Montag, 9. April 2018

Tag 14: zurück in die zweite Heimat


Ein wenig nervös war ich aufgrund unseres anstehenden Besuchs in Milford Sound schon und daher lies ich uns nicht wirklich viel Zeit fürs Fertigmachen am Morgen, schließlich hatte ich ständig im Hinterkopf, nicht zu spät kommen zu wollen. Wir hatten noch zu tanken und man sollte für die Fahrt nach Milford mindestens 1,5 Stunden ohne Fotostops einplanen. Wir verließen Te Anau gegen 20 Minuten nach 7 Uhr und nachdem ich ein paar trödelnde Wohnwagen überholt hatte, konnte ich mich endlich entspannen und auf meine Rückkehr freuen. Da ich die Straße nach Milford Sound schon gefühlte tausendmal gefahren bin, saß ich natürlich auch heute am Steuer und plapperte ununterbrochen Tommy kam in den Genuß meines gebündelten Wissens welches ich in 4,5 Jahren angesammelt hatte. 

Kurz vor Knobs Flat war dann allerdings erstmal Schluß, wir standen im Stau! Die Straße war komplett gesperrt, vor und hinter uns Unmengen von Autos und der Verkehr war komplett zum Erliegen gekommen. Wir standen ca. 20 Minuten und beim Weiterfahren war mir klar, daß wir die erste Cruise nicht mehr schaffen würden, weswegen ich den Fuß vom Gas nahm und gemütlich weiterfuhr. Andere hingegen hatten ganz offensichtlich die Hoffnung noch nicht aufgegeben und versuchten durch riskante Überholmanöver Zeit gutzumachen, blieben aber erfolglos. Die Milford Road ist nun mal keine Straße fürs Überholen schon gar nicht wenn man schon tief im Nationalpark drin steckt. Später in Milford erfuhren wir, daß es einen schlimmen Unfall mit Todesfolge gegeben hatte und diesmal hatte es einen der in Milford ansässigen Arbeiter getroffen. Die Milford Road ist tückisch und selbst wenn man die Straße schon tausendmal gefahren ist, kann es einen jederzeit erwischen.

Es war ein regnerischer Tag wie er für Milford eigentlich typisch ist und wie man den Fjord auch erleben sollte. Die Nebelschwaden hingen tief und die Wasserfälle fielen zu hunderten von den Felshängen. Ich kann nur immer wieder die Einzigartigkeit dieses Bildes betonen, denn normalerweise gibt es nur zwei permanente Wasserfälle in Milford; die meisten Wasserfälle verziehen sich sofort mit dem weiterziehenden Regen und andere hält es je nach Intensität des vorangegangenen Regens noch ein bis zwei Tage bis auch sie austrocknen. Wir hatten ja noch Zeit, da unser Boot erst kurz vor 11 ablegen würde und so liefen wir im Hafen umher und machten Fotos und ich fand ein paar Bekannte, mit denen ich plaudern konnte. 

Zur Cruise selbst kann ich gar nicht so viel sagen, da ich diese bereits unzählige Male miterlebt habe. Hier wäre es eigentlich an Tommy, seine Eindrücke zu schildern. Wir hatten unheimlich Glück denn wir sahen tatsächlich Delphine (sie waren allerdings nicht sehr aktiv, ich vermute daß sie schliefen), Robben (es kommt nur ganz selten vor, daß mal keiner von denen zu Hause ist) und sogar Fiordland Crested Penguins (zu Deutsch Fiordlandpinguin oder Dickschnabelpinguin). Diesen Dreier erlebt man nicht oft und so kann sich Tommy glücklich schätzen, dieses Tierspektakel miterlebt zu haben. Je weiter wir uns der Öffnung des Fjords näherten umso heller wurde es und die dicken Wolken hatten sich auf der Tasmansee komplett verzogen. Auf der Rückfahrt hellte es auch im Fjord auf und so waren wir fast in der Lage, Mitre Peak in seiner ganzen Herrlichkeit zu betrachten. Allerdings nur fast, denn ein kleines Zipfelchen Wolke verdeckte ihn bis zu unserer Abreise. 

