Sonntag, 22. Dezember 2024

Unsere Skandinavien Reise Teil 19 - Südschweden im Schneckentempo

 

ein kurzes Sightseeing in Karlskrona

Auf unserer To-do-Liste für heute steht die Barockstadt Karlskrona, die architektonisch in den höchsten Tönen gelobt wird. Geschichtlich gibt es ebenfalls einiges zu erzählen, wir beschränken uns aber auf die wesentlichen Fakten: gegründet 1679 als Flottenstützpunkt von König Karl XI. und Admiral Hans Wachtmeister, Stadtrecht bereits ein Jahr später und 1790 brannte ein Großteil der Stadt ab. Der Marinehafen der Stadt mit seinen ehemaligen Werften und Verteidigungsanlagen sowie weitere Gebäude der Stadt wurden von der UNESCO zum Welterbe erklärt. Die Stadt war Hauptstützpunkt der schwedischen Flotte und damals sollen bis zu 10.000 Menschen auf der Werft und bei der Marine beschäftigt gewesen sein. Heute sind es noch 700. 

Besonders interessiert war Katja am Stortorget, dem zentralen Platz in Karlskrona, da man sich hier, laut dem Stadtmarketing an der Architektur anderer europäischer Großstädte orientierte, allen voran an den großen Plätzen Roms. Nun gut, wer Rom ein bisschen kennt, wird Stortorget sicherlich nicht mit einem der grandiosen Piazzas in Rom verwechseln aber inzwischen wissen wir sehr gut, wie das mit dem Marketing funktioniert. Zu bieten hat Stortorget trotzdem einiges, zum Beispiel die Frederikskyrkan, die 1744 eingeweiht wurde oder aber auch die Trefaldighetskyrkan vom selben Architekten. Die Dreifaltigkeitskirche wird auch Deutsche Kirche genannt, da sie bis 1846 die Kirche der deutschen Gemeinde war. Die Kirche beherbergt eine mächtige Gruft der Familie Wachtmeister, auch Generaladmiral Graf Hans Wachtmeister, einer der Gründer der Stadt und verstorben 1714, fand hier seine letzte Ruhestätte.

Heute sind wir leider etwas eingeschränkt mit der Stadtbesichtigung weil wir die Parkgebühr nicht per App zahlen konnten sondern tatsächlich noch ganz altmodisch am Parkautomaten. Diesen Platz haben wir dank App gefunden und dort auch glücklicherweise noch einen Parkplatz gefunden, denn hier sind die Plätze groß genug für Wohnmobile und man kann ganz normal stundenweise bezahlen (5 SEK pro Stunde, sehr günstig). Die anderen Wohnmobilstellplätze der Stadt bieten diese Möglichkeit, so weit wir das überblicken können, nicht und so zahlt man dort pauschal eine Gebühr für den ganzen Tag. Das sehen wir aber nicht ein, wenn wir nur ein paar Stunden vor Ort sind. 

So laufen wir ein wenig umher, werden von Regen überrascht und flüchten in ein Café, laufen anschließend noch ein wenig umher, finden einen Spielplatz, den wir leider nicht ignorieren können und müssen Jamie unter viel Zureden davon überzeugen, dass wir irgendwann auch mal wieder zum Ludwig zurück müssen, weil die Parkzeit abgelaufen ist. Anschließend fahren wir eine Viertelstunde in den nächsten Ort an eine kleine Marina, wo wir den Abend und natürlich auch die Nacht verbringen. Hier kann man ein wenig umherlaufen und die schicken Boote bewundern, es gibt eine kleine Wanderung am Wasser entlang bis zur nächstgelegenen Marina und schwuppsdiwupps ist es auch schon wieder Abend und der Tag neigt sich dem Ende. Blöderweise ist es Freitag Abend und pünktlich zu Jamies Einschlafzeit beginnt die Musik irgendwo in der Nachbarschaft zu spielen, aber es hält sich in Grenzen, man hört sie zwar aber sie ist nie so laut, dass sie wirklich stört und die Fensterscheiben wackeln auch nicht.





unendlich viel Schrott auf dem Autofriedhof Kyrkö mosse

Es scheint eine größere Party gewesen zu sein denn die Autos vom Vorabend stehen am Morgen noch immer neben uns. Wer weiß, wo die alle geschlafen haben…..Tommy hat ein wenig recherchiert und etwas gefunden, was wir uns heute mal anschauen möchten: den Autofriedhof im Moor Kyrkö mosse, in der Nähe von Ryd (Bilkyrkogården på Kyrkö mosse). Åke Danielsson (1914–2000) verdiente hier anfänglich mit Torfmull sein Geld. Er war technisch sehr versiert und baute sich eine kleine Torffabrik, deren Torfreißer er mit alten Automotoren antrieb. Nach dem Krieg und Wirtschaftswunder, als sich fast jeder ein Auto leisten konnte, diese aber einfach im Wald stehen ließ, so bald sie nicht mehr fuhren, sammelte Åke diese Fahrzeuge ein, nahm sie auseinander und wurde zum gefragten Experten für Ersatzteile. 1992 zog Åke ins Altersheim in Ryd und der Ort wurde Anlass zahlreicher Kontroversen. Die einen möchten den Ort geräumt und saniert haben, Fürsprecher sehen den kulturhistorischen Wert der Altautos und so wurde der Ort bis 2050 unter Schutz gestellt. Bis dahin, so nimmt man an, werden die Autos auf natürlichem Wege zerfallen sein. Wahrscheinlich hofft man einfach nur, dass sich das Problem mit der Zeit selbst erledigt, schließlich geht man von 150 Fahrzeugen, Fahrrädern, Mopeds, Herden und zahllosen Autoreifen aus.

 




Von einem Geheimtipp kann man jedenfalls nicht mehr sprechen, der Ort ist ein ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen geworden und der Parkplatz ist eigentlich zu klein, um dem Besucheransturm gerecht zu werden, vorallem all der Besucher in Wohnmobilen. Nach einem kleinen Snack fahren wir weiter und suchen einen Übernachtungsplatz irgendwo in der Gegend. In Kyrkhults gibt es 5 kommunale Stellplätze direkt am See und als wir dort ankommen, stehen nur 4 Fahrzeuge dort, so dass theoretisch noch Platz für uns wäre. Die haben sich aber alle so dusselig und dreist hingestellt, dass wir nirgendwo mehr hinpassen. So langsam werden uns die Schweden in der Hinsicht wirklich unsympathisch, denn das machen sie wirklich gern: sie parken sehr großzügig, damit Sonnendach, Tisch und Stühle an der Seite auch noch Platz finden und tun gerade so, als hätte man immer ein Anrecht darauf. Rücksicht ist ein Fremdwort. Was besonders ärgerlich hier ist: sie alle haben extrem viel Platz links und rechts gelassen, sitzen aber nicht neben ihren Fahrzeugen, sondern davor auf dem Grünstreifen. Und schauen dann alle noch ganz ungläubig als wir über den Parkplatz fahren und schauen, ob wir nicht irgendwo reinpassen könnten. Nun gut, wir haben ihnen Impotenz, einen Schwarm Mücken und die Affenpocken an den Hals gewünscht und sind weitergefahren und haben ein paar Kilometer weiter eine schnuckelige Badestelle mit Feuerstelle gefunden. 


Die Feuerstelle wird am Abend in Beschlag genommen und weil wir danach wieder stinken wie die Räucheraale, geht’s vor dem Zubettgehen nochmal fix in den See. Als wir uns gerade bettfertig machen, kündigt die Dorfjugend um Mitternacht ihr Erscheinen mit lauter Musik an. Es ist klar, dass sie provozieren wollen, denn die Lautstärke wird noch ein paar Mal nach oben gedreht, obwohl sie sich so definitiv nicht mehr unterhalten können. Es ist nur eine Frage der Zeit, wie lange ihre Autobatterie die Beschallung des Waldes und das Flutlicht durchhält und wahrscheinlich wissen sie das selbst, denn sie drehen die Musik immer mal wieder leise. Um uns an ihrer wunderbar verkorksten Playlist teilhaben zu lassen, wird die Musik aber auch wieder hoch gedreht. Nun ja, wir wissen nicht, was sie sich erhofft haben. Durchgehalten haben sie jedenfalls erstaunlich lange und fahren gegen 1 Uhr wieder vom Platz, so dass Tommy dann auch endlich zu Bett gehen kann. Wenn wir solche Idioten in der Nähe haben, bleibt er immer demonstrativ sichtbar vorne sitzen, damit niemand auf dumme Gedanken kommt.


