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Freitag, 14. Juni 2019

Urlaub in Irland 28.04.-12.05.2019: Teil 1 Anreise nach Dublin



Im Vorfeld hatten wir lange überlegt, wie wir zum Flughafen in Frankfurt kommen. Klar, die Deutsche Bahn hatten wir auch schon vorher in Anspruch genommen, aber erstens hatten wir einen späten Rückflug gebucht und so spät hätte es Probleme mit passenden Zügen gegeben. Und zweitens wohnen wir nicht mehr in der Nähe von Würzburg und hätten deshalb nicht gewußt, wo wir unser Auto hätten kostenlos für zwei Wochen parken können. Wir buchten also einen Parkservice in Eschborn, wo man sein Auto unterstellen kann und mit dem Shuttlebus erstens zum Flughafen gefahren wird und dort selbstverständlich auch wieder abgeholt wird. Gebucht hatten wir den Aeroparkservice in Frankfurt (der sich wie gesagt in Eschborn befindet) und gezahlt haben wir für die zwei Wochen 73,00 Euro. Auf dem eigentlichen Parkplatz gab es keinen Platz mehr für uns sodaß wir in einem benachbarten Parkhaus untergekommen sind. Dort sind wir auch wieder nach unserer Rückkehr hingebracht worden und das Auto stand auch noch unbeschadet dort, wo wir es abgestellt hatten. Auch die Abholung vom Flughafen klappte einwandfrei, man meldet sich nach der Gepäckausgabe und wartet dann an einem ausgemachten Treffpunkt.
Das nervigste am Urlaub ist eigentlich immer die An- und Abreise und so verhielt es sich auch dieses Mal. Wir waren recht früh am Flughafen und vertrieben uns mit allerlei Herumlaufen, Kaffeetrinken und Fliegerbeobachten die Zeit. Das Boarding startete später als angekündigt und als wir in Dublin aus dem Flieger stiegen, konnten wir uns auch ganz gut erklären warum. Nach nur 2 Stunden Flugzeit sah es aus als hätte stellenweise eine Bombe eingeschlagen, überall liegt der Müll auf und unter den Sitzen. Die Leute scheinen sich einfach überhaupt gar keine Gedanken mehr darüber zu machen, welchen Eindruck sie hinterlassen oder wer das alles nach ihnen aufräumen muß. Einfach unglaublich.
Im Rahmen der ganzen Klima- bzw. Umweltdebatte finden wir übrigens auch, daß die Fluggesellschaften stärker in die Mangel genommen werden sollten. Alles was man im Flieger zu sich nimmt, ist in Plastik eingepackt. Bekommt man ein zweites Getränk, hat man folgerichtig auch gleich den zweiten Plastebecher vor sich stehen. Das muß doch alles nicht sein. Wie wäre es, wenn wir demnächst ein wiederbefüllbares Gefäß mit in den Flieger nähmen und unsere Getränke dort hinein gegeben werden? Wir werden das mal im Auge behalten und berichten.
In Dublin angekommen, befolgten wir die Anweisungen unserer Autovermietung, fanden den zuständigen Shuttlebus (von denen es nicht nur einen gibt, aber zumindest scheinen sie alle zur gleichen Location zu fahren) und fanden uns recht bald bei Hertz und Thrifty wieder, wo wir nach schneller Erledigung des Papierkrams unseren Renault Clio in Empfang nehmen konnten.
