab in unseren Ludwig, zum erneuten Trocknen unserer Regenklamotten.

 

Beim Aufwachen am nächsten Tag erwartet uns ein Dejavu. Wir sind wieder umzingelt von Autos, obwohl gestern – ach ja, es war ein Sonntag – nichts los war auf dem Parkplatz. Es ist Montag und die Pendler haben sich den nächsten Platz zur blauen Brücke und somit über den Fluss und in die Stadt gesucht und das war um unseren Ludwig herum. Aber wenigstens waren sie so nett und haben genug Platz zum Rausfahren gelassen.

 

Da nichts anderes auf dem Plan steht, suchen wir heute wieder einen Troll, die Aktion macht Spaß und Jamie ist ebenfalls beschäftigt. Wir fahren also nach Silkeborg (Bad) und parken beim Kunstcenter. Wir haben eine ungefähre Ahnung der Richtung, in die wir müssen und bestaunen bei unserem Spaziergang verschiedene Kunstinstallationen und das, dank des Regens, leuchtende Grün im Wald. Der Troll „Starker Sturm“ wird gebührend von uns fotografiert, Jamie macht eine kleine Snackpause und danach geht’s weiter zu den verschiedenen Bunkern, die man aber nicht betreten kann. Zurück beim Kunstcenter gibt es auch ein Bunkermuseum mit Fotos und Accessoires aus der Zeit, als sich das Hauptquartier der deutschen Wehrmacht während der Besatzung Dänemarks hier befand.

Bevor wir wieder aufbrechen, machen wir noch kurz ne Kaffeepause und dann geht’s schon wieder weiter nach Viborg. Wir stellen unseren Ludwig in einem Park direkt am Wasser ab und laufen die 20 min zur Trollin Elle (ist das korrekt gegendert?!?!). Dort treffen wir auf Deutsche, die wir bereits beim „Starken Sturm“ gesehen hatten und wir kommen beim gegenseitigen Familienfoto ins Gespräch. Sie entpuppen sich als richtige Trollfans und haben bereits 25 von ihnen besucht. Nun ja, das ist nicht unser Ziel, wir freuen uns aber, wenn uns einer der Trolle „über den Weg läuft“.


***Ende von Teil 1***

Sonntag, 12. Mai 2024

Trolljagd in Dänemark (nach Thomas Dambo)

 

Thomas Dambo ist ein dänischer Recycling- Künstler, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, den Menschen zu zeigen, dass man Dinge nicht wegschmeißen muss sondern wiederverwenden kann. Er verwandelt Müll in großformatige Kunstwerke, um darauf aufmerksam zu machen, dass es schonender ist, Materialien zu recyceln, anstatt sie wegzuschmeißen und sich über schwindende Ressourcen zu ärgern. Inzwischen hat er seine Kunstwerke in 20 Ländern auf 5 Kontinenten verteilt, aber Dänemark hat das Glück, einen Großteil davon abbekommen zu haben. Schuld daran war Covid, weil seine Aufträge u.a. für die Olympischen Spiele in Japan abgesagt wurden. Und so veranstalteten Thomas und sein Team das Kæmpestore Troldefolkefest (Das große Trolliefolkyfest) in der Heimat und bauten 10 Trolle, die in ganz Dänemark verstreut sind. Es gibt eine online Trollkarte mit deren Hilfe man sich einen guten Überblick über die Lage der Trolle weltweit verschaffen kann. Diese Karte hier ist für das Finden der Trolle in Dänemark unserer Meinung nach hilfreicher da die Adresse angegeben wird.

Die Trolle sind nicht immer auf Anhieb zu finden und das ist Absicht. Thomas Dambo möchte, dass man mit offenen Augen durch die Welt geht, Abenteuer erlebt und sich auf Neues einlässt. Deswegen stehen die Trolle oft in Parks und Wäldern und sind nur über einen Spaziergang zu erreichen.

Unser Ziel ist es nicht, alle Trolle in Dänemark zu finden, aber wenn sie auf dem Weg liegen oder über einen kurzen Abstecher zu erreichen sind, nehmen wir diesen Umweg gern in Kauf. Deswegen möchten wir hier einen Überblick über die von uns gefundenen Trolle geben und, für die Wohnmobilisten unter Euch, Tipps fürs Parken geben, was bekanntlich mit einem Wohnmobil nicht immer so ganz einfach ist.

Wir führen die Trolle der Einfachheit halber in der Reihenfolge auf, wie wir sie besucht haben.


Ben Chiller: Thorsagervej 21C in 8544 Mørke (Troll #007)

Ursprünglich saß Ben Chiller 2015 bei einem Musikfestival in Aarhus, wo er „chillte“ und die Musik zusammen mit den anderen Festivalbesuchern genoss. Damals waren noch beide Beine ausgestreckt und die jeweils 11 Meter dienten als Sitzgelegenheiten. Inzwischen wurde er zu seinem jetzigen Standort in Mørke auf Djursland umgezogen. Dort ist er von der Straße aus gut zu sehen, da er auf einer Anhöhe sitzt. 

