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Sonntag, 7. Juli 2024

Unsere Skandinavien Reise Teil 6 - endlich auf den Lofoten

 

Vom Polarkreis nach Rusånes, ein Tag der vielen Fotostopps 

Die Nacht war erstaunlich mild, Katja hat es ohne Schlafsack geschafft (ein guter Indikator für die nächtlichen Temperaturen). Wir haben es nicht mehr so eilig, nach Bodø zu kommen, wo die Fähre auf die Lofoten ablegt, und so lassen wir es ruhig angehen. Wir schreiben noch unsere Postkarten (ja in Echt, auf Papier mit Briefmarke und so) und werfen diese in den Polarkreis Briefkasten. Wir hoffen, dass sie einen extra schönen Poststempel bekommen werden! Wir fragen uns, wo so früh schon wieder all die Leute herkommen, bereits gegen 9 Uhr ist schon wieder Verkehr wie auf einem Rummelplatz. Das Polarkreis Center steht im Niemandsland, keine Ahnung wann und wo die anderen Reisenden ihren Tag beginnen. Für heute haben wir keine lange Strecke, dafür aber einige Fotostopps geplant und so parken wir nach einigen Kilometern an der Straße und Katja läuft los, um den wilden Lønselva zu fotografieren, der neben der Straße ins Tal stürzt. Direkt an der Straße möchte sie aufgrund der rasenden LKWs nicht laufen und findet einen kleinen Weg durch den Wald, der direkt zu einer kleinen Felsenlandschaft führt, von wo man den Fluss wunderbar beobachten kann. Sie läuft also zurück, um ihre beiden Männer zu holen und gemeinsam schauen wir uns das Wasserspektakel an. Leider findet Jamie so gut wie keine Steine zum ins Wasser werfen, das gibt leider einen Punkt Abzug bei unserer Gesamtbewertung (grins). 

Auf dem Hinweg hatten wir gestern mehrere Hängebrücken gesehen, die wir heute eigentlich mal testen wollten, aber heute entgehen sie unseren Blicken (bis auf eine, dort kam man aber aufgrund des sumpfigen Gebietes nicht hin). Beim nächsten Stopp kurz hinter einer Brücke treffen wir mit einem älteren deutschen Pärchen zusammen, das ihren Rastplatz und die dazugehörige Picknickbank unerschrocken verteidigt. Dabei wollten wir doch nur kurz Bilder machen. Irgendwie typisch Deutsch, dieses Besitzdenken (meins!). Schade, die Hängebrücke haben wir also verpasst, aber wir fahren weiter und halten kurz für Elche an der Straße, werden dafür aber von zwei LKWs ausgehupt und fast über den Haufen gefahren, die viel zu schnell die E6 entlang donnern. 

Noch ein paar Kilometer weiter stoppen wir am Saltdal Touristsenter (das wird wirklich so geschrieben) und machen uns bereit für eine längere Wanderung. Bei uns heißt das, wir packen neben den Kameras auch was zu Trinken und was zu Essen ein. Wir haben Jamie damit gelockt, heute über eine Hängebrücke zu gehen, das steht noch aus. Die Wanderung verläuft nicht so, wie wir uns das vorgestellt hatten, denn sie scheint entgegen der Wanderkarte auf dem Parkplatz kein Rundwanderweg zu sein. Wir steigen den Berg hinauf, es geht immer höher und immer steiler aber ein Ende ist nicht in Sicht. Bei den Beinen unseres Kindes bahnt sich wieder eine Funktionsstörung an und Hunger hat es auch. Katja kann Tommy irgendwann mit Hilfe von Google Maps davon überzeugen, dass es wohl kein Rundwanderweg ist und so kehren wir wieder um. 

