Dienstag, 15. August 2017

Allgäu (Ende Juli)

Anläßlich meines Geburtstags stand ein verlängertes Wochenende mit einer Freundin im Allgäu auf dem Plan und wir machten uns Freitag Mittag nach getaner Arbeit auf den Weg. Das Timing hätte besser nicht sein können, denn an diesem Tag begannen in Bayern die Sommerferien und wir erwarteten die ein oder andere Verzögerung auf der Autobahn. Diese gab es auch definitiv hinter uns, hörten wir doch halbstündlich davon in den Verkehrsnachrichten. Wir allerdings blieben von Staus verschont und schafften es staufrei auf der A7 in unter 3 Stunden. Wenn Engel reisen!

Im Allgäu angekommen und ca. 30 Minuten vom Ziel entfernt, zogen Wolken am Himmel auf und leichter Regen prasselte auf die Fensterscheiben. Sollte dies etwa mein dritter verregneter Ausflug ins Allgäu / in die Bodenseeregion sein? Aber nein, als vorzeitiges Geburtstagsgeschenk wurden wir mit herrlichem Wetter gesegnet und ich kann dankend und zufrieden Resümee ziehen: das Allgäu und ich haben uns (wieder) lieb. Ob meine allgemein ausgesprochene Drohung, ich würde nie wieder ins Allgäu kommen, sollte ich auch bei meinem dritten Ausflug von schlechtem Wetter verfolgt werden, Anlaß zu dem herrlichen Sommerwetter gegeben hat, kann ich natürlich nicht beurteilen. Aber geschadet hat es sicherlich nicht.

Ich möchte Euch verschonen von unseren Wandereskapaden und welche Berge wir herauf oder wieder herabgestiegen sind. Ein paar Eindrücke hingegen möchte ich mit Euch teilen. Wer die Berge mag um dort Bergsport jeglicher Art zu betreiben oder um einfach nur die Natur zu genießen, wird es im Allgäu lieben. Jetzt, wo ich die Berge tatsächlich sehen und die Weitsicht genießen konnte, habe mich ins Allgäu verliebt. Irgendwie schaut es dort überall aus wie auf einer Postkarte oder man fühlt sich versetzt ins Fernsehen in eine der viel zu kitschigen Sendungen über das Leben in der Bergidylle. Kleine Bauernhöfe mit wirklich noch glücklichen (weil wenigen) Kühen, mit bunten Blumenampeln geschmückte Bauern- und Ferienhäuser und unendliche Weiden die sich die Berghänge hinaufziehen. Obwohl ich aufgrund der fehlenden Fertigkeiten auf dem Ski kein Wintersportler bin, reizt mich diese Gegend auch im Winter, wenn die Berge und Berghänge schneebedeckt ein ganz anderes reizvolles Bild abgeben. Von Idylle wird dann sicher keine Rede sein, wenn es im Winter in den Bergen von Wintersportlern nur so wimmelt, werden sie doch problemlos von den zahlreichen Seilbahnen und Schleppliften auf die Höhe befördert. 

Während unseres Aufenthalts jedoch war es relativ ruhig, auch wenn sich zahllose Wanderer und Mountainbiker in den Bergen tummeln. Jeder tut dies jedoch in seiner eigenen Geschwindigkeit und so bekommt man von den anderen Wanderern nicht so sonderlich viel mit. Schon allein deswegen, weil es so viele verschiedene Wanderwege gibt, daß sich alles wunderbar verteilt. Als besonders nützlich stellte sich die Oberstaufen Plus Card heraus, die wir von unserem Gastgeber in Schindelberg bekommen hatten. Diese Karte ist zu einem gewissen Anteil im Übernachtungspreis inbegriffen und gibt dem Gast die Möglichkeit, zahlreiche kostenlose (oder vergünstigte) Leistungen in Anspruch zu nehmen. Darunter zählen zum Beispiel die kostenlose Nutzung vieler Seilbahnen, kostenloses / vergünstigtes Parken, die Nutzung der Therme, kostenlose Nutzung einiger öffentlicher Verkehrsmittel und viele andere Leistungen in der Urlaubsregion. Wir zahlten keinen Cent für die Nutzung der Seilbahn, was pro Person schon mal stolze 10 Euro aufwärts kosten kann.

Rumgekommen sind wir in diesen wenigen Tagen ein ganzes Stück:
  • mit der Imbergbahn den Imberg hinauf (schon allein dort könnte man wochenlang herumwandern)
  • zu Fuß hinauf zum Dreiländerblick mit einem fantastischen Ausblick nach Österreich und die Schweiz
  • mit der Hochgratbahn und viel zu kleinen Gondeln hinauf auf den Hochgrat mit einer Rundumwanderung , die es selbst auf der einfachen Strecke aufgrund der Steigung in sich hat
  • eine fiese 1stündige, viel zu steile Wanderung die Alpsee Bergwelt in Immenstadt hinauf um den Weg zurück auf der Sommerrodelbahn (AlpseeCoaster) zurückzulegen; mit fast 3000 Meter Länge und einer Höchstgeschwindigkeit von 40km/h ist der Coaster die längste Ganzjahres-Rodelbahn Deutschlands
  • nach Tiefenbach um die Breitachklamm zu begutachten: die Breitachklamm ist die tiefste Felsenschlucht Mitteleuropas und ein imposantes Naturschauspiel. Entstanden ist die Klamm vor ca. 10.000 Jahren, erschlossen wurde sie erst 1905 durch Pfarrer Johannes Schiebel. Wer sich für die Geschichte interessiert, kann sie hier nachlesen.

