Mittwoch, 28. September 2022

Unsere Großbritannien Reise: kleine Auszeit in Gweek

Was man nicht so alles findet, wenn man bei youtube interessante Dokus anschaut und sich über die angegebenen Links weiterklickt. In unserem Fall führte eine mehrteilige Doku über das Restaurieren von alten Booten in den USA zum Team von Clean Ocean Sailing in Gweek, Cornwall. Tommy stellte den Kontakt her und seitdem tauschten wir regelmäßig alle paar Wochen Emails aus. Es wurde verabredet, dass wir sie auf alle Fälle besuchen kommen, wenn wir in England unterwegs sind. 

Und so standen wir eines schönen Tages einfach vor deren Toren der Anlegestelle in Gweek und fragten, ob sie noch Hilfe benötigten für das heutige, über Instagram angekündigte, Müllsortieren. Die Freude und Überraschung über unser plötzliches Erscheinen waren groß, obwohl wir uns vorher angekündigt hatten. Leider war dies aufgrund immer mal wieder aussetzenden Handyempfangs untergegangen. Aber egal, Hilfe ist immer gern gesehen und so gab es neben unzähligen Gesprächsthemen auch jede Menge zu tun: nämlich das angekündigte Müllsortieren. 

In der Garage hatte sich der Müll der letzten Wochen angesammelt, weil Steve erstens noch einem richtigen Job zum Geldverdienen nachgeht, zweitens der Sommerurlaub in Festland Europa verbracht wurde und man drittens verständlicherweise den Müll lieber sammelt als darin rumzuwühlen und ihn zu sortieren. Steve, Monika, ihr Sohn Simon (4), Hund Rosi und manchmal auch freiwillige Helfer segeln auf dem Schiff „Annette“ (genannt Annie) die Küste Cornwalls entlang, paddeln mit Kajaks zu diversen Stränden und sammeln dort den Müll auf, den achtlose Zeitgenossen einfach entsorgt haben. Manchmal werden auch weiter entfernte Strände gesäubert und so gab es u.a. eine große Aktion um die Scilly Inseln herum. Der gesammelte Müll wird einzeln eingepackt und Fundort sowie Datum notiert, um dann später genau darüber Buch zu führen.

Die Gemeinde und zuständige Behörden in Cornwall finden regelmäßig Worte des Lobs und der Dankbarkeit aber für finanzielle Unterstützung sind die öffentlichen Kassen leider spärlich ausgestattet. Oder die Anforderungen für eine öffentliche Förderung sind so hoch, dass man sich zweimal überlegt, ob man diese tatsächlich in Anspruch nehmen möchte. So erzählte uns Steve, dass sie das Angebot bekamen, von einem recht großen Fördertopf unterstützt zu werden (dem der neue König Englands Charles III als Schirmherr vorsteht) und er viele schlaflose Nächte damit zubrachte, seine Möglichkeiten abzuwägen. Letzten Endes lehnte er den großen Geldbetrag dankend ab, weil er extra eine Person hätte einstellen müssen, die nur Papierkram erledigt, um das Geld zu verwalten und Buch über alles mögliche hätte führen müssen. Mal ganz abgesehen von diversen Lizenzen, die er zusätzlich für sein Segelboot hätte erwerben müssen. Da darf man sich dann wirklich fragen, warum man es denjenigen, die einfach nur Gutes tun wollen, so schwer machen muss. Woanders schmeißt man Fördergelder mit offenen Armen zum Fenster heraus und fordert Null Nachweise und die millionenfache Verschwendung von Steuergeldern interessiert niemanden.

Für das Sortieren des Mülls wird jeweils ein Sack Müll in der Garage ausgekippt und in diverse Haufen aufgeteilt: Hartplaste, Nylon/ Fischernetze, Leichtplaste (vor allem Plasteflaschen), Stoffreste, Styropor, Metall; alles bekommt seinen eigenen Haufen. Jeder Haufen wird anschließend gewogen und die ungefähre Anzahl der Einzelteile (!) für jeden Fundort notiert. Besonders spaßig ist das Zählen der Einzelteile für die Leichtplaste, weil man eben oft nicht nur vollständig erhaltene Flaschen, Plastikbehälter etc. findet, sondern viele Einzelstücke. Für einige Fundorte notierten wir Einzelteile von bis zu 1000 Stück Leichtplaste. Leider sind die Gewässer und Strände besonders auffällig mit Plaste überhäuft, weil dieser Rohstoff so günstig hergestellt und extrem vielfältig eingesetzt wird. Was es für unsere Umwelt, Tierwelt aber auch uns selbst bedeutet (Stichwort Mikroplastik) haben viele Zeitgenossen überhaupt nicht auf dem Schirm.

Und was passiert mit all dem sortierten Müll? Der steht erstmal ne ganze Weil dort in der Garage und auf dem Pier herum bis es Zeit ist, woanders herumstehen zu dürfen. Und das ist abhängig vom Material. Hartplaste (zum Beispiel die Außenhaut von Bojen, Schraubverschlüsse von Trinkflaschen) geht in eine Verwertungsanlage in Exeter und bringt 150 Pfund pro Tonne. Daraus werden dann u.a. Kajaks gemacht, in denen das Team von Clean Ocean Sailing zu den Stränden paddelt, um dort nach Müll zu suchen und aufzusammeln.Für Nylon und Fischernetze gibt’s ein wenig Geld, wenn sie ohne Verschmutzung abgegeben werden, weil sie für den 3D Druck verwendet werden. Klingt gut, gleicht allerdings einer Sisyphusarbeit, da das Herausziehen von materialfremden Gegenständen so umfangreich und kompliziert ist, dass man Tage nur allein damit verbringen könnte.

