Mittwoch, 29. Januar 2025

Unsere Skandinavien Reise Teil 21 - die letzten Tage in Schweden


Sightseeing in der Umgebung von Halmstad

Wir erwachen und freuen uns über Sonne. Es gefällt uns hier, es ist ruhig und die Nachbarn (Hasen) sind auch ganz okay. Da es aber zu kühl ist, um einen ganzen Tag am Strand zu verbringen und wir sowieso noch was einkaufen müssen, machen wir erstmal los. Wir schauen uns die Danska Falls ganz in der Nähe an, was einen angenehmen Spaziergang durch eine magische Welt beinhaltet. Die Bäume sind verdorrt und haben recht eigensinnige Wuchsformen, große moosbewachsene Steine sind von früheren Begrenzungen übriggeblieben und weit auslaufende Wurzeln haben sich teilweise so wunderbar über die Steine gelegt, dass man darunter Behausungen von magischen Waldbewohnern vermuten möchte. Jamie jedenfalls vermisst die Feentürchen aus Irland und wir erklären ihm, dass die Waldfeen hier keine Türchen brauchen, weil sie so tolle Höhlen vorgefunden haben. Die Danska Falls sind kein besonders großer Wasserfall, aber wir freuen uns nichtsdestotrotz darüber, mal wieder einen Wasserfall bestaunen zu können. Das Wasser wirkt braun schon fast gelb, wie es da die Steine herunterbraust, vielleicht befinden sich zu viele Gerbstoffe im Wasser. 

Nachdem wir die Fälle von allen möglichen Seiten unter (Kamera)Beschuss genommen haben, laufen wir zurück, diesmal einen anderen, etwas längeren Weg, der als alter Wanderweg ausgeschildert ist. Er ist definitiv wilder und naturbelassener, führt oft über Wurzeln und Steine und auch mal den einen oder anderen Hügel hinauf. Da ist der andere (der kürzere von beiden mit 0,8km) definitiv einfacher zu gehen, falls einer der Leser mal vor der Entscheidung stehen sollte. An dem Bach hat es früher mal eine Mühle gegeben, die vom Pastor Jöran Fries um 1660 betrieben wurde. Das entsprechende Schild dazu finden wir am Prästafallet, einem weiteren nunja…. Wasserfall… aber vermutlich hat die Mühle dort nicht gestanden. Der Höhenunterschied wird hier nur einige wenige Zentimeter sein aber zum Aufwirbeln des Wassers hat es gereicht. Zurück am Ludwig müssen wir unser hungerndes Kind davon überzeugen, dass wir am Rastplatz schön draußen auf einer Picknickbank essen wollen und da Jamie davon nicht überzeugt ist, bekommt er einen Keks als Wegproviant. Dort angekommen, leert Tommy unsere WC Toilette und Jamie und Katja schaffen ein paar Sachen nach draußen fürs „Picknick“. Als wir aufbrechen, ist es schon wieder später Nachmittag, was Feierabendverkehr in Halmstad erwarten lässt. Dementsprechend länger dauert es, bis wir zurück am Stellplatz in Tylösand ankommen, wo Tommy und Jamie nochmal kurz runter zum Wasser gehen, aber schon recht bald zurückkommen, weil es Jamie zu kalt ist. Als die Sonne verschwindet, verriegeln wir unseren Ludwig, denn es wird zeitig dunkel und dann auch schnell kalt.



ein sehr geschäftiger Stellplatz in Helsingborg

Auch heute erwachen wir zu herrlichem Sonnenschein und stellen erstmal unser Solar nach draußen. Als wir dann fertig gefrühstückt, abgewaschen und aufgeräumt haben, gehen wir nochmal gemeinsam an den Strand. Katja ist total verwegen heute und wird sich unter der Kaltwasser-Außendusche nicht nur waschen, sondern auch gleich die Haare waschen! Brr, das ist erfrischend, jetzt ist sie definitiv wach. Anschließend laufen wir ein ganzes Stück am Strand entlang, bis zum Hotel Tylösand und dann wieder zurück zum Ludwig, da wir heute noch weiterfahren möchten.

Weil es sich gerade ergibt und die Möglichkeiten dazu hier in der Region nicht so zahlreich sind, leeren wir gleich nochmal unsere WC Kassette (man weiß nie, wann sich wieder die Gelegenheit dazu bietet) und kümmern uns auch gleich um Frisch- und Grauwasser an der angrenzenden OK Q8 Tankstelle. Danach geht’s weiter Richtung Helsingborg, wo Tommy einen Stellplatz vor der Stadt rausgesucht hat. Katja recherchiert während der Fahrt ein wenig bezüglich Parkplätze in der Stadt für einen weiteren Stadtbummel, aber das scheint in Helsingborg schwierig zu sein. Jamie protestiert, er will nicht schon wieder ne Stadt anschauen und eigentlich hat Katja auch keine Lust dazu. Also geht’s bei herrlichem Sonnenschein zum Stellplatz an der Ostsee, wo wir dann auch gleich loslaufen und den Strand erkunden. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich Dänemark und es gibt regen Schiffsverkehr zwischen beiden Seiten. Der Stellplatz ist sehr beliebt, am Abend kommen ständig Wohnmobile und Vans vorbei und suchen einen Stellplatz, aber davon gabs schon zu unserer Ankunft nicht mehr besonders viele. Nach dem die Sonne verschwunden ist, ist es wieder kalt und wir machen die Schotten dicht, um die Wärme im Ludwig zu halten.


ein zweiter Tag in Helsingborg und ein Besuch im Schlosspark Sofiero 

Wir wollen eine zweite Nacht bleiben, deswegen nehmen wir uns heute Morgen alle Zeit der Welt für Aufwachen, Aufstehen und Frühstücken. Danach ziehen wir uns an und unter Protest kommt der Junior mit – warum müssen wir denn jeden Tag irgendwas anschauen?! Wir wollten ja eigentlich gestern schon zu diesem Labyrinth, das Tommy bei Google Maps entdeckt hat aber der Weg wäre gestern zu lang geworden. Heute machen wir uns dann also gleich auf und Tommy regt sich furchtbar über Maps auf. Also wenn manche Menschen immer furchtbar Angst davor haben, dass die künstliche Intelligenz irgendwann komplett unser Leben bestimmt, können wir nur sagen, keine Bange!  Denn so lange Google das nicht hinbekommt und uns langschicken will wo kein Weg langführt (weil da nämlich ein Haus steht) oder es uns nach links führen möchte obwohl das Ziel nun mal rechts ist, dann hat es zum Gück noch einen langen Weg bis zur totalen Weltherrschaft vor sich. Wir finden die Stelle, wo das Labyrinth sein sollte, aber da ist der Zaun vom Schlosspark Sofiero drumherum, ohne Eintritt kommen wir da also nicht rein. 

Wir überlegen kurz, zahlen den Eintritt und betreten den großen Schlosspark. 1905 machte König Oskar II. seinem Enkel Kronprinz Gustaf Adolf und seiner Frau Margareta das Schloss zum Hochzeitsgeschenk. Margareta ist eine begeisterte Gärtnerin und legt den heutigen Park im englischen Stil an. Anhand vieler im Park gezeigten Fotos kann man sehen, dass Gustaf Adolf und Margareta selbst Hand angelegt haben bei der Umgestaltung und Bepflanzung des Areals. Wir bewundern den schönsten Park Schwedens (2009) und den besten Park Europas (2010), seine zahlreichen Blumen- und Gemüsebeete und die vielen Obstbäume, von denen der ein oder andere Apfel bei uns im Rucksack landet, weil sie sonst achtlos auf dem Boden liegen bleiben würden. Wir statten natürlich auch dem Labyrinth einen Besuch ab aber irgendwie haben wir das anders in Erinnerung: seit wann läuft man bei einem Labyrinth auf der einen Seite rein und kommt problemlos auf der anderen Seite wieder raus? Meist schafft man es nicht mal bis zur Mitte….? Als wir beim Spielplatz vorbeikommen, ist Jamie Feuer und Flamme, er probiert alles aus, klettert über den Hindernissparcour, flitzt über den kleinen Baumkronenpfad und verbringt viel Zeit in der Spielhütte, die Gustaf Adolf seinen Kindern und deren zahlreichen Besuchern mit viel Liebe zum Detail baute. Selbst im Spielbereich finden wir zahlreiche Kräuterbeete und es macht Spaß, dort zu sitzen, den Kindern beim Spielen zuzusehen und das ganze Umfeld auf sich wirken zu lassen. 

