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Sonntag, 2. Juni 2024

Unsere Skandinavien Reise Teil 2- die Trolljagd geht weiter

 


Am nächsten Morgen gehen Tommy und Jamie erstmal eine Kleinigkeit einkaufen, danach erkunden wir den liebevoll angelegten Wasserpark mit einer Seilbahn übers Wasser, Stelzenklettern über Wasser, Steinehopsen über Wasser etc. Bei so vielen Wasseraktivitäten ist es fast abzusehen, dass Jamie irgendwann leichtsinnig wird und im Wasser landet. Tief ist es nicht, aber ein stehendes Gewässer und daher nicht besonders sauber, vom Geruch ganz zu schweigen. Also zurück zum Womo und Klamotten wechseln. Die Hose stinkt noch Tage danach und wenn möglich hängen wir sie nach draußen! 



Momentan haben wir uns voll der Trollsuche verschrieben, weil es auch keine wirklichen Sehenswürdigkeiten hier gibt und immer nur Städte anschauen wird für Jamie langweilig. Wir fahren nach Holstebro auf einen Waldparkplatz und suchen den Troll „Wilder Emil“. Der war gar nicht so wild, sondern schlief tief und fest in seiner urigen Behausung, gebaut aus aufgestellten und oben abgeknickten Ästen und dünnen Baumstämmen. Wir finden den angrenzenden Waldspielplatz und Jamie kann sich wunderbar austoben, danach gibt es noch ein Käffchen bevor wir den heutigen Übernachtungsplatz ansteuern. Eigentlich wäre noch genug Zeit, den nächsten Troll anzuschauen, denn er befindet sich ganz in der Nähe, aber Jamie ist doch tatsächlich mal während der Fahrt nach Hurup Thy eingeschlafen und wird jetzt irgendwie nicht mehr so richtig wach. Er ist faul und hat zu nichts mehr Lust. Also ist Spielen im Ludwig angesagt und die Audienz beim Troll wird auf den nächsten Tag verschoben. Tommy kommt heute Abend auf ganz dumme Gedanken und joggt – keine Ahnung was in ihn gefahren ist. 

Am nächsten Morgen werden wir durch laute Geräusche geweckt – sie nähern sich um sich dann wieder zu entfernen. Das passiert einige Male. Wie gut, dass wir uns gestern entschieden haben, auf den Rasenkantensteinen zu parken und nicht auf der Wiese, sonst hätten wir dem Traktor mit Mähaufsatz im Weg gestanden und wären vielleicht mit einem Hupen oder Klopfen an die Tür aus dem Schlaf geholt worden. 


In Dänemark erfreuen sich die Rasenroboter großer Beliebtheit, aber das fußballgroße Feld hätte so ein Robi nicht allein geschafft. Nach dem Frühstück geht’s los, der Troll wartet auf uns. Wir müssen ein Stück an der Straße entlang, bis wir auf den Fahrradweg ausweichen können. Wir suchen den Ask von Ashoj und als wir den Ashojvej finden (Ashojweg) sind wir guten Mutes, auf der richtigen Spur zu sein. Im Wald stolpern Jamie und Katja wegen zuviel Quatscherei ganz knapp an dem Riesen vorbei und den Tommy haben sie auch schon wieder verloren. Dank der Führung per Funkgerät finden die zwei blinden Hühner schließlich auch ans Ziel. Nach den obligatorischen Fotos geht’s zurück zum Ludwig, schließlich wollen wir weiter. 


Wir sind nur für den Troll auf die Halbinsel Thyholm gefahren, deswegen geht’s auf der 11 wieder zurück und wir nutzen das tolle Wetter, um an der Oddesund- Brücke ein kleines Entdeckerpäuschen zu machen. Dort wird zwar gerade gebaut, aber schauen kann man trotzdem mal. Die Brücke verbindet das Festland im Norden Jütlands mit der Halbinsel Thyholm im Südwesten der Insel Vendsyssel-Thy und stellt eine wichtige Verkehrsader in der Region dar. Die Brücke wurde 1938 fertiggestellt und ist eine kombinierte Straßen- und Eisenbahnbrücke, die während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg wichtige strategische Bedeutung hatte und daher unter strenger Bewachung stand. Davon können die zahlreichen Bunker aus dieser Zeit berichten. Einige sind (teilweise) begehbar, es laufen Audios von Zeitzeugen und in einem Bunker befindet sich sogar eine Kunstausstellung; dort wird aber gerade renoviert. Da die Bunker alle ein Feuchtigkeitsproblem haben, fragen wir uns allerdings, wie sie ihre Kunstwerke in dem besagten Bunker vor der Feuchtigkeit und dem einhergehenden muffigen Geruch schützen.


