Sonntag, 12. Mai 2024

Trolljagd in Dänemark (nach Thomas Dambo)

 

Thomas Dambo ist ein dänischer Recycling- Künstler, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, den Menschen zu zeigen, dass man Dinge nicht wegschmeißen muss sondern wiederverwenden kann. Er verwandelt Müll in großformatige Kunstwerke, um darauf aufmerksam zu machen, dass es schonender ist, Materialien zu recyceln, anstatt sie wegzuschmeißen und sich über schwindende Ressourcen zu ärgern. Inzwischen hat er seine Kunstwerke in 20 Ländern auf 5 Kontinenten verteilt, aber Dänemark hat das Glück, einen Großteil davon abbekommen zu haben. Schuld daran war Covid, weil seine Aufträge u.a. für die Olympischen Spiele in Japan abgesagt wurden. Und so veranstalteten Thomas und sein Team das Kæmpestore Troldefolkefest (Das große Trolliefolkyfest) in der Heimat und bauten 10 Trolle, die in ganz Dänemark verstreut sind. Es gibt eine online Trollkarte mit deren Hilfe man sich einen guten Überblick über die Lage der Trolle weltweit verschaffen kann. Diese Karte hier ist für das Finden der Trolle in Dänemark unserer Meinung nach hilfreicher da die Adresse angegeben wird.

Die Trolle sind nicht immer auf Anhieb zu finden und das ist Absicht. Thomas Dambo möchte, dass man mit offenen Augen durch die Welt geht, Abenteuer erlebt und sich auf Neues einlässt. Deswegen stehen die Trolle oft in Parks und Wäldern und sind nur über einen Spaziergang zu erreichen.

Unser Ziel ist es nicht, alle Trolle in Dänemark zu finden, aber wenn sie auf dem Weg liegen oder über einen kurzen Abstecher zu erreichen sind, nehmen wir diesen Umweg gern in Kauf. Deswegen möchten wir hier einen Überblick über die von uns gefundenen Trolle geben und, für die Wohnmobilisten unter Euch, Tipps fürs Parken geben, was bekanntlich mit einem Wohnmobil nicht immer so ganz einfach ist.

Wir führen die Trolle der Einfachheit halber in der Reihenfolge auf, wie wir sie besucht haben.


Ben Chiller: Thorsagervej 21C in 8544 Mørke (Troll #007)

Ursprünglich saß Ben Chiller 2015 bei einem Musikfestival in Aarhus, wo er „chillte“ und die Musik zusammen mit den anderen Festivalbesuchern genoss. Damals waren noch beide Beine ausgestreckt und die jeweils 11 Meter dienten als Sitzgelegenheiten. Inzwischen wurde er zu seinem jetzigen Standort in Mørke auf Djursland umgezogen. Dort ist er von der Straße aus gut zu sehen, da er auf einer Anhöhe sitzt. 

An der Straße kann man schlecht parken, deswegen sind wir vom Ebeltroftvej kommend rechts in den Thorsagervej abgebogen und dann gleich bei der nächsten Gelegenheit rechts auf einen Feldweg. Die Stelle macht den Eindruck, dass unser Womo nicht das erste Fahrzeug ist, dass dort abgestellt wurde, vermutlich ist es eine recht beliebte Stelle zum Parken. Von dort läuft man nicht mal 5 Minuten zum Ben. 




Sigurd: Vesterskovgårdsvej, 8544 Mørke (Troll #52)

Um Sigurd zu finden, fährt man durch Mørke durch, am besten mit Hilfe einer Navigationshilfe weil es durch ein Wohngebiet hindurch geht. Der Troll selber befindet sich dann aber am Ortsrand. Wenn man einen guten Parkplatz für Ben Chiller gefunden hat, kann man die paar Kilometer sicherlich auch zum Sigurd laufen, aber auch das dann nur mit Navigation da die Trolle nicht ausgeschildert sind (Thomas Dambo möchte schließlich den Entdecker in uns wecken). Die Straße ist nicht besonders breit aber auch keine Hauptverkehrsstraße. Wir konnten unser Womo am Straßenrand parken (etwas holprig, da vom Regen ausgespült) und es war noch Platz genug für andere Fahrzeuge zum Vorbeifahren. Das Wenden ist dort aber nicht möglich, fahrt die Straße einfach weiter und irgendwann kommt man auf eine größere Straße.

Der Troll Sigurd heißt eigentlich Sigurd, the bird and the red thing (Sigurd, der Vogel und das rote Ding) und das bezieht sich auf das folgende kleine Gedicht:

 

„Dies ist die Geschichte von Sigurd dem Troll
Ein tapferer kleiner Troll mit einer hilfreichen Seele
Es ist weder das erste noch das letzte Mal, dass diese Geschichte erzählt wird
Denn die Geschichte ist neu, doch der Sinn ist alt

 Er saß im Gras und hörte das Gras wachsen

Er fühlte die Sonne auf seinem Fell glühen und den Wind wehen
Doch dann kam schnell ein Vogel und setzte sich auf seinen Zeh
Er funkelte wie ein Sperling und sprach wie eine Krähe
 
Der Vogel sah Sigurd an, Sigurd sah den Vogel an
Da sprach der Vogel zu Sigurd: „Bitte hilf, hast du gehört?
Da ist ein seltsames Tier bei dem Hügel, das alle kleinen Vögel erschreckt.
Es ist rot, riecht wie ein Scheißhaufen und macht so viel Lärm, dass es weh tut.
 
Dann liefen sie zum Hügel, wo sie sich bei einem Felsen versteckten.
Oder der Vogel lief nicht wirklich, sondern saß nur auf Sigurds Schulter.
Und von der Schulter und dem Felsen sahen sie ein seltsames Ding
Es war rot, hatte vier Beine und lief in einem Ring herum.
 
Zuerst schrie Sigurd: „Hey du! Bitte sei nicht so laut'
Aber es rannte weiter in einer großen stinkenden Wolke herum
Da sagte der Vogel: „Wirf einen Stein, Sigurd, damit es aufwacht.
Der Stein traf ihn am Auge, aber er hörte immer noch nicht auf.
 
