Diese Aufzählung stellt die bisher größte Herausforderung dar, weil wir fast zwei Monate in Irland verbracht und dementsprechend viel gesehen haben. Da stellt sich die Frage nach einer passenden Struktur oder Anordnung und was sich für den Leser am besten nachvollziehen lässt. Zähle ich die Sehenswürdigkeiten so auf, wie wir sie pro County vorgefunden haben? Oder in der zeitlichen Reihenfolge, wie wir sie besucht haben? Oder doch lieber thematisch gebündelt, also Wasserfälle, Strände, Ruinen, Leuchttürme, Friedhöfe etc? Zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Einleitung ist mir das weitere Vorgehen noch komplett schleierhaft und ich werde genauso überrascht sein über das Endergebnis, wie Ihr.
Inhaltsverzeichnis (Unterpunkte für 2. - 6. werden später hinzugefügt)
1. Strände, Leuchttürme und Klippen
· Fanad Head und Fanad Lighthouse
· Downpatrick Head und Pul Na Sean Tinne (Loch des alten Feuers)
· Slieve League
· Kilkee Cliffs
· Silver Strand
· Kilmore Beach
2. Wasserfälle
- Assaranca Waterfall
- Glencar Waterfall & Devil´s Chimney
- Aasleagh Falls
3. Friedhöfe
4. Klöster
5. Ruinen
6. Sonstiges
1. Strände, Leuchttürme und Klippen
In dieser Kategorie kommt man nicht umhin, den Wild Atlantic Way vorzustellen. Der Wild Atlantic Way (=WAW) führt entlang der Westküste Irlands von der Inishowen- Halbinsel im County Donegal bis ins Hafenstädtchen Kinsale im County Cork. Wie man der Karte entnehmen kann, folgt der WAW der Küstenlinie, beinhaltet aber nicht nur Strände und Leuchttürme als sehenswerte Entdeckungspunkte, die man Discovery Points nennt. Hier mal ein ganz allgemeiner Überblick über den WAW und eine Karte zur besseren geographischen Einordnung.
15 dieser Discovery Points wurden darüber hinaus zu Signature Points ernannt, also besondere Punkte, die Irlands Westküste aufgrund ihrer Einzigartigkeit prägen. Sie sind auf dieser Seite aufgeführt. Viele von ihnen haben auch wir besucht und waren von der Schönheit, Wildheit und teilweise vollkommenen Abgeschiedenheit begeistert. Einige von ihnen möchten wir Euch hier vorstellen.
Fanad Head und Fanad Lighthouse (79G9+F6 Doagh Beg, County Donegal, Irland)

Diese Wildheit der Natur zieht leider auch Unglück an und so verwundert es nicht, dass auch die Fanad Halbinsel eine Tragödie zu beklagen hat. Der Fanad Head Leuchtturm, der einst zu einem der schönsten Leuchttürme der Welt auserkoren wurde, ging 1817 nach einem Schiffsunglück in Betrieb. Die HMS Saldanha erlitt 1811 im Lough Swilly in einem fürchterlichen Sturm Schiffbruch, nach dem die Mannschaft vergeblich versuchte, sich in die Nähe von Fanad zu retten um dort Schutz zu suchen. Das Signal des Leuchtturms konnte bei klarem Wetter über 22km gesehen werden. 1975 wurde der Leuchtturm elektrisch betrieben und 1983 dann vollständig automatisiert. Man sagt, dass der einzige Überlebende der HMS Saldanha Tragödie ein Papagai gewesen sei, der ein silbernes Halsband mit dem Schiffsnamen trug. Ein weiteres Seeunglück betrifft die SS Laurentic, die 1917 von zwei Minen am Eingang zum Lough Swilly erfasst wurde und mit über 300 Mann Besatzung sank. Sie soll das technologisch am weitesten entwickelte Schiff der britischen Marine gewesen sein. Warum sie 3211 Goldbaren geheime Ladung an Board hatte, kann oder will wohl niemand so genau erklären. Aber man sagt, dass man bei den richtigen Wetterbedingungen zum Wrack der SS Laurentic herabtauchen kann. Dabei sollte erwähnt werden, dass noch immer 22 der Goldbaren vermisst werden…..