Zumindest hatte sich der Regen verzogen und so liefen wir noch am Ufer entlang, gingen zum Lookout hoch und schauten natürlich nochmal im Café vorbei um uns ein wenig zu stärken. Inzwischen war es Mittagszeit und Tommy bekam ein Einblick in den Wahnsinn, den es bedeutet, sich an einer der beliebtesten Touristenattraktionen Neuseelands aufzuhalten; die Parkplätze waren alle am Überlaufen, kein Platz mehr für Busse oder Autos. An einigen Tagen soll es sogar so schlimm sein, daß die Autos an der Straße entlang bis zum Flugplatz oder sogar bis zur Milford Sound Lodge parken. Eigentlich viel zu viel für die Infrastruktur dieses kleinen Ortes. Der Hafen wurde bereits zu meiner Zeit vergrößert (das muß so 2012 gewesen sein) und inzwischen reicht er schon wieder nicht mehr aus. Nicht genügend Parkplätze, keine Tankstelle, nur ein kleines Café und von den Toiletten und der Kanalisation, die überhaupt nicht für diese Massen ausgelegt ist, wollen wir gar nicht erst reden. Irgendwann ist einfach Schluß und ich frage mich, wann dieser Punkt für Milford Sound erreicht ist und ob jemand die Charakterstärke besitzt, dies nicht nur zu erkennen sondern eine Änderung herbeizuführen (wie auch immer die aussehen wird).

Egal, wir waren auf dem Weg zurück nach Te Anau und machten all die Stops, die wir am Morgen ausgelassen hatten. Cleddau Valley, Homer Tunnel (von den Kea Räuberbanden (=Bergpapagai), die hier gern ihr Unwesen treiben, war leider nichts zu sehen), Cascade Creek (Wasserfall direkt an der Straße) und Mirror Lakes waren nur einige. Eigentlich wäre ich gern zum Key Summit gewandert, allerdings waren wir aufgrund des Unfalls am Morgen viel zu spät dran und gesehen hätten wir wegen des hier immer noch tiefhängenden Nebels sowieso nichts, deswegen mußte diese Wanderung leider ausfallen. 

Den Abend verbrachten wir wieder mit Unmengen von leckerem Essen bei Max und diesmal kamen noch einige Kollegen aus Milford dazu, die allerdings eher aus therapeutischen Gründen gekommen waren, weil man mit dem Ableben des Freundes und Arbeitskollegen klarzukommen versuchte. 







Mittwoch, 4. April 2018

Tag 13: herzliches Wiedersehen

Ohne große Eile standen wir heute morgen auf, frühstückten und sortierten mal wieder das Chaos in unseren Koffern. Tommy hatte gleich ein Erlebnis der besonderen Art, als er das Wolkenspiel über dem See fotografieren wollte und von einem Bauarbeiter von der anderen Straßenseite begrüßt wurde. Diese netten Überraschungen verfolgten uns noch den ganzen Morgen als wir den Mount Iron am Stadtzentrum bestiegen und zahlreichen Einheimischen begegneten. Meist ältere Leute in allerbester Laune, die unserer Vermutung nach diesen Berg jeden Tag im Rahmen ihres Fitnessprogramms besteigen, grüßten uns alle und der ein oder andere verwickelte uns sogar in kleine Gespräche übers Wetter, über Neuseeland und darüber wo wir herkamen. Alles total relaxt und entspannt. Erst später auf dem Rückweg gesellten sich mehr und mehr Touristen zu den Läufern und die Begrüßungen ließen nach. 