zurück in Kyrkhults, diesmal mit freier Parklücke 

Es dauert eine Weile, bis uns am nächsten Morgen die Sonne begrüßt. Bereits am frühen Vormittag kommen die ersten Badegäste. Wir fahren weiter und haben beschlossen, unser Glück nochmal in Kyrkhults zu versuchen, wo wir gestern die großzügig parkenden 4 Fahrzeuge vorgefunden haben. Es ist noch früh, vielleicht haben wir Glück. Und das haben wir in der Tat, denn als wir ankommen, ist zwar kein Platz frei, aber gerade als wir uns dann doch frecherweise noch hineinquetschen, fährt ein Schweizer vom Platz und wir haben unseren Platz. Wir packen das Solar und den Eco aus und bekommen so einiges geladen, holen auch die Stühle aus der Garage und genießen einen ereignislosen Tag in der Sonne, neben einem kleinen Hindernissparcour, den Jamie gefühlte 85. Mal absolviert und bekommen ihn irgendwie beschäftigt. Wir stellen zum wiederholten Male fest, dass wir viel zu anständig sind, denn wo wir uns gestern nicht reingequetscht haben, tut dies heute ein anderes Womo ohne mit der Wimper zu zucken. Und wo wir gestern auch schon mal kurz überlegt, dies aber als frech verworfen hatten, hat heute ein weiterer Fahrer kein Problem damit, den Zugangsweg zuzuparken. Und das, wo bereits 5 Fahrzeuge hier stehen und das Schild bei der Einfahrt explizit darauf hinweist, dass es nur 5 Plätze sind. Tommy paddelt ein wenig mit dem SUP Board über den See und wir wissen nicht warum, aber Jamie können wir dafür einfach nicht mehr begeistern. Wahrscheinlich ist es ihm zu langweilig, so ruhig auf dem Board sitzen zu müssen, wo er doch sonst keine Minute stillsitzen kann und immer auf Achse ist.



ein weiterer Faulenzertag in Kyrkhults

Es gefällt uns so gut, dass wir einen weiteren Tag bleiben. Wir sind zwar nicht weit entfernt von der Straße und man kann den Verkehr auch nicht ignorieren, aber es ist erträglich. Tommy geht es nicht so gut, er hat Kopf- und Bauchschmerzen und so gönnen Katja und Jamie ihm ein wenig Ruhe und laufen rüber zum Spielplatz. Irgendwann kommt Tommy nach aber es hat sich zugezogen und wird kühler. Nach einem kleinen Imbiss verziehen wir uns erstmal in den Ludwig, weil es regelrecht kalt geworden ist. Unsere Womo Nachbarn tun es uns gleich, irgendwie möchte gerade keiner draußen sitzen. Wir bleiben den Rest des Tages drin und Jamie spielt mit seinen Lego Dinos, die er in der Dinoausstellung in Kalmar bekommen hat. Es handelt sich um 12 Eier mit jeweils einem kleinen Dino, die alle zusammen einen großen Tyrannosaurus Rex ergeben. Momentan sind wir noch mit den 12 kleinen Dinos beschäftigt, die gibt es nach und nach.


 ein kleiner abgeschiedener Übernachtungsplatz im Naturschutzgebiet Gyllebo

Als wir heute aufbrechen, stehen erstmal einige Service Stopps auf der Tagesordnung und dies an unterschiedlichen Standorten: Tanken, Frischwasser aufnehmen, Grauwasser ablassen und die WC Kassette leeren. Für die letzte Aufgabe müssen wir einen größeren Umweg in Kauf nehmen, denn in Südschweden gibt es zwar zahlreiche Rastplätze, aber viele von ihnen besitzen keine Möglichkeit der Latrinenentleerung. Da unsere Hausbatterie und auch der Eco geladen werden müssen, sind wir nicht bös drum und danach brauchen wir noch 30 Minuten bis zum heutigen Stellplatz. Allerdings brauchen wir für 30 Minuten länger als üblich, weil unser Navi mal wieder nicht weiß, was Sache ist und uns zweimal in die verkehrte Richtung schickt. Beim dritten Anlauf navigieren wir mit Google Maps und kommen problemlos an. Wir stehen im Naturschutzgebiet Gyllebo, in der Nähe von Schloss Gyllebo, welches sich allerdings in Privatbesitz befindet. Es gibt eine Ruine in der Nähe des Herrenhauses und das Grundstück darf von 10 bis 12 Uhr betreten werden aber wir wissen noch nicht, ob wir dies morgen in Anspruch nehmen möchten. Irgendwie fühlt es sich ja trotzdem so an, als würde man bei jemandem im Garten umher spazieren. Jamie und Katja laufen vom Parkplatz zum Schloss, vorbei an den Ställen (hier wurden früher bestimmt mal Pferde gezüchtet), sammeln ein paar Kastanien und kommen dann zum Parkplatz zurück. Durch den Wald gibt es auch ein paar Wanderwege, aber es ist nicht so ganz klar, wohin die alle führen. Zum Abend hin ist der kleine Parkplatz deutsches Hoheitsgebiet mit 3 Campingfahrzeugen aus Deutschland und im Hintergrund hört man die Gänse schnattern.   



endlich mal wieder ein Steinkreis - Ales Stenar 

Als wir am nächsten Tag endlich abreisefertig sind, sind wir wieder die letzten auf dem Platz, die anderen haben uns bereits verlassen. Eilig haben wir es nicht, da uns nur circa 30 Minuten Fahrtzeit nach Kåseberga bevorstehen, wo sich Katja Ales Stenar anschauen möchte. Hier handelt es sich um eine Schiffssetzung aus 59 Steinen auf einem Hügel oberhalb des Dorfes Kåseberga mit einem herrlichen Blick auf die Ostsee. Was ist eine Schiffssetzung? Das ist eine dem Umriss eines Schiffes nachbildende Steinsetzung, die das Schiff symbolisieren soll, das die Toten in das Totenreich bringt. Bekannt sind diese Gebilde vorallem im Ostseeraum. Allerdings ist die Bedeutung des Monuments bis heute nicht eindeutig geklärt, gegen eine Grabstätte spricht, dass man keine Gräber gefunden hat. Darüber hinaus gibt es Thesen, es handele sich um eine astronomische Uhr beziehungsweise einen Sonnenkalender, wofür die Anordnung der Steine spricht. Sie sind so positioniert, dass die Sonne im Sommer in der nordwestlichen Ecke unter- und im Winter exakt an der gegenüberliegenden Ecke aufgeht. Die 59 Steine ergeben einen 67 Meter langen und 19 Meter breiten Schiffsrumpf und stammen vermutlich aus der frühen Eisenzeit (500-1000 n.Chr.), was in den Wirkungsbereich der Wikinger fällt. 



Nach unserer Ankunft fahren wir erstmal auf den Stellplatz, den wir uns heute als Übernachtungsplatz ausgesucht haben und schließen unseren Ludwig mal wieder ans Stromnetz an. Die kurzen Strecken machen es momentan wieder schwer, unsere Hausbatterie oder die beiden Ecos zu laden. Jamie hat gerade überhaupt keine Lust auf einen Spaziergang und so versuchen sich Jamie und Katja im Federballspielen während Tommy genügend Aufgaben in und um unseren Ludwig findet. Irgendwann gibt’s unseren Nachmittagssnack und nachdem Jamie immer noch keine Lust auf die Besichtigung von Ales Stenar hat, geht Katja kurzerhand allein. Auf dem Besucherparkplatz stehen noch immer genügend Autos und Wohnmobile rum und so ist sie darauf vorbereitet, dass ihr ständig Leute vor der Linse herumspazieren werden. 

Es ist ein heißer Spätnachmittag, die Brise oben auf der Anhöhe ist herrlich angenehm und man kann den Blick unendlich weit auf die Ostsee schweifen lassen. Irgendwo hinter dem Horizont versteckt sich die dänische Insel Bornholm und noch etwas weiter befindet sich schon wieder Deutschland. Dank ganz viel Geduld hat Katja ein paar Bilder ohne Menschen im Kasten und kann sich zufrieden gen kleinem Hafen wenden, den man von der Anhöhe schnell erreicht. Dort geht es recht touristisch zu mit Fressbuden, Souvenirläden und den üblichen Deko-, Klamotten- und lifestyle Geschäften, macht aber einen sehr gemütlichen Eindruck. Zurück am Stellplatz schnappt sich die verschwitzte Katja den durchs Rumrennen ebenfalls verschwitzten und überhaupt nicht amüsierten Jamie und sie gehen gemeinsam duschen. Danach besorgen wir uns eine Pizza von nebenan, weil wir bei der Hitze keine Lust auf Kochen oder sonstige Aktivitäten haben und so geht das mit dem Abwasch heute superfix.




Ystad, aber wo ist Kurt Wallander? 

Nach dem Frühstück und Aufräumen muss Jamie sein Versprechen von gestern einlösen und wir gehen zu dritt zu Ales Stenar, damit auch Tommy ein paar Fotos machen kann (natürlich muss auch er darauf warten, dass sich all die Selbstdarsteller aus dem Bild bequemen, aber das ist heutzutage alles inklusive). Auf dem Rückweg stoppen wir im Hafen und weil es schon wieder so heiß ist und wir wirklich schon lange kein Eis mehr hatten, holen wir diesen Missstand nach. Am Stellplatz angekommen, springt Tommy nochmal fix unter die Dusche und wir machen den Ludwig abreisefertig. Kurz vor 14 Uhr kommen wir endlich weg, da haben sich schon wieder die ersten Neuankömmlinge häuslich auf dem Platz eingerichtet. Da wir heute nur ein paar Kilometer bis nach Ystad fahren, haben wir keine Eile und nach gerade mal einer halben Stunde parken wir am Hafen in Ystad ein. Von dort kommen wir schnell in die Innenstadt. 