An der Straße kann man schlecht parken, deswegen sind wir vom Ebeltroftvej kommend rechts in den Thorsagervej abgebogen und dann gleich bei der nächsten Gelegenheit rechts auf einen Feldweg. Die Stelle macht den Eindruck, dass unser Womo nicht das erste Fahrzeug ist, dass dort abgestellt wurde, vermutlich ist es eine recht beliebte Stelle zum Parken. Von dort läuft man nicht mal 5 Minuten zum Ben. 




Sigurd: Vesterskovgårdsvej, 8544 Mørke (Troll #52)

Um Sigurd zu finden, fährt man durch Mørke durch, am besten mit Hilfe einer Navigationshilfe weil es durch ein Wohngebiet hindurch geht. Der Troll selber befindet sich dann aber am Ortsrand. Wenn man einen guten Parkplatz für Ben Chiller gefunden hat, kann man die paar Kilometer sicherlich auch zum Sigurd laufen, aber auch das dann nur mit Navigation da die Trolle nicht ausgeschildert sind (Thomas Dambo möchte schließlich den Entdecker in uns wecken). Die Straße ist nicht besonders breit aber auch keine Hauptverkehrsstraße. Wir konnten unser Womo am Straßenrand parken (etwas holprig, da vom Regen ausgespült) und es war noch Platz genug für andere Fahrzeuge zum Vorbeifahren. Das Wenden ist dort aber nicht möglich, fahrt die Straße einfach weiter und irgendwann kommt man auf eine größere Straße.

Der Troll Sigurd heißt eigentlich Sigurd, the bird and the red thing (Sigurd, der Vogel und das rote Ding) und das bezieht sich auf das folgende kleine Gedicht:

 

„Dies ist die Geschichte von Sigurd dem Troll
Ein tapferer kleiner Troll mit einer hilfreichen Seele
Es ist weder das erste noch das letzte Mal, dass diese Geschichte erzählt wird
Denn die Geschichte ist neu, doch der Sinn ist alt

 Er saß im Gras und hörte das Gras wachsen

Er fühlte die Sonne auf seinem Fell glühen und den Wind wehen
Doch dann kam schnell ein Vogel und setzte sich auf seinen Zeh
Er funkelte wie ein Sperling und sprach wie eine Krähe
 
Der Vogel sah Sigurd an, Sigurd sah den Vogel an
Da sprach der Vogel zu Sigurd: „Bitte hilf, hast du gehört?
Da ist ein seltsames Tier bei dem Hügel, das alle kleinen Vögel erschreckt.
Es ist rot, riecht wie ein Scheißhaufen und macht so viel Lärm, dass es weh tut.
 
Dann liefen sie zum Hügel, wo sie sich bei einem Felsen versteckten.
Oder der Vogel lief nicht wirklich, sondern saß nur auf Sigurds Schulter.
Und von der Schulter und dem Felsen sahen sie ein seltsames Ding
Es war rot, hatte vier Beine und lief in einem Ring herum.
 
Zuerst schrie Sigurd: „Hey du! Bitte sei nicht so laut'
Aber es rannte weiter in einer großen stinkenden Wolke herum
Da sagte der Vogel: „Wirf einen Stein, Sigurd, damit es aufwacht.
Der Stein traf ihn am Auge, aber er hörte immer noch nicht auf.
 
Dann ging Sigurd raus und sagte ihm, es solle aufhören.
Aber das Ding konnte ihn nicht sehen und rannte direkt in sein Bein.
Jetzt sahen Sigurd und der Vogel, dass das Tier nicht wach war.
Seine Haut war kalt, sein Bauch hart, seine lächelnden Augen waren falsch
 
Also setzte sich Sigurd auf das Tier und hielt es gut fest.
Der Vogel sagte: „Danke, Sigurd!“ und rollte den Hügel hinunter.
Wieder und wieder, bis er alt wurde
Und das ist die Geschichte von Sigurd dem Troll“.









Simon & Anine in 8381 Tilst bei Aarhus (Trolle #20,21 – vorher #8)

In 2015 wurde Simon Selvgjort am Stadtrand von Aarhus, in Tilst aufgestellt aber da er später an eine andere Stelle umziehen sollte, wurde er nicht mit dem Erdboden verbunden. Ein Sturm wütete kurze Zeit später und zerstörte Simon komplett. Das 14 jährige Mädchen Anine war sehr bestürzt darüber und begann, Geld für den Wiederaufbau zu sammeln, was sie innerhalb von 4 Tagen bewerkstelligte. Da ein Künstler selten exakte Kopien seiner Werke erstellten möchte, veränderte er Simon und gab ihm die Aufgabe, sich selbst einen Kompagnon zu basteln, der ihm Gesellschaft leisten soll. Diese Freundin bekam den Namen Anine.

Simon & Anine sind leicht zu finden, sie stehen in Tilst direkt an der Hauptstraße (Ecke Viborgvej und Havkaervej). Dahinter befinden sich KFC, eine Tankstelle und ein großer Shopping Parkplatz, sodass das Parken hier kein Problem darstellt. 