Von meinen Recherchen wußte ich, daß wir die M50 in die Stadt meiden müssen, um keine Mautgebühren zu zahlen. Mit einigem Verfahren fanden wir auch den Weg in die Stadt, landeten dann aber doch irgendwie auf der M50, die aber nur stellenweise mautpflichtig ist. Auf meiner Kreditkarte fand ich keine Abbuchung der Gebühren und so haben wir hier wohl keinen gebührenpflichtigen Abschnitt erwischt. In der Stadt wurde unsere Geduld dann gleich auf die Probe gestellt, denn durch Baustellen ging es nur im Schritttempo voran. Wir fuhren ein – oder zweimal an unserer Seitenstraße vorbei weil es in Dublin von Einbahnstraßen nur so wimmelt und wir nach dem Verpassen der Straße nicht einfach so wenden oder die nächste Einfahrt nehmen konnten.
Irgendwann waren wir dann im Hotel eingecheckt und das Auto parkte in der hoteleigenen kleinen Garage. Im nahegelegenen Pub aßen wir zu abend und mußten uns gleich daran gewöhnen, daß man in Irland abends sehr früh ißt und danach nur noch Getränke zu erhalten sind. In einigen kleineren Orten sollte uns dies später noch zum Verhängnis werden. Da wir an diesem Tag noch nicht wirklich viel Bewegung erhalten hatten, liefen wir noch ein wenig in der Nachbarschaft umher und fielen aber trotzdem recht bald erschöpft in unser Bett. 
Bevor es am Morgen weiter Richtung Norden ging, erkundeten wir die Stadt noch ein wenig zu Fuß, liesen uns von den Massen ins Trinity College leiten, wandelten vorbei an Kathedralen und Kirchen, durch zahllose Straßen und Gassen hindurch, vorbei am Dublin Castle, welches aber in unseren Augen keinen Abstecher Wert ist (es sei denn man besichtigt das Innere, hierüber können wir nichts sagen) und zurück an den Liffey in den Docklands.
Und hier gleich noch die Bewertung unseres Hotels.
The Ripley Court Hotel, 37 Talbot Street, D1 Dublin, Irland, 109,80€ für ein Doppelzimmer inkl. Frühstück, 10€ extra für 24 Stunden Parken
Das Hotel liegt im Stadtteil Docklands in der Nähe des Flußes Liffey und hier findet man u.a. das National College of Ireland, the Irish Emigration Museum und das Custom House. Das Trinity College ist innerhalb eines Fußweges von 15 Minuten zu erreichen. Wer nicht mit dem Auto anreist, hat Bus- und S-Bahn in der Nähe. Die Empfangshalle des Hotels ist sehr imposant und läßt die frühere Schönheit dieses Gebäudes erahnen. Die Zimmer entsprechen diesem Look leider nicht ganz, da sie teilweise etwas runtergeranzt sind, aber sie sind sauber und entsprechen in ihrer Ausstattung dem Standard. Neben TV und Kaffeekocher mit Kaffee & Tee gab es sogar ein Bügeleisen für ganz Eifrige.
Eigentlich war es nur das Bad, welches ein bißchen mehr Aufmerksamkeit bedarf (lockere Fliesen) aber auch hier war es sauber.
Von unserem Zimmer genoß man einen erstklassigen Blick auf die Schienen der SBahn, die regelmäßig vor unserem Fenster vorbei donnerten. Wobei dies gar nicht der weckende Faktor am Morgen war – die Müllabfuhr war recht lange mit dem Einsammeln der unzähligen am Straßenrand liegenden Müllsäcke beschäftigt und übernahm damit eben auch gleich die Funktion des Weckers.
Der Frühstücksraum ist sehr groß und leider etwas dunkel. Neben dem üblichen kontinentalen Frühstück, bestehend aus Müsli, Brot und wenn nachgelegt wurde auch Obst und süßem Gebäck, hat man natürlich auch die Auswahl an Bohnen, gebratenen Tomaten und Pilzen, Speck, Ei und Toast, also die Irische Version.
Für Dublin in dieser Preisklasse (3 Sterne) ließ das Hotel keine Wünsche offen. Stört man sich an einer etwas veralterten Ausstattung, kann man immer noch in eines der vielen anderen Hotels anderer Preisklassen gehen.
Unsere Schulnote für das Ripley Court Hotel: eine 2,5