Hier kann man sich wieder mit zahlreichen Park Apps rumschlagen und das ist schon fast kriminell, was da abgeht. Es gibt Parkautomaten, wo man nur für die kommunalen Plätze zahlen kann und wir stehen auf privatem Grund. Man muss ganz genau schauen, in welcher Reihe man steht, denn in einigen Reihen gilt die Aimo Park App, in den anderen Reihen gelten Easypark und Parkster. Zu allem Übel, was die wenigsten jedoch wissen, die haben alle verschiedene Parkgebühren, Mit Parkster zahlt man 40 SEK für 24 Stunden, mit Easypark 46,17 SEK und mit aimo laut Park4night 50 SEK. Da haut jeder nach Belieben noch Gebühren drauf. Katja wird später von einem Deutschen angesprochen, ob wir auch ein Knöllchen bekommen hätten. Nein, haben wir zum Glück nicht. Er steht in der Aimo Reihe (wir haben mit Parkster bezahlt) und hat sich extra die App dafür runtergeladen. Trotz laufendem Parkvorgangs bekommt er vom Kontrolleur ein Knöllchen über 500 SEK verpasst (alles schön auf Schwedisch, da haste keine Lust, eine halbe Stunde lang jedes einzelne Wort in einen Übersetzer abzutippen). Sie saßen im Womo, die Tür war offen, der Typ hätte auch einfach mal kurz anklopfen können. Das ist Abzocke und verschreckt Besucher.

Wir jedenfalls laufen ein wenig durch Ystad. Wem der Name irgendwie bekannt vorkommt, hat vielleicht die Kurt Wallander Krimis von Henning Mankell gelesen, der in Ystad beheimatet ist. So gibt es für Filmfans Wallander Touren, in denen man aus den Krimis bekannte Stationen besuchen und kennenlernen kann, self-guided Audio Walking Touren (mit Audio Guide) etc. Wir lassen uns einfach durch die engen Gassen mit ihren schmucken kleinen Häuschen treiben und landen beim Kloster. Dort sitzen wir eine Weile im Rosengarten, spazieren unter Obstbäumen und erhaschen ein paar Äpfel und Birnen. Später grübeln wir über einen Baum, dessen Früchte wie kleine Brombeeren aussehen aber an Bäumen haben wir die noch nie gesehen. Die App verrät, dass es sich um Maulbeeren handelt und die Früchte sind superlecker. Als wir schon fast wieder zurück am Hafen sind, teilen wir uns auf, Katja verschwindet nochmal im Coop, um eine Kleinigkeit fürs Abendessen zu besorgen, Tommy und Jamie erkunden den Hafen, wo die Fähren nach Swinemünde, Bornholm und Sassnitz ablegen. Gerade als das Abendessen fertig ist, kommen die zwei Abenteuer zum Wohnmobil zurück.


Donnerstag, 28. November 2024

Unsere Skandinavien Reise Teil 18 - Provinz Kalmar

 

eine kinderfreundliche Wanderung "Kevershäll" mit ganz vielen süßen Steintrollen

Direkt nach dem Aufstehen springt Tommy noch mal in den See und setzt sich super erfrischt an den Frühstückstisch. Seit ein paar Wochen schon fahren wir ein Camping Prospekt durch die Gegend, welches wir in Vaxholm in der Touristinfo gefunden haben und wo wir eine kleine Wanderung entdeckt haben, die direkt nach Jamies Geschmack sein könnte. Sie befindet sich in der Nähe von Mönsterås und nennt sich Kevershäll, weil es sich um die Besteigung eines Berges gleichen Namens handelt, der 63 Meter üdM liegt und den höchsten Punkt der Gegend darstellt. Von dort oben haben wir eine ausgezeichnete Weitsicht auf die Insel Öland, den umliegenden Wald und einige andere prägnante Objekte, deren Namen wir aber nicht kennen (eine riesige Fabrik, einige Kirchen, Türme etc). In den umliegenden Dörfern erzählt man sich viele Mythen und Geschichten über Kevershäll. Den Sagen zufolge haben Riesen, Trolle und andere Fabelwesen in Kevershäll ein Zuhause gefunden. 


Kinder verschiedener Schulklassen haben liebevoll gestaltete Trolle und Waldwesen entlang des Wanderweges versteckt und so lädt die Wanderung insbesondere Kinder, aber natürlich auch Erwachsene dazu ein, diese zu finden und sich an ihnen zu erfreuen. Am Anfang ruft Katja noch das Ziel aus, die Trolle zu zählen, um Jamie ein wenig bei Laune zu halten, aber bereits nach ein paar Minuten finden wir so viele von ihnen, dass wir das Zählen lieber sein lassen. Katja läuft aber noch mal zurück, um eine Tupperschüssel zu holen, denn auch hier wimmelt es nur so von reifen Blaubeeren. Leider wimmelt es aber auch von Mücken. Vielleicht gibt es sie ja nur deswegen, um die Blaubeerbestände der Wälder zu schützen und den Tieren und/oder Waldwesen zu überlassen, weil sie diese nicht mit uns Menschen teilen möchten??? 


Die Wanderung besteht aus mehreren Routen, die wir alle nicht verpassen wollen, da sie alle gewisse Highlights vorzuweisen haben. So laufen wir links hinauf, dann oben auf den Aussichtsturm, in der Mitte kurz runter zum Steintor (gelber Stern, siehe Karte oben), dann wieder hoch zum Turm und dann rechts runter zur Schneiderkammer (blauer Stern). In der Schneiderkammer soll sich vor langer Zeit ein Schneider niedergelassen haben, nachdem er aus dem Krieg flüchtete. Der Ort der gar nicht so großen „Skräddarekammaren“ ist eine imposante Felsformation, die einige Höhlen, Vorsprünge und tiefe Felsspalten in verschiedenen Größen zu bieten hat. Der Gipfel des Berges hat übrigens nie unter Wasser gelegen, auch wenn der Berg selbst vom Inlandeis geformt wurde. Dort oben stehen zahlreiche kahle und verdorrte Bäume, die dem ganzen einen surrealen Anschein geben, man fühlt sich unweigerlich in einen Endzeit Film versetzt. Nach dem Abstieg befinden wir uns dann wieder im Wald, umgeben von zahlreichen Blaubeerbüschen und natürlich auch wieder von unseren summenden Freunden. 


Irgendwie ist Katja die Einzige, die die Tupperschüssel mit Blaubeeren füllt, Jamie futtert sie selbst (er kann es nicht verleugnen, die Farbe seiner Lippen spricht eine eindeutige Sprache) und Tommy ist mit der Mückenabwehr beschäftigt. Zurück im Ludwig gibt es dann einen Snack für alle, wir sind fast 2 Stunden unterwegs gewesen. Allzu lange können wir allerdings nicht rumbummeln, es ist bereits kurz vor 16 Uhr und wir müssen noch einen Stellplatz finden. Wir haben bereits einen rausgesucht und dort ist nicht viel Platz, wir können also nur hoffen, dass es noch nicht zu voll dort ist. Bei unserer Ankunft eine knappe halbe Stunde später stellen wir fest, dass unsere Befürchtungen unnötig waren, es ist keine Menschenseele dort. Jedoch gibt es wieder viele Mücken und sie stürzen sich sofort auf Tommy, als er aussteigt, um Ludwig gerade auszurichten. Wir wagen es dann noch kurz, die Gegend zu erkunden und ein paar Bilder zu machen, sind dann aber recht schnell im Wohnmobil verschwunden, weil die schönste Gegend nichts hergibt, wenn man sie nicht draußen genießen kann. Hier stehen zwei Boote, die man sich sogar ausleihen könnte, um damit über den See zu schippern und seine Angel ins Wasser zu hängen, aber bei den Mücken kann man das doch nicht ernsthaft in Erwägung ziehen.  




kurze Stadtbesichtigung in Kalmar 

Obwohl wir gestern den ganzen Tag mit prallem Sonnenschein gesegnet waren, war unsere Hausbatterie am Abend platt, deswegen ziehen wir es in Erwägung, vielleicht eine neue zu besorgen. In Kalmar (unserem heutigen Ziel) gibt es eine Gelegenheit dazu. Katja hat die Stellplatz Situation in der Stadt ausführlich gestern Abend studiert und unser präferierter Platz direkt am Wasser bietet nicht viel Platz, so dass man früh da sein muss. Wir stellen uns also für heute mal wieder einen Wecker und sind doch tatsächlich kurz nach 09:30 Uhr bereit zur Weiterfahrt. Im Ort kaufen wir noch fix was ein, dann geht’s weiter nach Kalmar, der Namensgeber des Bezirkes, in dem wir uns momentan befinden. Tommy möchte die Hausbatterie noch ein wenig beobachten, deswegen geht’s dann doch nicht zu Biltema aber wir sind ja noch ein paar Tage in der Umgebung. Den ausgesuchten Stellplatz erreichen wir und wir erhaschen tatsächlich den letzten Platz (es gibt nur 3), müssen aber den Schweden vor uns bitten, ein Stück zu seinem Vordermann aufzuschließen damit wir mit unserem Hinterteil nicht den Weg für andere versperren. Das tut er natürlich gern, Katja unterhält sich noch ein bisschen mit ihm übers paddeln, weil er gerade mit seinem SUP beschäftigt ist und er erzählt, dass er damit bereits die ganze Stadt umrundet hat. Hier der Teil ist aber immer etwas windig (heute auch) und er schaut ein wenig besorgt zu der kleinen Insel Grimskär herüber, die er mit dem Board zu erreichen gedenkt. Nach einer ganz kleinen Verstärkung packen wir unsere Sachen, schnappen das Laufrad und laufen in die Stadt hinein, vorbei am Schloss Kalmar mit seiner 800 Jahre alten Geschichte. Im 13. Jahrhundert ließ man um den 1180 errichteten Verteidigungsturm eine Burganlage bauen, die sie zur damals modernsten Festung Schwedens machte. Lange Zeit diente das Schloss wegen seiner strategischen Lage nahe der Grenze zu Dänemark als starke Verteidigungsanlage. 