Dann ging Sigurd raus und sagte ihm, es solle aufhören.
Aber das Ding konnte ihn nicht sehen und rannte direkt in sein Bein.
Jetzt sahen Sigurd und der Vogel, dass das Tier nicht wach war.
Seine Haut war kalt, sein Bauch hart, seine lächelnden Augen waren falsch
 
Also setzte sich Sigurd auf das Tier und hielt es gut fest.
Der Vogel sagte: „Danke, Sigurd!“ und rollte den Hügel hinunter.
Wieder und wieder, bis er alt wurde
Und das ist die Geschichte von Sigurd dem Troll“.









Simon & Anine in 8381 Tilst bei Aarhus (Trolle #20,21 – vorher #8)

In 2015 wurde Simon Selvgjort am Stadtrand von Aarhus, in Tilst aufgestellt aber da er später an eine andere Stelle umziehen sollte, wurde er nicht mit dem Erdboden verbunden. Ein Sturm wütete kurze Zeit später und zerstörte Simon komplett. Das 14 jährige Mädchen Anine war sehr bestürzt darüber und begann, Geld für den Wiederaufbau zu sammeln, was sie innerhalb von 4 Tagen bewerkstelligte. Da ein Künstler selten exakte Kopien seiner Werke erstellten möchte, veränderte er Simon und gab ihm die Aufgabe, sich selbst einen Kompagnon zu basteln, der ihm Gesellschaft leisten soll. Diese Freundin bekam den Namen Anine.

Simon & Anine sind leicht zu finden, sie stehen in Tilst direkt an der Hauptstraße (Ecke Viborgvej und Havkaervej). Dahinter befinden sich KFC, eine Tankstelle und ein großer Shopping Parkplatz, sodass das Parken hier kein Problem darstellt. 









Starker Sturm: Gjessovej 44, 8600 Silkeborg (Troll #65)

Starker Sturm steht mitten im Wald und genießt die Aussicht ins Umland. Er wacht über die Tiere des Waldes. Wir parkten am KunstCentret Silkeborg Bad und bestaunten beim Durchqueren des Parks die vielen Statuen und Kunstwerke. Es gibt auch einen kleinen Musikpark, der zum Musizieren einlädt. 

Man läuft dann eine kleine Anhöhe hinauf auf ein rotes Holzhaus zu und hier hält man sich rechts und betritt den Wald. Der Weg ist nicht lang und sobald man den Bunker am Wegesrand entdeckt hat, kann man links abbiegen. Von hier sieht man den Troll dann auch schon. 

Silkeborg Bad ist geschichtlich sehr interessant, weil sich hier während der deutschen Besatzung Dänemarks 1940-1945 das Hauptquartier der Wehrmacht befand. Im Bunkermuseum gibt es eine Ausstellung mit Fotos und Gegenständen aus dieser Zeit. 






Elle: Hybenvej, 8800 Viborg (Troll #114)

Elle ist 6 Meter hoch und trägt einen drei Tonnen schweren Stein in ihren Händen. Sie steht in einer Kiesgrube hinter der Søndre Skole und wacht über den Ellehügel, der hinter ihr liegt. Sie passt auf die Natur auf und schützt sie vor den Menschen. Inspiriert wurde Thomas Dambo von dem folgenden Gedicht:

Es war einmal ein Feenhügel, so jung und schön und süß
Einst tanzten die Feen, wenn die Sonne rot war
Einst gab es Blumen, Buchen und den Schmied in Gold gekleidet
Einst war die Erde voller Würmer, und der Maulwurf grub den Boden um.
 
Dann kam ein riesiges Ungeheuer und biss in den Hügel
Da schrie das Feenmädchen und lief über das Feld davon.
Viele lange Jahre vergingen, und die Spitze wurde braun
Und das Feenmädchen kehrte als Frau zum Hügel zurück
 
Und in einem Sack trug sie hundert Steine auf ihrem Rücken
Und nun hat sie sie quer über das Feld gelegt, wie einen Schutzwall, der den Hügel abschirmt
Dahinter hat Elle ein Versteck vor dem Ungeheuer
das versucht, den mit Blumen gefüllten Hügel zu betreten und zu verschlingen.

Es gibt zwar einen kleinen Parkplatz an der Straße, aber diesen nutzten wir nicht. Da wir sowieso die Nacht in Viborg verbrachten, parkten wir im Sønæs Park und liefen den knappen Kilometer zum Troll. Ein wunderbarer kleiner Spaziergang zu dem künstlich angelegten Eventpark. Da man die meiste Zeit durch ein Wohngebiet läuft, befindet man sich größtenteils nicht an der Hauptverkehrsstraße. 




Wilder Emil: Tinkerdalsvej, 7500 Holstebro (Troll #93)

Als Adresse wird der Tinkerdalsvej angegeben und dort befindet sich auch ein Parkplatz, der ist aber sehr klein und für große Wohnmobile eher ungeeignet. Bleibt einfach auf der Hauptstraße Viborgvej (das ist die 16) und da gibt es dann einen von der Straße gut einsehbaren Waldparkplatz mit öffentlicher (sauberer) Toilette und groß genug für mehrere Wohnmobile.

Der Ort ist auch ohne den schlafenden Emil sehenswert, gerade für Familien mit Kindern. Auf dem angrenzenden Outdoor Spielplatz und Hindernis Parcour können sie sich wunderbar austoben. Gefühlt wandelt man auf einer Baumplantage denn sie stehen alle in einer Linie, in gleichem Abstand zu einander und die meisten von ihnen kerzengerade. Folgt man dem Hinweis des Gedichts und schaut nach Bäumen, die diesem Ideal nicht entsprechen, findet man den schlafenden Emil in seiner kuscheligen Waldbehausung.

"Dies ist eine Geschichte über eine besondere Art von Wildnis.
Wo die Bäume aufgereiht sind ohne Makel, ohne Durcheinander.
Aber für den Troll namens Vild Emil braucht der Wald keinen Kamm.
Deshalb werden Holzfäller seinen Weg meiden - oder nie wieder nach Hause kommen
Emil mag krumme Bäume (gerade Linien sind ein Schandfleck).
Äste wachsen auf Ästen und verzweigen sich zum Erkunden.
Wenn du Emil finden willst, geh dorthin, wo die Bäume gesponnen sind.
Aber wenn du ein Grunzen hörst, drehst du dich besser um und rennst."