Abschließend gibt es auf dem großzügigen Areal, welches übrigens mit Picknickbänken und Grillplatz zum längeren Verweilen einlädt, noch einen Aussichtsturm, den Oddesundtårnet, der eine Fülle an Informationen über die Region, die Flora und Fauna und natürlich auch die ereignisreiche Geschichte zu bieten hat. Die Aussicht auf den Limfjord ist auch ganz hübsch. Der Turm ist kostenlos zu besichtigen und aufgrund des Aufzugs teils behindertengerecht errichtet (die Infotafeln im Treppenaufgang sieht man vom Rollstuhl allerdings nicht). Wenn man bedenkt, was sich zu Kriegszeiten Leidvolles hier abgespielt hat, dürfen wir Europäer mehr als dankbar dafür sein, heute auf Picknickbänken am Limfjord sitzen und einfach nur das Leben genießen zu können. Wir wünschen uns, dass sich dieser friedvolle Gedanke wieder in den Köpfen aller Menschen breitmacht. Der Platz bietet sich regelrecht für eine Übernachtung an, aber die laute Baustelle ist nicht sehr einladend. 


Über die Brücke rüber machen wir noch einen kurzen Abstecher zum Leuchtturm Grisetå Odde Fyr aus dem Jahre 1909. Er überwacht die westliche Einfahrt des Fjords und er ist auf unserem Reiseführer abgebildet, weswegen wir ihn natürlich auch sehen wollten. Angeblich ziert der Leuchtturm die Verpackung des dänischen Käses „Sovind“, den man bei Aldi Süd kaufen kann, aber das haben wir nicht überprüft. 


Insgesamt fahren wir nur sehr wenige Kilometer heute, denn unser Übernachtungsstopp befindet sich an der Marina in Struer, ein Katzensprung von der Oddesund-Brücke entfernt. Nach unserer Ankunft das immer selbe Schauspiel, wenn wir Strom zur Verfügung haben: alles, was einen Stecker und Kabel braucht, wird herausgeholt und geladen beziehungsweise in Stellung gebracht (denn alles auf einmal geht nicht) und Katja stürzt sofort in die Dusche (sie darf immer zuerst weil  das Haaretrocknen länger dauert). Tommy und Jamie erkunden die Gegend und finden einen Spielplatz und duschen etwas später. 



Am Morgen lassen wir uns Zeit, wir haben Jamie versprochen, nochmal auf den Spielplatz zu gehen. Also geht Mama mit Jamie auf den Spielplatz und spielt Pirat, Tommy kümmert sich um Ent- und Versorgung von Ludwig und danach verlassen wir Struer. Es gibt einen kleinen Zwischenstopp bei Geddal Strandenge in der Nähe von Spøttrup, den wir im Reiseführer gefunden haben, aber er gibt nicht viel mehr her als einen kurzen Spaziergang entlang an einem vogelreichen kleinen See. Dem Reiseführer folgend hatte sich Katja eine Route zurecht gelegt, die Tommy ganz spontan umschmiss, um noch einen weiteren Troll zu besichtigen (eigentlich hatten wir ihn schon abgeschrieben). Also fahren wir nach Hobro (beziehungsweise Mariager) und besuchen den kleinen Ivan, der ein schönes zweites Zuhause in einer liebevoll hergerichteten Parkanlage erhalten hat, aber erstens beginnt es schon wieder zu regnen und zweitens brauchen wir noch einen Stellplatz und daher brechen wir nach einem kleinen Snack wieder auf (Jamie hat momentan ständig Hunger, hoffentlich hat er jetzt nicht wochenlang Wachstumsschübe). Wir haben uns das Wikingermuseum Fyrekat in Hobro ausgesucht, wo man mit dem Wohnmobil außerhalb der Öffnungszeiten umsonst stehen darf. Während Katja kocht, stapfen Tommy und Jamie über das Gelände. Katja tut es ihnen gleich, als Jamie ins Bett gebracht wird. Es handelt sich um ein wikingertypisches Langhaus und einen Wall, in dem sich früher eine Wikingerfestung befand. 

Am nächsten Morgen beschließen wir, die 100 DK Eintritt für einen Erwachsenen zu zahlen und so gehen Tommy und Jamie ins Museum, Katja hat frei und geht fotografieren. Das an den Parkplatz angrenzende Museum ist nur eine Art „Außenstelle“, denn das richtige Museum befindet sich ein paar Hundert Meter die Straße zurück. Dort befindet sich ein rekonstruiertes Wikingerdorf mit darstellenden Künstlern. 