Der Leuchtturm kann besichtigt
werden und wem dies nicht ausreicht, kann dort sogar übernachten und sich vom
Tosen der Wellen wecken lassen. So oder so ähnlich wurden wir auch geweckt,
denn wir standen mit unserem Wohnmobil direkt vor dem Tor zum Eingang auf das
Leuchtturmgrundstück. Da das Tor offenstand, liefen wir auf dem Grundstück
umher, fotografierten und genossen den Ausblick auf die hohen Wellen, wie sie
sich ununterbrochen an der Küste des Felsvorsprunges brachen. Beim Zurücklaufen
mussten wir feststellen, dass zwischenzeitlich das Tor geschlossen wurde und so
blieb uns nur noch das Klettern über den Zaun. Gegenüber vom Leuchtturm
befindet sich eine Ruine eines aus der Neuzeit stammenden Gebäudes. Leider habe
ich keine Informationen diesbezüglich auftreiben können. Wir wissen also nicht,
was es mal war oder für was oder von wem es genutzt wurde. Sollte einer der
Leser nähere Informationen zu dem Gebäude haben, wären wir über eine
Kontaktaufnahme sehr dankbar.
Downpatrick Head (Knockaun, Co. Mayo, Irland)
Im Norden der Grafschaft Mayo erreicht man über enge und teils schlecht ausgebaute Straßen ein Highlight des WAW – Downpatrick Head, benannt nach Irlands Nationalheiligem St. Patrick, der hier eine Kirche errichtet haben soll. Von dieser ist allerdings nichts mehr zu sehen. Die Straßen sind im allgemeinen in einem recht schlechten Zustand in Irland und je länger die Nummer der Straße ist, desto abenteuerlicher und beschwerlicher wird die Reise. Für unsere Anreise zu Downpatrick Head verließen wir die R314 (im Vergleich eine schlechte deutsche Landstraße) und befuhren Straßen, die auf google maps überhaupt keine Nummer mehr tragen. Durch die wenigen Ortschaften war das Fahren durchaus möglich, schließlich weiten sich dort die Straßen, die sonst nur geringfügig breiter sind als einspurig, aber außerhalb der Ortschaften hoppelt man von einem Schlagloch zum nächsten und hofft, beim Ausweichen nicht auch noch auf Gegenverkehr zu stoßen.
Die Anfahrt haben wir nicht
bereut und die dort verbrachte Zeit (inklusive Übernachtung) war begleitet von
einer aufgewühlten Brandung. Downpatrick Head erkundet man am besten bei einem
Spaziergang, der wie ein Rundweg angelegt ist. Nachdem man nach
Hindurchschreiten des Tores privates Weideland betreten hat, erklimmt man einen
nicht allzu steilen Hügel und kann linkerhand die zerklüftete Westküste
bestaunen. Man kommt vorbei an einer Statue des Heiligen St. Patrick und ist
fasziniert von der grünen Farbe des Bodens, der komplett moosbewachsen ist und
Fotos einen herrlichen Farbton verleiht. Der knapp 50 Meter hohe
Brandungspfeiler Dún Briste ist aufgrund der zurückzulegenden (geringen)
Steigung anfangs gar nicht zu erkennen, zeigt sich aber beim Näherkommen immer
ein Stück mehr bis er in voller Pracht zu bewundern ist. Die Verbindung zum
Festland soll im 14. Jahrhundert abgebrochen sein, nachdem Wind und Wetter
ganze Arbeit geleistet haben. Ich frage mich bei solchen Erklärungen ja immer,
was sich Mutter Natur dabei gedacht hat und wie es kommt, dass Wind und Wetter
so präzise arbeiten. Da wünscht man sich doch wirklich mal eine Zeitmaschine um
die dortige Entwicklung mit eigenen Augen sehen zu können.
Während des Zweiten Weltkriegs hatte die irische Regierung die Neutralität des irischen Staates erklärt. Entlang der Küste wurden eine Reihe von Beobachtungsposten errichtet, die über ein Telefon miteinander verbunden waren, um den gesamten Schiffsverkehr zu überwachen und der irischen Küstenwache zu melden.