Wenn es nach Jamie ginge, wären wir immer noch dort, aber irgendwann schaffen wir es zum nächstgelegenen Café, wo es – ganz untypisch für Schweden – chai latte gibt, was wir natürlich sofort ausnutzen müssen. Leider ist es mit Kind nicht möglich, einfach mal für ein paar Minuten ruhig zu sitzen und das Ambiente zu genießen. Kaum hat man mal begonnen, genüsslich den Schaum von seinem Chai latte runter zu löffeln, springt Jamie bereits im Gebüsch herum und will Verstecken spielen. Den Weg zum Ludwig schaffen wir erstaunlich gut, auch wenn hin und wieder leichte Proteste hinsichtlich des langen Nachhausewegs zu vernehmen sind. Dort angekommen, hat das Kind seine Energie wiedergefunden und weil das für uns beide gerade einfach zu viel ist und man davon schlichtweg eine Meise bekommt, packen wir heute mal das DVD Laufwerk aus und er darf einen Film anschauen. 1,5 Stunden Ruhe!




ein Kurzbesuch in Malmö

Heute soll es nach Malmö gehen. Leider ist das Wetter nicht mehr so gut wie die letzten Tage, der Himmel ist grau, aber es bleibt trocken. Leider finden wir keinen Rastplatz zum Leeren unserer Klo Kassette, die Latrinenentleerung ist in der Gegend hier nicht sonderlich weit verbreitet (hatten wir das schon erwähnt?). In Malmö angekommen, nutzen wir einen Parkplatz etwas abseits vom Stadtzentrum und zahlen dort eine Tagesgebühr von 25 SEK über die App. Es gibt zwar einen Parkscheinautomaten, aber der scheint nicht zu funktionieren. Katja möchte ihn auch nicht unbedingt anfassen, so schmutzig wie er ist. Wir stehen direkt an einem Spielplatz und wenn es nach Jamie ginge, hätten wir die Parkgebühr nur bezahlt, damit er hier den ganzen Tag spielen kann. Es folgt mal wieder ein Deal: zu erst gehen wir in die Stadt und schauen ein bisschen rum und danach darf Jamie spielen. 


Katja hat sich schlau gelesen über die 15 tollsten Dinge, die man in Malmö machen oder ansehen kann, davon entfallen die meisten Dinge weil nicht fußläufig oder weil man irgendwo Eintritt zahlen muss, was mit Jamie meistens keinen Sinn macht. Also laufen wir zum zentralen Platz, dem Stortorget, anschließend zu einem anderen kleineren Platz, dem Lilla Torg, zur Sankt Petri Kirche, fotografieren das ein oder andere, essen eine Kleinigkeit und finden irgendwie nichts mehr, was man noch anschauen könnte. Die Öresund Brücke nach Dänemark ist als Highlight angegeben aber fährt man da extra hin, um sie sich anzuschauen? Wir sind also zurück am Ludwig und Jamie tobt sich auf dem Spielplatz aus. 


Zum späten Nachmittag wird es dort richtig voll, die Leute kommen von der Arbeit und gehen raus mit ihren Kindern. Direkt zwischen Ludwig und Spielplatz befindet sich ein Fahrradweg und man muss bei dem Verkehr höllisch aufpassen, nicht umgeradelt zu werden. Bei den Schweden gehört es zum guten Ton, mit dem Fahrrad zu fahren, deswegen kann man zahlenmäßig auf diesem Fahrradweg schon fast vom Aufkommen einer deutschen Autobahn sprechen. Im Stadtgebiet von Malmö wollen wir nicht übernachten und so fahren wir später eine halbe Stunde ins Umland, in den kleinen Ort Bara. Dort steht das Schloss Torup und auf dem anliegenden großen Parkplatz kann man im Wohnmobil übernachten.



Haushalts- und Entspannungstag in Trelleborg

Bevor wir am nächsten Morgen weiterfahren, schauen wir uns noch auf dem Schlossgelände um und laufen im liebevoll gepflegten Schlosspark umher. Als wir am Gemüsegarten vorbeikommen, werden wir neidisch wegen der fachmännisch angelegten Beete und ihrem üppigen Ertrag. Klar, das sieht immer alles so schön einfach aus aber da steckt natürlich eine Menge Arbeit dahinter. Am Wildgehege schauen wir auch noch kurz vorbei und dann geht’s weiter nach Trelleborg. Eine wahnsinnig lange Fahrt wird das nicht, nach knapp 25km sind wir bereits da. Bei den vielen Kurzstrecken können wir unsere Ecos nicht aufladen und die elektronischen Geräte und die Laptops werden regelmäßig genutzt. Also brauchen wir unbedingt mal wieder einen Stellplatz mit Stromanschluss. Wir entscheiden uns für den Golfclub in Trelleborg, wo wir für die Nacht nur 200 SEK zahlen. Tommy zahlt gleich für zwei Nächte und danach breiten wir uns aus: Tisch und Stühle kommen aus ihrem Versteck und Tommy räumt die Garage auf. Heute sind wir einfach mal faul und machen nichts mehr.




Sightseeing in Trelleborg - unser letzter Tag in Schweden 

Am nächsten Tag fahren wir ins Stadtzentrum von Trelleborg zur Trelleborgen. Die dänische Burg wurde um die Zeit um 980 errichtet, gegen Ende der Regierungszeit von König Harald Blauzahn (über den haben wir bereits in unserem Dänemark Bericht geschrieben), um die königliche Macht Dänemarks zu manifestieren, Stützpunkte zu errichten, Steuern einzutreiben und sich zu verteidigen. Bald schon verlor die Burg ihre Funktion, als Harald Blauzahn von seinem Sohn Sven Tveskägg als König abgelöst wurde und dieser andere Vorstellungen vom Regieren hatte und, wie so oft, alles besser wusste. 


Erst in unserem Jahrhundert wurde die Burg durch Zufall wiederentdeckt, als man Wohnhäuser auf dem Platz errichten wollte. Man fand Spuren von Holzstöcken, Wällen und Wallgräben und begrub die Pläne für Wohnhäuser. Ein Teil der Ringburg wurde im damaligen Stil rekonstruiert, kann heute bewundert werden und zeugt von der dänischen Geschichte Trelleborgs. Nach einem kleinen Stadtbummel durch das Stadtzentrum Trelleborgs und einer Brombeersammelaktion kehren wir zum Golfplatz zurück und lassen den Tag dort ausklingen. Es muss ein bisschen was eingepackt und ein paar Brote geschmiert werden, denn morgen fahren wir mit der Fähre…..



zurück in Deutschland 

Genau, wir fahren heute mit der Fähre nach Rostock. Tommys Mama hat nächste Woche Geburtstag und seine Eltern verbringen ihren Urlaub an der Ostsee, was wir uns zum Anlass genommen haben, die Oma zu überraschen. Der Opa ist natürlich eingeweiht, denn so ganz ohne Mitwisser kann man sowas nicht durchziehen. Der Check-in für die TT-Line erfolgt wie schon bei der Überfahrt von Finnland nach Schweden im do-it-yourself-Verfahren und man geht davon aus, dass es jeder mit den Touchscreen Terminals schon irgendwie hinbekommt. Ganz so einfach ist es nicht, denn auch Katja hat ihre Probleme, schon allein deswegen, weil das System sehr schwerfällig reagiert und man fingerbrechend auf dem Bildschirm herumhauen muss. Wir sind nicht die einzigen mit Problemen, denn nachdem man seine Boarding Pässe erhalten hat, fährt man weiter zu einer Schranke, die sich öffnet, sobald man diese Pässe gescannt hat. Dies funktioniert gleich bei zwei Wohnmobilen vor uns nicht, sodass sich zwei Schlangen bilden, wo eigentlich keine vorgesehen sind. Hat man auch diese Hürde überwunden, tut man gut daran, in den vorgegebenen Spuren zu parken, denn steht man falsch, könnte dies fatale Folgen haben. Aber dazu später mehr. 

Tommy hat sich gerade über das vorbereitete Frühstück hergemacht, als die Spur neben uns bereits auffahren kann und recht bald danach sind wir an der Reihe. Eine komplett neue Erfahrung für uns, denn bisher haben wir es immer geschafft, fast die ersten beim Check-in zu sein und die letzten, die die Fähre befahren können. Wir fahren auf die Fähre und landen nicht im Bauch sondern auf dem Oberdeck, wo unser Ludwig auch mal Seeluft schnuppern und die Aussicht genießen darf. Anschließend suchen wir uns einen Platz direkt vor dem Kinderland, ergattern eine der heiß begehrten Steckdosen und dort machen wir es uns für die nächsten 6 Stunden bequem. Ein sehr schönes feature in diesem Bereich sind die Tische, die wie Spielbretter bedruckt sind, zur Auswahl stehen Mensch-ärgere-dich-nicht, Mühle und Schach. Da wir unsere eigenen Spiele dabei haben, müssen wir uns nicht mal Spielfiguren ausleihen sondern legen gleich mit den unseren los. Tja und sonst gibt es nicht viel zu berichten, 6 Stunden Zeitvertreib ist schon grenzwertig, aber wir waren schlau und haben den Laptop mitgenommen und Jamie erlaubt, dass er einen Film schauen darf. Da uns nach unserer Ankunft eine zweistündige Fahrt bevorsteht, nutzen Tommy und Katja das Mittagsangebot an board – Jamie ist so aufgeregt, dass er heute fast nichts essen mag. Als wir die Durchsage des Kapitäns hören, dass das Schiff nach Travemünde fährt, bleibt uns kurz das Herz stehen, denn so war das nicht geplant. Dann Durchatmen, denn sie machen einen 1,5 stündigen Zwischenstopp in Rostock. Aber wie funktioniert das dann mit dem Verlassen der Fähre? Katja ist sich sicher, dass sie das irgendwie geregelt haben, aber vorsichtshalber fragen wir doch mal nach. Und erhalten die Auskunft, dass wir runterkommen, solang wir beim Boarding auf der richtigen Spur gestanden haben. Puh, Glück gehabt. Am Nachbartisch wird ebenfalls über das Thema diskutiert, wir sind also nicht die einzigen Zweifler. 