Auch hier findet sich ein Langhaus, in dem eine ganze Sippe mit circa 20 Personen lebte, im Winter zusätzlich noch die Tiere. Das Dorf hatte eine Holzwerkstatt aber keinen Schreiner, denn die Dinge für den täglichen Bedarf stellte jeder Wikinger selbst her. Kleine Arbeitshäuser dienten eventuell aus Kostengründen als Wohnort für alleinstehende Arbeiter. Und die Schmiede stand immer etwas abseits von den anderen Häusern, da Hitze und umherfliegende Funken eine zu große Feuergefahr für das gesamte Dorf darstellten. Der Schmied wohnte vor Ort. Jamie durfte ein richtiges (viel zu schweres) Wikingerschwert halten und es gab Gelegenheit, ein verstoßenes Lamm zu streicheln, was von den „Dorfbewohnern“ mit der Flasche großgezogen wird.

Da wir nicht noch eine Nacht hier stehen wollen, fahren wir nach Aalborg, kaufen ein und parken ganz in der Nähe zur Fähre, die wir morgen nehmen wollen. Wir erkunden die Umgebung, entdecken den Vestre Fjordpark, ein riesiges Freibad mit Wasseraktivitäten, Spielplatz, Café (und das alles ohne Eintritt!), laufen durch das alternative Viertel Fjordbyen, welches süße kleine Wochenendhäuschen beherbergt, sich inzwischen aber auch als Ort für Aussteiger und Künstler entwickelt hat und landen letztendlich bei der Aalborg Streetfood Køkkenfabrikken. Eigentlich wollten wir nur ein Eis, dort gibt es aber auf 3000 qm Fläche Leckereien aus aller Herren Länder und so entscheiden wir uns für ein frühzeitiges Abendessen. Jamie tollt auf dem hauseigenen Spielplatz herum und kommt nur alle Nase lang mal vorbei, um sich ein paar Pommes in den Mund zu schieben. Ohne Theater bekommen wir ihn wieder nicht von hier weg. Wir haben uns entschieden, auf dem Parkplatz zu übernachten und verbringen eine ruhige aber ereignisreiche Nacht. 

Denn von zu Hause bekommen wir in jedermanns Status und auf Instagramm zahllose Bilder von Aurora borealis, den Polarlichtern zu sehen, während bei uns nichts passiert. Da sind wir zugegeben schon etwas neidisch, schließlich sind wir doch in den Norden gefahren, um sowas mal sehen zu können! Tommy schaut ständig in den Himmel aber bei uns sieht man nur weiße Schleier, es ist ein normaler bewölkter Himmel (nur dass man im Dunkeln ja keine Wolken sieht). Irgendwann geht er doch mal raus und nach ein paar Minuten kommt er wieder angeflitzt und meint, Katja soll sich ihr Handy schnappen und runter zum Fjordpark laufen, dort sieht man sie. Sie stapft also los, obwohl sie noch immer nichts als weiße Schleier sieht, hält ihr Handy drauf, Langzeitbelichtung und dann- wow- sind sie endlich da. Dann ist Tommy nochmal dran, diesmal nimmt er ein Handystativ mit (und weil er ein umsichtiger Ehemann ist, auch gleich nochmal Katjas Smartphone) und macht noch ein paar Bilder. Klar, wir sind natürlich froh, auch ein paar recht schöne Polarlichter Fotos gemacht zu haben, aber so hatten wir uns das irgendwie nicht vorgestellt. Da hat die Magie gefehlt, das Erkennen mit dem bloßen Auge, das fühlte sich irgendwie nicht echt an. Das hätten wir gern nochmal anders, aber die nächsten Monate gibt’s hier im Norden keine dunklen Nächte mehr, so dass wir uns in Geduld üben müssen. 


Für den nächsten Morgen haben wir uns den Wecker gestellt, denn es ist Samstag und allerschönstes Ausflugswetter und wir wissen nicht, wie voll die kleine Fähre nach Egholm wird. Die kleine Insel Egholm ist 650 ha groß und der höchste Punkt liegt immerhin 1,5m über dem Meeresspiegel. Wenn die Insel nicht eingedeicht wäre, würden mindestens 450 ha von der 600 ha Insel bei Sturm überschwemmt. Außerhalb der Deiche ist besonders die Egholm Nordküste von Strandwiesen und Strandsümpfen geprägt. Es gibt einen regelmäßigen Fährverkehr von Aalborg nach Egholm und innerhalb von 5 Minuten findet man sich in einer idyllischen Ruhe, fern ab vom Trubel der Großstadt und lauscht dem Vogelgezwitscher, den vorbeifahrenden Motorbooten und anderen Geräuschen der Natur. Die Insel ist bewohnt aber die Häuser kann man fast an beiden Händen abzählen. Bei Ausflüglern ist die Insel sehr beliebt zum Ausspannen, Baden oder für diverse Wandermöglichkeiten. 