Die meisten dieser Beobachtungsposten wurden nach genau denselben Plänen gebaut und zwischen 1939 und 1942 fertiggestellt. Die Kennzeichnung EIRE 64 war ein Hinweis für amerikanische Flugzeuge, dass sie nach der Überquerung des Atlantik das neutrale Irland erreicht hatten. Viele der Beobachtungsposten stehen noch heute, allerdings in unterschiedlichem Zustand. Der Beobachtungspunkt 64 und ein kleiner Wachturm ganz in der Nähe tragen dazu bei, dieses Stück Geschichte zu erhalten.
Pul Na Sean Tinne (Loch des alten Feuers)
Dieser oft als Blowhole
bezeichnete Bereich von Downpatrick Head bietet dem Besucher einen klaren Blick
auf die Verwerfungslinie, die in der Felsformation existiert. Das weichere
Gestein wurde durch die ständige Wirkung der Wellen erodiert, was an drei
Stellen deutlich wird, an denen sich die Erosion ihren Weg an die Oberfläche
gebahnt hat.
Pul Na Sean Tinne ist der größte Einsturzbereich und wurde vor kurzem erschlossen, um den Besuchern eine nähere und sicherere Betrachtung zu ermöglichen.
Der Name rührt daher, dass man bei stürmischem Wetter und rauer See beobachtet hat, wie das Loch Schaum und Dampf ausstößt, was aus der Ferne den Anschein erweckt, als würde Rauch aus einem Feuer aufsteigen.
Wir möchten Euch dieses kurze Dronenvideo von Downpatrick Head ans Herz legen, da keine Beschreibung an die einrucksvolle Realitität heranreichen kann. https://www.dunbriste.com/
Slieve League (Shanbally, Co. Donegal, Irland)
Die Klippen von Sliabh Liag (der
irische Name) sind eine der wenigen Attraktionen, die wir schon zum zweiten Mal
besucht haben. Und eigentlich hatten wir gar nicht vor, den Klippen nochmal
einen Besuch abzustatten, zumal die Voraussetzungen für Besucher erschwert
wurden. Aber dazu gleich mehr. Die Klippen von Slieve League sind mit ihren 601
Metern fast dreimal so hoch wie die Klippen von Moher (Cliffs of Moher), die
von Touristen nur so überrannt werden. In der Hochsaison geht es zwar auch hier
nicht gerade ruhig zu, aber man macht es den Touristen etwas schwerer, zu den
Klippen zu gelangen. Und da kommen wir zu den Fakten, die für Irland Touristen
von Bedeutung sein dürften.
Es gibt 3 Parkplätze für die Besucher der Klippen.
Den oberen Parkplatz direkt neben der Plattform, der bei unserem Besuch 2019
total überfüllt war. Es gab keine Kontrolle darüber, wie viele Autos und Busse
dort hinauf fuhren und so quetschten sich Autos auf der Suche nach einem
Parkplatz auf den Seitenstreifen und zerstörten die wertvolle Vegetation. Dann
gibt es den sogenannten unteren Parkplatz, von dem aus man ca. 45 Minuten zum
oberen Parkplatz und zur Aussichtsplattform laufen muss. Vom anfänglichen kurzen
aber steilen Anstieg abgesehen, ist der Weg machbar auch wenn er stetig bergauf
geht. Ich habe den Weg 2019 im 6. Monat schwanger zurückgelegt und hoffentlich
den faulen Autofahrern die Schamesröte ins Gesicht getrieben, die aus
Bequemlichkeit den Weg mit dem Auto absolviert haben.
