Mittwoch, 24. Januar 2018

kleines Gewinnspiel

Liebe Leser,

wer bekommt nicht gerne Post, vor allem wenn die Postkarte den langen Weg aus Neuseeland zurückgelegt hat? Als kleines Dankeschön an all diejenigen, die uns regelmäßig folgen, haben wir uns folgendes überlegt: Hinterlaßt uns doch einfach einen kleinen Kommentar auf diesen Beitrag hier und als Wertschätzung bekommt einer der Schreiber eine Postkarte von uns. Wenn sich die Post richtig anstrengt, wird die Karte vielleicht sogar vor uns in Deutschland eintreffen. ;-)


Autor: Katja 

Montag, 15. Januar 2018

Ein etwas makaberer Neujahrestag

Am ersten Tag des neuen Jahres hieß es schon wieder Koffer packen und Prag Lebewohl zu sagen, was wir gar nicht so ungern taten: all die Menschen sich selbst zu überlassen, hatte definitiv seinen Reiz, wir hatten erst einmal genug gesehen. Da wir uns nun schon so weit ins tschechische Land hineingewagt hatten, wollten wir es gleich noch ein wenig gründlicher erkunden und entschieden uns für einen Kurzbesuch im 70km entfernten östlich gelegenen Kutna Hora (zu deutsch Kuttenberg). Der Name wird den meisten vermutlich nichts sagen, aber vielleicht hat der ein oder andere schon von der sogenannten Knochenkirche gehört. Wir kennen diese Sehenswürdigkeit dank der Abenteuer-Doku Reihe „The long way round“ von Ewan McGregor und seinem besten Freund Charley Boorman, in der sie auf ihren Motorrädern von London nach New York fahren und dabei eben auch die Knochenkirche in Kutna Hora mit einem kurzen Abstecher beehren.

Bevor ich über unsere Eindrücke berichte, hier ein ganz kurzer geschichtlicher Abriß und wie es zu dieser schaurigen Sehenswürdigkeit kam. Man sieht es Kutna Hora heute nun wirklich nicht mehr an, aber gegen Ende des 13. Jahrhunderts war es dabei, Prag seine Position als wichtigste und größte Stadt den Rang abzulaufen. Durch den Silberbergbau erlangte die Stadt recht schnell an Wohlstand und Einfluß und die Prägung des berühmten Prager Groschen begünstigt den Aufstieg der Stadt. Die Menge des geförderten Silbers war so hoch, daß man nicht nur ganz Böhmen mit Groschen versorgen konnte, sondern auch Polen und weite Teile des deutschen Reiches.

Wo viel Wohlstand herrscht, kommt es leider auch immer zu Kriegen und so wurden im Zuge der Hussitenkriege in den 1420er Jahren unzählige Bewohner Kutna Horas ermordert und auf dem Friedhof in Sedletz (Stadtteil Sedlec) begraben. Dort lagen bereits viele hunderttausend Pestopfer und die Mönche bekamen ein Platzproblem; mehrmals mußten sie Platz für neue Gräber schaffen und gruben alte Knochen aus. Diese wurden dann in sogenannte Beinhäuser (Ossarium) verräumt und dort aufgestapelt. Im 14. Jahrhundert entstand die heutige Kirche und auch sie mußte gleich als Knochenlager herhalten. Auf dem Friedhof der Stadt herrschte auch aus anderem Grund reger Andrang. Schuld daran trug Abt Jindrich, der im Jahr 1278 „heilige“ Erde vom angeblichen Kreuzigungsort Jesu aus Jerusalem mit nach Hause brachte und sie auf dem Friedhof verstreute, was einen regelrechten Bestattungsboom und Tourismus auslöste, da unzählige Gläubige aus der Region und von weit her in Kutna Hora in heiliger Erde bestattet werden wollten.

Aber wie kam es nun von meterhoch gestapelten Knochenbergen in den Gewölben der Kirche zu den heute bekannten „Kunstwerken“? 1866 erwarb des Fürstengeschlecht Schwarzenberg das Anwesen und fand riesige Pyramiden aus Menschenknochen vor. Und wie man das eben so beim Neuerwerb einer Immobilie tut, beauftragte die Familie einen Innenarchitekten mit dem Herrichten des Interieurs. Was der Holzschnitzer Frantiéek Rint auch tat, allerdings arbeitete er nicht mit seinem vertrauten Rohstoff Holz sondern mit den gelagerten Knochen. Man geht davon aus, daß die Knochen und Gebeine von ca. 40.000 Menschen in dem Gewölbekeller liegen. Für das gesamte Inventar benötigte Rint die Knochen von ca. 10.000 Menschen um z.B. Kronleuchter, Decken- und Wandschmuck, Girlanden oder das Familienwappen der Schwarzenbergs aus Knochen erstehen zu lassen. Angeblich sind im Kronleuchter (dem Herzstück des bizarren Ensembles) alle Arten von menschlichen Knochen verarbeitet.

Nun kann man von der ganzen location halten was man mag und auch die in den ausgelegten Infoblättern beschriebene Intention, man wolle auf die Vergänglichkeit des menschlichen Seins hinweisen hat sich mir beim Anblick nicht recht erschließen wollen. In uns hat es ein bedrückendes, beklemmtes Gefühl erzeugt weil man unweigerlich an all das Leid der Menschen denken muß, welches sich hier in Kriegen und Krankheiten zugetragen hat. Verstärkt wird dieses Gefühl durch separat ausgestellte Schädel, die eindeutige Hieb- Stich- oder Schlagverletzungen aufweisen und somit ganz eindeutig Opfer körperlicher Gewalt geworden sind. Wie man grinsend vor solch einer Ansammlung menschlicher, teils grausamer Schicksale für ein Foto posieren kann, bleibt uns ein Rätsel. 

