Mittwoch, 20. September 2017

Auszeit an der Nordsee Teil 2

Geweckt wurden wir von unterschiedlichen Tiergeräuschen und nicht alle von ihnen waren einwandfrei zu identifizieren (Schafe und Kühe sind unstrittig, das andere Geräusch wurde eventuell von vorbeiziehenden krähenden Vögeln verursacht; wissen werden wir es nie). Trotz der recht frischen Temperaturen während der Nacht erwärmte die Morgensonne unsere Glieder recht schnell und versüßte uns das Frühstück – daran könnte ich mich wirklich gewöhnen! Wir verbrachten noch ein wenig Zeit in St. Peter Ording und fuhren anschließend nach Husum und dort noch ein Stück weiter auf die Halbinsel Nordstrand wo sich Tommy nach dem aufregenden Vormittag erstmal auf einem Badesteg in der Sonne ausruhte und ich samt Kamera durchs Watt spazierte und fasziniert die Lahnungen betrachtete (wie man diese Zäune aus Holzpfählen und Reisig nennt, wußte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht, lernte dies aber später im Museum). Diese Zäune beruhigen die Strömung bei Flut so daß sich Schwebeteilchen im Wasser absetzen und somit langsam aber Stück für Stück zur Verlandung beitragen und das vom Meer „geraubte“ Land zurückholen.

Anschließend fuhren wir auf unserer Suche nach einem Campingplatz noch ein bißchen auf „Nordstrand“ umher und landeten nach einigen Umwegen schließlich im Ort „Oben“. Dort nächtigten wir auf einem recht überschaubaren Campingplatz direkt unter dem Deich. Das erste Mal schmunzelten wir über den trockenen Humor des Besitzers als er uns beim Einweisen in unsere „Parklücke“ aufforderte, „Nicht rumeiern hier, das ist Wembley Rasen“. Das zweite Mal mußten wir lachen als er uns am Morgen einen Tipp für die Weiterreise gab und uns Rømø in Dänemark empfahl (ca. 100km entfernt). Er meinte, daß er dort alle jungen Leute hinschicke weil dort mehr los sei als auf seinem Campingplatz, den er aufgrund der Altersstruktur seiner Gäste als „betreutes Wohnen“ bezeichnete („betreutes camping“ würde auch ganz gut passen…). Eigentlich wollten wir nach Pellworm und von dort eine Fähre auf die Halligen nehmen aber wir waren ja flexibel.

In Lakolk (auf Rømø) steppte nun auch nicht gerade der Bär und man hatte das Gefühl, daß sich dort die Saison bereits dem Ende neigt. Trotzdem bietet der Campingplatz alles was das Abenteuerherz begehrt und das allerbeste ist der Strand, der SPO aufgrund seiner Breite ernsthaft Konkurrenz macht. Auch dort parkten viele Autos und einige am Himmel fliegende Drachen kamen uns bekannt vor. Wir vermuten, daß die Drachenflieger nach dem Zusammenpacken in SPO nach Dänemark weiterreisten um hier ihr Glück zu versuchen – und es auch zu finden, denn der Wind war ausreichend, wovon die Drachendichte in der Luft eindeutig zeugte. Tommy traute sich auch mal kurz ins Wasser, hielt es aber aufgrund der einstelligen Wassertemperaturen nicht lange aus. In Rømø spricht man übrigens auch Deutsch und hat sich damit wunderbar auf die hohe Urlauberdichte aus Deutschland angepaßt (deutsche Urlauber waren auf dem Campingplatz zahlenmässig haushoch in der Überzahl). Ausgeschrieben sind dort zwar die Preise logischerweise in Dänischen Kronen, man akzeptiert aber auch den EURO, so daß man nicht mal Geld tauschen muß.

In dieser Nacht wurden wir das erste Mal von starkem Regen heimgesucht aber dieser lies in der zweiten Nachthälfte nach. Außerdem war es generell nicht mehr so kalt wie die Nächte zuvor. Am Morgen (es war schon Mittwoch) wurden wir dann zur Abwechslung mal von schnatternden Enten auf dem nahegelegenen Teich geweckt, die das sanfte Meeresrauschen in der Ferne um einiges übertönten. Den ganzen Morgen überlegten wir unsicher unsere nächsten Schritte und wogen unsere Möglichkeiten ab. 

Schon ganz zu Beginn des Urlaubs hatten wir festgelegt, auch wieder nach Flensburg zu fahren, aber ist es gerechtfertigt, nur für das überaus leckere Fischbrötchen und den himmlisch guten Bananencremekuchen in der Danish Bakery diesen Umweg auf sich zu nehmen? Wir entschieden uns dann doch für Flensburg (ja, immer diese pulsiven Entscheidungen, furchtbar!) und der dicke Schlumpf kämpfte sich die ganze Fahrt über durch dichten Regen. Hatte uns das Glück der letzten Tage mit dem Wetter etwa verlassen? Pünktlich mit unserem Eintreffen in Flensburg stoppte der Regen sodaß wir auch gleich zur Fischbude im historischen Hafen gehen konnten um unser Mittag zu uns zu nehmen. Ein kleiner Spaziergang durch die Innenstadt später landeten wir viel zu früh für Nachtisch in Migge´s Danish Bakery (Norderstr. 9, 24937 Flensburg) und mußten mit Erschrecken feststellen, daß es den leckersten Kuchen der Welt, den Bananencremekuchen, ausgerechnet heute nicht gab. War das überhaupt möglich?!?! Natürlich tat Tommy´s Einwand, daß wir doch extra nur für den Kuchen aus Thüringen herkommen seien, für den Moment nichts zur Sache, hätte man so schnell sowieso nichts backen können, aber Ihr seht, wie groß unsere Verzweiflung war. Schweren Herzens (aber doch recht schnell überzeugt vom auch sonst überaus großen und ansprechenden Angebot) entschieden wir uns für Alternativen und wurden nicht enttäuscht. 

Danach schafften wir es gerade noch rechtzeitig zurück zum Auto, bevor der nächste sinnflutartige Regen über uns hereinbrach. Das Glück hatte uns also noch nicht ganz verlassen. Wir wollten aufgrund von Verabredungen am Freitag in Bremerhaven sein, deswegen machten wir uns auf die Reise Richtung Süden. Wir landeten wieder in Husum, was ich mir nochmal genauer anschauen wollte aber auch hier schüttete es aus Kannen. Der Wetterbericht verhieß nichts gutes für die Nacht, im Gegenteil, er kündete Starkregen und Sturmböen an. Ein Wetter, bei dem man auf keinen Fall im Zelt schlafen möchte. Nach einer schier end- und erfolglosen Suche nach einem Hotelzimmer irgendwo im Umkreis (in Flensburg wäre was frei gewesen, aber da kamen wir doch gerade her!) fanden wir ein Zimmer in Tönning und so fuhren wir schon das zweite Mal in diesem Urlaub in diesen charmanten kleinen Ort.