Dann gibt es noch einen
dritten Parkplatz, und zwar den in Teelin, am Besucherzentrum. Dieser wurde
eigentlich erst mit Einführung von Parkgebühren am unteren Parkplatz
interessant. Man zahlt nun nämlich 5 Euro für 2 Stunden (kaum machbar, wenn man
gemütlich zum Aussichtspunkt laufen und dort noch den Berg besteigen möchte)
oder gleich 15 Euro Tagesgebühr. In unseren Augen Abzocke. 5 Euro Tagesgebühr
hätten vollkommen ausgereicht, 15 Euro sind überhaupt nicht gerechtfertigt. Auf
den oberen Parkplatz kommt man nur noch, wenn man nachweisen kann, dass ein
Insasse in seiner Mobilität eingeschränkt ist und deshalb die Strecke nicht
zurücklegen kann. So zumindest in der Theorie, die Praxis sieht wieder ein
bisschen anders aus. In der Hauptsaison verkehrt ein Shuttle Bus vom
kostenlosen Parkplatz des Besucherzentrums (der kostet 6 Euro für Erwachsene, 5
Euro für Studenten, 4 Euro für Kinder oder 18 Euro für ein Familienticket (2
Erwachsene, 2+ Kinder)) bis hoch zur Aussichtsplattform.
Wie bereits erwähnt, hatten wir
Slieve League nicht noch mal auf unserer to do Liste, aber zu der Zeit reisten
wir gerade mit einer Chemnitzerin und ihrem Sohn (gleichalt zu unserem
Wonneproppen) und so ergab es sich eben doch. Wir fragten noch im
Besucherzentrum nach dem Wetterbericht, denn bei Regen, wolkenverhangenem
Himmel und Sturmböen sind die Klippen nicht zu empfehlen. Das Wetter sollte an
diesem Tag gut genug werden und so machten wir uns auf den Weg. Der Shuttle Bus
verkehrte leider nicht mehr und auf Anfrage, wie wir mit 2 Kindern schnell
genug zur Aussichtsplattform und zurück gelangen sollen, bekamen wir den Tipp,
einfach mit dem Parkwächter am unteren Parkplatz zu sprechen.
Wir saßen übrigens alle im VW T5 weil wir unseren Ludwig diese steilen und kurvigen Straßen nicht hinauf jagen wollten. Mit zwei Dreijährigen zählten wir laut dem Parkwächter in die Kategorie „eingeschränkte Mobilität“ und so zahlten wir 5 Euro Parkgebühr und durften bis zum oberen Parkplatz fahren. Die Aussicht war dank des Wetters atemberaubend, der Wind allerdings auch. Tommy hatte 2019 bereits ein Stück des Berges Slieve League erklommen, ich hatte auf dieses Vergnügen wegen des Babybauchs verzichtet, schließlich war ich ja schon die 45 Minuten (bei uns dauerte es natürlich länger auch wegen der vielen Fotos) vom unteren Parkplatz stetig bergauf gelaufen. Diesmal wollte ich aber auch hinauf. Tommy bespaßte die Kinder und die Mädels beklommen den Berg.
Der Wind war teilweise so heftig,
dass er selbst mich (und ich bin kein Leichtgewicht) vom Berg zu wehen drohte
und so machte ich irgendwann kehrt, ohne bis oben gewesen zu sein. Ich hatte
die Aussicht auf den wilden Atlantischen Ozean und die umliegenden Berge
trotzdem genießen können und das reichte mir vollkommen aus. Nachdem ich sicher
wieder unten angekommen war, machte sich Tommy auch nochmal auf den Weg nach
oben. Auf dem Parkplatz standen noch einige andere Autos und die Insassen sahen
mir alle nicht bewegungstechnisch gehandicapt aus aber egal. Vielleicht ist man
in der Nebensaison etwas großzügiger in der Auslegung der eigenen Regeln. Wir
waren jedenfalls dankbar dafür, mit dem T5 bis hoch fahren zu können, denn wir
hätten die Kinder nicht dazu bewegen können, den ganzen Weg bis hoch und dann
wieder bis runter zu laufen. Auf dem Weg zur Aussichtsplattform erkennt man
übrigens einen alten Beobachtungsposten aus Kriegstagen mit der Kennzeichnung
Eire 71. Über die Bedeutung habe ich bereits bei Downpatrick Head
geschrieben.
Kilkee Cliffs (Moveen West, Co. Clare, Irland)
An Klippen mangelt es in Irland
nicht und gerade wenn man auf dem Wild Atlantic Way und somit in unmittelbarer
Nähe zur Küste unterwegs ist, stolpert man förmlich über sie. Klar, sie sind
natürlich nicht überall 600 Meter hoch (wie Slieve League) aber zum Glück auch
nicht so hoffnungsvoll überlaufen wie die Cliffs of Moher. Auf der Loop Head
Peninsula im County Clare sind wir in der Nähe des beschaulichen Städtchens
Kilkee auf die gleichnamigen Klippen gestoßen. Die Klippen von Moher befinden
sich übrigens ebenfalls in Clare an der Westküste und Slieve League steht zwar
in Donegal, aber auch an der Westküste.