Oben angekommen findet man ein Schild, auf dem wieder berühmte hashtags für Wanaka vorgeschlagen werden (da war wohl ein gewitzter Marketingmensch am Werk), aber nach hier oben verirren sich dann doch nicht ganz so viele Leute wie an den See für den Baum, wahrscheinlich weil der Aufstieg mit etwas mehr Aufwand verbunden ist. 

Wir bemerkten sofort, daß es heute viel wärmer war als gestern und wechselten unten am Auto erstmal unsere Klamotten. Unser Ziel heute war Te Anau und dafür mußten wir zum dritten Mal über die Crown Range in Richtung Queenstown fahren. Wir machten noch einen kleinen Abstecher nach Cardrona (im Winter ein überlaufenes Skigebiet) und die Aussicht war Klasse. Allerdings kam hier oben schon wieder Nebel auf und auf der steilen Schotterstraße kam unser kleiner Mazda ganz schön ins Schwitzen, deswegen fuhren wir gar nicht bis ganz nach oben. 

Kurz vor Queenstown bogen wir ab in Richtung Piopiotahi (Milford Sound) und auf State Highways 6, 97 und 94 gings nach Te Anau. Dort waren wir für 18 Uhr zu einer Bootsfahrt auf Lake Te Anau verabredet und so wollten wir auf keinen Fall zu spät kommen. Gegen 17 Uhr erreichten wir den Ort und Tommy bekam eine Blitz-Stadtführung. Die beinhaltete eigentlich nur das Schlappen von Souvenirshop zu Souvenirshop, schließlich könnte es ja was geben, was wir bisher noch nicht gesehen hatten (unwahrscheinlich aber nicht unmöglich). 

Te Anau ist die letzte Ortschaft vor Milford Sound, wo ich viele Jahre gearbeitet habe und so habe ich natürlich sehr viel Zeit während meiner freien Tage meist in Te Anau oder in Queenstown verbracht. Meist aber in Te Anau, da ich Queenstown wie bereits erwähnt nie besonders leiden konnte, weil ich dort meistens den Touristen wieder begegnet bin, die mich auf dem Boot schon genervt hatten und das kann man an seinen freien Tagen nun wirklich nicht gebrauchen. Te Anau ist deshalb neben Milford Sound meine zweite Heimat, was natürlich größtenteils auch mit meinem besten Freund Max und seiner Familie zu tun hat, die hier wohnen. Mit Max habe ich in Milford gearbeitet und seine Frau und Sohn habe ich viele Male getroffen, mit ihnen Weihnachten gefeiert und dabei ihren Sohn aufwachsen sehen, der mir inzwischen über den Kopf gewachsen ist. 

Max arbeitet inzwischen nicht mehr fest in Milford sondern mal hier und mal da und heute eben auf einem Boot (der Faith) auf Lake Te Anau und hat uns zur 18 Uhr Fahrt eingeladen. Wir sind schon früher an der Anlegestelle und ich halte Ausschau nach Max, den ich auch sehr schnell erkenne und wir begrüßen uns nach all diesen Jahren so herzlich und vertraut, als hätten wir uns erst seit ein paar Wochen nicht mehr gesehen. Für die cruise sind nur 3 andere Passagiere anwesend sowie Harry, der das Boot normalerweise fährt; wahrscheinlich haben sie sich nicht richtig abgesprochen oder Harry hatte Langweile, das kommt bei den älteren Herrschaften schon mal vor. Es gibt drinks und kleine Knabbereien und jeder redet mit jedem. Eine richtig tolle Atmosphäre, die man auf keinen Fall auf einem Boot der Konkurrenz bekommen kann, wo man im Rahmen der Massenabfertigung mit 100 anderen Leuten auf das Boot gefercht wird. 