Und auch diesmal war uns das Glück hold, denn trotz der mauen Lage auf dem Markt der verfügbaren Hotelzimmer ergatterten wir ein Goldstück im Hotel New Hampshire Nordfriesland (Westerstr. 24, 25832 Tönning) für 82 EURO die Nacht (ohne Frühstück). Das Zimmer war äußerst geräumig und bot neben dem Doppelbett eine Sitzecke mit Sesseln und Tisch, eine weitere (Fernseh) Ecke mit Sofa, ein Bad doppelt so groß wie das üblich ist und Möglichkeiten zum Kochen von Tee/Kaffee. Wir nahmen das komplette Zimmer in Beschlag um mal wieder unsere Taschen aus- und danach wieder organisiert einzupacken (eigentlich zwecklos aber egal), Akkus zu laden, ausgiebig zu duschen etc. Auch mal ganz schön, vorallem wenn man an die Alternative hinsichtlich der Wettervorhersage denkt. 
 
Den Sonnenuntergang verbrachten wir am Eidersperrwerk, etwas außerhalb von Tönning. Die Eider mündet in Tönning in den Purrenstrom an dessen Ende sich das Sperrwerk befindet. Dahinter befindet sich das Wattenmeer der Nordsee. Das Wetter war nun wieder erstklassig und wir fragten uns, ob wir das Hotel überhaupt brauchen würden. Die Mitarbeiter des Aussichtspavillon am Parkplatz des Sperrwerkes waren schon am Zusammenpacken aber Tommy erhaschte noch zwei leckere Fischbrötchen zum Abendbrot, die wir zum Glück nicht mit gierigen Möwen teilen mußten.

Gegen Mitternacht wurde ich aufgrund des gegen die Fenster prasselnden Regens wach und schlief friedlich in meine Bettdecke gekuschelt wieder ein – ja, das Hotel war die richtige Entscheidung gewesen! 

Samstag, 16. September 2017

Auszeit an der Nordsee (1. Septemberwoche 2017) Teil 1


Es mag der Eindruck entstehen daß wir beide unendlich viel Urlaub im Jahr genießen weil wir ständig unterwegs sind, aber dem ist leider nicht so. Unnötig zu erwähnen, daß wir selbstverständlich nichts dagegen hätten, aber da fehlen uns noch die nötigen Punkte in der Argumentationskette gegenüber unseren Arbeitgebern.

Während im August unsere Arbeitskollegen auf 2 oder 3 Wochen Urlaub entschwanden, hieß es für uns durchhalten und auf die Woche Urlaub im September hinarbeiten. Diese entpuppte sich dann als eine gute Mischung aus vorher ausgemachten Besuchen bei diversen Bekannten, schönen Spaziergängen entlang ewig langer Sandstrände, spontan gewählter Reiserouten und dem obligatorischen Pech mit dem Wetter – zumindest zum Ende der Reise hin.

Das 1. Wochenende verbringen wir abwechselnd in Kummerfeld (Landkreis Pinneberg bei Hamburg) und St. Peter Ording (SPO) in Eiderstedt. SPO hat es Tommy angetan und ich befürchte, daß er mich damit angesteckt hat. Wir sind nun schon das zweite Mal gemeinsam hier und ich glaube zu verstehen, warum er es hier so mag. Ein ewig langer Sandstrand, so breit daß man bei Ebbe das Gefühl hat, nie am Wasser anzukommen. Breit und fest genug für Autos, Camper und LKWs, die hier manchmal (nicht so ganz legal) sogar übernachten. Breit genug, um für das stattfindende Drachenfest zahlreiche Fressbuden, Verkaufsstände und Kinderspielecken aufzubauen und immer noch genug Platz für alles andere zu haben. Lang genug, daß man (etwas abseits von den Piers und Parkreihen der Autos) das Gefühl haben könnte, der einzige Mensch auf der Welt zu sein, der sich den Strand nur mit den Möwen und den angeschwemmten Krebsen teilt. Ja ich glaube, wir werden noch viele Male hierher zurückkehren um dieses einzigartige Gefühl von Freiheit, Meeresluft und -rauschen zu genießen.

Das Drachenfest verlief für die zahlreichen Teilnehmer leider nicht optimal, denn erst machte der nächtliche Regen einen Strich durch die Rechnung, weil der Sand zu nass war und sich die Drachen beim Ausbreiten auf dem Boden mit zu viel Feuchtigkeit vollsogen. Später löste zwar die Sonne dieses Problem buchstäblich auf aber der Wind war nicht stark genug, um die teilweise sehr großen Figuren mit genug Luft zu füllen und diese auch am Himmel zu halten. Zahlreiche kleinere Drachen hatten es in die Luft geschafft und hielten sich dort recht wacker, aber die größeren verendeten auf dem Sandboden.

Natürlich waren wir mit dem Dachzelt unterwegs, welches Tommys Auto den Spitznamen „dicker Schlumpf“ eingebracht hat (blau, weiße Haube, Ihr versteht schon). Von Freitag auf Sonntag standen und schliefen wir in einer großen Lagerhalle in Kummerfeld bei Tommys Bekanntschaft. Das klingt nicht nach Lagerfeuerromantik und Campingabenteuer und ja, die Aussicht beim Aufwachen war sicher nicht die beste bisher, aber in der Halle war es gefühlte 5-7 Grad wärmer als draußen und das machte einen gewaltigen Unterschied, schließlich befinden wir uns nicht mehr im Hochsommer und das merkt man an den nächtlichen Temperaturen. Das sollten wir in den kommenden Nächten noch zu spüren bekommen.