Hier hat das rauhe Küstenklima in Jahrtausenden am ungeschützten
Festland seine Spuren hinterlassen. Von Kilkee gibt es einen 8km langen Wanderweg
direkt an den Klippen entlang zu den Kilkee Cliffs. Mit Kleinkind nicht zu
stemmen und aufgrund der Absturzgefahr wegen fehlender Absperrungen auch nicht
wirklich zu empfehlen. Es gibt einen großen Parkplatz direkt an den Klippen,
auf dem wir eine stürmische Nacht verbracht haben.
Sobald jemand mit Bekanntheitsgrad in irgendeinem irischen Ort entweder freiwillig verweilte (Schauspieler Richard Harris verbrachte hier mal in Kindheitstagen einen Urlaub mit seinen Eltern), Verwandtschaft nachweisen kann (Schauspieler Danny DeVito hat Verwandte in Kilkee) oder durch Fügung des Schicksals dort gelandet ist (Che Guevara`s Flugzeug konnte 1961 wegen starkem Nebel nicht vom Flughafen in Shannon starten und reiste wahrscheinlich während des Wartens auf besseres Wetter ein wenig umher und stolperte wohl eher zufällig über Kilkee), wird dies selbstverständlich zur Vermarktung genutzt. An der Hafenmauer von Kilkee prangt ein riesiges Konterfei von Che Guevara. Verübeln kann man es den Iren freilich nicht, schließlich wird so etwas überall auf der Welt ausgenutzt und was lassen sich Städte und Kommunen nicht alles einfallen im Wettstreit um zahlungskräftige Touristen.
Als vielversprechender Magnet
haben sich für Irland die Dreharbeiten zu den Star Wars Filmen etabliert, die
Filmfans aus aller Welt ins Land locken, die es sich zur Aufgabe gemacht haben,
alle Drehorte akribisch abzufahren und in Film Nostalgie zu schwelgen. Die Insel
Skellig Michael mit dem aus dem 6. Jahrhundert stammenden Kloster und den
typischen bienenkorbartigen Steinhütten wurde nur begrenzt für Filmaufnahmen
verwendet weil es aufgrund der schwierigen Verhältnisse dort (Wetter, Platz,
Anfahrt) schwierig war, eine ganze Filmcrew unterzubringen. Die
Bienenkorbhütten wurden auf der Dingle Peninsula nachgebaut. Auch auf der Loop
Head Peninsula und hier speziell am Loop Head Leuchtturm fanden Dreharbeiten zu
Star Wars statt und so darf sich auch Kilkee über ein Stück am Star Wars
Tourismuskuchen freuen. Hier ist ein lesenswerter Artikel eines Star Wars Fans
bei verschiedenen Drehorten, u.a. auch auf Skellig Michael. https://www.filmtourismus.de/star-wars-irland/
Die Klippen von Kilkee sind vielleicht nicht so hoch und spektakulär wie die Geschwister an der Westküste aber dennoch sehenswert schon allein weil man sie nicht mit hundert anderen Besuchern teilen muss. Atemberaubend ist der Besuch allemal, besonders wenn es so extrem stürmt, dass der Wind das herunterlaufende Wasser wieder nach oben drückt und man nicht von einem Wasserfall sondern einer Wassersäule sprechen kann. Aus meiner Zeit in Neuseeland kenne ich diese Erscheinung als ´water-up´.
