Samstag, 7. Mai 2022

Ein weiterer kleiner Ausflug im Mai

 

Anfang Mai brachen wir erneut auf einen Kurztrip auf. Dieser dauerte lediglich 4 Tage und wir hielten uns nicht unweit der Heimat auf. Wir lieben das Gefühl der Freiheit in unserem Ludwig und die Möglichkeit, kleinere Exkursionen etwas entspannter angehen zu können. Die Ziele hätten wir auch als Tagesausflüge von zu Hause besuchen können aber wer mit Kleinkind reist, weiß dass dies nur in der Theorie so schön einfach klingt. Bis das Kind dann endlich mal angezogen ist und im Auto sitzt, ist eigentlich schon wieder Zeit für den Mittagsschlaf und obwohl die Autofahrt nun die perfekte Zeit für ein Nickerchen wäre, finden die Kleinen meist erst 5 Minuten vor Ankunft in den Schlaf. An einen entspannten Besuch im Tierpark / Spaziergang oder Entdeckungstour am Ziel ist dann nicht mehr zu denken.  Das bedeutet nun leider nicht, dass Jamie während dieser Tage immer schön ausgeschlafen und fit war denn der Schlafrhythmus ist trotzdem gestört. Aber im Wohnmobil kann man sich glücklicherweise einfach mal hinlegen und versuchen, ob man sein Kind vom Schlafen überzeugen kann.

Die erste Etappe führte uns in die Kurstadt Bad Salzungen in den Wartburgkreis. Die Stadt ist überschaubar und bietet erstaunlich viele schön angelegte Themenspielplätze (Piratenschiff, Burg etc), die alle fußläufig zu erreichen sind. Während wir vor einigen Jahren noch kilometerweit durch die Stadt gelaufen wären um Fotos von Sehenswürdigkeiten, kleinen versteckten Gassen und liebevollen Details zu schießen, sitzen wir heute auf einem Spielplatz und schauen unserem Kind dabei zu, wie es glücklich zum 53. Mal allein die große Rutsche hinunter saust. Bilder entstehen on-the-go wenn man mal was interessantes sieht. So verschieben sich die Prioritäten! 

Etappe zwei führte uns in das Biosphärenreservat Rhön zur Besucherplattform „Noahs Segel“. Die Plattform bietet einen Panoramablick über die gesamte Rhön von Thüringen bis nach Bayern und Hessen. Die Plattform ist 21 Meter hoch und über eine Treppe zugänglich. Hier befindet man sich in 830 Meter über dem Meeresspiegel. Den Weg hinunter kann man abkürzen über die Abenteuerrutsche. Für dessen Nutzung stört es Kinder auch nicht, die Treppen 10-, 20- oder 30-mal zu nehmen wo man doch vorher eigentlich total müde und zu keinem weiteren Schritt in der Lage war. Für Jamie war die Rutsche noch ein wenig zu steil und schnell, er traute sich nicht und so rutschte der Papa eben alleine. Für ältere Kinder ist der Aussichtsturm, vor allem durch die Abenteuerrutsche sicherlich ein tolles Ausflugsziel, aber für Kleinkinder eher ungeeignet.

Nicht weit entfernt von Noahs Segel befindet sich die Erlebniswelt Rhönwald mit der „Arche Rhön“. Wir nutzten nur den Spielplatz aber für den Eintrittspreis von 3 Euro bekommt man noch mehr geboten. Verschiedene Themen – Hütten mit Ausstellungen über die Rhön, einen Barfußpfad, Fledermaushöhle, Waldschule, Besucherzentrum Arche Rhön und diverse Lehrpfade. Für Kleinkinder eher ungeeignet aber für größere Kinder und Erwachsene sicherlich sehr informativ und interessant. Auch hier befand sich eine Röhrenrutsche. Sie war wesentlich kleiner als die beim Segel aber Jamie war von ihrer Nutzung nicht zu überzeugen. Erst ganz zum Schluß entdeckte er, wieviel Spaß man auf dieser Rutsche haben konnte und wollte sie dann – wie sollte es anders sein- nicht mehr verlassen.

Die Nacht verbrachten wir ganz idyllisch an einem der zahlreichen kleinen Seen in der Gegend.

Tag 3 brachte uns auf die Wasserkuppe im hessischen Landkreis Fulda. Mit 950m ü. NHN ist die Wasserkuppe der höchste Berg der Rhön und die höchste Erhebung in Hessen. Auf der „Wiege des Segelflugs“ konnten wir zahlreiche Segelflieger beim Starten, Segeln und Landen beobachten und erfuhren später bei einem Small Talk mit einem der Fluglehrer, dass es sich hierbei größtenteils um Offiziers Anwärter der Bundeswehr (Luftwaffe) handelte, die hier eine Teambuilding Maßnahme absolvierten. Die Wasserkuppe hat, was den Tourismus anbelangt, in den letzten Jahren wahnsinnig aufmunitioniert und so hat sich zu Besucherzentrum und Verkaufsstraße ein Kletterwald, Sommerrodelbahn, Abenteuerspielplatz, Holzkugelbahn und ein Feriendorf gesellt. Hier hätten wir sogar die Nacht auf dem Stellplatz verbringen können aber die Preisgestaltung ist etwas unglücklich geraten. 5 Euro für Wohnmobile für 24 Stunden, wobei das Ticket bis genau 23:59 Uhr gilt. Rein theoretisch müßte man sich um Mitternacht nochmal zum Parkautomaten begeben, um nochmal ein Ticket zu lösen. Warum man die 24 Stunden nicht nach Kauf des Tickets zählt, verstehen wir nicht so recht.