Die anderen Materialen sind zwar fein säuberlich getrennt und Fundort, Schwere und Menge dokumentiert, aber Geld gibt’s dafür keins. Wie es mit der Entsorgung aussieht, hat uns Steve gar nicht erzählt. Hoffentlich kann er sie ohne großen Aufwand und Kosten irgendwo abgeben.

Wir hätten Steve und sein Team gern bei einer Segeltour entlang der Cornwall Küste unterstützt, aber leider war dies aufgrund des Wetters nicht möglich. Gweek liegt am Helford River, der in den Ärmelkanal mündet und starken Tiden ausgesetzt ist. Bei Ebbe gleicht der Fluss einem riesigen Schlammbett, das sich bei einsetzender Flut recht schnell mit Wasser füllt. Leider reicht der Wasserstand in den meisten Fällen nicht zum Rausfahren aus, nur ca. alle 14 Tage ist der Wasserpegel hoch genug, damit die meisten Schiffe überhaupt ihren Anlegeplatz verlassen können. Wenn dann die Wettervorhersage ungünstig ist, macht das Segeln keinen Sinn. 

Und so blieb die Annette eben im Hafen und wir verbrachten ein paar schöne Tage in Gweek. Wir besuchten die Seal Sanctuary (eine Art Tierheim oder Krankenhaus für verletzte Wasserbewohner wie Pinguine, Robben und Seelöwen), nutzen einen Standbesuch für eine weitere Strandsäuberung und lernen einige interessante Einwohner Gweeks kennen. 

Zum einen gehört Cecil dazu, Steve´s geliebter T2, den er vor vielen Jahre aus Australien nach England verschifft hat und der inzwischen 50 Jahre alt ist und mehr als 1,3 Millionen Kilometer gefahren ist. Cecil sieht man ihr Alter an, der Rost und die Gebrauchsspuren lassen sich nicht verbergen, aber sie wird auch nicht geschont. Sie hilft kräftig auf dem Kai und in der Garage mit und Steve kann stundenlang darüber erzählen, wen oder was er bereits mit Cecil irgendwo rausgezogen und abgeschleppt hat.

Steve und seine Familie leben in einer kleinen Gemeinschaft am Constantine Quay, die man schon irgendwie als alternativ bezeichnen kann. Zumindest ist es nicht zu vergleichen mit dem typischen Alltagsleben, das man aus Deutschland kennt. Zuerst einmal lebt jeder auf einem Boot, das einzige Haus dort ist die Garage / Werkstatt / Abstellkammer / Spielparadies, das von allen Mitgliedern der Gemeinschaft genutzt wird. Dort türmen sich die ausrangierten Spielsachen in abgegrenzten Spielecken und für Jamie war dies natürlich ein wahres Fundbüro.  Abgegrenzt deswegen, weil dort natürlich auch gearbeitet wird. In der hinteren Ecke wurde gerade ein Boot renoviert und der Staub flog dank der Schleifmaschine meterweit umher. Am Kai rennen überall Kinder umher oder sausen den kleinen Pfad mit ihren Fahrrädern auf und ab, gefolgt von den Hunden Rosi und Bo. Jamie gesellte sich mit seinem Laufrad dazu. Alles, was an Board des eigenen Schiffes kein Platz hat, steht in kleinen Schuppen und Verschlägen an Land: meistens Waschmaschinen, andere Gerätschaften und oftmals ganz viel Müll. Regelrecht verliebt habe ich mich in den Waldspielplatz am Ufer des Flusses, wo sich die Kinder nach Herzenslust austoben können. Baumhäuser, Hängematten, Schaukeln, Rutschen, Matschküchen und jede Menge Möglichkeiten zum Verstecken und kreativ sein. Alles im Dreck und an der frischen Luft. Und etwas ab vom Spielplatz ein gemütlicher Platz für Lagerfeuer und ein Gartenbereich mit angelegten Beeten, wo aber leider aufgrund der spärlichen Sonneneinstrahlung nicht so sonderlich viel wächst.

Monika zeigte uns eines schönen Nachmittags das Gemeinschafts-Garten-Projekt von ca. 10 Familien in Gweek, das auf dem Gweek Campingplatz entstanden ist. Dort wird in Gemeinschaft gegärtnert, nach einem festgelegten Einsatzplan gewässert und jeder darf ernten, worauf er gerade Lust hat. Die Besitzer des Campingplatzes haben vor einigen Jahren ein riesiges Gelände gekauft, auf dem sich früher eine Gärtnerei befand. Glücklicherweise standen noch die Gewächshäuser und zahlreiches Material (tausende von Übertöpfen, Pflanzmaterial etc) war ebenfalls auf dem Gelände zurückgeblieben. Monika erzählte mir, dass man noch immer mit Aufräumen, Freimachen, Wegschaffen von Müll etc beschäftigt ist. Aber als Ziel für die Zukunft wird Selbstversorgung angestrebt, was in den heutigen ungewissen Zeiten keine schlechte Sache ist.  

Gweek an sich ist recht überschaubar mit ca. 667 Einwohner (laut Zensus von 2011) und liegt 5km östlich von Helston. Es gibt einen Pub, eine Village Hall, die Cornish Seal Sanctuary (Touristenmagnet) und einen Dorfladen der als Postamt fungiert sowie als Café und Eisdiele. Wenn man sich dort nicht über den Weg läuft, trifft man sich spätestens jeden Mittwoch, wenn der Fish ´n Chips Van vor dem Laden steht oder donnerstags beim Pizza Van. Die Einwohner kommen dann teilweise sogar mit Klappstühlen zur Grünfläche vor dem Dorfladen, genießen ihren take away, quatschen mit den anderen Dorfbewohnern und lauschen der Livemusik, die im Sommer oft an einem dieser beiden Tage gespielt wird. Was will man mehr?  