Starker Sturm: Gjessovej 44, 8600 Silkeborg (Troll #65)

Starker Sturm steht mitten im Wald und genießt die Aussicht ins Umland. Er wacht über die Tiere des Waldes. Wir parkten am KunstCentret Silkeborg Bad und bestaunten beim Durchqueren des Parks die vielen Statuen und Kunstwerke. Es gibt auch einen kleinen Musikpark, der zum Musizieren einlädt. 

Man läuft dann eine kleine Anhöhe hinauf auf ein rotes Holzhaus zu und hier hält man sich rechts und betritt den Wald. Der Weg ist nicht lang und sobald man den Bunker am Wegesrand entdeckt hat, kann man links abbiegen. Von hier sieht man den Troll dann auch schon. 

Silkeborg Bad ist geschichtlich sehr interessant, weil sich hier während der deutschen Besatzung Dänemarks 1940-1945 das Hauptquartier der Wehrmacht befand. Im Bunkermuseum gibt es eine Ausstellung mit Fotos und Gegenständen aus dieser Zeit. 






Elle: Hybenvej, 8800 Viborg (Troll #114)

Elle ist 6 Meter hoch und trägt einen drei Tonnen schweren Stein in ihren Händen. Sie steht in einer Kiesgrube hinter der Søndre Skole und wacht über den Ellehügel, der hinter ihr liegt. Sie passt auf die Natur auf und schützt sie vor den Menschen. Inspiriert wurde Thomas Dambo von dem folgenden Gedicht:

Es war einmal ein Feenhügel, so jung und schön und süß
Einst tanzten die Feen, wenn die Sonne rot war
Einst gab es Blumen, Buchen und den Schmied in Gold gekleidet
Einst war die Erde voller Würmer, und der Maulwurf grub den Boden um.
 
Dann kam ein riesiges Ungeheuer und biss in den Hügel
Da schrie das Feenmädchen und lief über das Feld davon.
Viele lange Jahre vergingen, und die Spitze wurde braun
Und das Feenmädchen kehrte als Frau zum Hügel zurück
 
Und in einem Sack trug sie hundert Steine auf ihrem Rücken
Und nun hat sie sie quer über das Feld gelegt, wie einen Schutzwall, der den Hügel abschirmt
Dahinter hat Elle ein Versteck vor dem Ungeheuer
das versucht, den mit Blumen gefüllten Hügel zu betreten und zu verschlingen.

Es gibt zwar einen kleinen Parkplatz an der Straße, aber diesen nutzten wir nicht. Da wir sowieso die Nacht in Viborg verbrachten, parkten wir im Sønæs Park und liefen den knappen Kilometer zum Troll. Ein wunderbarer kleiner Spaziergang zu dem künstlich angelegten Eventpark. Da man die meiste Zeit durch ein Wohngebiet läuft, befindet man sich größtenteils nicht an der Hauptverkehrsstraße. 




Wilder Emil: Tinkerdalsvej, 7500 Holstebro (Troll #93)

Als Adresse wird der Tinkerdalsvej angegeben und dort befindet sich auch ein Parkplatz, der ist aber sehr klein und für große Wohnmobile eher ungeeignet. Bleibt einfach auf der Hauptstraße Viborgvej (das ist die 16) und da gibt es dann einen von der Straße gut einsehbaren Waldparkplatz mit öffentlicher (sauberer) Toilette und groß genug für mehrere Wohnmobile.

Der Ort ist auch ohne den schlafenden Emil sehenswert, gerade für Familien mit Kindern. Auf dem angrenzenden Outdoor Spielplatz und Hindernis Parcour können sie sich wunderbar austoben. Gefühlt wandelt man auf einer Baumplantage denn sie stehen alle in einer Linie, in gleichem Abstand zu einander und die meisten von ihnen kerzengerade. Folgt man dem Hinweis des Gedichts und schaut nach Bäumen, die diesem Ideal nicht entsprechen, findet man den schlafenden Emil in seiner kuscheligen Waldbehausung.

"Dies ist eine Geschichte über eine besondere Art von Wildnis.
Wo die Bäume aufgereiht sind ohne Makel, ohne Durcheinander.
Aber für den Troll namens Vild Emil braucht der Wald keinen Kamm.
Deshalb werden Holzfäller seinen Weg meiden - oder nie wieder nach Hause kommen
Emil mag krumme Bäume (gerade Linien sind ein Schandfleck).
Äste wachsen auf Ästen und verzweigen sich zum Erkunden.
Wenn du Emil finden willst, geh dorthin, wo die Bäume gesponnen sind.
Aber wenn du ein Grunzen hörst, drehst du dich besser um und rennst."





Ask von Ashøj: Ashøjgade 47, 7760 Hurup Thy (Troll Nr. 68)

Wir hatten den folgenden Standpunkt (N 56.7540 E 8.4059) in der Ashojgade als unseren Parkplatz auserkoren und liefen von dort zum Troll. Es gibt zwar dort einen Parkplatz, aber der befindet sich im Wald und es ist nicht besonders viel Platz. Deswegen waren wir froh, unser Womo dort nicht abstellen zu müssen.

