Nordirland, und hier speziell die
Causeway Coastal Route, sind ein ganz spezielles Stück Erde gespickt mit zerklüfteten
Küsten, sanften Höhenzügen, tiefblauer See und sattgrünen Wiesen sowie
Meeresküste, Berggipfeln, geschäftigen Städten, malerischen Dörfchen und
ehemals verkehrsreichen Häfen. Die Coastal Route beginnt kurz nach Belfast und
endet nach 190 km in Derry (Londonderry). Dies ist allerdings nur die
Hauptroute, von der sich zusätzliche Scenic Routes (was in Deutsch etwas
umständlich mit malerischer Fahrstrecke umschrieben wird) abzweigen und weitere
410 km zum Fahrvergnügen beisteuern. Es gibt zahlreiche Touranbieter, die
Touristen im Bus (von Klein- bis Reisebus) von einer Sehenswürdigkeit zur
nächsten fahren und besonders beliebt sind seit ein paar Jahren die Touren, die
die Drehorte der Fernsehserie Game of Thrones abfahren und die zahlende
Kundschaft fürs Erinnerungsfoto in angebliche Originalkostüme steckt und aus
dem Nähkästchen plaudert (falls der Guide in irgendeiner Weise in die
Dreharbeiten der Kultserie involviert gewesen ist).
Da wir 2019 bereits in Nordirland und Irland herumgetingelt sind, haben wir einige Sehenswürdigkeiten bewusst ausgelassen. Die Gründe hierfür sind vielfältig: 1) einmal anschauen hat gereicht 2) mit Kind vielleicht etwas gefährlich oder aus anderen Gründen nicht machbar 3) die Strecke wollen wir unserem Wohnmobil nicht zumuten.
Seit unserem Urlaub sind etwas
mehr als 3 Jahre vergangen und damals waren wir mit dem Mietwagen unterwegs.
Wenn man mit dem Womo, und hier speziell mit einer größeren Ausführung,
unterwegs ist, nimmt man die Dinge ganz anders wahr und schaut auch ganz anders
auf Straßen, Parkplätze oder die lokalen Gegebenheiten im Allgemeinen. Wir
haben Nordirland als sehr unfreundlich gegenüber Wohnmobilreisenden empfunden.
Am Besuch vieler Attraktionen wird man von vorneherein ausgeschlossen, weil der
Parkplatz mit einer Höhenbarriere versehen ist. Wir können verstehen, dass die
Vanlife Bewegung in den letzten Jahren Überhand genommen hat und man versucht,
der wachsenden Zahl von Übernachtungen auf solchen Parkplätzen zu begegnen.
Aber kann man die Höhenbarriere nicht tagsüber öffnen und abends schließen, so
wie es viele Shoppingcenter in den Städten machen? Fakt ist, wenn ein Wohnmobil
nicht auf den Parkplatz raufkommt und in der Nähe nicht parken kann, dann fährt
man eben weiter. Dann geben diese Touristen dort eben kein Geld aus; kein
Eintrittsgeld, keine Souvenirs, kein Kaffee und Kuchen im Café. Gerade dies
wirft man den Touristen im Wohnmobil oft vor, dass sie nur in ihrer „Bude“
hocken und dort Kaffee trinken, anstatt ihr Geld irgendwo im Ort auszugeben.
Aber wie es in den Wald hineinschallt….
Seit Covid hat sich das System
des Vorbuchens weitestgehend etabliert. Was damals durchaus Sinn machte, um die
Besucherströme zu organisieren und Massenansammlungen zu vermeiden, wird
inzwischen unserer Meinung nach ad absurdum geführt. Beim Giants Causeway zahlt
man keinen Eintritt für den Besuch des Causeways. Man verdient an den Parkgebühren.
Hier zahlt man inzwischen nicht mehr per Auto, sondern per Insassen (pro
Erwachsender 13,50 Pfund, pro Kind 6,50 Pfund). Da wir dieses System bereits
aus 2019 von den Cliffs of Moher kennen, stellte sich nur Tommy mit unserem
Womo in der Schlange für den Parkplatz an, nur um wieder davongeschickt zu
werden. Wir hatten keine Buchung. Für den Parkplatz! Und das an einem Montag im
Oktober, also in der Nebensaison. Ein paar Meter weiter gibt es einen
Ausweichparkplatz für all diejenigen, die ohne Buchung anreisen und der war
natürlich gerammelte voll. Wir quetschten uns trotzdem noch mit unserem Womo
dazwischen und zahlten sogar nur 10 Pfund für das Fahrzeug, unabhängig von der
Anzahl der Insassen.
In den Städten sieht es genauso schlecht mit dem Parken aus, aber das ist nicht auf Nordirland beschränkt. Es gibt gefühlt hunderte Parkplätze für Rollstuhlfahrer, ausgewiesene größere Parkbuchten für Reisebusse aber nichts für Wohnmobile. Schafft man es, zwei hintereinander liegende Parkplätze zu finden, zahlt man auch für beide. Manchmal ist man allerdings nur durch die Dummheit der Mitmenschen gestraft. Die parken nämlich auch ganz gern auf den wenigen vorhandenen Womo Stellplätzen, weil die halt so schön groß sind.
