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Samstag, 29. Oktober 2022

Unsere Großbritannien Reise: die Highlights in England und andere interessante Fakten Teil 1

1. Kreidefelsen entlang der englischen Küste + jüngere Geschichte Englands 

Die Kreidefelsen in Dover bieten Reisenden die erste (oder bei Abfahrt die letzte) Sicht auf das Vereinigte Königreich. Sie spielten bereits im Mittelalter eine wichtige Bedeutung bei der Verteidigung des Landes, wobei sie zwischenzeitlich mehr unter dem Klima zu leiden haben als unter feindlichen Angriffen. So waren sie nach den Eiszeiten steigenden Meeren ausgesetzt und dies (zusammen mit Wettereinflüssen) führt dazu, dass der sehr weiche Kalk starker Erosion ausgesetzt ist und man davon ausgeht, dass jedes Jahr etwa ein Zentimeter der Felsen verloren geht. 

Die Kreidefelsen haben uns die ersten Tage nach unserer Ankunft in England begleitet und wir empfanden ihren imposanten Anblick immer sehr erhaben, aber trotzdem beschwingend. Vielleicht hat es mit dem befreienden Gefühl zu tun, am Meer zu sein und die kreischenden Möwen über sich kreisen zu sehen. Sicherlich trug das allerbeste Sommerwetter zu dieser Grundstimmung bei aber der Besitzer eines Campingplatzes versicherte uns, dass sie bei Sturm und Regen noch viel majestätischer wirken. 

Geschichtsinteressierte haben in England genug Material für ein ganzes Leben; man könnte sich von Kindesalter bis zum Ableben ununterbrochen mit der Geschichte des Vereinten Königreiches beschäftigen und hätte trotzdem nur an der Oberfläche gekratzt. Ein Teil der jüngeren Vergangenheit spielte sich an der südlichen Küste Englands ab, wo die Truppen der Alliierten auf das Kommando für die Übersetzung nach Frankreich warteten, um Europa von den Nazis zu befreien. Entlang der Südküste gibt es unzählige Orte mit historischen Referenzen. Man findet auch militärische Anlagen, die vor den Weltkriegen entstanden sind. So zum Beispiel die Verne High Angle Battery in Portland, die bereits 1892 fertiggestellt wurde und 6 RML 9-Zoll-Geschütze beheimatete. Diese wurden so umgebaut und angebracht, dass sie ihre Munition hoch in die Luft abgaben und man darauf hoffte, dass sie beim Auftreffen auf das Deck eines angreifenden Schiffes größeren Schaden anrichten, als wenn man sie gegen die gut geschützten Seiten abfeuern würde. 1907 wurde die Anlage allerdings schon wieder verlassen. Errichtet wurde sie in einem ehemaligen Steinbruch und beides kann man besichtigen. Wir sind durch Zufall bei unserem Spaziergang darüber „gestolpert“ und freuten uns auf die lost place Atmosphäre und mal etwas andere Fotomotive. 

Historie der anderen Art findet sich an fast jeder Ecke für Eisenbahn Liebhaber. Vielerorts wurden alte Eisenbahnen und Dampfloks vor der Verschrottung bewahrt und liebevoll restauriert. Betrieben werden sie meist durch passionierte Vereine oder private Organisationen und man kann Ausflüge auf ausgewählten ehemaligen Strecken erleben. Leider sind die Fahrten meist sehr teuer, so dass man für sich abwägen muss, wieviel einem die Fahrt in solch einem hübschen Oldtimer wert ist. 

2. Kleine englische Hafenstädte 

Im Süden Englands ist es nicht schwer, einem Hafenstädtchen einen Besuch abzustatten, man stolpert ja förmlich über sie. Es gibt ihrer fast unendlich viele, sie haben alle einen gewissen Charme und leider sind sie im Sommer überlaufen, weil ganz England dort Urlaub macht. Wir haben die meisten gemieden, weil sie so voll waren, dass wir sowieso keinen Parkplatz bekommen hätten, aber einige von ihnen wollen wir trotzdem kurz erwähnen. Das Lesen der Prospekte kann man sich schenken, denn sie werben alle mit gehobenen Boutiquen, Galerien, lokalem Kunsthandwerk, preisgekrönten Restaurants und Pubs und außergewöhnlichen Aktivitäten und Sehenswürdigkeiten. 

Dartmouth: liegt am Fluß Dart und der Hafen mit all seinen Segelbooten, Yachten und Ausflugsschiffen ist schön anzusehen. Dort verkehrt der letzte Kohle betriebene Raddampfer und angeblich kommen auch Kreuzfahrtschiffe regelmäßig nach Dartmouth, obwohl ich mir nicht vorstellen kann, wo die anlegen sollen. Strände gibt es bei so viel Wasser genug und das Dartmouth Castle ist sicherlich auch einen Besuch wert. In Dartmouth ist das Britannia Royal Naval College zu Hause (die königliche Marineschule), wohin das Königshaus regelmäßig seine Söhne zur Ausbildung entsendet. Ein Ausflug in der Dampfeisenbahn ist ebenfalls möglich. 

St Yves: in Cornwall hat ca. 11.000 Einwohner und im Sommer geschätzt das Dreifache. Laut Reiseführer verirrten sich besonders viele Künstler in diesen schönen Küstenort, weil wohl das Licht dort so besonders sein soll. Dieser Ort wurde von uns eher zufällig ausgesucht, weil wir mit Jamie eine kurze Zugfahrt unternehmen wollten und die St Ives Bay Line Teil des Great Scenic Railways Netzwerks ist (Bahnfahrten mit malerischen Aussichten). Mit unserem Ludwig hätten wir in St Yves nie Platz gefunden also parkten wir auf dem Parkplatz der Eisenbahn in St Erth und fuhren die 12 Minuten mit dem Zug. Laut Prospekt ist die Fahrt ein besonderes Vergnügen mit spektakulären Ausblicken auf die Küste. Nun ja, die Küste sah natürlich schön aus, das haben Küsten so an sich, aber diese Fahrt als great und scenic zu verkaufen….. da sind wir auch schon andere weitaus spektakulärere Strecken gefahren. Ein Hoch auf die Marketingabteilung. 