Das Suchen des Trolls ist immer das Spannendste bei der Trolljagd. Meistens haben wir uns in zwei Gruppen aufgeteilt und können uns durch unsere Walkie Talkies gut verständigen, weil wir den Tommy irgendwie immer verlieren. 

Ask ist der größte Troll in Dänemark. Und er sitzt auf einem 93 Meter hohen Hügel, der höchste Punkt Thys (Dänemark ist generell sehr flach). Gut versteckt sitzt er mitten auf einer Lichtung, mit einem Stein in der einen und einem Stock in der anderen Hand. Er repräsentiert die Kräfte der Natur. Thomas Dambo sagt über Ask: „Wenn Sie die Natur schlecht behandeln, werden die Trolle kommen und Sie schlagen, Ihre Kinder essen oder Ihren Hamster töten. Aber wenn Sie sich richtig verhalten, kann er Ihnen helfen, ein Nest zu bauen oder einen Baum zu pflanzen.“



Ivan Evigvår: Skovvej 4, 9550 Mariager (Troll Nr. 70)

Ivan wohnte früher im Südhafen von Kopenhagen, musste dann aber sein Zuhause aufgrund von Platzproblemen bei der Vergrößerung des Südhafens verlassen. Es wurde ein Wettbewerb ins Leben gerufen um ein neues Zuhause für Ivan zu finden und am Ende stimmten 51.000 Menschen über seine neue Bleibe ab. Er steht nun in einem schönen Park (Munkholm Anlagget) in Mariager in Nordjütland und bezog in 2022 sein neues Heim. 

Als Adresse ist Skovvej 4 angegeben, dort befindet sich aber ein Haus. Man fährt durch eine bewohnte Siedlung, es gibt also nicht besonders viele Parkmöglichkeiten. Entweder man googelt, ob man nicht woanders entlang der Munkholm Anlagget parken kann, oder man wählt den kleinen Parkplatz entlang des Skovvej. Er ist nicht zu verfehlen, weil er die einzige Parkmöglichkeit darstellt und man sieht rechts sofort den kleinen Teich. Der Platz ist groß genug für eine kleine Anzahl Wohnmobile, aber dort könnten natürlich auch PKW stehen sodass es dann schon eng werden könnte. Von dort läuft man runter zum Wasser, hält sich rechts und besteigt den kleinen Hügel, auf dem Ivan wohnt. 





Pil Tusindtunge: Egholm, 9000 Aalborg (Troll # 66)

Die kleine Insel Egholm befindet sich im Limfjord zwischen Aalborg und Nørresundby. Innerhalb von 5 Minuten ist man mit der Fähre auf die andere Seite des Limfjordes übergesetzt und nun stehen diverse Wanderrouten zur Verfügung, wobei die gelbe und die grüne Route direkt bei Pil vorbeiführen (siehe Bild). 

Dieser kann mit Tieren und Menschen sprechen (deshalb der Name „Tausendzunge“). Besucher schreiben ihre Wünsche auf Steine und legen diese in den Eimer, den Pil vor sich hält. Später dann berät er sich mit den Tieren des Waldes, ob die Wünsche erfüllt werden sollten oder nicht.

Geparkt haben wir auf dem Parkplatz am Faergevej, was ein Sammelparkplatz für Fährnutzer, Besucher des angrenzenden Vestre Fjordparkes (sehr zu empfehlen!) und Spaziergänger ist. Runter zur Fähre sind es nicht mal 2 Minuten und die fährt jeweils zur vollen und halben Stunde. 






Wer Thomas Dambo folgen möchte, kann dies entweder auf seiner Homepage tun oder für aktuellere Infos auf Instagram vorbeischauen.

Fazit: Natürlich haben wir bei den Trollen immer auch andere Trolljäger getroffen und dabei handelte es sich nicht nur um Familien mit Kindern. Die Trolle begeistern Jung und Alt und Thomas Dambo hat liebevoll gestaltete Sehenswürdigkeiten hinterlassen, die Besuchern hoffentlich noch lange erhalten bleiben und ihnen das Verweilen und Entdecken in der Natur zu einem besonderen Erlebnis machen. Wir werden unsere Augen auf jeden Fall auch in anderen Ländern offen halten, um unsere Liste der besuchten Thomas Dambo Trolle irgendwann erweitern zu können. 

Noch ein kleiner Hinweis. Die Gedichte klingen teilweise etwas holprig, was der Übersetzung aus dem Dänischen geschuldet ist. Da wir des Dänischen nicht mächtig sind, haben wir uns eines Online Übersetzers bedient, die zwar heutzutage bereits gute Arbeit beim Übersetzen von Texten liefern, aber ein Gedicht zu übersetzen ist nicht das selbe wie eine Bedienungsanleitung oder ein Reisebericht. 