Hier also unsere Highlights für Nordirland, wobei die Reihenfolge keine Wertigkeit darstellen soll. Wer die Punkte auf der Karte mitverfolgt, wird erkennen, dass sie, von Belfast beginnend, aufgezählt sind.
1) Blackhead Lighthouse in Whitehead
Whitehead hat uns so gut gefallen, dass wir dort sogar zwei Nächte verbracht
haben. Der Parkplatz ist weiträumig, wir hatten unsere Ruhe und blickten direkt
aufs Meer und auf den Blackhead Leuchtturm. Die kleine Wanderung zum Leuchtturm
ist ebenerdig und Jamie konnte sogar mit seinem Laufrad fahren. Unterhalb des
Leuchtturms gibt es einige Höhlen und eine dieser Höhlen war Anfang der 1800
Jahre sogar bewohnt. Thomas McCartney
kam damals in die Gegend und begann als Lehrer zu arbeiten. Das war damals
nicht unüblich, denn ein etabliertes Schulsystem gab es noch nicht und die
Kinder wurden von erfahrenden Erwachsenen in Grundfächern wie Lesen, Schreiben
und Mathematik unterrichtet, ohne dass diese als Lehrer ausgebildet waren. Er
lebte einige Jahre in der später nach ihm benannten „McCartney´s Cave“ bevor er
in ein kleines Geschäftshaus in Fairview umziehen konnte. Die Wanderung führt
an mehreren Höhlen vorbei, um das Festland herum, auf dem der Leuchtturm steht
und an einer Stelle sogar durch den Berg hindurch. Auf der anderen Seite
angelangt, winden sich einige Stufen den Berg zum Leuchtturm hinauf. Dort kann
man seinen Spaziergang mit herrlichem Ausblick auf den Blackhead Path und
Whitehead fortsetzen, bevor man von den Stufen wieder nach unten zum Küstenweg
geleitet wird.
Der Blackhead Leuchtturm wude am 1. April 1902 in Betrieb genommen, ist 16 Meter hoch und wurde damals mit einem Nebelschallsignal betrieben. Bis 1965 ertönte in der Dunkelheit eine Explosion, die von einem hellen Blitz begleitet wurde, der bis zu 18 Seemeilen wahrgenommen werden konnte. Ab September 1965 konnte dieser Blitz elektrisch erzeugt werden, was die Sichtbarkeit auf 27 Meilen erhöhte. 1972 wurde der Betrieb der Nebelschallsignale eingestellt. Dort, wo früher der Sprengstoff für die Signale aufbewahrt wurde, findet sich heute die Elektronik für das ferngesteuerte Radarsystem, mit welchem die Mitarbeiter des Hafens in Belfast alle Schiffsbewegungen beobachten und kontrollieren können. Die früheren Unterkünfte der Leuchtturmwärter werden heute als Feriendomizile vermietet.
2) 9 Glens of Antrim
Die Glens of Antrim befinden sich im
gleichnamigen Verwaltungsbezirk Antrim im Nordosten und bestehen aus neun von
der Küste landeinwärts reichenden Tälern (=glens). Diese sind von Süden zum
Norden folgende Täler: Glenarm, Glencoy, Glenariff, Glenballyeamon, Glenaan,
Glencorp, Glendun, Glenshesk, Glentaisie. Wie unschwer zu erkennen ist, steckt
das Wort glen (Tal) in jedem der Namen. Glendun zum Beispiel bedeutet Tal des
(Flusses) Dun.
Nicht grundlos werden die Glens als area of outstanding natural beauty bezeichnet, also als landschaftlich besonders schönes Gebiet. Keines der Täler gleicht dem anderen, sie sind alle einzigartig, haben eine besondere Geschichte und sind durch ihre geographische Nähe zum Meer landschaftlich besonders reizvoll. Wir werden hier nicht alle aufführen, aber näher auf die eingehen, denen wir einen Besuch abgestattet haben.
Glenarm: bedeutet valley of the army, Tal der Armee. Im dazugehörigen Ort gibt es das bedeutsame Glenarm Castle mit seinem schön angelegten Garten. Wir verbrachten die Nacht am Yachthafen von Glenarm und erkundeten den Ort durch einen kleinen Spaziergang. Hervorzuheben ist der liebevoll angelegte und sehr geräumige Spielplatz, den wir natürlich genauer unter die Lupe nahmen. Die Ortschaft wirkte sehr verschlafen, schon fast verlassen, da wir kaum Einheimische zu Gesicht bekamen. Wir liefen zur Toreinfahrt des Schlosses, die erwartungsgemäß verschlossen war und schafften es später dennoch, einen Blick auf Glenarm Castle zu erhaschen, als wir durch den Wald und am Glenarm River entlang spazierten. Dort fanden wir haufenweise Kastanien, die Jamie dann immer gern in unseren Hosentaschen verstaut, weil da einfach mehr rein passt.
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