Wie schon so oft in Irland hat uns auch hier überrascht, dass es überhaupt keine Sicherheitsvorkehrungen gibt. Keine Begrenzungen, Zäune oder dergleichen. Man kann bis an den Rand der Klippen laufen, die oft nass und somit auch rutschig sein können. Ein Gedenkstein machte auf den tragischen Tod eines jungen Mannes aufmerksam, der bei einem Unfall von den Klippen gestürzt ist. Deswegen eine Bitte an alle Familien, die in Irland mit Kindern unterwegs sind und sich zwangsläufig auch diverse Klippen anschauen; bitte gebt acht auf Eure kleinen Mäuse. Die Klippen sind nicht abgesperrt und die Ränder sind teilweise brüchig. Wir haben immer abwechselnd fotografiert damit einer von uns dauerhaft Jamie hinterher jagen und ihn von den Rändern fernhalten konnte.
Silver Strand Beach in Mayo (A378, Thallabawn, Doovilra, Louisburgh, Co. Mayo, Ireland)
Unsere Reisezeit in Irland von
Mitte Oktober bis Ende November lud nicht zum typischen Strandbesuch mit
Schwimmen und Sonnenbaden ein, dennoch ließen wir es uns nicht nehmen, hin und
wieder einen Strand aufzusuchen. Das lässt sich auf einer Insel auch nicht
wirklich vermeiden. Meistens gestaltet sich das Hinkommen als schwierig und bei
Silver Strand war das auch der Fall. Der abgelegene Strand liegt ca. 23km
südlich vom an der R378 liegenden Louisburgh in der Grafschaft Mayo. 23km
klingt nicht viel, können sich jedoch in Irland wie eine halbe Ewigkeit
anfühlen. Gefühlt fährt man durch Niemandsland, das gelegentlich von ein paar
Häusern durchbrochen wird. Auf der Karte sind dann kleine Ortschaften zu
erkennen aber die bestehen wirklich nur aus einer Handvoll Häuser, die meistens
verlassen sind. Vielleicht wirken sie auch nur verlassen, weil es sich um
Ferienhäuser handelt, das erklärt sich beim Vorbeifahren nicht. Aber gerade in
dieser Gegend ist uns aufgefallen, dass wir kaum Menschen gesehen haben, auch
nicht in den bewohnten Abschnitten.
Teilweise war die Straße recht eng und kurvig sodass man mit langen Fahrzeugen (unser Ludwig hat ja immerhin stolze 7 Meter) bangen muss, ob man problemlos um die Kurve rum kommt. Aber es war Mülltag, die herumstehenden Mülltonnen und das gesichtete Müllfahrzeug machten uns Mut: wenn der da durch passt, dann schaffen wir das auch! Nach einer gefühlten Ewigkeit kamen wir am Strand an und Jamie war natürlich in Höhe Louisburgh eingeschlafen. Was sich bei den hoppeligen Straßen als problematisch herausstellte, da sein Kopf ständig nach vorne klappte. Als besorgte Mama stand ich also neben ihm (und musste nebenbei auch noch Tommy beim Navigieren helfen, weil unser Navi das Ziel nicht gefunden hatte), versuchte mich mit einer Hand irgendwie festzuhalten und hielt mit der anderen Hand Jamies Kopf.
Im Sommer kann der Strand recht
voll werden, denn trotz seiner Abgeschiedenheit ist er gerade bei Familien sehr
beliebt, weil die felsige Landspitze und die hohen Sanddunen einen gewissen
Schutz bieten. Direkt neben dem Parkplatz befindet sich ein kleiner Steg, über
den man auf den Strand gelangt und ca. 50 Meter bis zum Wasser zurücklegen
muss. Wer sich über die Existenz und das Warum dieses Stegs wundert, erhält bei
eintreffender Flut eine Erklärung. Während der gesamte Strand noch trocken ist,
schleicht sich das Wasser von der Seite kommend von hinten an und würde ein
Zurückkommen auf den Parkplatz ohne den Steg unmöglich machen, während man am
eigentlichen Strand noch im Trocknen sitzt und vielleicht in der Sonne ein Nickerchen
macht.
Zu dieser Jahreszeit hatten wir, bis auf 2 bis 3 andere Besucher, Strand und Parkplatz für uns allein. Wir verbrachten auch eine sehr stürmische Nacht dort und befestigten zum ersten Mal die Dachluken über dem hinteren Bett und im Bad mit Gummiseilen weil wir bei einigen starken Böen Angst hatten, sie würden uns davon fliegen. Auch wenn es vielleicht übertrieben war, aber Vorsorge ist besser als späteres Jammern.