Eine kurze Beurteilung unserer Unterkunft in Schindelberg darf natürlich nicht fehlen.
Hotel Schindelberg, St.-Rochus-Weg 4, 87534 Oberstaufen (Schindelberg liegt ein wenig außerhalb). Wir zahlten für das Doppelzimmer 287,00 Euro für 3 Nächte. 1,80 Euro Tourismusabgabe pro Person und Nacht kommt nochmal oben drauf. Wie bereits erwähnt, war die Oberstaufen Plus Card im

Preis mit inbegriffen, auch wenn man nicht erfährt, zu welchem Anteil. Es handelt sich um ein recht großes Gasthaus, dessen obere Etage allerdings gerade renoviert wurde, weshalb sich der Andrang an Mitbewohnern am Frühstücksbuffett in Grenzen hielt. Wir wurden äußerst freundlich und zuvorkommend vom Gastgeber empfangen und fühlten uns sofort wie zu Hause. Das Zimmer selbst (wie auch der Rest der Unterkunft) war gemütlich eingerichtet und sauber und auf dem Balkon konnte man wunderbar das Klingeln der Kuhglocken verfolgen. Ein Geräusch, von welchem man im gesamten Allgäu verfolgt wird. Das Frühstück ist reichhaltig und läßt keine Wünsche offen. Das Haus beherbergt einen Gasthof mit traditioneller Küche und so kann man nach einem langen Tag auf dem Berg auch gern zu Hause essen, wenn man den Fußmarsch nach Steibis (der nächste Ort) scheuen sollte. Direkt neben dem Haus befindet sich die kleine Schindelberg Kapelle die leider während unseres gesamten Aufenthalts verschlossen blieb. Sicherlich ist sie zu bestimmten Anläßen begehbar, bei Interesse kann man dies bei den netten Gastgebern erfragen. WLAN ist über einen individuellen Code nutzbar und funktioniert auch auf dem Zimmer einwandfrei. Wir fühlten uns im Hotel Schindelberg rundum wohl und haben keine Bedenken, diese Unterkunft erstens weiterzuempfehlen und diese nochmals zu buchen, sollte es uns nochmal in die Gegend verschlagen.

Abschließend hervorheben möchte ich das Thalkirchdorfer Dorfhaus (Kirchdorfer Str. 5, 87534 Oberstaufen), in welchem wir hervorragend speisten. Der Grund für seine Erwähnung ist das reichhaltige Angebot an vegetarischen Speisen, das mir die Wahl sehr schwer gemacht hat. Normalerweise hat man es als Vegetarier beim Auswärtsessen eher einfach, schließlich beschränkt sich das Angebot für die Nicht-Fleisch-Esser meistens auf Salat oder Käsespätzle. Im Dorfhaus hingegen hing ich förmlich an der Speisekarte und hätte mich am liebsten durch das komplette Angebot gegessen, was wohl auch dem Umstand geschuldet ist, daß sich die Küche bei der Herstellung ihrer Gerichte aus der eigenen Käseproduktion bedient.

Freitag, 11. August 2017

neuer gemeinsamer Instagram account

Tommy und ich haben beide einen Account bei Instagram für unsere Fotos. Es war nur eine Frage der Zeit, bis wir einen gemeinsamen Account für diesen Blog einrichten würden. Nun ist es soweit. Wir stehen noch ganz am Anfang und versuchen Fragen zu klären, wie z.B. wie nutzt man gemeinsam einen Account, wie springt man zwischen zwei Accounts hin und her, wie organisieren wir die Fotos etc. Aber jeder fängt mal klein an und Ihr könnt natürlich bereits jetzt eine (noch sehr) kleine Auswahl der Fotos betrachten. Mehr gibt es dann auf unseren persönlichen Instagram Konten. Für die Links einfach mal rechts schauen, da sind sie die Konten verlinkt.

https://www.instagram.com/hinundwiederhierundda/

Wir freuen uns immer über likes, Kommentare, Tips und Anregungen. 

Kurze Auszeit in Lübeck (Juli 2017)

Was tun, wenn sich die bessere Hälfte übers Wochenende mal wieder dem Verein verschrieben hat und im Rahmen des Sports nach Lübeck fährt, um sich dort zwei Tage lang auszutoben? Zu Hause bleiben und Trübsal blasen oder einfach mitfahren? Wer mich kennt, weiß natürlich, daß für mich nur die zweite Variante in Frage kommt, zumal ich bisher Lübeck noch nie einen Besuch abgestattet hatte und mich die Bilder bei einer oberflächlichen Google Image Suche sehr ansprachen. 

Zugegeben, die lange Fahrt von Thüringen nach Lübeck an einem Freitag Nachmittag schreckte mich etwas ab denn es gibt sicherlich bessere Reisezeiten für eine Strecke von knapp 500km aber Tommy fährt gern und unsere Handys sind vollgestopft mit Musik. Reisen an einem Freitag Nachmittag sind nicht automatisch von kilometerlangen Staus bedroht denn wir kamen wunderbar ohne große Verzögerungen durch. Lediglich kurz vor Hamburg staute es sich mal kurz weil es die Deutschen trotz Fahrschule einfach nicht in ihr Hirn bekommen, wie ein Reisverschlußverfahren effektiv funktioniert. Aber ich will nicht überheblich sein und meckern, ich wußte es früher ehrlich gesagt auch nicht. Wenn ich es recht bedenke weiß ich noch gar nicht mal, ob dies wirklich Thema in der Fahrschule war. Egal, darüber kann man sich mal an anderer Stelle den Kopf zerbrechen.

Gegen 19 Uhr erreichten wir die Jugendherberge in Lübeck und checkten in unser Zimmer ein. Leider gibt es in dieser Herberge keine Doppelzimmer und so mußten wir mit einem 6 Bettzimmer Vorlieb nehmen. Mit seinen 3 Doppelstockbetten, 6 Schließschränken sowie zwei Waschbecken war das Zimmer recht geräumig und bei unserer Ankunft war es nur von einer Person bewohnt. Sollte es vielleicht so bleiben? Man darf ja mal träumen….