Wenn der Ort nicht so maßlos überlaufen gewesen wäre, hätte er uns vielleicht sogar gefallen, denn er hat wirklich einen gewissen Charme. Der Strand inmitten der Stadt ist winzig und daher natürlich auch gut besucht, aber wir fanden tatsächlich sogar eine Picknickbank inmitten all der Familien mit ihren verbuddelten Kindern und hohen Sandburgen. Während die einen mit ihren Kindern Wassereimer zur Befestigung ihrer Bauwerke vom Ufer anschleppten, verteidigten die anderen ihre Mahlzeiten vor dem gierigen Federvieh. Das hatte einen gewissen Unterhaltungswert. Wir genossen unsere Fish und Chips tatsächlich ohne Verluste und dazu noch das fantastische Sommerwetter, weswegen es St Yves auch auf diese Liste geschafft hat. 

 

 


 

 

 

 

 

 

St Agnes: Ebenfalls in Cornwall und ebenfalls eigentlich viel zu eng für unseren Ludwig. Die Fahrt runter zur kleinen Bucht von Trevaunance kann man nur mit geschlossenen Augen überstehen, zumindest als Beifahrer im Linkslenker. Uns kamen nicht nur PKW entgegen, sondern auch ein Lieferwagen und das wurde richtig eng! Der Tag in St Agnes war kein Strandtag, das Wetter war eher grau und hin und wieder verirrten sich Regentropfen zu uns herunter. Aber es war warm und da wir schonmal da waren, bauten wir eben Dämme aus Steinen, um das Wasser zu stauen. Wir bespaßten Jamie abwechselnd, während der andere Fotos vom Strand und den umliegenden Höhlen machte. 

Trotz des Wetters war einiges los, weil knapp 80% der Anwesenden mit ihren Surfboards und anderweitigen Wassersportaktivitäten (außer Schwimmen, das ist aus der Mode gekommen) beschäftigt waren. Die anderen 20% waren entweder mit ihren Vierbeinern da, saßen auf ihren Klappstühlen oder Strandmuscheln und genossen das Wetter (?) oder hatten einfach nichts besseres zu tun. Und dann gab es wie gesagt noch uns, die den Strand mit ihren Dämmen etwas verschönerten. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fluke Hall Marsh in Pilling: Keine Hafenstadt aber das bisher einzige Watt, welches wir im Vereinten Königreich bewundern durften. Und das erste für Jamie sowieso. Also hieß es Gummistiefel anziehen und rein in den Schlamm. Das tun die Anwohner dort regelmäßig mit ihren Hunden zum Gassigehen und wir haben uns mehr als einmal gefragt, wie man solch einen Dreckspatz am besten im Auto transportiert. Spazieren geführt wurden dort noch ganz andere Haustiere, denn die Salzwiesen erfreuen sich auch bei Pferdebesitzern großer Beliebtheit. Wir haben mehr als einen Pferdeanhänger auf dem Parkplatz stehen sehen und Reiter entweder beim Rausreiten oder beim Wiederkommen beobachtet. Wer das Schlurfen der Stiefel im Schlamm kennt, kann sich ungefähr vorstellen, wie ein Pferd klingt, das durch den Schlick watet. Wir haben es tatsächlich geschafft, mit Jamie bis an die Stelle zu laufen, wo das Wasser nicht mehr nur in Pfützen steht, sondern in Bewegung ist und das war es sogar recht schnell. Die Flut kam also rein, auch wenn sie es bei weitem nicht bis ans Land schaffen würde. 

Leider findet man auch dort überall Müll und das obwohl Mülleimer vorhanden sind. Manch einem mag der Grund für die Existenz solch eines Mülleimers oder dessen Handhabung noch nicht ganz klar zu sein. Leider findet man den Müll auch im Watt. Schade, wenn solch wichtiger Lebensraum für die Tierwelt so achtlos verschandelt wird. Jamie regte das auch auf und so startete er eine kleine Müllsammelaktion entlang des Strandes und des Parkplatzes. Süß, wie unser Kleiner in solchen Momenten voller Inbrust über die Idioten schimpft, die ihren Müll nicht in den Mülleimer schmeißen können! 3 Jahre, aber er hats kapiert! 

3. Dartmoor National Park, Foggintor Quarry 

Dartmoor National Park hat uns sofort bei der Anfahrt unmissverständlich klar gemacht, warum es so anders ist, als alles, was wir bisher von England gesehen hatten. Das Wetter änderte sich und es war regnerisch und neblig. Dartmoor ist beliebt für seine vielfältigen Outdoor Aktivitäten wie wandern auf kurzen oder längeren Strecken, anspruchsvolle Mountainbike Touren, Aktivitäten wie der Besuch eines Schlosses oder einfach nur das Genießen der spektakulären Ausblicke bei kulinarischen Pausen (natürlich in preisgekrönten Lokalitäten). Auch geschichtlich hat das Dartmoor einiges zu bieten. Für mehr als 100 Jahre gab es in der Umgebung 3 große Steinbrüche, in denen Granit abgebaut wurde. Inzwischen sind sie alle stillgelegt und die Natur erobert sich ihr Terrain zurück. 