Nach knapp einer Woche verabschiedeten wir uns von Gweek, Steve, Monika, Simon und manch anderem Bewohner von Constantive Quay. Jamie hat ein neues Bewusstsein für Müll entwickelt und seitdem kommt es häufiger mal vor, dass wir an einem Strand oder anderswo einfach mal ein bisschen Müll aufheben und entsorgen. Auf Jamies empörte Frage, warum sich die Leute so blöd anstellen und ihren Müll nicht einfach selbst in den Mülleimer schmeißen können, der manchmal nur ein paar Meter entfernt steht, haben wir leider keine passende Antwort.

Freitag, 16. September 2022

Unsere Großbritannien Reise: Das Finden eines Stellplatzes in UK

Wir hatten es bereits angekündigt, dass wir dem Thema Stellplätze, overnight parking oder wild camping, wie es einige nennen, einen separaten Beitrag widmen. Also was sagt das Gesetz, was ist erlaubt und was ist nicht erlaubt? 

Auf oder neben öffentlichen Straßen darf über Nacht nicht geparkt werden. Grund hierfür ist, dass der Straßenverkehr in keiner Weise blockiert, behindert oder gefährdet werden darf. Und in der Realität? Steht man auf einem Parkplatz etwas abseits der Straße, wo man nichts blockiert und wo es kein Schild gibt, das overnight parking verbietet, wird man höchstwahrscheinlich nicht gebeten, sich etwas anderes zu suchen. Das kommt aber auch auf den jeweiligen Bezirk an, die zuständigen Behörden etc.

Was nicht in öffentlicher Hand verwaltet wird, gehört jemandem privat und da wird es schon schwieriger. Auf privatem Grundbesitz darf man mit Genehmigung des Eigentümers parken, campen und auch über Nacht stehen aber das Finden des Eigentümers ist nicht immer leicht. Oder woher weiß ich, wem das Feld gehört, an dessen Rand ich gerne stehen möchte? Viele Kommunen haben das overnight parking auf ihren städtischen Parkplätzen komplett untersagt und machen es Wohnmobilen generell sehr schwer, überhaupt einen Parkplatz auch tagsüber zu finden, weil Höhenbeschränkungen vor den Einfahrten angebracht sind. Bei Parkplätzen ist es relativ einfach, herauszufinden was man darf und was nicht, denn es ist klar und deutlich ausgeschrieben. Und wenn da steht, no overnight parking oder „no motorhomes from 11pm to 6am“ (also keine Womos von 23:00 – 06:00 Uhr) dann sollte man sich daran halten weil für den Fall eines Verstoßes bereits Art und Höhe der Strafe mit angeschrieben ist.

Leider haben solche Restriktionen meist eine Vorgeschichte. Erst neulich haben wir einen Zeitungsartikel über Wildcamper gelesen (hier waren Leute im Zelt gemeint), die es nicht für nötig hielten, ihren Müll mitzunehmen und ihre Notdurft einfach in der Natur verrichteten. Die Stadt denkt nun darüber nach, diese Stelle generell als Parkplatz zu sperren, worunter natürlich all die anständigen Leute leiden, für die solch ein Verhalten überhaupt nicht in Frage kommt. Darunter zu leiden haben dann auch die zahlreichen Reisenden in ihren Wohnmobilen. Was nicht heißen soll, dass diese Leute mit Heiligenschein unterwegs sind, denn leider gibt es auch unter den Wohnmobilisten Idioten, die Müll und andere Hinterlassenschaften zurücklassen. 

Problematisch dabei sind sicherlich auch einige, nicht alle(!) Reisenden in den umgebauten Lieferwagen, Handwerkerbussen, Sprintern etc die oftmals keine Toilette an Board haben und sich aber auch gern auf solchen Plätzen aufhalten. Ich frage mich sowieso immer, wie die das machen, schließlich ist nicht immer ein öffentliches Klo in der Nähe. Durch das Lesen in Foren kennen wir allerdings die Einstellung einiger Vertreter der Vanlife Szene, wo man nicht verstehen kann, warum sich jemand daran stört, dass man mit Spaten in den Wald geht und seine Notdurft vergräbt. Wenn das eine Person macht, stört das Mutter Natur sicherlich nicht sonderlich, wenn aber mehrere Dutzend am Tag an solch einem Parkplatz mit ihrem Spaten unterwegs sind (und viele oft gar nicht erst buddeln sondern alles recht oberflächlich geschieht, Toilettenpapier durch die Gegend fliegt und es meilenweit nach Klo stinkt) dann ist das einfach nicht mehr okay.

Fakt ist, dass viele Campingplätze in England sehr teuer sind und wir nicht bereit sind, soviel Geld auszugeben. Wir haben uns mit einem Betreiber eines solchen Campingplatzes unterhalten (wo wir 48,60 Pfund für die Nacht bezahlt haben!) und er meinte, es kostet alles Geld und da macht der Platz angeblich nicht mal Gewinn (bzw. wird alles reinvestiert). England ist eine Campingnation, das Zelten stellt einen typischen Sommerurlaub für Familien dar. Und da die Campingplätze auch viel Platz für Zelte bieten, müssen sie natürlich auch die Ausstattung für dieses Klientel zur Verfügung stellen. Duschen und Toiletten 24 Stunden am Tag, Spülküchen fürs Reinigen des Geschirrs, Waschmaschinen und Trockner (die zahlt man allerdings extra). Die Stromkosten solch eines Campingplatzes sind sicherlich enorm. Die Plätze sind wegen der Sicherheit alle beleuchtet, Wohnmobile brauchen Strom und beim Zelten geht’s heutzutage auch nicht mehr ohne. Der letzte Stellplatz hatte sogar TV Anschlüsse für die Zeltplätze, damit man sich auch im Urlaub mit dem ganzen Müll berieseln lassen kann. 