Samstag, 13. April 2024

In Portugal unterwegs Teil III: wo wir uns besonders wohl gefühlt haben


Nach unserem Bericht von Zentralportugal und den historischen Dörfern Portugals geht es nun weiter mit den anderen Highlights des Landes. Auch außerhalb der historischen Dörfer Portugals kann man hervorragend Urlaub machen, die Landschaft genießen und ein Gefühl vom portugiesischen Alltag bekommen. Hier sind unsere Favoriten: 


Porto Covo liegt an der Westküste Portugals unterhalb von Lissabon in der Region Alentejo. Es handelt sich um ein Naturschutzgebiet, welches sich über die gesamte Küste von Südwestportugal erstreckt. Mit Stand 2021 lebten im Ort etwas unter 1100 Einwohner wobei dieser Schnitt im Sommer durch die zahlreichen Urlauber und Badegäste um ein Vielfaches angehoben wird. Dann sind all die Ferienwohnungen belegt, die sich während unseres Besuchs teilweise noch in der Entstehung befunden haben und die vielen anderen hässlichen Betonblöcke, die es bereits gab.

Besonders schön ist der Ort eigentlich nicht, wenn man mal vom sehr kleinen Ortskern absieht, mit seinen weiß getünchten Häusern, die vor allem touristische Läden beherbergen (Souvenire, Bekleidung, Strandutensilien) aber auch kleine Restaurants, eine Eisdiele etc. Die Häuser wurden nach einem Erdbeben 1755 neu aufgebaut. 

Entlang der Steilküste gibt es mehrere kleinere Strände, sodass man nicht wie die Sardinnen alle auf einem großen Strand gepfercht herumliegen muss. Die Küste von Porto Covo ist sehr felsig und so sind die Strände alle von Klippen umgeben, die teilweise durch Höhlen miteinander verbunden sind. Bei Ebbe kann man durch die Höhlen durchlaufen sie und erkunden, was natürlich gerade bei Kindern sehr beliebt ist. Man sollte sie dabei aber nie aus den Augen lassen, denn wenn die hohen Wellen in die Höhlen einschießen, kann es schon mal sein, dass sie komplett überspült werden und der Sog des sich zurückziehenden Wassers kann für Kinder sehr gefährlich werden. Das Wasser ist generell sehr kalt (zu kalt für uns Mitte April) aber die Sonne war schon sehr stark.



Alcácer do Sal
liegt ebenfalls in der Region Alentejo und besitzt unserer Meinung nach keine besonderen Sehenswürdigkeiten. Der Spaziergang entlang an beiden Flussufern entpuppte sich allerdings als eine sehr kurzweilige Angelegenheit und bot eine willkommene Abwechslung nach der Anreise im warmen Wohnmobil. Ein Spielplatz war direkt neben unserem Stellplatz vorhanden sodass auch Jamie voll auf seine Kosten kam. 

Wer sich für Kulturgeschichte interessiert, kommt in der Gegend um Alcácer do Sal ganz bestimmt auf seine Kosten, da die Besiedlung des Gebiets in verschiedenen Epochen stattgefunden hat und dies durch archäologische Stätten gut dokumentiert werden konnte: Einflüsse aus Steinzeit, phönizischer Zeit, Römischem Reich und islamischer Besiedlung können alle nachgewiesen werden.



Faro ist die Hauptstadt der Region Algarve. Der Reiseführer versprach zahlreiche Sehenswürdigkeiten und wir machten uns zu Fuß von unserem etwas außerhalb gelegenen Stellplatz in die Innenstadt. Irgendwie kamen wir aber nicht dort an, wo wir eigentlich hin wollten, da Google mal wieder alles super kompliziert machte. Irgendwann hatte Jamie dann keine Lust mehr und ließ sich nur noch durch die Aussicht auf ein Eis locken. 

Wir landeten dann im Hafen von Faro, wo wir eigentlich etwas essen wollten, aber die Preise waren unverschämt hoch. Allerdings gab es einen Spielplatz, den wir recht lange bevölkerten und die vielen Boote und Jachten im Hafen stellten geduldige Fotomotive dar. Anschließend fanden wir in der Stadt ein Eis sowie etwas zum Mittag und mit gefülltem Magen konnten wir irgendwann auch den Rückweg zu unserem Ludwig antreten. Tommy hat Faro nicht gefallen, ich fand es eigentlich ganz hübsch.

Wir sind von der Algarve im Allgemeinen etwas enttäuscht, schließlich wird um die Region so ein Hype gemacht. Wir fanden es einfach nur anstrengend, weil sich die Stellplatzsuche für die Nacht als sehr schwierig entpuppte und selbst für den Tag findet man keinen Parkplatz für ein Wohnmobil, um sich am Strand austoben zu können. 

