Wales haben wir auf unserer Reise eher stiefmütterlich behandelt. Wir haben uns vorher nicht mit dem Land beschäftigt und hatten während der Reise nicht viel Zeit und Nerven, dies abends noch zu tun, schließlich waren wir mit der täglichen Stellplatzsuche mehr als ausgelastet. Wales ist bekannt für seine unzähligen Schlösser und Burgen (mehr als 600!), was für uns Hobbyfotografen sicherlich ein paar schöne Motive hergegeben hätte, aber mit der Zeit wird das eintönig. Außerdem hatten wir immer im Hinterkopf, dass wir nach Schottland möchten und es dort schneller mal kalt wird als im Süden (alles unterhalb Schottland ist Süden) und deswegen nutzten wir Wales nur als Zwischenstopp auf unserer Reise in den Norden. Insgesamt verbrachten wir weniger als eine Woche in Wales. Die Anzahl an Highlights ist daher naturgemäß limitiert aber nichtsdestotrotz haben wir eine schöne Zeit in Wales verlebt und herrliche Landschaften erleben dürfen.
Westwood Forest Picnic Area, Llanfaches
Ein Highlight der besonderen Art
stellt unser erster Stellplatz in Wales dar. Erstaunt sind wir darüber, dass
unser Navi den Standort überhaupt findet, denn solche locations findet es in
zwei aus drei Fällen nicht. Dummerweise führt es uns, nicht zum ersten Mal, mit
der Kirche ums Dorf und letzten Endes legen wir den Rest der Strecke mit google
zurück. Das Problem mit dem Navi werden wir mal in einem separaten Beitrag
erörtert. Nur kurz: Wir haben extra das Garmin Camper Navi gekauft, weil man
dort auch die Maße seines Wohnmobils eingeben kann und werden dann trotzdem auf
Straßen geleitet, die gänzlich ungeeignet für unseren Ludwig sind. Aber wie
gesagt, später mal dazu mehr.
Wir befinden uns also auf dem Weg
zur Forest Picnic Area (Picknickstelle im Wald) und die sowieso schon engen
Straßen werden immer enger. Irgendwann sind wir geringfügig breiter als die
Straße und Büsche und Äste kratzen links, rechts und oben auf unserem Ludwig
herum. Teilweise klingt das Kratzen wirklich böse und wir befürchten bereits
das Schlimmste, schließlich haben wir ja auch Solarpanelen auf dem Dach. Zurück
können wir aber nicht deswegen bleibt uns nur der Weg nach vorne. Irgendwann
kommt uns auch noch das Postauto entgegen. Der Postbote staunt nicht schlecht,
grüßt aber freundlich und fährt eine etwas längere Strecke zu einem Gartenzaun
zurück. Möchte nicht wissen, was in seinem Kopf vor sich ging. Als sich der Weg
gabelt, wird es mir zu viel. Ich steige aus und laufe ein Stück, um den Weg vor
uns auszukundschaften. Ich finde keine Picnic Area, beschließe aber, dass
Ludwig diesen Weg auf keinen Fall zurücklegen kann, da es extrem eng, steil und
die Straße komplett kaputt ist. Also muss Tommy den Ludwig in 50 Zügen wenden
und schweren Herzens geht’s zurück durch kratzende Hecken. Wir befragen Google
und dort wird uns ein komplett anderer Weg angezeigt, der zwar vielversprechend
beginnt (ein klein wenig breiter) aber letzten Endes auch wieder Dauerkontakt
mit den Hecken verspricht. Aber nach ein paar Mal Luftanhalten kommen wir
tatsächlich an der Picknickstelle an und gönnen uns nach dem Schreck erstmal was
Süßes.
Es stellt sich heraus, dass es weitaus mehr Kratzer auf unserem Womo hätten sein können, wir sind glimpflich davongekommen. Allerdings haben leider die Kunststofffenster was abgekommen, die haben nun einige Kratzer mehr. Ansonsten sieht man nur Schleifspuren von den Brombeerbüschen. Wir verbringen eine schöne Zeit auf dem Parkplatz und nehmen das Angebot der Feuerstellen in Anspruch und grillen ein paar Würstchen, die wir kurz vorher gekauft hatten. Holz finden wir ein wenig im Wald, aber leider nicht ganz trocken. Ausgeholfen hat uns ein netter junger Mann, der ebenfalls auf dem Parkplatz übernachtet und uns kurzerhand ein paar Holzscheite anbietet.
Das Beste kommt wie immer zum Schluss. Wir bemerken, dass es oberhalb des Parkplatzes eine Straße gibt (wir sind von unterhalb gekommen) und beschließen, diese am Morgen für den Rückweg zu nutzen, egal was das Navi sagt. Das Navi hat überhaupt nichts einzuwenden gegen diese Straße, die sich als machbare Alternative entpuppt. Eng zwar, aber tatsächlich mit Gegenverkehr befahrbar (mit Ausweichbucht). Warum wir diese nicht für die Anfahrt angezeigt bekommen haben, weiß wahrscheinlich nicht mal der Herr Garmin.