Am Sonntag verabschiedeten wir uns von Kummerfeld und setzten unsere kleine Reise durch den Norden fort. Es ging wieder Richtung SPO, aber wir stoppten in Tönning, ein Bade- und Luftkurort gelegen an der Eider. Tönning hat einen wunderschönen historischen Hafen, der bis vor ein paar Jahrzehnten von großer Bedeutung war. So erging es wohl vielen Gemeinden in der Region, wo die Bedeutung der Seefahrt Stück für Stück nachgelassen hat. Resultat sind viele leerstehende alte Lagerhallen, Schiffswerkstätten (Werften) und natürlich auch die alten Boote die teilweise noch heute in Form von Museumsschiffen zu bewundern sind. So wurde die alte Werft zu einem Bistro / Café / Biergarten umgewandelt welches wir aufgrund des Flairs gern besucht hätten aber wir waren auf Kaffee und Kuchen aus und irgendwie gab es dort keinen Kuchen. Glücklicherweise gibt es für dieses Bedürfnis noch viele andere Restaurants und Cafés im Ort und nach einem riesigen Windbeutel, ostfriesischem Tee (für mich zu stark dosiert, bitte unbedingt auf die Anweisung achten und den Teebeutel nur kurze Zeit im Wasser ziehen lassen!) und gedecktem Apfelkuchen (der Klassiker, das geht immer!) gings gestärkt weiter nach Westerhever, einem Ort auf einer kleinen Halbinsel etwas oberhalb von SPO gelegen. Ziel dieses Abstechers war der Leuchtturm Westerheversand der nur über einen längeren Spaziergang durch ausgedehnte Salzwiesen zu erreichen ist. Diese Salzwiesen befinden sich hinter dem eigentlichen Watt und werden nur hin und wieder bei extremen Wettervorkommnissen vom Meer geflutet. Trotzdem gedeihen Gras und Blumen hervorragend und so wundert es nicht, auch dort grasende Schafe vorzufinden. Der Leuchtturm wurde 1907 erbaut, ist 41,5 m hoch und die
angrenzenden beiden Häuser wurden bis 1979 noch von Leuchtturmwärtern bewohnt. Heute funktioniert er ferngesteuert von Tönning und so beherbergen die Häuser Freiwillige, die sich für den Schutz des Wattenmeeres einsetzen (es handelt sich ja auch um ein UNESCO Weltkulturerbe).
Für die Wanderung vom Leuchtturm zurück zum Deich und Parkplatz kann man den historischen Stockenstieg benutzen, der allerdings nur in diese Richtung und nur im Gänsemarsch absolviert werden darf um den Zustand des Stockenstieges nicht zu gefährden.

Die Nacht verbrachten wir wieder in St. Peter Ording, diesmal aber nicht am Strand (ähm ja, das haben wir bei unserem ersten Aufenthalt auch getan und das Aufwachen mit Meeresrauschen kann man durch fast nichts toppen) sondern auf einem Parkplatz etwas entfernt vom Deich. Während das Übernachen am Strand eigentlich verboten ist, handelt es sich hier um eine Art „Duldungs“Parkplatz und man macht hier auch mal ein Auge zu. Den Sonnenuntergang hingegen verbrachten wir natürlich am Strand und genossen das Farbschauspiel. Diese Nacht war definitiv kühler und trotz Thermo Inlay fürs Zelt war das Einschlafen aufgrund der Kälte etwas ungemütlich.

Dienstag, 15. August 2017

Allgäu (Ende Juli)

Anläßlich meines Geburtstags stand ein verlängertes Wochenende mit einer Freundin im Allgäu auf dem Plan und wir machten uns Freitag Mittag nach getaner Arbeit auf den Weg. Das Timing hätte besser nicht sein können, denn an diesem Tag begannen in Bayern die Sommerferien und wir erwarteten die ein oder andere Verzögerung auf der Autobahn. Diese gab es auch definitiv hinter uns, hörten wir doch halbstündlich davon in den Verkehrsnachrichten. Wir allerdings blieben von Staus verschont und schafften es staufrei auf der A7 in unter 3 Stunden. Wenn Engel reisen!

Im Allgäu angekommen und ca. 30 Minuten vom Ziel entfernt, zogen Wolken am Himmel auf und leichter Regen prasselte auf die Fensterscheiben. Sollte dies etwa mein dritter verregneter Ausflug ins Allgäu / in die Bodenseeregion sein? Aber nein, als vorzeitiges Geburtstagsgeschenk wurden wir mit herrlichem Wetter gesegnet und ich kann dankend und zufrieden Resümee ziehen: das Allgäu und ich haben uns (wieder) lieb. Ob meine allgemein ausgesprochene Drohung, ich würde nie wieder ins Allgäu kommen, sollte ich auch bei meinem dritten Ausflug von schlechtem Wetter verfolgt werden, Anlaß zu dem herrlichen Sommerwetter gegeben hat, kann ich natürlich nicht beurteilen. Aber geschadet hat es sicherlich nicht.

Ich möchte Euch verschonen von unseren Wandereskapaden und welche Berge wir herauf oder wieder herabgestiegen sind. Ein paar Eindrücke hingegen möchte ich mit Euch teilen. Wer die Berge mag um dort Bergsport jeglicher Art zu betreiben oder um einfach nur die Natur zu genießen, wird es im Allgäu lieben. Jetzt, wo ich die Berge tatsächlich sehen und die Weitsicht genießen konnte, habe mich ins Allgäu verliebt. Irgendwie schaut es dort überall aus wie auf einer Postkarte oder man fühlt sich versetzt ins Fernsehen in eine der viel zu kitschigen Sendungen über das Leben in der Bergidylle. Kleine Bauernhöfe mit wirklich noch glücklichen (weil wenigen) Kühen, mit bunten Blumenampeln geschmückte Bauern- und Ferienhäuser und unendliche Weiden die sich die Berghänge hinaufziehen. Obwohl ich aufgrund der fehlenden Fertigkeiten auf dem Ski kein Wintersportler bin, reizt mich diese Gegend auch im Winter, wenn die Berge und Berghänge schneebedeckt ein ganz anderes reizvolles Bild abgeben. Von Idylle wird dann sicher keine Rede sein, wenn es im Winter in den Bergen von Wintersportlern nur so wimmelt, werden sie doch problemlos von den zahlreichen Seilbahnen und Schleppliften auf die Höhe befördert. 

Während unseres Aufenthalts jedoch war es relativ ruhig, auch wenn sich zahllose Wanderer und Mountainbiker in den Bergen tummeln. Jeder tut dies jedoch in seiner eigenen Geschwindigkeit und so bekommt man von den anderen Wanderern nicht so sonderlich viel mit. Schon allein deswegen, weil es so viele verschiedene Wanderwege gibt, daß sich alles wunderbar verteilt. Als besonders nützlich stellte sich die Oberstaufen Plus Card heraus, die wir von unserem Gastgeber in Schindelberg bekommen hatten. Diese Karte ist zu einem gewissen Anteil im Übernachtungspreis inbegriffen und gibt dem Gast die Möglichkeit, zahlreiche kostenlose (oder vergünstigte) Leistungen in Anspruch zu nehmen. Darunter zählen zum Beispiel die kostenlose Nutzung vieler Seilbahnen, kostenloses / vergünstigtes Parken, die Nutzung der Therme, kostenlose Nutzung einiger öffentlicher Verkehrsmittel und viele andere Leistungen in der Urlaubsregion. Wir zahlten keinen Cent für die Nutzung der Seilbahn, was pro Person schon mal stolze 10 Euro aufwärts kosten kann.