Ebenso der ganze Totenkopf Merchandise Wahnsinn, der ganz sicher seine Anhänger in der Gothik Szene gefunden hat. Wems gefällt…. man kann die niemandem ins Gewissen reden und wahrscheinlich schon gar nicht den Tschechen selbst, die in einer Region sinkender wirtschaftlicher Bedeutsamkeit versuchen, vom Touristenboom zu profitieren und ein paar Kronen zusätzlich zu verdienen. Die Marktwirtschaft ist ganz sicher in Kutna Hora angekommen aber ob der Ort seine frühere Bedeutung zurückerlangen wird, ist mehr als fraglich. Zumindest steigen wohl die Besucherzahlen jährlich an, was diversen Erwähnungen in Hollywood Filmen zu verdanken ist.

Bei all der Faszination und gleichzeitigem Unverständnis bleibt die Frage des Warum bestehen: Wie kommt man dazu, menschliche Gebeine als Dekostücke zu betrachten und diese zu Alltagsgegenständen umzugestalten? Wo bleibt der Respekt vor den Toten?
















Mittwoch, 3. Januar 2018

Jahreswechsel in Prag

Dancing House bei Nacht
Nach Straßburg in 2016 zog es Tommy und mich auch dieses Jahr für den Jahreswechsel wieder in eine europäische Großstadt, diesmal in Tschechiens Hauptstadt Prag. Mir war durchaus bewußt, daß wir nicht die einzigen Besucher sein würden schließlich habe ich bereits zahlreiche andere europäische Metropolen besucht und Besuchermassen hautnah erlebt, aber mit solch einem Andrang im Winter hätte ich trotzdem nicht gerechnet. Leider ist es auch nicht so, daß sich die Besucher alle irgendwie in der Stadt verteilen und man sie deshalb nicht so geballt wahrnimmt, denn die Attraktionen der Stadt konzentrieren sich recht übersichtlich auf den historischen Stadtkern. Dort kann man sich dann auch in die Schlange der Besucher einreihen wenn man beispielsweise von der Karlsbrücke aus Richtung Altstadt läuft und wird unter Umständen von den Massen einfach mitgerissen. Ein eigenes Handeln ist dann kaum noch möglich, man stoppt oder läuft (besser noch, man schleicht) wenn es alle anderen auch tun. 

Bewegt man sich auf der Karlsbrücke Richtung Prager Schloß und Veitsdom, sieht die Sache nicht besser aus. Im Gegenteil, hier muß man ständig aufpassen, nicht mit anderen plötzlich stoppenden Passanten zusammenzustoßen, weil diese völlig gedankenverloren das Laufen einstellen um Selfies zu schießen. Unter Umständen könnte man dies, aus Rücksicht auf folgende Passanten, am Rande der Brücke tun und hätte vielleicht auch weniger Leute vor der Linse, aber erstens denkt ja keiner wirklich mit, zweitens sind sie sowieso alle allein auf der Welt und drittens würde es ja keinen Unterschied machen Rücksicht zu nehmen, denn es gibt immer Leute die es einfach nicht verstehen. So scheint es gerade in Großstädten immer wieder usus und vollkommen okay zu sein, einfach aus einem Laden rauszulaufen ohne auf vorbeilaufende Passanten zu achten oder entgegenkommenden Besuchern einfach den Weg abzuschneiden, weil man eben auch gerade auf dieser Seite laufen wollte. Einem Inder, der mich fast über den Weg rannte, schrie ich ein halb höfliches, halb genervtes HALLO entgegen welches er nur geistesabwesend kommentierte.

Auch in Prag fällt die extrem hohe Anzahl an asiatischen Touristen auf und wer die schon mal in Reisegruppen erlebt hat, wird sich genauso wie ich fragen, wie sie es geschafft haben, alleine so alt zu werden.


Karlsbrücke früh morgens in Richtung Kleinseite (Schloß)
Wer nach Prag kommt, um dort zu fotografieren und es wertschätzt, dabei keine Menschenhorden mit abzulichten, kommt nicht umhin, früh aufzustehen um dies vor dem Eintreffen der Touristenströme zu erledigen. Dies taten wir dann auch an unserem ersten vollen Tag in Prag und schafften es immerhin, eine Karlsbrücke abzulichten, die mit nur einigen Besuchern und sogar einheimischen Joggern und Gassigehern vergleichsmäßig ausgestorben wirkte. Zu dem ein oder anderen Zeitpunkt erhaschte man sogar das andere Ende der Brücke – das wird einem tagsüber wohl nicht passieren. Das Prager Schloß war in wunderschönes morgendliches Licht getaucht und der Himmel noch von Morgenröte geziert; was für das frühe Aufstehen entschädigte. 

Wer über die Karlsbrücke läuft, tut dies meist mit der Absicht, den Berg Hradschin zu besteigen, auf dem die Prager Burg ( Pražský hrad) liegt, die das größte geschlossene Burgareal der Welt bildet. Die Burg hat bereits einige namhafte und bedeutende Bewohner überlebt, darunter böhmische Herzöge und Könige, Kaiser des Heilig römischen Reiches sowie den tschechoslowakischen Staatspräsidenten. Eine Monarchie gibt es auch in Tschechien nicht mehr uns so stellt die Burg heute die Residenz des Präsidenten der Tschechischen Republik dar. Dies erklärt dann auch die Sicherheitsvorkehrungen, die man beim Betreten des Burggelände über sich ergehen lassen muß, u.a. auch um zum Veitsdom zu gelangen. Da wir aber bereits 9 Uhr oben waren, hatte sich der alltägliche Wahnsinn noch nicht vollständig eingestellt und wir schafften es ohne Schlangestehen in den Dom, um wenigstens im kleinen Vorraum ein Bild zu machen. Der Wärter sprach uns an, doch bitte unsere Mützen abzunehmen, während all die Asiaten ungefragt weitergehen durften. Entweder hat er Erfahrung damit, daß sie ihn sowieso nicht verstehen oder er hat sich an ihre Pietätlosigkeit gewöhnt. Den ein oder anderen Leser mag diese Aussage vielleicht schockieren, aber ich habe in meiner Zeit in Neuseeland mit genügend Asiaten zu tun gehabt und spreche aus persönlicher Erfahrung.