Wir warteten den heftigen Regenschauer ab und machten uns auf den Weg auf eine kleine Entdeckungstour durch Lübeck. Von der Jugendherberge aus erreicht man das Stadtinnere bequem in ca. 10 Minuten Gehzeit. Da Entdeckungstouren auf leeren Magen keinen Spaß machen, suchten wir uns erstmal was zu essen und landeten bei Peter Pane, einem leckeren Burger Restaurant mitten in der Stadt mit vielfältiger Auswahl auch für Vegetarier. 

Beim anschließenden Schlendern durch die Altstadt suchte ich mir Objekte heraus, die ich am nächsten Tag fotografieren würde. Hauptziel war allerdings, die Turnhalle zu finden, in der Tommy in den nächsten zwei Tagen trainieren sollte. Um die Odysee kurz zu fassen; wir fanden sie nicht beziehungsweise konnten wir die Halle, die wir fälschlicherweise als unser Ziel identifiziert hatten aufgrund einer Baustelle und zahlreichen Absperrungen nicht erreichen. Tommy schaffte es dank eines Telefonats mit seinem Trainer am nächsten Tag trotzdem, rechtzeitig zur richtigen Halle zu gelangen und wie es der Zufall will, waren wir am Vortag sogar daran vorbeigelaufen, hatten sie aber nicht als Turnhalle erkannt. Wie sagt man so schön, shit happens.

Während also Tommy zwei Tage lang in dieser Turnhalle schwitzte und Kalorien verbrannte, erkundete ich fotografierend die Stadt, genoß das tolle Wetter, machte eine kleine Bootsfahrt durch die zahlreichen Wasserstraßen Lübecks (Trave), erfuhr dabei eine Menge über die Geschichte und Gepflogenheiten der Stadt und erklomm anschließend noch den Aussichtsturm St. Petri für herrliche Aussichten über die Stadt. Am Abend des Samstag zogen wir sogar noch mal beide mit unserem equipment los und schossen ein paar Fotos bei Nacht; solche Bilder mache ich besonders gern!

Ich mag die Architektur der Stadt und die Altstadt Lübecks ist nicht ohne Grund seit 1987 Teil des UNESCO Welterbes. Die typischen Backsteinhäuser in den teils recht engen Gassen vermitteln einen gepflegten Eindruck. In den Fenstern sieht man recht häufig die für die Region typische Dekoration (Rettungsringe, Möwen, Boote und Leuchttürme) und die meisten lokalen Geschäfte sind verspielt und liebevoll eingerichtet. Ich spreche nicht von den Läden, die man überall findet; die Ladenketten die sich wie Heuschrecken durchs Land ziehen und jeglichen lokalen Charakter vermissen lassen aber dies kritisiere ich in jeder deutschen Stadt. Mancherorts ist es so schlimm, daß man gar nicht genau weiß, wo man sich eigentlich genau befindet weil man überall die gleichen Läden sieht und nichts typisch einheimisches mehr übrig geblieben ist oder man diese Perlen suchen muß. Sicherlich versteht der ein oder andere Leser, was ich meine. 

Diese Perlen findet man in Lübeck größtenteils am Wasser (an der Trave), die sich wie ein Ring um die Innenstadt zieht. Dort liegen nicht nur historische Schiffe (teilweise Museumsschiffe) vor Anker, sondern dort sind auch urige Cafe´s und Kneipen beheimatet, sonderbare Läden und Flohmärkte. Dort zieht es mich hin, wenn ich die Atmosphäre einer Stadt einfangen möchte und auch in Lübeck wurde ich nicht enttäuscht. Eine besonders interessante Ecke ist zum Beispiel das Gebiet um die Media Docks; ein Stück Land zwischen Trave und Stadtgraben, wo man den Strandsalon errichtet hat, ein größeres mit Sand aufgeschüttetes Areal. Zum Entspannen stehen allerlei Sitz- und Liegemöglichkeiten zu Verfügung; von Liegestühlen, Strandkörben und bunt zusammengewürfelten Polstermöbeln oder wer nach Erfrischung trachtet, kann sich auch in den kleinen Pool begeben. Eine Bühne sorgt für Live-Unterhaltung und der angrenzende Volleyballplatz läßt Sportlerherzen höher schlagen. Nebenan stehen alte verlassene Kräne die früher zur Ent- und Beladung der Schiffe betrieben wurden und vermitteln das Gefühl, daß jederzeit ein Frachter vorbeigefahren kommen könnte, um nebenan entladen zu werden.

Hier übrigens ein besonders schönes Bild von oben, gefunden bei Wikipedia 

Um nochmal zur Jugendherberge zurück zu kommen, hier kommt natürlich auch eine kurze Beurteilung über unsere Unterkunft. Hier die Details: Am Gertrudenkirchhof 4, St Gertrud, 23568 Lübeck. Für zwei Nächte und zwei Personen haben wir insgesamt 82,80 EUR gezahlt (also etwas über 20 EUR pro Person pro Nacht). Die Jugendherberge ist recht groß und wird deswegen auch recht gern von größeren Gruppen genutzt (dafür sind sie ja auch da). Der Zustand der sanitären Anlagen war okay und ich fand es sehr praktisch, Dusche und WC in einem zu haben und nicht ständig hin und her wechseln zu müssen. Frühstück war inbegriffen und reichhaltig. Auswählen konnte man zwischen Brot und Brötchen, verschiedenen Obstsorten, Wurst und Käse und natürlich auch Marmelade, Honig und Schokoaufstrich. Müsli, Saft, Milch, Tee und Kaffee gab es auch. Wenn bestellt, konnte man sich auch ein Frühstück mitnehmen. Hätten wir es drauf ankommen lassen, hätten wir uns sicher auch eine der Papiertüten schnappen und etwas schmieren und mitnehmen können. 