Rumgekommen sind wir in diesen wenigen Tagen ein ganzes Stück:
  • mit der Imbergbahn den Imberg hinauf (schon allein dort könnte man wochenlang herumwandern)
  • zu Fuß hinauf zum Dreiländerblick mit einem fantastischen Ausblick nach Österreich und die Schweiz
  • mit der Hochgratbahn und viel zu kleinen Gondeln hinauf auf den Hochgrat mit einer Rundumwanderung , die es selbst auf der einfachen Strecke aufgrund der Steigung in sich hat
  • eine fiese 1stündige, viel zu steile Wanderung die Alpsee Bergwelt in Immenstadt hinauf um den Weg zurück auf der Sommerrodelbahn (AlpseeCoaster) zurückzulegen; mit fast 3000 Meter Länge und einer Höchstgeschwindigkeit von 40km/h ist der Coaster die längste Ganzjahres-Rodelbahn Deutschlands
  • nach Tiefenbach um die Breitachklamm zu begutachten: die Breitachklamm ist die tiefste Felsenschlucht Mitteleuropas und ein imposantes Naturschauspiel. Entstanden ist die Klamm vor ca. 10.000 Jahren, erschlossen wurde sie erst 1905 durch Pfarrer Johannes Schiebel. Wer sich für die Geschichte interessiert, kann sie hier nachlesen.

Eine kurze Beurteilung unserer Unterkunft in Schindelberg darf natürlich nicht fehlen.
Hotel Schindelberg, St.-Rochus-Weg 4, 87534 Oberstaufen (Schindelberg liegt ein wenig außerhalb). Wir zahlten für das Doppelzimmer 287,00 Euro für 3 Nächte. 1,80 Euro Tourismusabgabe pro Person und Nacht kommt nochmal oben drauf. Wie bereits erwähnt, war die Oberstaufen Plus Card im

Preis mit inbegriffen, auch wenn man nicht erfährt, zu welchem Anteil. Es handelt sich um ein recht großes Gasthaus, dessen obere Etage allerdings gerade renoviert wurde, weshalb sich der Andrang an Mitbewohnern am Frühstücksbuffett in Grenzen hielt. Wir wurden äußerst freundlich und zuvorkommend vom Gastgeber empfangen und fühlten uns sofort wie zu Hause. Das Zimmer selbst (wie auch der Rest der Unterkunft) war gemütlich eingerichtet und sauber und auf dem Balkon konnte man wunderbar das Klingeln der Kuhglocken verfolgen. Ein Geräusch, von welchem man im gesamten Allgäu verfolgt wird. Das Frühstück ist reichhaltig und läßt keine Wünsche offen. Das Haus beherbergt einen Gasthof mit traditioneller Küche und so kann man nach einem langen Tag auf dem Berg auch gern zu Hause essen, wenn man den Fußmarsch nach Steibis (der nächste Ort) scheuen sollte. Direkt neben dem Haus befindet sich die kleine Schindelberg Kapelle die leider während unseres gesamten Aufenthalts verschlossen blieb. Sicherlich ist sie zu bestimmten Anläßen begehbar, bei Interesse kann man dies bei den netten Gastgebern erfragen. WLAN ist über einen individuellen Code nutzbar und funktioniert auch auf dem Zimmer einwandfrei. Wir fühlten uns im Hotel Schindelberg rundum wohl und haben keine Bedenken, diese Unterkunft erstens weiterzuempfehlen und diese nochmals zu buchen, sollte es uns nochmal in die Gegend verschlagen.

Abschließend hervorheben möchte ich das Thalkirchdorfer Dorfhaus (Kirchdorfer Str. 5, 87534 Oberstaufen), in welchem wir hervorragend speisten. Der Grund für seine Erwähnung ist das reichhaltige Angebot an vegetarischen Speisen, das mir die Wahl sehr schwer gemacht hat. Normalerweise hat man es als Vegetarier beim Auswärtsessen eher einfach, schließlich beschränkt sich das Angebot für die Nicht-Fleisch-Esser meistens auf Salat oder Käsespätzle. Im Dorfhaus hingegen hing ich förmlich an der Speisekarte und hätte mich am liebsten durch das komplette Angebot gegessen, was wohl auch dem Umstand geschuldet ist, daß sich die Küche bei der Herstellung ihrer Gerichte aus der eigenen Käseproduktion bedient.

Freitag, 11. August 2017

neuer gemeinsamer Instagram account

Tommy und ich haben beide einen Account bei Instagram für unsere Fotos. Es war nur eine Frage der Zeit, bis wir einen gemeinsamen Account für diesen Blog einrichten würden. Nun ist es soweit. Wir stehen noch ganz am Anfang und versuchen Fragen zu klären, wie z.B. wie nutzt man gemeinsam einen Account, wie springt man zwischen zwei Accounts hin und her, wie organisieren wir die Fotos etc. Aber jeder fängt mal klein an und Ihr könnt natürlich bereits jetzt eine (noch sehr) kleine Auswahl der Fotos betrachten. Mehr gibt es dann auf unseren persönlichen Instagram Konten. Für die Links einfach mal rechts schauen, da sind sie die Konten verlinkt.

https://www.instagram.com/hinundwiederhierundda/

Wir freuen uns immer über likes, Kommentare, Tips und Anregungen. 

Kurze Auszeit in Lübeck (Juli 2017)

Was tun, wenn sich die bessere Hälfte übers Wochenende mal wieder dem Verein verschrieben hat und im Rahmen des Sports nach Lübeck fährt, um sich dort zwei Tage lang auszutoben? Zu Hause bleiben und Trübsal blasen oder einfach mitfahren? Wer mich kennt, weiß natürlich, daß für mich nur die zweite Variante in Frage kommt, zumal ich bisher Lübeck noch nie einen Besuch abgestattet hatte und mich die Bilder bei einer oberflächlichen Google Image Suche sehr ansprachen. 