Nach dem Anlegen fahren wir zu Max nach Hause, wo bereits seine Frau Izumi auf uns wartet, die mit dem Sohnemann japanische / asiatische Spezialitäten zubereitet hat. Harry kommt später auch nochmal vorbei und hilft uns, die Unmengen von Speisen zu verzehren. Wie ich es von Max nicht anders kenne, reden wir über Gott und die Welt und Tommy fühlt sich auch gleich sehr wohl. Riku hat sein Zimmer geräumt so daß wir dort schlafen können und so gehen wir nicht allzu spät ins Bett, schließlich soll es morgen nach Milford Sound gehen, wo wir gleich die erste Cruise 8:55 nehmen wollen.





Sonntag, 1. April 2018

Tag 12: Sind die denn lebensmüde?

Heute morgen konnten wir uns endlich mal ein wenig Zeit mit dem Aufstehen und Frühstücken lassen denn wir hatten keine großen Entfernungen zurückzulegen. Ziel war Wanaka und vorher wollten wir noch ein paar Dinge in Queenstown machen, schließlich waren wir nicht nur zum Einkaufen hergekommen. 

Geplant war ein Abstecher zu Deer Park Heights, eine kleine Erhebung kurz vor Queenstown, von der man erstens eine tolle Aussicht über den Ort und das angrenzende Umland hat und welches außerdem bekannt für seine Rolle in Herr der Ringe wurde, weil man dort oben sehr viele Szenen für die 3 Filme gedreht hat. Ich war vor vielen Jahren schon oben gewesen und wollte mit Tommy nochmal hin. 

In der Touristinfo von Arrowtown erfuhr ich auf Nachfrage, daß Deer Park Heights seit 10 Jahren für die Öffentlichkeit gesperrt ist und man nur noch mit Privattouren Zutritt bekommt. Wenn man mag und flüssig genug ist, kann man 500 NZD aufwärts für Übernachtung und Tour buchen. Ähm, nein Danke! Hier spiegelt sich ganz deutlich eine Entwicklung wieder, wie man sie überall im Land beobachten kann; findige Geschäft- und Privatleute versuchen sich ein Stück am lukrativen Tourismuskuchen abzuschneiden. Daran ist ja grundsätzlich erstmal nichts auszusetzen, schließlich muß sich ja jeder seine Brötchen verdienen. Außerdem handelt es sich in diesem Falle um Privatgelände und dem Eigentümer dürfte nicht gefallen haben, so viele Leute durch sein Land trampeln und fahren zu sehen (es hält sich ja leider auch nicht jeder an ausgewiesene Straßen). Gegen eine geringe Gebühr für die Erhaltung der Infrastruktur ist auch gar nichts einzuwenden, aber allen Interessierten und Fans den Zutritt komplett zu verweigern und vom Geldbeutel abhängig zu machen, ist nicht okay.

Es gibt noch andere schöne Ecken in der Stadt und so liefen wir ein wenig durch die Queenstown Gardens, bevor wir uns noch einen Kaffee und Muffin gönnten und anschließend auf den Weg nach Wanaka machten. Um Zeit zu sparen, fuhren wir wieder über die Crown Range und wunderten uns bereits zum zweiten Mal über die lebensmüden Fahrradfahrer. Die Straße windet sich steil den Berg hinauf bis sie mit 1076 Metern den höchsten Punkt erreicht. Es ist extrem kurvig und selbst unser kleiner Mazda konnte teilweise nicht schneller als 30km/h fahren. Die Straße ist in diesen Kurven meist so eng, daß zwei Wohnwagen oder ein entgegenkommender LKW schon enorme Platzprobleme auslösen können, von abgesperrten Teilabschnitten nicht zu sprechen, wo mal wieder Geröll auf die Straße gepoltert ist und nicht gleich weggeräumt wird. An diesen Stellen haben schon unerfahrene Autofahrer ihre liebe Not und dann verlassen sich die Fahrradfahrer darauf, daß sie bei all diesen Extremen (steile Kurven, eventueller überdimensionaler Gegenverkehr, Verengung der Fahrbahn) nicht übersehen werden?!?!? Mir wäre das zu heikel. Ich kenne die Unfallstatistiken in diesem Bereich nicht, würde mich aber nicht wundern, wenn es dort schon öfter mal zu schlimmen Verletzungen von Fahrradfahrern gekommen wäre. Man muß sein Glück und seine Unversehrtheit nun wirklich nicht auf diese Weise herausfordern! 
 