Daß wir Idioten im Zimmer hatten, die von Rücksicht nichts verstanden, kann man der Jugendherberge natürlich nicht zum Vorwurf machen, aber Schlaf bekamen wir nur sehr wenig. Dabei kann ich noch nicht mal sagen, welche Variante ich bevorzugte. Variante 1, wo sie endlich schliefen, dabei aber laut schnarchten oder Variante 2, wo sie auch nach Mitternacht ständig aus dem Zimmer gingen, vorher ihr Schließfach am Schrank öffneten (dabei fiel jedesmal (!) lautstark eine Münze in den Auswurf), dieses wieder verschlossen, nur um es nach dem Eintreten wieder zu öffnen und zu schließen. Da lernt man Geduld und Beherrschung!

Am Sonntag sollte es schon wieder Richtung Heimat gehen aber nicht bevor wir einen kleinen Abstecher ans Meer gemacht hatten. Über Bad Schwartau (Name klingt bekannt? Da kommt die Marmelade her) gings mit einer Vielzahl anderer Tagesausflügler an den Timmendorfer Strand, wo wir unsere Füße mal wieder im Ostsee-Wasser baden wollten. Blöd nur, daß man dort ohne finanzielle Gegenleistung überhaupt nicht mehr ans Wasser kommt. Das Zahlen der Kurtaxe hätte ich mir noch gefallen lassen aber man wollte nur fürs Betreten des Strandes nochmal zusätzlich eine Art Nutzungsgebühr (zusätzlich zur Strandkorbmiete versteht sich). Sorry, aber für mich riecht das nach Abzocke! Der Strand gehört niemandem, er wurde von niemandem errichtet (außer natürlich der Zaun drumherum) und auch das Meer gehört niemandem. Wieso kann sich jemand das Recht herausnehmen, dafür eine Nutzungsgebühr zu verlangen? Irgendwann zahlen wir dann wirklich noch für die Luft, die wir zum atmen brauchen. Der Badetag am Strand kann so für eine Familie zu einer größeren finanziellen Ausgabe werden und in unseren Augen ist dies falsch! Wir haben unsere Füße schließlich doch im Wasser gehabt und natürlich haben wir dafür nichts gezahlt. Wäre ja noch schöner!

Der Norden hat einfach etwas anziehendes, was ich nicht in Worte fassen kann. Ist es das Klima, das Lebensgefühl, die Freiheit die man verspürt, wenn man aufs Meer hinausblickt? Ich kann es nicht beschreiben und vielleicht macht gerade dies den Reiz aus. Fakt ist, daß ich bald wieder Gelegenheit dazu haben werde, dieses Gefühl genauer zu durchleuchten, denn unser nächster Trip in den Norden steht schon recht bald an. Und wir werden natürlich berichten.

Eure Katja

P.S. In Lübeck wurden Tommy und ich von einem jungen Musiker angesprochen, der CDs seiner Band verkaufte. Sie kommen aus Estland und leben u.a. auch von ihren Plattenverkäufen. Sie nennen sich Illumenium und einige ihrer Songs sind richtig gut. Hört einfach mal rein, wenn es Euch interessiert.





Sonntag, 25. Juni 2017

Ungarn, Slowakei, Österreich (Ende Mai bis Anfang Juni)


 Teil 2 Österreich

 

Wien, Österreich

In Wien gibt es laut oberflächlicher Internet Recherche 3 Möglichkeiten fürs Campen: Campingplatz Süd, West oder Nord, alle vom selben Betreiber bewirtschaftet. Ohne uns alle anzuschauen, entschieden wir uns für Süd (Breitenfurter Str. 269) und bemerkten sofort die Nähe zur Hauptverkehrsstraße, machten uns aber auch bewußt, daß die anderen Plätze wahrscheinlich das gleiche Problem haben würden. Der ein oder andere Leser erinnert sich vielleicht noch an unser feuchtes Erlebnis am Bodensee und die sich daraus ergebende Notwendigkeit, eine Schlechtwetter Variante fürs Campen zu entwickeln um uns nicht immer um ein nasses Zelt sorgen zu müssen. Der Vorteil dieser Schlechtwetter Variante ist, daß man sie auch wunderbar als Sonnenschutz verwenden kann, was bei der Hitze auch dringend notwendig war.
Dachzelt mit Sonnensegel
Wir warfen eine Plane über das ausgefahrene Dachzelt und versuchten das elendig riesige Teil mit Hilfe von fast 3 Meter langen Teleskopstangen sowie Zeltheringen zu befestigen, was ein wenig länger dauerte (mit Details wollen wir nicht prahlen). Nach getaner Arbeit genossen wir das herrliche Wetter im Schatten und ich testete die neu erworbene Hängematte. Beim Zubettgehen bemerkten wir besorgt die aufziehende graue Wolke. Starker Wind blies uns irgendwann in der Nacht unsere Zeltstangen um und wir entstiegen unserem Zelt um alles einzusammeln und erstmal unters Auto zu stopfen um es vor dem Wegwehen und eventuellem Regen zu bewahren (der allerdings ausblieb). Bei Regen hätte die Konstruktion sicher Stand gehalten aber leider gehen Regen und Wind meist Hand in Hand. So probieren wir eben weiter und reagieren auf individuelle Gegebenheiten. Positiv zu erwähnen bleibt der Umstand, daß man selbst bei tagsüber knapp 30 Grad nachts recht angenehm im Zelt schlafen kann, da man aufgrund der zahlreichen Öffnungen für ausreichend Abkühlung sorgen kann. Fliegengitter sorgen für genügend Abstand zu möglichen nächtlichen fliegenden oder krabbelnden Besuchern. Wie bereits befürchtet konnte man den Umstand, direkt an der Hauptverkehrsstraße zu schlafen zu keiner Zeit vergessen und so war auch in diesen zwei Nächten der Schlaf nicht wirklich erholsam.
Gezahlt haben wir hier pro Nacht €18,90 und die Ausstattung des Campingplatzes war hervorragend, mit neu sanierten sanitären Anlagen, Waschküche, Kinderspielplatz und großem Müllplatz mit Möglichkeiten zum Recyclen.
Besonders in Wien sind uns die Edel Camper aufgefallen die mit ihren Luxus Wohnwagen den Sinn vom Camping wohl nicht ganz verstanden haben. Oberflächlich von außen betrachtet hatten diese Leute mehr Platz und Ausstattungsgegenstände dabei als was ich im normalen Alltag in meiner Wohnung zur Verfügung habe.