Davon konnten wir uns sehr anschaulich selbst ein Bild machen und zwar beim Foggintor Quarry (Steinbruch). Vom Parkplatz aus legt man ca. 1km flachen aber holprigen Weges zurück bis man die Überreste der zum Steinbruch gehörenden Gebäude erkennt. Dort grasen oft Dartmoor Ponies und Schafe, die ihren Anteil dazu beitragen, dass dieses Stückchen Erde so wunderbar verlassen und vergessen wirkt. Wir kletterten auf den nächstgelegenen Hügel und fanden uns oberhalb des mit Wasser gefüllten Steinbruches wieder, der so idyllisch und fast unberührt daherkam. Dieses Bild wurde leider nur von ein paar badenden Zeitgenossen gestört. Wir wären gern noch ein wenig um den Steinbruch herumgelaufen aber aufgrund des plötzlich einsetzenden Regens hatten wir leider nicht mehr viel Zeit und begaben uns zurück zum Parkplatz. 

Daher ein gutgemeinter Rat an alle Wanderer, die bei Wetter unterwegs sind, das sowieso schon tendenziell zu Regen neigt: lieber die Regensachen einpacken. Dabei haben ist besser als brauchen. Und bitte unbedingt beachten: der nördliche Teil des Dartmoor wird vom Militär für Feuerübungen genutzt, dort wird mit richtiger Munition geschossen. Es gibt 3 Trainingsgebiete, die alle klar markiert sind und auch von der Öffentlichkeit genutzt werden können. Idealerweise nicht während dieser Schießübungen. Diese werden vorher bekannt gegeben und auch vor Ort selbst durch rote Flaggen (tagsüber) oder rotes Licht (nachts) kenntlich gemacht. Die Zeiten für die Feuerübungen können hier (https://www.gov.uk/government/publications/dartmoor-firing-programme) eingesehen werden. 

Fazit: Wer nicht viel Zeit hat und leider nur einen Tag dort verbringt beziehungsweise lange Wanderungen meiden will, begebe sich auf diese einfache und kurze Wanderung und werde mit herrlichen Ausblicken auf die umliegenden Berge, die karge Landschaft und einen wunderschönen See im Steinbruch belohnt. 

 

 

 

 


 

 

 

4. Bodmin Moor 

Wenn man Cornwall hört, denkt man automatisch an kleine verwinkelte Straßen, verträumte Hafenstädte und ganz viel Strand und Wasser. Wusstet Ihr, dass es im Nordosten Cornwalls eine Hochmoorlandschaft gibt, die immerhin 208 km2 groß ist? Also wir wussten es nicht und wollten es uns daher unbedingt mal anschauen. Ausgesucht hatten wir uns die Steinkreise The Hurlers und Stowe´s Hill, eine Erhebung in einem ehemaligen Steinbruch mit faszinierenden Felsformationen. 

Allein die Anfahrt hat es in sich denn „eng“ stellt hier noch einmal eine ganz andere Dimension dar. Die Straße kaum breiter als unser Ludwig und links und rechts Gestrüpp, das schon längst mal wieder hätte zurückgeschnitten werden können. Von den steilen Straßen sprechen wir gar nicht erst. Die Fahrer der entgegenkommenden Fahrzeuge schauen alle genauso verdutzt aus der Wäsche wie wir und fragen sich, wohin sie eigentlich ausweichen sollen. Aber ausweichen tun sie alle und fahren zurück zu einer breiteren Stelle, wo wir uns beide aneinander vorbeiquetschen können. 

Irgendwann wird die Straße wieder breiter und wir erreichen den Ort Minions, wo wir vom Parkplatz aus erst zu den Steinkreisen (wenig spektakulär) und dann weiter zu Stowe´s Hill laufen. Der ehemalige Steinbruch ist in der sonst flachen Gegend gut sichtbar und je näher man ihm kommt, desto besser kann man die Felsformationen auf dem Gipfel erkennen, die wie aufgetürmte Steine aussehen. Tatsächlich aber handelt es sich um durch Verwitterung entstandene Gesteinsformationen (man nennt sie Tore) und die bekannteste wird Cheesewring genannt (Käsepresse). Da man befürchtet, dass die Formationen durch Erosion umfallen könnten, werden sie teilweise sogar abgestützt. Wir hatten viel Spaß dort oben obwohl wir Jamie natürlich wegen der Absturzgefahr keine Sekunde aus den Augen lassen durften. Bodmin Moor stellte eine willkommene Abwechslung für uns dar nach all den Stränden, Booten und Buchten. Und da schlägt natürlich auch das Fotografenherz höher. 

 

Ende Teil 1

Mittwoch, 28. September 2022

Unsere Großbritannien Reise: kleine Auszeit in Gweek

Was man nicht so alles findet, wenn man bei youtube interessante Dokus anschaut und sich über die angegebenen Links weiterklickt. In unserem Fall führte eine mehrteilige Doku über das Restaurieren von alten Booten in den USA zum Team von Clean Ocean Sailing in Gweek, Cornwall. Tommy stellte den Kontakt her und seitdem tauschten wir regelmäßig alle paar Wochen Emails aus. Es wurde verabredet, dass wir sie auf alle Fälle besuchen kommen, wenn wir in England unterwegs sind. 

Und so standen wir eines schönen Tages einfach vor deren Toren der Anlegestelle in Gweek und fragten, ob sie noch Hilfe benötigten für das heutige, über Instagram angekündigte, Müllsortieren. Die Freude und Überraschung über unser plötzliches Erscheinen waren groß, obwohl wir uns vorher angekündigt hatten. Leider war dies aufgrund immer mal wieder aussetzenden Handyempfangs untergegangen. Aber egal, Hilfe ist immer gern gesehen und so gab es neben unzähligen Gesprächsthemen auch jede Menge zu tun: nämlich das angekündigte Müllsortieren. 