Blick vom Brückenturm Altstadtseite
Prag kennt man unter einigen schmückenden Beinamen so zum Beispiel „Goldene Stadt“ oder „Stadt der hundert Türme“. Um sich einen besseren Überblick darüber zu verschaffen, wie viele Türme es tatsächlich sind (vielleicht auch um nachzuzählen), bieten sich verschiedene Möglichkeiten um einen Ausblick über die Stadt zu genießen.

1. Beide Türme der Karlsbrücke (Altstadtseite und Kleinseite) bieten Aussichtsplattformen sowie kleinere Ausstellungen über die Geschichte der Brücke. Wir bestiegen den Turm auf der Altstadtseite und genossen den Ausblick auf die Brücke mit Schloß im Hintergrund. Eintritt sind 100 Kronen pro Person. (*)

Blick vom Prager Schloß
2. Vom Prager Schloß kann man wunderbar über die Stadt blicken ohne irgendwo dafür löhnen zu müssen. Entweder man läuft die kurze Steige zum Schloß hinauf oder man nimmt die Standseilbahn (funicular) zum Planetarium auf dem Petrin Hügel. Ein kleiner Tipp: Auch hier sollte man früh erscheinen denn die Schlange für die funicular kann im Laufe des Tages beachtlich lang werden.

Blick vom Petrin Turm
3. Befindet man sich auf dem Petrin Hügel, kann man auch gleich den Petrin Tower, den kleinen Eifelturm besteigen, der von den Pragern selbst als bester Aussichtspunkt bezeichnet wird. Der Eintritt sind stolze 150 Kronen aber der Ausblick entschädigt … vorallem für den mühevollen Aufstieg. Die obere Aussichtsplattform ist verglast und das fotografieren erweist sich als schwierig, aber man hat auf dem Weg nach oben die Möglichkeit, Bilder ohne Glas vor der Linse zu knipsen. Wer nicht ganz so gut zu Fuß ist, kann auch den Aufzug nehmen, sollte dann aber keine Platzangst haben.

rote Kabine der Standseilbahn NH Hotel
4. Im Stadtteil Smichov (Nähe Metrostation Andél) befindet sich die zweite Standseilbahn Prags, die nur wenige kennen. Dieses „secret funicular“ befindet sich hinter dem Hotel NH Prague City und wird vom Hotel selbst betrieben. Man läuft an der Lobby vorbei und stellt sich am Aufzug an, der dann in Form dieser kleinen roten Kabine rauf zum Mrázovka Park fährt. In die Kabine passen 12 Passagiere und die Fahrt ist kostenlos. Oben hat man keinen so grandiosen Ausblick wie vom kleinen Eifelturm, aber man sieht andere Teile der Stadt und schon die Fahrt nach oben ist ein kleines Highlight.

Blick von Vysehrad
5. Die zweite Burg Prags, Vyšehrad bietet fantastische Ausblicke über die Stadt und das Prager Schloß. Die Burg selbst existiert leider nicht mehr und nur der mächte Burgwall sowie einige archäologischen Funde deuten darauf, daß sich hier einmal die wichtigere der beiden Burgen Prags befunden hat. Ebenfalls von Bedeutung ist der Vyšehrad Friedhof gleich neben der St. Peter und Pauls Kirche, auf dem zahlreiche tschechische Persönlichkeiten ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Läuft man den gewaltigen Burgwall entlang, entdeckt man Überreste der alten Stadtmauer Prags. Außerdem kann man hinauf zum zerfallenen Strahov Stadium schauen, welches sich in direkter Nähe zum Petrin Turm befindet und seit einigen Jahren dem Verfall preisgegeben wurde.

Dies sind die Ausblicksmöglichkeiten, die wir in Anspruch genommen haben. Es gibt allerdings noch zahlreiche andere Möglichkeiten, einen Ausblick über die Stadt zu genießen. Recht unbekannt ist das Dancing House, welches ebenfalls über eine Plattform verfügt. Entweder man zahlt 100 Kronen Eintritt für die Plattform oder aber man verhilft der oben befindlichen Bar zu Umsätzen und erwirbt ein Getränk. Der Rathausturm (Turm mit der astronomischen Uhr) bietet Ausblicke über den alten Marktplatz, Pulverturm sowie fast alle Kirchentürme können ebenfalls gegen Entgelt bestiegen werden.

(*) Ein interessanter Fakt zur Geschichte der Karlsbrücke… Diese wurde viele Male erbaut (begonnen als Holzbrücke, dann als einfache Steinbrücke) und genauso oft durch Naturgewalten zerstört. Die erste Steinbrücke entstand ca. 1170 und wurde Juditin most (Judithbrücke) genannt, benannt nach Judith von Thüringen, die Frau des Herzogs Vladislav II.
Auf der Kleinseite (Schloßseite) befinden sich zwei Türme und der kleinere von beiden ist der unversehrte Turm der damaligen Judithbrücke. Wer sich für die Statuen auf der Brücke interessiert, kann bei Wikipedia nachlesen, wen sie darstellen. Teilweise stehen dort nur noch Kopien, die Originale ruhen im Museum.