Ask von Ashøj: Ashøjgade 47, 7760 Hurup Thy (Troll Nr. 68)

Wir hatten den folgenden Standpunkt (N 56.7540 E 8.4059) in der Ashojgade als unseren Parkplatz auserkoren und liefen von dort zum Troll. Es gibt zwar dort einen Parkplatz, aber der befindet sich im Wald und es ist nicht besonders viel Platz. Deswegen waren wir froh, unser Womo dort nicht abstellen zu müssen.

Das Suchen des Trolls ist immer das Spannendste bei der Trolljagd. Meistens haben wir uns in zwei Gruppen aufgeteilt und können uns durch unsere Walkie Talkies gut verständigen, weil wir den Tommy irgendwie immer verlieren. 

Ask ist der größte Troll in Dänemark. Und er sitzt auf einem 93 Meter hohen Hügel, der höchste Punkt Thys (Dänemark ist generell sehr flach). Gut versteckt sitzt er mitten auf einer Lichtung, mit einem Stein in der einen und einem Stock in der anderen Hand. Er repräsentiert die Kräfte der Natur. Thomas Dambo sagt über Ask: „Wenn Sie die Natur schlecht behandeln, werden die Trolle kommen und Sie schlagen, Ihre Kinder essen oder Ihren Hamster töten. Aber wenn Sie sich richtig verhalten, kann er Ihnen helfen, ein Nest zu bauen oder einen Baum zu pflanzen.“



Ivan Evigvår: Skovvej 4, 9550 Mariager (Troll Nr. 70)

Ivan wohnte früher im Südhafen von Kopenhagen, musste dann aber sein Zuhause aufgrund von Platzproblemen bei der Vergrößerung des Südhafens verlassen. Es wurde ein Wettbewerb ins Leben gerufen um ein neues Zuhause für Ivan zu finden und am Ende stimmten 51.000 Menschen über seine neue Bleibe ab. Er steht nun in einem schönen Park (Munkholm Anlagget) in Mariager in Nordjütland und bezog in 2022 sein neues Heim. 

Als Adresse ist Skovvej 4 angegeben, dort befindet sich aber ein Haus. Man fährt durch eine bewohnte Siedlung, es gibt also nicht besonders viele Parkmöglichkeiten. Entweder man googelt, ob man nicht woanders entlang der Munkholm Anlagget parken kann, oder man wählt den kleinen Parkplatz entlang des Skovvej. Er ist nicht zu verfehlen, weil er die einzige Parkmöglichkeit darstellt und man sieht rechts sofort den kleinen Teich. Der Platz ist groß genug für eine kleine Anzahl Wohnmobile, aber dort könnten natürlich auch PKW stehen sodass es dann schon eng werden könnte. Von dort läuft man runter zum Wasser, hält sich rechts und besteigt den kleinen Hügel, auf dem Ivan wohnt. 





Pil Tusindtunge: Egholm, 9000 Aalborg (Troll # 66)

Die kleine Insel Egholm befindet sich im Limfjord zwischen Aalborg und Nørresundby. Innerhalb von 5 Minuten ist man mit der Fähre auf die andere Seite des Limfjordes übergesetzt und nun stehen diverse Wanderrouten zur Verfügung, wobei die gelbe und die grüne Route direkt bei Pil vorbeiführen (siehe Bild). 

Dieser kann mit Tieren und Menschen sprechen (deshalb der Name „Tausendzunge“). Besucher schreiben ihre Wünsche auf Steine und legen diese in den Eimer, den Pil vor sich hält. Später dann berät er sich mit den Tieren des Waldes, ob die Wünsche erfüllt werden sollten oder nicht.

Geparkt haben wir auf dem Parkplatz am Faergevej, was ein Sammelparkplatz für Fährnutzer, Besucher des angrenzenden Vestre Fjordparkes (sehr zu empfehlen!) und Spaziergänger ist. Runter zur Fähre sind es nicht mal 2 Minuten und die fährt jeweils zur vollen und halben Stunde. 






Wer Thomas Dambo folgen möchte, kann dies entweder auf seiner Homepage tun oder für aktuellere Infos auf Instagram vorbeischauen.

Fazit: Natürlich haben wir bei den Trollen immer auch andere Trolljäger getroffen und dabei handelte es sich nicht nur um Familien mit Kindern. Die Trolle begeistern Jung und Alt und Thomas Dambo hat liebevoll gestaltete Sehenswürdigkeiten hinterlassen, die Besuchern hoffentlich noch lange erhalten bleiben und ihnen das Verweilen und Entdecken in der Natur zu einem besonderen Erlebnis machen. Wir werden unsere Augen auf jeden Fall auch in anderen Ländern offen halten, um unsere Liste der besuchten Thomas Dambo Trolle irgendwann erweitern zu können. 

Noch ein kleiner Hinweis. Die Gedichte klingen teilweise etwas holprig, was der Übersetzung aus dem Dänischen geschuldet ist. Da wir des Dänischen nicht mächtig sind, haben wir uns eines Online Übersetzers bedient, die zwar heutzutage bereits gute Arbeit beim Übersetzen von Texten liefern, aber ein Gedicht zu übersetzen ist nicht das selbe wie eine Bedienungsanleitung oder ein Reisebericht. 


Samstag, 13. April 2024

In Portugal unterwegs Teil III: wo wir uns besonders wohl gefühlt haben


Nach unserem Bericht von Zentralportugal und den historischen Dörfern Portugals geht es nun weiter mit den anderen Highlights des Landes. Auch außerhalb der historischen Dörfer Portugals kann man hervorragend Urlaub machen, die Landschaft genießen und ein Gefühl vom portugiesischen Alltag bekommen. Hier sind unsere Favoriten: 


Porto Covo liegt an der Westküste Portugals unterhalb von Lissabon in der Region Alentejo. Es handelt sich um ein Naturschutzgebiet, welches sich über die gesamte Küste von Südwestportugal erstreckt. Mit Stand 2021 lebten im Ort etwas unter 1100 Einwohner wobei dieser Schnitt im Sommer durch die zahlreichen Urlauber und Badegäste um ein Vielfaches angehoben wird. Dann sind all die Ferienwohnungen belegt, die sich während unseres Besuchs teilweise noch in der Entstehung befunden haben und die vielen anderen hässlichen Betonblöcke, die es bereits gab.