In Wanaka checkten wir am Nachmittag im YHA ein und weil das Wetter so schön war, machten wir uns auch gleich wieder auf den Weg runter zum See. Uns fiel eine gewisse Touristendichte auf, deren Ziel wir alsbald ausgemacht hatten. Ein paar hundert Meter am Wanaka See entlang steht schon seit vielen Jahren ein einsamer Baum im Wasser, der bereits auf unzähligen Fotografien und Gemälden verewigt wurde. In Zeiten von social media und hashtags hat dieser Baum (#wanakatree oder #thatwanakatree) Berühmtheit erlangt und weil heutzutage scheinbar nur noch solche Aktivitäten als sinnvoll gelten, die man aufgrund von Fotos bei Facebook, Instagram etc belegen kann, schlappt nun jeder Depp mit seinem Smartphone bewaffnet die paar Meter bis zum Baum (keinen Meter weiter!), steht dort selfie-schießend im Weg herum und entschwindet alsbald wieder ins Stadtinnere, um dort einzukaufen, in den Pub zu verschwinden oder ins Auto einzusteigen und weiterzufahren. Weiter zum nächsten hashtag. Wir können über sowas nur den Kopf schütteln. Und nein, dies ist keinesfalls eine übertriebene Wahrnehmung unsererseits; wir teilen diese Beobachtung mit vielen anderen Menschen, die diese Oberflächlichkeit tagtäglich beobachten und nicht nachvollziehen können. Hauptsache ich war da und kanns per Foto beweisen und Hauptsache ich habe recht viele von diesen Beweisfotos; auf das Erleben an sich kommt es gar nicht mehr an. 

Egal, wir liefen jedenfalls weiter am See entlang und begegneten immer weniger Menschen. Der Hunger trieb uns allerdings irgendwann wieder zurück in die Jugendherberge, wo wir kochten und beim Essen einen wunderschönen Sonnenuntergang mit blutrot gefärbten Himmel beobachten konnten. Beim Kochen in solch einer Gemeinschaftsküche kann man übrigens auch ganz wunderbar Menschen beobachten und studieren und was man dort erlebt, würde wahrscheinlich für ein komplettes Buch ausreichen. Da wir ein solches allerdings nicht schreiben möchten, können sie wenigstens noch als lustige Anekdoten herhalten.










Donnerstag, 29. März 2018

Tag 11: Endlich wieder wandern und die herrliche Aussicht genießen


Gegen 7 Uhr unterhielten sich zwei Egoisten besonders laut vor dem Hostel, so daß ich wach wurde und nicht mehr einschlafen konnte. Als sie 20 Minuten später mit ihren knatternden Motorrädern davondüsten, war es komplett vorbei mit der Nachtruhe und auch der Rest des Hostels war endgültig wach und schlürfte nach und nach auf die Toilette (was man wunderbar am Knallen der Türen ausmachen konnte, denn Festhalten kann man ja so eine Tür unter gar keinen Umständen). Wir standen beide auf und waren sehr schnell abreisefertig; das Frühstück liesen wir ausfallen und wollten dies nach einer kurzen Wanderung nachholen. 

Das Wetter war fantastisch und wir konnten endlich Lake Hawea bewundern. Tommy hatte sich den Grandview Creek Track zum Wandern ausgesucht und vom dazugehörigen Parkplatz starteten wir gegen 8:30 Uhr. Nur ein anderes Päarchen hatte sich auf den Parkplatz verirrt und sie entschwanden recht schnell aus unserem Blickfeld, da sie es eilig zu haben schienen. 