Wir haben aber inzwischen das Gefühl, dass es einen Unterschied macht, ob man einen Campingplatz erwischt, der mehr von den Einheimischen frequentiert wird oder ob es sich um Plätze handelt, die in Touristhochburgen mehr von den Ausländern gebucht werden. Auf dem letzten Campingplatz waren wir die einzigen Ausländer und dort zahlten wir wesentlich weniger Stellplatzgebühr als zum Beispiel in Folkestone. Dort übernachtet fast jeder, der von der Fähre kommt oder zur Fähre will und da sind die Preise dementsprechend höher.

Allerdings sind wir auf Campingplätze angewiesen, ab und zu müssen wir dort übernachten, weil Wäsche gewaschen werden möchte, wir Frischwasser benötigen und die Entsorgung eine Katastrophe in UK ist. Im Rest von Europa gibt es ein gutes Netz an Entsorgungsstellen wo man sein Schmutzwasser ablassen, die Toilette entsorgen und Frischwasser auftanken kann. Oftmals gegen Gebühr aber das ist ja okay. In England sind solche Stellen Mangelware. Wir haben eine Liste mit Entsorgungsstellen in Europa gefunden, die auch einige Plätze in England aufweist, aber diese haben bisher nicht in unsere Route gepasst. Oder wir hatten gerade anderweitig entleert und benötigten diese gerade nicht. Als wir in Tintagel auf einem Campingplatz nachfragten, ob wir unsere Toilette entleeren dürfen, verneinte der Mitarbeiter und meinte, vor Covid war das alles möglich aber jetzt möchte es der Manager nicht mehr. Muss man nicht verstehen aber eben akzeptieren.

Nach ein bisschen Online Recherche fanden wir das Pendent zum deutschen „Landvergnügen“: Britstops. Das Konzept ist leicht erklärt. Lokale Anbieter bieten kostenfreie Stellplätze auf ihren Grundstücken und im Gegenzug gibt man dort ein wenig Geld aus; im Hofladen, im Pub, in der Eismanufaktur etc. Somit soll den Reisenden die lokale Vielfalt nähergebracht und Verständnis und Wertschätzung der regionalen Produkte und Traditionen geweckt werden. Das Einkaufen dort ist keine Pflicht aber es wird als Gegenzug zum freien Stellplatz natürlich erwartet.

Wir haben die Mitgliedschaft bei Britstops erworben und bekamen ein Buch (später auch eine App) in dem die teilnehmenden Anbieter verzeichnet sind. Leider sind dies zu 90% Pubs. Die Pubkultur in England ist bemerkenswert, es scheint wirklich ganz normal zu sein, nach der Arbeit noch für ein Bier im Pub vorbeizuschauen. In den letzten Jahrzehnten sind die Pubs auch immer familienfreundlicher geworden so dass man inzwischen in den meisten Pubs auch mit Kindern gern gesehen ist. Nun sind die Pubs aber auch recht teuer, so dass wir bisher nur 2x dort gegessen haben. Das letzte Abendessen schlug mit 55 Pfund zu Buche, was immerhin 65 Euro ausmacht. Schon ne Menge Geld für 2,5 Personen. Meistens trinken wir nur ein Bier und Radler, wenn wir uns nicht damit rausreden können, dass unser quengeliges Kind ins Bett gebracht werden muss aber auch da kommt man unter 10 Pfund (12 Euro) nicht weg.

Und so nutzen wir Britstops, wo es nicht anders geht, bemühen aber auch andere Quellen zum Finden eines Stellplatzes. Wir nutzen inzwischen 5 verschiedene Apps, um overnight Stellplätze zu finden. Meist handelt es sich um kleine Parkplätze an wenig frequentierten Straßen oder Orte wo das Übernachten explizit erlaub ist (Raststätten, Parkplätze gegen Gebühr, Wanderparkplätze). Diese zu finden ist nicht immer leicht und in einigen Gegenden gibt es weniger davon als in anderen. Oberste Devise für uns ist immer, dass der Platz einen sicheren Eindruck macht. Wenn wir kein gutes Gefühl dabei haben, fahren wir weiter. Und so gab es bisher auch keine Zwischenfälle oder unschöne Situationen. Oft hat man Straßenlärm aber manchmal auch das Rauschen des Meeres.

Folgende Seite fanden wir zur Beurteilung der rechtlichen Situation in England bezüglich overnight parking, wild camping ganz hilfreich: https://www.startrescue.co.uk/breakdown-cover/motoring-advice/safety-and-security/can-i-park-overnight-what-the-law-says

In Wales ist die Situation nicht anders als in England. Jetzt sind wir in Schottland und dort ist vieles einfacher. Man findet kaum Verbotsschilder für das Übernachten und deswegen ist das Land auch so beliebt bei den Urlaubern. Gleich am ersten Tag sahen wir daher auch vermehrt Deutsche, die wir bisher auf unserer Reise selten gesehen haben. Auch bei den Engländern ist Schottland aufgrund der entspannteren Stellplatzsituation sehr beliebt und in Gesprächen mit einheimischen Reisenden bekamen wir öfter die Frage gestellt, warum wir denn gerade nach England gekommen sind, wo doch alles so kompliziert sei. Wir antworten dann immer wahrheitsgemäß, dass England auch sehr schöne Ecken zu bieten hat und das lässt den Gegenüber dann doch auch wieder strahlen. Man hört eben doch gern positives über sein Heimatland.  