Zwei der Wanderrouten (gelb und grün) führen direkt beim Troll Pil „Tausendzunge“ vorbei. Für die Fährfahrt haben wir für zwei Erwachsene 52 DK bezahlt, Kinder kosten nichts. Zurück am Ludwig gibt’s erstmal Käffchen und dann will Jamie unbedingt nochmal auf den Spielplatz in der Foodhall, weil er dort gestern „Freunde“ kennengelernt hat. Sie waren heute aber leider nicht da. Da wir ja nicht nur für Spielplätze hier sind, gehen wir getrennt rumlaufen und fotografieren und der andere beschäftigt sich während des Wartens mit dem Reiseführer für Norwegen. 

Ein neuer Tag bricht an und wir wollen nach Skagen. Auf dem Weg dorthin entsorgen wir im Hafen von Aalbæk und stellen uns in Skagen direkt in den Hafen. Skagen ist der größte und modernste Fischereihafen Dänemarks und hier liegen mehrere Trawler vor Anker, die mit der umstrittenen Schleppnetzfischerei großen ökologischen Schaden anrichten. Diese Boote sind mit umfangreichen Verarbeitungs- und Konservierungsanlagen ausgestattet und die Kühl- und Frostanlagen erlauben eine längere Verweildauer auf See. Bei mir löst der Anblick solcher Schiffe mächtiges Unbehagen aus, denn das Leerfischen der Bestände und das Zerstören des Lebensraums zahlreicher maritimer Lebensformen kann nicht die Lösung sein für die Versorgung des Menschen mit der wichtigen Nahrungsquelle Fisch. 

Skagen ist nicht sehr groß und so endet unser Spaziergang nach einem teuren Eis (113 DK) und wir kehren zum Ludwig zurück und fahren die letzten paar Kilometer nach Grenen zum Leuchtturm. Ein paar Meter weiter stolpert man über den offiziellen Grenen Touristenparkplatz, für den wir in der Nebensaison noch keine Gebühr löhnen müssen. Natürlich zieht es auch uns an den nördlichsten Punkt Dänemarks, dort wo Ost- und Nordsee zusammentreffen. Man kann die Strecke am Strand entlanglaufen oder man bucht eine Tour mit dem Sandormen, das ist eine Art Straßenbahnwagon, der von einem Traktor gezogen wird. Wir haben mal ausgerechnet, wieviel uns der Spaß gekostet hätte (2 Erwachsene, ein 4 jähriger, hin und zurück = 85 DK). 

Wir laufen natürlich selbst schon allein um die vielen tollen Steine am Strand zu begutachten. Die Strecke zieht sich, auf dem Rückweg gibt es ein wenig Theater, weil unsere kleine Maus müde ist und die Beine plötzlich wieder eine Funktionsstörung haben. Wir entscheiden uns zwei Nächte zu bleiben. Am zweiten Tag erkunden wir die Gegend, denn es gibt einiges zu entdecken. Das Grab des Dichters Holger Drachmann, der unter anderem auch in Skagen lebte, der Leuchtturm und viele Bunker der deutschen Wehrmacht aus der Zeit des zweiten Weltkrieges. Der Skagener Hafen war strategisch wichtig, daher wurde er von den Deutschen geschützt, vermutlich auch um ihre eigenen Versorgungswege zu sichern. Die Küstenanlage in Grenen bestand aus 28 Bunkern, davon bestanden 16 aus 2 Meter dicken Beton Wänden und Decken. Seit Kriegsende hat das Meer 40 Meter Land weggespült und die erste Reihe von Bunkern freigegeben, die nun teilweise unter Wasser stehen. Sie sind alle aus Sicherheitsgründen verschlossen, nur einer der größten ist begehbar und enthält kleine gemalte Kunstwerke an den Wänden. 

Auch heutzutage sieht man sehr viele Gestalten mit riesigen Gerätschaften durch die Dünen stapfen, das sind allerdings keine Raketenwerfer sondern hochauflösende Fernrohre, denn Grenen ist ein beliebter Ort zur Vogelbeobachtung. 