Eigentlich wollten wir ja an diesem Tag noch in den Wildpark bei Gersfeld, aber die Zeit war schon stark vorangeschritten. Somit planten wir diesen Ausflug für unseren letzten Tag ein und parkten direkt beim Wildpark auf dem Wohnmobilstellplatz, wo das Parken über Nacht nicht verboten ist. Wir waren also am nächsten Tag verhältnismäßig früh im Park (also wir sprechen hier von unseren Verhältnissen: Öffnung 9 Uhr schafften wir natürlich nicht) und hatten genügend Zeit, die Tiere im Park zu suchen und, wo erlaubt, zu füttern. Wir befürworten solche Parks nicht und bevorzugen immer Tiere in der freien Wildbahn, aber wo oder wann hat man schon mal die Gelegenheit, einem Kind so viele unterschiedliche Tiere zu zeigen und hat dann noch Zeit, sie zu betrachten, ohne dass sie gleich im nächsten Gebüsch verschwinden?

Ein paar Stunden später waren wir schon wieder zu Hause und entluden unseren Ludwig. Gerade als sich Jamie an die Routine im Wohnmobil gewöhnt hatte, rissen wir ihn schon wieder heraus. Wir sagten ihm lieber noch nicht, dass er am nächsten Tag wieder in den Kindergarten gehen würde….

 








 

Freitag, 6. Mai 2022

Die ersten Kurztrips in 2022

Eingeleitet haben wir unsere Wohnmobilsaison dieses Jahr extrem früh und nach reichlicher Überlegung. Schließlich kann man sich gemütlicheres vorstellen als Mitte Januar draußen in der Kälte zu schlafen. Aber wir wollten Familie in Bayern besuchen und gemeinsam Geburtstag feiern und da wir nicht die einzigen Gäste waren, gestaltete sich die Vergabe der Schlafplätze schwierig. Und so brachten wir unsere Schlafplätze einfach mit und sorgten im Vorfeld dafür, dass die Gasflaschen ausreichend gefüllt waren damit sie unsere Heizung ordentlich befeuern konnten. Geschlafen haben wir zu dritt in einem Bett, was wir normalerweise im Ludwig nicht mehr tun, da der Kleinste den meisten Platz in Anspruch nimmt und für uns nicht mehr viel Platz übrigbleibt. Aber um nicht auszukühlen haben wir es für eine Nacht gewagt und ja, es war kuschlig warm. Für Frühstück im Wohnmobil war es eindeutig nicht kuschlig genug und außerdem gab es ja Frühstück mit den anderen im Haus.

Die eine Nacht hatte uns vollkommen gereicht. Im Winter kann man im Ludwig nicht schlafen – zumindest nicht in Deutschland und nicht ohne extrem hohen Gasverbrauch für die Heizung. Winterfest ist unser Ludwig mit seinem doppelten Boden, aber das heißt nun nicht automatisch, dass man die Kälte vor der Türe stehen läßt. Das Auto kühlt recht schnell aus, da nützt ein doppelter Boden nur bedingt etwas. 

Seine zweite Ausfahrt bekam unser Ludwig dann kurz nach Ostern, allerdings war sie ebenfalls nicht besonders lang. Das hatte aber eher etwas mit den hohen Spritpreisen zu tun und der Tatsache, dass sich unsere Freunde aus Bayern, die wir eigentlich besuchen wollten, aus einigen organisatorischen Gründen nach Thüringen begeben hatten und so mussten wir glücklicherweise nicht so viele Kilometer zurücklegen, um sie zu sehen. Wir waren insgesamt nur 3 Tage unterwegs und verbrachten diese in und um Erfurt herum sowie im Nationalpark Hainich. 

In Erfurt hatten wir ein Wiedersehen mit dem P+R Parkplatz am Stadion, auf dem wir bereits letztes Jahr im Juli gestanden hatten, als wir dem Kyffhäuser einen Besuch abstatteten (den Bericht dazu gibt es hier). Mit unseren Freunden nahmen wir die Straßenbahn Linie Nr. 1 und Jamie war hellauf begeistert. Seine erste Straßenbahnfahrt! Für viele mag das total banal klingen, aber in Suhl gibt es nun mal keine Straßenbahn und wir fahren ja nicht mal Bus. Leider fuhren wir nur eine handvoll Stationen bevor wir unser Ziel Am Anger erreichten und Jamie war total enttäuscht, schon wieder aussteigen zu müssen. Besonders viel erkundeten wir an diesem Tag nicht, aber das war mit unseren beiden Mäusen (mit dabei war auch die kleine Hannah, noch ein paar Monate jünger als Jamie) auch nicht zu erwarten.

Obwohl Jamie das Sandmännchen fast jeden Abend vor dem Zubettgehen schaut, zeigte er an der Sandmann Figur bei der Krämerbrücke null Interesse und rannte lieber die Rasenflächen auf und ab. Wir wollen nicht wissen, wie oft entzückte Eltern nostalgisch vor dem Sandmännchen stehen und Fotos von ihren Kindern machen wollen und diese die ganze Aufregung überhaupt nicht verstehen können. Wir fühlen uns an ein Stück unserer Kindheit erinnert und für die Kinder sitzt da halt nur das Sandmännchen. Punkt aus. Der Spielplatz ein paar Meter weiter fand bei unserem Sprößling weitaus mehr Beachtung und wir benötigten viel Überredungskunst, irgendwann mal weitergehen zu können, um uns der längst überfälligen Nahrungsaufnahme zu widmen. 

Am nächsten Morgen, während wir gemütlich frühstückten, ereilte uns das nächste Highlight in Form eines Probealarms im Erfurter Stadion, dessen Lautsprecheransagen über den ganzen Parkplatz schallten. So wie wahrscheinlich alle Jungs in seinem Alter, liebt Jamie alles was Tatü-Tata macht und obwohl die Feuerwehr nicht anrückte, reichten ihm bereits unsere Erklärungen darüber, was da gerade geübt wird. Als dann kurz darauf trotzdem Polizei mit Blaulicht am Parkplatz vorüberfuhr, war die Aufregung perfekt. Ach es ist toll, wenn sie noch so einfach zu begeistern sind. Wo können wir bitte unseren Wunsch aufgeben, dass dies ewig so weitergehen mag? 