Besonders schön ist der Ort eigentlich nicht, wenn man mal vom sehr kleinen Ortskern absieht, mit seinen weiß getünchten Häusern, die vor allem touristische Läden beherbergen (Souvenire, Bekleidung, Strandutensilien) aber auch kleine Restaurants, eine Eisdiele etc. Die Häuser wurden nach einem Erdbeben 1755 neu aufgebaut. 

Entlang der Steilküste gibt es mehrere kleinere Strände, sodass man nicht wie die Sardinnen alle auf einem großen Strand gepfercht herumliegen muss. Die Küste von Porto Covo ist sehr felsig und so sind die Strände alle von Klippen umgeben, die teilweise durch Höhlen miteinander verbunden sind. Bei Ebbe kann man durch die Höhlen durchlaufen sie und erkunden, was natürlich gerade bei Kindern sehr beliebt ist. Man sollte sie dabei aber nie aus den Augen lassen, denn wenn die hohen Wellen in die Höhlen einschießen, kann es schon mal sein, dass sie komplett überspült werden und der Sog des sich zurückziehenden Wassers kann für Kinder sehr gefährlich werden. Das Wasser ist generell sehr kalt (zu kalt für uns Mitte April) aber die Sonne war schon sehr stark.



Alcácer do Sal
liegt ebenfalls in der Region Alentejo und besitzt unserer Meinung nach keine besonderen Sehenswürdigkeiten. Der Spaziergang entlang an beiden Flussufern entpuppte sich allerdings als eine sehr kurzweilige Angelegenheit und bot eine willkommene Abwechslung nach der Anreise im warmen Wohnmobil. Ein Spielplatz war direkt neben unserem Stellplatz vorhanden sodass auch Jamie voll auf seine Kosten kam. 

Wer sich für Kulturgeschichte interessiert, kommt in der Gegend um Alcácer do Sal ganz bestimmt auf seine Kosten, da die Besiedlung des Gebiets in verschiedenen Epochen stattgefunden hat und dies durch archäologische Stätten gut dokumentiert werden konnte: Einflüsse aus Steinzeit, phönizischer Zeit, Römischem Reich und islamischer Besiedlung können alle nachgewiesen werden.



Faro ist die Hauptstadt der Region Algarve. Der Reiseführer versprach zahlreiche Sehenswürdigkeiten und wir machten uns zu Fuß von unserem etwas außerhalb gelegenen Stellplatz in die Innenstadt. Irgendwie kamen wir aber nicht dort an, wo wir eigentlich hin wollten, da Google mal wieder alles super kompliziert machte. Irgendwann hatte Jamie dann keine Lust mehr und ließ sich nur noch durch die Aussicht auf ein Eis locken. 

Wir landeten dann im Hafen von Faro, wo wir eigentlich etwas essen wollten, aber die Preise waren unverschämt hoch. Allerdings gab es einen Spielplatz, den wir recht lange bevölkerten und die vielen Boote und Jachten im Hafen stellten geduldige Fotomotive dar. Anschließend fanden wir in der Stadt ein Eis sowie etwas zum Mittag und mit gefülltem Magen konnten wir irgendwann auch den Rückweg zu unserem Ludwig antreten. Tommy hat Faro nicht gefallen, ich fand es eigentlich ganz hübsch.

Wir sind von der Algarve im Allgemeinen etwas enttäuscht, schließlich wird um die Region so ein Hype gemacht. Wir fanden es einfach nur anstrengend, weil sich die Stellplatzsuche für die Nacht als sehr schwierig entpuppte und selbst für den Tag findet man keinen Parkplatz für ein Wohnmobil, um sich am Strand austoben zu können. 

Von Einheimischen haben wir erfahren, dass die Polizei dort nicht besonders gut auf Wohnmobile und Vans zu sprechen ist und einfach mal flächendeckend Knöllchen verteilt, weil sie davon ausgehen, dass ein am Tag parkendes Wohnmobil dort auch gleich die Nacht verbringt. Da kann es sogar passieren, dass man ein Knöllchen bekommt, obwohl man in der Windschutzscheibe gut sichtbar das Ticket von seinem bezahlten Nacht-Stellplatz anbringt, was die Polizei nicht sonderlich interessiert. Die Algarve ist der Urlaubs-Hotspot Nummer eins und das merkt man natürlich auch sofort am Wohnmobil Aufkommen. Die Einheimischen finden das inzwischen auch nicht mehr lustig, wie wir weiter oben schon beschrieben haben. Wir hatten jedenfalls ziemlich schnell die Nase voll und sind weitergefahren Richtung Spanien, wo sich die Stellplatz Situation ganz anders darstellt.




 

Guarda liegt ebenfalls in Zentralportugal (Centro) und ist laut Wikipedia die höchstgelegene Stadt Portugals (1056 m ü NN). Sightseeing haben wir dort nie aktiv betrieben, den Guarda war, neben Celerico, unser Anlaufpunkt für Besorgungen, Einkaufen und Wäschewaschen, wenn wir Linhares aufgrund eines leeren Kühlschrankes und leerer Wassertanks verlassen mussten. 

Ortskern und Kathedrale von Guarda sind sicherlich einen Besuch wert. Aufgenommen haben wir Guarda in diese Liste wegen eines überdimensional großen Spielplatzes mit liebevoll gestalteten Klettergerüsten für Kinder verschiedenen Alters. Ganz besonders erwähnenswert ist hier die Raumstation, durch welche auch wir uns hindurchquetschen mussten und was trotz des wenigen Platzes viel Spaß gemacht hat. Hier hat sich die Stadt was richtig tolles für die Kinder einfallen lassen und wir sind der Meinung, dass dies auch mal erwähnt werden darf. Der Name des Parks: Parque Infantil Popis no Espaco, in unmittelbarer Nähe des offiziellen Wohnmobil Stellplatzes mit Entsorgungsmöglichkeiten. Was will man mehr? 







Barril de Alva liegt ebenfalls in der Region Centro und bot uns für mehrere Tage ein Zuhause während wir auf die Lieferung der Dachluken im nicht weit entfernten Pinheiro de Coja warteten. Der Stellplatz ist etwas abgelegen vom Dorf und direkt an der Straße befindet sich das Café Quinta do Urtigal. Man blickt auf ein Viadukt, welches über den Fluss Alva führt. 