Von Einheimischen haben wir erfahren, dass die Polizei dort nicht besonders gut auf Wohnmobile und Vans zu sprechen ist und einfach mal flächendeckend Knöllchen verteilt, weil sie davon ausgehen, dass ein am Tag parkendes Wohnmobil dort auch gleich die Nacht verbringt. Da kann es sogar passieren, dass man ein Knöllchen bekommt, obwohl man in der Windschutzscheibe gut sichtbar das Ticket von seinem bezahlten Nacht-Stellplatz anbringt, was die Polizei nicht sonderlich interessiert. Die Algarve ist der Urlaubs-Hotspot Nummer eins und das merkt man natürlich auch sofort am Wohnmobil Aufkommen. Die Einheimischen finden das inzwischen auch nicht mehr lustig, wie wir weiter oben schon beschrieben haben. Wir hatten jedenfalls ziemlich schnell die Nase voll und sind weitergefahren Richtung Spanien, wo sich die Stellplatz Situation ganz anders darstellt.




 

Guarda liegt ebenfalls in Zentralportugal (Centro) und ist laut Wikipedia die höchstgelegene Stadt Portugals (1056 m ü NN). Sightseeing haben wir dort nie aktiv betrieben, den Guarda war, neben Celerico, unser Anlaufpunkt für Besorgungen, Einkaufen und Wäschewaschen, wenn wir Linhares aufgrund eines leeren Kühlschrankes und leerer Wassertanks verlassen mussten. 

Ortskern und Kathedrale von Guarda sind sicherlich einen Besuch wert. Aufgenommen haben wir Guarda in diese Liste wegen eines überdimensional großen Spielplatzes mit liebevoll gestalteten Klettergerüsten für Kinder verschiedenen Alters. Ganz besonders erwähnenswert ist hier die Raumstation, durch welche auch wir uns hindurchquetschen mussten und was trotz des wenigen Platzes viel Spaß gemacht hat. Hier hat sich die Stadt was richtig tolles für die Kinder einfallen lassen und wir sind der Meinung, dass dies auch mal erwähnt werden darf. Der Name des Parks: Parque Infantil Popis no Espaco, in unmittelbarer Nähe des offiziellen Wohnmobil Stellplatzes mit Entsorgungsmöglichkeiten. Was will man mehr? 







Barril de Alva liegt ebenfalls in der Region Centro und bot uns für mehrere Tage ein Zuhause während wir auf die Lieferung der Dachluken im nicht weit entfernten Pinheiro de Coja warteten. Der Stellplatz ist etwas abgelegen vom Dorf und direkt an der Straße befindet sich das Café Quinta do Urtigal. Man blickt auf ein Viadukt, welches über den Fluss Alva führt. 

Wir haben uns sagen lassen, dass man hier im Sommer einen künstlichen Strand aufschüttet, um das Baden im Fluss zu ermöglichen. Ungefähr zwei Kilometer weiter zu Fuß befindet sich zwar ein offizieller Strand, der Praia fluvial do Urtigal, aber erstens mag es die Menschheit einfach und mit dem Auto gut zu erreichen und vermutlich ist das Café nicht böse über die zusätzlichen Einnahmen aufgrund des neu geschaffenen Strandes direkt vor der Tür. 

Der eigentliche Strand ist allerdings um einiges schöner, er besitzt aufgrund des Höhenunterschieds einen kleinen Wasserabgang, man kann dort wunderbar paddeln und die Gemeinde hat einen großzügigen Picknickplatz mit Feuerstelle angelegt, wo portugiesische Großfamilien genügend Platz haben, um Omas dreißig Enkel auch wunderbar versorgen zu können. Wir warfen dort Steine, stauten das Wasser, lauschten den Fröschen im seichten Wasser, beobachteten Schlangen in der Sonne und wurden von einem Gewitter überrascht, welches wir in der Picknickecke wunderbar aussitzen konnten. 






Praia da Arda in Pião, in der Nähe von Viana do Castelo, in der Region Norte. Hier trafen wir die deutsche Familie aus dem Schwabenländle wieder und wir verbrachten insgesamt drei Nächte auf dem Parkplatz für die Strandbesucher, weil unser Ludwig Kühlwasser verlor und wir ihn zweimal in der Werkstatt in Viana do Castelo vorstellen mussten. 

Der Praia da Arda ist über einen durch die Dünen führenden Holzweg zu erreichen. Wir befinden uns wieder an der Westküste und hier prallen Wind und Wellen ohne große Hindernisse auf das Festland, so dass das Baden nicht so wirklich angenehm ist. 

Mindestens ein Auge sollte man auf seinen Kindern haben, sonst sind sie beim Wellenspringen plötzlich in einer der Wellen verschwunden. Der Sog ist schon extrem stark und kann auch Erwachsene mit sich ziehen, wie es einem älteren Herren ergangen ist, der zum Glück von Tommy und Simon (der andere Papa) festgehalten und wieder auf die Füße gestellt wurde. Trotzdem macht es Spaß, am Strand zu sitzen, die Sonne zu genießen und die tobenden Wellen zu beobachten.




Bitte entschuldigt wieder das Chaos mit der Formatierung, dieser Automatismus raubt mir die letzten Nerven! 

Mittwoch, 20. März 2024

In Portugal unterwegs Teil 2: die 12 historischen Dörfer Portugals und eine neue Dachluke muss her

 

Im ersten Teil berichteten wir über unseren längeren Aufenthalt in Zentralportugal und die vielen herzensguten Menschen, die wir dort kennenlernen durften. Nun geht es weiter mit Anekdoten und Reiseberichten aus Portugal.