In der Garage hatte sich der Müll der letzten Wochen angesammelt, weil Steve erstens noch einem richtigen Job zum Geldverdienen nachgeht, zweitens der Sommerurlaub in Festland Europa verbracht wurde und man drittens verständlicherweise den Müll lieber sammelt als darin rumzuwühlen und ihn zu sortieren. Steve, Monika, ihr Sohn Simon (4), Hund Rosi und manchmal auch freiwillige Helfer segeln auf dem Schiff „Annette“ (genannt Annie) die Küste Cornwalls entlang, paddeln mit Kajaks zu diversen Stränden und sammeln dort den Müll auf, den achtlose Zeitgenossen einfach entsorgt haben. Manchmal werden auch weiter entfernte Strände gesäubert und so gab es u.a. eine große Aktion um die Scilly Inseln herum. Der gesammelte Müll wird einzeln eingepackt und Fundort sowie Datum notiert, um dann später genau darüber Buch zu führen.

Die Gemeinde und zuständige Behörden in Cornwall finden regelmäßig Worte des Lobs und der Dankbarkeit aber für finanzielle Unterstützung sind die öffentlichen Kassen leider spärlich ausgestattet. Oder die Anforderungen für eine öffentliche Förderung sind so hoch, dass man sich zweimal überlegt, ob man diese tatsächlich in Anspruch nehmen möchte. So erzählte uns Steve, dass sie das Angebot bekamen, von einem recht großen Fördertopf unterstützt zu werden (dem der neue König Englands Charles III als Schirmherr vorsteht) und er viele schlaflose Nächte damit zubrachte, seine Möglichkeiten abzuwägen. Letzten Endes lehnte er den großen Geldbetrag dankend ab, weil er extra eine Person hätte einstellen müssen, die nur Papierkram erledigt, um das Geld zu verwalten und Buch über alles mögliche hätte führen müssen. Mal ganz abgesehen von diversen Lizenzen, die er zusätzlich für sein Segelboot hätte erwerben müssen. Da darf man sich dann wirklich fragen, warum man es denjenigen, die einfach nur Gutes tun wollen, so schwer machen muss. Woanders schmeißt man Fördergelder mit offenen Armen zum Fenster heraus und fordert Null Nachweise und die millionenfache Verschwendung von Steuergeldern interessiert niemanden.

Für das Sortieren des Mülls wird jeweils ein Sack Müll in der Garage ausgekippt und in diverse Haufen aufgeteilt: Hartplaste, Nylon/ Fischernetze, Leichtplaste (vor allem Plasteflaschen), Stoffreste, Styropor, Metall; alles bekommt seinen eigenen Haufen. Jeder Haufen wird anschließend gewogen und die ungefähre Anzahl der Einzelteile (!) für jeden Fundort notiert. Besonders spaßig ist das Zählen der Einzelteile für die Leichtplaste, weil man eben oft nicht nur vollständig erhaltene Flaschen, Plastikbehälter etc. findet, sondern viele Einzelstücke. Für einige Fundorte notierten wir Einzelteile von bis zu 1000 Stück Leichtplaste. Leider sind die Gewässer und Strände besonders auffällig mit Plaste überhäuft, weil dieser Rohstoff so günstig hergestellt und extrem vielfältig eingesetzt wird. Was es für unsere Umwelt, Tierwelt aber auch uns selbst bedeutet (Stichwort Mikroplastik) haben viele Zeitgenossen überhaupt nicht auf dem Schirm.

Und was passiert mit all dem sortierten Müll? Der steht erstmal ne ganze Weil dort in der Garage und auf dem Pier herum bis es Zeit ist, woanders herumstehen zu dürfen. Und das ist abhängig vom Material. Hartplaste (zum Beispiel die Außenhaut von Bojen, Schraubverschlüsse von Trinkflaschen) geht in eine Verwertungsanlage in Exeter und bringt 150 Pfund pro Tonne. Daraus werden dann u.a. Kajaks gemacht, in denen das Team von Clean Ocean Sailing zu den Stränden paddelt, um dort nach Müll zu suchen und aufzusammeln.Für Nylon und Fischernetze gibt’s ein wenig Geld, wenn sie ohne Verschmutzung abgegeben werden, weil sie für den 3D Druck verwendet werden. Klingt gut, gleicht allerdings einer Sisyphusarbeit, da das Herausziehen von materialfremden Gegenständen so umfangreich und kompliziert ist, dass man Tage nur allein damit verbringen könnte.

Die anderen Materialen sind zwar fein säuberlich getrennt und Fundort, Schwere und Menge dokumentiert, aber Geld gibt’s dafür keins. Wie es mit der Entsorgung aussieht, hat uns Steve gar nicht erzählt. Hoffentlich kann er sie ohne großen Aufwand und Kosten irgendwo abgeben.

Wir hätten Steve und sein Team gern bei einer Segeltour entlang der Cornwall Küste unterstützt, aber leider war dies aufgrund des Wetters nicht möglich. Gweek liegt am Helford River, der in den Ärmelkanal mündet und starken Tiden ausgesetzt ist. Bei Ebbe gleicht der Fluss einem riesigen Schlammbett, das sich bei einsetzender Flut recht schnell mit Wasser füllt. Leider reicht der Wasserstand in den meisten Fällen nicht zum Rausfahren aus, nur ca. alle 14 Tage ist der Wasserpegel hoch genug, damit die meisten Schiffe überhaupt ihren Anlegeplatz verlassen können. Wenn dann die Wettervorhersage ungünstig ist, macht das Segeln keinen Sinn. 

Und so blieb die Annette eben im Hafen und wir verbrachten ein paar schöne Tage in Gweek. Wir besuchten die Seal Sanctuary (eine Art Tierheim oder Krankenhaus für verletzte Wasserbewohner wie Pinguine, Robben und Seelöwen), nutzen einen Standbesuch für eine weitere Strandsäuberung und lernen einige interessante Einwohner Gweeks kennen. 

Zum einen gehört Cecil dazu, Steve´s geliebter T2, den er vor vielen Jahre aus Australien nach England verschifft hat und der inzwischen 50 Jahre alt ist und mehr als 1,3 Millionen Kilometer gefahren ist. Cecil sieht man ihr Alter an, der Rost und die Gebrauchsspuren lassen sich nicht verbergen, aber sie wird auch nicht geschont. Sie hilft kräftig auf dem Kai und in der Garage mit und Steve kann stundenlang darüber erzählen, wen oder was er bereits mit Cecil irgendwo rausgezogen und abgeschleppt hat.