Zugegeben, die lange Fahrt von Thüringen nach Lübeck an einem Freitag Nachmittag schreckte mich etwas ab denn es gibt sicherlich bessere Reisezeiten für eine Strecke von knapp 500km aber Tommy fährt gern und unsere Handys sind vollgestopft mit Musik. Reisen an einem Freitag Nachmittag sind nicht automatisch von kilometerlangen Staus bedroht denn wir kamen wunderbar ohne große Verzögerungen durch. Lediglich kurz vor Hamburg staute es sich mal kurz weil es die Deutschen trotz Fahrschule einfach nicht in ihr Hirn bekommen, wie ein Reisverschlußverfahren effektiv funktioniert. Aber ich will nicht überheblich sein und meckern, ich wußte es früher ehrlich gesagt auch nicht. Wenn ich es recht bedenke weiß ich noch gar nicht mal, ob dies wirklich Thema in der Fahrschule war. Egal, darüber kann man sich mal an anderer Stelle den Kopf zerbrechen.

Gegen 19 Uhr erreichten wir die Jugendherberge in Lübeck und checkten in unser Zimmer ein. Leider gibt es in dieser Herberge keine Doppelzimmer und so mußten wir mit einem 6 Bettzimmer Vorlieb nehmen. Mit seinen 3 Doppelstockbetten, 6 Schließschränken sowie zwei Waschbecken war das Zimmer recht geräumig und bei unserer Ankunft war es nur von einer Person bewohnt. Sollte es vielleicht so bleiben? Man darf ja mal träumen….

Wir warteten den heftigen Regenschauer ab und machten uns auf den Weg auf eine kleine Entdeckungstour durch Lübeck. Von der Jugendherberge aus erreicht man das Stadtinnere bequem in ca. 10 Minuten Gehzeit. Da Entdeckungstouren auf leeren Magen keinen Spaß machen, suchten wir uns erstmal was zu essen und landeten bei Peter Pane, einem leckeren Burger Restaurant mitten in der Stadt mit vielfältiger Auswahl auch für Vegetarier. 

Beim anschließenden Schlendern durch die Altstadt suchte ich mir Objekte heraus, die ich am nächsten Tag fotografieren würde. Hauptziel war allerdings, die Turnhalle zu finden, in der Tommy in den nächsten zwei Tagen trainieren sollte. Um die Odysee kurz zu fassen; wir fanden sie nicht beziehungsweise konnten wir die Halle, die wir fälschlicherweise als unser Ziel identifiziert hatten aufgrund einer Baustelle und zahlreichen Absperrungen nicht erreichen. Tommy schaffte es dank eines Telefonats mit seinem Trainer am nächsten Tag trotzdem, rechtzeitig zur richtigen Halle zu gelangen und wie es der Zufall will, waren wir am Vortag sogar daran vorbeigelaufen, hatten sie aber nicht als Turnhalle erkannt. Wie sagt man so schön, shit happens.

Während also Tommy zwei Tage lang in dieser Turnhalle schwitzte und Kalorien verbrannte, erkundete ich fotografierend die Stadt, genoß das tolle Wetter, machte eine kleine Bootsfahrt durch die zahlreichen Wasserstraßen Lübecks (Trave), erfuhr dabei eine Menge über die Geschichte und Gepflogenheiten der Stadt und erklomm anschließend noch den Aussichtsturm St. Petri für herrliche Aussichten über die Stadt. Am Abend des Samstag zogen wir sogar noch mal beide mit unserem equipment los und schossen ein paar Fotos bei Nacht; solche Bilder mache ich besonders gern!

Ich mag die Architektur der Stadt und die Altstadt Lübecks ist nicht ohne Grund seit 1987 Teil des UNESCO Welterbes. Die typischen Backsteinhäuser in den teils recht engen Gassen vermitteln einen gepflegten Eindruck. In den Fenstern sieht man recht häufig die für die Region typische Dekoration (Rettungsringe, Möwen, Boote und Leuchttürme) und die meisten lokalen Geschäfte sind verspielt und liebevoll eingerichtet. Ich spreche nicht von den Läden, die man überall findet; die Ladenketten die sich wie Heuschrecken durchs Land ziehen und jeglichen lokalen Charakter vermissen lassen aber dies kritisiere ich in jeder deutschen Stadt. Mancherorts ist es so schlimm, daß man gar nicht genau weiß, wo man sich eigentlich genau befindet weil man überall die gleichen Läden sieht und nichts typisch einheimisches mehr übrig geblieben ist oder man diese Perlen suchen muß. Sicherlich versteht der ein oder andere Leser, was ich meine. 

Diese Perlen findet man in Lübeck größtenteils am Wasser (an der Trave), die sich wie ein Ring um die Innenstadt zieht. Dort liegen nicht nur historische Schiffe (teilweise Museumsschiffe) vor Anker, sondern dort sind auch urige Cafe´s und Kneipen beheimatet, sonderbare Läden und Flohmärkte. Dort zieht es mich hin, wenn ich die Atmosphäre einer Stadt einfangen möchte und auch in Lübeck wurde ich nicht enttäuscht. Eine besonders interessante Ecke ist zum Beispiel das Gebiet um die Media Docks; ein Stück Land zwischen Trave und Stadtgraben, wo man den Strandsalon errichtet hat, ein größeres mit Sand aufgeschüttetes Areal. Zum Entspannen stehen allerlei Sitz- und Liegemöglichkeiten zu Verfügung; von Liegestühlen, Strandkörben und bunt zusammengewürfelten Polstermöbeln oder wer nach Erfrischung trachtet, kann sich auch in den kleinen Pool begeben. Eine Bühne sorgt für Live-Unterhaltung und der angrenzende Volleyballplatz läßt Sportlerherzen höher schlagen. Nebenan stehen alte verlassene Kräne die früher zur Ent- und Beladung der Schiffe betrieben wurden und vermitteln das Gefühl, daß jederzeit ein Frachter vorbeigefahren kommen könnte, um nebenan entladen zu werden.

Hier übrigens ein besonders schönes Bild von oben, gefunden bei Wikipedia 

Um nochmal zur Jugendherberge zurück zu kommen, hier kommt natürlich auch eine kurze Beurteilung über unsere Unterkunft. Hier die Details: Am Gertrudenkirchhof 4, St Gertrud, 23568 Lübeck. Für zwei Nächte und zwei Personen haben wir insgesamt 82,80 EUR gezahlt (also etwas über 20 EUR pro Person pro Nacht). Die Jugendherberge ist recht groß und wird deswegen auch recht gern von größeren Gruppen genutzt (dafür sind sie ja auch da). Der Zustand der sanitären Anlagen war okay und ich fand es sehr praktisch, Dusche und WC in einem zu haben und nicht ständig hin und her wechseln zu müssen. Frühstück war inbegriffen und reichhaltig. Auswählen konnte man zwischen Brot und Brötchen, verschiedenen Obstsorten, Wurst und Käse und natürlich auch Marmelade, Honig und Schokoaufstrich. Müsli, Saft, Milch, Tee und Kaffee gab es auch. Wenn bestellt, konnte man sich auch ein Frühstück mitnehmen. Hätten wir es drauf ankommen lassen, hätten wir uns sicher auch eine der Papiertüten schnappen und etwas schmieren und mitnehmen können. 