Ein Missgeschick, über welches Jamie selbst heute noch wort- und gestenreich zu erzählen weiß, war der dringend notwendige Austausch unserer großen Dachluke im Wohnbereich. Da hatten wir nun wochenlang teils heftigen Regen in Irland miterlebt und uns regelmäßig für die Dachluken bedankt, die zwar bei Sturm auch mal heftig umherwackelten und (bei den kleineren Luken) sogar mit Gummibändern von uns sicherheitshalber befestigt wurden, um nicht vom Wind abgehoben zu werden, aber zumindest immer dicht geblieben waren. Und dann erlebten wir ein paar Regentage in Portugal und plötzlich holten wir alle Schüsseln aus dem Küchenschrank, weil es hereinregnete. So oft Tommy auch aufs Dach kletterte und nachbesserte, er bekam sie einfach nicht dauerhaft dicht. Irgendwann klebten wir eine große Mülltüte über die Dachluke, um das Wasser vom Eindringen abzuhalten. 

Mit dieser Tüte auf dem Dach fuhren wir dann auch ins 60km entfernte Pinheiro de Coja, wo es einen Camper Service von einem holländischen Ehepaar gibt, welches dort Wohnmobile, Vans etc. repariert. Wir kamen übrigens ohne die Tüte dort an, aber es regnete wenigstens nicht mehr. Die Dachluke musste bestellt werden und es würde einige Tage für die Lieferung dauern. Wir kamen Mittwoch an, Freitag waren die Dachluken da (wir wollten auch gleich im selben Atemzug noch die kleinen erneuern) und Dienstagvormittag sollten wir wiederkommen für den Einbau. 

Nun hat man zwei Möglichkeiten, wie man mit dieser Situation umgeht. Man kann mit sich und der Welt hadern und auf alles und jeden schimpfen oder man sieht es positiv. Und ich sah es definitiv positiv, aus den verschiedensten Gründen: Zentralportugal ist nicht sehr dicht besiedelt und besonders touristisch ist es auch nicht. Jemanden zu finden, der uns bei unserem Problem helfen konnte, der nicht 200km entfernt ansässig ist, fanden wir äußerst hilfreich. Während unserer kleinen Zwangspause trafen wir viele interessante Menschen und es entstanden spontane nährende Gespräche, für die wir diese Reise letzten Endes auch machen. So trafen wir eine deutsche Familie aus dem Schwabenländle, die uns auf Anhieb sehr sympathisch war und mit denen wir heute noch in Kontakt stehen. Diese lieben Menschen hätten wir ohne unsere defekte Dachluke nie kennengelernt!

Tommy durfte beim Einbau der Dachluke übrigens helfen und war von der Professionalität nicht sonderlich begeistert. Das Loch für die Luke musste vergrößert werden, weil unsere alte Dachluke etwas kleiner war. Nach dem Ausschneiden hielt es der Firmeninhaber nicht mal für nötig, das Dach mit dem Staubsauger oder wenigstens mit dem Besen zu reinigen, so dass sich in der Dichtmasse nun auch einige Sägespänne und Dreck befinden. Bei der kleinen Dachluke über dem hinteren Bett gab es aufgrund der selben Größe glücklicherweise keinen Grund zur Beanstandung. Und die dritte Dachluke, von der wir eigentlich bei der Bestellung gesprochen hatten, wurde gar nicht bestellt so dass wir die Luke im Bad so belassen mussten. Sie ist zwar alt, hat aber das Bad bisher immer trocken gehalten.

Natürlich haben wir auch andere Teile von Portugal gesehen und wollen hier einen kurzen Abriss geben. Über unseren Besuch in Lissabon gab es bereits einen ausführlichen Bericht

Die 12 historischen Dörfer Portugals - Aldeias Históricas de Portugal

Seit 1994 gibt es von der EU das „Programm zur Erneuerung Historischer Dörfer“, um kulturhistorisch wertvolle Dörfer im Binnenland von Portugal vor dem Zerfall, der Abwanderung und Überalterung zu schützen. Zwölf Dörfer wurden unter architektonischen, kulturhistorischen, landschaftlichen oder archäologischen Gesichtspunkten auserwählt. Jeder dieser Orte hat entweder eine ganz spezielle Geschichte zu erzählen, einen ganz besonderen Baustil oder liegt an einem geografisch besonders interessanten Ort. Diese Dörfer sind: Piódão, Monsanto, Almeida, Castelo Mendo, Castelo Novo, Castelo Rodrigo, Idanha-a-Velha, Linhares da Beira, Marialva und Sortelha. Etwas später kamen noch Belmonte und Trancoso hinzu. Die Bewohner der Dörfer leben heute vom Tourismus; es gibt Restaurants und Pensionen und was Besucher eben sonst noch so brauchen. Es hat sich eine Infrastruktur von Fahrrad- und Wanderwegen etabliert und es gibt genug Sehenswürdigkeiten, die einen Aufenthalt in diesen Dörfern lohnenswert machen.