Für den dritten Tag haben wir uns wieder den Wecker gestellt, denn wir müssen nach Hirtshals für die Fähre nach Norwegen. Auf dem Weg dorthin leeren wir Grau- und Schwarzwasser und dann heißt es wieder warten. Das sind wir inzwischen gewohnt und so vertreiben wir uns die Zeit, machen uns routiniert noch eine Tasse Cappuccino und wundern uns, dass wir zum ersten Mal für die Überfahrt unser Gas abstellen müssen. Dann heißt es irgendwann Abschied nehmen und wir tun dies mit einem lachendem und einem weinenden Auge. Dänemark war nicht gespickt mit Highlights, wie sie uns in Norwegen erwarten, aber nichtsdestotrotz hatten wir eine schöne Zeit. Dänemark hat viel zu bieten und steht unbegründet im Schatten seiner größeren Nachbarn im Norden. Hätten wir mehr Zeit, würden wir länger bleiben, aber wir wollen bis ans Nordkap, bis dahin ist es ein langer Weg und die Sommer in Skandinavien sind kurz. Deswegen drängt die Zeit.

Sonntag, 12. Mai 2024

Trolljagd in Dänemark (nach Thomas Dambo)

 

Thomas Dambo ist ein dänischer Recycling- Künstler, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, den Menschen zu zeigen, dass man Dinge nicht wegschmeißen muss sondern wiederverwenden kann. Er verwandelt Müll in großformatige Kunstwerke, um darauf aufmerksam zu machen, dass es schonender ist, Materialien zu recyceln, anstatt sie wegzuschmeißen und sich über schwindende Ressourcen zu ärgern. Inzwischen hat er seine Kunstwerke in 20 Ländern auf 5 Kontinenten verteilt, aber Dänemark hat das Glück, einen Großteil davon abbekommen zu haben. Schuld daran war Covid, weil seine Aufträge u.a. für die Olympischen Spiele in Japan abgesagt wurden. Und so veranstalteten Thomas und sein Team das Kæmpestore Troldefolkefest (Das große Trolliefolkyfest) in der Heimat und bauten 10 Trolle, die in ganz Dänemark verstreut sind. Es gibt eine online Trollkarte mit deren Hilfe man sich einen guten Überblick über die Lage der Trolle weltweit verschaffen kann. Diese Karte hier ist für das Finden der Trolle in Dänemark unserer Meinung nach hilfreicher da die Adresse angegeben wird.

Die Trolle sind nicht immer auf Anhieb zu finden und das ist Absicht. Thomas Dambo möchte, dass man mit offenen Augen durch die Welt geht, Abenteuer erlebt und sich auf Neues einlässt. Deswegen stehen die Trolle oft in Parks und Wäldern und sind nur über einen Spaziergang zu erreichen.

Unser Ziel ist es nicht, alle Trolle in Dänemark zu finden, aber wenn sie auf dem Weg liegen oder über einen kurzen Abstecher zu erreichen sind, nehmen wir diesen Umweg gern in Kauf. Deswegen möchten wir hier einen Überblick über die von uns gefundenen Trolle geben und, für die Wohnmobilisten unter Euch, Tipps fürs Parken geben, was bekanntlich mit einem Wohnmobil nicht immer so ganz einfach ist.

Wir führen die Trolle der Einfachheit halber in der Reihenfolge auf, wie wir sie besucht haben.


Ben Chiller: Thorsagervej 21C in 8544 Mørke (Troll #007)

Ursprünglich saß Ben Chiller 2015 bei einem Musikfestival in Aarhus, wo er „chillte“ und die Musik zusammen mit den anderen Festivalbesuchern genoss. Damals waren noch beide Beine ausgestreckt und die jeweils 11 Meter dienten als Sitzgelegenheiten. Inzwischen wurde er zu seinem jetzigen Standort in Mørke auf Djursland umgezogen. Dort ist er von der Straße aus gut zu sehen, da er auf einer Anhöhe sitzt. 

An der Straße kann man schlecht parken, deswegen sind wir vom Ebeltroftvej kommend rechts in den Thorsagervej abgebogen und dann gleich bei der nächsten Gelegenheit rechts auf einen Feldweg. Die Stelle macht den Eindruck, dass unser Womo nicht das erste Fahrzeug ist, dass dort abgestellt wurde, vermutlich ist es eine recht beliebte Stelle zum Parken. Von dort läuft man nicht mal 5 Minuten zum Ben. 




Sigurd: Vesterskovgårdsvej, 8544 Mørke (Troll #52)

Um Sigurd zu finden, fährt man durch Mørke durch, am besten mit Hilfe einer Navigationshilfe weil es durch ein Wohngebiet hindurch geht. Der Troll selber befindet sich dann aber am Ortsrand. Wenn man einen guten Parkplatz für Ben Chiller gefunden hat, kann man die paar Kilometer sicherlich auch zum Sigurd laufen, aber auch das dann nur mit Navigation da die Trolle nicht ausgeschildert sind (Thomas Dambo möchte schließlich den Entdecker in uns wecken). Die Straße ist nicht besonders breit aber auch keine Hauptverkehrsstraße. Wir konnten unser Womo am Straßenrand parken (etwas holprig, da vom Regen ausgespült) und es war noch Platz genug für andere Fahrzeuge zum Vorbeifahren. Das Wenden ist dort aber nicht möglich, fahrt die Straße einfach weiter und irgendwann kommt man auf eine größere Straße.