.... Und eines gibt es über die Stellplätze abschließend zu sagen: Egal wie abgeschieden man glaubt zu stehen, am morgen steht immer mindestens ein anderes Auto auf dem Parkplatz und es steigt jemand mit seinen Hunden für die morgendliche Gassirunde aus….
















Samstag, 27. August 2022

Unsere Großbritannien Reise: die ersten Eindrücke

Die ersten Tage in England begleiteten uns die imposanten Kreidefelsen, die wir bereits bei der Einfahrt in den Hafen von Dover bewundern konnten. Sie waren unser erstes Ziel nach Verlassen der Fähre. Und als wäre der Linksverkehr nicht schon gewöhnungsbedürftig genug, wurde die Straße zum Kreidefelsen Parkplatz immer schmaler und wir erhielten einen ersten Vorgeschmack darauf, was uns in Sachen Straßenbreite und Zustand der Straßen noch erwarten würde. 

Von den Kreidefelsen in Dover bietet sich zuerst ein herrliches Panorama über den lebhaften Hafen und das Gewimmel der Spuren von ankommendem oder wegfahrendem Verkehr, Zoll Abfertigungshäuschen und den verschiedenen Wartebereichen vor den jeweiligen Terminals. Ein paar Meter weiter erkennt man das Dover Castle zu seiner rechten Seite und linkerhand die beindruckenden Felsen. Man befindet sich zwar bereits auf den Kreidefelsen, realisiert das aber erst beim Blick nach unten ins Meer.  

Die ersten beiden Nächte verbrachten wir in Folkestone nur ein paar Kilometer entfernt von Dover auf zwei verschiedenen Campingplätzen. Über Campingplätze und das Finden von Übernachtungsplätzen wird es einen separaten Artikel geben, deswegen gehen wir hier nur kurz darauf ein. Wir können und wollen es uns einfach nicht leisten, jeden Abend 30-40 Pfund für einen Stellplatz auszugeben, denn das sprengt unser Budget. Für die ersten beiden Nächte war es eine Notlösung. Außerdem war es so heiß, dass wir so wenig Zeit wie möglich im Ludwig verbringen wollten und so gingen wir an den Strand.

Unser Ziel ist Cornwall und so bewegen wir uns langsam an der Küste entlang. Dort, wo es notwendig ist, fahren wir landeinwärts. Wir orientieren uns an interessanten Orten, die wir im Reiseführer entdeckt haben und vor allem an den ausgesuchten Stellplätzen für die Nacht. Da es in England verboten ist, im öffentlichen Raum zu übernachten, können wir leider nicht an einem Ort, wo wir uns gerade wohlfühlen, einfach so für die Nacht stehenbleiben. In Deutschland kann man das fast überall für eine Nacht mit der Begründung, seine Fahrtüchtigkeit wieder herzustellen. Das interessiert in England niemanden. Es gibt natürlich Leute, die es einfach tun und damit Erfolg haben, aber wir wollen unser Glück nicht auf die Probe stellen. 

Die ersten Tage mussten wir erstmal unseren Rhythmus finden und waren eigentlich nur damit beschäftigt, von Stellplatz zu Stellplatz zu fahren und organisatorisches zu erledigen. Das Besorgen einer SIM Karte mit Datenvolumen hat ein wenig länger gedauert aber nun können wir im englischen Mobilfunknutz ohne lästige Verbindungsprobleme surfen und besser recherchieren, wo es als nächstes hingehen soll. Irgendwann gingen wir dann dazu über, unsere Tagesziele durch interessante Zwischenstopps zu erweitern, so dass wir uns nun auch mal was anschauen. Das ist mit Jamie nicht so ganz einfach denn er hat seinen bekannten Rhythmus aus dem Kindergartens verloren und dass er noch nicht so gut damit klar kommt, merkt man ihm an. Unser Ludwig ist sein Rettungsanker und deswegen will er ihn auch oft nicht verlassen. Da braucht es viel Überzeugungsarbeit und Motivation unsererseits. Spielplätze ziehen immer aber auch da braucht es ein gesundes Mittelmaß denn wir sind ja nicht wegen der Spielplätze nach England gekommen. 

Die Eindrücke der ersten zwei Wochen England lassen sich wie folgt zusammenfassen: 

1. Es ist Ferienzeit und wie sagte ein Engländer so schön: Wer nicht weggeflogen ist, fährt runter in den Süden zum Baden. Dementsprechend voll ist es überall und das macht es nicht einfacher mit unserem Ludwig, der fast 7 Meter lang ist. Finde da mal einen Parkplatz, wo schon gewöhnliche PKWs nichts finden! Wo möglich sind wir inzwischen dazu übergegangen, auf Park n` Ride Parkplätze zu fahren und den Bus in die Stadt zu nehmen. Das macht es wesentlich angenehmer für uns da wir uns den Stress mit dem Suchen eines Parkplatzes sparen. Auf diese Weise sind wir sogar schon Doppelstockbus gefahren, was für Jamie natürlich ein Highlight war.  

2. Brombeeren! Überall Brombeeren und keiner interessiert sich dafür. Wir stehen fast täglich in irgendeiner Hecke und naschen blackberries. Schade nur, dass vielleicht 5% der Beeren reif sind, der Rest wartet auf Regengüsse. 

3. Die Verkehrsschilder außerhalb der Städte sind ziemlich schlecht zu erkennen, weil sie oft zugewachsen sind. Erst beim Vorbeifahren kann man einen Blick darauf erhaschen. Man erkennt dann auch, dass schon hin und wieder mit der Heckenschere Hand angelegt wird, aber leider viel zu selten. Blöd, wenn man sie tatsächlich als Orientierungshilfe nutzen will. 