Wieder unten angekommen, haben wir uns ein kleines Eis verdient. Außerdem hat sich Tommy die Beschwerden von Katja bezüglich dreckiger Scheiben zu Herzen genommen. Zielstrebig schnappt er sich den Putzeimer von der Tankstelle und bearbeitet unsere Scheiben. Der Durchblick danach ist bombastisch! Dann geht es weiter. Wieder ein paar Kilometer zu unserem heutigen Stellpatz in Rusånes. Beim Finden beweist unser Navi wieder mal seine Inkompetenz und ist am Ende fast noch beleidigt, dass wir nicht den traktorgeeigneten Feldweg ins Nichts nehmen und lieber wieder umkehren. Der Platz ist so ruhig, dass wir dort noch nicht mal Internet für den Sandmann haben, aber Jamie schafft es auch ohne ins Bett. Bevor wir ins Bett gehen, genießen wir gegen Mitternacht noch einen blutroten Himmel, der auch gut als Abendröte durchgehen könnte, wenn man nicht auf die Uhr schaut. Wir sind ja nun oberhalb des Polarkreises und inzwischen haben wir noch nicht mal mehr eine Abenddämmerung.




kurze Fahrt nach Bodø

Heute soll es also nach Bodø gehen und auch heute können wir uns wieder Zeit lassen. Zwischendurch gibt’s zwei Fotostopps, aber wir sind trotzdem schon um die Mittagszeit am Zielort angelangt. In der Nähe des Fährhafens gibt es mehrere kostenpflichtige Stellplatzmöglichkeiten und wir haben uns für den Parkplatz hinter der Esso Tankstelle entschieden. Wir zahlen 200 NOK ohne Strom und können dafür aber auch ver- und entsorgen (was die anderen Plätze nicht haben). Der Tag ist noch jung, was tun? Jamie hat heute zu nichts Lust, er legt sich demonstrativ hinten ins Bett und hört seine Geschichten. Toll, den bekommen wir heute nicht zum sightseeing. Das Stadtzentrum wäre aber sowieso viel zu weit weg….. Wir entschließen uns, den Dreckspatz Ludwig in der Selbst-Waschanlage von mehreren Wochen Dreck zu befreien und Tommy ist eine ganze Weile damit beschäftigt. Wir zahlen dafür 120 NOK und zu Hause hätten wir das für den Preis nicht bekommen. Tommy möchte die Stadt erkunden also bleibt Katja bei Jamie und sie vertreiben sich die Zeit mit Spielen. Als Tommy wieder da ist, gehen wir kurz zum Bäcker nebenan und kaufen bei Biltema (der mit den schwedischen Preisen) einen neuen 15 Liter Kanister für Frischwasser. Wir lassen den Tag nicht so spät ausklingen, weil wir morgen 7 Uhr die Fähre auf die Lofoten nehmen wollen. Tommy entsorgt noch, Wasser haben wir vorher schon aufgefüllt. Außerdem räumen wir bereits auf und Frühstück ist auch schon geschmiert und in Brotbüchsen verpackt. Den Wecker stellen wir auf 5:30 Uhr……



mit der Fähre auf die Lofoten

Der klingelt gefühlt kurz danach und wir stehen auf. Jamie wird nicht wach, aber da wir in der Fährschlange sowieso warten müssen, lassen wir ihn einfach liegen. Es sind ja nur ein paar Meter bis zum Terminal. Dort stehen so gut wie keine Autos, das ist irgendwie verdächtig, aber es ist ja noch eine ganze Stunde Zeit. Wir warten gar nicht lange, da wird bereits das Ticket kontrolliert (wieder kein Wort über das Ausschalten der Gasanlage bei Wohnmobilen) und wir können auf die Fähre fahren. Dann geht alles doch recht schnell, wir schmeißen Jamie sanft aus dem Bett, ziehen ihn an und verlassen unseren Ludwig. Wir suchen uns einen Platz auf der Fähre und packen unser Frühstück aus. Die Fähre verlässt den Hafen so ca. 6:30 Uhr, vermutlich war sie bereits voll und muss auf niemanden mehr warten. 