Daß wir Idioten im Zimmer hatten, die von Rücksicht nichts verstanden, kann man der Jugendherberge natürlich nicht zum Vorwurf machen, aber Schlaf bekamen wir nur sehr wenig. Dabei kann ich noch nicht mal sagen, welche Variante ich bevorzugte. Variante 1, wo sie endlich schliefen, dabei aber laut schnarchten oder Variante 2, wo sie auch nach Mitternacht ständig aus dem Zimmer gingen, vorher ihr Schließfach am Schrank öffneten (dabei fiel jedesmal (!) lautstark eine Münze in den Auswurf), dieses wieder verschlossen, nur um es nach dem Eintreten wieder zu öffnen und zu schließen. Da lernt man Geduld und Beherrschung!

Am Sonntag sollte es schon wieder Richtung Heimat gehen aber nicht bevor wir einen kleinen Abstecher ans Meer gemacht hatten. Über Bad Schwartau (Name klingt bekannt? Da kommt die Marmelade her) gings mit einer Vielzahl anderer Tagesausflügler an den Timmendorfer Strand, wo wir unsere Füße mal wieder im Ostsee-Wasser baden wollten. Blöd nur, daß man dort ohne finanzielle Gegenleistung überhaupt nicht mehr ans Wasser kommt. Das Zahlen der Kurtaxe hätte ich mir noch gefallen lassen aber man wollte nur fürs Betreten des Strandes nochmal zusätzlich eine Art Nutzungsgebühr (zusätzlich zur Strandkorbmiete versteht sich). Sorry, aber für mich riecht das nach Abzocke! Der Strand gehört niemandem, er wurde von niemandem errichtet (außer natürlich der Zaun drumherum) und auch das Meer gehört niemandem. Wieso kann sich jemand das Recht herausnehmen, dafür eine Nutzungsgebühr zu verlangen? Irgendwann zahlen wir dann wirklich noch für die Luft, die wir zum atmen brauchen. Der Badetag am Strand kann so für eine Familie zu einer größeren finanziellen Ausgabe werden und in unseren Augen ist dies falsch! Wir haben unsere Füße schließlich doch im Wasser gehabt und natürlich haben wir dafür nichts gezahlt. Wäre ja noch schöner!

Der Norden hat einfach etwas anziehendes, was ich nicht in Worte fassen kann. Ist es das Klima, das Lebensgefühl, die Freiheit die man verspürt, wenn man aufs Meer hinausblickt? Ich kann es nicht beschreiben und vielleicht macht gerade dies den Reiz aus. Fakt ist, daß ich bald wieder Gelegenheit dazu haben werde, dieses Gefühl genauer zu durchleuchten, denn unser nächster Trip in den Norden steht schon recht bald an. Und wir werden natürlich berichten.

Eure Katja

P.S. In Lübeck wurden Tommy und ich von einem jungen Musiker angesprochen, der CDs seiner Band verkaufte. Sie kommen aus Estland und leben u.a. auch von ihren Plattenverkäufen. Sie nennen sich Illumenium und einige ihrer Songs sind richtig gut. Hört einfach mal rein, wenn es Euch interessiert.





Sonntag, 25. Juni 2017

Ungarn, Slowakei, Österreich (Ende Mai bis Anfang Juni)


 Teil 2 Österreich

 

Wien, Österreich

In Wien gibt es laut oberflächlicher Internet Recherche 3 Möglichkeiten fürs Campen: Campingplatz Süd, West oder Nord, alle vom selben Betreiber bewirtschaftet. Ohne uns alle anzuschauen, entschieden wir uns für Süd (Breitenfurter Str. 269) und bemerkten sofort die Nähe zur Hauptverkehrsstraße, machten uns aber auch bewußt, daß die anderen Plätze wahrscheinlich das gleiche Problem haben würden. Der ein oder andere Leser erinnert sich vielleicht noch an unser feuchtes Erlebnis am Bodensee und die sich daraus ergebende Notwendigkeit, eine Schlechtwetter Variante fürs Campen zu entwickeln um uns nicht immer um ein nasses Zelt sorgen zu müssen. Der Vorteil dieser Schlechtwetter Variante ist, daß man sie auch wunderbar als Sonnenschutz verwenden kann, was bei der Hitze auch dringend notwendig war.
Dachzelt mit Sonnensegel
Wir warfen eine Plane über das ausgefahrene Dachzelt und versuchten das elendig riesige Teil mit Hilfe von fast 3 Meter langen Teleskopstangen sowie Zeltheringen zu befestigen, was ein wenig länger dauerte (mit Details wollen wir nicht prahlen). Nach getaner Arbeit genossen wir das herrliche Wetter im Schatten und ich testete die neu erworbene Hängematte. Beim Zubettgehen bemerkten wir besorgt die aufziehende graue Wolke. Starker Wind blies uns irgendwann in der Nacht unsere Zeltstangen um und wir entstiegen unserem Zelt um alles einzusammeln und erstmal unters Auto zu stopfen um es vor dem Wegwehen und eventuellem Regen zu bewahren (der allerdings ausblieb). Bei Regen hätte die Konstruktion sicher Stand gehalten aber leider gehen Regen und Wind meist Hand in Hand. So probieren wir eben weiter und reagieren auf individuelle Gegebenheiten. Positiv zu erwähnen bleibt der Umstand, daß man selbst bei tagsüber knapp 30 Grad nachts recht angenehm im Zelt schlafen kann, da man aufgrund der zahlreichen Öffnungen für ausreichend Abkühlung sorgen kann. Fliegengitter sorgen für genügend Abstand zu möglichen nächtlichen fliegenden oder krabbelnden Besuchern. Wie bereits befürchtet konnte man den Umstand, direkt an der Hauptverkehrsstraße zu schlafen zu keiner Zeit vergessen und so war auch in diesen zwei Nächten der Schlaf nicht wirklich erholsam.
Gezahlt haben wir hier pro Nacht €18,90 und die Ausstattung des Campingplatzes war hervorragend, mit neu sanierten sanitären Anlagen, Waschküche, Kinderspielplatz und großem Müllplatz mit Möglichkeiten zum Recyclen.
Besonders in Wien sind uns die Edel Camper aufgefallen die mit ihren Luxus Wohnwagen den Sinn vom Camping wohl nicht ganz verstanden haben. Oberflächlich von außen betrachtet hatten diese Leute mehr Platz und Ausstattungsgegenstände dabei als was ich im normalen Alltag in meiner Wohnung zur Verfügung habe.