Gleich zu Beginn der Wanderung überquerten wir ein und denselben Fluss (den Grandview Creek) geschlagene 6 Mal, weil er sich das Tal hinunterschlängelt und der Weg mittig durchführt. Dabei wurden wir von ungläubigen Kühen und einigen vereinzelten Schafen bestaunt, als hätten sie noch nie zuvor ein menschliches Wesen zu Gesicht bekommen. Der Anstieg hat es in sich, nach und nach wurde es steiler und wir hatten Glück, diese Wanderung am kühlen Morgen zu unternehmen. Fototechnisch war es aufgrund der tiefen Schatten allerdings schwierig. 

Nach knapp 2 Stunden waren wir so weit nach oben geklettert, daß wir einen herrlichen Ausblick auf Lake Hawea genießen konnten, wie dieser ganz behutsam von den umgrenzenden Gebirgsketten eingeschlossen wird. Wir saßen eine ganze Weile da oben und beschlossen, nicht bis ganz nach oben zu laufen denn besser könnte es kaum werden. Vielleicht hat der stark aufkommende Hunger zu dieser Entscheidung beigetragen, aber das sind nur Vermutungen. 

Als wir (gefühlt schon fast ausgehungert) 13 Uhr zum Parkplatz zurückkehrten, waren wir 4,5 Stunden unterwegs gewesen und fielen regelrecht über unseren Lebensmittelbeutel her. Inzwischen war es heiß und wir wechselten erstmal in leichtere Kleidung, bevor wir über die Crown Range in Richtung Queenstown fuhren. 

Natürlich stoppten wir im historischen Crown Range Hotel für einen Kaffee und ich war überrascht, wie herrlich gemütlich sie den Gartenbereich hergerichtet hatten. Daran konnte ich mich nicht erinnern, auch wenn ich schon mal hiergewesen war. In der Zwischenzeit war auch Prince Harry aus England hier und die interessierte Menschheit erfährt, daß er damals Würstchen mit Kartoffelbrei gegessen hat. 

Die meisten (wir natürlich auch) stoppen auch am BH-Zaun, der sich in nur einigen Meter Entfernung befindet und ein beliebtes Fotoobjekt darstellt. Die wenigsten lesen dabei vermutlich das Schild, welches die Begründung für das Vorhandensein dieses Zaunes liefert; man möchte hier auf das Thema Brustkrebs aufmerksam machen und sammelt gleichzeitig Geld für die Brustkrebsforschung. So einen Zaun hat es vor vielen Jahren woanders schonmal gegeben und ich kann gar nicht sagen, ob es ihn noch gibt. Wer mehr darüber weiß, kann ja gern mal einen Kommentar dazu hinterlassen. Er hatte allerdings nichts mit dem Thema Brustkrebs zu tun sondern entstand eher zufällig, weil sich vor vielen Jahren ein einsamer BH aus unerklärlichen Gründen an den Zaun verirrt hatte und viele Vorbeifahrende dies zum Anlaß nahmen, ihre ebenfalls nicht mehr benötigte Unterwäsche an den Zaun zu hängen. Sachen gibts..

Wir checkten in Arrowtown in unsere Unterkunft ein und stellten in dem Holiday Park fest, daß man dort die Bettwäsche extra dazukaufen muß (10 NZD pro Person). Desweiteren zahlten wir das erste und letzte Mal in diesem Urlaub für unser Internet (5 NZD) aber das funktionierte dann wenigstens schnell und ohne Unterbrechungen. Auch hier konnte ich leider nur noch ein Vierbettzimmer ergattern aber wir hatten Glück und blieben die Nacht unter uns. 

In Arrowtown selbst gibt es nicht viel zu tun und sehen und so fuhren wir nach Queenstown, weil ich es Tommy gern zeigen wollte. Ich mochte den Ort Queenstown aufgrund des ganzen Kommerzes nie besonders aber landschaftlich hat es einiges vorzuzeigen und Lake Wakatipu und die Fahrt nach Glenorchy (die wir aus Zeitgründen nicht gemacht haben) bezeichne ich definitiv als Highlights. Wir verschrieben uns heute allerdings auch dem Kommerz und kauften erstmal fleißig ein, vor allem Souvenire für die Daheimgebliebenen und das ein oder andere Präsent für uns selbst. 