Als wir am Warnemünder Leuchtturm vorbeischippern, stürmen die ersten Fahrgäste bereits aufs Fahrzeugdeck und verbreiten eine Menge Unruhe unter den übrigen Passagieren. Katja kommt das alles sehr spanisch vor, der Kapitän hatte doch erst vor 20 Minuten durchgegeben, dass wir in einer Stunde in Rostock sein werden. Hat wohl wieder keiner zugehört?! Später sitzen wir im Ludwig und warten darauf, von der Fähre fahren zu dürfen, was ungewöhnlich lange dauert. Wir warten bestimmt 45 Minuten, nachdem die Fähre bereits angelegt hat. Danach geht’s los Richtung Usedom und der Feierabendverkehr in Wolgast ist glücklicherweise auch schon vorbei. Dort staut es sich ja immer bei der einzigen Brücke, die nach Usedom führt. Warten müssen wir aber trotzdem, denn die Brücke hat sich gerade für den Schiffverkehr geöffnet. Gegen 18 Uhr sind wir dann endlich da und die Überraschung ist gelungen!



Dienstag, 7. Januar 2025

Unsere Skandinavien Reise Teil 20 - unterwegs im westlichen Südschweden

 

Noch immer in der Nähe von Ystad- am Strand

Am nächsten Tag haben wir wieder super Wetter und einen schönen Sandstrand fast vor der Wohnmobiltür. Wir fahren knappe 3 Kilometer zum Strand und auf den geräumigen Parkplatz, der wie wir leider feststellen müssen, 20 Uhr verschlossen wird. Dort stehen wir bis zum Nachmittag und verbringen einen entspannten Tag am Meer. Katja bleibt vorerst im Ludwig und betreibt ein wenig Recherche für die nächsten Tage, Jamie und Tommy buddeln Löcher im Sand und sammeln Müll auf, der leider wieder zahlreich zwischen den Steinen zu finden ist. Später gesellt sich auch Katja zu ihren beiden Männern, wir erkunden den Strandabschnitt bis zum großen (stinkigen) Steg und laufen wieder zurück. Stinkig deswegen, weil der komplette Strandabschnitt links vom Steg übersäet ist mit nicht so dolle riechenden Algen und auch die linke Hälfte des Stegs damit bedeckt ist. Danach gibt es unseren Nachmittagssnack und wir bleiben bis circa 16 Uhr auf dem Parkplatz, bevor wir uns auf den kurzen Weg zu unserem heutigen Stellplatz machen. 

Dieser befindet sich ganz knapp vor einem Naturreservat, in dem das Abstellen von Wohnmobilen, das Zelten usw. verboten ist, aber man scheint darauf geachtet zu haben, Wohnmobillisten ebenfalls einen Stellplatz anbieten zu können. Zumindest scheint es so, denn überall sieht man Campingverbotsschilder und durchgestrichene Wohnmobile und Wohnwagen aber hier an dieser Stelle gar nichts. Der Park ist ein Tümmelplatz für Jogger und sonstige sportlich aktive Menschen, denn es gibt eine schöne Laufstrecke durch den Wald, Draußen-Fitnessgeräte, einen Spielplatz, Boulebahn und – was für ein klasse Service – ein Häuschen mit Toiletten, Umkleidekabinen und warmen Duschen, geöffnet von 6 bis 22 Uhr! Von der Stellplatzapp wissen wir, dass einige Camper nur für die Duschen hierher kommen und dann weiterfahren aber das finden wir dann doch etwas frech.

 
Sommerwetter pur, also zurück zum Strand! 

Da es wieder ein schöner Tag werden soll und die Zeit am Strand sehr schön war, machen wir das selbe heute nochmal. Nach Frühstück und Spielplatz fahren wir zum Strandparkplatz, verbringen den Tag an der Ostsee und Tommy und Jamie sammeln diesmal Steine. Blöderweise werden heute die Algen dort angespült, wo ein Großteil der Leute am Strand liegt. Wir müssen fast bis zum Ende des Strandes laufen (dort steht übrigens ein alter Bunker) um ohne Algendusche ins Wasser zu gelangen. Wir befinden uns ja hier an der Ostsee und wenn man mal nach dem morgendlichen Erwachen nicht mehr weiß, dass man sich in Schweden aufhält, könnte man sich dank des typischen „Ostsee Ambientes“ auch direkt irgendwo auf der anderen Seite (in Deutschland oder Polen) befinden. Man findet üppige Nadelwälder, übersäet mit dem typischen Ostseesand, dazwischen die Trampelpfade, die sich als Strandzugang etabliert haben und die zahlreichen Ferienhäuser, die besonders in den Sommermonaten bewohnt sind. Hier an der schwedischen Ostseeküste gibt es die kleinen bunten Strandhäuschen, die in mehreren Reihen hintereinander stehen und ihren Nutzern an heißen Strandtagen ein wenig Unterschlupf aber meist nicht sehr viel Platz bieten. 


Tommy konnte einen Blick in die ein oder andere Hütte erhaschen, und sah Tische und Stühle, manchmal eine Couch, Regale zur Aufbewahrung diverser Utensilien oder als Lagerräume genutzte Hütten mit Sonnenschirmen und Strandequipment. Wenn man keine großen Ansprüche an eine Behausung hegt, kann man hier sicherlich auch die ein oder andere Nacht verbringen, eine Kaltwasserdusche gibt es auf der Promenade auch. Auch heute verlassen wir so gegen 16 Uhr den Strand, müssen unseren kaputten Jamie aus seinen nassen Badesachen schälen, waschen, abtrocknen und umziehen und dann fahren wir der Einfachheit halber auf den selben Stellplatz vor dem Naturreservat, machen vorher aber noch einen kleinen Abstecher in den Supermarkt. Heute nutzen wir auch mal die kostenfreien Duschen im Fitnesspark, um uns die ganzen Algen vom Körper zu waschen und unsere Badesachen abzuspülen.

 

Kletterpartie im Nimis im Königreich Ladonien

Jamie und Katja erwachen, weil recht früh schon Autos an uns vorbeifahren, was ungewöhnlich ist, denn wir stehen bis hinten, wo niemand weiter fahren kann. Wir lunsen aus dem Fenster und sehen, dass sich jemand ganz dicht hinter uns gestellt hat. Mit ganz dicht ist ein Meter gemeint. Da wir vorne auf einen Block gefahren sind, um gerade zu stehen, bedeutet dies, dass wir uns nicht rückwärts rollen lassen können, um vom Block runterzukommen. Es werden immer mehr Autos und als wir dann recht bald aufgestanden sind, hat man bereits einen Pavillon an der Boulebahn errichtet. Da scheint also etwas stattzufinden. Wir sind beim Frühstück, als ein Herr an unsere Tür klopft und bestätigt, dass ein Boule Wettkampf stattfinden soll, hier so circa 30 Autos parken sollen und ob wir das Wohnmobil nicht wegfahren könnten. Wir einigen uns mit ihm, dass wir wenigstens noch fix unser Frühstück beenden können. Wir machen ihn darauf aufmerksam, dass wir gern rückwärts fahren würden, was aber nicht geht und ein paar Minuten später ist der Platz hinter uns frei. Bevor sich wieder jemand da hin stellt, rollen wir schon mal vom Block. Das Frühstück können wir nicht mehr beenden, denn inzwischen werden es immer mehr Autos und die parken alle links und rechts des Weges. Katja meint, dass es wohl besser wäre, das Frühstück irgendwo anders zu beenden. Wegräumen müssen wir ja die Sachen trotzdem alle, wir können beim Fahren nichts auf dem Tisch stehen lassen und als wir schon fast so weit sind, parkt ein Herr ganz demonstrativ sehr dicht vor uns. Als Katja ihn bittet, damit noch zwei Minuten zu warten, bis wir rausgefahren sind, wird er ziemlich unhöflich, ihm wäre es erlaubt hier zu parken, uns nicht und er fährt nirgendwo hin. Nun gut, er ist wohl mit dem falschen Fuß aufgestanden, wir kommen auch so raus aber nett war es natürlich nicht, zumal es überhaupt nicht verboten ist, hier zu parken. Insgeheim wünschen wir ihm Impotenz, einen fetten Schwarm Mücken und die Affenpocken und fahren vor zum Supermarkt, wo wir auf dem benachbarten Parkplatz unseren Ludwig erstmal richtig abreisefertig machen und dann fix noch ein Brot kaufen. 


Dann fahren wir eine längere Strecke, weil wir die Großstädte an der Westküsten erstmal auslassen wollen und sich unser Ziel nördlich von Helsingborg befindet. Zwischendurch füllen wir Frischwasser auf, leeren unseren Grauwassertank und fahren wieder einen Umweg für Latrinenentsorgung, denn es gibt zwar einige Rastplätze auf der Strecke, aber kaum einer bietet die Möglichkeit, sein Wohnmobil Klo zu leeren. Danach geht’s Richtung Höganäs und dort beim zweiten Anlauf auf den richtigen Parkplatz Himmelstorp, weil wir eine ganz besondere Wanderung planen. Denn wir besuchen heute das Königreich Ladonien und hier die Holzkonstruktionen von Lars Vilks, bekannt unter dem Namen Nimis. 1980 begann er damit, im Naturreservat Kullaberg mit angeschwemmten Holz Skulpturen zu bauen, die über die Jahre immer größer und umfangreicher wurden. Erst nach zwei Jahren erfuhren die Behörden von diesen Bauwerken und eine Reihe von Gerichtsverfahren nahmen ihren Lauf, währenddessen der Bau der Türme und Verbindungstunnel weitergeführt wurde. Für Nimis wird nirgendwo Werbung gemacht, es erscheint kein Hinweis auf den Wanderschildern und Wegweisern und man findet den Weg eigentlich nur aufgrund seiner Beliebtheit weil ein reger Besucherandrang dorthin besteht. Erst ziemlich zum Schluss findet der aufmerksame Wanderer gelbe „N“ auf Bäume gemalt und kann sich in Sicherheit wähnen, auf dem richtigen Weg zu sein. Was bis dahin noch eine gemütliche Wanderung war, wird dann recht beschwerlich, der Weg nach unten führt über Stock und Stein und die Abstände zwischen den zahlreichen Wurzeln sind teilweise so klein, dass man mit dem Fuß keinen wirklich guten Tritt bekommt. Aber wir können uns glücklich schätzen, dass das Wetter in den letzten Tagen so vorbildlich sommerlich war, bei Regen möchten wir diesen Weg nicht laufen, schließlich werden die Steine und vor allem die Wurzeln rutschig und der Weg hinab damit sehr gefährlich. Irgendwann steht man dann vor dem offiziellen Eingang zum Nimis und dort beginnt die Klettertour durch den Holztunnel. 