Freitag, 27. Juli 2018

Ein langes Wochenende in Rom (Mai) Teil 2

Mit dem Kauf eines Colosseo Tickets ist in den meisten Fällen auch der Eintritt für das nebenan liegende Forum Romanum mit inbegriffen und so war dies am 2. Tag unsere erste Anlaufstelle. Ein Forum war im römischen Reich ein Platz, der das politische, wirtschaftliche, kulturelle und religiöse Zentrum des Ortes bildete. Das Forum Romano ist das älteste römische Forum und Mittelpunkt der oben genannten Gesellschaftsbereiche (Politik, Wirtschaft, Kultur, Religion). Umgeben ist das Forum von den drei Stadthügeln Kapitol, Palatin und Esquilin. Das Kapitol entwickelte sich mit der Zeit zu einem wichtigen Hügel auf dem viele der Kaiser residierten und dort immer größere Prachtbauten errichteten. Auch befand sich dort der wichtigste Tempel des antiken Roms, das Capitolium. Als das sakrale Zentrum Roms und damit des gesamten Römischen Reiches gewann das Kapitol auch an politischer Bedeutung. Das englische Wort capital für Hauptstadt spiegelt diese Bedeutung noch heute wieder.

Die schiere Größe der Ausgrabungsstätte Forum Romanum ist überwältigend und dabei sind sicherlich noch nicht alle ursprünglichen Gebäude und Anlagen freigelegt. Viele andere wurden im Laufe der Jahrhunderte entweder mutwillig oder durch den Einfluß des Wetters zerstört. Wer an römischer oder bautechnischer Geschichte interessiert ist, kann sich hier tagelang recht gut beschäftigen und sich der Historie jedes einzelnen Hauses, Tempels oder Platzes widmen.  Die meisten allerdings, und da schließen wir uns mit ein, überqueren das riesige Gelände und versuchen so viel wie möglich von seiner Imposanz und Gewaltigkeit aufzunehmen. Es bietet sich ein atemberaubender Ausblick auf die Ausgrabungsstätte, die einen beeindruckenden Einblick erlaubt in eine längst vergessene Epoche unserer Zeitgeschichte, die uns als Menschen der Neuzeit deutlich machen kann, wie winzig und unbedeutend wir doch eigentlich sind und wie fortschrittlich die Menschen bereits damals waren. Zumindest haben viele dieser Gebäude dem Lauf der Zeit besser Stand gehalten als manche Bauten der Neuzeit.

Für diesen Nachmittag hatte ich wieder skip-the-line tickets gebucht und zwar für den Petersdom im Vatikan. Eigentlich zahlt man als Besucher keinen Eintritt für den Petersdom, allerdings ist die Warteschlange oft so lang, daß sie sich einmal komplett um den Petersplatz schlängelt. Mit den Tickets waren wir innerhalb von 5 Minuten drin und bekamen außerdem noch einen audio guide mit interessanten Fakten und Geschichten. Wie bereits erwähnt, war dies mein dritter Besuch in Rom, allerdings hatte ich es bisher noch nicht weiter als bis auf den Petersplatz geschafft. Und wenn ich nun schon mal im Petersdom war (es muß wohl nicht erwähnt werden, daß es dort sehr voll war) wollte ich auch hoch hinaus. Und zwar in die Kuppel des Petersdoms. 
Für die Besteigung der Kuppel gibt es zwei Möglichkeiten und ja, es handelt sich um eine Besteigung. Es gibt zwar einen Fahrstuhl, der allerdings aufgrund der Enge nicht bis ganz nach oben fahren kann. So zahlt man entweder 8 Euro für den kompletten Aufstieg oder 10 Euro um die ersten paar Meter mit dem Aufzug zurückzulegen. Tritt man aus dem Fahrstuhl heraus, befindet man sich noch im inneren der Kuppel und kann direkt in den Dom und auf die Menschenmassen schauen. Danach heißt es nur noch, Stufen, Stufen und nochmal Stufen erklimmen. Es ist eng und je weiter man noch oben kommt, desto weniger Platz hat man im Kopfbereich, da sich eine Kuppel nach oben hin verengt. Da man leider nicht der einzige Besucher ist, quält sich eine lange Schlange an Besuchern die Kuppel hinauf, was es schwierig mit dem Anhalten macht. Für meine asthmastrapazierte Lunge, gepaart mit Platzangst eine super Kombination. Oben angekommen war ich dankbar für das frische Lüftchen, das meine naßgeschwitzten Klamotten trocknete und genoß die Aussicht für die sich die Quälerei definitiv gelohnt hatte.