Bei unseren Vorbereitungen sind wir auf den Honest Prague Guide aufyoutube gestossen; dort gibt Janek sehr gute Tipps und Tricks über versteckte Orte, Touristenfallen, wo man günstig essen kann usw. Wir können die Videos nur empfehlen, uns haben sie sehr weitergeholfen, zumindest in Sachen sightseeing. In Sachen günstig essen hat es leider nie geklappt, die Tipps von Janek in die Tat umzusetzen, weil die Restaurants entweder über Silvester geschlossen waren oder aber immer nur bis 15 Uhr oder erst ab 15 Uhr (und wir es nie schafften, dies zeitlich auf die Reihe zu bringen). Ich hätte im Vorfeld gar nicht gedacht, daß das Thema günstig essen in Prag so wichtig werden würde, hatte ich doch in Erinnerung, daß Tschechien immer recht günstig gewesen ist. Aber ich mußte feststellen, daß die Preise gehörig angezogen wurden und daß man inzwischen im Restaurant deutsche Preise zahlt. Außerdem fanden wir es schwierig, typisch tschechische Gerichte zu finden, weil sich auch in Prag internationale FastFood Ketten breit gemacht haben. Oft stellen sich die als typisch tschechisch präsentierten Restaurants doch nur als Touristenabzocke heraus. Daß man nicht in der Nähe der großen Attraktionen essen gehen kann, war uns bewußt, doch selbst in den abgelegenen Gassen ist es nicht einfach, ein (typisches) Essen unter 100 Kronen zu finden (was Janek in einem seiner Videos empfiehlt).

Wohn-/Schlafzimmer unserer Bleibe in Prag2
Den einen oder anderen interessiert vielleicht noch, wo wir während unseres Aufenthalts geschlafen haben. Die Reise buchten wir bereits vor vielen Monaten und selbst da war es schwierig, etwas günstiges für Silvester zu finden. Kein Hotel in Stadtnähe lag in unserem Budget und wir sehen es ehrlich gesagt nicht ein, für ein Hotel 150 Euro die Nacht zu zahlen, wenn man sowieso die meiste Zeit unterwegs ist. So probierten wir das erste Mal airbnb aus, ein
Marktplatz für Buchung und Vermietung von Unterkünften. Ganz günstig war das auch nicht, schließlich kamen zum ausgeschriebenen Übernachtungspreis von 50 Euro nochmal 50 Euro an zahlreichen Gebühren hinzu, sodaß wir für 3 Nächte immerhin stolze 300 Euro zahlten. Es handelte sich um eine Zweiraumwohnung im Stadtteil Prag 2, in der Nähe vom Dancing House und wir liefen ca. 20 Minuten bis zur Karlsbrücke. Ein idealer Standort! Die Altbauwohnung war geschmackvoll eingerichtet, mit einem kombinierten Wohn- und Schlafzimmer (das 2. Zimmer war eine Abstellkammer für private und ungenutze Dinge der Vermieter), einer kombinierten Küche und Bad (Badewanne/Dusche und Waschbecken) und einem kleinen abgetrennten Klo auf dem Flur (noch zur Wohnung gehörend). 
 
Airbnb ist zu Recht stark in Kritik geraten und so werde ich auch zukünftig deren Service nur im Notfall in Anspruch nehmen, wenn sonst gar nichts zu finden ist. Die Kritik ist deshalb berechtigt, weil dem Wohnungsmarkt gerade in Großstädten mit Wohnungsmangel Wohnraum entzogen wird um durch die Vermietung mit airbnb bessere Mieteinkünfte zu erzielen, die nicht immer als solche versteuert werden. Außerdem ist es schon vorgekommen, daß Mieter aus ihren Wohnungen gekündigt wurden, um das airbnb Vermietungsmodell zu verfolgen. Man sollte sich vielleicht auch mal in die Lage der anderen Mietparteien versetzen, wenn eine Wohnung ständig wechselnde Besucher aufweist, die sich keiner Hausordnung unterwerfen und vielleicht andere Probleme verursachen.

Zurück zum eigentlichen Thema: Silvester. Dieses Jahr hatten wir Glück, denn es war ca. 10 Grad wärmer als letztes Jahr in Straßburg. Wenn man dann den ganzen Tag unterwegs ist und irgendwie versucht, bis Mitternacht beschäftigt zu bleiben, ist das anstrengend und zerrt an den Nerven. Wir gingen fein beim Italiener essen und waren gegen 18 Uhr schon wieder in der Wohnung um uns dort nach einem Tag herumlaufen etwas auszuruhen, schon mal auf den Jahreswechsel anzustossen und kurz vor Mitternacht wieder aufzubrechen. Wir gingen runter zum Moldauufer und stellten uns auf eine der zahlreichen Brücken um dort dem Feuerwerk beizuwohnen. Neben uns standen 4 deutsche Mädels die schon einige Sekt intus hatten und nicht mehr Herr ihrer Sprache waren. So wurde dann auch das Feuerwerk mit „sau nice“ kommentiert und ich konnte mir das schmunzeln nicht verkneifen. Leider hatte ich Stativ und Kamera nicht mitgenommen weil ich nicht sicher war, wie das Feuerwerk ausfallen würde. Schließlich hatten wir gehört, daß das offizielle Feuerwerk erst am 1.1. eines Jahres stattfindet. Ich stellte dann fest, daß es sich schon gelohnt hätte und sicher einige tolle Bilder herausgekommen wären, aber so ist das nunmal, man muß mit seinen Entscheidungen leben. Sich den Abend deswegen verderben sollte man auf keinen Fall!

Fazit: Prag ist einfach eine schöne Stadt und definitiv mehr als einen Besuch Wert. Aber macht Euch auf die Touristenmassen gefasst, es scheint wirklich egal zu sein, zu welcher Jahreszeit man anreist. Ich war 2008 da und im Vergleich zu heute wirkte die Stadt damals ausgestorben. In Prag gibt es die Möglichkeit des „contactless pay“ wo man an Automaten (Straßenbahn, Parken etc) seine Kreditkarte hält und diese sofort belastet wird; kein Durchziehen, keine PIN, gar nichts. Das macht es Dieben sehr leicht, also bitte immer auf Eure Habseligkeiten aufpassen! In dem Gedränge merkt man nicht gleich sofort (oder überhaupt nicht) wenn sich jemand an der Tasche zu schaffen macht, also Rucksack nach vorne, Handtaschen am besten auch und öfter mal umdrehen. Ich kann nicht all unsere Eindrücke aufschreiben, das würde den Rahmen sprengen. Wer also noch Fragen hat, kann diese gern in den Kommentaren stellen.