Fairbourne Strand / Estuary Halt
Im oberen Drittel von Wales
befindet sich an der Westküste der Ort Fairbourne, ganz am Rand des Snowdonia
National Parks. Der Fluss Mawddach schneidet durch das Land und trennt die Orte
Fairbourne und Barmouth voneinander, die aber durch eine kleine Fähre
miteinander verbunden sind. Diese landet am Penrhyn Point und von dort kann man
in eine Schmalspureisenbahn umsteigen, die einen vom Fährlandeplatz über
Estuary Halt in den Ort Fairbourne bringt. Die Eisenbahn wurde von Anfang an
nur für touristische Zwecke gebaut, um den Tourismus in dem Gebiet auszubauen
und attraktiver zu machen. In Betrieb ist die Bahn seit 1895.
Wir haben unsere kurze Zeit am
Mawddach sehr genossen. Unser Stellplatz befindet sich am Ende der Straße, wenn
man Fairbourne verlässt. Genannt wird das Gebiet Estuary Halt und die
Schmalspureisenbahn fährt hier durch einen winzig kleinen Dünentunnel auf ihrem
Weg zum Penrhyn Point, wo sich in strategisch hervorragender Lage ein kleines
Café befindet. Man kann hier wunderbar viel Zeit beim Spazieren verbringen, zuerst
am Fluss entlang, der durch seine Anbindung ans Meer bereits den Gezeiten
unterliegt. Hier sind Schiffe angebunden, die beim Start unseres Spaziergangs
noch an Land und ein paar Stunden später komplett im Wasser stehen. Durch die
Dünen hindurch gelangt man an den Strand und dort sind wir gewohnheitsgemäß mit
Steineschmeißen beschäftigt. Außerdem haben wir kurz vorher unsere Woche in
Gweek bei Clean Ocean Sailing verbracht und das Thema Verschmutzung der Strände
und Meere ist bei uns noch sehr präsent. Deswegen ist Jamie auch nicht zu
bremsen, wenn es ums Aufsammeln des Plastikmülls geht.
Letzten Endes sind es auch hier wieder die kleinen Dinge, die einen Ort erinnerungswürdig machen. Zum einen ist es der unerwartete heftige Regenschauer, der uns komplett durchnässt wie Olympiasieger zum Womo flitzen lässt. Natürlich all die nassen Klamotten, die wir im Ludwig zum Trocknen verteilen (bei drei Personen kommt da einiges zusammen), der herrliche Sonnenuntergang und der nächste Morgen. Es gibt fast nichts Schöneres, als beim Frühstück aufs Wasser zu schauen und dem Plätschern des Wassers lauschen zu können.
Snowdonia National Park, Lyn Ogwen
Auf unserer Reise durch das Land
durchqueren wir Snowdonia, Wales´ größten Nationalpark. Genießen kann man
diesen am besten bei ausgiebigen Wanderungen, aber dies wird durch das
launische Wetter erschwert, was für Hochgebirge nicht untypisch ist. Und mit
Kleinkind sind solche Wanderungen einfach nicht machbar, zumindest nicht wenn das
Tragen im Kinderrucksack ausgeschlossen ist. Dennoch haben wir es gewagt und
eine Wanderung zu einem Wasserfall bei Lyn Ogwen (Lyn= Lake) unternommen. Gewohnheitsgemäß
läuft Regenwasser den Berg herunter und sammelt sich an einigen Stellen zu
kleinen Wasserfällen.
Die Wanderung beginnt unterhalb einer Farm, deren Besitzer es Fremden netterweise erlauben, ihr Privatgrundstück für die Wanderung zu betreten. Auch die Schafe haben nichts gegen den menschlichen Besuch einzuwenden. Die meiste Zeit schauen sie einem nur hinterher, die einen mit mehr und die anderen mit weniger Interesse und hin und wieder hört man ein Blöken. Der Aufstieg ist nicht schwierig, aber mit zunehmender Höhe muss man aufpassen, wo man hintritt. Nicht nur nimmt die Dichte an Schafhinterlassenschaften zu, sondern es wird nass um die Füße. Es wird immer schwieriger, einen Weg zu finden, der trockenes Schuhwerk verspricht. Irgendwann hat man nur noch die Wahl zwischen a) geht noch, es werden nur die Sohlen nass, b) da versinkt nicht nur die Sohle und c) total ungeeignet, weil Matschloch. Und dazwischen steht dann immer noch Jamie und tut nicht immer das, was man ihm sagt. Oben angekommen, war Jamie mega stolz auf seine erste große Wanderung und Wasserfallentdeckung und wir versprachen ihm, bei der nächstbesten Gelegenheit ordentliche Wanderschuhe für ihn zu kaufen.
Die Landschaft hat es uns
angetan, was man auch an der Fülle der Fotos erkennen kann, die wir bei dieser
Wanderung geschossen haben. Der See Ogwen, umgeben von den hohen Bergen, die
schroffen Gebirgshänge mit den riesigen Steinbrocken, die einen verlorenen
Eindruck machen und die Schafe, die auf den unbequemsten Felsformationen sitzen
und gemütlich vor sich hin kauen. Dazu kommt das wechselnde Wetter und die sich
daraus resultierenden ändernden Lichtverhältnisse, die die Szenerie immer
unterschiedlich beleuchten und plötzlich ganz anders aussehen lassen.
Andere betätigen sich in Snowdonia als Gipfelsteiger und genießen majestätische Bergpanoramen; für uns haben Lake Ogwen und der kleine Wasserfall vollkommen ausgereicht.