Hier noch ein paar Zahlen: Insgesamt hat man 551 Stufen zu überwinden. Abschnitt 1 hat 231 Stufen und kann mit dem Aufzug genommen werden (kostet eben mehr). Man befindet sich bereits in 45 Meter Höhe auf der inneren Aussichtsplattform. Abschnitt 2 erfolgt nur mit eigener Muskelkraft; für diese 320 Stufen gibt es keinen Aufzug. Es geht hinauf zu 117 Metern! Hier gibt es einen interessanten Erfahrungsbericht und einige Bilder über die Enge in der Kuppel. 

Anschließend stand ich noch ca. 10 Minuten für die Toilette an - das geduldige Anstehen lernt man in Rom auf alle Fälle, denn hierfür gibt es keine skip the line tickets. Hinunter zur Engelsburg und über die Engelsbrücke ging es anschließend über den Tiber und in ein Restaurant wo es mal wieder Pizza gab.

Für den dritten Tag hatten wir keine Verpflichtungen in Form von vorgebuchten Tickets und so ließen wir uns einfach treiben und klapperten bei der Hitze einige der Sehenswürdigkeiten ab: die Spanische Treppe war bereits am Vormittag gut besucht und was die Leute dort eigentlich tun, entzieht sich meinem Verständnis, aber egal. Es scheint ein must-do zu sein, auf dieser Treppe zu sitzen und dusselig in seine Kamera zu schauen und so tut es eben auch jeder. Anschließend besuchten wir noch den Trevi Brunnen, von dem ich es das erste Mal schaffte, Bilder zu ergattern. Das lag aber nicht etwa daran, daß er von den Besuchermassen verschont geblieben wäre. Im Gegenteil. Aber ich drängelte mich einfach mal nach vorn und fand sogar einen Sitzplatz groß genug, um ein Familienfoto zu schießen. 

Das Pantheon, welches ich noch immer für eines der beeindruckendsten Bauwerke Roms halte und Piazza Navona waren die nächsten Stationen.  Das Pantheon galt lange Zeit als die größte Kuppel der Welt und ist eines der am besten erhaltenen Bauwerke der römischen Antike. Vielen Besuchern ist nicht bewußt, daß es sich um eine Kirche handelt und plappern munter drauf los, während im Inneren des Gebäudes Gottesdiente stattfinden. Ab und an gibt es mal ein offizielles „Schusch“ um die Besucher zur Ruhe zu ermahnen. Wie auch in allen anderen Gotteshäusern Roms achtet man darauf, keiner Dame freien Einlaß zu gewähren, die ihre Schultern entblößt. Warum man hingegen kurze Röcke und Hosen nicht anstößig findet, habe ich bis heute nicht verstanden.

Die Piazza Navona war früher ein Stadion für athlethische Wettkämpfe. Nach und nach kamen Häuser und Kirchen hinzu und oftmals wurden Fundamente und Mauern des Stadions mit verbaut, weshalb sich auch die Form des Stadions bis heute erhalten hat und sichtbar ist. Bekannt ist der Platz für seine herausragenden Brunnen, wobei der Vierströmebrunnen (Fontana die Quattro Fiumi) der bekannteste ist. Vier männliche Figuren symbolisieren die größten Ströme der damals bekannten vier Kontinente (erbaut 1649): Donau, Nil, Ganges und Rio de la Plata. Die zwei anderen Brunnen jeweils an den Enden des Platzes sind im Süden der Fontana del Moro und im Norden der Neptunbrunnen.

Bereits in der Vergangenheit war der Piazza Navona ein beliebter Platz für Märkte, Feste und Messen und das hat sich bis in die heutige Zeit erhalten. Der Markt wird stark von Touristen frequentiert und deshalb findet man hier unzählige Souvenirstände und vor allem Maler, die ihre Werke verkaufen, wobei ich in den meisten Fällen bezweifle, daß es sich hierbei um Eigenwerke handelt. Aufgrund der starken Ähnlichkeit vieler Gemälde gehe ich davon aus, daß es sich um Drucke handelt, die als Handarbeit verkauft werden. Schön sind sie trotzdem.