Tommy und ich wünschen Euch ein gesundes neues Jahr. Möge das Jahr gespickt sein mit zahlreichen Abenteuern, Ausflügen und anderen Highlights. Mal schauen, wo es uns dieses Jahr überall hin verschlägt!

Samstag, 23. Dezember 2017

Frohe Weihnachten!

Weihnachtszeit


Wieder ist mal soweit, es naht die schöne Weihnachtszeit.
Alle eilen, alle laufen, müssen noch so vieles kaufen,
und die schönsten Schnäppchen kriegen - so die Konkurrenz besiegen -
Wenn die Kassen tüchtig klingen - Chöre ihre Lieder singen -
ja, dann ist es wohl soweit, für Ruhe und Besinnlichkeit.

Lasst uns an die Menschen denken, die nichts haben zu verschenken.
Ihnen helfen, nicht zu fragen, ihre Sorgen mit zu tragen.
Helfen wir mit guten Taten denen, die in Not geraten.
Ihnen eine Freude machen, Dank von ihnen ist ihr Lachen,
wenn sie nur für ein paar Stunden Frieden für ihr Herz gefunden.
Auch für sie ist’s dann soweit, für friedvolle Weihnachtszeit.

Lasst uns an die Werte denken, die nichts kosten zu verschenken,
sei’s nur etwas unsrer Zeit und auch etwas Freundlichkeit.
Mut zu machen, vorwärts schauen, Selbstvertrauen aufzubauen.
Schau nach vorne, nicht zurück, in deinen Händen liegt das Glück!
Aber sagen wir mal ehrlich: manchmal ist es schon beschwerlich;
aber auf der Lebensleiter geht es immer wieder weiter!

Viele könnten anderen helfen hier auf dieser schönen Welt,
jeder macht es an den Plätzchen, wohin Gott ihn hingestellt.
Wenn wir anderen Freude geben, strahlt´s zurück ins eigne Leben.
Dann ist’s auch für uns soweit:
GESEGNET SEI DIE WEIHNACHTSZEIT!

© Erika Osmanloglou

(gefunden hier

Mit diesem kleinen Gedicht möchten wir allen Lesern ein besinnliches und ruhiges Weihnachtsfest inmitten Eurer Lieben wünschen. Macht Euch keinen Streß über Geschenke oder darüber, was Ihr an den Feiertagen kochen sollt denn letztenendes sind all diese Dinge unwichtig. Ich habe selbst viele Jahre Weihnachten fern von der Heimat verbracht und weiß, daß es auf all diese Dinge nicht ankommt. Klar, Weihnachten im Sommer zu feiern war aufregend weil ungewohnt aber eigentlich hat es mich nur von dem unangenehmen Gefühl abgelenkt, daß ich diese Zeit lieber im kalten Deutschland mit meiner Familie verbringen möchte.

Wie ergeht es nur all den Menschen, die Weihnachten nicht feiern können weil sie entweder ein zerstörtes Zuhause haben oder weil sie es sich nicht leisten können? Ich habe vor ein paar Tagen ein Video auf Facebook gesehen, daß mich zu Tränen gerührt hat. Eine Frau erzählt, wie sie verärgert darüber war, an diesem Tag nicht püntklich aus dem Geschäft gekommen zu sein, weil sich ihre Kollegin verspätet hat. Nur deshalb hat sie mit angesehen, wie ein Mann den Laden verlies ohne für die eingepackten Waren zu bezahlen. Sie verfolgt ihn und stellt ihn in einer Seitenstraße, wo er Spielzeug, Deko und ein paar Lebensmittel in sein Auto packt. Sie fordert ihn auf, diese zurückzubringen und ihm steigen die Tränen in die Augen. Er fleht sie an, bloß nicht die Polizei zu rufen sondern alles vertraulich zu behandeln, er würde die Sachen sofort zurückbringen aber sie solle bitte kein großes Aufheben darum machen. Plötzlich versteht sie die Situation und fragt ihn, ob er kein Geld hätte, dies zu bezahlen. Er verneint und meint, er hätte doch seiner Familie wenigstens ein kleines Gefühl von Weihnachten vermitteln wollen, auch wenn sie sich das nicht leisten könnten. Sie nimmt ihn mit in den Laden und bittet ihn, all das einzupacken was er noch zusätzlich für ein schönes Fest benötigen würde und bezahlt anschließend für ihn. Nach dieser Geschichte setzt sie sich in ihr Auto und nimmt das Video auf und ist so fertig daß sie kaum sprechen kann.
Mit der Dankbarkeit des Mannes kann sie kaum umgehen weil wir dieser Art von Gefühlen heutzutage kaum noch ausgesetzt sind. 

Laufen wir nicht alle manchmal wie fremdgesteuert durch unser Leben und fragen uns am Ende der Woche, was wir eigentlich die vergangenen Tagen wirklich gemacht oder erreicht haben? Führen wir wirklich ein bewußtes Leben, wo wir jeden Moment in uns anwesend und auf die Handlung konzentriert erleben? Oder sind wir nicht oft Roboter die einfach irgendwas machen weil es von uns verlangt wird? Wie oft sitze ich morgens im Auto während der Fahrt auf die Arbeit und frage mich, warum ich das eigentlich tue, wenn es doch soviele andere Dinge gibt, die ich viel lieber täte. Ja ich tue es fürs Geld, man muß ja schließlich von was leben aber geht es nicht auch anders? Hätten wir mehr Zeit für ein bewußtes Hinterfragen unseres Lebens und dem Erforschen unserer Ziele und dem Finden unseres Selbst, hätten wir dann nicht vielleicht schon einen anderen Weg gefunden? Hätten wir dann nicht vielleicht auch den Mut gefunden, etwas anderes zu wagen weil wir doch eigentlich selbstbewußt genug wären, etwas anderes zu tun und zwar aus vollem Herzen heraus und mit einer Leidenschaft, die wir in unseren normalen Jobs niemals an den Tag legen könnten, weil es eben nur ein Job ist aber eben nicht unsere Berufung.  