In die Burg hinein gehen wir nicht, das Außengelände hätte uns zwar interessiert, das Innenleben nicht unbedingt und mit Jamie ist das mit den Eintrittsgeldern immer so eine Sache, weil er schnell das Interesse verliert. Um die Burg herum finden wir einige Spielgeräte, die für Jamie interessanter sind und während Katja schonmal einen Abstecher ins Touristbüro macht, darf Jamie noch ein wenig Pirat spielen. Dann treffen wir uns wieder am Gästehafen, Katjas Rucksack ist gefüllt mit Broschüren und Prospekten und sie staunt beim Betreten der Touristinfo nicht schlecht, als sie einen riesigen Bundesadler entdeckt und liest, dass es sich hier auch um ein deutsches Honorarkonsulat handelt. Aber zum Glück ist die Nachlass Sache für sie jetzt erstmal abgeschlossen, wir brauchen keinen Konsul mehr. 

Wir sind der einstimmigen Meinung, dass wir uns mal wieder ein Eis gönnen könnten und tun dies auch sofort. Da aber noch etwas mehr Hunger da ist, besorgt Tommy noch einen nahrhaften Nudelsalat und wir futtern ihn gemeinsam auf einer Parkbank. Danach erkunden wir die Stadt weiter und genießen das sommerliche Wetter. Auf dem Rückweg kommen wir irgendwie nochmal am Spielplatz in der Nähe des Schlosses vorbei und Jamie ist ganz hin und weg. Katja seilt sich gegen 17 Uhr ab und macht sich schon mal allein auf den Weg zum Ludwig, um dort das Abendessen vorzubereiten, ihre zwei Männer kommen dann nach. Nach dem frühen Abendessen bleibt noch etwas Zeit für Abendbeschäftigung und dann geht’s für Jamie ins Bett. Mit dem Meerrauschen wird es heute hoffentlich nicht so lange mit dem Einschlafen dauern.




Schloss Borgholm auf der Insel Öland 

Den Wecker brauchen wir heute Morgen nicht, denn für das frühzeitige Aufwachen sorgt die Umgebung. Der Parkplatz ist direkt neben einer Swedish Agro Fabrik, dem Hersteller landwirtschaftlicher Produkte und da hier im Minutentakt LKWs und Tanklaster ein und ausfahren, vermuten wir, dass hier Dünger oder Futtermittel hergestellt werden. Die LKWs hupen, um sich Eintritt zu verschaffen und naja, das Hupen erfolgt recht häufig. Umso früher sind wir abreisefertig und tun dies mit einem weinenden Auge, denn der Himmel ist grau und ab und zu tröpfelt es bereits. Wir haben uns darauf eingestellt, denn wir haben den wechselhaften Wetterbericht seit Tagen im Auge, aber ärgerlich ist es trotzdem. Schließlich fahren wir heute auf die Insel Öland, dem Sommer-Ferien-Paradies der Schweden mit kilometerlangen weißen Sandstränden und das macht bei Sommerwetter eben mehr Spaß als im Regen. Wir überqueren die mehr als 6km lange Ölandbrücke und schon sind wir drüben und stoppen erstmal an einem Rastplatz, um unsere Toilette zu leeren. Während Tommy mit Ludwig´s WC Kassette beschäftigt ist, schmeißt Katja mal kurzerhand seine heutige Planung über den Haufen. Er hatte Trollskogen als Ziel eingegeben, ganz oben an der nördlichen Spitze Ölands (man kommt ungefähr mittig von Kalmar von der Brücke) und bis auf ein paar Ausnahmen gibt es nur zwei größere Verkehrsrouten über die Insel, einmal im Westen und zum anderen im Osten. Gleich dort hoch zu fahren ohne jeglichen Zwischenstopp und uns dann dort oben für entweder Westen oder Osten runterwärts zu entscheiden, würde bedeuten, die andere Seite der Insel nicht sehen zu können. 

Katja gibt Schloss Borgholm als neues Ziel ein, was sich als gute Schlechtwetter Variante entpuppt. Wir entscheiden uns heute, mal Eintritt zu zahlen und uns die Ruine von innen zu betrachten. Der Preis ist okay, 120 SEK für einen Erwachsenen, 30 SEK für Kinder von 5 bis 11 Jahren. Es findet gerade eine Ausstellung von Unterwasserbildern statt, wohl in Zusammenarbeit mit dem National Geographic, die können wir uns dann auch gleich noch anschauen. Und für Kinder gibt es, je nach Altersstufe, verschiedene Rätsel und eine Suche nach versteckten Dracheneiern, mit der wir Jamie wunderbar bei Laune halten können. Allerdings zweifeln wir bereits an unseren Sucher Fähigkeiten, denn wir finden eine ganze Weile nichts. Dann geht es Schlag auf Schlag und Jamie kann es gar nicht schnell genug gehen, so dass die gestressten Eltern überhaupt nicht zum Fotografieren kommen. Was allerdings bei dem teilweise sehr starken Regen auch nicht möglich ist und keine zufriedenstellenden Bilder hervorbringt. Die Ausstellung ist ein wenig enttäuschend, denn die Bilder sind zwar wunderschön, aber nicht sehr zahlreich und irgendwann hat Jamie sowieso das Interesse verloren, weil der Magen knurrt. Wir können ihn gerade noch dazu überreden, im Shop an der Schatztruhe sein Glück zu versuchen, wo man den bei der Schatzsuche errechneten Code eingeben muss. Zu Jamies Überraschung öffnet sich die Truhe und er kann sich eine Süßigkeit aussuchen. Kein schlechter Nachmittag, wenn man bedenkt, dass es vorher wieder Theater gegeben hat, weil Jamie bei dem ach so blöden Regen überhaupt nicht raus wollte. Nun geht’s aber erstmal zurück zum Ludwig zur Raubtierfütterung und allgemeinen Zeitverreib und zum späten Nachmittag hin passiert etwas, womit wir heute überhaupt nicht mehr gerechnet hätten. Die Sonne zeigt sich! 

Zum Glück gab es ein frühes Abendbrot, so dass wir danach nochmal für einen Abendspaziergang hinausgehen und die Burg im Abendlicht genießen können. Parken darf man übrigens auf dem Schlossparkplatz, tagsüber kostenlos und von 18 bis 9 Uhr zahlt man 100 SEK. So viele Freisteher Möglichkeiten gibt es in Borgholm nicht, deswegen bleiben wir hier. Der ein oder andere kennt das Schloss vielleicht aus dem Musikvideo von Roxettes „Listen to your heart“, das bei einem ihrer Konzerte in der Ruine aufgenommen wurde.


zwei Tage Campingplatz: Tag 1 Waschtag ....... 

Wir brechen nach dem Frühstück auf und während der Fahrt überlegen wir, was die beste Vorgehensweise für heute ist. Wir wollen ja immer noch nach Trollskogen und heute ist das Wetter wieder schön. Auf der anderen Seite möchte Katja unbedingt mal wieder waschen, damit sich nicht wieder so viel Dreckwäsche ansammelt wie beim letzten Mal, was sich stets als logistische Herausforderung darstellt, gerade wenn man einen Zeitraum buchen muss und in dieser Zeit so viel Wäsche gewaschen und idealerweise auch getrocknet bekommen muss. Das Waschen können wir nur auf einem Campingplatz erledigen und heute bietet sich aufgrund des guten Wetters eine hervorragende Gelegenheit, weil ein Teil der Wäsche draußen trocknen kann. Also macht Tommy den Vorschlag, gleich auf den Campingplatz zu fahren und heute einen Faulenzertag einzulegen.


Gesagt, getan – wir fahren auf den Campingplatz, den Katja schon rausgesucht hatte (das Angebot ist riesig auf Öland) und kurz vor 12 Uhr checken wir ein. Katja fragt nach Waschen und es ist ein Zeitraum frei von 12-15 Uhr (es gibt nur 2 Möglichkeiten am Tag, nicht besonders viel: 9-12 und 12 bis 15 Uhr) und so nimmt sie diesen gleich. Während sich Tommy um den Ludwig kümmert und ordentlich hinstellt, alles an Strom anschließt usw., kümmert sich Katja, mit Jamie im Schlepptau, um die erste Waschladung. Die Waschmaschine ist nicht besonders groß, also werden es mehrere Ladungen werden, bis 15 Uhr sind beide Maschinen (also auch der Trockner) gut beschäftigt und sogar Jamies Lieblingskuscheltier, der Bello, bekommt eine Fahrt in der Achterbahn. Die Wäsche auf dem Wäschetrockner wedelt freudig im Wind hin und her und bis zum angekündigten Regen um 17 Uhr können wir alles trocken von der Leine nehmen. In der Zwischenzeit hat sich eine kleine Familie aus Halle neben uns gesellt und die kleine Nele (1,5 Jahre) versucht mit Jamie Fußball zu spielen. In der Hochsaison zahlt man hier für die Duschmarken, wir haben aber 6 Stück umsonst bekommen und so gehen wir alle noch duschen und dann gibt’s Abendbrot.