Anschließend machten wir noch einen Abstecher beim Monumento Nazionale a Vittorio Emanuele II, dem Nationaldenkmal für Viktor Emanuel II. Gewidmet ist es dem ersten König des neugegründeten Königreichs Italien und beherbergt u.a. auch ein Grabmal des unbekannten Soldaten und den Altar des Vaterlandes, Tag und Nacht bewacht von zwei Soldaten. Dort befindet sich auch eine ewige Flamme, die die Erinnerung an besondere Personen oder Ereignisse wachhalten soll.

Es war zwar noch Zeit für unzählige weitere Entdeckungstouren aber nach drei Tagen Dauerhitze und ständigem auf-den-Beinen-sein waren wir kaputt. Wir machten uns auf den Nachhauseweg zu unserer Ferienwohnung und genossen noch ein abschließendes Abendessen bevor es am nächsten Tag erst wieder mit dem Bus von Termini zum Flughafen ging und von Rom Ciampino zurück nach Nürnberg.



Freitag, 11. August 2017

Kurze Auszeit in Lübeck (Juli 2017)

Was tun, wenn sich die bessere Hälfte übers Wochenende mal wieder dem Verein verschrieben hat und im Rahmen des Sports nach Lübeck fährt, um sich dort zwei Tage lang auszutoben? Zu Hause bleiben und Trübsal blasen oder einfach mitfahren? Wer mich kennt, weiß natürlich, daß für mich nur die zweite Variante in Frage kommt, zumal ich bisher Lübeck noch nie einen Besuch abgestattet hatte und mich die Bilder bei einer oberflächlichen Google Image Suche sehr ansprachen. 

Zugegeben, die lange Fahrt von Thüringen nach Lübeck an einem Freitag Nachmittag schreckte mich etwas ab denn es gibt sicherlich bessere Reisezeiten für eine Strecke von knapp 500km aber Tommy fährt gern und unsere Handys sind vollgestopft mit Musik. Reisen an einem Freitag Nachmittag sind nicht automatisch von kilometerlangen Staus bedroht denn wir kamen wunderbar ohne große Verzögerungen durch. Lediglich kurz vor Hamburg staute es sich mal kurz weil es die Deutschen trotz Fahrschule einfach nicht in ihr Hirn bekommen, wie ein Reisverschlußverfahren effektiv funktioniert. Aber ich will nicht überheblich sein und meckern, ich wußte es früher ehrlich gesagt auch nicht. Wenn ich es recht bedenke weiß ich noch gar nicht mal, ob dies wirklich Thema in der Fahrschule war. Egal, darüber kann man sich mal an anderer Stelle den Kopf zerbrechen.

Gegen 19 Uhr erreichten wir die Jugendherberge in Lübeck und checkten in unser Zimmer ein. Leider gibt es in dieser Herberge keine Doppelzimmer und so mußten wir mit einem 6 Bettzimmer Vorlieb nehmen. Mit seinen 3 Doppelstockbetten, 6 Schließschränken sowie zwei Waschbecken war das Zimmer recht geräumig und bei unserer Ankunft war es nur von einer Person bewohnt. Sollte es vielleicht so bleiben? Man darf ja mal träumen….

Wir warteten den heftigen Regenschauer ab und machten uns auf den Weg auf eine kleine Entdeckungstour durch Lübeck. Von der Jugendherberge aus erreicht man das Stadtinnere bequem in ca. 10 Minuten Gehzeit. Da Entdeckungstouren auf leeren Magen keinen Spaß machen, suchten wir uns erstmal was zu essen und landeten bei Peter Pane, einem leckeren Burger Restaurant mitten in der Stadt mit vielfältiger Auswahl auch für Vegetarier. 