Dies ist also unser Wunsch für Euch alle fürs kommende Jahr: Die Ruhe und Zeit zu finden, Euch mit Euch selbst zu beschäftigen und Eure Berufung zu finden. Eine Sache für die Ihr gern jeden Morgen aufsteht, die sich nicht wie (lästige) Arbeit anfühlt sondern Euch mit Stolz und Liebe und Dankbarkeit erfüllt. Wir glauben fest daran daß unsere Welt ein besserer Ort wäre, wenn jeder seine Berufung gefunden hätte und seiner Herzensaufgabe nachgehen würde. Ohne Zwang, ohne Angst oder Unterwerfung an einen Vorgesetzten oder eine Firma. Und wenn dies im heutigen System nicht möglich ist, dann müssen wir eben dieses System ändern. Und wer weiß, vielleicht tun wir das schon allein deswegen weil wir alle unserer Berufung nachgehen.....

In diesem Sinne, 
Ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest Euch allen und ein friedliches 2018.

Tommy & Katja



 

Mittwoch, 22. November 2017

Urlaubsphantasien

Wer mich kennt, weiß daß ich eine spezielle Beziehung zu Neuseeland habe. Aotearoa, das Land der langen weißen Wolke, war für fast 6 Jahre mein Lebensmittelpunkt und seitdem bezeichne ich es als meine zweite Heimat. Die ich vermisse und an die ich schweren Herzens zurückdenke, die ich aber aus den richtigen Gründen verlasse habe, was ich auch bis heute nicht bereut habe. Bei solch einer intensiven Beziehung mit diesem Land bleibt es nicht aus, daß man Freunde und Bekannte zurückgelassen hat, über deren Wiedersehen man sich unheimlich freuen würde.

Und dieses Wiedersehen ist aus unendlicher Ferne in greifbare Nähe gerückt, weil sich Tommy und ich entschieden haben, nächstes Jahr Urlaub in Neuseeland zu machen. Für Tommy ist dies der erste und hoffentlich nicht der letzte Besuch in Neuseeland und für mich wird es eine Reise zurück in die Vergangenheit.

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, schließlich werden wir bereits Mitte Februar den Flieger nach Auckland besteigen. Den Flug mit Emirates haben wir bereits vor einiger Zeit gebucht und so nach und nach kamen die Reservierungen für den Mietwagen, den Inlandsflug Christchurch nach Auckland und die erste Übernachtung in Auckland hinzu.

Jetzt bleibt uns nur noch abwarten und die Tage rückwärts zählen. Dabei hilft uns der hier eingeblendete countdown, den wir gern mit Euch teilen. Vielleicht möchte ja der ein oder andere mit uns mitfiebern.

Danke und bis zum nächsten Mal

P.S: Sorry für die Werbung, aber die kann man bei dem kostenlosen countdown leider nicht abschalten.


Dienstag, 7. November 2017

Ich wandre ja so gerne am Rennsteig durch das Land (Fortsetzung folgt)

Wie bereits im letzten Beitrag angekündigt, haben wir uns getraut – mit Sack und Pack auf den Rennsteig. Wir haben eine Runst in Angriff genommen und werden diese irgendwann nächstes Jahr vollenden. Eine Runst ist eine Rennsteigwanderung und laut dem Rennsteigverein gelten für die traditionelle Runst folgende Regeln: Eine normale Runst (zu Fuß) führt in sechs Tagen über den gesamten Rennsteig und zwar in geraden Jahren von Blankenstein nach Hörschel und in ungeraden Jahren von Hörschel nach Blankenstein. Es gibt wohl noch zahlreiche andere Möglichkeiten, den Rennsteig zu absolvieren, wobei ich einige davon gar nicht verstehe: Skirunst, Quadratrunst, Hainich-Runst, 3-R-Runst und die Kinderrunst, um nur einige zu nennen.

Nun gut, seit seiner „Erstbegehung“ in Jahre 1830 durch Julius von Plänckner haben sich auf dem Rennsteig einige Dinge geändert und so gibt es eben mehrere Möglichkeiten, die knapp 170km zurückzulegen. Jedem das seine, wir möchten da niemandem etwas vorschreiben oder madig machen.

Unbewußt haben wir bisher alles richtig gemacht denn wir befinden uns 2017 in einem ungeraden Jahr und haben den Rennsteig somit in der richtigen Richtung in Angriff genommen; und zwar von Hörschel in Richtung Blankenstein. Transporttechnisch befanden wir uns in einer komfortablen Ausgangslage: mit dem Zug fuhren wir über zwei Zwischenstops in Wernshausen und Eisenach nach Hörschel und konnten dort sofort mit unserer Wanderung loslegen. Auf dem Weg nach Hörschel verschlechterte sich das Wetter zunehmend und bei sinkenden Temperaturen und fallenden Niederschlägen waren wir wenig motiviert. Allerdings verbesserte sich das Wetter nach unserer Ankunft stündlich und nachdem wir traditionsgemäß einen Stein an der Werra aufnahmen (um diesen über den Rennsteig zu tragen und irgendwann nächstes Jahr in Blankenstein in die Selbitz zu werfen) machten wir uns bei noch schüchternem Sonnenschein auf den Weg. Das Werra-Ufer ist der tiefste Punkt der Wanderung und so geht es stetig aber meist nicht zu steil bergauf. In regelmäßigen Abständen erkennt man in der Ferne die Wartburg, wie sie majestätisch über Eisenach thront.