Die Details darüber, wie wir uns 3,5 Stunden beschäftigt haben, möchten wir Euch ersparen. Wir fahren in Moskenes von der Fähre und 95% der Wohnmobile biegen an der Kreuzung nach links ab in Richtung Å (oder auch Å i Lofoten, für diejenigen die es etwas länger mögen). In der Siedlung wohnen rund 100 Einwohner und im Sommer kann man sicherlich eine 0 dranhängen, denn die meisten Hütten sind Touristenunterkünfte. Das Ende der Straße erreicht man durch einen Tunnel und weiter südlich kommt man auf den Lofoten mit dem fahrbaren Untersatz nicht. Von hier an bewegt man seine Beine, hüpft von Stein zu Stein über nasse Moospolster und genießt den Ausblick auf den letzten Zipfel Lofoten-„Festland“ und die beiden Vogelinseln Værøy und Røst

Außerdem kann man von hier in die Siedlung laufen, sich einen Weg bahnen um die vielen Stelzenhäuser herum auf der Suche nach einer Brücke über die Wasserarme, um die viel befahrene Hauptstraße zu meiden. Die Hälfte der Siedlung besteht aus Gebäuden, die dem Fischereimuseum angehören, dort hängen auch ein paar Stockfische zu Demonstrationszwecken. Überall sieht man die leeren Stockfischgestelle, die vermutlich zu einer anderen Jahreszeit gefüllt werden. Alles über die Stockfischerei kann man im weltweit einzigartigen Stockfischmuseum erlernen (Tørrfisk-Museum) aber für Jamie wäre das sicherlich nicht sonderlich interessant gewesen. Bei ihm setzt schon wieder der „wann-gehen-wir-endlich-zurück-Modus“ ein. Zurück im Ludwig gibts nen kleinen Snack und vom Gefühl her ist es Nachmittag, aber da wir unseren Tag so früh begonnen hatten, ist es gerade mal Mittagszeit. Der Parkplatz hat sich mittlerweile gut gefüllt, klar denn er bietet die einzige Möglichkeit zum Parken für alle möglichen fahrbaren Untersätze. Wie soll der Tag nun weitergehen? 

Wir entscheiden uns für Moskenes, wo die Fähre angelegt hatte und fahren dort auf den Campingplatz. Weil es noch so früh ist, ergattern wir einen der besten Plätze oben auf dem Berg. Gerade als Tisch und Stühle draußen aufgestellt sind, zieht es sich zu und später regnet es sogar für eine knappe Stunde. Nicht schön aber bisher sehr selten während unserer Zeit in Norwegen. Katja darf heute ein wenig fotografieren gehen und Tommy bespaßt währenddessen Jamie. Der Fotoausflug stellt sich allerdings als nicht so ergiebig heraus, denn vom Fährhafen kommt man als Fußgänger nicht weit, es sei denn man bevorzugt das Laufen am eigentlich nicht existenten Seitenstreifen der stark befahrenen Straße. Als Jamie im Bett liegt, beobachten wir interessiert nach jedem Eintreffen der Fähre im Hafen, wie die Neuankömmlinge auf den Campingplatz strömen und die Sucherei nach dem besten aller Stellplätze von vorne beginnt. Schon merkwürdig, wie Leute erwarten können, 22:30 Uhr auf einen fast vollen Platz zu fahren und die tollste Aussicht zu bekommen. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.


Lofoten Sightseeing in Reine und Hamnøy und ganz viel Stockfisch

Ein neuer Tag, grauer Himmel und dementsprechend kühlere Temperaturen. Viele Kilometer sind wir heute nicht gefahren aber wir haben einige Fotostopps eingelegt. Das erste Mal parken wir in Reine auf dem einzigen Platz, der groß genug ist, um viele Wohnmobile beherbergen zu können. Aber der kostet natürlich (für 1,5 Stunden 35 NOK) und deshalb gibt es einige Womo Fahrer, die sich lieber im Ort irgendwo hinquetschen, wo es eigentlich zu eng für sie ist. Wir stellen wiederholt fest, dass wir zu anständig dafür sind. Wir laufen die paar Meter auf die Brücke am Ortseingang zurück, wo man das berühmte Postkartenmotiv von Reine fotografieren kann, das die meisten mit den Lofoten in Verbindung bringen. Leider hat es keinen blauen Himmel heute, aber so ist das eben mit dem Wetter. 