Steve und seine Familie leben in einer kleinen Gemeinschaft am Constantine Quay, die man schon irgendwie als alternativ bezeichnen kann. Zumindest ist es nicht zu vergleichen mit dem typischen Alltagsleben, das man aus Deutschland kennt. Zuerst einmal lebt jeder auf einem Boot, das einzige Haus dort ist die Garage / Werkstatt / Abstellkammer / Spielparadies, das von allen Mitgliedern der Gemeinschaft genutzt wird. Dort türmen sich die ausrangierten Spielsachen in abgegrenzten Spielecken und für Jamie war dies natürlich ein wahres Fundbüro.  Abgegrenzt deswegen, weil dort natürlich auch gearbeitet wird. In der hinteren Ecke wurde gerade ein Boot renoviert und der Staub flog dank der Schleifmaschine meterweit umher. Am Kai rennen überall Kinder umher oder sausen den kleinen Pfad mit ihren Fahrrädern auf und ab, gefolgt von den Hunden Rosi und Bo. Jamie gesellte sich mit seinem Laufrad dazu. Alles, was an Board des eigenen Schiffes kein Platz hat, steht in kleinen Schuppen und Verschlägen an Land: meistens Waschmaschinen, andere Gerätschaften und oftmals ganz viel Müll. Regelrecht verliebt habe ich mich in den Waldspielplatz am Ufer des Flusses, wo sich die Kinder nach Herzenslust austoben können. Baumhäuser, Hängematten, Schaukeln, Rutschen, Matschküchen und jede Menge Möglichkeiten zum Verstecken und kreativ sein. Alles im Dreck und an der frischen Luft. Und etwas ab vom Spielplatz ein gemütlicher Platz für Lagerfeuer und ein Gartenbereich mit angelegten Beeten, wo aber leider aufgrund der spärlichen Sonneneinstrahlung nicht so sonderlich viel wächst.

Monika zeigte uns eines schönen Nachmittags das Gemeinschafts-Garten-Projekt von ca. 10 Familien in Gweek, das auf dem Gweek Campingplatz entstanden ist. Dort wird in Gemeinschaft gegärtnert, nach einem festgelegten Einsatzplan gewässert und jeder darf ernten, worauf er gerade Lust hat. Die Besitzer des Campingplatzes haben vor einigen Jahren ein riesiges Gelände gekauft, auf dem sich früher eine Gärtnerei befand. Glücklicherweise standen noch die Gewächshäuser und zahlreiches Material (tausende von Übertöpfen, Pflanzmaterial etc) war ebenfalls auf dem Gelände zurückgeblieben. Monika erzählte mir, dass man noch immer mit Aufräumen, Freimachen, Wegschaffen von Müll etc beschäftigt ist. Aber als Ziel für die Zukunft wird Selbstversorgung angestrebt, was in den heutigen ungewissen Zeiten keine schlechte Sache ist.  

Gweek an sich ist recht überschaubar mit ca. 667 Einwohner (laut Zensus von 2011) und liegt 5km östlich von Helston. Es gibt einen Pub, eine Village Hall, die Cornish Seal Sanctuary (Touristenmagnet) und einen Dorfladen der als Postamt fungiert sowie als Café und Eisdiele. Wenn man sich dort nicht über den Weg läuft, trifft man sich spätestens jeden Mittwoch, wenn der Fish ´n Chips Van vor dem Laden steht oder donnerstags beim Pizza Van. Die Einwohner kommen dann teilweise sogar mit Klappstühlen zur Grünfläche vor dem Dorfladen, genießen ihren take away, quatschen mit den anderen Dorfbewohnern und lauschen der Livemusik, die im Sommer oft an einem dieser beiden Tage gespielt wird. Was will man mehr?  


Nach knapp einer Woche verabschiedeten wir uns von Gweek, Steve, Monika, Simon und manch anderem Bewohner von Constantive Quay. Jamie hat ein neues Bewusstsein für Müll entwickelt und seitdem kommt es häufiger mal vor, dass wir an einem Strand oder anderswo einfach mal ein bisschen Müll aufheben und entsorgen. Auf Jamies empörte Frage, warum sich die Leute so blöd anstellen und ihren Müll nicht einfach selbst in den Mülleimer schmeißen können, der manchmal nur ein paar Meter entfernt steht, haben wir leider keine passende Antwort.

Freitag, 16. September 2022

Unsere Großbritannien Reise: Das Finden eines Stellplatzes in UK

Wir hatten es bereits angekündigt, dass wir dem Thema Stellplätze, overnight parking oder wild camping, wie es einige nennen, einen separaten Beitrag widmen. Also was sagt das Gesetz, was ist erlaubt und was ist nicht erlaubt? 

Auf oder neben öffentlichen Straßen darf über Nacht nicht geparkt werden. Grund hierfür ist, dass der Straßenverkehr in keiner Weise blockiert, behindert oder gefährdet werden darf. Und in der Realität? Steht man auf einem Parkplatz etwas abseits der Straße, wo man nichts blockiert und wo es kein Schild gibt, das overnight parking verbietet, wird man höchstwahrscheinlich nicht gebeten, sich etwas anderes zu suchen. Das kommt aber auch auf den jeweiligen Bezirk an, die zuständigen Behörden etc.