Die Straßenbahn Haltestelle war von unserem Stellplatz aus wunderbar einzusehen und die Linie fährt in hoher Frequenz. Wenn immer Jamie sie erblickte, kommentiere er dies begeistert. Wir wussten also was zu tun war und kauften ein Tagesticket und fuhren zum Erfurter Hauptbahnhof und begaben uns zu den Bahnsteigen. Die Eisenbahn sieht Jamie regelmäßig von unserem Wohnzimmer aus, da sie dort im Halbstundentakt vorbeifährt, aber einen Bahnhof hat Jamie noch nie zu Gesicht bekommen. Nach einigen Erläuterungen fuhr dann auch endlich mal ein Zug ein und wir beobachten das Ein- und Aussteigen der Passagiere. Irgendwann hat man alles gesehen, was es auf einem Bahnsteig so zu sehen gibt und so erkundeten wir noch ein bisschen Erfurt und gönnten uns sogar ein kleines Eis (aber eigentlich war es doch noch ein wenig zu kalt dafür trotz der Sonne). Straßenbahn fuhren wir natürlich auch noch einige Male und am frühen Nachmittag kamen wir zurück zu unserem Ludwig, um uns in Richtung Nationalpark Hainich zu begeben. Dort wollten wir uns mit unseren Freunden treffen. 

Der Nationalpark Hainich zählt mit seinem Ökosystem Baumkronen zum UNESCO -Weltnaturerbe, dank einer der vielfältigsten Lebensräume der Erde. Der Baumkronenpfad wurde als zweiter Pfad dieser Art in Deutschland 2005 eröffnet und um eine zweite Schleife in 2009 erweitert und aufgewertet. Der Pfad ist insgesamt 540 Meter lang und besteht aus zwei Schleifen. Der erste 300 Meter lange Abschnitt ist der Fauna im Nationalpark gewidmet; die zweite 240 Meter lange Schleife gilt dem Urwald selbst. Der Pfad startet in einer Höhe von 10 Metern und steigt stetig auf 24 Meter an. Der Baumturm mit Aussichtsplattform im Zentrum des Pfades ist 44 Meter hoch und bietet eine atemberaubende Panoramasicht auf den gesamten Hainich und das Thüringer Becken. 

Der Baumkronenpfad ist übrigens barrierefrei und mit Kinderwagen und Co zu benutzen. Den Lift dazu haben wir zwar nicht gesehen aber wir waren auch mit zwei kleinen Kindern beschäftigt, die sich lieber einen Teil der Stufen haben tragen lassen. Der Aussichtsturm ist definitiv nur über Stufen zu erreichen. Für lauffreudige Besucher bietet der Nationalpark ein großzügiges Netz an zusätzlichen kleinen Wanderungen durch den schönen Buchenwald des Hainich und dort kann man einen natürlich belassenen Wald beobachten, Schau- und Informationstafeln studieren und das Vogelgezwitscher auf sich wirken lassen. Wenn man es einrichten kann, sollte man für diesen Besuch viel Zeit mitbringen um das weitläufige Areal um den Baumkronenpfad herum kennenlernen zu können und um diverse Erlebniswelten, interaktive Präsentationen, Filmvorführungen und vieles mehr erkunden zu können. Erst dann lohnt sich der Eintrittspreis von 11 Euro für Erwachsene zumal das Parken für Wohnmobile auch 10 Euro kostet (und man dann trotzdem nicht mal über Nacht dort stehen bleiben darf). Für PKW betragen die Parkgebühren 3 Euro. 

Den schönen Tag ließen wir mit unseren Freunden in der urigen Hainich Baude am Wanderparkplatz Craulaer Kreuz mit deftiger Brotzeit und Linsensuppe ausklingen und hier drehten beide eigentlich total übermüdeten Kinder nochmal komplett auf. Glücklicherweise durften wir unseren Ludwig in der Nähe der Baude parken und fielen somit aus der Hütte gleich in unser Bett. Das hätten sich einige der Gäste wahrscheinlich auch gewünscht, die zahlreiche Schnäpse und Biere intus hatten. 

Der nächste Morgen war sehr windig aber das hielt die Leute nicht vom Wandern ab. Wir parkten ja auf einem Wanderparkplatz und beim Frühstück spazierten oder radelten bereits einige Wanderlustige an unserem Fenster vorbei. Wir machten uns heute wieder auf den Heimweg und gleichzeitig eine mentale Notiz, der Hainich Baude irgendwann nochmal einen Besuch abzustatten. 




 


Donnerstag, 23. Dezember 2021

Willst Du die 741.953-ste Schneeflocke sein?

 "Wie viel wiegt eine Schneeflocke?" fragt ein Eichhörnchen eine Taube.

"Etwas mehr als nichts", erwidert diese.
"Wenn das so ist", so das Eichhörnchen "muss ich Dir eine Geschichte erzählen...

Neulich saß ich ganz nah am Stamm auf dem Ast einer Fichte und zählte die Schneeflocken, die sich rund um mich auf Zweigen und Nadeln niederließen. Es waren genau 741.952. Als die 741.953-te Flocke den Ast berührte, diese kleine Flocke, mit einem Gewicht von etwas mehr als nichts, brach der Ast."

Die Taube dachte eine Weile nach und sagte: "Vielleicht fehlt nur noch das Herz EINES Menschen und es wird Frieden in der Welt sein."


