Bereits vor unserem
Schottland Urlaub haben wir uns ein Dachzelt für Tommys Auto
gekauft. Eigentlich ist unser langfristiger Plan, einen T1
(unbezahlbar) oder ein neueres Modell nach unseren Wünschen
umzugestalten und einzurichten und damit durch die Lande zu ziehen.
Da es bis zur Realisierung dieses Traums noch ein wenig Zeit und Geld
bedarf, stellt das Dachzelt eine Zwischenlösung für die gewünschte
Flexibilität dar und so entschieden wir uns recht spontan für den
Kauf. Seinem ersten Test wurde das Zelt erst einige Wochen später
unterzogen, weil es nach dem Kauf erstens noch ein wenig zu frisch
für eine Nacht draußen war und wir zweitens zu unserem Urlaub
aufbrachen.
Anfang Mai jedoch
ergab sich die Möglichkeit eines verlängerten Wochenendes und
dieses wollten wir gebürtig am Bodensee begehen: im Dachzelt, mit
geborgter Campingausrüstung und gespickt mit allerhand
Selbstvertrauen in unsere Campingfähigkeiten.
So begaben wir uns
Freitag nachmittag nach der Arbeit in Richtung Friedrichhafen und
erlebten unser erstes blaues Wunder: die Straßen waren frei! Kein
Stau auf der A7, wie man das an Freitagen kennt, kaum Autos unterwegs
und nur ein paar Behinderungen in Ulm aufgrund der zahlreichen
Baustellen. Dazu ein bomben Wetter welches uns gute Laune für das
Wochenende bescherte.
Ich hatte im Vorfeld
einen einfachen Campingplatz am Bodensee im Internet gesucht, auf dem
man keine 20 Nachbarn mit schreienden Kindern zu ertragen hatte und
war in Marktdorf fündig geworden. Die Naturcampingwiese klang
vielversprechend einfach und ich hatte bereits im Vorfeld abgeklärt,
daß wir dort auch mit unserem Dachzelt übernachten konnten.
Was man mit dem
Dachzelt beachten muß und was uns leider etwas spät bewußt wurde
ist die Tatsache, daß man mit Auto verständlicherweise aufgrund der
Bodenschäden nicht gern auf Zeltwiesen gesehen ist und somit einen
normalen Stellplatz neben all den Wohnwagen und Palästen auf Rädern
buchen muß, obwohl man mit diesen nichts gemein hat. Die Zukunft
wird zeigen, wie zufrieden wir mit dieser Einschränkung sein werden
oder ob wir nicht die meiste Zeit „wild“ campen werden um unsere
Ruhe zu haben.
Die
Naturcampingwiese war nicht so ganz einfach zu finden, weil zur
Orientierung nur eine Straße angegeben war, die in die Obstplantagen
führte. Nach längerem Suchen verstanden wir dann warum wir nichts
finden konnten, hatten wir doch den Zeltplatz nicht in den
Obstplantagen vermutet. Genau dort befand sich aber der recht kleine
Zeltplatz, der einen kleinen abgegrenzten Bereich für Fahrzeuge
hatte, auf dem wir aufbauen durften. Der Vermieter meinte dann noch,
der Platz sei für Wohnwagen und dergleichen reserviert, wo die aber
hätten Platz finden sollen blieb uns ein Rätsel. Egal, wir waren
die einzigen dort und konnten nach Belieben schalten und walten.
Von einem richtigen
Camping- oder Zeltplatz konnte übrigens nicht die Rede sein, da
alles irgendwie zurechtgezimmert war: überdachter Sitzbereich,
Toilette, Dusche, Kochbereich und noch nicht belegte Plätze, wo
später die zu vermietenden Tipis aufgestellt werden würden; alles
war selbstgemacht aus Paletten und jedwedem Holz. Ein benachbarter
kleiner Verschlag für Gänse sorgte für Unterhaltung und Lärm,
wäre dieser gewollt gewesen. Trotz alle dem konnte ich dem Zeltplatz
einen gewissen Charme abgewinnen, schließlich hatten wir alles, was
wir brauchten: Toilette mit fließend Wasser, eine Dusche (okay, das
Wasser war kalt und die Gasflasche habe ich trotz Drehens nicht
aufbekommen aber das hätte der Vermieter sicher gerichtet, wenn wir
ihn drauf angesprochen hätten) und unsere Ruhe. Da hatte ich schon
weitaus schlimmere Unterkünfte gesehen.

Unsere erste Nacht
im Dachzelt stand an und sie verlief auch recht undramatisch. Das
sollte sich aber in der zweiten Nacht ändern. Wir hatten den
Wetterbericht konsultiert und waren uns des bevorstehenden
Wetterumschwungs am Samstag bewusst. Daher packten wir auch das
Buszelt gleich am Morgen wieder ein, um später keinen naßen und
dreckigen Haufen Plane im Auto verstauen zu müssen. Das kriegt man
ja nie wieder trocken! Den ganzen Tag über war das Wetter noch sehr
schön und wir durchwanderten das Umland, aber das schlechte Wetter
brach am Abend über uns herein. Wir kochten und aßen unter dem
Holzpalettenverschlag und blieben dort auch trocken. Wir hofften das
selbige für unser Zelt. Es ist zwar imprägniert und damit
wasserabweisend, aber um die Wetterseite sorgten wir uns schon ein
wenig, schließlich prasselte dort schon seit Stunden der Regen ein
und die Nacht sollte es auch so weitergehen.
Um es
vorwegzunehmen, das Zeltinnere blieb trocken, aber wir schliefen
aufgrund der Ungewissheit sehr unruhig und schmiedeten bereits Pläne
für ein eventuelles Wassereindringen. Wir wären in den übernächsten
Ort gefahren wo wir eine Waschstraße für Autos gesehen hatten und
dort gab es Überdachungen hoch genug, die uns mit Auto und
geöffneten Zelt Schutz geboten hätten.

Nach ein paar
Stunden in Bregenz trafen wir die Entscheidung nach Hause
zu fahren,
denn es lies sich laut Wetter App kein Gebiet im Umfeld finden, wo es
nicht regnete und wohin wir hätten ausweichen können. Der Plan war
daß wir überall halten und übernachten würden, sollten wir
irgendwo vorbeikommen wo es nicht regnete. Aber der
Wetterverantwortliche tat uns diesen Gefallen nicht und so fuhren wir
zurück ins Frankenland, trockneten unser Zelt und schliefen im
weichen Bett. Und begannen sofort damit Pläne für den nächsten
Trip zu schmieden und wie wir unser Zelt vor besonders starken Regen
schützen können. Ausgereift und erprobt ist das Resultat dieser
Überlegungen natürlich nicht, aber wir sind bald wieder mit dem
Zelt unterwegs und werden selbstverständlich über Erfolg oder
Mißerfolg berichten.