Was gestern in Å an Stockfisch gefehlt hat, ist heute in Massen vorhanden, fast alle Gestelle sind voll behangen. Dabei werden die Körper getrennt von den Köpfen getrocknet. Von einem Schild lernen wir, dass der Dorsch noch wie zu Wikingerzeiten im Februar /März im Fischerdorf zum Trocknen auf den Gestellen aufgehängt wird, gesalzen wird nicht zusätzlich, das erledigt das Salzwasser. Trocken ist der Fisch dann im Juni (heute ist der 1. Juni und wir schauen beim „Ernten“ zu), er wird abgenommen und im Lager nach 20 verschiedenen Qualitäten sortiert, verpackt und dann ins Ausland verkauft. Die Köpfe gehen nach Nigeria, wo man sie in der traditionellen einheimischen Küche verwendet. 

Wir verlassen Reine und stehen an einer Ampel (nicht die letzte heute) und haben zwei Speed-Fahrräder vor uns (die sehen fast aus wie Rollstuhl-Fahrräder). Wahnsinn, dass man sich auf diesen engen Straßen mit so was fortbewegen muss! Die sind so klein, dass der Sensor der Ampel sie nicht erfasst und wir beim Warten auf Grün eine Ehrenrunde drehen. Während wir warten, drängeln sich noch andere Fahrräder nach vorne und wir müssen beim Abbiegen schon wieder höllisch aufpassen, niemanden von denen über den Haufen zu fahren. Der Übergang zum Nachbarort ist fast fließend, Hamnøy kennt man ebenfalls aus den Lofoten Prospekten der Reisebüros. Und seit heute wissen wir auch warum: In Hamnøy leben nur ca. 100 Menschen, die fotogenen traditionellen roten Fischerhäuschen, genannt Rorbuer, werden fast ausschließlich an Touristen vermietet. Wir laufen ein wenig im Dorf umher und es wirkt wie ausgestorben. 

Über einige Rorbuer ist gerade die Putzkolonne hergefallen aber die Hauptreisezeit scheint hier noch nicht angebrochen zu sein. In Ermangelung eines passenden Parkplatzes fahren wir an der Stelle vorbei, wo man die Postkartenmotive des Orts fotografieren kann, denn der Seitenstreifen wird gerade von anderen Wohnmobilen in Beschlag genommen. Schade. Ganz generell ist die Stellplatzsituation gelinde gesagt sehr beschränkt in den Lofoten, denn die meisten Freisteher Plätze sind inzwischen mit „No Camping/ no overnight parking“ Schildern übersäht. Die Plätze, wo man noch kostenlos irgendwo stehen kann, befinden sich unmittelbar an einer Straße, meistens noch die stark befahrene E10 und darauf haben wir keine Lust. Deswegen fahren wir noch eine knappe Dreiviertelstunde in das Dorf Vitken, wo wir zwar auch an der Straße stehen, aber es handelt sich um eine wenig befahrene Straße. Unsere Hausbatterie hat es uns gedankt, denn die Sonne fehlt uns momentan für unsere Stromversorgung. Wir laufen noch ein wenig am Strand und im Ort umher und dann ist es auch schon wieder Zeit für das Abendprogramm.




von Vitken zum Lofotr Wikingermuseum in Bøstad

Der Bauer ist gestern noch bis Mitternacht mit seinem Traktor hin und her gefahren, denn es ist noch taghell und man kann wunderbar weiterarbeiten. Wir haben uns dabei gefragt, wie sich die Polartage und -nächte wohl auf die Pflanzen- und Tierwelt auswirken. Wir erwachen an einem grauen Morgen und es tröpfelt immer mal wieder. Außerdem wird’s auch nicht richtig warm im Ludwig. Der Wetterbericht sagt Regen für die kommenden Tage voraus sowie Tageshöchsttemperaturen von 9 bis 12 Grad. Na wunderbar! Wir brechen auf und legen ein kleines Stück des gestrigen Weges auf der einspurigen Straße zurück. Ziel ist der Haukland Strand, der mit seinem weißen Sand und den ihn hohen umgebenen Bergen ein tolles Fotomotiv hergibt, aber mit blauem Himmel und Sonnenschein wirkts halt doch besser als mit weißem /grauen Himmel. 