Mondsee, Österreich

Die Schlechtwetter-Variante
Der extrem schlechte Wetterbericht für den größten Teil Österreichs machte uns mal wieder einen Strich durch unsere nicht vorhandene Planung und trieb uns in den Nordwesten Österreichs, da sich die Unwetterwarnungen für diesen Bereich in Grenzen hielten. Und so fuhren wir anstatt in den Süden in Richtung Salzburg weil dort das Wetter noch einigermassen stabil zu sein schien. Wir entschieden uns spontan zu einer Übernachtung am Mondsee wo wir noch einen Platz auf der Zeltwiese ergattern konnten – alle anderen Plätze waren aufgrund des aufkommenden Pfingstwochenendes komplett ausgebucht. Leider stimmte der Wetterbericht und es begann kurz nach dem Aufbau unserer Plane zu regnen, aber diesmal hatten wir sie windsicher an zahlreichen Bäumen, Zäunen und anderen feststehenden Einrichtungen befestigt und der Wind hielt sich in Grenzen. Auch hatten wir auf die Stangen an einer Seite verzichtet und die Plane direkt im Boden verankert und so hielt die Plane die ganze Nacht. Wie wir die nächsten Tage zu sagen pflegten war die Konstruktion nicht schön aber extrem selten und erfüllte ihren Zweck und darauf kommt es schließlich an.
Für das Austria Camp Mondsee (Achort 60, Sankt Lorenz) zahlten wir stolze 26,70 weil unser Auto mit Dachzelt als Wohnmobil behandelt wurde. Schon etwas unfair, wenn ich mir ansehe wie viel Platz so ein Wohnanhänger beansprucht, aber ich war nicht zum Diskutieren aufgelegt. Die sanitären Einrichtungen waren den Preis jedenfalls Wert, alles neu und sauber und die Duschkabinen groß genug, um einer 4-köpfigen Familie Platz zu bieten. Auch war es ruhig und wir konnten endlich mal ohne Straßenlärm einschlafen.

Seekirchen, Wallersee

Am Morgen verzog sich der Regen und die Campingplatzleitung war sich ganz sicher, daß sich das Wetter spätestens bis zum Mittag bessern würde. Wir fuhren nur ein paar Kilometer weiter zum Wallersee und suchten dort einen Stellplatz für die Nacht. Der erste ausgeschriebene Stellplatz existiere irgendwie nicht mehr oder unser Navi war komplett verwirrt, schickte es uns doch in ein Wohngebiet neben eine Schule und verkündete unser Ankommen. Da war definitiv nichts. So fuhren wir weiter zu Variante 2, parkten das Auto vor der Schranke und liefen regelwidrig über das Gelände (dies war für Nichtbewohner ausdrücklich verboten). Ganz ehrlich, all diese Regeln kamen uns schon komisch und nicht willkommen heißend vor und als wir dann all die Dauercamper mit ihren bereits mit der Umgebung fest verwachsenen Unterkünfte erblickten, hatten wir keine Lust mehr auf diesen Platz, wo man sich bestimmt als Eindringling gefühlt hätte. Wir suchten also Variante 3 und fanden diese auch irgendwann. Die Dame an der Rezeption war sehr zuvorkommend, bot uns einige Alternativen aus denen wir den für uns perfekten Stellplatz aussuchen konnten und deckte uns gleich noch mit Tipps für Unternehmungen in der Gegend ein. Ich fühlte mich gleich wohl dort und so richteten wir uns ein. Wir blieben zwei Nächte und da wir uns einen Stellplatz mit Bäumen ausgesucht hatten, konnten wir unsere Plane wunderbar befestigen. Zwar ernteten wir ungläubige Blicke von den anderen Campingplatzbesuchern (darunter auch zahlreiche Dauercamper) aber das war uns egal. Wir machten das beste aus den sich uns bietenden Möglichkeiten und kamen wunderbar damit zu recht. Leider war dieser Campingplatz wieder etwas lauter schon allein wegen der regelmäßig verkehrenden Bahn, die man in der Ferne vernehmen konnte. Die zweite Nacht stellte sich als recht windig heraus und obwohl unsere Konstruktion mit der Plane der Belastung wunderbar standhielt, raschelte sie trotzdem die ganze Nacht direkt über und neben unserem Kopf (sie liegt ja über dem Dachzelt). Außerdem hob sich die Plane durch den Wind in regelmäßigen Abständen und lies mich ständig darüber grübeln, ob sie halten würde oder weggeweht würde. Die Nacht war alles andere als erholsam und als pünktlich um 5 Uhr ein Kuckuck in der Nähe nach Artgenossen zu rufen begann war ich bedient. Ich war bereit, in den nächstgelegenen Wallersee zu springen um ein paar Runden zu schwimmen, aber Tommy hielt mich zurück. Irgendwie schafften wir es dann doch noch 2 Stunden zu schlafen und begaben uns erst danach in den See und entschieden uns noch vor dem Frühstück die Plane einzupacken um sie noch vor dem sicher bald aufkommenden Regen trocken im Auto verstauen zu können. Wir verliesen die sichtlich überforderten Nachbarn in ihrem Wohnwagen (Oma und Opa mit ihren 3 Enkeln) und fuhren in Richtung Deutschland.
Für den Campingplatz Seekirchen (Strandbad Seekirchen, Seestr. 2) zahlten wir pro Nacht 21 Euro. Die sanitären Einrichtungen waren aufgrund des nahe gelegenen Wallersees leider nicht so sauber, da jeder der Strandbadgäste die Toilette nutzt und es auch dementsprechend dort aussieht.