Der Troll Sigurd heißt eigentlich Sigurd, the bird and the red thing (Sigurd, der Vogel und das rote Ding) und das bezieht sich auf das folgende kleine Gedicht:

 

„Dies ist die Geschichte von Sigurd dem Troll
Ein tapferer kleiner Troll mit einer hilfreichen Seele
Es ist weder das erste noch das letzte Mal, dass diese Geschichte erzählt wird
Denn die Geschichte ist neu, doch der Sinn ist alt

 Er saß im Gras und hörte das Gras wachsen

Er fühlte die Sonne auf seinem Fell glühen und den Wind wehen
Doch dann kam schnell ein Vogel und setzte sich auf seinen Zeh
Er funkelte wie ein Sperling und sprach wie eine Krähe
 
Der Vogel sah Sigurd an, Sigurd sah den Vogel an
Da sprach der Vogel zu Sigurd: „Bitte hilf, hast du gehört?
Da ist ein seltsames Tier bei dem Hügel, das alle kleinen Vögel erschreckt.
Es ist rot, riecht wie ein Scheißhaufen und macht so viel Lärm, dass es weh tut.
 
Dann liefen sie zum Hügel, wo sie sich bei einem Felsen versteckten.
Oder der Vogel lief nicht wirklich, sondern saß nur auf Sigurds Schulter.
Und von der Schulter und dem Felsen sahen sie ein seltsames Ding
Es war rot, hatte vier Beine und lief in einem Ring herum.
 
Zuerst schrie Sigurd: „Hey du! Bitte sei nicht so laut'
Aber es rannte weiter in einer großen stinkenden Wolke herum
Da sagte der Vogel: „Wirf einen Stein, Sigurd, damit es aufwacht.
Der Stein traf ihn am Auge, aber er hörte immer noch nicht auf.
 
Dann ging Sigurd raus und sagte ihm, es solle aufhören.
Aber das Ding konnte ihn nicht sehen und rannte direkt in sein Bein.
Jetzt sahen Sigurd und der Vogel, dass das Tier nicht wach war.
Seine Haut war kalt, sein Bauch hart, seine lächelnden Augen waren falsch
 
Also setzte sich Sigurd auf das Tier und hielt es gut fest.
Der Vogel sagte: „Danke, Sigurd!“ und rollte den Hügel hinunter.
Wieder und wieder, bis er alt wurde
Und das ist die Geschichte von Sigurd dem Troll“.









Simon & Anine in 8381 Tilst bei Aarhus (Trolle #20,21 – vorher #8)

In 2015 wurde Simon Selvgjort am Stadtrand von Aarhus, in Tilst aufgestellt aber da er später an eine andere Stelle umziehen sollte, wurde er nicht mit dem Erdboden verbunden. Ein Sturm wütete kurze Zeit später und zerstörte Simon komplett. Das 14 jährige Mädchen Anine war sehr bestürzt darüber und begann, Geld für den Wiederaufbau zu sammeln, was sie innerhalb von 4 Tagen bewerkstelligte. Da ein Künstler selten exakte Kopien seiner Werke erstellten möchte, veränderte er Simon und gab ihm die Aufgabe, sich selbst einen Kompagnon zu basteln, der ihm Gesellschaft leisten soll. Diese Freundin bekam den Namen Anine.

Simon & Anine sind leicht zu finden, sie stehen in Tilst direkt an der Hauptstraße (Ecke Viborgvej und Havkaervej). Dahinter befinden sich KFC, eine Tankstelle und ein großer Shopping Parkplatz, sodass das Parken hier kein Problem darstellt. 









Starker Sturm: Gjessovej 44, 8600 Silkeborg (Troll #65)

Starker Sturm steht mitten im Wald und genießt die Aussicht ins Umland. Er wacht über die Tiere des Waldes. Wir parkten am KunstCentret Silkeborg Bad und bestaunten beim Durchqueren des Parks die vielen Statuen und Kunstwerke. Es gibt auch einen kleinen Musikpark, der zum Musizieren einlädt. 

Man läuft dann eine kleine Anhöhe hinauf auf ein rotes Holzhaus zu und hier hält man sich rechts und betritt den Wald. Der Weg ist nicht lang und sobald man den Bunker am Wegesrand entdeckt hat, kann man links abbiegen. Von hier sieht man den Troll dann auch schon. 