Wir sichten einige Zelte und manch einer putzt sich gerade die Zähne, als wir auf dem Parkplatz ankommen. Wenn man bedenkt, dass es einigen Mitreisenden heute Morgen im Ludwig schon fast zu kalt war….. hoffen wir für die Zeltschläfer, dass sie gute Baumwollunterwäsche haben! Nach ein paar Fotos geht’s weiter durch den Tunnel, obwohl wir vermuten, dass es dort nicht weitergeht. Ein Stellplatz ist ausgeschrieben, aber er kostet laut Internetrecherche 250 NOK, hat aber außer der Aussicht und einem Klo nichts zu bieten. Der Tunnel ist zwar breit genug für Gegenverkehr aber nur einspurig bemalt, denn man hat links und rechts Platz für Fußgänger (?) gelassen. Und dass, wo es doch Wanderwege um den Berg herum gibt und für das Wandern kommen die meisten Besucher bei diesem Wetter her. Es gibt genügend Ausweichstellen im Tunnel, so dass man bei Gegenverkehr nicht rückwärts wieder rausfahren muss. Wir gucken, machen nicht mal ein Foto und kehren wieder um. 


Bevor wir zum Strand gefahren sind, waren wir noch fix in Leknes einkaufen. Wir sahen den großen Supermarkt und freuten uns schon auf ein großes Sortiment, als wir ein Schild sehen, dass man sonntags bitte den linken Eingang benutzen soll. Dort hat man eine Miniversion des Supermarkts eingerichtet mit einem abgespeckten Warenangebot und 4 kleinen Regalen. Vermutlich möchte man sonntags Personal einsparen. 

Ein Blick in die Stellplatz Apps und in den Reiseführer klärt uns darüber auf, dass man am Lofotr Wikingermuseum in Bøstad auch über Nacht stehen kann und so fahren wir dorthin. Schon von weitem sieht man die schier endlosen Wohnmobile auf dem Parkplatz. Wahnsinn, wie sich der Touristenstrom an einigen Stellen immer wieder bündelt. Ins Museum gehen wir nicht, weil unser Sohnemann heute zu gar nichts Lust hat. Auf den kleinen Spaziergang zum Spielplatz lässt er sich gerade noch ein. Dort treffen wir auf zwei norwegische Jungs Oliver und Kent mit ihrem Fußball, die Jamie mitspielen lassen. Als Tommy die zwei fragt, ob sie englisch sprechen, möchte Katja schon losprusten – was soll man bitte von 8-jährigen erwarten? Aber zu unserer Überraschung sprechen sie sehr gut Englisch und können sogar ganz alltägliche Situationen beschreiben. Sie unterhalten sich sogar Jamie zuliebe auf Englisch, bis sie kapieren, dass Jamie sie überhaupt nicht versteht. 

Zurück am Ludwig hat sich der Parkplatz gelichtet, fast alle Wohnmobile sind weg. Wissen die mehr als wir? Auf dem ganzen Parkplatz und auch im Kassen- und Eingangsbereich des Museums finden sich keine Hinweise für ein Übernachtungsverbot, die allgemeinen „no-camping-Schilder“ glänzen ebenfalls durch Abwesenheit. Tommy klopft an die Tür von einem deutschen Wohnmobil, das sich scheinbar auf die Nacht eingestellt hat und kommt mit denen ins Gespräch. Sie bleiben auch, sie geben morgen im Museum Geld aus, „die können uns mal den Buckel runterrutschen“. Nagut, wir bleiben auch und lassen uns überraschen. 