Silver Strand ist ein Discovery Point auf dem Wild Atlantic Way und bietet Ausblick auf die vorgelagerten Inseln Inisbofin, Inisturk, Caher und Clare im Norden. Der Großraum verfügt über ein reiches archäologisches Erbe mit über 700 bekannten archäologischen Denkmälern und 20 Gebieten von wissenschaftlichem Interesse, darunter Hofgräber, ein megalithisches Keilgrab, eine Klappbrücke (Steinbrücke mit 37 Bögen) und zahlreiche andere Denkmäler.
Kilmore Beach (Kilmore, Co. Kerry, Irland)
Der Strand von Kilmore befindet
sich vier Kilometer nordwestlich des Dorfes Ballyduff in der Grafschaft Kerry.
Der Strand ist nicht besonders groß, circa einen Kilometer lang. Der Parkplatz
bietet Raum für ungefähr 20 Autos, wobei nicht besonders viel Platz zum Wenden
ist. Mit dem Wohnmobil dürfte man dort zu Stoßzeiten Probleme bekommen. Nicht
nur mit dem Parken sondern mit der Anfahrt, denn das kurze Stück von der Straße
runter zum Parkplatz ist einspurig. Landschaftlich bietet dieses Gebiet nichts
Außergewöhnliches, aber das Wasser macht hier ganz merkwürdige Dinge. Man
befindet sich zwar am Atlantik aber auch im Ästuar, also dem Mündungsgebiet des
Shannon, dem längsten Fluss der Britischen Inseln mit 360,5km Länge.
Der Shannon selbst mündet zwar etwas weiter nördlich, bei den Cliffs of Dooneen, nördlich von Ballybunion in den Atlantik und bei Kilmore Beach ist es der River Feale, der ebenfalls in dessen Mündungsgebiets mit einläuft aber bei soviel mündendem Wasser kann man die Stelle, wo die verschiedenen Wassermengen aufeinandertreffen, aufgrund der Verwirbelung gut sehen.
Wir haben uns an dem Strand sehr
wohl gefühlt und haben dort die Nacht verbracht. Das Wetter war ausnahmsweise
mal sonnig und wir nutzten die Gelegenheit zum Steine sammeln am Strand. Jamie
war wegen der schieren Menge an Steinen hin und weg und dann waren die alle
auch noch so schön rund mit interessanten Einschlüssen, so dass er sie am
liebsten alle mitgenommen hätte.
Was uns nicht nur an diesem
Strand aufgefallen ist, war die enorme Menge an Seegras, welches durch die
unruhige See angespült wurde. Die Strände sind so überhäuft davon, dass man sie
oftmals nur mit Gummistiefeln betreten kann. Am Morgen beobachteten Jamie und
ich einen Iren, wie er mehre Schubkarrenladungen von Seegras in seinem
Autoanhänger verfrachtete. Jamie fragte nach dem Warum und da ich es nicht
beantworten konnte und ebenfalls neugierig war, fragte ich nach. Er sammelt
regelmäßig Seegras, um es im Garten als Dünger zu benutzen. Viel Erfahrung hat
er damit noch nicht gemacht, da er dies erst seit seiner Pensionierung in
Angriff genommen hat, aber ich habe mich für Euch schlau gemacht und
nachgelesen. Hier wird kurz und knapp erklärt, wie Seegras (
hier Meerkompost genannt) vermischt
mit Erde eine Bereicherung für unsere Böden darstellt. Es hält die
Feuchtigkeit, lockert auf und verbessert die Bodenhygiene. Gerade in maritimen
Gegenden ist Seegras ein unendlich nachwachsender Rohstoff und stellt daher
eine ökologische Alternative zu Torf, Rindenmulch und industriellen Düngern
dar.
Am Anfang des Parkplatzes
befindet sich ein alter Begräbnisplatz („Cillin“), der mit der frühchristlichen
Siedlung der „Sieben Kirchen“ in Verbindung gebracht wird, 300 m östlich gelegen.
Letzte Ruhestätte der ungetauften Kinder, über die Jahre unbekannter
angespülter Seeleute und einiger lokaler Familien.