Wir haben uns sagen lassen, dass man hier im Sommer einen künstlichen Strand aufschüttet, um das Baden im Fluss zu ermöglichen. Ungefähr zwei Kilometer weiter zu Fuß befindet sich zwar ein offizieller Strand, der Praia fluvial do Urtigal, aber erstens mag es die Menschheit einfach und mit dem Auto gut zu erreichen und vermutlich ist das Café nicht böse über die zusätzlichen Einnahmen aufgrund des neu geschaffenen Strandes direkt vor der Tür. 

Der eigentliche Strand ist allerdings um einiges schöner, er besitzt aufgrund des Höhenunterschieds einen kleinen Wasserabgang, man kann dort wunderbar paddeln und die Gemeinde hat einen großzügigen Picknickplatz mit Feuerstelle angelegt, wo portugiesische Großfamilien genügend Platz haben, um Omas dreißig Enkel auch wunderbar versorgen zu können. Wir warfen dort Steine, stauten das Wasser, lauschten den Fröschen im seichten Wasser, beobachteten Schlangen in der Sonne und wurden von einem Gewitter überrascht, welches wir in der Picknickecke wunderbar aussitzen konnten. 






Praia da Arda in Pião, in der Nähe von Viana do Castelo, in der Region Norte. Hier trafen wir die deutsche Familie aus dem Schwabenländle wieder und wir verbrachten insgesamt drei Nächte auf dem Parkplatz für die Strandbesucher, weil unser Ludwig Kühlwasser verlor und wir ihn zweimal in der Werkstatt in Viana do Castelo vorstellen mussten. 

Der Praia da Arda ist über einen durch die Dünen führenden Holzweg zu erreichen. Wir befinden uns wieder an der Westküste und hier prallen Wind und Wellen ohne große Hindernisse auf das Festland, so dass das Baden nicht so wirklich angenehm ist. 

Mindestens ein Auge sollte man auf seinen Kindern haben, sonst sind sie beim Wellenspringen plötzlich in einer der Wellen verschwunden. Der Sog ist schon extrem stark und kann auch Erwachsene mit sich ziehen, wie es einem älteren Herren ergangen ist, der zum Glück von Tommy und Simon (der andere Papa) festgehalten und wieder auf die Füße gestellt wurde. Trotzdem macht es Spaß, am Strand zu sitzen, die Sonne zu genießen und die tobenden Wellen zu beobachten.




Bitte entschuldigt wieder das Chaos mit der Formatierung, dieser Automatismus raubt mir die letzten Nerven! 

Mittwoch, 20. März 2024

In Portugal unterwegs Teil 2: die 12 historischen Dörfer Portugals und eine neue Dachluke muss her

 

Im ersten Teil berichteten wir über unseren längeren Aufenthalt in Zentralportugal und die vielen herzensguten Menschen, die wir dort kennenlernen durften. Nun geht es weiter mit Anekdoten und Reiseberichten aus Portugal.

Ein Missgeschick, über welches Jamie selbst heute noch wort- und gestenreich zu erzählen weiß, war der dringend notwendige Austausch unserer großen Dachluke im Wohnbereich. Da hatten wir nun wochenlang teils heftigen Regen in Irland miterlebt und uns regelmäßig für die Dachluken bedankt, die zwar bei Sturm auch mal heftig umherwackelten und (bei den kleineren Luken) sogar mit Gummibändern von uns sicherheitshalber befestigt wurden, um nicht vom Wind abgehoben zu werden, aber zumindest immer dicht geblieben waren. Und dann erlebten wir ein paar Regentage in Portugal und plötzlich holten wir alle Schüsseln aus dem Küchenschrank, weil es hereinregnete. So oft Tommy auch aufs Dach kletterte und nachbesserte, er bekam sie einfach nicht dauerhaft dicht. Irgendwann klebten wir eine große Mülltüte über die Dachluke, um das Wasser vom Eindringen abzuhalten. 

Mit dieser Tüte auf dem Dach fuhren wir dann auch ins 60km entfernte Pinheiro de Coja, wo es einen Camper Service von einem holländischen Ehepaar gibt, welches dort Wohnmobile, Vans etc. repariert. Wir kamen übrigens ohne die Tüte dort an, aber es regnete wenigstens nicht mehr. Die Dachluke musste bestellt werden und es würde einige Tage für die Lieferung dauern. Wir kamen Mittwoch an, Freitag waren die Dachluken da (wir wollten auch gleich im selben Atemzug noch die kleinen erneuern) und Dienstagvormittag sollten wir wiederkommen für den Einbau. 

Nun hat man zwei Möglichkeiten, wie man mit dieser Situation umgeht. Man kann mit sich und der Welt hadern und auf alles und jeden schimpfen oder man sieht es positiv. Und ich sah es definitiv positiv, aus den verschiedensten Gründen: Zentralportugal ist nicht sehr dicht besiedelt und besonders touristisch ist es auch nicht. Jemanden zu finden, der uns bei unserem Problem helfen konnte, der nicht 200km entfernt ansässig ist, fanden wir äußerst hilfreich. Während unserer kleinen Zwangspause trafen wir viele interessante Menschen und es entstanden spontane nährende Gespräche, für die wir diese Reise letzten Endes auch machen. So trafen wir eine deutsche Familie aus dem Schwabenländle, die uns auf Anhieb sehr sympathisch war und mit denen wir heute noch in Kontakt stehen. Diese lieben Menschen hätten wir ohne unsere defekte Dachluke nie kennengelernt!

Tommy durfte beim Einbau der Dachluke übrigens helfen und war von der Professionalität nicht sonderlich begeistert. Das Loch für die Luke musste vergrößert werden, weil unsere alte Dachluke etwas kleiner war. Nach dem Ausschneiden hielt es der Firmeninhaber nicht mal für nötig, das Dach mit dem Staubsauger oder wenigstens mit dem Besen zu reinigen, so dass sich in der Dichtmasse nun auch einige Sägespänne und Dreck befinden. Bei der kleinen Dachluke über dem hinteren Bett gab es aufgrund der selben Größe glücklicherweise keinen Grund zur Beanstandung. Und die dritte Dachluke, von der wir eigentlich bei der Bestellung gesprochen hatten, wurde gar nicht bestellt so dass wir die Luke im Bad so belassen mussten. Sie ist zwar alt, hat aber das Bad bisher immer trocken gehalten.