Ich gebe zu, daß ich mich in Queenstown auch besonders fleißig umgeschaut habe mit der Hoffnung, das ein oder andere bekannte Gesicht zu erhaschen, was natürlich aufgrund der vielen Backpacker nicht einfach ist, aber der ein oder andere meiner früheren Arbeitskollegen arbeitet nun für die hiesigen Tourismusfirmen. Entdeckt habe ich allerdings niemanden.

Den Abend haben wir dann bei einer Flasche Wein ausklingen lassen bevor wir uns in der Nacht dann fast den Allerwertesten abfroren. In Otago fallen die Temperaturen um diese Jahreszeit schon sehr tief. 










Tag 10: Wettereskapaden


Aufgrund der bereits erwähnten Engpässe im Übernachtungsgewerbe konnte ich für diese Nacht lediglich eine Übernachtung in Wanaka erhaschen was leider bedeutete, daß wir heute wieder eine lange Zeit im Auto verbringen würden. Somit schliefen wir nicht länger als 8 und verliesen Christchurch nach dem Frühstück in Richtung Süden. 

In Ashburton hielten wir kurz, weil dort eine Art Oldtimertreffen stattfand und Tommy diese Autos besichtigen und fotografieren wollte. Danach noch kurze Stops in Fairly, Lake Tekapo und Lake Punakaiki (wo ich gehofft hatte, einen kurzen Blick auf Mount Cook erhaschen zu können aber wie so oft verschwand er hinter einer dicken Wolkendecke) und am Lindis Pass.


Als wir endlich in Wanaka eintrafen, setzte zeitgleich heftiger Regen ein, der auch bis zum nächsten Morgen nicht nachlassen wollte. Klassse! Da ist man endlich an seinem Ziel angelangt und möchte sich die Beine vertreten und es geht nicht. Das hatten wir doch bereits auf der Nordinsel

Im Wanaka Hostel konnte ich leider nur ein 4-Bett-Zimmer erhaschen und dort schlief bereits jemand als wir gegen 18 Uhr eincheckten. In der viel zu kleinen Hostelküche/ -lounge stapelten sich aufgrund des Wetters die Bewohner und einige von ihnen hatten dort eigentlich nichts zu suchen, da sie zum anliegenden Campingplatz gehörten und die Küche ausschließlich für die Hostelnutzer vorgesehen war. Wenn man aber in einem vollgepackten Van wohnt, ist das Kochen im Regen äußerst ungünstig. Wir schafften es dennoch irgendwie zu kochen und einen Sitzplatz zum Essen zu erhaschen und verzogen uns danach in den anliegenden Pub, wo wir uns noch ein Bierchen /Radler zum Ausklingen des Tages gönnten. 

Als wir dann 21 Uhr ins Bett gingen (was soll man bei dem Regen auch anderes machen? Internet funktionierte aufgrund der vielen Nutzer auch nur spärlich) war das 4er Zimmer vollständig und die bereits vorher schlafende Person hatte sich noch keinen Zentimeter bewegt. 

Den älteren Herren kann man nur für sein wunderbares Timing bewundern, denn just als sich jeder zum Schlafen gelegt hatte (der ein oder andere dillerte vorher noch auf seinem Handy oder Laptop rum oder schaute Bilder auf der Kamera an) begann er zu schnarchen. Kein leises zurückhaltendes Schnarchen, nein! Ein Schnarchen, mit dem man einen ganzen Wald hätte umlegen können. Tommy wurde es irgendwann zu blöd und er stupste ihn an und dann hatten wir glücklicherweise unsere Ruhe.