Es ist steil, viele der Holzbretter haben dem Gewicht der zahlreichen Besucher bereits vor vielen Jahren nachgegeben und es wurden einfach neue Bretter darüber gezimmert. Überall schauen Nägel heraus, so dass man auf Kleidung und generell auf sich achten muss, um nirgendwo hängen zu bleiben. Zwischendurch fehlen Stufen und man muss sehr große Schritte machen und sich an den alten Holzbalken am Rand festhalten. Das klingt alles schlimmer als es wirklich ist, wir haben die Kletterei mit Jamie gemacht, und es ist nichts passiert. Wir haben ihm vorher erklärt, dass er aufpassen muss und haben während der Kletterei ein wachsames Auge auf ihn geworfen und das reicht vollkommen aus. Man kann die Tour mit kleinen Kindern machen, sofern sie natürlich schon selbst laufen und trittsicher sind. Die meisten Kinder sind wahrscheinlich sowieso fitter als manch Erwachsener. Unten angekommen, gibt es ein Belohnungspicknick, dann schauen wir noch zu dem anderen Bauwerk am Strand, genannt Arx und dann machen wir uns an den Teil, der weitaus anstrengender ist, nämlich den Aufstieg. 




Wieder durch die klapprige und enge Holzkonstruktion durch, über Stock und Stein und steil bergauf bis zum normalen Wanderweg und dort angekommen, kann man wieder durchatmen und sich über eine normale Wanderung zurück zum Parkplatz freuen. Dort dürfen wir leider, wie überall sonst in dieser Gegend, von 22 bis 6 Uhr nicht parken und so müssen wir noch einen Stellplatz suchen. Wir haben zwei zur Auswahl und fahren sie ab. Der Golfplatz Parkplatz ist unsere zweite Wahl und wir kommen hierher zurück, wenn der andere nicht mehr frei sein sollte. In Svanshall am Hafen gibt es 5 Bezahl- Stellplätze mit Blick auf die Ostsee und ein Parkplatz ist noch frei. Den Ausblick nehmen wir dankend an, erkunden noch ein wenig den kleinen Hafen und dann ist es auch schon wieder Zeit fürs Abendessen.

 


UFO Absturzstelle und Leuchtturm Morups Tånge

Beim Aufwachen ist alles anderes als gestern. Kein blauer Himmel mehr, alles grau. Der Sommer hat sich wohl erstmal verabschiedet. Wir lassen uns viel Zeit mit dem Fertigwerden, schließlich haben wir auch noch keinen wirklichen Plan für heute. Der entsteht im Laufe des Aufräumens und so fahren wir los nach Ängelholm, wo am 18.05.1946 Gösta Carlsson ein abgestürztes UFO im Wald beobachtet haben will. Es gibt ein Grab, wo zwei tote Besatzungsmitglieder während der Reparaturarbeiten abgelegt wurden und eine kleine Nachbildung des UFOs, das mit Ringen umgeben ist, welche die Originalgröße des Raumschiffes abbilden sollen. Da es gerade zu regnen begonnen hat, bleiben wir nicht lange, aber als wir zum Wohnmobil zurückgekehrt sind, ist es wieder halbwegs trocken. 



Also gleich noch ein Abstecher an den nahegelegenen Strand (der eigentliche Grund für den großen Parkplatz hier), der heute keine Badegäste aufzuweisen hat. Dann fahren wir noch ein ganzes Stückchen weiter Richtung Norden, an Halmstad vorbei zum Leuchtturm Morups Tånge. Laut Schildern darf man dort gar nicht mit dem Wohnmobil parken, aber wie soll man sonst bitteschön dort hinkommen? Wir parken trotzdem, trotzen dem bescheidenen Wetter und machen im Regen unsere Bilder. 


Danach gibt’s einen Nachmittags Snack und anschließend fahren wir zu unserem heutigen Stellplatz: wieder direkt an der Ostsee am Windpark Falkenberg und mit echt beschissenem Wetter. Nach dem Abendessen regnet es sich ein, es windet immer heftiger und manch anderes Wohnmobil nimmt das zum Anlass, den Platz zu verlassen. Die haben ganz offensichtlich noch nicht in Irland Urlaub gemacht!

 


Nichts zu tun und bescheidenes Wetter - also ein Faulenzertag

Nun ja, die Nacht war nicht so angenehm, es hat ein wenig geschunkelt, aber das ist nicht der eigentliche Grund, warum wir schlecht geschlafen haben. Wir haben vergessen, wie laut Wind sein kann und wie sehr dieses Geräusch vom Schlafen abhalten kann. Jamie ist kurz nach 5 Uhr munter, schläft aber zum Glück nochmal ein, weil es draußen noch dunkel ist. Als wir erneut erwachen, ist es nach 9 Uhr, die Sonne scheint, es regnet nicht mehr und der Wind hat ebenfalls nachgelassen. Wir haben keine Eile, frühstücken und dann macht es sich Jamie in seiner Spielecke mit all dem Lego bequem und macht den Eindruck, diesen Ort heute nicht mehr verlassen zu wollen. Wir lassen ihn gewähren, erstens weil wir sowieso keine Pläne für heute haben und weil wir ihn auch nicht immer antreiben wollen, sich etwas mit uns anzuschauen oder spazieren zu gehen. Da gibt es nämlich oft Streit, weil er das eigentlich gar nicht möchte, weil es ihn nicht interessiert oder weil er ja angeblich nie zum Spielen kommt und seine Interessen auch nie berücksichtigt werden. Also verbringt er den Tag im Ludwig. Irgendwann macht sich Katja zu Fuß auf den Weg zum Einkaufen. Wir brauchen eigentlich nichts wirklich dringend, außer vielleicht Brot oder Brötchen aber die ganze Zeit drinnen hocken will sie auch nicht und so läuft sie die 2km dorthin und wieder zurück. 


Nach ihrer Rückkehr gibt’s ein Heißgetränk. In der Zwischenzeit hat es sich schon wieder zugezogen und tröpfeln tut es auch immer mal wieder. Tommy möchte sich auch ein wenig die Beine vertreten und so geht er mal die Umgebung auskundschaften. Der Wind wird immer heftiger und inzwischen sind wir das einzige Wohnmobil weit und breit. Wir überlegen, ob wir noch so eine Nacht direkt am Wasser verbringen wollen oder nicht lieber irgendwo etwas geschützter stehen wollen und entscheiden uns, die paar Meter zum nahegelegenen kostenpflichtigen Stellplatz am Lövstavikens Fyr zu fahren. Da hätten wir wenigstens Strom und die Toilette müsste morgen sowieso geleert werden. Na gut, so parken wir um und da Katja eine Waschmaschine entdeckt, haut sie schnell noch die Dreckwäsche in die Maschine und später in den Trockner. Als wir die fertige Wäsche abholen wollen, ist das Servicehaus leider nicht mehr zugänglich, so dass die Wäsche die Nacht verknitternd im Trockner verbringt.

 


kleiner aber feiner Stadtbummel in Varberg

Als Katja am Morgen von Jamie geweckt wird, holt sie erstmal die Wäsche. Gestern war sie bestimmt trocken, aber die Nacht im Trockner hat sie etwas klamm werden lassen. Also passiert, was Katja eigentlich vermeiden wollte: Im Ludwig hängt wieder jede Menge Wäsche zum Trocknen herum. Sie geht duschen und die Männer bereiten das Frühstück vor. Der Regen setzt wieder ein und das nicht gerade wenig. Bis wir alles fertig verräumt haben und Ver- und Entsorgung erledigt ist, haben wir schon wieder die Mittagszeit erreicht, aber uns treibt niemand an. Wir fahren noch mal schnell zum Coop und holen Brot, dann entscheiden wir uns für einen Besuch in Varberg. Kurz nachdem wir aufgebrochen sind, stoppt der Regen und blauer Himmel kommt zum Vorschein, das ist ja fast nicht zu glauben! 