Ralf Marohn

 

Mit dieser rührenden Geschichte möchten wir uns für dieses Jahr verabschieden. Es gab nicht so vieles zu berichten obwohl wir nicht nur zu Hause gesessen haben. Aber in diesen Zeiten besinnt man sich auf das wirklich wichtige im Leben und dazu zählt nicht unbedingt das Schreiben von Reise- oder Erfahrungsberichten. Jamie entdeckt die Welt und seine eigenen Fähigkeiten jeden Tag neu und wir schauen ihm gern dabei zu. So wie er über die Welt staunt, staunen wir darüber wie schnell und einfach er lernt und alles in sich aufsaugt.

Wir wünschen Euch ein besinnliches Weihnachtsfest im kleinen oder großen Kreis mit Euren Liebsten. Lasst das C. Thema einfach mal in der Kälte vor der Tür stehen und widmet Euch angenehmeren Gedanken. Hier ein paar Fragen, über die man gerne mal sprechen kann und mit deren Hilfe Ihr sehr viel positive Energie und Schaffenskraft ins Feld geben könnt:

  • Wie wird unsere Welt nach dieser Krise aussehen?  
  • Worauf freue ich mich am meisten, was mache ich als erstes, wenn das alles vorbei ist?
  • Was habe ich in den letzten Monaten über mich gelernt, wie hat mich die Krise verändert?
  • Was hat sich im positiven für mich /uns verändert, wofür können wir dankbar sein?

Gerade die letzte Frage wird vielen schwer fallen aber wir laden Euch dazu ein, mal ehrlich darüber nachzudenken. Im Großen und Ganzen hat uns als Familie die Krise bisher nur Gutes gebracht. Wir haben eine Entscheidung recht schnell treffen müssen, für die wir uns unter normalen Umständen ewig Zeit gelassen hätten. Wir hatten als Familie mehr Zeit füreinander und sind uns durch all die äußeren Umstände noch stärker darüber im Klaren, was wir wollen und was wir für uns nicht möchten. Die Krise hat uns in unserer Überzeugung bestärkt, wie wir unser Leben leben möchten. Dies gilt es nun, in den nächsten Monaten oder Jahren umzusetzen.

 

Für das neue Jahr wünschen wir nicht nur Glück, Zufriedenheit, Gesundheit und Erfolg. Es wird auch viel Kraft, Hoffnung, Mut und Heilung benötigen und zwar auf vielen Ebenen. Soviel wurde zerstört im letzten Jahr, was erst mühseelig wieder aufgebaut werden muß: Vertrauen, Gesundheit und vor allem auch Beziehungen. Jahrelange Freundschaften sind zerbrochen, Familien sind zerstritten, die Gesellschaft ist gespalten. Jeder darf sich zu gegebener Zeit mit seinem eigenen Anteil an dieser Entwicklung auseinandersetzen und wird sich den damit verbundenen Gefühlen stellen müssen. Dieser Prozess ist wichtig und Voraussetzung dafür, dass wir irgendwann als Individuen wieder zu einer Gemeinschaft heranwachsen und Vertrauen in uns und andere haben.

Wir glauben fest daran, dass am Ende alles gut werden wird. Und wenn es noch nicht gut ist, dann müssen wir noch ein wenig durchhalten denn es ist noch nicht das Ende.

In diesem Sinne, kommt gut ins neue Jahr und paßt auf Euch auf!

Weihnachtliche Grüße von Tommy, Jamie und Katja




Donnerstag, 30. September 2021

Unser Sommerurlaub 2021

Sommer kann man das ja dieses Jahr eigentlich gar nicht nennen. Wir hatten 2 oder 3 Wochen viel zu heißes Wetter und seitdem dümpeln die Temperaturen so vor sich hin. Wir können das so genau sagen, weil wir im Dachgeschoss wohnen und sonst im Sommer dahinschmelzen. Die aufgestellten Ventilatoren liefen vielleicht 2x in diesem Jahr. Dazu kommen noch der viele Regen und die extremen Überschwemmungen im Westen des Landes, von denen wir dankenswerterweise verschont geblieben sind.

Die letzten Monate war ich immer der Meinung, dass wir nur geduldig sein müssen und sich der Sommer schon noch blicken lassen wird. Aber nun fallen hier auch schon die ersten Blätter von den Bäumen, sodass wir das Warten sein lassen können. Das wars dann halt dieses Jahr. Schwamm drüber und nach vorne blicken.

Unseren Urlaub haben wir an der Ostsee verbracht und zwar auf Usedom. Ich war schon ewig nicht mehr dort aber ich kann mich noch gut daran erinnern, wie wir immer am Strand gespielt haben. Es gibt auch zahlreiche Fotos davon. Da saß niemand dick eingemummelt herum, um sich vor der Kälte zu schützen. Auch diesmal waren wir einige Male am Strand und obwohl die Sonne schien, war es aufgrund des Windes so extrem kalt, dass ich an manchen Tagen sogar einen Pullover trug. Jamie ließen wir nie lange ins Wasser oder am Wasser spielen, weil er sowieso ständig ne Rotznase hat und wir ihm nicht den letzten Rest geben wollten.

Ich kann ehrlich gesagt die vielen Sonnenbadenden in ihren Strandkörben nicht verstehen, haben die nicht gefroren? Oder bin ich ein Weichei? Und es ging ja nicht nur mir so, selbst Tommy, dem es grundsätzlich immer zu warm ist, packte sich in seinen Badeponcho ein.

Kann mir eigentlich mal jemand den Reiz eines Strandkorbes erklären? Die Dinger sind für zwei Personen schon fast zu klein, wahlweise liegt oder sitzt man schwitzend eng beieinander und nach ein paar Stunden schmerzen wahrscheinlich die Lendenwirbel. Bräunen kann man nur die Vorderseite seines Luxuskörpers denn bäuchlings im Strandkorb sieht schon arg komisch aus. Ich habe das Gefühl, dass der Strandkorb besonders bei den territorialorientieren Urlaubern sehr beliebt ist, schließlich hat sich die Mehrzahl der Sonnenden ihr kleines Reich abgesteckt mittels mitgebrachter Stoffbahnen. Typisch Deutsch eben. Entweder es ist das Handtuch auf der Sonnenliege oder eben das exakt abgegrenzte Staatsgebiet um jedermanns Strandkorb. Dem sollte man dann auch bitte nicht zu nahe kommen.