 ...... Tag 2 Fahrradtour! 

Der Tag beginnt sonnig, zieht sich aber recht bald zu. Trotzdem haben wir uns entschlossen, Fahrräder für die Erwachsenen zu mieten und einen kleinen Ausflug zu machen. Wir überlegen hin und her, ob es Jamie auf seinem Laufrad bis Trollskogen schaffen wird, die Angaben variieren von 6-8km einfacher Weg und dort wäre ja auch noch ein Rundweg von knapp 5km zu bewältigen. Letztenendes fahren wir nicht nach Trollskogen und fahren einfach so in der Gegend umher, sammeln Brombeeren am Wegesrand und trotzen dem ein oder anderen kleinen Regenschauer. Es ist unsere erste gemeinsame Fahrradtour, da Katja zu Hause bei den vielen Bergen nie besonders viel Lust verspürt, ihre geplagte Lunge auszupowern. Aber hier macht es Spaß, es ist flach und Jamie kommt gut hinterher. Auf dem Rückweg stoppen wir nochmal fix im ICA in Byxelkrok für Brot und eine Kleinigkeit fürs Abendbrot und dann geht’s erstmal wieder auf den Campingplatz. Nach einem Snack machen Tommy und Jamie nochmal los und erkunden den Hafen. Insgesamt hat Jamie 20km zurückgelegt und so hätten wir es vielleicht sogar bis nach Trollskogen und zurück geschafft, aber man weiß es halt nie vorher. Auf jeden Fall ist ihm das Einschlafen heute nicht besonders schwer gefallen, er hat sogar zugegeben, müde zu sein.



eine landschaftlich reizvolle Wanderung bei Trollskogen  

Ein neuer Tag bricht an und heute soll es weitergehen. Da wir gestern beim Verlängern des Stellplatzes nochmal Duschmarken bekommen haben, lassen wir es krachen und gehen vor dem Frühstück nochmal duschen. Trotzdem haben wir 2 Marken übrig und geben sie brav zurück. Erstaunlich, wie lange es dann doch immer dauert, bis wir Ludwig abreisefertig haben nach zwei Tagen Campingplatz. Noch fix verabschieden von Patricia, Marian und Nele (Euch noch eine schöne Reise!) und es geht nach Trollskogen. Innerhalb weniger Minuten sind wir dort, fahren auf den großen Wohnmobil Parkplatz und überall fallen uns die Schilder „Daytime parking“ auf. Für die Nacht ist das also nix. Blöd eigentlich, das Informationszentrum ist aus Budgetgründen an Wochenenden und Feiertagen geschlossen. Das Geld könnte man kurzerhand durch eine faire Übernachtungsgebühr für Wohnmobile einnehmen. 


Es ist ein sonniger Tag, wir schnappen uns die Kameras und das Laufrad und los geht’s. Es stehen verschiedene Wanderwege zur Verfügung, wir wählen den längsten mit knapp 4,5km. Verschiedene Glanzpunkte (Prospekt!) dürfen wir auf unserer Wanderung bewundern: längst überwucherte alte Grenzmauern; das Wrack des 1926 bei Unwetter gesunkenen Schoners Swiks, dessen Besatzung den Unfall glücklicherweise überlebte; einen wunderbar beruhigenden Geröllstrand aus Kalk- und Sandstein, auf dem man zwar nicht besonders gut vorankommt, aber sich einfach mal hinsetzen und dem Wellenrauschen zuhören kann; skurrile alte Eichen (teilweise bis zu 900 Jahre alt), die zahlreichen Pflanzen, Tieren und Pilzen einen wichtigen Lebensraum bieten; gut ein Dutzend alter Gräber aus der Eisenzeit, die man archäologisch noch gar nicht erkundet hat und die krummen Kiefern, deren Leben im mageren Boden und den harschen Wetterbedingungen alles andere als einfach ist, was man an ihren teils wirklich bizarren Wuchsformen ablesen kann. Hinzu kommen üppige Strandwiesen, auf denen im Sommer Kühe weiden und die den Wanderern schon mal etwas auf die Pelle rücken können, aber nicht gefährlich sind. Diese Wiesen sind besonders, ihre Pflanzen mögen die ständige Wurzelnässe und Wat- und Entenvögel finden hier zur Brutzeit gute Nistplätze. Mit Erholungs- und Fotopausen benötigen wir 3 Stunden für die Wanderung und da wir nicht viel zu Essen dabei hatten, kümmern wir uns nach der Rückkehr zum Ludwig erstmal um unserer leibliches Wohl. 


Als wir endlich weiterfahren, ist es schon 16 Uhr und wir wollen noch zum Langen Erik, dem Leuchtturm, der an der nördlichsten Spitze von Öland steht. Zum Glück ist er nur ein paar Minuten entfernt und auch dort erkunden wir die Gegend und nehmen ein paar fotografische Erinnerungen mit. Dort wäre ein toller Platz zum Übernachten aber die Schilder mit dem Parkverbot von 23 – 6 Uhr sind nicht zu übersehen und so fahren wir weiter. Inzwischen sind wir dreimal an der Stelle vorbeigefahren, die wir gestern schon als Übernachtungsplatz für heute ausgeguckt haben. Sie ist ein rarer Fund auf Öland, wo alle Parkflächen fürs Übernachten gesperrt sind, aber hier findet sich überhaupt kein Schild.



nochmal Kalmar, diesmal für die Dinosaurier - Ausstellung 

Die Nacht war trotz der Straßennähe ruhig und besonders lange wollen wir heute sowieso nicht schlafen, da wir nach Kalmar zurückfahren und die Dinoausstellung besuchen möchten, die gestern eröffnet hat. Wir haben Jamie noch nichts davon erzählt und wollen ihn überraschen. Blöderweise ist bereits der Parkplatz mit Dinos verziert, die Einfahrt wird von zwei T-Rexen bewacht, da können wir es nicht mehr verheimlichen. Auch wenn Jamie sonst nix mitbekommt, aber das sieht unser Dinofan natürlich sofort! Wir verbringen 3,5 Stunden in der Ausstellung und der Begründer Roland Wiberg ist vor Ort und stellt sich den Fragen der Besucher. Tommy plaudert ein wenig mit ihm, erfährt dass es Rolands Kindheitstraum war, ein Dinosaurier Museum ins Leben zu rufen und spricht von den Herausforderungen dieses Vorhabens. Zuerst dachten wir noch, dass es sich um eine Wanderausstellung handelt, aber ziemlich schnell begreifen wir, dass dies logistisch überhaupt nicht zu stemmen wäre: schon allein das Auseinandernehmen der lebensgroßen Skelette, das Verpacken, Transportieren und wieder Aufbauen würde schon mehrere Monate in Anspruch nehmen. Und da sind die ganzen Fossilien und anderen Fundstücke noch nicht aus den Vitrinen genommen, verpack und wieder ins Glas gelegt. Das Museum gibt es seit 2013, aber es ist nicht dauerhaft geöffnet. Während der Pausen erfolgen immer wieder Umbauten, neue Exponate werden integriert, das Konzept überarbeitet etc. Roland verrät uns, dass sie ein neues Skelett gekauft haben, welches zukünftig einen neuen Platz im Museum finden wird. Wer mehr über den Mann hinter der Ausstellung erfahren möchte, kann dies in diesem englischen Artikel tun, zur Not gibt es Online Übersetzungsprogramme.



Anschließend müssen wir mal wieder was einkaufen, unser Kühlschrank ist verdächtig leer. Und dann plagt uns der Hunger, schließlich haben uns die Dinosaurier ganz gut beschäftigt. Wir fahren aber noch zu unserem heutigen Stellplatz, direkt an der Öland Brücke und dort fallen wir über das Baquette her. Jamie möchte den Ludwig trotz des schönen Wetters heute nicht mehr verlassen, das waren genug Eindrücke für diesen Tag. Also gehen Tommy und Katja getrennt auf Erkundungs- und Fototour und dann zaubern wir unser Abendessen.



wir nähern uns den Elchen..... 

Da wir direkt unter der Öland Brücke stehen, sind wir früh wach, denn der Verkehr bricht hier nie komplett ab. Nach dem Frühstück springt Tommy mal kurz in die kalte Ostsee und erfrischt geht es weiter. Wir haben heute einige organisatorische Dinge abzuarbeiten. Erstens wollen wir uns eine neue Hausbatterie für den Ludwig kaufen, weil unsere oft sehr früh schlapp macht. Das darf sie aber auch, denn sie hat bereits einige Jahre auf dem Buckel und sie ist eigentlich nur eine Starterbatterie, die wir damals getauscht hatten. Wir fahren zu einem Batterieexperten in Kalmar, der die Batterie misst, uns mitteilt, dass es die falsche für den eingesetzten Zweck ist und uns gleich die neue anschließt. Dann geht’s zur Tankstelle, wo wir Ludwig mit Wasser und Diesel befüllen. Und auf dem Weg zum heutigen Ziel steuern wir gleich noch einen Rastplatz an und leeren die WC Kassette.