Mondsee, Österreich

Die Schlechtwetter-Variante
Der extrem schlechte Wetterbericht für den größten Teil Österreichs machte uns mal wieder einen Strich durch unsere nicht vorhandene Planung und trieb uns in den Nordwesten Österreichs, da sich die Unwetterwarnungen für diesen Bereich in Grenzen hielten. Und so fuhren wir anstatt in den Süden in Richtung Salzburg weil dort das Wetter noch einigermassen stabil zu sein schien. Wir entschieden uns spontan zu einer Übernachtung am Mondsee wo wir noch einen Platz auf der Zeltwiese ergattern konnten – alle anderen Plätze waren aufgrund des aufkommenden Pfingstwochenendes komplett ausgebucht. Leider stimmte der Wetterbericht und es begann kurz nach dem Aufbau unserer Plane zu regnen, aber diesmal hatten wir sie windsicher an zahlreichen Bäumen, Zäunen und anderen feststehenden Einrichtungen befestigt und der Wind hielt sich in Grenzen. Auch hatten wir auf die Stangen an einer Seite verzichtet und die Plane direkt im Boden verankert und so hielt die Plane die ganze Nacht. Wie wir die nächsten Tage zu sagen pflegten war die Konstruktion nicht schön aber extrem selten und erfüllte ihren Zweck und darauf kommt es schließlich an.
Für das Austria Camp Mondsee (Achort 60, Sankt Lorenz) zahlten wir stolze 26,70 weil unser Auto mit Dachzelt als Wohnmobil behandelt wurde. Schon etwas unfair, wenn ich mir ansehe wie viel Platz so ein Wohnanhänger beansprucht, aber ich war nicht zum Diskutieren aufgelegt. Die sanitären Einrichtungen waren den Preis jedenfalls Wert, alles neu und sauber und die Duschkabinen groß genug, um einer 4-köpfigen Familie Platz zu bieten. Auch war es ruhig und wir konnten endlich mal ohne Straßenlärm einschlafen.

Seekirchen, Wallersee

Am Morgen verzog sich der Regen und die Campingplatzleitung war sich ganz sicher, daß sich das Wetter spätestens bis zum Mittag bessern würde. Wir fuhren nur ein paar Kilometer weiter zum Wallersee und suchten dort einen Stellplatz für die Nacht. Der erste ausgeschriebene Stellplatz existiere irgendwie nicht mehr oder unser Navi war komplett verwirrt, schickte es uns doch in ein Wohngebiet neben eine Schule und verkündete unser Ankommen. Da war definitiv nichts. So fuhren wir weiter zu Variante 2, parkten das Auto vor der Schranke und liefen regelwidrig über das Gelände (dies war für Nichtbewohner ausdrücklich verboten). Ganz ehrlich, all diese Regeln kamen uns schon komisch und nicht willkommen heißend vor und als wir dann all die Dauercamper mit ihren bereits mit der Umgebung fest verwachsenen Unterkünfte erblickten, hatten wir keine Lust mehr auf diesen Platz, wo man sich bestimmt als Eindringling gefühlt hätte. Wir suchten also Variante 3 und fanden diese auch irgendwann. Die Dame an der Rezeption war sehr zuvorkommend, bot uns einige Alternativen aus denen wir den für uns perfekten Stellplatz aussuchen konnten und deckte uns gleich noch mit Tipps für Unternehmungen in der Gegend ein. Ich fühlte mich gleich wohl dort und so richteten wir uns ein. Wir blieben zwei Nächte und da wir uns einen Stellplatz mit Bäumen ausgesucht hatten, konnten wir unsere Plane wunderbar befestigen. Zwar ernteten wir ungläubige Blicke von den anderen Campingplatzbesuchern (darunter auch zahlreiche Dauercamper) aber das war uns egal. Wir machten das beste aus den sich uns bietenden Möglichkeiten und kamen wunderbar damit zu recht. Leider war dieser Campingplatz wieder etwas lauter schon allein wegen der regelmäßig verkehrenden Bahn, die man in der Ferne vernehmen konnte. Die zweite Nacht stellte sich als recht windig heraus und obwohl unsere Konstruktion mit der Plane der Belastung wunderbar standhielt, raschelte sie trotzdem die ganze Nacht direkt über und neben unserem Kopf (sie liegt ja über dem Dachzelt). Außerdem hob sich die Plane durch den Wind in regelmäßigen Abständen und lies mich ständig darüber grübeln, ob sie halten würde oder weggeweht würde. Die Nacht war alles andere als erholsam und als pünktlich um 5 Uhr ein Kuckuck in der Nähe nach Artgenossen zu rufen begann war ich bedient. Ich war bereit, in den nächstgelegenen Wallersee zu springen um ein paar Runden zu schwimmen, aber Tommy hielt mich zurück. Irgendwie schafften wir es dann doch noch 2 Stunden zu schlafen und begaben uns erst danach in den See und entschieden uns noch vor dem Frühstück die Plane einzupacken um sie noch vor dem sicher bald aufkommenden Regen trocken im Auto verstauen zu können. Wir verliesen die sichtlich überforderten Nachbarn in ihrem Wohnwagen (Oma und Opa mit ihren 3 Enkeln) und fuhren in Richtung Deutschland.
Für den Campingplatz Seekirchen (Strandbad Seekirchen, Seestr. 2) zahlten wir pro Nacht 21 Euro. Die sanitären Einrichtungen waren aufgrund des nahe gelegenen Wallersees leider nicht so sauber, da jeder der Strandbadgäste die Toilette nutzt und es auch dementsprechend dort aussieht.

Das schlechte Wetter war nun auch im Nordwesten Österreichs angelangt und wir konnten keine trockenen Alternativen auf der Karte finden (zumal sich Wetterberichte bekanntlich öfter mal irren). Wir hatten außerdem den sich am Montag in Gang setzenden Rückreiseverkehr nach Deutschland im Hinterkopf, dem wir unbedingt entkommen wollten und so verkürzten wir unseren Ausflug um einen Tag und machten uns bereits am Pfingstsonntag auf den Weg zurück nach Hause.

