Im ersten Teil berichteten wir
über unseren längeren Aufenthalt in Zentralportugal und die vielen herzensguten
Menschen, die wir dort kennenlernen durften. Nun geht es weiter mit Anekdoten
und Reiseberichten aus Portugal.
Ein Missgeschick, über welches Jamie selbst heute noch wort- und gestenreich zu erzählen weiß, war der dringend notwendige Austausch unserer großen Dachluke im Wohnbereich. Da hatten wir nun wochenlang teils heftigen Regen in Irland miterlebt und uns regelmäßig für die Dachluken bedankt, die zwar bei Sturm auch mal heftig umherwackelten und (bei den kleineren Luken) sogar mit Gummibändern von uns sicherheitshalber befestigt wurden, um nicht vom Wind abgehoben zu werden, aber zumindest immer dicht geblieben waren. Und dann erlebten wir ein paar Regentage in Portugal und plötzlich holten wir alle Schüsseln aus dem Küchenschrank, weil es hereinregnete. So oft Tommy auch aufs Dach kletterte und nachbesserte, er bekam sie einfach nicht dauerhaft dicht. Irgendwann klebten wir eine große Mülltüte über die Dachluke, um das Wasser vom Eindringen abzuhalten.
Mit dieser Tüte auf dem
Dach fuhren wir dann auch ins 60km entfernte Pinheiro de Coja, wo es einen
Camper Service von einem holländischen Ehepaar gibt, welches dort Wohnmobile,
Vans etc. repariert. Wir kamen übrigens ohne die Tüte dort an, aber es regnete
wenigstens nicht mehr. Die Dachluke musste bestellt werden und es würde einige
Tage für die Lieferung dauern. Wir kamen Mittwoch an, Freitag waren die
Dachluken da (wir wollten auch gleich im selben Atemzug noch die kleinen
erneuern) und Dienstagvormittag sollten wir wiederkommen für den Einbau.
Nun
hat man zwei Möglichkeiten, wie man mit dieser Situation umgeht. Man kann mit
sich und der Welt hadern und auf alles und jeden schimpfen oder man sieht es
positiv. Und ich sah es definitiv positiv, aus den verschiedensten Gründen:
Zentralportugal ist nicht sehr dicht besiedelt und besonders touristisch ist es
auch nicht. Jemanden zu finden, der uns bei unserem Problem helfen konnte, der
nicht 200km entfernt ansässig ist, fanden wir äußerst hilfreich. Während
unserer kleinen Zwangspause trafen wir viele interessante Menschen und es
entstanden spontane nährende Gespräche, für die wir diese Reise letzten Endes
auch machen. So trafen wir eine deutsche Familie aus dem Schwabenländle, die
uns auf Anhieb sehr sympathisch war und mit denen wir heute noch in Kontakt
stehen. Diese lieben Menschen hätten wir ohne unsere defekte Dachluke nie
kennengelernt!
Tommy durfte beim Einbau der
Dachluke übrigens helfen und war von der Professionalität nicht sonderlich
begeistert. Das Loch für die Luke musste vergrößert werden, weil unsere alte
Dachluke etwas kleiner war. Nach dem Ausschneiden hielt es der Firmeninhaber
nicht mal für nötig, das Dach mit dem Staubsauger oder wenigstens mit dem Besen
zu reinigen, so dass sich in der Dichtmasse nun auch einige Sägespänne und
Dreck befinden. Bei der kleinen Dachluke über dem hinteren Bett gab es aufgrund
der selben Größe glücklicherweise keinen Grund zur Beanstandung. Und die dritte
Dachluke, von der wir eigentlich bei der Bestellung gesprochen hatten, wurde
gar nicht bestellt so dass wir die Luke im Bad so belassen mussten. Sie ist
zwar alt, hat aber das Bad bisher immer trocken gehalten.
Natürlich haben wir auch andere Teile von Portugal gesehen und wollen hier einen kurzen Abriss geben. Über unseren Besuch in Lissabon gab es bereits einen ausführlichen Bericht.
Die 12 historischen Dörfer
Portugals - Aldeias Históricas de Portugal
Seit 1994 gibt es von der EU das
„Programm zur Erneuerung Historischer Dörfer“, um kulturhistorisch wertvolle
Dörfer im Binnenland von Portugal vor dem Zerfall, der Abwanderung und
Überalterung zu schützen. Zwölf Dörfer wurden unter architektonischen,
kulturhistorischen, landschaftlichen oder archäologischen Gesichtspunkten
auserwählt. Jeder dieser Orte hat entweder eine ganz spezielle Geschichte zu
erzählen, einen ganz besonderen Baustil oder liegt an einem geografisch
besonders interessanten Ort. Diese Dörfer sind: Piódão, Monsanto, Almeida,
Castelo Mendo, Castelo Novo, Castelo Rodrigo, Idanha-a-Velha, Linhares da
Beira, Marialva und Sortelha. Etwas später kamen noch Belmonte und Trancoso
hinzu. Die Bewohner der Dörfer leben heute vom Tourismus; es gibt Restaurants
und Pensionen und was Besucher eben sonst noch so brauchen. Es hat sich eine
Infrastruktur von Fahrrad- und Wanderwegen etabliert und es gibt genug
Sehenswürdigkeiten, die einen Aufenthalt in diesen Dörfern lohnenswert machen.