Wir haben einen Stellplatz in der Nähe von Kosta ausgesucht, weil wir dort morgen den Elchpark besuchen möchten. Beim Abbiegen von der Straße fallen uns zahlreiche Warnschilder auf und Katja springt aus dem Ludwig und beginnt, diese mühsam ins Übersetzungsprogramm einzutippen. Der Stellplatz entpuppt sich als inmitten eines Militär Truppenübungsplatzes gelegen und laut Schild besteht Gefahr für Leib und Leben. Nun gut, wir haben tatsächlich keine Lust, dass uns die Munition um die Ohren fliegt, deswegen fahren wir weiter direkt bis zum nahe gelegenen Elchpark, auf dessen Parkplatz wir die Nacht verbringen. Es wäre zwar noch genügend Zeit, diesem heute einen Besuch abzustatten, aber die Fütterung der Tiere findet 10 Uhr und 12 Uhr statt und das haben wir bereits verpasst. Also steht der Besuch morgen an und heute vertreiben wir uns die Zeit, testen schon mal den Spielplatz und so kriegen wir den Tag auch rum.



Elchpark bei Kosta 

Wer oft Tiere in Zoos und Wildparks fotografiert, weiß dass die Fütterung der beste Zeitpunkt dafür ist, weil sie dann alle aus ihren Verstecken hervor kommen. Wir stehen bereits ein wenig früher als 10 Uhr vor dem Elchpark und begehren Eintritt, müssen aber noch warten. Als wir dann drin sind, laufen wir schnell dem Buggy hinterher, der die Eimer mit dem Trockenfutter durch die Gegend fährt. Und dann heißt es warten. Allmählich kommen sie ganz gemächlich, schon fast majestätisch, angetrabt und begeben sich in die Unterstände, wo sie ihre Futtertröge finden und wo der Besucher von der anderen Seite direkt auf den Teller gucken kann. So ganz geheuer ist es den Tieren nicht, auch wenn sie es natürlich gewohnt sind, aber dass sie Wild- und Fluchttiere sind, merkt man ihnen definitiv an, da sie ständig auf der Hut sind, auf unbekannte Geräusche reagieren und auch mal ganz schnell ein paar Schritte zurückweichen, wenn ihnen etwas nicht ganz geheuer erscheint. Beim Fressen kann man sie dann streicheln, aber irgendwie erscheint uns das nicht angebracht, denn sie haben ja gar keine andere Wahl: fressen und streicheln lassen oder nicht fressen und warten, bis die Menschen weg sind. Der Park hat drei große Gehege und wir laufen um sie herum. Wie vermutet, sehen wir die meisten Tiere nicht, da sie im Schatten unter den Bäumen liegen (sie sind Wiederkäuer) und gut getarnt sind. Es gibt drei Hochtürme, auf denen man in die Gehege reinschauen und sich einen guten Überblick verschaffen kann, aber wenn die Tiere unter den Bäumen liegen, bringt der erhöhte Ausblick nicht viel. Wir machen noch einen Abstecher ins kleine Museum, das die Gefahren der Elche in der Wildnis präsentiert: Bär, Wolf und Mensch. 



Und danach ist es schon wieder 12 Uhr und wir erleben die zweite Fütterung des Tages, diesmal mit Birkenästen, die sie laut Aussage des Inhabers sehr gern fressen. Auch hier kommen sie nochmal alle angelaufen und es bieten sich schöne Fotomotive. Jamie wird es aber irgendwann langweilig, er kann es eben nicht verstehen, warum man so lange daneben stehen und fotografieren muss und dann wird er entweder quengelig und oder extrem nervig. So schauen wir uns noch die anderen Nutztiere im Park an, machen einen kleinen Abstecher durch den Shop und landen unweigerlich wieder auf dem Spielplatz, wo wir noch etwas Zeit verbringen, bevor wir am Ludwig eine kleine Snackpause einlegen und dann die 40km zum heutigen Stellplatz zurücklegen. Wir stehen wieder an einer Badestelle, die bei Deutschen sehr beliebt ist, denn 80% der Besucher sind aus Deutschland. Wir gesellen uns zu einer Berliner Familie in den Sandkasten und verbringen dort den Nachmittag, Tommy landet zwischendurch unweigerlich im See (er könnte auch Seentester in Schweden werden….) und als die andere Familie essen kocht (ihr Sohn ist erst 2,5 Jahre) bekommen wir auch Jamie unter Protest ins Wohnmobil. Das waren heute viele Eindrücke für ihn, deswegen schläft er früh ein.


Ein entspannter Tag am See 

Der nächste Morgen beginnt ganz gewöhnlich, Tommy hüpft vor dem Frühstück in den See und nach dem Essen sind wir dabei, Ludwig abreisefertig zu machen. Tommy möchte Jamie ein paar Bewegungen aus dem Karate beibringen und so gehen die zwei nochmal runter zur Liegewiese, während Katja im Ludwig aufräumt. Danach geht sie auch nochmal runter zum Wasser, hält den Finger rein und meint, dass es ja gar nicht so kalt sei. Sie verkündet, heute auch mal wieder ins Wasser gehen zu wollen und erstaunt und zugleich erfreut kommen die beiden Männer mit, um sich ebenfalls badetauglich umzuziehen. Das Reingehen dauert dann doch länger als erwartet denn (das hätte sie natürlich wissen müssen) im extrem flachen Bereich ist das Wasser natürlich warm, kühlt aber mit der Tiefe auch schnell ab. Aber gut, jetzt ist sie einmal umgezogen, jetzt zieht sie es auch durch. Und dann kommt eines zum anderen, Tommy und Katja sehen sich kurz an, die Feststellung „da können wir ja eigentlich auch noch ne Nacht hierbleiben, oder?“ wird anstandslos bejaht und so bleiben wir und verbringen einen sehr sonnigen Tag am See. Da wir kein Brot mehr haben, verschwindet Katja am Nachmittag im Wohnmobil, um einen Brotteig vorzubereiten, der dann am Abend gebacken wird. Andere Badegäste kommen und gehen und die Stelle scheint sehr beliebt zu sein. Keine weiteren Vorkommnisse sind für diesen Tag zu vermelden, außer dass wir mit einem angenehmen Brotduft ins Bett gehen.



 Växjö - die angeblich grünste Stadt Europas

Heute soll es weiter gehen, aber wir haben keine Eile. Nachdem wir aufgebrochen sind, steht mal wieder Haushalt an, also erstmal über kleine Umwege einen Rastplatz angefahren um das Klo zu leeren (es gab andere auf dem Weg, aber dort ist keine Latrinenentleerung vorhanden), dann zur nächsten OK Q8 für Frischwasser und bei der Gelegenheit bekommt Ludwig mal wieder eine richtige Wäsche. Es ist wieder ein heißer Tag, er freut sich sicherlich auch mal, komplett abgeduscht und abgeschrubbt zu werden. Danach noch fix was einkaufen und ab geht’s in die Innenstadt von Växjö. Tommy hat etwas über „die grünste Stadt Europas“ gelesen und wir sind gespannt. Vom Parkplatz aus (Parken sehr günstig für 10 SEK pro Stunde, wieder per App) laufen wir in die Innenstadt, bekommen aber nicht sehr viel Grün zu sehen. Alternativ finden wir Eis und das kann man bei dem Wetter durchaus vertreten. Blöderweise sind wir in der shopping -lastigen Innenstadt gelandet, da hatte man für Grün nicht so besonders viel Platz, vielleicht gibt es die Parks ja anderswo. Oder wir sind auf besonders geschicktes City-Marketing hereingefallen. Aber egal, es ist sowieso schon kurz nach 17 Uhr und Jamie ist zu nichts mehr zu gebrauchen. 


Wir laufen zurück zum Ludwig, steuern unseren nicht weit entfernten Stellplatz an der Schlossruine Kronoberg an und müssen dort feststellen, dass der Ort sehr beliebt ist. Tommy hatte gelesen, dass es dort ein Café gibt, welches aber nur am Wochenende geöffnet hat und die Ruine selbst wurde vor Jahren schon wegen Einsturzgefahr geschlossen und man kann sie nicht besichtigen. Deswegen macht es keinen Sinn, dass soviele Leute hier sind. Es sei denn…… dass das Café doch geöffnet hat und ja, so ist es. Auf dem Parkplatz herrscht reges Treiben, es ist eigentlich nur Platz für PKWs, aber wir finden einen Platz, wo wir mit Überhang parken können. Wir können ja später noch umparken und gehen jetzt erstmal auf Entdeckungstour. Auch später ergibt sich keine Gelegenheit zum Umparken, erst als Jamie dann bereits seine Einschlafgeschichten bekommt, werden gegen 20:30 Uhr die favorisierten Plätze frei und da wollen wir dann auch nicht mehr umparken. So bleiben wir stehen wo wir sind und freuen uns, den Parkplatz nun endlich für uns allein zu haben.



Dienstag, 12. November 2024

Unsere Skandinavien Reise Teil 17 - Schlösser und Seen

 

Auto-Bingo-Abend

Am nächsten Morgen führt Tommy eine alte Angewohnheit wieder ein und geht joggen. Die Anwesenheit einer Außendusche entpuppt sich als sehr praktisch, denn so kann er sich gleich frisch machen, aber nicht bevor die zahlreichen Vanlifer ihre Körperpflege und ihren Abwasch an den Duschen erledigt haben. Unser Ziel für die nächsten Tage ist die schwedisch-norwegische Grenze im Westen und unser Tagesziel ist Karlstad. Auf dem Weg dorthin setzt Regen ein und bleibt die meiste Zeit bei uns. Für Karlstad gibt es mehrere Optionen, was das Parken anbelangt, aber wir sind realistisch. Die meisten Parkplätze müssen bezahlt werden und die wenigen kostenlosen Wohnmobilplätze (6 an der Zahl) sind mit Sicherheit bereits belegt. Also entscheiden wir uns für einen Platz etwas außerhalb, weil wir uns die Stadt sowieso nicht anschauen wollen. 