Silkeborg Bad ist geschichtlich sehr interessant, weil sich hier während der deutschen Besatzung Dänemarks 1940-1945 das Hauptquartier der Wehrmacht befand. Im Bunkermuseum gibt es eine Ausstellung mit Fotos und Gegenständen aus dieser Zeit. 






Elle: Hybenvej, 8800 Viborg (Troll #114)

Elle ist 6 Meter hoch und trägt einen drei Tonnen schweren Stein in ihren Händen. Sie steht in einer Kiesgrube hinter der Søndre Skole und wacht über den Ellehügel, der hinter ihr liegt. Sie passt auf die Natur auf und schützt sie vor den Menschen. Inspiriert wurde Thomas Dambo von dem folgenden Gedicht:

Es war einmal ein Feenhügel, so jung und schön und süß
Einst tanzten die Feen, wenn die Sonne rot war
Einst gab es Blumen, Buchen und den Schmied in Gold gekleidet
Einst war die Erde voller Würmer, und der Maulwurf grub den Boden um.
 
Dann kam ein riesiges Ungeheuer und biss in den Hügel
Da schrie das Feenmädchen und lief über das Feld davon.
Viele lange Jahre vergingen, und die Spitze wurde braun
Und das Feenmädchen kehrte als Frau zum Hügel zurück
 
Und in einem Sack trug sie hundert Steine auf ihrem Rücken
Und nun hat sie sie quer über das Feld gelegt, wie einen Schutzwall, der den Hügel abschirmt
Dahinter hat Elle ein Versteck vor dem Ungeheuer
das versucht, den mit Blumen gefüllten Hügel zu betreten und zu verschlingen.

Es gibt zwar einen kleinen Parkplatz an der Straße, aber diesen nutzten wir nicht. Da wir sowieso die Nacht in Viborg verbrachten, parkten wir im Sønæs Park und liefen den knappen Kilometer zum Troll. Ein wunderbarer kleiner Spaziergang zu dem künstlich angelegten Eventpark. Da man die meiste Zeit durch ein Wohngebiet läuft, befindet man sich größtenteils nicht an der Hauptverkehrsstraße. 




Wilder Emil: Tinkerdalsvej, 7500 Holstebro (Troll #93)

Als Adresse wird der Tinkerdalsvej angegeben und dort befindet sich auch ein Parkplatz, der ist aber sehr klein und für große Wohnmobile eher ungeeignet. Bleibt einfach auf der Hauptstraße Viborgvej (das ist die 16) und da gibt es dann einen von der Straße gut einsehbaren Waldparkplatz mit öffentlicher (sauberer) Toilette und groß genug für mehrere Wohnmobile.

Der Ort ist auch ohne den schlafenden Emil sehenswert, gerade für Familien mit Kindern. Auf dem angrenzenden Outdoor Spielplatz und Hindernis Parcour können sie sich wunderbar austoben. Gefühlt wandelt man auf einer Baumplantage denn sie stehen alle in einer Linie, in gleichem Abstand zu einander und die meisten von ihnen kerzengerade. Folgt man dem Hinweis des Gedichts und schaut nach Bäumen, die diesem Ideal nicht entsprechen, findet man den schlafenden Emil in seiner kuscheligen Waldbehausung.

"Dies ist eine Geschichte über eine besondere Art von Wildnis.
Wo die Bäume aufgereiht sind ohne Makel, ohne Durcheinander.
Aber für den Troll namens Vild Emil braucht der Wald keinen Kamm.
Deshalb werden Holzfäller seinen Weg meiden - oder nie wieder nach Hause kommen
Emil mag krumme Bäume (gerade Linien sind ein Schandfleck).
Äste wachsen auf Ästen und verzweigen sich zum Erkunden.
Wenn du Emil finden willst, geh dorthin, wo die Bäume gesponnen sind.
Aber wenn du ein Grunzen hörst, drehst du dich besser um und rennst."





Ask von Ashøj: Ashøjgade 47, 7760 Hurup Thy (Troll Nr. 68)

Wir hatten den folgenden Standpunkt (N 56.7540 E 8.4059) in der Ashojgade als unseren Parkplatz auserkoren und liefen von dort zum Troll. Es gibt zwar dort einen Parkplatz, aber der befindet sich im Wald und es ist nicht besonders viel Platz. Deswegen waren wir froh, unser Womo dort nicht abstellen zu müssen.

Das Suchen des Trolls ist immer das Spannendste bei der Trolljagd. Meistens haben wir uns in zwei Gruppen aufgeteilt und können uns durch unsere Walkie Talkies gut verständigen, weil wir den Tommy irgendwie immer verlieren. 