Was nicht in öffentlicher Hand verwaltet wird, gehört jemandem privat und da wird es schon schwieriger. Auf privatem Grundbesitz darf man mit Genehmigung des Eigentümers parken, campen und auch über Nacht stehen aber das Finden des Eigentümers ist nicht immer leicht. Oder woher weiß ich, wem das Feld gehört, an dessen Rand ich gerne stehen möchte? Viele Kommunen haben das overnight parking auf ihren städtischen Parkplätzen komplett untersagt und machen es Wohnmobilen generell sehr schwer, überhaupt einen Parkplatz auch tagsüber zu finden, weil Höhenbeschränkungen vor den Einfahrten angebracht sind. Bei Parkplätzen ist es relativ einfach, herauszufinden was man darf und was nicht, denn es ist klar und deutlich ausgeschrieben. Und wenn da steht, no overnight parking oder „no motorhomes from 11pm to 6am“ (also keine Womos von 23:00 – 06:00 Uhr) dann sollte man sich daran halten weil für den Fall eines Verstoßes bereits Art und Höhe der Strafe mit angeschrieben ist.

Leider haben solche Restriktionen meist eine Vorgeschichte. Erst neulich haben wir einen Zeitungsartikel über Wildcamper gelesen (hier waren Leute im Zelt gemeint), die es nicht für nötig hielten, ihren Müll mitzunehmen und ihre Notdurft einfach in der Natur verrichteten. Die Stadt denkt nun darüber nach, diese Stelle generell als Parkplatz zu sperren, worunter natürlich all die anständigen Leute leiden, für die solch ein Verhalten überhaupt nicht in Frage kommt. Darunter zu leiden haben dann auch die zahlreichen Reisenden in ihren Wohnmobilen. Was nicht heißen soll, dass diese Leute mit Heiligenschein unterwegs sind, denn leider gibt es auch unter den Wohnmobilisten Idioten, die Müll und andere Hinterlassenschaften zurücklassen. 

Problematisch dabei sind sicherlich auch einige, nicht alle(!) Reisenden in den umgebauten Lieferwagen, Handwerkerbussen, Sprintern etc die oftmals keine Toilette an Board haben und sich aber auch gern auf solchen Plätzen aufhalten. Ich frage mich sowieso immer, wie die das machen, schließlich ist nicht immer ein öffentliches Klo in der Nähe. Durch das Lesen in Foren kennen wir allerdings die Einstellung einiger Vertreter der Vanlife Szene, wo man nicht verstehen kann, warum sich jemand daran stört, dass man mit Spaten in den Wald geht und seine Notdurft vergräbt. Wenn das eine Person macht, stört das Mutter Natur sicherlich nicht sonderlich, wenn aber mehrere Dutzend am Tag an solch einem Parkplatz mit ihrem Spaten unterwegs sind (und viele oft gar nicht erst buddeln sondern alles recht oberflächlich geschieht, Toilettenpapier durch die Gegend fliegt und es meilenweit nach Klo stinkt) dann ist das einfach nicht mehr okay.

Fakt ist, dass viele Campingplätze in England sehr teuer sind und wir nicht bereit sind, soviel Geld auszugeben. Wir haben uns mit einem Betreiber eines solchen Campingplatzes unterhalten (wo wir 48,60 Pfund für die Nacht bezahlt haben!) und er meinte, es kostet alles Geld und da macht der Platz angeblich nicht mal Gewinn (bzw. wird alles reinvestiert). England ist eine Campingnation, das Zelten stellt einen typischen Sommerurlaub für Familien dar. Und da die Campingplätze auch viel Platz für Zelte bieten, müssen sie natürlich auch die Ausstattung für dieses Klientel zur Verfügung stellen. Duschen und Toiletten 24 Stunden am Tag, Spülküchen fürs Reinigen des Geschirrs, Waschmaschinen und Trockner (die zahlt man allerdings extra). Die Stromkosten solch eines Campingplatzes sind sicherlich enorm. Die Plätze sind wegen der Sicherheit alle beleuchtet, Wohnmobile brauchen Strom und beim Zelten geht’s heutzutage auch nicht mehr ohne. Der letzte Stellplatz hatte sogar TV Anschlüsse für die Zeltplätze, damit man sich auch im Urlaub mit dem ganzen Müll berieseln lassen kann. 

Wir haben aber inzwischen das Gefühl, dass es einen Unterschied macht, ob man einen Campingplatz erwischt, der mehr von den Einheimischen frequentiert wird oder ob es sich um Plätze handelt, die in Touristhochburgen mehr von den Ausländern gebucht werden. Auf dem letzten Campingplatz waren wir die einzigen Ausländer und dort zahlten wir wesentlich weniger Stellplatzgebühr als zum Beispiel in Folkestone. Dort übernachtet fast jeder, der von der Fähre kommt oder zur Fähre will und da sind die Preise dementsprechend höher.

Allerdings sind wir auf Campingplätze angewiesen, ab und zu müssen wir dort übernachten, weil Wäsche gewaschen werden möchte, wir Frischwasser benötigen und die Entsorgung eine Katastrophe in UK ist. Im Rest von Europa gibt es ein gutes Netz an Entsorgungsstellen wo man sein Schmutzwasser ablassen, die Toilette entsorgen und Frischwasser auftanken kann. Oftmals gegen Gebühr aber das ist ja okay. In England sind solche Stellen Mangelware. Wir haben eine Liste mit Entsorgungsstellen in Europa gefunden, die auch einige Plätze in England aufweist, aber diese haben bisher nicht in unsere Route gepasst. Oder wir hatten gerade anderweitig entleert und benötigten diese gerade nicht. Als wir in Tintagel auf einem Campingplatz nachfragten, ob wir unsere Toilette entleeren dürfen, verneinte der Mitarbeiter und meinte, vor Covid war das alles möglich aber jetzt möchte es der Manager nicht mehr. Muss man nicht verstehen aber eben akzeptieren.