Ich erinnere mich gelesen zu haben, dass die Ostsee schon seit Jahren immer beliebter bei den deutschen Urlaubern wird und dieser Trend dürfte seit Corona und ungewisser Reiseziele im Ausland noch stark zugenommen haben. Wir wollen nicht meckern, schließlich hat jeder ein Anrecht auf seinen Urlaub. Aber es ist verdammt voll da oben. Unsere Ferienwohnung lag in Zinnowitz, ca. 11km entfernt von Wolgast. Wolgast gehört gar nicht zu Usedom, ist aber meiner Meinung nach die wichtigste Stadt für die Insel, weil sie die einzige Brücke zwischen deutschem Festland und Insel Usedom beheimatet. Das bedeutet zwangsläufig aber auch, dass jeder Urlauber durch dieses Nadelöhr durch muss und das wiederrum bedeutet an jedem ganz normalen Tag, dass man für eine Strecke, die sonst bequem in 15 Minuten zurückzulegen ist, mindestens 45 Minuten benötigt. Als Urlauber ist das zwar nervig aber machbar, schließlich hat man Zeit. Aber was ist mit der lokalen Bevölkerung, die unter diesen Umständen versucht, ihr ganz normales Leben zu führen? Es gibt keine anderen Brücken also kann man das Problem nicht umfahren.

Falls es jemanden interessiert, wie man in Mecklenburg Vorpommern Urlaub gemäß der Corona Verordnungen umsetzt, hier nur ein ganz kurzer, sicherlich nicht repräsentativer Erfahrungsbericht. Die Corona Verordnung sah vor, dass man mindestens getestet sein muß, um in MacPom Urlaub machen zu können. Wie sinnvoll das für eine Ferienwohnung ist, sei mal dahingestellt, aber über Sinn und Unsinn denkt man bei den Verordnungen schon längst nicht mehr nach. Wir haben uns also zu Hause testen lassen um die Ergebnisse bei Schlüsselübergabe zu präsentieren. Die Schlüssel lagen allerdings unter der Fußmatte und die hat sich nicht sonderlich für unsere Testergebnisse interessiert. Später fanden wir noch einen Aushang, dass es nicht Aufgabe des Hausmeisters sei, Impfpässe oder Testergebnisse zu kontrollieren und dass Gäste dies doch bitte mit den jeweiligen Eigentümern der Ferienwohnungen klären sollten. Einen Eigentümer der Fußmatte haben wir nie zu Gesicht bekommen und so blieben die Testergebnisse unkontrolliert.

Nun zu Usedom. Der feine Sandstrand der Ostseeküste erstreckt sich mit 42km Länge von Peenemünde im Nordwesten bis nach Swinemünde im Osten der Insel, wo man sich schon in Polen befindet. Wer Zeit und Lust dazu hat kann die gesamte Ostseeküste ablaufen und dabei den verschiedenen Seebädern und Kaiserbädern einen Besuch abstatten oder sich fernab von Touristen ein ruhiges Plätzchen zum Sonnenbaden suchen. So wie wahrscheinlich die Mehrzahl der Besucher haben auch wir jeder Seebrücke einen Besuch abgestattet und mit unseren Nasen die frische Seeluft geschnuppert. Das Bild ähnelte sich in allen besuchten Seebädern: eine überlaufene Seebrücke; die Uferpromenade voll von Spaziergängern und Fahrradfahrern; einige wenige mutige Badende, die den hohen Wellen trotzten und die Bänke der Uferpromenaden waren alle belegt von sonnenbadenden dösenden Rentnern. Restaurants, Cafés und Eisdielen waren auch alle gut besucht, meist draußen voller als innen was wohl der 3G Regel geschuldet sein dürfte. Wir machten auch einen kleinen Abstecher auf die polnische Seite. Wir können gar nicht mit Sicherheit sagen woran es lag, aber alles wirkte viel entspannter. Dort ist alles weniger dogmatisch, wer eine Maske tragen will, tut es und die anderen tun es eben nicht. Niemand wird dafür blöd von der Seite angeschaut. Swinemünde ist deutsche Urlauber gewohnt und man kann überall mit Euro zahlen. Allerdings sind die Preise meist trotzdem nur in Zloty ausgewiesen und so muss man entweder nachfragen oder selbst rechnen. Für Jamie war dieser Ausflug auch etwas ganz Besonderes da wir im Waldstück, auf dem Weg zur Strandpromenade, einen Maulwurf dabei beobachten konnten, wie er sein Heimatloch wiederzufinden versuchte. Ich finde es immer schön, wenn wir den gemalten Bildern aus den Büchern ein reales Bild entgegensetzen können damit Kinder ihre Umwelt besser verstehen lernen. Peenemünde ist einen Ausflug besonders dann wert, wenn man sich für ehemalige Kriegsschiffe (zu besichtigen sind das U-Boot U-461 der baltischen Flotte sowie ein ehemaliges Raketenschnellboot der Volksmarine) interessiert und generell etwas über die Geschichte der Region erfahren möchte. Von 1936 bis 1945 befand sich dort die Heeresversuchsanstalt Peenemünde und die Erprobungsstelle der Luftwaffe Peenemünde-West, wo V2 Flugkörper getestet und ausgereift wurden. Bis 1952 wurde das Gelände von den Truppen der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland genutzt, danach von der Nationen Volksarmee der DDR. Bis zur Wiedervereinigung war das gesamte nördliche Gebiet der Insel Usedom Sperrgebiet der Nationalen Volksarmee, die dort einen wichtigen militärischen Flugplatz betrieb. Das Kraftwerk der Heeresversuchsanstalt war noch bis 1990 in Betrieb und dient inzwischen als Historisch- Technisches Museum. Die Hafen Bar „Zum Dünnen Hering“ können wir wärmstens für den guten Service und das gute Essen an Board empfehlen. Die Bedienung scherzt mit ihren Gästen, Kaltgetränke holt man sich selbst aus dem Kühlschrank und auf das bestellte Essen wartet man nicht lang. Auch ein Campingplatz befindet sich im Hafengebiet und wir haben uns bereits vorgenommen, nochmal mit unserem Ludwig vorbeizukommen, um mindestens eine Nacht hier zu verbringen. Während unserer 2 Wochen Urlaub haben wir es recht ruhig angehen lassen, wir wollten gar nicht jeden Tag unterwegs sein. Eine Bootstour war dennoch Pflicht und so schipperten wir in einer 2-stündigen Tour über das Achterwasser. Das ist eine vom Peenestrom gespeiste große Lagune, die dem Festland zugewandt ist und zahlreiche Inseln, Halbinseln und Buchten aufweist. Eine Bootsfahrt auf der Ostseeseite hätten wir natürlich auch machen können aber durch den Wind wäre diese nicht so gemächlich verlaufen wie im geschützten Achterwasser.