Was die Etappen auf dem Rennsteig anbelangt, bekommt man je nach verwendeter Literatur verschiedene Vorschläge, die sich natürlich in erster Linie daran orientieren, in wie vielen Tagen man den Rennsteig absolvieren möchte. So wird zum Beispiel oft der von öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichende Wanderparkplatz „Hohe Sonne“ als Endziel für die erste Etappe angegeben, was aber aus unserer Sicht keinen großen Sinn macht, weil es dort keine Übernachtungsmöglichkeiten gibt. Das erfordert, einen Bus nach Eisenach oder in die umliegenden Ortschaften zu nehmen, dort zu nächtigen und am nächsten Morgen wieder zur Hohen Sonne zu fahren, um dort seine Wanderung fortzusetzen. Wir liefen ca. 4,6km weiter und übernachteten im Hubertushaus (Ascherbrück 1, 99842 Ruhla), welches sich direkt am Rennsteig befindet. Für 66,00 Euro im geräumigen Doppelzimmer (es gibt auch preiswertere Zimmer) und einer gutbürgerlichen Küche kann man den Abend wunderbar ausklingen lassen. Das Bett knarzte zwar ein wenig aber sonst gab es an dieser Unterkunft nichts auszusetzen.

Unsere Leistung für den 1. Tag
Strecke: Hörschel nach Ruhla (Hubertushaus)
Schritte: 32.000
knapp 26km
(bemessen nach Tommys Activity Tracker)
unterwegs (mit einigen kleineren Pausen): 6 Stunden

Für den nächsten Tag hatten wir uns mit dieser Übernachtung bereits einen kleinen Vorteil verschafft, weil wir diese Strecke sonst an diesem Tag hätten zurücklegen müssen. Psychologisch gesehen war das Wissen um die Tatsache, daß dies der kürzeste Tag der Runst werden sollte, ein großer Fehler, denn wir hatten das ungute Gefühl, einfach nicht ankommen zu können. Die Kilometer auf den Wanderschildern wollten einfach nicht schwinden und dazu kam das vernebelte Wetter und die fehlende Sonne, die einem auch ein wenig die Motivation raubten. Aber zumindest blieb es trocken, auch wenn die Temperaturen im Vergleich zum Vortag gewaltig abgestürzt waren. 

Unser Ziel war der Große Inselsberg, der zwar nicht der höchste Berg Thüringens ist (diese Ehre geht an den Großen Beerberg mit seinen 983 Metern) aber aufgrund der guten Verkehrsanbindung, Gastronomie und Wintersportmöglichkeiten einer der meistbesuchtesten Berge Thüringens ist. Als wir den 916 Meter hohen Berg pünktlich zur späten Mittagszeit erreicht hatten, pfiffen wir auf dem letzten Loch und es sehnte uns nach einem Bier. Am Reformationstag war die Gaststätte bis unters Dach vollgestopft mit Tagesausflüglern aber wir konnten noch zwei Sitzplätze bei einem älteren Ehepaar ergattern und uns aufwärmen und stärken. Für den weiteren Weg spielte dies allerdings keine große Rolle mehr, denn wir mußten es nur noch heil den steilen Abstieg hinunterschaffen und in unserer Pension „Haus am Reitstein“ einkehren, wo ein heiße Dusche auf uns wartete. 

Für 50,00 Euro fanden wir ein Doppelzimmer im Stilmix vor; massiver hölzener Einbauschrank aus DDR Zeiten versus neumodischer Möbel und Flachbildschirm aus der Neuzeit. Auf dem Gang begrüßt den Gast ein Wohnheimfeeling und jedes Zimmer wirkt gleich. Tommy, der sich unsere Zimmernummer nicht gemerkt hatte, stand bei seiner Rückkehr plötzlich im Zimmer unserer Nachbarn. Das Frühstück war reichhaltig aber völlig unverzeihlich wies das Geschirr angetrocknete Speisereste der Vorgänger auf. Das geht gar nicht! Auch war dies die letzte Nacht denn ab dem 1. November befindet sich die Pension (wie die meisten anderen Einrichtungen auf dem Rennsteig auch) in einer Saisonpause und öffnet erst wieder im Dezember. Dementsprechend demotiviert erschien die Belegschaft und ich fühlte mich teilweise etwas unerwünscht. Trotzdem ist die Unterkunft vollkommen okay, denn sie erfüllt ihren Zweck: nach einer langen Wanderung eine Dusche und ein Bett zu haben, um sich für den nächsten Tag ausruhen zu können.

Unsere Leistung für den 2. Tag
Strecke: Ruhla (Hubertushaus) zum Fuße des Großen Inselsbergs
Schritte: 23.760
knapp 17km
unterwegs (mit einigen kleineren und einer großen Restaurantpause): 6 Stunden

Der letzte Tag sollte die große Herausforderung werden denn er endete in Oberhof und es war ausgemacht, daß wir von einem Kumpel abgeholt werden. Wir hatten also nicht nur die Strecke im Rücken sondern auch die Zeit denn aufgrund fehlenden Empfangs im Wald kann man nicht mal schnell anrufen und die Abholung auf später verschieben. Das Wetter war nicht wirklich besser denn der Nebel vom Vortag hielt sich hartnäckig, aber es war ein paar Grad wärmer und somit angenehmer zu laufen. Gleich zu Beginn gab es einige steile Anstiege zu bewältigen aber im Laufe der Wanderung normalisierten sich die Höhenverhältnisse und es gab nur leichte Auf- und Abs.

Was uns auch heute wieder extrem auffiel, waren die unterschiedlichen Entfernungsangaben auf den Wanderschildern. Obwohl man bereits ein Stück Strecke zurück gelegt hatte, nahm die Entfernung zu und ein Bild für die Götter sind die beiden (fast) identischen Schilder direkt nebeneinander, die das gleiche Ziel und die gleiche Richtung aber unterschiedliche Entfernungen anzeigen. Was haben sie sich dabei nur gedacht? Über diesen Tag gibt es rückblickend nicht viel zu sagen, da wir wirklich die meiste Zeit die Zähne zusammen bissen um voranzukommen. Außer einer kleinen Verschnaufpause von vielleicht 20 Minuten liefen wir 7 Stunden komplett durch, nur um eine Stunde vor verabredeter Abholung am Grenzadler anzukommen und dort für eine Stärkung einzukehren. Tommy war der Meinung, die noch verbleibenden 7 km zu seiner Wohnung laufen zu können und daß wir die Abholung vielleicht gar nicht bräuchten, aber ich konnte definitiv keine 7 km mehr laufen! Wir hatten 32km in 7 Stunden runtergeschruppt und das reichte vollkommen aus. Ich spürte es bereits in meinen Beinen und wollte einfach nur aufs Sofa oder noch besser, in eine heiße Badewanne.