Natürlich haben wir auch andere Teile von Portugal gesehen und wollen hier einen kurzen Abriss geben. Über unseren Besuch in Lissabon gab es bereits einen ausführlichen Bericht

Die 12 historischen Dörfer Portugals - Aldeias Históricas de Portugal

Seit 1994 gibt es von der EU das „Programm zur Erneuerung Historischer Dörfer“, um kulturhistorisch wertvolle Dörfer im Binnenland von Portugal vor dem Zerfall, der Abwanderung und Überalterung zu schützen. Zwölf Dörfer wurden unter architektonischen, kulturhistorischen, landschaftlichen oder archäologischen Gesichtspunkten auserwählt. Jeder dieser Orte hat entweder eine ganz spezielle Geschichte zu erzählen, einen ganz besonderen Baustil oder liegt an einem geografisch besonders interessanten Ort. Diese Dörfer sind: Piódão, Monsanto, Almeida, Castelo Mendo, Castelo Novo, Castelo Rodrigo, Idanha-a-Velha, Linhares da Beira, Marialva und Sortelha. Etwas später kamen noch Belmonte und Trancoso hinzu. Die Bewohner der Dörfer leben heute vom Tourismus; es gibt Restaurants und Pensionen und was Besucher eben sonst noch so brauchen. Es hat sich eine Infrastruktur von Fahrrad- und Wanderwegen etabliert und es gibt genug Sehenswürdigkeiten, die einen Aufenthalt in diesen Dörfern lohnenswert machen.

Wir haben es leider nicht geschafft, alle 12 Dörfer zu besuchen, aber wir möchten von denen berichten, die wir gesehen haben.

Castelo Mendo: dort haben wir unsere erste Nacht in Portugal verbracht und haben den Spaziergang durch den beschaulichen ruhigen Ort sehr genossen. 

Von der Burganlage, die aus dem 13. Jahrhundert stammt, hat man einen guten Überblick über den Ort und von dort konnten wir auch unseren Ludwig auf dem Stellplatz erblicken. 

Der Stellplatz war neu angelegt und mit allen Services für Wohnmobile ausgestattet, der Ausblick vom Stellplatz auf die Berge sehr angenehm und es gab sogar kostenfreies WLAN (wie eigentlich in allen 12 historischen Dörfern, aber es funktioniert nicht überall). 

Auf dem Areal der örtlichen Kirche gibt es einen schönen Spielplatz sowie einen Fitnessparcours und wir haben beides sehr gründlich unter die Lupe genommen.

Am Abend wurden wir von einer älteren Dame so vehement und ausdauernd auf Portugiesisch angequatscht, dass Tommy irgendwann ganz genervt selbstgemachten Käse von ihr kaufte, um sie loszuwerden. 

Beim Frühstück klopfte der nächste an die Womo Tür und diesmal war es ein junger Bursche, der uns Diesel (wahrscheinlich selbst zusammengerührt) verkaufen wollte. 

Das ist die Kehrseite der Medaille des Tourismus und ich hoffe, dass sie durch diese Aufdringlichkeit die Gäste nicht vergraulen.   




Linhares da Beira: von Linhares haben wir uns aufgrund der Dauer unseres Aufenthaltes ein recht gutes Bild machen können. 

So sind wir einige Male durch die engen Kopfsteinpflaster Straßen gelaufen (und Jamie mit dem Laufrad gefahren), haben die schnuckeligen kleinen Häuser bewundert, die teilweise an die Felsen ran gebaut wurden, haben in Marias Café leckeren Kuchen gegessen, bei Amèlia selbstgemachte Kekse gekauft und viele Abstecher auf die romanisch-gotische Burganlage aus dem 12. Jahrhundert gemacht. 

Von dort genießt man einen herrlichen Ausblick ins Umland; sei es runter ins Flachland oder hinauf in die Berge, wo man noch die verbrannten Überreste vom großen Feuer entdecken konnte. Tommy half bei einer Baumpflanzaktion direkt nach unserer Ankunft mit und in der Stadt erlebten wir während Feierlichkeiten einen Aufmarsch der örtlichen Blaskapelle mit anschließendem Feuerwerk. Die Portugiesen lieben Feuerwerk!




Monsanto: warum Monsanto als das portugiesischste Dorf Portugal bezeichnet wird, haben wir nicht in Erfahrung bringen können, aber es ist wohl eines der bekanntesten. Spätestens seit dem dort Dreharbeiten für die bekannte Serie „House oft he Dragon“ stattgefunden haben, ist der Ort über die Grenzen Portugals bekannt. 

Die Bauweise der Häuser ist besonders prägnant, denn sie wurden aus Granit entweder unter, zwischen oder auf die großen Felsen gebaut, die dort überall präsent sind. 

Wie in den meisten Dörfern Portugals und erst recht in den historischen Dörfern ist es überall sehr eng und es gibt wenig Parkplätze. Deswegen parkten wir einen Ort vorher auf dem Marktplatz von Relva und liefen den Berg hinauf zu Monsanto.

Das Dorf allein ist schon sehr sehenswert und von den verschiedenen Terrassen genießt man einen spektakulären Ausblick ins Umland. Zum Glück sind wir aber noch weiter gelaufen und haben einige Höhenmeter überwunden um zum Castelo Monsanto zu gelangen, welches hoch über dem Ort thront.

Die Wanderung entwickelte sich zu einem richtigen Kletterabenteuer und war genau richtig für unseren kleinen Weltenbummler. Monsanto ist immer eine Reise wert und wir würden dort gern nochmal vorbeischauen und erneut einige hundert Bilder dort schießen, da es dort unzählige schöne Fotomotive gibt. 



Belmonte: das letzte unserer besichtigten historischen Dörfer. 

Zahlreiche aus Spanien vertriebene Juden siedelten und wirkten hier und bis heute hat sich eine der letzten kryptojüdischen Gemeinschaften der iberischen Halbinsel in Belmonte erhalten

 

(Wikipedia: Als Kryptojuden werden gelegentlich Konvertiten (vom Judentum zu einer anderen Religion) und deren Nachkommen bezeichnet, die entgegen ihrer öffentlichen Religionszugehörigkeit sich weiterhin der alten Religion verbunden fühlen und im Geheimen jüdische Kultur und Religion praktizieren.). 

Sehenswert sind unter anderem die Burg, die romanisch-gotische „Capela de Santiago“ und die Ruine eines 22m hohen römischen Turms.