An der Feste in Varberg gibt es sehr beliebte kostenlose Wohnmobilstellplätze und wir ergattern den Vorletzten. Wenn Jamie auch sonst nichts mitbekommt beim Fahren, aber den Spielplatz auf dem Weg dorthin hat er sofort gesehen und möchte ihn auch unbedingt sofort aufsuchen. Wir machen einen Deal, dass wir wenigstens die Festung und das Kaltbadehaus anschauen wollen und weil es dort leckere Waffeln im Café gibt und wir bisher noch keine probiert haben, lässt er sich dazu überreden. Das Warten ist aber auch schon wieder unerträglich lang und er weiß mal wieder nichts mit sich anzufangen. Um den Familienfrieden zu wahren, gehen Katja und Jamie anschließend auf den Spielplatz, während Tommy noch ein wenig im Hafen fotografiert. Leider dürfen wir auf dem Festungsparkplatz nicht über Nacht stehen bleiben, deswegen geht’s anschließend zum auserwählten Stellplatz an einem Fußballplatz. Dort ist bei unserer Ankunft viel los, aber die gehen ja auch irgendwann mal nach Hause. Wir essen und als es nach 19 Uhr nicht weniger, sondern noch mehr Autos geworden sind und die Anzeigentafel des Stadions darauf schließen lässt, dass hier gerade ein Spiel angepfiffen wird, verdünnisieren wir uns lieber und fahren noch zwanzig Minuten in den Wald. Dort haben wir unsere Ruhe.

 


ein kleiner Abstecher nach Halmstadt

Einen Großteil der Nacht haben wir vom Regen unsere Ruhe, aber am Morgen begrüßt er uns stürmisch und in seiner vollen Pracht. Nachdem wir aufbrechen, stoppen wir ein paar Meter weiter bei der dortigen Schaf-Farm und schauen mal durch ihren Shop, Flohmarkt, Café usw., fühlen die unterschiedlichen Wollarten und bestaunen rätselnd die alten Werkzeuge, deren Einsatzgebiet wir manchmal nur erraten können. Eigentlich möchte Jamie Schafe streicheln, die lassen sich aber bei dem Regen nicht blicken und so kommt er auch um das lästige Händewaschen herum. 


Wir fahren weiter nach Halmstad, weil uns bei dem Wetter nichts besseres einfällt. In der Stadt lässt es sich mit dem Regen besser arrangieren, weil man zur Not auch mal irgendwo nach innen flüchten kann. Wir staunen allerdings nicht schlecht, als sich der Regen verzieht und blauer Himmel zum Vorschein kommt. So war es doch gestern auch…… also wenn das zur Gewohnheit wird….. wollen wir nicht meckern. In Halmstad angekommen, parken wir auf einem Parkplatz in der Nähe des alten Schlosses, haben drei Apps zum Zahlen zur Auswahl und zahlen nur 4 SEK pro Stunde (zwei von den drei hat Katja auf ihrem Handy und hier sind die Preise ausnahmsweise mal gleich). 


Wir laufen ein wenig in der Stadt umher, Jamie ist auf dem Laufrad unterwegs, und wir lassen die Stadtatmosphäre auf uns wirken. Ein richtiges Ziel haben wir nicht, wir lassen uns treiben, folgen interessanten Fotomotiven und landen, wie sollte es anders sein, in einem Café. Später geht’s zurück zum Parkplatz, auf dem wir nicht bleiben dürfen und fahren noch ein paar Kilometer aus der Stadt zum beliebten Tylösand, wo wir einen großen, fast leeren Parkplatz vorfinden. Vor ein paar Wochen noch, als es wärmer war, wäre hier sicherlich der Teufel los gewesen, weil sich alle am Strand gebrutzelt hätten, aber bei den momentan herbstlichen Temperaturen hat sich das erledigt. Zum Schauen laufen wir runter zum Strand und genießen die letzten Sonnenstrahlen, Jamie wirft sich in die Wellen und läuft somit nass zum Ludwig zurück und nur kurze Zeit später kommt der nächste Regenguss vom Himmel.



Montag, 6. Januar 2025

Die Rauhnächte für Eltern kleiner Kinder – ein Balanceakt zwischen Anspruch und Realität

 

Die Rauhnächte haben in den letzten Jahren an Beliebtheit gewonnen beziehungsweise sind wieder verstärkt ins Bewusstsein der Menschen gerückt. Es handelt sich um die Tage zwischen Weihnachten und den Heiligen Drei Königen, wobei es Abwandlungen und somit verschiedene Zeitpunkte gibt, wo man seine 12 Tage Rückzug und Innenschau beginnt. Wo genau die Ursprünge liegen, kann man heute nicht mehr sagen, aber als sicher gilt, dass es sich um den Übergang vom Mond- zum Sonnenkalender handelt und da der Mondkalender mit 354 Tagen kürzer ist als der Sonnenkalender, bleiben 11 Tage/ 12 Nächte übrig, die als „außerhalb der Zeit“ stehend als Tage des Übergangs angesehen wurden. Diese Tage wurden seit jeher als magisch und geheimnisvoll empfunden und als eine Phase des Innehaltens, des Übergangs und der Besinnung, in der das Alte losgelassen und das Neue begrüßt wird, mit speziellen Ritualen begangen.

Man spricht davon, dass sich die Türen zur Anderswelt in dieser Zeit öffnen und Geister, Ahnen und übernatürliche Wesen leichter in unsere Welt treten können. Daher ist es leichter, Botschaften zum Beispiel in Form von Träumen zu empfangen. Früher, ohne elektrischen Strom, verbrachte man seine Abende generell im Kerzenschein und fühlte sich vielleicht auch der Geisterwelt näher als heute. Das Räuchern diente dem Reinigen des Hauses und dem Vertreiben von bösen Geistern und schlechten Energien.

Es gibt Menschen, die ihre Rauhnächte mit der Wintersonnenwende, dem 21.Dezember beginnen, der längsten Nacht des Jahres. Danach braucht es drei Tage für die Rückkehr des Lichtes und diese drei Tage enden am 24. Dezember. Deswegen beginnt für viele in dieser Nacht die Zeit der Rauhnächte. Es beginnt die Zeit diverser Rituale und Bräuche und hier gibt es keine starren Vorgaben. Jeder sucht sich aus, was ihn am meisten anspricht. Jeder dieser besonderen 12 Tage/ Nächte steht für einen Monat des neuen Jahres und die Theorie besagt, dass die Träume in der Nacht einen wichtigen Bezug haben zum jeweiligen Monat des kommenden Jahres. Also der Traum vom 24./25. Dezember steht für den Januar, der Traum vom 25./26. Dezember für den Februar usw.

Wir wollen hier keine endlose Abhandlung über die Rauhnächte verfassen, denn es gibt zahllose Beiträge zu diesem Thema im Internet, Bücher, begleitete Rauhnächte, Meditationen, ebooks, Workbooks zum Notieren der Gedanken, Träume und anderer Auffälligkeiten. Das Angebot ist groß und jeder darf sich das für ihn passende heraussuchen. Wir wollen hier einen kurzen Abriss darüber geben, wie wunderbar praxisfern die meisten dieser Rituale sind und wie schwierig es ist, die idealisierten Vorgehensweisen in die Praxis des Familienalltags mit einem Fünfjährigen umzusetzen. Das soll die Bedeutung der Rauhnächte für uns nicht schmälern, wir praktizieren sie ja trotzdem, wir wollen aber all denen Mut machen, die es ebenso wenig perfekt hinbekommen wie wir und uns allen trotzdem stolz auf die Schultern klopfen, weil wir uns mit dem kommenden Jahr beschäftigen, über unser Leben nachdenken, Ziele setzen und generell versuchen, in die Stille zu kommen.  

Wie begeht man also die Rauhnächte? Man liest oft, dass man sich einen kleinen Altar erstellen kann, geschmückt mit Kerzen, einer Schale gefüllt mit seinen Wünschen (sofern man das 13 Wünsche Ritual durchführt), einer Schale in der die Wünsche jeden Abend verbrannt werden sowie weiteren Gegenständen, die einem etwas bedeuten (Engelsfiguren, wichtige Steine, Fotos) oder gefundenen Naturalien (Steine, kleine Wurzeln, Muscheln). Hier beginnt bereits das Dilemma. Glückwunsch an alle, die solch eine Stelle in ihrem Heim finden, wo man Dinge ungestört für 12 Tage liegen lassen kann, ohne dass sie mindestens einmal am Tag von kleinen Kinderhänden hinweggefegt werden. Unsere Gläser mit den Wünschen wurden bereits am zweiten Tag durchwühlt, die Feuerschale auf den Kopf gedreht und der Inhalt auf dem Teppich verteilt.

Ähnlich erging es der Räucherschale mit dem Räucherwerk (meist weißer Salbei, Weihrauch oder andere spezielle Kräutermischungen) welche ebenfalls einer äußerst neugierigen Inspektion unterzogen wurde.

Man sagt, dass die Anderswelt besonders über die Träume mit uns kommuniziert und deswegen sind gerade die Träume dieser 12 Nächte ganz besonders wichtig für die Vorbereitung auf das neue Jahr. Idealerweise reflektiert man während des Aufwachens über das nächtlich Erlebte oder sinniert über tiefgründige Fragen, die es einem ermöglichen, über sich, sein Leben, seine Ziele nachzudenken und Wünsche zu manifestieren – idealerweise noch bevor man seine Augen geöffnet hat, denn hier befindet man sich auf der Schwelle zwischen Traumwelt und Realität. Auch ist es die beste Zeit, sich an seine Träume zu erinnern, weil bei vielen die Erinnerungen nach dem Erwachen sehr schnell verblassen. Wie sehnt man sich bei diesen Vorstellungen an ein Leben ohne Kind zurück, wo das Aufwachen tatsächlich eine halbe Ewigkeit dauern durfte und man sich getrost dreimal umdrehte, bevor man die Augen aufschlug. Die Realität sieht zumindest bei uns ganz anders aus, wenn unser Fünfjähriger ins Bett gesprungen kommt und sofort erklärt, dass ihm langweilig sei und er jetzt aufstehen möchte, was natürlich nur in Begleitung eines Erwachsenen geschehen kann (kindliche Logik halt). Wie war das mit der Kontemplation vor dem Erwachen? Oder dem Aufschreiben der Träume in das Tagebuch, welches man sich vorsorglich neben das Bett gelegt hat? Da kann man schon zufrieden sein, wenn das Buch nicht während der schlimmsten Langeweile des Jahrhunderts als Malvorlage verwendet wurde.  