Wir haben es leider nicht
geschafft, alle 12 Dörfer zu besuchen, aber wir möchten von denen berichten,
die wir gesehen haben.
Castelo Mendo: dort haben wir
unsere erste Nacht in Portugal verbracht und haben den Spaziergang durch den
beschaulichen ruhigen Ort sehr genossen.
Von der Burganlage, die aus dem 13. Jahrhundert stammt, hat man einen guten Überblick über den Ort und von dort konnten wir auch unseren Ludwig auf dem Stellplatz erblicken.
Der Stellplatz war neu angelegt und mit allen Services für Wohnmobile ausgestattet, der Ausblick vom Stellplatz auf die Berge sehr angenehm und es gab sogar kostenfreies WLAN (wie eigentlich in allen 12 historischen Dörfern, aber es funktioniert nicht überall).
Auf dem Areal der örtlichen Kirche gibt es einen schönen Spielplatz sowie einen Fitnessparcours und wir haben beides sehr gründlich unter die Lupe genommen.
Am Abend wurden wir von einer
älteren Dame so vehement und ausdauernd auf Portugiesisch angequatscht, dass
Tommy irgendwann ganz genervt selbstgemachten Käse von ihr kaufte, um sie loszuwerden.
Beim Frühstück klopfte der nächste an die Womo Tür und diesmal war es ein junger Bursche, der uns Diesel (wahrscheinlich selbst zusammengerührt) verkaufen wollte.
Das ist die Kehrseite der Medaille des Tourismus und ich hoffe, dass sie durch diese Aufdringlichkeit die Gäste nicht vergraulen.
Linhares da Beira: von Linhares
haben wir uns aufgrund der Dauer unseres Aufenthaltes ein recht gutes Bild
machen können.
So sind wir einige Male durch die engen Kopfsteinpflaster
Straßen gelaufen (und Jamie mit dem Laufrad gefahren), haben die schnuckeligen
kleinen Häuser bewundert, die teilweise an die Felsen ran gebaut wurden, haben
in Marias Café leckeren Kuchen gegessen, bei Amèlia selbstgemachte Kekse
gekauft und viele Abstecher auf die romanisch-gotische Burganlage aus dem 12. Jahrhundert gemacht.
Von dort genießt man einen herrlichen Ausblick ins Umland; sei es runter ins Flachland oder hinauf in die Berge, wo man noch die verbrannten Überreste vom großen Feuer entdecken konnte. Tommy half bei einer Baumpflanzaktion direkt nach unserer Ankunft mit und in der Stadt erlebten wir während Feierlichkeiten einen Aufmarsch der örtlichen Blaskapelle mit anschließendem Feuerwerk. Die Portugiesen lieben Feuerwerk!

Monsanto: warum Monsanto als das portugiesischste Dorf Portugal bezeichnet wird, haben wir nicht in Erfahrung bringen können, aber es ist wohl eines der bekanntesten. Spätestens seit dem dort Dreharbeiten für die bekannte Serie „House oft he Dragon“ stattgefunden haben, ist der Ort über die Grenzen Portugals bekannt.
Die Bauweise der Häuser ist besonders prägnant, denn sie wurden aus Granit entweder unter, zwischen oder auf die großen Felsen gebaut, die dort überall präsent sind.
Wie in den meisten Dörfern Portugals und erst recht in den historischen Dörfern ist es überall sehr eng und es gibt wenig Parkplätze. Deswegen parkten wir einen Ort vorher auf dem Marktplatz von Relva und liefen den Berg hinauf zu Monsanto.
Das Dorf allein ist schon sehr sehenswert und von den verschiedenen Terrassen genießt man einen spektakulären Ausblick ins Umland. Zum Glück sind wir aber noch weiter gelaufen und haben einige Höhenmeter überwunden um zum Castelo Monsanto zu gelangen, welches hoch über dem Ort thront.
Die Wanderung
entwickelte sich zu einem richtigen Kletterabenteuer und war genau richtig für
unseren kleinen Weltenbummler. Monsanto ist immer eine Reise wert und wir
würden dort gern nochmal vorbeischauen und erneut einige hundert Bilder dort
schießen, da es dort unzählige schöne Fotomotive gibt.
Belmonte: das letzte unserer
besichtigten historischen Dörfer.
Zahlreiche aus Spanien vertriebene Juden siedelten und wirkten hier und bis heute hat sich eine der letzten kryptojüdischen Gemeinschaften der iberischen Halbinsel in Belmonte erhalten
(Wikipedia: Als Kryptojuden werden gelegentlich Konvertiten (vom Judentum zu einer anderen Religion) und deren Nachkommen bezeichnet, die entgegen ihrer öffentlichen Religionszugehörigkeit sich weiterhin der alten Religion verbunden fühlen und im Geheimen jüdische Kultur und Religion praktizieren.).
Sehenswert sind unter anderem die Burg, die romanisch-gotische „Capela de Santiago“ und die Ruine eines 22m hohen römischen Turms.