Wir stehen an einem kleinen See und machen uns auf, diesen zu umrunden. Der Spaziergang endet schneller als gedacht, woran die zahlreichen Mücken einen großen Anteil haben, denn nur in Bewegung kann man sich die Biester halbwegs vom Leibe halten. Katja verschwindet wieder im Ludwig, Tommy und Jamie spielen noch ein wenig Fußball auf dem angrenzenden Fußballfeld. Danach sitzen wir im Wohnmobil und momentan kommen unsere Spiele (UNO, Memory, Mensch ärgere dich nicht etc) oft zum Einsatz. Als wir Jamie bettfertig machen, befinden wir uns genau in der Situation, die in der Park 4 Night App beschrieben und von uns etwas belächelt wurde: Wir finden uns inmitten eines riesigen Bingo Live Events wieder! Das funktioniert ähnlich wie in einem Autokino wo jeder in seinem Auto sitzen bleibt. Sie starren alle auf ihre Handys, also wird es vermutlich über eine App gespielt. Über einen Lautsprecher werden die Zahlen ausgerufen und wer zuerst alle Zahlen durchstreichen konnte, betätigt seine Hupe. Da wir die Hupe gar nicht so oft zu hören bekommen, hilft Tommy ein wenig nach und testet unsere auch auf ihre Funktionsfähigkeit. Die Lautsprecheransagen sind recht laut, schließlich müssen ja alle Insassen auf dem großen Areal die Zahlen hören, deswegen dauert es lange, bis Jamie endlich schläft. Die Versammlung löst sich erst kurz vor 22 Uhr auf.



Schloss Läckö bei Regen 

Auch wenn Jamie so spät in den Schlaf gefunden hat, ist er wieder sehr früh munter. Gestern stand die Option im Raum, den heutigen Tag mit einer Joggingrunde um den kleinen See zu beginnen aber seine Begeisterung ist im Vergleich zu gestern extrem gesunken. So fällt sie eben aus. Auch heute fahren wir die meiste Zeit im Regen. Es gibt einen kurzen Zwischenstopp an einem Rastplatz mit Latrinenentleerung kurz nach Mariestad und weiter geht’s nach Läckö Slott – dem Schloss Läckö auf der Insel Kållandsö, direkt am Vänern (der größte See des Landes, der größte der Europäischen Union und der drittgrößte See Europas). Auch dort Starkregen sodass wir nicht mal Lust haben, in unserem tollen Regenoutfit die Gegend zu erkunden. So verlassen wir den Parkplatz (wir hätten für 150 SEK hier übernachten können) und steuern unser heutiges Ziel an: ein kleiner Wanderparkplatz mitten im Wald. Hier lässt der Regen zumindest nach und so schmeißen wir uns in unsere Regenklamotten und laufen einfach mal los. Da wir an einigen Blaubeersträuchern vorbeikommen, sind wir dann doch fast 2 Stunden unterwegs und freuen uns darüber, doch so viel Bewegung abbekommen zu haben. Allerdings hängt nun wieder der ganze Ludwig voll mit den vielen nassen Klamotten, das ist dann eben der Nachteil.



Schloss Läckö bei Sonnenschein

Am nächsten Morgen erwachen wir zu Sonne und machen uns wieder auf zum Schloss Läckö. Wir zahlen die 50 SEK Tagesgebühr fürs Parken und schlappen los. Ein teilweise kräftiger Wind weht uns um die Ohren und es tröpfelt auch mal ganz kurz, aber das hält uns nicht ab. Wir drehen eine schöne Runde ums Schloss (den Eintritt für die Ausstellung und die Ausrufe der Langeweile ersparen wir uns) und machen auch einen Abstecher zum dazugehörigen Bootsanleger, wo ein historisches Schiff angelegt hat. Hier haben früher sogar Dampfschiffe vor Anker gelegen, als der Tourismus gerade noch in den Kinderschuhen steckte und die betuchte Oberschicht dem damals ziemlich heruntergekommenen Schloss einen Besuch abstattete, eine kleine Erfrischung zu sich nahm, um dann wieder davon zu schippern. Gegen eine kleine Erfrischung hätten wir jetzt ebenfalls nichts einzuwenden, zumal wir ja auch noch weiterfahren und einen Stellplatz suchen müssen. Also geht’s zum ehemaligen Stall, wo sich heute ein gemütliches Café befindet und wir nehmen einen kleinen Snack zu uns. Mit dem Schloss im Hintergrund und Jamie, der auf dem Wembleyrasen seine Purzelbäume schlägt, lässt es sich gut aushalten. 



Nach dem wir uns dann doch irgendwann aufrappeln und weiterfahren, stoppen wir kurz in Lidköping für Brot und beschließen, dem städtischen Wohnmobilparkplatz einen Besuch abzustatten und zu beäugen. Vielleicht können wir ja bleiben. Das tun wir dann auch, nach dem wir den letzten Parkplatz erhascht haben. Wir stehen am Hafenbecken und nach einem nur kurzen Spaziergang erreichen wir das Stadtinnere, wo Jamie alsbald auf dem liebevoll hergerichteten Spielplatz verschwindet. Hier wurden historische Häuser der Stadt in Miniaturform für die Kleinen errichtet und sie können hinein, teilweise sogar in die zweite Etage klettern und sich wunderbar austoben. Es muss wohl nicht erwähnt werden, dass es einige Überredungskünste unsererseits braucht, um Jamie zum Gehen zu überreden. Der Stellplatz ist natürlich nicht so ruhig wie der letzte im Wald, dafür stehen wir halt mitten in einer Stadt, aber es beruhigt sich doch relativ bald und als wir am nächsten Morgen erwachen, ist es später als angenommen.



 Lysekil an der schwedischen Westküste, am Gullmarsfjord

Tommy hat eine schöne Schärenwanderung in Smögen gefunden, die wir aber höchstwahrscheinlich nicht machen werden können, weil wir einfach keinen Stellplatz finden. Inzwischen befinden wir uns an der Westküste Schwedens an der Nordsee und natürlich ist die Region in der noch anhaltenden Ferienzeit sehr beliebt. Wir fahren erstmal los und wollen uns überraschen lassen. Eine Überraschung erleben wir dergestalt, dass uns das Navi mal wieder auf eine Fähre leitet (wir müssen unbedingt mal wieder unsere Routeneinstellungen überprüfen!) aber glücklicherweise handelt es sich um eine der kostenlosen gelben Fähren, die zum Straßennetz Schwedens gehören. Als wir am Anleger ankommen, fährt gerade eine weg, aber in der Hochsaison sind mehrere im Einsatz und so müssen wir nicht lange auf die nächste Fähre warten. 



Die Überfahrt dauert noch nicht mal 10 Minuten und schon legen wir auf der anderen Seite an und von hier sind es noch ein paar Minuten bis nach Lysekil. Wir haben einen Stellplatz herausgesucht, der 260 SEK kostet aber Strom und Duschen sind inklusive (was oft nicht der Fall ist). Nach unserer Ankunft und Heißgetränk machen wir uns auf den Weg und erkunden das Umland, laufen zum kleinen Hafen und auf die gegenüberliegende Seite, wo man herrlich auf den Schären herumklettern und die wunderbare Aussicht in Form einer Rundumsicht genießen kann. Jamie kommt heute Abend noch mal um die Dusche herum, aber das kann ja kein Dauerzustand sein….



Besuch im Havets Hus Aquarium in Lysekil

Heute Morgen, als Jamie zu Katja ins Bett geklettert kommt, fragt sie ihn, ob er noch vor dem Frühstück mit Duschen kommt und zu ihrer Überraschung wird die Frage bejaht. Noch bevor er seine Meinung ändern kann, wird der Plan in die Tat umgesetzt und somit ist das auch mal wieder erledigt. Wir fahren anschließend in die Stadt, weil wir mit Jamie ins Aquarium gehen möchten und finden zwar keinen Parkplatz am Aquarium selbst, aber nur ein paar Meter entfernt am Hafen. Das Aquarium ist nicht sonderlich groß, aber liebevoll gestaltet und vorallem für Kinder sehr gut gemacht. Unsere Überredungskünste werden heute auf die Probe gestellt, denn erst reden wir endlos lang, um Jamie zum Gehen zu bewegen und dann möchte er natürlich auch nicht von dem schönen Spielplatz herunter, der sich vor dem Gebäude befindet. Katja geht zwischenzeitlich zum Ludwig und holt was zu Trinken und ein paar Kekse und stellt fest, dass wir zugeparkt wurden. Links und rechts stehen die Autos so eng, dass wir mit dem Ludwig nicht mehr herauskommen, weil wir ja irgendwann auch nach links einschlagen müssen und dabei würden wir eines der Autos mit unserem Hinterteil berühren. Aber unsere Parkzeit ist ja noch nicht abgelaufen und Jamie tollt sowieso noch auf dem Spielplatz herum also erstmal keine Sorgen machen, vielleicht erledigt sich das Problem von selbst. Als unsere Höchstparkdauer von 4 Stunden fast abgelaufen ist, gehen wir (manche unter Protest) zum Ludwig zurück und siehe da, das Problem hat sich von alleine gelöst, eine der beiden Nachbarn ist weg und wir haben genug Platz zum Rausfahren. Mit Hilfe unserer Parkapp haben wir einen Schotterparkplatz 15 Minuten entfernt gefunden und auf engen Straßen begeben wir uns dorthin. Als wir dort ankommen, sind wir noch allein, später kommen und gehen ein paar Gassigeher und für die Nacht befinden sich insgesamt 5 Übernachtungsgäste hier.



