
Letztes Jahr bin ich
für 2 Wochen (Ende April / Anfang Mai) ein Stück des Jakobsweges in
Spanien gelaufen und zwar bin ich in León eingestiegen und knapp 300
km bis nach Santiago de Compostela, dem Ziel von Millionen Pilgern,
gelaufen. Meine Beweggründe waren weder religiöser Natur noch wußte
ich überhaupt, was Pilgern eigentlich bedeutete. Für mich war
lediglich wichtig, eine gewisse Zeit lang unbekümmert wandern zu
können und dabei ein gut organisiertes und ausgebautes System von
Unterkünften und sonstigen notwendigen Einrichtungen vorzufinden.
Wie bekannt gerade der Jakobsweg weltweit ist, war mir nicht bewußt
auch wenn ich davon gehört hatte, daß er seit Hape Kerkelins Buch
und Film „Ich bin dann mal weg“ deutlich an Bekanntheit gewonnen
hatte. Daß es auch einen amerikanischen Film „The Way“ über das
Pilgern in Spanien gibt, war mir ebenso wenig bewußt, ist aber genau
der Grund, warum es auch zahlreiche Wanderer aus nichteuropäischen
Staaten nach Spanien zum Wandern treibt. Hape´s (Hör-)Buch hatte
ich übrigens bewußt erst nach meinem eigenen Erlebnis gehört um
mich in meinen Eindrücken nicht beeinflussen zu lassen.

Wie gesagt, der
religiöse Aspekt spielte bei mir nie eine Rolle und für die meisten
Wanderer, denen ich begegnete, tat es dies ebenso wenig. Wer vor der
Entscheidung steht, den Pilgerweg zu laufen und diesbezüglich
Zweifel hegt, kann beruhigt sein. Die religiösen Wanderer (also
Pilger) gibt es natürlich auch aber niemand schreit es einem ins
Gesicht oder macht den normalen Wanderern Vorwürfe, wenn er nicht in
jeder Kirche fürs Gebet Einkehr hält. Die Menschen sind eher an
Deiner Geschichte und Deinen Gründen interessiert, warum man sich
auf den Weg gemacht hat und was man sich davon erhofft. Und wenn
diese Gründe zu persönlich sind und man diese nicht teilen möchte,
dann ist es auch okay. Niemand wird zu irgendetwas gezwungen, alles
zu seiner Zeit im eigenen Tempo. Ich habe in diesen zwei Wochen viele
interessante Menschen kennengelernt und zahlreiche tiefgründige
Gespräche geführt, wie ich sie schon lange nicht mehr genießen
durfte. Und das mit wildfremden Menschen! Manchmal fühlte es sich an
wie eine Therapie; Dinge die man sonst nicht mal der Familie oder
engen Freunden anvertraut, teilt man mit fremden Leuten und gibt auf
deren ehrliche Meinung manchmal mehr als auf gutgemeinten Rat von
Freunden und Bekannten.
Nur die Hälfte
dieses Weges gelaufen zu sein, wurmt mich noch immer, war aber leider
aufgrund zeitlicher Hindernisse nicht anders zu bewerkstelligen.
Geplant ist die noch fehlende Strecke auf jeden Fall auch noch auch
wenn es mich reizt, nicht nur 2 Wochen zu laufen, sondern mal für
länger unterwegs zu sein.
Warum erzähle ich
Euch das alles? Weil der Rennsteig genau vor unserer Tür liegt und
ich auch diesen knapp 170km langen Weg laufen möchte. Angeblich
schaffen ganz motivierte Wanderer dies an 6 Tagen aber diesem Streß
möchten wir uns nicht ausliefern. Zumal gerade letzte Nacht die
Uhren auf Winterzeit zurückgestellt wurden und es (im Wald) bereits
gegen 16 Uhr dunkel sein könnte. Deswegen haben Tommy und ich uns
für 3 Tage Etappenwandern auf dem Rennsteig entschieden und werden
das noch fehlende Stück (sicher auch in Etappen) in Zukunft
absolvieren. Der interessierte Leser darf sich an dieser Stelle
natürlich über einen Bericht über den Rennsteig freuen.
Und wer weiß,
vielleicht sind wir ja bis dahin textsicher mit dem
Rennsteiglied,
der heimlichen Thüringer Hymne. Tommy weigert sich ja standhaft zu
singen, aber ich habe mein Interesse zur musikalischen Untermalung
unseres Wandererlebnisses bereits bekundet.
Seid ihr jetzt gerade unterwegs?
AntwortenLöschenKatja hat dir glaube schon E-Mail geschrieben gehabt, wir waren vom 29-31.10. auf dem Rennsteig unterwegs, nächstes Jahr wollen wir den Rest machen
AntwortenLöschenWir können ja mit kommen! Ellis singt sehr gerne :-)
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