Okay, nächster Versuch. Während des Tages achten wir auf Gedanken, mögliche Hinweise unsere Träume betreffend, plötzliche Eingebungen oder irgendetwas, was vielleicht als Zeichen gedeutet werden könnte, dass uns hier jemand oder etwas Dinge über die Zukunft mitteilen möchte. Wir notieren diese Hinweise und können sie später zusammen mit den Träumen interpretieren oder Rückschlüsse auf den entsprechenden Zeitraum des neuen Jahres ziehen. Am Abend, wenn das Kind endlich im Bett liegt, schaut man auf die leere Tagebuchseite des heutigen Tages und versucht, sich noch krampfhaft an irgendwelche Dinge zu erinnern, die vielleicht als Hinweis interpretiert und notiert werden könnten. Oder Moment mal, war das gestern, als die Nachbarskatze ständig von draußen in unsere Wohnung glotzte? Und hat das irgendwas zu bedeuten? Und wenn ja, was?

Noch so ein toller Vorschlag: Yoga und Meditation können in der Zeit des Übergangs bei der Reflexion helfen. „Durch das Meditieren können Sie sich auf neue Ziele vorbereiten, alte Muster loslassen und sich auf das kommende Jahr einstellen. Nutzen Sie diese Zeit für Selbstreflexion.“ (1). Wann habe ich das letzte Mal Yoga gemacht, wie ging das nochmal? Und Meditation habe ich schon seit Jahren auf meiner „Gute Vorsätze Liste fürs neue Jahr“, was aber nie geklappt hat. Aber dieses Mal wird’s ganz bestimmt, da bin ich sicher…. Gleich nach dem Aufräumen, wenn der Haushalt erledigt ist, und das Traumtagebuch von letzter Nacht geschrieben wurde und ich mir noch einige Zeichen von heute (oder vorgestern) notiert habe und ich nicht erschöpft auf dem Sofa eingeschlafen bin….

Es gibt auch reichlich Aberglaube und urtümliche Ansichten, die mit der heutigen Zeit nicht vereinbar sind und zumindest von uns so nicht praktiziert werden. So sollte während dieser Zeit keine Hausarbeit erledigt und vor allem keine Wäsche gewaschen und aufgehängt werden, weil sich die Dämonen darin verfangen könnten oder die Wäsche stehlen, um sie als Leichentuch für den Besitzer zu verwenden. Okay, Unterwäsche dürfen wir dann waschen, darin kann man schlecht eingewickelt werden, Bettwäsche kann tatsächlich bis nächstes Jahr warten. Ebenfalls für die Dämonen, allerdings für deren Vertreibung, sollen Kerzen im Haus und an den Fenstern aufgestellt werden, aber auch dieser Brauch ist bei uns gestrichen. Nicht nur wegen des Nachwuchses sondern auch, weil wir im Dachgeschoss wohnen und wenig Fensterbretter haben. Hoffentlich nutzen das die Dämonen nicht schamlos aus…. Die Nachbarn haben zu Silvester auch wieder reichlich Lärm veranstaltet, so dass sich die Dämonen hoffentlich spätestens in dieser Nacht so ordentlich erschreckt und verzogen haben.

Wer nach dem Lesen dieser bewusst humorvoll gehaltenen Rückschau auf die vergangenen Rauhnächte Lust verspürt, es beim nächsten Mal auch mal auszuprobieren, hat eine Menge Zeit, sich auf die nächsten 12 Nächte „außerhalb der Zeit“ vorzubereiten. Literatur dazu gibt es reichlich, entweder digital im Internet oder auch in Form von gedruckten Büchern. Die Möglichkeiten der Ausgestaltung der Rauhnächte sind schier unendlich und können flexibel angepasst werden an das individuelle Maß an Engagement, die spirituelle Ausrichtung, die zur Verfügung stehende Zeit, die Bedeutung die man den zu gewinnenden Erkenntnissen beimisst und sind durchaus auch abhängig vom Durchhaltevermögen, der Motivation und Ausdauer der Teilnehmer.

Wer seine Wohnung durch Räuchern von Altem reinigen möchte und die nötigen Utensilien nicht parat hat, darf sich bereits im Vorfeld um die Beschaffung alles Notwendigen kümmern, um nicht in der zweiten Dezemberwoche ganz verschreckt festzustellen, dass ja gar nichts zum Räuchern da ist.

Ansonsten können wir alle Interessierten nur ermutigen, es einfach mal zu probieren. Es kann doch eigentlich nichts schief gehen (außer man hat Kinder – dann bitte den realistischen Erfahrungsbericht von oben beherzigen) und im Idealfall stellt man am Ende des Jahres fest, dass einige der im Tagebuch notierten Hinweise doch irgendwie eingetroffen sind, zu beobachten waren oder in irgendeiner Weise im neuen Jahr unbewusst Berücksichtigung gefunden haben. Im Idealfall hat man sich tatsächlich Dinge zu Herzen genommen, die man sich im Tagebuch von der Seele geschrieben hat; hat Verhaltensweisen gehändert, die man als nicht mehr dienlich und änderungswert definiert hat, hat einen guten Vorsatz in die Tat umgesetzt oder eine schlechte Angewohnheit abgelegt. Es geht nicht darum, eine Schritt-für-Schritt-Anleitung perfekt in die Tat umzusetzen oder Anleitungen in workbooks fehlerfrei umzusetzen. Seid kreativ, findet Eure eigenen Rituale und Bräuche, tut die Dinge, die für Euch praktikabel sind, Sinn machen und sich gut anfühlen. Niemand wird Euch dafür bestrafen, wenn Ihr Euren eigenen Weg findet und geht. Auch nicht die Dämonen. Diese Innenschau, Selbstreflexion und Neuausrichtung macht Ihr für Euch und nur für Euch!

Als wir das erste Mal die Rauhnächte begangen haben, waren wir sehr nervös, wollten nichts falsch machen, lasen ständig nach, wann wir was wie zu machen haben. Inzwischen lachen wir über Pleiten, Pech und Pannen, schreiben diesen Blogartikel und gehen vor nach dem Prinzip: „fake it until you make it!“ – also vortäuschen bis man es schafft. In diesem Sinne, viel Spaß bei den nächsten Rauhnächten und – ein kleiner Tipp- viel Spaß beim immer mal wieder Lesen des Rauhnachtstagebuchs im laufenden Jahr. Manchmal ist man ganz erstaunt über die Dinge, die man vor ein paar Monaten notiert hat…..


(1) Quelle

Sonntag, 22. Dezember 2024

Unsere Skandinavien Reise Teil 19 - Südschweden im Schneckentempo

 

ein kurzes Sightseeing in Karlskrona

Auf unserer To-do-Liste für heute steht die Barockstadt Karlskrona, die architektonisch in den höchsten Tönen gelobt wird. Geschichtlich gibt es ebenfalls einiges zu erzählen, wir beschränken uns aber auf die wesentlichen Fakten: gegründet 1679 als Flottenstützpunkt von König Karl XI. und Admiral Hans Wachtmeister, Stadtrecht bereits ein Jahr später und 1790 brannte ein Großteil der Stadt ab. Der Marinehafen der Stadt mit seinen ehemaligen Werften und Verteidigungsanlagen sowie weitere Gebäude der Stadt wurden von der UNESCO zum Welterbe erklärt. Die Stadt war Hauptstützpunkt der schwedischen Flotte und damals sollen bis zu 10.000 Menschen auf der Werft und bei der Marine beschäftigt gewesen sein. Heute sind es noch 700. 

Besonders interessiert war Katja am Stortorget, dem zentralen Platz in Karlskrona, da man sich hier, laut dem Stadtmarketing an der Architektur anderer europäischer Großstädte orientierte, allen voran an den großen Plätzen Roms. Nun gut, wer Rom ein bisschen kennt, wird Stortorget sicherlich nicht mit einem der grandiosen Piazzas in Rom verwechseln aber inzwischen wissen wir sehr gut, wie das mit dem Marketing funktioniert. Zu bieten hat Stortorget trotzdem einiges, zum Beispiel die Frederikskyrkan, die 1744 eingeweiht wurde oder aber auch die Trefaldighetskyrkan vom selben Architekten. Die Dreifaltigkeitskirche wird auch Deutsche Kirche genannt, da sie bis 1846 die Kirche der deutschen Gemeinde war. Die Kirche beherbergt eine mächtige Gruft der Familie Wachtmeister, auch Generaladmiral Graf Hans Wachtmeister, einer der Gründer der Stadt und verstorben 1714, fand hier seine letzte Ruhestätte.