Donnerstag, 29. Februar 2024

In Portugal unterwegs Teil 1: längerer Aufenthalt in Zentralportugal

 

Als wir im Februar 2023 unsere große Reise nach der heimatlichen Winterpause wieder aufnahmen, hatten wir es besonders eilig in den Süden zu gelangen. Die noch winterlichen Temperaturen waren der eine Grund, der andere war, dass wir bereits im Vorfeld Kontakt mit einer ausgewanderten deutschen Familie in Portugal aufgenommen hatten und wir zu ihnen auf dem Weg waren. Wir hatten aus den Erfahrungen des ersten Teils der Reise insofern dazugelernt, dass wir für Jamie längere Pausen einlegen und uns die Gelegenheit geben wollten, Kontakt zu anderen Familien zu knüpfen. Für alles weitere daraus Folgende waren wir offen. Viele Auswanderer zieht es in Portugal in den warmen Süden an die Algarve. Die winterlichen Temperaturen dort sind sehr mild und so trifft man dort auf viele überwinternde Nordeuropäer, meist älteren Kalibers. Es gibt auch Auswanderer, die sich bewusst gegen die Algarve entscheiden und das aus vielerlei Gründen. Dazu zählt, dass inzwischen in einigen Regionen Südportugals mehr Nicht-Portugiesen leben als Einheimische, was auch die Grundstückspreise in die Höhe getrieben hat. So werden Neuankömmlinge nicht immer gern gesehen, was wir durchaus nachvollziehen können.

Wir landeten also Mitte März in Linhares da Beira, einem kleinen historischen Dörfchen in den Ausläufern des Serra da Estrela Nationalparks, in der Region, die Centro genannt wird (weil sie ziemlich zentral fast in der Mitte Portugals angesiedelt ist). Der Ort ist 800 Meter hoch gelegen und der höchste Berg Portugals (auf dem Festland) befindet sich ebenfalls im „Stern-Gebirge“, und zwar der Torre mit 1993 Metern.

Dort leben seit 2022 Martin und Janice mit ihren beiden Kindern. Ein Neuanfang ist nie leicht, schon gar nicht in einem anderen Land mit komplizierter Sprache. Stellt euch vor, ihr habt euch so einigermaßen eingelebt, angefangen einen Garten anzulegen und euch einen groben Überblick verschafft, welche wichtigen Arbeiten in den nächsten Monaten anstehen und was ihr zuerst anpacken wollt. Und dann tobt plötzlich ein Feuer, das 22.000 Hektar Fläche des Nationalparks verwüstet und erst nach 10 Tagen unter Kontrolle gebracht werden kann. 14.000 Feuerwehrleute und Freiwillige sind ununterbrochen damit beschäftigt, das Feuer unter Kontrolle zu bekommen. In manchen Fällen entfacht das Feuer erneut durch unzureichende Nach-Beobachtung oder durch umherfliegende Helikopter und die dabei entstehenden Luftbewegungen. Das Feuer steht plötzlich bis einige Meter bis vor eurem neuen Zuhause und ihr wisst, wenn es nicht gestoppt wird, habt ihr alles verloren. Ihr werdet evakuiert und wisst nicht, ob das Haus noch steht, wenn ihr wiederkommt.

Dazu muss man wissen, dass die Bergregion im Estrela verkehrstechnisch nicht besonders gut erschlossen ist, wenn man mal von den Hauptverkehrsstraßen, also Autobahn und Nationalstraßen absieht. Selbst durch die Dörfer hindurch sind die Straßen meist schon sehr eng.  Fährt man in den Ort Linhares, schlängelt man sich ab dem Inatel Hotel durch die engen Gassen, vorbei am einzigen Geldautomaten der Stadt, der Tourist-Information und dem Café da Maria. In dem Bereich betet man im Wohnmobil lieber, dass man bitte keinen Gegenverkehr haben möge. Das ist der Ort selbst, aber die estrangeiros (wie die Fremden genannt werden) leben außerhalb des Dorfes in den Bergen. Es gibt zwar kleine Straßen, die die Berghänge überziehen, aber der Zustand ist miserabel und selbst mit anständigem Geländewagen kommt man nur mühselig voran. Für Löschfahrzeuge absolut ungeeignet. So wie wir das verstanden haben, hat man sich früher über den Zustand dieser Bergstraßen keine großen Gedanken gemacht aber seit dem Feuer und den Unzulänglichkeiten in Sachen Erreichbarkeit für die Feuerwehr haben auch die Funktionsträger einsehen müssen, dass hier Verbesserungen dringend notwendig sind.

Nach dem Feuer kam dann übrigens langanhaltender starker Regen und die ein oder andere Schlammflut, die die sowieso schon schwer befahrbaren Bergstraßen noch weiter schädigte und tiefe Spurrinnen hinterließ. Hat man für diese Art von Straßen nicht den passenden fahrbaren Untersatz, so stellt man diesen an der letzten noch befahrbaren Stelle ab und schleppt seine Einkäufe bis zu seinem Grundstück. Für eine gewisse Zeit kann man das machen, aber eine Dauerlösung ist es sicher nicht.

Da steht man nun also auf seinem neu erworbenen Grundstück und wollte sich eigentlich schnellstmöglich einen großen Garten anlegen, der die Familie die längste Zeit des Jahres versorgen kann und steht plötzlich vor ganz neuen Herausforderungen. Wie mache ich mein Grundstück feuerfest, wie vermeide ich, dass sich das Feuer beim nächsten Mal wieder so schnell ausbreitet? Wo bekomme ich auf die Schnelle genug Löschwasser her?