Das schlechte Wetter war nun auch im Nordwesten Österreichs angelangt und wir konnten keine trockenen Alternativen auf der Karte finden (zumal sich Wetterberichte bekanntlich öfter mal irren). Wir hatten außerdem den sich am Montag in Gang setzenden Rückreiseverkehr nach Deutschland im Hinterkopf, dem wir unbedingt entkommen wollten und so verkürzten wir unseren Ausflug um einen Tag und machten uns bereits am Pfingstsonntag auf den Weg zurück nach Hause.

Fazit: 

Mit der Plane kommen wir voran und wir können die Art und Weise des Einsatzes an die örtlichen Bedingungen anpassen (bevorzugt nutzen wir für die Befestigung Bäume, da sie starkem Wind besser Stand halten als eine 3 Meter hohe Teleskopstange). Auch müssen wir beim nächsten Mal einige Dinge nicht spazieren fahren und lassen sie lieber zu Hause. Einige bauliche Veränderungen müssen wohl noch vorgenommen werden, da die Dachgepäckträger des Ford die Last des Dachzeltes nicht so gut handeln können aber unser Problem hierbei ist, daß es sich um einen Firmenwagen handelt und die Gepäckträger leider nicht ausgetauscht werden können. Somit müssen wir uns was anderes einfallen lassen. Dazu später sicher mehr….

Sonntag, 18. Juni 2017

Ungarn, Slowakei, Österreich (Ende Mai bis Anfang Juni)

Teil 1 Ungarn und Slowakei


Sopron, Ungarn

Unsere Reise beginnt in Ungarn in Sopron (zu Deutsch Ödenland) kurz nach der Ungarisch-Österreichischen Grenze, da wir dort für Tommys Hobby ein paar Tage im Rahmen der Karate Europameisterschaften verbracht haben. Während sich seine Vereinskameraden nach einem sehr erfolgreichen Wochenende wieder auf eine lange Heimreise Richtung Thüringen machten, verabschiedeten wir uns in unseren Kurzurlaub, für den wir mal wieder nicht wirklich etwas geplant hatten. Unser altbekanntes Motto war auch diesmal wieder: Go with the flow.

Bevor ich über unsere Reiseerlebnisse berichte, möchte ich noch einige Eindrücke von Sopron schildern. Aufgrund fehlender persönlicher Betroffenheit hatte ich mich vorher noch nie mit dem Thema beschäftigt und wußte daher nicht, daß Ungarn ein beliebtes Ferienziel für solche Deutsche ist, die für plastische Chirurgie und vorallem für zahnärztliche Eingriffe die wohl horrenden Summen in Deutschland nicht zahlen können oder wollen und deshalb ins günstigere Ausland ausweichen. Wer sich kostengünstig die Zähne richten lassen möchte, kann dies praktischerweise mit einem Wellness Urlaub verknüpfen und auf die zahlreichen Angebote nicht nur in Sopron zurückgreifen. Bei einem Spaziergang durch Sopron stolpert man ununterbrochen über Zahnärzte und Werbung für Kliniken, spezialisiert auf Zahn-, Mund- und Kiefererkrankungen. Es entwickelte sich bei uns der running gag daß wir schon lange keinen Zahnarzt mehr gesehen hätten, wann auch immer wir mal wieder an einer Kliniktür vorbeiliefen. Sopron an sich ist ein kleines hübsch hergerichtetes Städtchen mit schicker Architektur, einer alten teils gut erhaltenen Stadtmauer und dem Wahrzeichen der Stadt, dem Feuerturm, den zu erklimmen es sich für die herrliche Aussicht lohnt.
Zu erwähnen wäre noch daß Ungarn zwar seit 2004 Mitglied der Europäischen Union ist, aber seine Währung beibehalten hat und man daher wieder mit dem Umrechnen beschäftigt ist. Ganz grob gerechnet entsprechen 300 Forint 1 Euro und in Sachen Kopfrechnen wurde ich endlich mal wieder gut gefordert. Sicher kann man im Supermarkt oder auch im Restaurant mit Kreditkarte bezahlen, aber an der Eisdiele oder auf dem Wochenmarkt wird man damit nicht weit kommen.

Bratislava, Slowakei

Nach Sopron entschlossen wir uns für einen Kurztrip in die Slowakei um die Hauptstadt Bratislava zu besuchen (was zu Deutsch übrigens den ungewöhnlichen Namen Pressburg trägt, den man hier recht häufig liest und mit dem ich nichts anzufangen wußte). Bratislava liegt am Dreiländerdreieck mit Ungarn und Österreich und ist laut Wikipedia die einzige Hauptstadt der Welt, die an mehr als ein Nachbarland grenzt. Außerdem haben Wien und Bratislava mit nichtmal 55 km die kürzeste Entfernung zweier Hauptstädte in Europa.

Die Fahrt in die Stadt ähnelt der jeder anderen Großstadt; IKEA, Decathlon, McDonalds und die üblichen Verdächtigen reihen sich entlang der Autobahn, dazu erinnern die zahlreichen riesigen Anzeigetafeln daran, daß hier schon seit einigen Jahren ein ganz anderer Wind weht. Auch hier fällt mir sofort wieder die Werbung für Schönheitsoperationen auf, die hier wohl preislich weniger ins Gewicht fallen als anderswo. Der Campingplatz erinnert an ein Ferienlager der sozialistischen Zeit; schlicht eingerichtet mit Holzhütten, diese wiederum mit Etagenbetten und ohne sanitäre Einrichtungen. Die Gemeinschaftsduschen sind sanierungsbedürftig, auf den Toiletten fehlt das Toilettenpapier und die restlichen Gebäude auf dem Gelände waren sicherlich vor 30 Jahren gut ausgelastet, rotten aber inzwischen vor sich hin. All das störte uns wenig, da wir nur einen Platz auf dem Zeltplatz benötigten und dieser befand sich 100 Meter vom See entfernt (Zlaté Piesky), der vorallem von der Bevölkerung Bratislavas genutzt wird. Gäste auf dem Zeltplatz gab es nur wenig und so hätte es eine ruhige Nacht werden können. Dummerweise befand sich der Highway in unmittelbarer Nähe und irgendwo muß es auch einen Flugplatz gegeben haben, denn der Verkehrslärm lies einfach nicht nach. Und wie wir noch einige Male in den nächsten Tagen feststellen mußten, mag man besonders auf solchen Camping- und Zeltplätzen gleich 7 Uhr in der Früh mit dem Mähen des Rasens zu beginnen oder zu anderen Ruhezeiten lärmintensive Arbeiten durchführen, um den Gästen das Entspannen so unangenehm wie möglich zu machen.
Für die Nutzung der sanitären Anlagen muß man übrigens einen Schlüssel mit sich führen und die Türe auf- und wieder zusperren, was aber aufgrund der vielen Seebesucher durchaus Sinn macht, um die Sauberkeit halbwegs gewährleisten zu können.
Gezahlt haben wir für den Zeltplatz € 12,90 (ohne Strom, da wir keinen benötigen) und das war vollkommen ok.