Wer mal keine Lust auf Strand hat und seine Kinder trotzdem beschäftigen will, hat das Erdbeerland Koserow gleich vor der Haustür. Das Erlebnis Dorf ist eine Mischung aus Freizeitpark, Hofladen, gläserner Manufaktur und Restaurantbetrieb; der Eintritt ist kostenlos aber für einige Attraktionen zahlt man eine kleine Gebühr. Zu kaufen gibt es alles ums Thema Erdbeere, natürlich auch selbstgemachte Erdbeermarmelade, Seifen, selbstgerösteten Kaffee, selbstgemachte Bonbons, Eiscreme und Schokolade. Ein eigener Bäcker ist auch vor Ort. Unserer Meinung nach ist das Konzept gut durchdacht. Vielerorts kann man sich als Familie schon den Eintritt zu bestimmten Attraktionen kaum leisten, was hier komplett entfällt. Reinkommen kann jeder. Und selbst wenn man als Geringverdiener kein Geld für die zahlungspflichtigen Attraktionen hat, so bleiben den kids immer noch genügend andere Dinge zum Ausprobieren und Spielen. Es muss wohl kaum erwähnt werden, dass es hier immer voll ist aber die Kinder stört das kaum.

Empfehlen können wir Usedom auf alle Fälle, aber wer es irgendwie einrichten kann, sollte seinen Urlaub in die Nebensaison verlegen. Das hilft auch den Einheimischen über umsatzschwache Zeiten hinweg.

Montag, 5. Juli 2021

Juli 2021 Ausflug zum Kyffhäuser

Nach einem arbeitsreichen Freitag packen wir schnell ein paar Klamotten, Lebensmittel und sonstige Notwendigkeiten zusammen und starten mit dem Abklingen heftiger Regenschauer in ein Kurzwochenende auf Rädern. Das Ziel ist klar und auch gar nicht so weit weg aber wir machen trotzdem einen Zwischenstopp in Erfurt, weil wir es ruhig angehen lassen wollen. Dort parken wir auf dem P+R Parkplatz neben Stadion und Thüringen Halle und genießen einen warmen sonnigen Abend. Während Katja das Abendessen vorbereitet, erkunden Tommy und Jamie die Umgebung und die umstehenden Wohnmobile und Kastenwagen und außerdem fliegt auch regelmäßig der Zeppelin recht geräuschvoll über uns hinweg, den wir bereits von der Autobahn aus erspäht haben. Anfänglich meint Jamie ganz begeistert, dies sei ein Hubschrauber aber dieses Missverständnis klären wir schnell auf, wobei ihm das Wort Zeppelin noch nicht über die Lippen kommt.

Samstagmorgen lassen wir es sehr ruhig und gemütlich angehen und bekommen sogar frische Brötchen geliefert (Danke liebe Tanja!). Jamie schaut begeistert dem Training der Eisschnellläufer auf Rädern zu, die draußen ihre Runden drehen und als dies nicht mehr interessant genug ist, widmet er sich wieder seinen Steinen. Wir haben immer ein Eimerchen im Ludwig so dass wir für das Sammeln von Steinen in größeren Mengen vorbereitet sind.

Gegen 11 Uhr brechen wir auf in Richtung Bad Frankenhausen in den Natur- und Geopark Kyffhäuser, wo wir zum Kyffhäuser Denkmal wollen. Katja war vor ca. 15 Jahren das letzte Mal dort, Tommy und Jamie noch nie. Die letzten Meter bergauf gehen aufgrund der Kurven und der Steigung nur schleppend voran aber wir haben es nicht eilig. Im Gegensatz zu den Hundertschaften von Motorrädern, die den ganzen Tag nichts Besseres zu tun haben als im Affentempo die B85 hinauf- und dann wieder herunter zu donnern. Auf der Kelbra Seite des Berges gibt es einen kleinen Parkplatz kurz vorm Ortseingang und dort stapeln sich die Biker während ihrer kurzen Pausen.

2 Euro Parkgebühren (für 24 Stunden, wir hätten also dort nächtigen können) sind vollkommen okay und wir machen uns fürs Mittag erstmal über eine Thüringer Bratwurst her bevor wir den kurzen Aufstieg zum Denkmal wagen. Jamie kann zwar wunderbar laufen hat aber gerade eine „Tragen“ Phase und so trug meist Tommy den nicht mehr so leichten Jamie den Berg hinauf. Eintritt kostet für Erwachsene 8,50 Euro und man füllt einen Zettel für die Kontaktverfolgung aus. Nur in Innenräumen ist die Maske vorgeschrieben also im Museum, Shop, Café etc. Wer den Denkmalturm des Kaiser-Wilhelm-Denkmals über immerhin 250 Stufen erklimmen möchte, soll die Maske auch tragen und ich frage mich, wer die kollabierten Kletterer aus dem Turm entfernt.