Nach ein bisschen Online Recherche fanden wir das Pendent zum deutschen „Landvergnügen“: Britstops. Das Konzept ist leicht erklärt. Lokale Anbieter bieten kostenfreie Stellplätze auf ihren Grundstücken und im Gegenzug gibt man dort ein wenig Geld aus; im Hofladen, im Pub, in der Eismanufaktur etc. Somit soll den Reisenden die lokale Vielfalt nähergebracht und Verständnis und Wertschätzung der regionalen Produkte und Traditionen geweckt werden. Das Einkaufen dort ist keine Pflicht aber es wird als Gegenzug zum freien Stellplatz natürlich erwartet.

Wir haben die Mitgliedschaft bei Britstops erworben und bekamen ein Buch (später auch eine App) in dem die teilnehmenden Anbieter verzeichnet sind. Leider sind dies zu 90% Pubs. Die Pubkultur in England ist bemerkenswert, es scheint wirklich ganz normal zu sein, nach der Arbeit noch für ein Bier im Pub vorbeizuschauen. In den letzten Jahrzehnten sind die Pubs auch immer familienfreundlicher geworden so dass man inzwischen in den meisten Pubs auch mit Kindern gern gesehen ist. Nun sind die Pubs aber auch recht teuer, so dass wir bisher nur 2x dort gegessen haben. Das letzte Abendessen schlug mit 55 Pfund zu Buche, was immerhin 65 Euro ausmacht. Schon ne Menge Geld für 2,5 Personen. Meistens trinken wir nur ein Bier und Radler, wenn wir uns nicht damit rausreden können, dass unser quengeliges Kind ins Bett gebracht werden muss aber auch da kommt man unter 10 Pfund (12 Euro) nicht weg.

Und so nutzen wir Britstops, wo es nicht anders geht, bemühen aber auch andere Quellen zum Finden eines Stellplatzes. Wir nutzen inzwischen 5 verschiedene Apps, um overnight Stellplätze zu finden. Meist handelt es sich um kleine Parkplätze an wenig frequentierten Straßen oder Orte wo das Übernachten explizit erlaub ist (Raststätten, Parkplätze gegen Gebühr, Wanderparkplätze). Diese zu finden ist nicht immer leicht und in einigen Gegenden gibt es weniger davon als in anderen. Oberste Devise für uns ist immer, dass der Platz einen sicheren Eindruck macht. Wenn wir kein gutes Gefühl dabei haben, fahren wir weiter. Und so gab es bisher auch keine Zwischenfälle oder unschöne Situationen. Oft hat man Straßenlärm aber manchmal auch das Rauschen des Meeres.

Folgende Seite fanden wir zur Beurteilung der rechtlichen Situation in England bezüglich overnight parking, wild camping ganz hilfreich: https://www.startrescue.co.uk/breakdown-cover/motoring-advice/safety-and-security/can-i-park-overnight-what-the-law-says

In Wales ist die Situation nicht anders als in England. Jetzt sind wir in Schottland und dort ist vieles einfacher. Man findet kaum Verbotsschilder für das Übernachten und deswegen ist das Land auch so beliebt bei den Urlaubern. Gleich am ersten Tag sahen wir daher auch vermehrt Deutsche, die wir bisher auf unserer Reise selten gesehen haben. Auch bei den Engländern ist Schottland aufgrund der entspannteren Stellplatzsituation sehr beliebt und in Gesprächen mit einheimischen Reisenden bekamen wir öfter die Frage gestellt, warum wir denn gerade nach England gekommen sind, wo doch alles so kompliziert sei. Wir antworten dann immer wahrheitsgemäß, dass England auch sehr schöne Ecken zu bieten hat und das lässt den Gegenüber dann doch auch wieder strahlen. Man hört eben doch gern positives über sein Heimatland.  

.... Und eines gibt es über die Stellplätze abschließend zu sagen: Egal wie abgeschieden man glaubt zu stehen, am morgen steht immer mindestens ein anderes Auto auf dem Parkplatz und es steigt jemand mit seinen Hunden für die morgendliche Gassirunde aus….
















Samstag, 27. August 2022

Unsere Großbritannien Reise: die ersten Eindrücke

Die ersten Tage in England begleiteten uns die imposanten Kreidefelsen, die wir bereits bei der Einfahrt in den Hafen von Dover bewundern konnten. Sie waren unser erstes Ziel nach Verlassen der Fähre. Und als wäre der Linksverkehr nicht schon gewöhnungsbedürftig genug, wurde die Straße zum Kreidefelsen Parkplatz immer schmaler und wir erhielten einen ersten Vorgeschmack darauf, was uns in Sachen Straßenbreite und Zustand der Straßen noch erwarten würde. 

Von den Kreidefelsen in Dover bietet sich zuerst ein herrliches Panorama über den lebhaften Hafen und das Gewimmel der Spuren von ankommendem oder wegfahrendem Verkehr, Zoll Abfertigungshäuschen und den verschiedenen Wartebereichen vor den jeweiligen Terminals. Ein paar Meter weiter erkennt man das Dover Castle zu seiner rechten Seite und linkerhand die beindruckenden Felsen. Man befindet sich zwar bereits auf den Kreidefelsen, realisiert das aber erst beim Blick nach unten ins Meer.  

Die ersten beiden Nächte verbrachten wir in Folkestone nur ein paar Kilometer entfernt von Dover auf zwei verschiedenen Campingplätzen. Über Campingplätze und das Finden von Übernachtungsplätzen wird es einen separaten Artikel geben, deswegen gehen wir hier nur kurz darauf ein. Wir können und wollen es uns einfach nicht leisten, jeden Abend 30-40 Pfund für einen Stellplatz auszugeben, denn das sprengt unser Budget. Für die ersten beiden Nächte war es eine Notlösung. Außerdem war es so heiß, dass wir so wenig Zeit wie möglich im Ludwig verbringen wollten und so gingen wir an den Strand.