Mittwoch, 17. Mai 2017

erster Campingausflug an den Bodensee

Bereits vor unserem Schottland Urlaub haben wir uns ein Dachzelt für Tommys Auto gekauft. Eigentlich ist unser langfristiger Plan, einen T1 (unbezahlbar) oder ein neueres Modell nach unseren Wünschen umzugestalten und einzurichten und damit durch die Lande zu ziehen. Da es bis zur Realisierung dieses Traums noch ein wenig Zeit und Geld bedarf, stellt das Dachzelt eine Zwischenlösung für die gewünschte Flexibilität dar und so entschieden wir uns recht spontan für den Kauf. Seinem ersten Test wurde das Zelt erst einige Wochen später unterzogen, weil es nach dem Kauf erstens noch ein wenig zu frisch für eine Nacht draußen war und wir zweitens zu unserem Urlaub aufbrachen.

Anfang Mai jedoch ergab sich die Möglichkeit eines verlängerten Wochenendes und dieses wollten wir gebürtig am Bodensee begehen: im Dachzelt, mit geborgter Campingausrüstung und gespickt mit allerhand Selbstvertrauen in unsere Campingfähigkeiten.

So begaben wir uns Freitag nachmittag nach der Arbeit in Richtung Friedrichhafen und erlebten unser erstes blaues Wunder: die Straßen waren frei! Kein Stau auf der A7, wie man das an Freitagen kennt, kaum Autos unterwegs und nur ein paar Behinderungen in Ulm aufgrund der zahlreichen Baustellen. Dazu ein bomben Wetter welches uns gute Laune für das Wochenende bescherte.
Ich hatte im Vorfeld einen einfachen Campingplatz am Bodensee im Internet gesucht, auf dem man keine 20 Nachbarn mit schreienden Kindern zu ertragen hatte und war in Marktdorf fündig geworden. Die Naturcampingwiese klang vielversprechend einfach und ich hatte bereits im Vorfeld abgeklärt, daß wir dort auch mit unserem Dachzelt übernachten konnten.

Was man mit dem Dachzelt beachten muß und was uns leider etwas spät bewußt wurde ist die Tatsache, daß man mit Auto verständlicherweise aufgrund der Bodenschäden nicht gern auf Zeltwiesen gesehen ist und somit einen normalen Stellplatz neben all den Wohnwagen und Palästen auf Rädern buchen muß, obwohl man mit diesen nichts gemein hat. Die Zukunft wird zeigen, wie zufrieden wir mit dieser Einschränkung sein werden oder ob wir nicht die meiste Zeit „wild“ campen werden um unsere Ruhe zu haben.

Die Naturcampingwiese war nicht so ganz einfach zu finden, weil zur Orientierung nur eine Straße angegeben war, die in die Obstplantagen führte. Nach längerem Suchen verstanden wir dann warum wir nichts finden konnten, hatten wir doch den Zeltplatz nicht in den Obstplantagen vermutet. Genau dort befand sich aber der recht kleine Zeltplatz, der einen kleinen abgegrenzten Bereich für Fahrzeuge hatte, auf dem wir aufbauen durften. Der Vermieter meinte dann noch, der Platz sei für Wohnwagen und dergleichen reserviert, wo die aber hätten Platz finden sollen blieb uns ein Rätsel. Egal, wir waren die einzigen dort und konnten nach Belieben schalten und walten.

Von einem richtigen Camping- oder Zeltplatz konnte übrigens nicht die Rede sein, da alles irgendwie zurechtgezimmert war: überdachter Sitzbereich, Toilette, Dusche, Kochbereich und noch nicht belegte Plätze, wo später die zu vermietenden Tipis aufgestellt werden würden; alles war selbstgemacht aus Paletten und jedwedem Holz. Ein benachbarter kleiner Verschlag für Gänse sorgte für Unterhaltung und Lärm, wäre dieser gewollt gewesen. Trotz alle dem konnte ich dem Zeltplatz einen gewissen Charme abgewinnen, schließlich hatten wir alles, was wir brauchten: Toilette mit fließend Wasser, eine Dusche (okay, das Wasser war kalt und die Gasflasche habe ich trotz Drehens nicht aufbekommen aber das hätte der Vermieter sicher gerichtet, wenn wir ihn drauf angesprochen hätten) und unsere Ruhe. Da hatte ich schon weitaus schlimmere Unterkünfte gesehen.

Das zusammengeborgte Campingequipment wurde auch alsbald ausgepackt und erprobt, allerdings benötigten wir eine gefühlte Ewigkeit, bis das Buszelt endlich stand – ein Zelt welches an jede Art von Fahrzeug angebaut und mit diesem sogar verbunden werden kann. Es gab keine Aufbauanleitung weil dies aufgrund der verschiedenen Fahrzeugtypen wenig Sinn macht und so zerrten und spannten und verrückten wir das Zelt, bis es einigermaßen unseren Ansprüchen genügte. Wir kochten Tee und genossen ein Gourmet Abendbrot mit Wein und Käse, schließlich hatten wir einen Geburtstag nachzufeiern. Die Sonne verschwand hinter den Obstbäumen und irgendwann saßen wir im Dunkeln mit unseren Solarlampen und lauschten dem Zirpen der Grillen. Fantastisch!