Bereits im 12. Jahrhundert entstand hier die dreigeteilte Reichsburg Kyffhausen, deren Bau während der Regierungszeit Friedrich I. Barbarossa vollendet wurde. Mit dem Zusammenbruch des Stauferreiches um 1250 verfiel leider auch die Anlage, sie ist aber bis heute noch erkennbar. Auf dem Areal befindet sich der mit 176 m Tiefe der tiefste Burgbrunnen der Welt, der 1936/37 wieder freigelegt wurde.

An der Ostseite des 81 m hohen Denkmals ist Kaiser Friedrich I. Barbarossa als Sagenkaiser in Stein gemeißelt (6,5 m hoch), darüber reitet Kaiser Wilhelm I. (10,5 m hoch). Laut Wikipedia war mit dieser Anordnung die Botschaft des Denkmals eindeutig: Barbarossa war nicht wieder zurückgekehrt, sondern durch einen besseren Nachfolger ersetzt worden. Hier wird wahrscheinlich auf die Barbarossasage Bezug genommen, deswegen soll sie hier ganz kurz wiedergegeben werden:

In einer Höhle des Kyffhäuserberges schläft Barbarossa mitsamt seinen Getreuen, um eines Tages zu erwachen, das Reich zu retten und es wieder zu neuer Herrlichkeit zu führen. Während er schläft, wächst sein Bart um einen Steintisch. Bis jetzt reicht er bereits zweimal herum und wenn die dritte Runde beendet ist, beginnt das Ende der Welt. Alle hundert Jahre wacht der Kaiser auf und horcht, ob die Raben noch immer um den Berg kreisen. Tun sie dies noch immer, schläft er für ein weiteres Jahrhundert.

Nach einer kurzen Kaffee-, Spielplatz- und Pinkelpause machen wir uns auf den Weg zurück zu unserem Ludwig und beschließen, die Nacht auf einem etwas weniger großen Parkplatz zu verbringen und fahren daher die B85 wieder runter. Dort haben wir auf dem Hinweg einen kleinen Wanderparkplatz entdeckt, der Platz für ca. 6 Autos bietet und wo wir uns für den Abend und die Nacht einrichten. Jamie kann dort wunderbar draußen in der Sonne spielen, während drinnen das Essen vor sich in köchelt. Wir beobachten ganz aufgeregt ein Rotkehlchen, Ameisen und lauschen den vielen Vögeln in den benachbarten Bäumen. Bis ca. 21 Uhr donnern noch immer vereinzelt Motorräder in einem halsbrecherischem Tempo die Straße rauf und runter und wir möchten nicht wissen, wie viele hier bereits ihr Leben gelassen haben.

Auch in den Sonntagmorgen starten wir wieder ruhig und ohne Eile aber nach und nach gesellen sich immer mehr Autos zu uns auf den Parkplatz der bald keinen Platz mehr für die Wanderer und Gassigeher bietet und so packen wir langsam zusammen und brechen auf in Richtung Heimat. 










Samstag, 24. April 2021

Kurzurlaub vor der zurückgenommenen Osterruhe

 

Deutschland, ein paar Tage vor Ostern. Das Land teilt sich zum wiederholten Male in zwei Lager und diskutiert hitzig darüber, ob es nun eine gute Idee sei, am Donnerstag vor Karfreitag alles dicht zu machen damit dann alle Einkaufswütigen geballt am Samstag in Rewe, Aldi und Co. die Regale leerkaufen können oder ob die Wirtschaft nicht gern noch ein paar Tage länger gebraucht hätte, um sich auf die sogenannte Osterruhe einzustellen. Genervt von einem Jahr chaotischer Corona-Politik wollen wir nur noch raus und erwecken unseren Ludwig aus seinem Winterschlaf. Er wird geputzt, betankt und voll beladen und sicherheitshalber packen wir ein paar dicke Decken mehr ein. Unsere Devise war schon immer: lieber zu warm als zu kalt.

Wir haben keinen festen Plan, sondern haben uns nur ein paar lose Ziele rausgesucht, wo es auch Stellmöglichkeiten für Wohnmobile gibt und die wir irgendwie miteinander verknüpfen wollen.

Gerade als wir alles verladen haben und Jamie in seine warmen Klamotten stecken wollen, bricht ein Schneegestöber über Suhl herein, der dem Winter alle Ehren macht. Da kann einem schon fast die Lust aufs Verreisen vergehen. Wir stecken den übermüdeten Jamie erstmal ins Bett und nach seinem Mittagsschlaf und einer kleinen Mahlzeit brechen wir ein paar Stunden später auf.

Es soll eine kleine Thüringenrundfahrt werden, die wir zu gegebener Zeit gern wiederholen beziehungsweise erweitern möchten. Vor der eigenen Haustür gibt es wunderschöne Gebirgslandschaften, Täler und verträumte kleine Ortschaften mit interessanter Geschichte. Wegen den Corona Beschränkungen sind viele der Angebote nicht nutzbar, touristische Ziele und Sehenswürdigkeiten geschlossen und Campingplätze, die wir sowieso nur im äußersten Notfall angefahren wären, saisonbedingt noch nicht geöffnet. Wir möchten einfach unsere Ruhe und mit unserem Ludwig sind wir so autark, dass wir uns überall hinstellen können – dabei aber natürlich Verbotsschilder und dergleichen berücksichtigen.