Unser Ziel ist Cornwall und so bewegen wir uns langsam an der Küste entlang. Dort, wo es notwendig ist, fahren wir landeinwärts. Wir orientieren uns an interessanten Orten, die wir im Reiseführer entdeckt haben und vor allem an den ausgesuchten Stellplätzen für die Nacht. Da es in England verboten ist, im öffentlichen Raum zu übernachten, können wir leider nicht an einem Ort, wo wir uns gerade wohlfühlen, einfach so für die Nacht stehenbleiben. In Deutschland kann man das fast überall für eine Nacht mit der Begründung, seine Fahrtüchtigkeit wieder herzustellen. Das interessiert in England niemanden. Es gibt natürlich Leute, die es einfach tun und damit Erfolg haben, aber wir wollen unser Glück nicht auf die Probe stellen. 

Die ersten Tage mussten wir erstmal unseren Rhythmus finden und waren eigentlich nur damit beschäftigt, von Stellplatz zu Stellplatz zu fahren und organisatorisches zu erledigen. Das Besorgen einer SIM Karte mit Datenvolumen hat ein wenig länger gedauert aber nun können wir im englischen Mobilfunknutz ohne lästige Verbindungsprobleme surfen und besser recherchieren, wo es als nächstes hingehen soll. Irgendwann gingen wir dann dazu über, unsere Tagesziele durch interessante Zwischenstopps zu erweitern, so dass wir uns nun auch mal was anschauen. Das ist mit Jamie nicht so ganz einfach denn er hat seinen bekannten Rhythmus aus dem Kindergartens verloren und dass er noch nicht so gut damit klar kommt, merkt man ihm an. Unser Ludwig ist sein Rettungsanker und deswegen will er ihn auch oft nicht verlassen. Da braucht es viel Überzeugungsarbeit und Motivation unsererseits. Spielplätze ziehen immer aber auch da braucht es ein gesundes Mittelmaß denn wir sind ja nicht wegen der Spielplätze nach England gekommen. 

Die Eindrücke der ersten zwei Wochen England lassen sich wie folgt zusammenfassen: 

1. Es ist Ferienzeit und wie sagte ein Engländer so schön: Wer nicht weggeflogen ist, fährt runter in den Süden zum Baden. Dementsprechend voll ist es überall und das macht es nicht einfacher mit unserem Ludwig, der fast 7 Meter lang ist. Finde da mal einen Parkplatz, wo schon gewöhnliche PKWs nichts finden! Wo möglich sind wir inzwischen dazu übergegangen, auf Park n` Ride Parkplätze zu fahren und den Bus in die Stadt zu nehmen. Das macht es wesentlich angenehmer für uns da wir uns den Stress mit dem Suchen eines Parkplatzes sparen. Auf diese Weise sind wir sogar schon Doppelstockbus gefahren, was für Jamie natürlich ein Highlight war.  

2. Brombeeren! Überall Brombeeren und keiner interessiert sich dafür. Wir stehen fast täglich in irgendeiner Hecke und naschen blackberries. Schade nur, dass vielleicht 5% der Beeren reif sind, der Rest wartet auf Regengüsse. 

3. Die Verkehrsschilder außerhalb der Städte sind ziemlich schlecht zu erkennen, weil sie oft zugewachsen sind. Erst beim Vorbeifahren kann man einen Blick darauf erhaschen. Man erkennt dann auch, dass schon hin und wieder mit der Heckenschere Hand angelegt wird, aber leider viel zu selten. Blöd, wenn man sie tatsächlich als Orientierungshilfe nutzen will. 

4. Aufgrund der Ferienzeit begegnen uns sehr viele Familien. Und was soll man sagen, die Engländer scheinen sehr fleißig zu sein, der von uns beobachtete Standard beträgt 3 Kinder. Die Ein-Kind-Familie ist äußerst selten, der Trend geht zu 3 und mehr. Vielleicht sind aber auch nur die Familien unterwegs, die sich das Verreisen leisten können, deswegen sind unsere Beobachtungen sicherlich nicht repräsentativ. 

5. Engländer sind auf jeden Fall Hundeliebhaber denn auch hier gilt laut unseren Beobachtungen: nur ein Hund ist die Ausnahme, zwei bis vier Hunde sind keine Seltenheit. Das führt zu witzigen Situationen, wenn man zum Beispiel auf einer Autobahnraststätte einen PKW mit Wohnanhänger beobachtet, wo 5 mittelgroße Hunde mit ihren 2 Menschen aus dem Auto poltern um Gassi geführt zu werden. Da kommt schonmal die Frage auf, wo die alle Platz finden. 

6. Ja, die Strassen sind eng und da befinden wir uns noch gar nicht in dem Teil Englands, der für seine engen Straßen bekannt ist. Wir haben uns schon einige Male gewundert, wie das überhaupt funktionieren kann, schließlich fährt die Mehrheit der Engländer keine kleinen Autos. Dazu kommt, dass auch in England der Absatz von Wohnmobilen und Wohnanhängern in den letzten beiden Jahren während der C. Zeit stark angestiegen ist und für die wird es ja dann auch irgendwann zu eng. Das führt dann zu Kuriositäten wie folgender: der Camping und Caravaning Club in Folkestone ist für Caravans, also für PKW mit Wohnanhänger nicht befahrbar und somit nicht nutzbar, weil die Zugangsstraße zu eng ist. Wie sagt der Engländer so schön, shit happens…. 

7. Die berühmte Höflichkeit der Engländer wirkt sich auch im Straßenverkehr aus. Wenn es zu eng wird, bleiben sie stehen, viele fahren sogar zurück zu einer breiteren Stelle, wo ein Vorbeikommen wieder möglich ist. Gehupt wird hier äußerst selten, passiert ist es uns bisher nur einmal, als Tommy unseren Ludwig im ampelgeregelten Kreisverkehr mit Riesenbaustelle in der falschen Spur einfädelte und dann einfach die Spur wechselte (was er allerdings eine ganze Rotphase über mit dem Blinker angezeigt hatte).


Das soll an Eindrücken erstmal reichen. Weiter geht’s dann im nächsten Beitrag.