Wir haben es leider nicht geschafft, alle 12 Dörfer zu besuchen, aber wir möchten von denen berichten, die wir gesehen haben.

Castelo Mendo: dort haben wir unsere erste Nacht in Portugal verbracht und haben den Spaziergang durch den beschaulichen ruhigen Ort sehr genossen. 

Von der Burganlage, die aus dem 13. Jahrhundert stammt, hat man einen guten Überblick über den Ort und von dort konnten wir auch unseren Ludwig auf dem Stellplatz erblicken. 

Der Stellplatz war neu angelegt und mit allen Services für Wohnmobile ausgestattet, der Ausblick vom Stellplatz auf die Berge sehr angenehm und es gab sogar kostenfreies WLAN (wie eigentlich in allen 12 historischen Dörfern, aber es funktioniert nicht überall). 

Auf dem Areal der örtlichen Kirche gibt es einen schönen Spielplatz sowie einen Fitnessparcours und wir haben beides sehr gründlich unter die Lupe genommen.

Am Abend wurden wir von einer älteren Dame so vehement und ausdauernd auf Portugiesisch angequatscht, dass Tommy irgendwann ganz genervt selbstgemachten Käse von ihr kaufte, um sie loszuwerden. 

Beim Frühstück klopfte der nächste an die Womo Tür und diesmal war es ein junger Bursche, der uns Diesel (wahrscheinlich selbst zusammengerührt) verkaufen wollte. 

Das ist die Kehrseite der Medaille des Tourismus und ich hoffe, dass sie durch diese Aufdringlichkeit die Gäste nicht vergraulen.   




Linhares da Beira: von Linhares haben wir uns aufgrund der Dauer unseres Aufenthaltes ein recht gutes Bild machen können. 

So sind wir einige Male durch die engen Kopfsteinpflaster Straßen gelaufen (und Jamie mit dem Laufrad gefahren), haben die schnuckeligen kleinen Häuser bewundert, die teilweise an die Felsen ran gebaut wurden, haben in Marias Café leckeren Kuchen gegessen, bei Amèlia selbstgemachte Kekse gekauft und viele Abstecher auf die romanisch-gotische Burganlage aus dem 12. Jahrhundert gemacht. 

Von dort genießt man einen herrlichen Ausblick ins Umland; sei es runter ins Flachland oder hinauf in die Berge, wo man noch die verbrannten Überreste vom großen Feuer entdecken konnte. Tommy half bei einer Baumpflanzaktion direkt nach unserer Ankunft mit und in der Stadt erlebten wir während Feierlichkeiten einen Aufmarsch der örtlichen Blaskapelle mit anschließendem Feuerwerk. Die Portugiesen lieben Feuerwerk!




Monsanto: warum Monsanto als das portugiesischste Dorf Portugal bezeichnet wird, haben wir nicht in Erfahrung bringen können, aber es ist wohl eines der bekanntesten. Spätestens seit dem dort Dreharbeiten für die bekannte Serie „House oft he Dragon“ stattgefunden haben, ist der Ort über die Grenzen Portugals bekannt. 

Die Bauweise der Häuser ist besonders prägnant, denn sie wurden aus Granit entweder unter, zwischen oder auf die großen Felsen gebaut, die dort überall präsent sind. 

Wie in den meisten Dörfern Portugals und erst recht in den historischen Dörfern ist es überall sehr eng und es gibt wenig Parkplätze. Deswegen parkten wir einen Ort vorher auf dem Marktplatz von Relva und liefen den Berg hinauf zu Monsanto.

Das Dorf allein ist schon sehr sehenswert und von den verschiedenen Terrassen genießt man einen spektakulären Ausblick ins Umland. Zum Glück sind wir aber noch weiter gelaufen und haben einige Höhenmeter überwunden um zum Castelo Monsanto zu gelangen, welches hoch über dem Ort thront.

Die Wanderung entwickelte sich zu einem richtigen Kletterabenteuer und war genau richtig für unseren kleinen Weltenbummler. Monsanto ist immer eine Reise wert und wir würden dort gern nochmal vorbeischauen und erneut einige hundert Bilder dort schießen, da es dort unzählige schöne Fotomotive gibt. 



Belmonte: das letzte unserer besichtigten historischen Dörfer. 

Zahlreiche aus Spanien vertriebene Juden siedelten und wirkten hier und bis heute hat sich eine der letzten kryptojüdischen Gemeinschaften der iberischen Halbinsel in Belmonte erhalten

 

(Wikipedia: Als Kryptojuden werden gelegentlich Konvertiten (vom Judentum zu einer anderen Religion) und deren Nachkommen bezeichnet, die entgegen ihrer öffentlichen Religionszugehörigkeit sich weiterhin der alten Religion verbunden fühlen und im Geheimen jüdische Kultur und Religion praktizieren.). 

Sehenswert sind unter anderem die Burg, die romanisch-gotische „Capela de Santiago“ und die Ruine eines 22m hohen römischen Turms.