4. Aufgrund der Ferienzeit begegnen uns sehr viele Familien. Und was soll man sagen, die Engländer scheinen sehr fleißig zu sein, der von uns beobachtete Standard beträgt 3 Kinder. Die Ein-Kind-Familie ist äußerst selten, der Trend geht zu 3 und mehr. Vielleicht sind aber auch nur die Familien unterwegs, die sich das Verreisen leisten können, deswegen sind unsere Beobachtungen sicherlich nicht repräsentativ. 

5. Engländer sind auf jeden Fall Hundeliebhaber denn auch hier gilt laut unseren Beobachtungen: nur ein Hund ist die Ausnahme, zwei bis vier Hunde sind keine Seltenheit. Das führt zu witzigen Situationen, wenn man zum Beispiel auf einer Autobahnraststätte einen PKW mit Wohnanhänger beobachtet, wo 5 mittelgroße Hunde mit ihren 2 Menschen aus dem Auto poltern um Gassi geführt zu werden. Da kommt schonmal die Frage auf, wo die alle Platz finden. 

6. Ja, die Strassen sind eng und da befinden wir uns noch gar nicht in dem Teil Englands, der für seine engen Straßen bekannt ist. Wir haben uns schon einige Male gewundert, wie das überhaupt funktionieren kann, schließlich fährt die Mehrheit der Engländer keine kleinen Autos. Dazu kommt, dass auch in England der Absatz von Wohnmobilen und Wohnanhängern in den letzten beiden Jahren während der C. Zeit stark angestiegen ist und für die wird es ja dann auch irgendwann zu eng. Das führt dann zu Kuriositäten wie folgender: der Camping und Caravaning Club in Folkestone ist für Caravans, also für PKW mit Wohnanhänger nicht befahrbar und somit nicht nutzbar, weil die Zugangsstraße zu eng ist. Wie sagt der Engländer so schön, shit happens…. 

7. Die berühmte Höflichkeit der Engländer wirkt sich auch im Straßenverkehr aus. Wenn es zu eng wird, bleiben sie stehen, viele fahren sogar zurück zu einer breiteren Stelle, wo ein Vorbeikommen wieder möglich ist. Gehupt wird hier äußerst selten, passiert ist es uns bisher nur einmal, als Tommy unseren Ludwig im ampelgeregelten Kreisverkehr mit Riesenbaustelle in der falschen Spur einfädelte und dann einfach die Spur wechselte (was er allerdings eine ganze Rotphase über mit dem Blinker angezeigt hatte).


Das soll an Eindrücken erstmal reichen. Weiter geht’s dann im nächsten Beitrag.

Montag, 15. August 2022

unsere Großbritannien Reise: Deutschland bis Dover

An einem schönen Mittwoch im August, genauer gesagt der 1. Mittwoch dieses Monats, brachen wir nach langen Vorbereitungen auf in unseren Urlaub in Großbritannien. Unser Ludwig durfte sich in den letzten Wochen über viel Aufmerksamkeit freuen, wurde geputzt, beladen und hier und da noch kleinere Schönheitsreparaturen oder Verbesserungen vorgenommen. Wir hatten 4 Tage Zeit, um vom Thüringer Wald nach Calais in Frankreich zu gelangen, von wo wir bereits vor längerer Zeit die Fähre nach Dover gebucht hatten. 

Der erste Tag sollte der längste Tag werden und er war auch der anstrengendste bisher, weil es an diesem Tag einfach unsäglich heiß war. Der Ludwig besitzt keine Klimaanlage und so haben wir ordentlich geschwitzt und fleißig Wasser wieder zugeführt. Jamie sah am Ende des Tages besonders fertig aus, obwohl er eigentlich überhaupt nichts machen musste, aber das Sitzen im Kindersitz ist eben auch nicht besonders angenehm, vor allem nicht bei diesen Temperaturen. Wir wollten einen Zwischenstopp in Trier einlegen und haben uns deshalb für einen abgelegenen Stellplatz in Fell, ein paar Kilometer von Trier entfernt, entschieden. Auf dem Parkplatz des Besucherbergwerks standen wir über Nacht ganz allein und außer den Flugzeugen über uns und den zwitschernden Vögeln hört man dort gar nichts. 

Tag zwei führte uns nach einem Abstecher nach Trier bereits nach Belgien und dort übernachteten wir wieder an einer alten Mine, die zu einem Museum umfunktioniert wurde. Die Blegny Mine ist eine tolle location und hat einiges zu bieten: Restaurant, mehrere Spielplätze, das Museum und wunderbar gepflegte Anlagen. Der Stellplatz war übrigens umsonst und man konnte sogar Frischwasser tanken und Toilette/ Abwasser/ Müll entsorgen. Der Tag war wieder heiß gewesen aber am Abend kam endlich die Erlösung: der einsetzende Regen kühlte die Luft angenehm runter. An der Tankstelle erlebten wir am nächsten Morgen eine Überraschung, denn es wollte einfach kein Diesel aus der Pistole kommen. Wir erfuhren dann vom Tankstellen Mitarbeiter, dass es in Belgien üblich ist, vor dem Tanken zu bezahlen. Entweder man zahlt an der Zapfsäule mit Karte oder man zahlt drinnen mit Bargeld. Sollte man zu viel bezahlt haben, geht man mit seinem Kassenzettel wieder rein und lässt sich die Differenz auszahlen. Mit dieser Umständlichkeit kann man den Leuten das Bargeld aber auch madig machen. 