Ask ist der größte Troll in Dänemark. Und er sitzt auf einem 93 Meter hohen Hügel, der höchste Punkt Thys (Dänemark ist generell sehr flach). Gut versteckt sitzt er mitten auf einer Lichtung, mit einem Stein in der einen und einem Stock in der anderen Hand. Er repräsentiert die Kräfte der Natur. Thomas Dambo sagt über Ask: „Wenn Sie die Natur schlecht behandeln, werden die Trolle kommen und Sie schlagen, Ihre Kinder essen oder Ihren Hamster töten. Aber wenn Sie sich richtig verhalten, kann er Ihnen helfen, ein Nest zu bauen oder einen Baum zu pflanzen.“



Ivan Evigvår: Skovvej 4, 9550 Mariager (Troll Nr. 70)

Ivan wohnte früher im Südhafen von Kopenhagen, musste dann aber sein Zuhause aufgrund von Platzproblemen bei der Vergrößerung des Südhafens verlassen. Es wurde ein Wettbewerb ins Leben gerufen um ein neues Zuhause für Ivan zu finden und am Ende stimmten 51.000 Menschen über seine neue Bleibe ab. Er steht nun in einem schönen Park (Munkholm Anlagget) in Mariager in Nordjütland und bezog in 2022 sein neues Heim. 

Als Adresse ist Skovvej 4 angegeben, dort befindet sich aber ein Haus. Man fährt durch eine bewohnte Siedlung, es gibt also nicht besonders viele Parkmöglichkeiten. Entweder man googelt, ob man nicht woanders entlang der Munkholm Anlagget parken kann, oder man wählt den kleinen Parkplatz entlang des Skovvej. Er ist nicht zu verfehlen, weil er die einzige Parkmöglichkeit darstellt und man sieht rechts sofort den kleinen Teich. Der Platz ist groß genug für eine kleine Anzahl Wohnmobile, aber dort könnten natürlich auch PKW stehen sodass es dann schon eng werden könnte. Von dort läuft man runter zum Wasser, hält sich rechts und besteigt den kleinen Hügel, auf dem Ivan wohnt. 





Pil Tusindtunge: Egholm, 9000 Aalborg (Troll # 66)

Die kleine Insel Egholm befindet sich im Limfjord zwischen Aalborg und Nørresundby. Innerhalb von 5 Minuten ist man mit der Fähre auf die andere Seite des Limfjordes übergesetzt und nun stehen diverse Wanderrouten zur Verfügung, wobei die gelbe und die grüne Route direkt bei Pil vorbeiführen (siehe Bild). 

Dieser kann mit Tieren und Menschen sprechen (deshalb der Name „Tausendzunge“). Besucher schreiben ihre Wünsche auf Steine und legen diese in den Eimer, den Pil vor sich hält. Später dann berät er sich mit den Tieren des Waldes, ob die Wünsche erfüllt werden sollten oder nicht.

Geparkt haben wir auf dem Parkplatz am Faergevej, was ein Sammelparkplatz für Fährnutzer, Besucher des angrenzenden Vestre Fjordparkes (sehr zu empfehlen!) und Spaziergänger ist. Runter zur Fähre sind es nicht mal 2 Minuten und die fährt jeweils zur vollen und halben Stunde. 






Wer Thomas Dambo folgen möchte, kann dies entweder auf seiner Homepage tun oder für aktuellere Infos auf Instagram vorbeischauen.

Fazit: Natürlich haben wir bei den Trollen immer auch andere Trolljäger getroffen und dabei handelte es sich nicht nur um Familien mit Kindern. Die Trolle begeistern Jung und Alt und Thomas Dambo hat liebevoll gestaltete Sehenswürdigkeiten hinterlassen, die Besuchern hoffentlich noch lange erhalten bleiben und ihnen das Verweilen und Entdecken in der Natur zu einem besonderen Erlebnis machen. Wir werden unsere Augen auf jeden Fall auch in anderen Ländern offen halten, um unsere Liste der besuchten Thomas Dambo Trolle irgendwann erweitern zu können. 

Noch ein kleiner Hinweis. Die Gedichte klingen teilweise etwas holprig, was der Übersetzung aus dem Dänischen geschuldet ist. Da wir des Dänischen nicht mächtig sind, haben wir uns eines Online Übersetzers bedient, die zwar heutzutage bereits gute Arbeit beim Übersetzen von Texten liefern, aber ein Gedicht zu übersetzen ist nicht das selbe wie eine Bedienungsanleitung oder ein Reisebericht.