Unsere erste Nacht im Dachzelt stand an und sie verlief auch recht undramatisch. Das sollte sich aber in der zweiten Nacht ändern. Wir hatten den Wetterbericht konsultiert und waren uns des bevorstehenden Wetterumschwungs am Samstag bewusst. Daher packten wir auch das Buszelt gleich am Morgen wieder ein, um später keinen naßen und dreckigen Haufen Plane im Auto verstauen zu müssen. Das kriegt man ja nie wieder trocken! Den ganzen Tag über war das Wetter noch sehr schön und wir durchwanderten das Umland, aber das schlechte Wetter brach am Abend über uns herein. Wir kochten und aßen unter dem Holzpalettenverschlag und blieben dort auch trocken. Wir hofften das selbige für unser Zelt. Es ist zwar imprägniert und damit wasserabweisend, aber um die Wetterseite sorgten wir uns schon ein wenig, schließlich prasselte dort schon seit Stunden der Regen ein und die Nacht sollte es auch so weitergehen.
Um es vorwegzunehmen, das Zeltinnere blieb trocken, aber wir schliefen aufgrund der Ungewissheit sehr unruhig und schmiedeten bereits Pläne für ein eventuelles Wassereindringen. Wir wären in den übernächsten Ort gefahren wo wir eine Waschstraße für Autos gesehen hatten und dort gab es Überdachungen hoch genug, die uns mit Auto und geöffneten Zelt Schutz geboten hätten.

Am nächsten Morgen frühstückten wir wieder unter dem Holzpalettenvorschlag und waren wirklich froh, die einzigen Gäste zu sein, sonst hätten wir uns diesen recht kleinen Ort mit anderen Leuten teilen müssen. Es war Sonntag und wir beratschlagten über das weitere Vorgehen. Eigentlich wollten wir bis Montag bleiben, aber was tun? Im Regen umherwandern lag uns nicht im Sinn, deswegen wollten wir nach Bregenz fahren. Das bedeutete aber, das Dachzelt einzuklappen und hier waren wir uns unsicher ob nicht die nasse Außenwand beim Einklappen die Nässe ins Innere drücken würde. Vorsichtshalber nahmen wir die Matratze heraus um diese vor Nässe zu schützen und transportierten sie im Auto, was unsere Sicht extrem einschränkte.

Nach ein paar Stunden in Bregenz trafen wir die Entscheidung nach Hause
zu fahren, denn es lies sich laut Wetter App kein Gebiet im Umfeld finden, wo es nicht regnete und wohin wir hätten ausweichen können. Der Plan war daß wir überall halten und übernachten würden, sollten wir irgendwo vorbeikommen wo es nicht regnete. Aber der Wetterverantwortliche tat uns diesen Gefallen nicht und so fuhren wir zurück ins Frankenland, trockneten unser Zelt und schliefen im weichen Bett. Und begannen sofort damit Pläne für den nächsten Trip zu schmieden und wie wir unser Zelt vor besonders starken Regen schützen können. Ausgereift und erprobt ist das Resultat dieser Überlegungen natürlich nicht, aber wir sind bald wieder mit dem Zelt unterwegs und werden selbstverständlich über Erfolg oder Mißerfolg berichten.

Samstag, 13. Mai 2017

Schottland und wie viel Geld man für einen Urlaub benötigt

Vor sehr langer Zeit versprochen, kommt nun endlich auch eine grobe Zusammenstellung der Ausgaben, damit der interessierte Schottlandurlauber ein Gefühl dafür bekommt, wie viel Geld er auf der Insel ausgeben kann. Dies ist natürlich sehr individuell und hängt von vielen Faktoren ab und so kann man für wesentlich mehr Geld Urlaub in Schottland machen aber sicher auch bei der einen oder anderen Position Geld einsparen. 

Gerade bei der Aufstellung der Unterkünfte hatte ich bereits erwähnt, daß es hier vor allem darauf ankommt, ob man lieber in Hotels oder in Jugendherbergen schlafen möchte oder sich irgendwo dazwischen bewegt. Auch bei den Eintrittsgeldern kann man wesentlich mehr Geld ausgeben als wir, haben wir uns doch gerade mal drei der unendlich vielen Schlösser und Burgen in Schottland aus der Nähe betrachtet. Allein auf dem Castle Trail kann man sich tage- oder sogar wochenlang Schlösser anschauen und diese natürlich auch von innen besichtigen und dabei ein kleines Vermögen hinlegen. Wir fanden dies allerdings nicht so amusing und so konnten wir hier einiges an Geld einsparen.

Tommy und ich sind beide keine Kostverächter und lieben unseren Kaffee und ein gutes Stück Kuchen, deswegen fallen die Kosten für Lebensmittel relativ hoch aus. Aber jeder reist so wie er es mag und tut die Dinge die ihm Spaß machen und ihm wichtig sind und so sind wir eben extrem um unser leibliches Wohl besorgt. Man lebt schließlich nur einmal (Augenzwinkern).

Hier also die Aufstellung mit den Kosten pro Tag, wobei ich den Flug und den Mietwagen außen vor gelassen habe:

Unterkünfte: 71 Euro
Benzin / Parkgebühren: 10 Euro
Eintrittsgelder: 10 Euro
Essen / Trinken / Restaurants: 42 Euro

Dies entspricht ungefähr 133 Euro pro Tag. 

Nicht berücksichtigt sind Kosten für den Flughafenbus in Edinburgh (18 Euro), sowie Geschenke / Souvenire und dergleichen.