Beim anschließenden Schlendern durch die Altstadt suchte ich mir Objekte heraus, die ich am nächsten Tag fotografieren würde. Hauptziel war allerdings, die Turnhalle zu finden, in der Tommy in den nächsten zwei Tagen trainieren sollte. Um die Odysee kurz zu fassen; wir fanden sie nicht beziehungsweise konnten wir die Halle, die wir fälschlicherweise als unser Ziel identifiziert hatten aufgrund einer Baustelle und zahlreichen Absperrungen nicht erreichen. Tommy schaffte es dank eines Telefonats mit seinem Trainer am nächsten Tag trotzdem, rechtzeitig zur richtigen Halle zu gelangen und wie es der Zufall will, waren wir am Vortag sogar daran vorbeigelaufen, hatten sie aber nicht als Turnhalle erkannt. Wie sagt man so schön, shit happens.

Während also Tommy zwei Tage lang in dieser Turnhalle schwitzte und Kalorien verbrannte, erkundete ich fotografierend die Stadt, genoß das tolle Wetter, machte eine kleine Bootsfahrt durch die zahlreichen Wasserstraßen Lübecks (Trave), erfuhr dabei eine Menge über die Geschichte und Gepflogenheiten der Stadt und erklomm anschließend noch den Aussichtsturm St. Petri für herrliche Aussichten über die Stadt. Am Abend des Samstag zogen wir sogar noch mal beide mit unserem equipment los und schossen ein paar Fotos bei Nacht; solche Bilder mache ich besonders gern!

Ich mag die Architektur der Stadt und die Altstadt Lübecks ist nicht ohne Grund seit 1987 Teil des UNESCO Welterbes. Die typischen Backsteinhäuser in den teils recht engen Gassen vermitteln einen gepflegten Eindruck. In den Fenstern sieht man recht häufig die für die Region typische Dekoration (Rettungsringe, Möwen, Boote und Leuchttürme) und die meisten lokalen Geschäfte sind verspielt und liebevoll eingerichtet. Ich spreche nicht von den Läden, die man überall findet; die Ladenketten die sich wie Heuschrecken durchs Land ziehen und jeglichen lokalen Charakter vermissen lassen aber dies kritisiere ich in jeder deutschen Stadt. Mancherorts ist es so schlimm, daß man gar nicht genau weiß, wo man sich eigentlich genau befindet weil man überall die gleichen Läden sieht und nichts typisch einheimisches mehr übrig geblieben ist oder man diese Perlen suchen muß. Sicherlich versteht der ein oder andere Leser, was ich meine. 

Diese Perlen findet man in Lübeck größtenteils am Wasser (an der Trave), die sich wie ein Ring um die Innenstadt zieht. Dort liegen nicht nur historische Schiffe (teilweise Museumsschiffe) vor Anker, sondern dort sind auch urige Cafe´s und Kneipen beheimatet, sonderbare Läden und Flohmärkte. Dort zieht es mich hin, wenn ich die Atmosphäre einer Stadt einfangen möchte und auch in Lübeck wurde ich nicht enttäuscht. Eine besonders interessante Ecke ist zum Beispiel das Gebiet um die Media Docks; ein Stück Land zwischen Trave und Stadtgraben, wo man den Strandsalon errichtet hat, ein größeres mit Sand aufgeschüttetes Areal. Zum Entspannen stehen allerlei Sitz- und Liegemöglichkeiten zu Verfügung; von Liegestühlen, Strandkörben und bunt zusammengewürfelten Polstermöbeln oder wer nach Erfrischung trachtet, kann sich auch in den kleinen Pool begeben. Eine Bühne sorgt für Live-Unterhaltung und der angrenzende Volleyballplatz läßt Sportlerherzen höher schlagen. Nebenan stehen alte verlassene Kräne die früher zur Ent- und Beladung der Schiffe betrieben wurden und vermitteln das Gefühl, daß jederzeit ein Frachter vorbeigefahren kommen könnte, um nebenan entladen zu werden.