Montag, 15. August 2022

unsere Großbritannien Reise: Deutschland bis Dover

An einem schönen Mittwoch im August, genauer gesagt der 1. Mittwoch dieses Monats, brachen wir nach langen Vorbereitungen auf in unseren Urlaub in Großbritannien. Unser Ludwig durfte sich in den letzten Wochen über viel Aufmerksamkeit freuen, wurde geputzt, beladen und hier und da noch kleinere Schönheitsreparaturen oder Verbesserungen vorgenommen. Wir hatten 4 Tage Zeit, um vom Thüringer Wald nach Calais in Frankreich zu gelangen, von wo wir bereits vor längerer Zeit die Fähre nach Dover gebucht hatten. 

Der erste Tag sollte der längste Tag werden und er war auch der anstrengendste bisher, weil es an diesem Tag einfach unsäglich heiß war. Der Ludwig besitzt keine Klimaanlage und so haben wir ordentlich geschwitzt und fleißig Wasser wieder zugeführt. Jamie sah am Ende des Tages besonders fertig aus, obwohl er eigentlich überhaupt nichts machen musste, aber das Sitzen im Kindersitz ist eben auch nicht besonders angenehm, vor allem nicht bei diesen Temperaturen. Wir wollten einen Zwischenstopp in Trier einlegen und haben uns deshalb für einen abgelegenen Stellplatz in Fell, ein paar Kilometer von Trier entfernt, entschieden. Auf dem Parkplatz des Besucherbergwerks standen wir über Nacht ganz allein und außer den Flugzeugen über uns und den zwitschernden Vögeln hört man dort gar nichts. 

Tag zwei führte uns nach einem Abstecher nach Trier bereits nach Belgien und dort übernachteten wir wieder an einer alten Mine, die zu einem Museum umfunktioniert wurde. Die Blegny Mine ist eine tolle location und hat einiges zu bieten: Restaurant, mehrere Spielplätze, das Museum und wunderbar gepflegte Anlagen. Der Stellplatz war übrigens umsonst und man konnte sogar Frischwasser tanken und Toilette/ Abwasser/ Müll entsorgen. Der Tag war wieder heiß gewesen aber am Abend kam endlich die Erlösung: der einsetzende Regen kühlte die Luft angenehm runter. An der Tankstelle erlebten wir am nächsten Morgen eine Überraschung, denn es wollte einfach kein Diesel aus der Pistole kommen. Wir erfuhren dann vom Tankstellen Mitarbeiter, dass es in Belgien üblich ist, vor dem Tanken zu bezahlen. Entweder man zahlt an der Zapfsäule mit Karte oder man zahlt drinnen mit Bargeld. Sollte man zu viel bezahlt haben, geht man mit seinem Kassenzettel wieder rein und lässt sich die Differenz auszahlen. Mit dieser Umständlichkeit kann man den Leuten das Bargeld aber auch madig machen. 

An die belgische Straßenführung in den Städten muss man sich auch erstmal gewöhnen. Vor einem Kreisverkehr gibt es meistens eine Spur für Rechtsabbieger, die gar nicht erst durch den Kreisel geht. So existiert eine, meist sogar durch einen Grünstreifen, abgegrenzte Spur, die später wieder dem Hauptverkehr zugeführt wird. Besonders gefährlich ist das beim Rechtsabbiegen von der Hauptspur weil uns die Vorfahrtsregel nicht so ganz klar war. Die dritte Nacht verbrachten wir ebenso in Belgien, aber schon sehr nah an der französischen Grenze. Der Übergang zwischen beiden Ländern ist aufgrund der gleichen Sprache recht flüssig und irgendwann merkt man dann, dass man doch schon in Frankreich ist. Für die Nacht standen wir in einem kleinen Hafen an der Schelde (so heißt der Fluß) und dort herrschte reger Binnenschifffahrtsbetrieb. Als wir dort ankamen, beförderte gerade ein Kapitän seinen auf dem Boot mitgeführten PKW mittels Mini-Kran an Land und da hatte Jamie natürlich was zu gucken! Hier konnten wir Jamie aufgrund der Gefahr mit dem Wasser nicht so ungestört spielen lassen wie die letzten beiden Nächte, aber irgendwann hat er es dann verstanden und sich auch daran gehalten, dass er ohne uns nicht zum Wasser durfte. 