An die belgische Straßenführung in den Städten muss man sich auch erstmal gewöhnen. Vor einem Kreisverkehr gibt es meistens eine Spur für Rechtsabbieger, die gar nicht erst durch den Kreisel geht. So existiert eine, meist sogar durch einen Grünstreifen, abgegrenzte Spur, die später wieder dem Hauptverkehr zugeführt wird. Besonders gefährlich ist das beim Rechtsabbiegen von der Hauptspur weil uns die Vorfahrtsregel nicht so ganz klar war. Die dritte Nacht verbrachten wir ebenso in Belgien, aber schon sehr nah an der französischen Grenze. Der Übergang zwischen beiden Ländern ist aufgrund der gleichen Sprache recht flüssig und irgendwann merkt man dann, dass man doch schon in Frankreich ist. Für die Nacht standen wir in einem kleinen Hafen an der Schelde (so heißt der Fluß) und dort herrschte reger Binnenschifffahrtsbetrieb. Als wir dort ankamen, beförderte gerade ein Kapitän seinen auf dem Boot mitgeführten PKW mittels Mini-Kran an Land und da hatte Jamie natürlich was zu gucken! Hier konnten wir Jamie aufgrund der Gefahr mit dem Wasser nicht so ungestört spielen lassen wie die letzten beiden Nächte, aber irgendwann hat er es dann verstanden und sich auch daran gehalten, dass er ohne uns nicht zum Wasser durfte. 

Am nächsten Tag fuhren wir durch gefühlt 40 Kreisverkehre in Frankreich bis wir nach kleinen Zwischenstopps (Aldi und Tankstelle) in Calais ankamen. Wir bevorzugen das Freistehen aber für Calais wurde uns dringend davon abgeraten, weil dort dubiose Gestalten versuchen, in die Autos und Wohnmobile einzubrechen und sich als blinde Passagiere nach England übersetzen zu lassen. Wird man mit solch einem ungefragten Gast erwischt, zahlt man eine hohe Geldstrafe und wird, entsprechend den Hinweisschildern am Fährterminal, von zukünftigen Reisen auf die Insel ausgeschlossen. So landeten wir auf einem umzäunten Stellplatz für 10 Euro, 15 Minuten entfernt vom Terminal und liefen nach dem Essen runter zum Strand, wo wir Jamie überhaupt nicht wieder aus dem Wasser bekamen. So ausgelassen haben wir ihn schon lange nicht mehr erlebt, es war die reinste Freude, ihn beim Wellenspringen und Steine schmeißen zu beobachten. Keine Ahnung, ob das in Frankreich so üblich ist, aber dort gibt es keine Strandkörbe, sondern kleine Strandhütten. Sie sind nicht besonders groß, aber man kann seine Habseligkeiten drin verstauen und sich ordentlich umziehen. Meistens sah man ganze Großfamilien vor diesen Hütten campieren. 

Die letzten Tage war Jamie immer schon weit vor 8 Uhr munter gewesen aber gerade an diesem Morgen, wo wir eine Fähre zu erwischen hatten, wollte Jamie einfach nicht aufstehen und auch nicht Frühstücken. Da heißt es ruhig bleiben, was uns leider nicht immer gelingt. Wir kamen zwar rechtzeitig vom Platz runter und auch rechtzeitig zum final boarding zum richtigen Terminal aber trotzdem sagte man uns, dass wir die nächste Fähre nehmen müssten, weil wir zu spät seien. Unsere Abfahrt verschob sich damit von 10:30 Uhr auf 11:50 Uhr. Blöd, wenn man ein Kind zu bespaßen hat. Irgendwie bekamen wir die Zeit rum und dann konnten wir endlich in den Bauch der Fähre fahren – so hatten wir Jamie das Prozedere erklärt: Auf der einen Seite in den Bauch rein und auf der anderen Seite wieder aus dem Bauch raus. Dann schnell den bereits gepackten Rucksack geschnappt und nach oben begeben um noch einen Sitzplatz am Fenster zu ergattern. 

1,5 Stunden später war alles schon wieder vorbei und wir warteten noch eine halbe Ewigkeit, bis wir endlich runter zu den Autos gelassen wurden. Da mussten wir uns dann richtig sputen, denn die meisten Insassen saßen bereits in ihren Autos, die Motoren liefen schon und die Klappe vorn war auch schon offen. Da hatte wohl jemand vom Personal ein wenig getrieft. Nun ja, wir schafften es gerade rechtzeitig in den Ludwig und gerade als wir Jamie angeschnallt hatten, bewegte sich bereits unser Vordermann. Nun hieß es improvisieren, schnell eine Entscheidung treffen wo wir als erstes hinwollen, Navi schnappen und Ziel eingeben während Tommy unseren Ludwig sicher durch das Hafengewühl manövrierte. Alles weitere erfahrt Ihr dann beim nächsten Mal. Wie heißt es so schön: 


 

to be continued…… 

 






 

Samstag, 7. Mai 2022

Ein weiterer kleiner Ausflug im Mai

 

Anfang Mai brachen wir erneut auf einen Kurztrip auf. Dieser dauerte lediglich 4 Tage und wir hielten uns nicht unweit der Heimat auf. Wir lieben das Gefühl der Freiheit in unserem Ludwig und die Möglichkeit, kleinere Exkursionen etwas entspannter angehen zu können. Die Ziele hätten wir auch als Tagesausflüge von zu Hause besuchen können aber wer mit Kleinkind reist, weiß dass dies nur in der Theorie so schön einfach klingt. Bis das Kind dann endlich mal angezogen ist und im Auto sitzt, ist eigentlich schon wieder Zeit für den Mittagsschlaf und obwohl die Autofahrt nun die perfekte Zeit für ein Nickerchen wäre, finden die Kleinen meist erst 5 Minuten vor Ankunft in den Schlaf. An einen entspannten Besuch im Tierpark / Spaziergang oder Entdeckungstour am Ziel ist dann nicht mehr zu denken.  Das bedeutet nun leider nicht, dass Jamie während dieser Tage immer schön ausgeschlafen und fit war denn der Schlafrhythmus ist trotzdem gestört. Aber im Wohnmobil kann man sich glücklicherweise einfach mal hinlegen und versuchen, ob man sein Kind vom Schlafen überzeugen kann.