In dieser Situation fanden wir Martin und Janice im März vor. Der Garten war schon gut hergerichtet, brauchte aber noch einige Aussaaten und die übliche Pflege. Ein Werkzeugschuppen musste her. Der Kräutergarten der Vorbesitzerin musste komplett freigelegt und neu ausgesät werden. In Trockenperioden mussten die neu angepflanzten Bäume gegossen werden, um ein gutes Wachstum zu ermöglichen. Die verschiedenen Komposte brauchten Zuwendung, der Einfahrtsbereich durfte umgestaltet werden und tausend andere Kleinarbeiten. Die mit Abstand wichtigste Arbeit allerdings bestand im Zurückschneiden des lästigen Stechginsters, der die Berghänge der Region überzieht, bis zu 2 Meter hoch wird und ein enormes Brandrisiko darstellt, da seine enthaltenden Öle in den grünen Zweigen entzündlich sind. Der verblühte Ginster ist so staubtrocken, dass er einem andrückenden Feuer den Bärendienst der schnellen Verbreitung erweist und fängt das Zeug einmal Feuer, kann man nur noch rennen. Blöderweise ist der Ginster auch im nassen Zustand brennbar. Es nützt also nichts, der Ginster muss zurückgeschnitten oder bestenfalls entfernt werden und dies nimmt einen Großteil der Arbeitsleistung in Anspruch. Nun ist es leider so, dass aufgrund der hohen Brandgefahr im Sommer wegen befürchtetem Funkenflug selten mit dem elektrischen Heckenschneider gearbeitet werden darf. An kälteren Tagen oder idealerweise nach Regenschauern greifen alle sofort zum Heckenschneider und so ertönen im Umland die diversen Schneidemaschinen und bezeugen das emsige Treiben der Bewohner.

Es gab also genug zu tun bei Martin und Janice und wir packten an wo immer wir konnten. Nebenher war natürlich noch eine kleine Schar Kinder zu beaufsichtigen, denn der Nachbarsjunge war auch regelmäßig vor Ort. Für Jamie ein Paradies. Nicht nur hatte er Kinder zum Spielen aber auch viel Platz zum Rumrennen, eigentlich überhaupt keinen Platz, um mit seinem Laufrad den Hang runterzufahren und ein großes Trampolin, welches immer gut besucht war. Er lief barfuß über den Waldboden, kletterte mit den anderen im Bächlein umher, baute dort Erdwälle und natürlich gab es hin und wieder (öfters) Streit um diverse Spielsachen, die aber immer irgendwie aufgelöst werden konnten.

In der Nachbarschaft befinden sich zwei weitere estrangeiros Familien aus Holland. Wir sahen sie fast jeden Tag, weil wir ihre Grundstücke überqueren mussten, um zu Martin und Janice zu gelangen. Pims Familie war immer die erste, die von unserer Anwesenheit erfuhr, dank ihrer Hunde, die uns immer schon entgegengelaufen kamen und den Rest des Weges begleiteten. In Erinnerung bleibt uns hier „Bärchen“, ein Welpe bereits so groß wie ein Schaf und ein weiterer Neuzugang namens „Teddy“ der so goldig aussah dass ich Tommy jedesmal bremsen musste, ihn nicht einfach mitzunehmen. Wir waren erstaunt, dass Jamie so relaxt im Umgang mit den Hunden war. Klar, wenn Bärchen auf ihn zukam und abschlabbern wollte, hatte er etwas Bammel, aber wenn man mal das Größenverhältnis betrachtet, ist das mehr als verständlich schließlich waren beide größentechnisch auf Augenhöhe.

Die andere holländische Familie bewohnt das Grundstück unten drunter und mit Steven und Elize haben wir sehr viele tiefgründige Gespräche geführt. Ihr Sohn ist 2 Jahre älter als Jamie und er versteht sehr gut Deutsch, weil er oft mit den beiden deutschen Kindern spielt. Im Gegenzug verstehen beide recht gut holländisch.

Im Umfeld gibt es noch weitere Auswandererfamilien und sie stehen alle im Kontakt miteinander und helfen sich gegenseitig. Einmal die Woche gibt es einen Working Day an dem alle zu einer Familie kommen und dort gemeinsam anpacken, um ein großes Projekt zu stemmen oder um generell weiterzukommen beim Bestellen des Gartens, Bau von diversen Nebengebäuden, Schneiden von Ginster, Instandsetzung der schlechten Zufahrtstraße etc. Es wird gemeinsam gegessen, die Kinder sehen sich und haben die Gelegenheit miteinander zu spielen und an diesen Tagen nutzten wir auch immer die Gelegenheit, mit den anderen ins Gespräch zu kommen. Natürlich unterhält man sich dabei auch über zu Hause, über die Gründe des Auswanderns, warum sie sich für Portugal entschieden haben usw. So unterschiedlich ihre Geschichten auch waren, so stand immer ein Grund ganz deutlich hervor: Sie alle wollen eigenverantwortlich leben, ohne die Bevormundung eines übergriffigen Staates zu Hause, ohne allzu große Abhängigkeiten von einem System, in dem sie sich nicht mehr wohl fühlten.


Alle Familien wollen wir hier gar nicht aufführen aber Roger und Helen aus England müssen unbedingt Erwähnung finden. Sie wohnten in Linhares auf dem selben Campingplatz wie wir und während dieser Zeit waren sie unsere Nachbarn. Campingplatz ist vielleicht etwas übertrieben, es handelt sich um einen eingezäunten Bereich, wo Wohnmobile geduldet werden, aber an Services gibt es dort rein gar nichts (kein Frischwasser, keine Entsorgung, keine funktionierende Toilette), aber der Name hat sich durchgesetzt. Roger und Helen führen ein sehr unkonventionelles Leben, haben vor der Pandemie im Schaustellergewerbe gearbeitet und waren mit dem Rummel in einem Fahrgeschäft unterwegs. Roger ist LKW Fahrer und hat schon unzählige untypische Jobs in seinem Leben gemacht. Sie reisen in einem umgebauten Möbelwagen und weil aufgrund des passenden Führerscheins die Gewichtsbegrenzungen für sie nicht zählen, sind dort richtige Möbel verbaut, second hand, von IKEA oder was eben zu finden war. Man fühlte sich sofort heimisch in ihrem Wohnwagen „Oopsy Daisy“ (übersetzt: Hoppla). 

Nicht vergessen werden darf ihr rekordverdächtig süßer Hund Mr. Nash, ein Hund mit Charakter und zweisprachig begabt, da er meistens in Walisisch ausgeschimpft wurde. Die beiden haben die portugiesische Aufenthaltsgenehmigung erhalten, was für Engländer aufgrund des Brexits sehr wichtig ist, da sie nach 183 Tagen außerhalb der UK aufgrund von Visumsfragen wieder nach Hause zurückkehren müssten. Die drei haben wir sofort in unser Herz geschlossen, da sie sich selbst nicht so wichtig nehmen, den typischen britischen Humor besitzen und man mit ihnen so wunderbar Unsinn reden und lachen kann.