Wir übernachten an der Talsperre Heyda wo wir nochmal von Schneeschauern überrascht werden und eine ziemlich kalte Nacht unter unseren zusätzlichen Fleecedecken verbringen. Zwei Nächte stehen wir an der Bleichlochtalsperre, wo unter normalen Umständen das Sonne, Mond & Sterne Festival stattfindet. Dort wird es auch endlich etwas wärmer, sodass wir Jamie mit Steine-ins-Wasser-schmeißen und Staudämme-im-Sand-bauen beschäftigen können. Weiter geht’s ins Thüringische Schiefergebirge nach Lehesten in den sehenswerten Schieferpark mit seinem technischen Denkmal, wo man Einblick in die Förderung und den Abbau des Schiefers bekommt. Bei Goldisthal finden wir einen abgeschiedenen Stellplatz, wo wir die untergehende Sonne genießen, nach dem unser favorisierter Stellplatz im Glasbläserstädtchen Lauscha leider nicht verfügbar ist. Es geht weiter Richtung Meiningen, wo wir in Seeba ganz offiziell (sogar mit Stromanschluss) an einem kleinen Dorfteich stehen, der sich über verstärkten Steinezuwachs freuen darf. Der Spielplatz wird ebenfalls sehr ausführlich inspiziert und die Rutsche für außerordentlich gut befunden.  Da der Wetterbericht für die kommenden Tage wieder sinkende Temperaturen und generell unbeständiges Wetter ankündigt, beschließen wir, unseren Ausflug abzubrechen und nach Hause zurückzukehren.

Nicht nur das kommende Wetter verhagelt uns das Gemüt. Für Jamie scheint der Ausflug diesmal keine Freude zu sein, denn er meckert den ganzen Tag. Wahrscheinlich ist es ein Wachstumsschub gepaart mit Überfordertsein, denn das Meckern kennen wir bereits seit ein paar Wochen. Klar, einfach ist es nicht. Man freut sich seit Wochen auf eine kleine Auszeit, möchte nach all dem Wahnsinn mal etwas ausspannen, aber Kinder sind nun mal keine Maschinen, die immer genau so funktionieren, wie es uns gerade in den Kram passt. In dieser Situation geht es weniger um Erziehung des Kindes, sondern eher für die Eltern darum, zu lernen, wie man mit seinen eigenen, dann leider unerfüllten, Erwartungen umgeht, die Ansprüche der gesamten Familie neu bewertet und flexibel darauf reagiert.

Die täglich zurückgelegten Strecken sind eher kurz und unser Tagesprogramm nicht sehr füllig. Trotzdem ist Jamie irgendwie immer müde, läßt sich aber nur sehr schwer zum Schlafen überreden und der Mittagsschlaf fällt weitaus kürzer aus als wir das von zu Hause gewohnt sind. Allerdings wird er jeden Tag ein bißchen länger und es keimt Hoffnung auf, dass ein gewisser Gewöhnungseffekt einsetzen könnte.

Mit jedem unserer Beiträge möchten wir unseren Lesern ein paar Informationen bieten, die sie höchstwahrscheinlich vorher noch nicht kannten, deshalb hier noch einige Fakten zu den besuchten Gegenden/ Sehenswürdigkeiten.

a)       Die Talsperre Heyda befindet sich in Südthüringen bei Ilmenau und staut die Wipfra, ein 40km langer Nebenfluss der Gera. 8 Jahre brauchte man für die Fertigstellung des homogenen Erddammes, welcher Bewässerungszwecken, dem Hochwasserschutz des Wipfratals und der Niedrigwasseraufhöhung dient. Die Talsperre ist ein beliebtes Ausflugsziel, Angel- und Fischzuchtgewässer. Am Fuß der Talsperre befindet sich das Thüringer Talsperrenarchiv welches beste Recherchevoraussetzungen für Behörden, Fachfirmen, Studenten etc bietet, die sich für Themen rund um den Talsperrenbau und Gewässerkunde in Thüringen interessieren.

b)      Die Bleichlochtalsperre bei Saalburg- Ebersdorf ist die größte Talsperre Deutschlands und wird auch als Thüringer Meer bezeichnet. Das Wasservolumen des Bleichlochstausees beträgt 215 Mio Kubikmeter. Zu normalen Zeiten kann man sich hier bei verschiedenen Aktivitäten wunderbar austoben und erholen: Schifffahrten auf dem See; Bootsverleih für diejenigen die ein Boot lieber selbst steuern; Angeln; Paddeln; Floß Vermietung; Sommerrodelbahn; Märchenwald; Kletterwald; Wandern und Radfahren und vieles mehr.

c)       Die Berg- und Schieferstadt Lehesten im Geopark „Schieferland“ befindet sich an der thüringisch- bayrischen Landesgrenze und wurde durch das „Blaue Gold“ international bekannt. Seit dem 13. Jahrhundert wurde hier der Schiefer abgebaut, der die gesamte Region noch heute prägt. Hier befindet sich die älteste Dachdeckerschule Deutschlands, in der die handwerkliche Perfektion der Schieferdecker weitergegeben wird, die seit Jahrhunderten europaweit anerkannt und mit ihren außergewöhnlichen Fähigkeiten begehrt waren.

d)      Lauscha liegt ebenfalls im Schiefergebirge und gilt als „Wiege des gläsernen Christbaumschmucks“. Aber auch das künstliche Menschenauge aus Glas in seiner modernen Form wurde 1835 durch Ludwig Müller-Uri in Lauscha erfunden. In nicht Corona Zeiten kann man den Glasbläsern ganzjährig beim Herstellen kunstvoller Gebilde über die Schultern schauen; Werkstätten, Glasgeschäfte und Besucherglashütten sind ganzjährig geöffnet.

Damit solls auch genug sein. Vielen Dank für Euer Interesse und bis zum nächsten Mal. Liebe Grüße von Jamie, Tommy und Katja