Heute sind wir leider etwas eingeschränkt mit der Stadtbesichtigung weil wir die Parkgebühr nicht per App zahlen konnten sondern tatsächlich noch ganz altmodisch am Parkautomaten. Diesen Platz haben wir dank App gefunden und dort auch glücklicherweise noch einen Parkplatz gefunden, denn hier sind die Plätze groß genug für Wohnmobile und man kann ganz normal stundenweise bezahlen (5 SEK pro Stunde, sehr günstig). Die anderen Wohnmobilstellplätze der Stadt bieten diese Möglichkeit, so weit wir das überblicken können, nicht und so zahlt man dort pauschal eine Gebühr für den ganzen Tag. Das sehen wir aber nicht ein, wenn wir nur ein paar Stunden vor Ort sind. 

So laufen wir ein wenig umher, werden von Regen überrascht und flüchten in ein Café, laufen anschließend noch ein wenig umher, finden einen Spielplatz, den wir leider nicht ignorieren können und müssen Jamie unter viel Zureden davon überzeugen, dass wir irgendwann auch mal wieder zum Ludwig zurück müssen, weil die Parkzeit abgelaufen ist. Anschließend fahren wir eine Viertelstunde in den nächsten Ort an eine kleine Marina, wo wir den Abend und natürlich auch die Nacht verbringen. Hier kann man ein wenig umherlaufen und die schicken Boote bewundern, es gibt eine kleine Wanderung am Wasser entlang bis zur nächstgelegenen Marina und schwuppsdiwupps ist es auch schon wieder Abend und der Tag neigt sich dem Ende. Blöderweise ist es Freitag Abend und pünktlich zu Jamies Einschlafzeit beginnt die Musik irgendwo in der Nachbarschaft zu spielen, aber es hält sich in Grenzen, man hört sie zwar aber sie ist nie so laut, dass sie wirklich stört und die Fensterscheiben wackeln auch nicht.





unendlich viel Schrott auf dem Autofriedhof Kyrkö mosse

Es scheint eine größere Party gewesen zu sein denn die Autos vom Vorabend stehen am Morgen noch immer neben uns. Wer weiß, wo die alle geschlafen haben…..Tommy hat ein wenig recherchiert und etwas gefunden, was wir uns heute mal anschauen möchten: den Autofriedhof im Moor Kyrkö mosse, in der Nähe von Ryd (Bilkyrkogården på Kyrkö mosse). Åke Danielsson (1914–2000) verdiente hier anfänglich mit Torfmull sein Geld. Er war technisch sehr versiert und baute sich eine kleine Torffabrik, deren Torfreißer er mit alten Automotoren antrieb. Nach dem Krieg und Wirtschaftswunder, als sich fast jeder ein Auto leisten konnte, diese aber einfach im Wald stehen ließ, so bald sie nicht mehr fuhren, sammelte Åke diese Fahrzeuge ein, nahm sie auseinander und wurde zum gefragten Experten für Ersatzteile. 1992 zog Åke ins Altersheim in Ryd und der Ort wurde Anlass zahlreicher Kontroversen. Die einen möchten den Ort geräumt und saniert haben, Fürsprecher sehen den kulturhistorischen Wert der Altautos und so wurde der Ort bis 2050 unter Schutz gestellt. Bis dahin, so nimmt man an, werden die Autos auf natürlichem Wege zerfallen sein. Wahrscheinlich hofft man einfach nur, dass sich das Problem mit der Zeit selbst erledigt, schließlich geht man von 150 Fahrzeugen, Fahrrädern, Mopeds, Herden und zahllosen Autoreifen aus.

 




Von einem Geheimtipp kann man jedenfalls nicht mehr sprechen, der Ort ist ein ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen geworden und der Parkplatz ist eigentlich zu klein, um dem Besucheransturm gerecht zu werden, vorallem all der Besucher in Wohnmobilen. Nach einem kleinen Snack fahren wir weiter und suchen einen Übernachtungsplatz irgendwo in der Gegend. In Kyrkhults gibt es 5 kommunale Stellplätze direkt am See und als wir dort ankommen, stehen nur 4 Fahrzeuge dort, so dass theoretisch noch Platz für uns wäre. Die haben sich aber alle so dusselig und dreist hingestellt, dass wir nirgendwo mehr hinpassen. So langsam werden uns die Schweden in der Hinsicht wirklich unsympathisch, denn das machen sie wirklich gern: sie parken sehr großzügig, damit Sonnendach, Tisch und Stühle an der Seite auch noch Platz finden und tun gerade so, als hätte man immer ein Anrecht darauf. Rücksicht ist ein Fremdwort. Was besonders ärgerlich hier ist: sie alle haben extrem viel Platz links und rechts gelassen, sitzen aber nicht neben ihren Fahrzeugen, sondern davor auf dem Grünstreifen. Und schauen dann alle noch ganz ungläubig als wir über den Parkplatz fahren und schauen, ob wir nicht irgendwo reinpassen könnten. Nun gut, wir haben ihnen Impotenz, einen Schwarm Mücken und die Affenpocken an den Hals gewünscht und sind weitergefahren und haben ein paar Kilometer weiter eine schnuckelige Badestelle mit Feuerstelle gefunden. 


Die Feuerstelle wird am Abend in Beschlag genommen und weil wir danach wieder stinken wie die Räucheraale, geht’s vor dem Zubettgehen nochmal fix in den See. Als wir uns gerade bettfertig machen, kündigt die Dorfjugend um Mitternacht ihr Erscheinen mit lauter Musik an. Es ist klar, dass sie provozieren wollen, denn die Lautstärke wird noch ein paar Mal nach oben gedreht, obwohl sie sich so definitiv nicht mehr unterhalten können. Es ist nur eine Frage der Zeit, wie lange ihre Autobatterie die Beschallung des Waldes und das Flutlicht durchhält und wahrscheinlich wissen sie das selbst, denn sie drehen die Musik immer mal wieder leise. Um uns an ihrer wunderbar verkorksten Playlist teilhaben zu lassen, wird die Musik aber auch wieder hoch gedreht. Nun ja, wir wissen nicht, was sie sich erhofft haben. Durchgehalten haben sie jedenfalls erstaunlich lange und fahren gegen 1 Uhr wieder vom Platz, so dass Tommy dann auch endlich zu Bett gehen kann. Wenn wir solche Idioten in der Nähe haben, bleibt er immer demonstrativ sichtbar vorne sitzen, damit niemand auf dumme Gedanken kommt.


zurück in Kyrkhults, diesmal mit freier Parklücke 

Es dauert eine Weile, bis uns am nächsten Morgen die Sonne begrüßt. Bereits am frühen Vormittag kommen die ersten Badegäste. Wir fahren weiter und haben beschlossen, unser Glück nochmal in Kyrkhults zu versuchen, wo wir gestern die großzügig parkenden 4 Fahrzeuge vorgefunden haben. Es ist noch früh, vielleicht haben wir Glück. Und das haben wir in der Tat, denn als wir ankommen, ist zwar kein Platz frei, aber gerade als wir uns dann doch frecherweise noch hineinquetschen, fährt ein Schweizer vom Platz und wir haben unseren Platz. Wir packen das Solar und den Eco aus und bekommen so einiges geladen, holen auch die Stühle aus der Garage und genießen einen ereignislosen Tag in der Sonne, neben einem kleinen Hindernissparcour, den Jamie gefühlte 85. Mal absolviert und bekommen ihn irgendwie beschäftigt. Wir stellen zum wiederholten Male fest, dass wir viel zu anständig sind, denn wo wir uns gestern nicht reingequetscht haben, tut dies heute ein anderes Womo ohne mit der Wimper zu zucken. Und wo wir gestern auch schon mal kurz überlegt, dies aber als frech verworfen hatten, hat heute ein weiterer Fahrer kein Problem damit, den Zugangsweg zuzuparken. Und das, wo bereits 5 Fahrzeuge hier stehen und das Schild bei der Einfahrt explizit darauf hinweist, dass es nur 5 Plätze sind. Tommy paddelt ein wenig mit dem SUP Board über den See und wir wissen nicht warum, aber Jamie können wir dafür einfach nicht mehr begeistern. Wahrscheinlich ist es ihm zu langweilig, so ruhig auf dem Board sitzen zu müssen, wo er doch sonst keine Minute stillsitzen kann und immer auf Achse ist.



ein weiterer Faulenzertag in Kyrkhults

Es gefällt uns so gut, dass wir einen weiteren Tag bleiben. Wir sind zwar nicht weit entfernt von der Straße und man kann den Verkehr auch nicht ignorieren, aber es ist erträglich. Tommy geht es nicht so gut, er hat Kopf- und Bauchschmerzen und so gönnen Katja und Jamie ihm ein wenig Ruhe und laufen rüber zum Spielplatz. Irgendwann kommt Tommy nach aber es hat sich zugezogen und wird kühler. Nach einem kleinen Imbiss verziehen wir uns erstmal in den Ludwig, weil es regelrecht kalt geworden ist. Unsere Womo Nachbarn tun es uns gleich, irgendwie möchte gerade keiner draußen sitzen. Wir bleiben den Rest des Tages drin und Jamie spielt mit seinen Lego Dinos, die er in der Dinoausstellung in Kalmar bekommen hat. Es handelt sich um 12 Eier mit jeweils einem kleinen Dino, die alle zusammen einen großen Tyrannosaurus Rex ergeben. Momentan sind wir noch mit den 12 kleinen Dinos beschäftigt, die gibt es nach und nach.