Die erste Etappe führte uns in die Kurstadt Bad Salzungen in den Wartburgkreis. Die Stadt ist überschaubar und bietet erstaunlich viele schön angelegte Themenspielplätze (Piratenschiff, Burg etc), die alle fußläufig zu erreichen sind. Während wir vor einigen Jahren noch kilometerweit durch die Stadt gelaufen wären um Fotos von Sehenswürdigkeiten, kleinen versteckten Gassen und liebevollen Details zu schießen, sitzen wir heute auf einem Spielplatz und schauen unserem Kind dabei zu, wie es glücklich zum 53. Mal allein die große Rutsche hinunter saust. Bilder entstehen on-the-go wenn man mal was interessantes sieht. So verschieben sich die Prioritäten! 

Etappe zwei führte uns in das Biosphärenreservat Rhön zur Besucherplattform „Noahs Segel“. Die Plattform bietet einen Panoramablick über die gesamte Rhön von Thüringen bis nach Bayern und Hessen. Die Plattform ist 21 Meter hoch und über eine Treppe zugänglich. Hier befindet man sich in 830 Meter über dem Meeresspiegel. Den Weg hinunter kann man abkürzen über die Abenteuerrutsche. Für dessen Nutzung stört es Kinder auch nicht, die Treppen 10-, 20- oder 30-mal zu nehmen wo man doch vorher eigentlich total müde und zu keinem weiteren Schritt in der Lage war. Für Jamie war die Rutsche noch ein wenig zu steil und schnell, er traute sich nicht und so rutschte der Papa eben alleine. Für ältere Kinder ist der Aussichtsturm, vor allem durch die Abenteuerrutsche sicherlich ein tolles Ausflugsziel, aber für Kleinkinder eher ungeeignet.

Nicht weit entfernt von Noahs Segel befindet sich die Erlebniswelt Rhönwald mit der „Arche Rhön“. Wir nutzten nur den Spielplatz aber für den Eintrittspreis von 3 Euro bekommt man noch mehr geboten. Verschiedene Themen – Hütten mit Ausstellungen über die Rhön, einen Barfußpfad, Fledermaushöhle, Waldschule, Besucherzentrum Arche Rhön und diverse Lehrpfade. Für Kleinkinder eher ungeeignet aber für größere Kinder und Erwachsene sicherlich sehr informativ und interessant. Auch hier befand sich eine Röhrenrutsche. Sie war wesentlich kleiner als die beim Segel aber Jamie war von ihrer Nutzung nicht zu überzeugen. Erst ganz zum Schluß entdeckte er, wieviel Spaß man auf dieser Rutsche haben konnte und wollte sie dann – wie sollte es anders sein- nicht mehr verlassen.

Die Nacht verbrachten wir ganz idyllisch an einem der zahlreichen kleinen Seen in der Gegend.

Tag 3 brachte uns auf die Wasserkuppe im hessischen Landkreis Fulda. Mit 950m ü. NHN ist die Wasserkuppe der höchste Berg der Rhön und die höchste Erhebung in Hessen. Auf der „Wiege des Segelflugs“ konnten wir zahlreiche Segelflieger beim Starten, Segeln und Landen beobachten und erfuhren später bei einem Small Talk mit einem der Fluglehrer, dass es sich hierbei größtenteils um Offiziers Anwärter der Bundeswehr (Luftwaffe) handelte, die hier eine Teambuilding Maßnahme absolvierten. Die Wasserkuppe hat, was den Tourismus anbelangt, in den letzten Jahren wahnsinnig aufmunitioniert und so hat sich zu Besucherzentrum und Verkaufsstraße ein Kletterwald, Sommerrodelbahn, Abenteuerspielplatz, Holzkugelbahn und ein Feriendorf gesellt. Hier hätten wir sogar die Nacht auf dem Stellplatz verbringen können aber die Preisgestaltung ist etwas unglücklich geraten. 5 Euro für Wohnmobile für 24 Stunden, wobei das Ticket bis genau 23:59 Uhr gilt. Rein theoretisch müßte man sich um Mitternacht nochmal zum Parkautomaten begeben, um nochmal ein Ticket zu lösen. Warum man die 24 Stunden nicht nach Kauf des Tickets zählt, verstehen wir nicht so recht.

Eigentlich wollten wir ja an diesem Tag noch in den Wildpark bei Gersfeld, aber die Zeit war schon stark vorangeschritten. Somit planten wir diesen Ausflug für unseren letzten Tag ein und parkten direkt beim Wildpark auf dem Wohnmobilstellplatz, wo das Parken über Nacht nicht verboten ist. Wir waren also am nächsten Tag verhältnismäßig früh im Park (also wir sprechen hier von unseren Verhältnissen: Öffnung 9 Uhr schafften wir natürlich nicht) und hatten genügend Zeit, die Tiere im Park zu suchen und, wo erlaubt, zu füttern. Wir befürworten solche Parks nicht und bevorzugen immer Tiere in der freien Wildbahn, aber wo oder wann hat man schon mal die Gelegenheit, einem Kind so viele unterschiedliche Tiere zu zeigen und hat dann noch Zeit, sie zu betrachten, ohne dass sie gleich im nächsten Gebüsch verschwinden?

Ein paar Stunden später waren wir schon wieder zu Hause und entluden unseren Ludwig. Gerade als sich Jamie an die Routine im Wohnmobil gewöhnt hatte, rissen wir ihn schon wieder heraus. Wir sagten ihm lieber noch nicht, dass er am nächsten Tag wieder in den Kindergarten gehen würde….