Wieder ein Schloss, Gräfsnäs slott

Ein neuer Tag beginnt, die zwei Vans sind schon wieder weg und aus den beiden anderen Wohnmobilen kommen die Eltern mit ihren Kindern, kommen ins Gespräch und beginnen miteinander zu spielen. Jamie schaut zwar interessiert aber daran teilnehmen möchte er nicht. Er zeigt mehr Interesse an seinem Piratenspiel, welches er gestern im Schrank entdeckt hat und das Katja noch vor der Abreise gekauft hat. Also spielen wir nach dem Frühstück zweimal das Spiel, dann machen wir uns abreisefertig. Zu erst geht es wieder auf die gelbe Fähre und wir kommen in dem Moment an, als gerade wieder beladen wird. Als vorletztes Fahrzeug fahren wir auf, dann legt die Fähre ab. Danach brechen wir auf zu unserem heutigen Ziel, kaufen zwischendurch noch ein und entleeren unsere Toilette auf einem Rastplatz. 



Gräfsnäs liegt im sogenannten Lake District unweit von Göteborg und wir stehen am Rand des Gräfsnäs slottspark auf einem offiziellen kostenfreien Wohnmobilstellplatz. In der Nähe befindet sich die Ruine des ehemaligen Schloss Gräfsnäs, ein großer Spielplatz und eine angrenzende Badestelle. Wir erkunden alles, bleiben dann aber, es sollte keine große Überraschung sein, auf dem Spielplatz hängen, wo wir uns die Zeit bis zum Abendbrot vertreiben. Es gefällt uns so gut, dass wir zwei Nächte bleiben und am zweiten Tag packt Tommy das SUP Board aus und geht auf dem Anten See paddeln. Trotz der Versicherungen auf der website der Kommune bezüglich der Wasserqualität und der regelmäßig durchgeführten Testungen macht das Wasser auf Tommy keinen einladenden Eindruck. Paddeln ist okay, baden muss nicht unbedingt sein, auch wenn andere im Wasser herumtoben. Er und Jamie bauen trotzdem im seichten Wasser mit dem Sandspielzeug herum und Sohnemann, der unsere Vorschläge bezüglich des Ausziehens von Hose und T-Shirt strikt ablehnt, ist hinterher pitschnass.



 2 Tage in Ulricehamn

Heute soll es weitergehen und auf dem Weg wollen wir Wasser aufnehmen, wenn es sich ergibt. An der ersten Tankstelle fährt Katja vorbei, es werden sich schon noch andere Möglichkeiten auftun. Bloß, dass dann erstmal keine weiteren Möglichkeiten kommen. Da Tommy das Ziel rausgesucht und ins Navi eingegeben hat, kennt sie das heutige Ziel gar nicht. In einer größeren Stadt fahren wir an einer OK Q8 vorbei, wo wir meistens Wasser auffüllen und als das erledigt ist, hat das Navi vergessen, wo wir eigentlich hin wollten. So fährt Katja erstmal blind und sucht nur mal fix einen Parkplatz zum Ranfahren, damit wir ihr (ihr erinnert Euch, es ist eine Sie) das Ziel neu eingeben können. Und dabei stellt sich heraus, dass wir bereits am Ziel angekommen sind. Dort gibt es mehrere Stellplatzmöglichkeiten, deswegen möchte sie uns noch ein paar hundert Meter weiterschicken aber der große Spielplatz ist der selbe (einmal steht man links davon, einmal rechts davon). Jamie möchte diesmal sofort raus, ohne dass es unserer Überredungskünste bedarf. Katja verspürt mal wieder Lust darauf, Muffins zu backen. Also vergnügen sich die Jungs auf dem Spielplatz. Als Katja gerade den Teig zusammenrührt, kommt Tommy und meint, dass es auf der anderen Seite des Spielplatzes ruhiger wäre und so versucht sie auf die Schnelle alles niet und nagelfest zu machen, was umfallen könnte und parkt den Ludwig fix um. Danach wird weitergebacken und als die Muffins fertig sind, kommen die hungrigen Jungs und sie werden komplett aufgefuttert. Anschließend geht’s nochmal gemeinsam auf den Spielplatz, schließlich will Jamie all die tollen Spielgeräte, den Wasserspielplatz und das DJ Pult der Mama vorführen.



Regen, Regen, Regen 

Jamie ist von dem Spielplatz total begeistert, besonders natürlich vom Wasserspielplatz und so schaffen wir es am nächsten Tag nicht, ihn von einer Weiterfahrt zu überzeugen. So bleiben wir eben. Katja läuft die paar Minuten hoch zum Lidl und holt ein paar fehlende Sachen und parkt den Ludwig um auf den Platz, wo wir am Vortag gestanden haben, weil alle Parkplätze hier auf 24 Stunden begrenzt sind. Leider ist das Wetter nicht so toll, aber Jamie spielt auch im Regen. So sind wir die einzigen auf dem Spielplatz und panschen stundenlang im Wasser herum. Irgendwann kommt der Hunger, Katja ist nass und kalt und Jamie zwar auch, aber ihn stört es mal wieder nicht. Also zurück in den Ludwig, raus aus den nassen Klamotten und Heißgetränk. Inzwischen ist es schon fast 16 Uhr und siehe da, die Sonne kommt raus! Mit der Sonne kommen die anderen Kinder und der Spielplatz und der Parkplatz füllen sich schnell. Nach der Stärkung spielt Jamie weiter im Wasser und zum Abendbrot haben wir soviele nasse Sachen zum Trocknen hier hängen, dass wir einen Wäscheservice eröffnen könnten.  



 Am See Glimmingen in der Nähe von Kisa

Heute geht’s tatsächlich weiter, aber nicht ohne einen erneuten Abstecher auf den Spielplatz nach dem Frühstück. Dort bleiben wir, bis Ludwig abreisefertig ist. Jamie verabschiedet sich brav von dem tollen Spielplatz und hat bei seinem Schutzengel die Bitte hinterlassen, nochmal so einen schönen Spielplatz zu finden, am besten bitte auch mit Wasserspiel. Eigentlich wollen wir im Ort noch Grauwasser entsorgen, wir haben auf der Karte auch den Ort gefunden, wo man dazu in der Lage sein soll, aber als wir dort sind, finden wir nichts, was nur im Entferntesten danach aussieht, dass man dort dreckiges Wasser ablassen oder reinschütten könnte. Also fahren wir weiter unserem heutigen Stellplatz entgegen. Es handelt sich um einen abgeschiedenen kleinen Platz im Wald mit einer ansehnlichen Badestelle in nicht mal 100m Entfernung und auch das Wasser ist sauber – das war bei den letzten Bademöglichkeiten leider nicht der Fall gewesen. Aber es gibt natürlich auch einen Nachteil: Vor uns sind schon ganz viele andere hier. Die Rede ist von Mücken! Sie treten in großer Zahl auf und wir können uns nicht mal ungestört über die zahlreichen Blaubeerbüsche hermachen, die herrlich reife Blaubeeren tragen. Jamie und Katja sind wagemutig und sammeln zwei Tupperschüsseln voll aber danach flüchten auch sie in den Ludwig. Bereits beim Sammeln haben sie den Plan geschmiedet, daraus leckere Muffins zu backen, das war schon beim letzten Muffin backen das eigentliche Ziel gewesen, nur dass wir da gerade keine Blaubeeren zur Hand hatten. Während die Muffins im Omnia ihrem Reifegrad entgegensehen, vertreiben wir uns den Spätnachmittag mit Spielen und danach ist auch schon Zeit fürs Abendbrot. Die Muffins werden verpackt und für den nächsten Tag aufgehoben.



 Am See Hjorten

Am nächsten Tag geht’s weiter und Tommy hat wieder eine Badestelle herausgesucht. Wir sind die ersten dort und ergattern den besten Platz und weil es eine Feuerstelle gibt und Katja im Lidl vor zwei Tagen vorsorglich extra was zum Grillen mitgenommen hat, wird die Feuerstelle gereinigt und Holz gesägt. Katja kümmert sich in der Zwischenzeit noch um Stockbrotteig. Bevor wir mit dem Grillen beginnen, lässt es sich Tommy natürlich nicht nehmen, ein wenig mit dem SUP über den See zu paddeln, Jamie hat dazu keine Lust und wirft lieber Steine, sammelt Stöcke und spielt mit einem alten Fischerseil, das er gefunden hat. Als der Grill dann brennt, stehen drei deutsche Womos auf dem Platz, ein anderes hat keinen Platz gefunden und ist weitergefahren. Tommy riecht nach der Aktion wie ein Räucherfisch und hüpft mal kurz in den See während Katja Jamie zum Waschen animiert und ihn ins Bett bringt.