Hier übrigens ein besonders schönes Bild von oben, gefunden bei Wikipedia 

Um nochmal zur Jugendherberge zurück zu kommen, hier kommt natürlich auch eine kurze Beurteilung über unsere Unterkunft. Hier die Details: Am Gertrudenkirchhof 4, St Gertrud, 23568 Lübeck. Für zwei Nächte und zwei Personen haben wir insgesamt 82,80 EUR gezahlt (also etwas über 20 EUR pro Person pro Nacht). Die Jugendherberge ist recht groß und wird deswegen auch recht gern von größeren Gruppen genutzt (dafür sind sie ja auch da). Der Zustand der sanitären Anlagen war okay und ich fand es sehr praktisch, Dusche und WC in einem zu haben und nicht ständig hin und her wechseln zu müssen. Frühstück war inbegriffen und reichhaltig. Auswählen konnte man zwischen Brot und Brötchen, verschiedenen Obstsorten, Wurst und Käse und natürlich auch Marmelade, Honig und Schokoaufstrich. Müsli, Saft, Milch, Tee und Kaffee gab es auch. Wenn bestellt, konnte man sich auch ein Frühstück mitnehmen. Hätten wir es drauf ankommen lassen, hätten wir uns sicher auch eine der Papiertüten schnappen und etwas schmieren und mitnehmen können. 

Daß wir Idioten im Zimmer hatten, die von Rücksicht nichts verstanden, kann man der Jugendherberge natürlich nicht zum Vorwurf machen, aber Schlaf bekamen wir nur sehr wenig. Dabei kann ich noch nicht mal sagen, welche Variante ich bevorzugte. Variante 1, wo sie endlich schliefen, dabei aber laut schnarchten oder Variante 2, wo sie auch nach Mitternacht ständig aus dem Zimmer gingen, vorher ihr Schließfach am Schrank öffneten (dabei fiel jedesmal (!) lautstark eine Münze in den Auswurf), dieses wieder verschlossen, nur um es nach dem Eintreten wieder zu öffnen und zu schließen. Da lernt man Geduld und Beherrschung!

Am Sonntag sollte es schon wieder Richtung Heimat gehen aber nicht bevor wir einen kleinen Abstecher ans Meer gemacht hatten. Über Bad Schwartau (Name klingt bekannt? Da kommt die Marmelade her) gings mit einer Vielzahl anderer Tagesausflügler an den Timmendorfer Strand, wo wir unsere Füße mal wieder im Ostsee-Wasser baden wollten. Blöd nur, daß man dort ohne finanzielle Gegenleistung überhaupt nicht mehr ans Wasser kommt. Das Zahlen der Kurtaxe hätte ich mir noch gefallen lassen aber man wollte nur fürs Betreten des Strandes nochmal zusätzlich eine Art Nutzungsgebühr (zusätzlich zur Strandkorbmiete versteht sich). Sorry, aber für mich riecht das nach Abzocke! Der Strand gehört niemandem, er wurde von niemandem errichtet (außer natürlich der Zaun drumherum) und auch das Meer gehört niemandem. Wieso kann sich jemand das Recht herausnehmen, dafür eine Nutzungsgebühr zu verlangen? Irgendwann zahlen wir dann wirklich noch für die Luft, die wir zum atmen brauchen. Der Badetag am Strand kann so für eine Familie zu einer größeren finanziellen Ausgabe werden und in unseren Augen ist dies falsch! Wir haben unsere Füße schließlich doch im Wasser gehabt und natürlich haben wir dafür nichts gezahlt. Wäre ja noch schöner!

Der Norden hat einfach etwas anziehendes, was ich nicht in Worte fassen kann. Ist es das Klima, das Lebensgefühl, die Freiheit die man verspürt, wenn man aufs Meer hinausblickt? Ich kann es nicht beschreiben und vielleicht macht gerade dies den Reiz aus. Fakt ist, daß ich bald wieder Gelegenheit dazu haben werde, dieses Gefühl genauer zu durchleuchten, denn unser nächster Trip in den Norden steht schon recht bald an. Und wir werden natürlich berichten.

Eure Katja

P.S. In Lübeck wurden Tommy und ich von einem jungen Musiker angesprochen, der CDs seiner Band verkaufte. Sie kommen aus Estland und leben u.a. auch von ihren Plattenverkäufen. Sie nennen sich Illumenium und einige ihrer Songs sind richtig gut. Hört einfach mal rein, wenn es Euch interessiert.