Unsere Leistung für den 3. Tag
Strecke: Großer Inselsberg nach Oberhof (Grenzadler)
Schritte: 39.100
knapp 32km
unterwegs (mit nur einer Pause): 7 Stunden
Gesamt: fast 77km


Fazit:
Es war schön, mal wieder unterwegs zu sein und davon die meiste Zeit im Wald sein zu können. Dabei ist man sehr oft mit sich selbst beschäftigt und in Gedanken versunken und läuft schweigend nebenher, was vollkommen okay ist. Nebenbei habe ich das Rennsteiglied gelernt und bin nun textsicher und hoffe natürlich, daß dies bis zur Fortsetzung nächstes Jahr anhält. Darüber haben wir uns allerdings noch keine Gedanken gemacht. In welche Richtung laufen wir den Rest? In wie vielen Tagen? Es wird eine Zeit geben, wo man sich darüber Gedanken machen kann, aber jetzt nicht. Es gilt, die Erlebnisse und Eindrücke zu verarbeiten. Bis zur Fortsetzung sagen wir Gut Runst und wünschen Euch ebenfalls tolle Wandererlebnisse, falls diese bei Euch anstehen sollten!

Sonntag, 29. Oktober 2017

Gedanken zum Wandern und Pilgern

Letztes Jahr bin ich für 2 Wochen (Ende April / Anfang Mai) ein Stück des Jakobsweges in Spanien gelaufen und zwar bin ich in León eingestiegen und knapp 300 km bis nach Santiago de Compostela, dem Ziel von Millionen Pilgern, gelaufen. Meine Beweggründe waren weder religiöser Natur noch wußte ich überhaupt, was Pilgern eigentlich bedeutete. Für mich war lediglich wichtig, eine gewisse Zeit lang unbekümmert wandern zu können und dabei ein gut organisiertes und ausgebautes System von Unterkünften und sonstigen notwendigen Einrichtungen vorzufinden. Wie bekannt gerade der Jakobsweg weltweit ist, war mir nicht bewußt auch wenn ich davon gehört hatte, daß er seit Hape Kerkelins Buch und Film „Ich bin dann mal weg“ deutlich an Bekanntheit gewonnen hatte. Daß es auch einen amerikanischen Film „The Way“ über das Pilgern in Spanien gibt, war mir ebenso wenig bewußt, ist aber genau der Grund, warum es auch zahlreiche Wanderer aus nichteuropäischen Staaten nach Spanien zum Wandern treibt. Hape´s (Hör-)Buch hatte ich übrigens bewußt erst nach meinem eigenen Erlebnis gehört um mich in meinen Eindrücken nicht beeinflussen zu lassen.

Wie gesagt, der religiöse Aspekt spielte bei mir nie eine Rolle und für die meisten Wanderer, denen ich begegnete, tat es dies ebenso wenig. Wer vor der Entscheidung steht, den Pilgerweg zu laufen und diesbezüglich Zweifel hegt, kann beruhigt sein. Die religiösen Wanderer (also Pilger) gibt es natürlich auch aber niemand schreit es einem ins Gesicht oder macht den normalen Wanderern Vorwürfe, wenn er nicht in jeder Kirche fürs Gebet Einkehr hält. Die Menschen sind eher an Deiner Geschichte und Deinen Gründen interessiert, warum man sich auf den Weg gemacht hat und was man sich davon erhofft. Und wenn diese Gründe zu persönlich sind und man diese nicht teilen möchte, dann ist es auch okay. Niemand wird zu irgendetwas gezwungen, alles zu seiner Zeit im eigenen Tempo. Ich habe in diesen zwei Wochen viele interessante Menschen kennengelernt und zahlreiche tiefgründige Gespräche geführt, wie ich sie schon lange nicht mehr genießen durfte. Und das mit wildfremden Menschen! Manchmal fühlte es sich an wie eine Therapie; Dinge die man sonst nicht mal der Familie oder engen Freunden anvertraut, teilt man mit fremden Leuten und gibt auf deren ehrliche Meinung manchmal mehr als auf gutgemeinten Rat von Freunden und Bekannten.

Nur die Hälfte dieses Weges gelaufen zu sein, wurmt mich noch immer, war aber leider aufgrund zeitlicher Hindernisse nicht anders zu bewerkstelligen. Geplant ist die noch fehlende Strecke auf jeden Fall auch noch auch wenn es mich reizt, nicht nur 2 Wochen zu laufen, sondern mal für länger unterwegs zu sein.

Warum erzähle ich Euch das alles? Weil der Rennsteig genau vor unserer Tür liegt und ich auch diesen knapp 170km langen Weg laufen möchte. Angeblich schaffen ganz motivierte Wanderer dies an 6 Tagen aber diesem Streß möchten wir uns nicht ausliefern. Zumal gerade letzte Nacht die Uhren auf Winterzeit zurückgestellt wurden und es (im Wald) bereits gegen 16 Uhr dunkel sein könnte. Deswegen haben Tommy und ich uns für 3 Tage Etappenwandern auf dem Rennsteig entschieden und werden das noch fehlende Stück (sicher auch in Etappen) in Zukunft absolvieren. Der interessierte Leser darf sich an dieser Stelle natürlich über einen Bericht über den Rennsteig freuen.

Und wer weiß, vielleicht sind wir ja bis dahin textsicher mit dem Rennsteiglied, der heimlichen Thüringer Hymne. Tommy weigert sich ja standhaft zu singen, aber ich habe mein Interesse zur musikalischen Untermalung unseres Wandererlebnisses bereits bekundet.