Am nächsten Tag fuhren wir durch gefühlt 40 Kreisverkehre in Frankreich bis wir nach kleinen Zwischenstopps (Aldi und Tankstelle) in Calais ankamen. Wir bevorzugen das Freistehen aber für Calais wurde uns dringend davon abgeraten, weil dort dubiose Gestalten versuchen, in die Autos und Wohnmobile einzubrechen und sich als blinde Passagiere nach England übersetzen zu lassen. Wird man mit solch einem ungefragten Gast erwischt, zahlt man eine hohe Geldstrafe und wird, entsprechend den Hinweisschildern am Fährterminal, von zukünftigen Reisen auf die Insel ausgeschlossen. So landeten wir auf einem umzäunten Stellplatz für 10 Euro, 15 Minuten entfernt vom Terminal und liefen nach dem Essen runter zum Strand, wo wir Jamie überhaupt nicht wieder aus dem Wasser bekamen. So ausgelassen haben wir ihn schon lange nicht mehr erlebt, es war die reinste Freude, ihn beim Wellenspringen und Steine schmeißen zu beobachten. Keine Ahnung, ob das in Frankreich so üblich ist, aber dort gibt es keine Strandkörbe, sondern kleine Strandhütten. Sie sind nicht besonders groß, aber man kann seine Habseligkeiten drin verstauen und sich ordentlich umziehen. Meistens sah man ganze Großfamilien vor diesen Hütten campieren. 

Die letzten Tage war Jamie immer schon weit vor 8 Uhr munter gewesen aber gerade an diesem Morgen, wo wir eine Fähre zu erwischen hatten, wollte Jamie einfach nicht aufstehen und auch nicht Frühstücken. Da heißt es ruhig bleiben, was uns leider nicht immer gelingt. Wir kamen zwar rechtzeitig vom Platz runter und auch rechtzeitig zum final boarding zum richtigen Terminal aber trotzdem sagte man uns, dass wir die nächste Fähre nehmen müssten, weil wir zu spät seien. Unsere Abfahrt verschob sich damit von 10:30 Uhr auf 11:50 Uhr. Blöd, wenn man ein Kind zu bespaßen hat. Irgendwie bekamen wir die Zeit rum und dann konnten wir endlich in den Bauch der Fähre fahren – so hatten wir Jamie das Prozedere erklärt: Auf der einen Seite in den Bauch rein und auf der anderen Seite wieder aus dem Bauch raus. Dann schnell den bereits gepackten Rucksack geschnappt und nach oben begeben um noch einen Sitzplatz am Fenster zu ergattern. 

1,5 Stunden später war alles schon wieder vorbei und wir warteten noch eine halbe Ewigkeit, bis wir endlich runter zu den Autos gelassen wurden. Da mussten wir uns dann richtig sputen, denn die meisten Insassen saßen bereits in ihren Autos, die Motoren liefen schon und die Klappe vorn war auch schon offen. Da hatte wohl jemand vom Personal ein wenig getrieft. Nun ja, wir schafften es gerade rechtzeitig in den Ludwig und gerade als wir Jamie angeschnallt hatten, bewegte sich bereits unser Vordermann. Nun hieß es improvisieren, schnell eine Entscheidung treffen wo wir als erstes hinwollen, Navi schnappen und Ziel eingeben während Tommy unseren Ludwig sicher durch das Hafengewühl manövrierte. Alles weitere erfahrt Ihr dann beim nächsten Mal. Wie heißt es so schön: 


 

to be continued……