Fazit: 

Mit der Plane kommen wir voran und wir können die Art und Weise des Einsatzes an die örtlichen Bedingungen anpassen (bevorzugt nutzen wir für die Befestigung Bäume, da sie starkem Wind besser Stand halten als eine 3 Meter hohe Teleskopstange). Auch müssen wir beim nächsten Mal einige Dinge nicht spazieren fahren und lassen sie lieber zu Hause. Einige bauliche Veränderungen müssen wohl noch vorgenommen werden, da die Dachgepäckträger des Ford die Last des Dachzeltes nicht so gut handeln können aber unser Problem hierbei ist, daß es sich um einen Firmenwagen handelt und die Gepäckträger leider nicht ausgetauscht werden können. Somit müssen wir uns was anderes einfallen lassen. Dazu später sicher mehr….

Sonntag, 18. Juni 2017

Ungarn, Slowakei, Österreich (Ende Mai bis Anfang Juni)

Teil 1 Ungarn und Slowakei


Sopron, Ungarn

Unsere Reise beginnt in Ungarn in Sopron (zu Deutsch Ödenland) kurz nach der Ungarisch-Österreichischen Grenze, da wir dort für Tommys Hobby ein paar Tage im Rahmen der Karate Europameisterschaften verbracht haben. Während sich seine Vereinskameraden nach einem sehr erfolgreichen Wochenende wieder auf eine lange Heimreise Richtung Thüringen machten, verabschiedeten wir uns in unseren Kurzurlaub, für den wir mal wieder nicht wirklich etwas geplant hatten. Unser altbekanntes Motto war auch diesmal wieder: Go with the flow.

Bevor ich über unsere Reiseerlebnisse berichte, möchte ich noch einige Eindrücke von Sopron schildern. Aufgrund fehlender persönlicher Betroffenheit hatte ich mich vorher noch nie mit dem Thema beschäftigt und wußte daher nicht, daß Ungarn ein beliebtes Ferienziel für solche Deutsche ist, die für plastische Chirurgie und vorallem für zahnärztliche Eingriffe die wohl horrenden Summen in Deutschland nicht zahlen können oder wollen und deshalb ins günstigere Ausland ausweichen. Wer sich kostengünstig die Zähne richten lassen möchte, kann dies praktischerweise mit einem Wellness Urlaub verknüpfen und auf die zahlreichen Angebote nicht nur in Sopron zurückgreifen. Bei einem Spaziergang durch Sopron stolpert man ununterbrochen über Zahnärzte und Werbung für Kliniken, spezialisiert auf Zahn-, Mund- und Kiefererkrankungen. Es entwickelte sich bei uns der running gag daß wir schon lange keinen Zahnarzt mehr gesehen hätten, wann auch immer wir mal wieder an einer Kliniktür vorbeiliefen. Sopron an sich ist ein kleines hübsch hergerichtetes Städtchen mit schicker Architektur, einer alten teils gut erhaltenen Stadtmauer und dem Wahrzeichen der Stadt, dem Feuerturm, den zu erklimmen es sich für die herrliche Aussicht lohnt.
Zu erwähnen wäre noch daß Ungarn zwar seit 2004 Mitglied der Europäischen Union ist, aber seine Währung beibehalten hat und man daher wieder mit dem Umrechnen beschäftigt ist. Ganz grob gerechnet entsprechen 300 Forint 1 Euro und in Sachen Kopfrechnen wurde ich endlich mal wieder gut gefordert. Sicher kann man im Supermarkt oder auch im Restaurant mit Kreditkarte bezahlen, aber an der Eisdiele oder auf dem Wochenmarkt wird man damit nicht weit kommen.

Bratislava, Slowakei

Nach Sopron entschlossen wir uns für einen Kurztrip in die Slowakei um die Hauptstadt Bratislava zu besuchen (was zu Deutsch übrigens den ungewöhnlichen Namen Pressburg trägt, den man hier recht häufig liest und mit dem ich nichts anzufangen wußte). Bratislava liegt am Dreiländerdreieck mit Ungarn und Österreich und ist laut Wikipedia die einzige Hauptstadt der Welt, die an mehr als ein Nachbarland grenzt. Außerdem haben Wien und Bratislava mit nichtmal 55 km die kürzeste Entfernung zweier Hauptstädte in Europa.

Die Fahrt in die Stadt ähnelt der jeder anderen Großstadt; IKEA, Decathlon, McDonalds und die üblichen Verdächtigen reihen sich entlang der Autobahn, dazu erinnern die zahlreichen riesigen Anzeigetafeln daran, daß hier schon seit einigen Jahren ein ganz anderer Wind weht. Auch hier fällt mir sofort wieder die Werbung für Schönheitsoperationen auf, die hier wohl preislich weniger ins Gewicht fallen als anderswo. Der Campingplatz erinnert an ein Ferienlager der sozialistischen Zeit; schlicht eingerichtet mit Holzhütten, diese wiederum mit Etagenbetten und ohne sanitäre Einrichtungen. Die Gemeinschaftsduschen sind sanierungsbedürftig, auf den Toiletten fehlt das Toilettenpapier und die restlichen Gebäude auf dem Gelände waren sicherlich vor 30 Jahren gut ausgelastet, rotten aber inzwischen vor sich hin. All das störte uns wenig, da wir nur einen Platz auf dem Zeltplatz benötigten und dieser befand sich 100 Meter vom See entfernt (Zlaté Piesky), der vorallem von der Bevölkerung Bratislavas genutzt wird. Gäste auf dem Zeltplatz gab es nur wenig und so hätte es eine ruhige Nacht werden können. Dummerweise befand sich der Highway in unmittelbarer Nähe und irgendwo muß es auch einen Flugplatz gegeben haben, denn der Verkehrslärm lies einfach nicht nach. Und wie wir noch einige Male in den nächsten Tagen feststellen mußten, mag man besonders auf solchen Camping- und Zeltplätzen gleich 7 Uhr in der Früh mit dem Mähen des Rasens zu beginnen oder zu anderen Ruhezeiten lärmintensive Arbeiten durchführen, um den Gästen das Entspannen so unangenehm wie möglich zu machen.
Für die Nutzung der sanitären Anlagen muß man übrigens einen Schlüssel mit sich führen und die Türe auf- und wieder zusperren, was aber aufgrund der vielen Seebesucher durchaus Sinn macht, um die Sauberkeit halbwegs gewährleisten zu können.
Gezahlt haben wir für den Zeltplatz € 12,90 (ohne Strom, da wir keinen benötigen) und das war vollkommen ok.