 ein kleiner abgeschiedener Übernachtungsplatz im Naturschutzgebiet Gyllebo

Als wir heute aufbrechen, stehen erstmal einige Service Stopps auf der Tagesordnung und dies an unterschiedlichen Standorten: Tanken, Frischwasser aufnehmen, Grauwasser ablassen und die WC Kassette leeren. Für die letzte Aufgabe müssen wir einen größeren Umweg in Kauf nehmen, denn in Südschweden gibt es zwar zahlreiche Rastplätze, aber viele von ihnen besitzen keine Möglichkeit der Latrinenentleerung. Da unsere Hausbatterie und auch der Eco geladen werden müssen, sind wir nicht bös drum und danach brauchen wir noch 30 Minuten bis zum heutigen Stellplatz. Allerdings brauchen wir für 30 Minuten länger als üblich, weil unser Navi mal wieder nicht weiß, was Sache ist und uns zweimal in die verkehrte Richtung schickt. Beim dritten Anlauf navigieren wir mit Google Maps und kommen problemlos an. Wir stehen im Naturschutzgebiet Gyllebo, in der Nähe von Schloss Gyllebo, welches sich allerdings in Privatbesitz befindet. Es gibt eine Ruine in der Nähe des Herrenhauses und das Grundstück darf von 10 bis 12 Uhr betreten werden aber wir wissen noch nicht, ob wir dies morgen in Anspruch nehmen möchten. Irgendwie fühlt es sich ja trotzdem so an, als würde man bei jemandem im Garten umher spazieren. Jamie und Katja laufen vom Parkplatz zum Schloss, vorbei an den Ställen (hier wurden früher bestimmt mal Pferde gezüchtet), sammeln ein paar Kastanien und kommen dann zum Parkplatz zurück. Durch den Wald gibt es auch ein paar Wanderwege, aber es ist nicht so ganz klar, wohin die alle führen. Zum Abend hin ist der kleine Parkplatz deutsches Hoheitsgebiet mit 3 Campingfahrzeugen aus Deutschland und im Hintergrund hört man die Gänse schnattern.   



endlich mal wieder ein Steinkreis - Ales Stenar 

Als wir am nächsten Tag endlich abreisefertig sind, sind wir wieder die letzten auf dem Platz, die anderen haben uns bereits verlassen. Eilig haben wir es nicht, da uns nur circa 30 Minuten Fahrtzeit nach Kåseberga bevorstehen, wo sich Katja Ales Stenar anschauen möchte. Hier handelt es sich um eine Schiffssetzung aus 59 Steinen auf einem Hügel oberhalb des Dorfes Kåseberga mit einem herrlichen Blick auf die Ostsee. Was ist eine Schiffssetzung? Das ist eine dem Umriss eines Schiffes nachbildende Steinsetzung, die das Schiff symbolisieren soll, das die Toten in das Totenreich bringt. Bekannt sind diese Gebilde vorallem im Ostseeraum. Allerdings ist die Bedeutung des Monuments bis heute nicht eindeutig geklärt, gegen eine Grabstätte spricht, dass man keine Gräber gefunden hat. Darüber hinaus gibt es Thesen, es handele sich um eine astronomische Uhr beziehungsweise einen Sonnenkalender, wofür die Anordnung der Steine spricht. Sie sind so positioniert, dass die Sonne im Sommer in der nordwestlichen Ecke unter- und im Winter exakt an der gegenüberliegenden Ecke aufgeht. Die 59 Steine ergeben einen 67 Meter langen und 19 Meter breiten Schiffsrumpf und stammen vermutlich aus der frühen Eisenzeit (500-1000 n.Chr.), was in den Wirkungsbereich der Wikinger fällt. 



Nach unserer Ankunft fahren wir erstmal auf den Stellplatz, den wir uns heute als Übernachtungsplatz ausgesucht haben und schließen unseren Ludwig mal wieder ans Stromnetz an. Die kurzen Strecken machen es momentan wieder schwer, unsere Hausbatterie oder die beiden Ecos zu laden. Jamie hat gerade überhaupt keine Lust auf einen Spaziergang und so versuchen sich Jamie und Katja im Federballspielen während Tommy genügend Aufgaben in und um unseren Ludwig findet. Irgendwann gibt’s unseren Nachmittagssnack und nachdem Jamie immer noch keine Lust auf die Besichtigung von Ales Stenar hat, geht Katja kurzerhand allein. Auf dem Besucherparkplatz stehen noch immer genügend Autos und Wohnmobile rum und so ist sie darauf vorbereitet, dass ihr ständig Leute vor der Linse herumspazieren werden. 

Es ist ein heißer Spätnachmittag, die Brise oben auf der Anhöhe ist herrlich angenehm und man kann den Blick unendlich weit auf die Ostsee schweifen lassen. Irgendwo hinter dem Horizont versteckt sich die dänische Insel Bornholm und noch etwas weiter befindet sich schon wieder Deutschland. Dank ganz viel Geduld hat Katja ein paar Bilder ohne Menschen im Kasten und kann sich zufrieden gen kleinem Hafen wenden, den man von der Anhöhe schnell erreicht. Dort geht es recht touristisch zu mit Fressbuden, Souvenirläden und den üblichen Deko-, Klamotten- und lifestyle Geschäften, macht aber einen sehr gemütlichen Eindruck. Zurück am Stellplatz schnappt sich die verschwitzte Katja den durchs Rumrennen ebenfalls verschwitzten und überhaupt nicht amüsierten Jamie und sie gehen gemeinsam duschen. Danach besorgen wir uns eine Pizza von nebenan, weil wir bei der Hitze keine Lust auf Kochen oder sonstige Aktivitäten haben und so geht das mit dem Abwasch heute superfix.




Ystad, aber wo ist Kurt Wallander? 

Nach dem Frühstück und Aufräumen muss Jamie sein Versprechen von gestern einlösen und wir gehen zu dritt zu Ales Stenar, damit auch Tommy ein paar Fotos machen kann (natürlich muss auch er darauf warten, dass sich all die Selbstdarsteller aus dem Bild bequemen, aber das ist heutzutage alles inklusive). Auf dem Rückweg stoppen wir im Hafen und weil es schon wieder so heiß ist und wir wirklich schon lange kein Eis mehr hatten, holen wir diesen Missstand nach. Am Stellplatz angekommen, springt Tommy nochmal fix unter die Dusche und wir machen den Ludwig abreisefertig. Kurz vor 14 Uhr kommen wir endlich weg, da haben sich schon wieder die ersten Neuankömmlinge häuslich auf dem Platz eingerichtet. Da wir heute nur ein paar Kilometer bis nach Ystad fahren, haben wir keine Eile und nach gerade mal einer halben Stunde parken wir am Hafen in Ystad ein. Von dort kommen wir schnell in die Innenstadt. 

Hier kann man sich wieder mit zahlreichen Park Apps rumschlagen und das ist schon fast kriminell, was da abgeht. Es gibt Parkautomaten, wo man nur für die kommunalen Plätze zahlen kann und wir stehen auf privatem Grund. Man muss ganz genau schauen, in welcher Reihe man steht, denn in einigen Reihen gilt die Aimo Park App, in den anderen Reihen gelten Easypark und Parkster. Zu allem Übel, was die wenigsten jedoch wissen, die haben alle verschiedene Parkgebühren, Mit Parkster zahlt man 40 SEK für 24 Stunden, mit Easypark 46,17 SEK und mit aimo laut Park4night 50 SEK. Da haut jeder nach Belieben noch Gebühren drauf. Katja wird später von einem Deutschen angesprochen, ob wir auch ein Knöllchen bekommen hätten. Nein, haben wir zum Glück nicht. Er steht in der Aimo Reihe (wir haben mit Parkster bezahlt) und hat sich extra die App dafür runtergeladen. Trotz laufendem Parkvorgangs bekommt er vom Kontrolleur ein Knöllchen über 500 SEK verpasst (alles schön auf Schwedisch, da haste keine Lust, eine halbe Stunde lang jedes einzelne Wort in einen Übersetzer abzutippen). Sie saßen im Womo, die Tür war offen, der Typ hätte auch einfach mal kurz anklopfen können. Das ist Abzocke und verschreckt Besucher.

Wir jedenfalls laufen ein wenig durch Ystad. Wem der Name irgendwie bekannt vorkommt, hat vielleicht die Kurt Wallander Krimis von Henning Mankell gelesen, der in Ystad beheimatet ist. So gibt es für Filmfans Wallander Touren, in denen man aus den Krimis bekannte Stationen besuchen und kennenlernen kann, self-guided Audio Walking Touren (mit Audio Guide) etc. Wir lassen uns einfach durch die engen Gassen mit ihren schmucken kleinen Häuschen treiben und landen beim Kloster. Dort sitzen wir eine Weile im Rosengarten, spazieren unter Obstbäumen und erhaschen ein paar Äpfel und Birnen. Später grübeln wir über einen Baum, dessen Früchte wie kleine Brombeeren aussehen aber an Bäumen haben wir die noch nie gesehen. Die App verrät, dass es sich um Maulbeeren handelt und die Früchte sind superlecker. Als wir schon fast wieder zurück am Hafen sind, teilen wir uns auf, Katja verschwindet nochmal im Coop, um eine Kleinigkeit fürs Abendessen zu besorgen, Tommy und Jamie erkunden den Hafen, wo die Fähren nach Swinemünde, Bornholm und Sassnitz ablegen. Gerade als das Abendessen fertig ist, kommen die zwei Abenteuer zum Wohnmobil zurück.