Anfang Mai brachen wir erneut auf einen Kurztrip auf. Dieser
dauerte lediglich 4 Tage und wir hielten uns nicht unweit der Heimat auf. Wir
lieben das Gefühl der Freiheit in unserem Ludwig und die Möglichkeit, kleinere
Exkursionen etwas entspannter angehen zu können. Die Ziele hätten wir auch als
Tagesausflüge von zu Hause besuchen können aber wer mit Kleinkind reist, weiß
dass dies nur in der Theorie so schön einfach klingt. Bis das Kind dann endlich
mal angezogen ist und im Auto sitzt, ist eigentlich schon wieder Zeit für den
Mittagsschlaf und obwohl die Autofahrt nun die perfekte Zeit für ein Nickerchen
wäre, finden die Kleinen meist erst 5 Minuten vor Ankunft in den Schlaf. An
einen entspannten Besuch im Tierpark / Spaziergang oder Entdeckungstour am Ziel
ist dann nicht mehr zu denken. Das
bedeutet nun leider nicht, dass Jamie während dieser Tage immer schön
ausgeschlafen und fit war denn der Schlafrhythmus ist trotzdem gestört. Aber im
Wohnmobil kann man sich glücklicherweise einfach mal hinlegen und versuchen, ob
man sein Kind vom Schlafen überzeugen kann.
Die erste Etappe führte uns in die Kurstadt Bad Salzungen in
den Wartburgkreis. Die Stadt ist überschaubar und bietet erstaunlich viele schön
angelegte Themenspielplätze (Piratenschiff, Burg etc), die alle fußläufig zu
erreichen sind. Während wir vor einigen Jahren noch kilometerweit durch die
Stadt gelaufen wären um Fotos von Sehenswürdigkeiten, kleinen versteckten Gassen
und liebevollen Details zu schießen, sitzen wir heute auf einem Spielplatz und
schauen unserem Kind dabei zu, wie es glücklich zum 53. Mal allein die große
Rutsche hinunter saust. Bilder entstehen on-the-go wenn man mal was interessantes
sieht. So verschieben sich die Prioritäten!
Etappe zwei führte uns in das Biosphärenreservat Rhön zur Besucherplattform
„Noahs Segel“. Die Plattform bietet einen Panoramablick über die gesamte Rhön
von Thüringen bis nach Bayern und Hessen. Die Plattform ist 21 Meter hoch und
über eine Treppe zugänglich. Hier befindet man sich in 830 Meter über dem Meeresspiegel.
Den Weg hinunter kann man abkürzen über die Abenteuerrutsche. Für dessen
Nutzung stört es Kinder auch nicht, die Treppen 10-, 20- oder 30-mal zu nehmen
wo man doch vorher eigentlich total müde und zu keinem weiteren Schritt in der
Lage war. Für Jamie war die Rutsche noch ein wenig zu steil und schnell, er traute
sich nicht und so rutschte der Papa eben alleine. Für ältere Kinder ist der
Aussichtsturm, vor allem durch die Abenteuerrutsche sicherlich ein tolles
Ausflugsziel, aber für Kleinkinder eher ungeeignet.
Nicht weit entfernt von Noahs Segel befindet sich die Erlebniswelt
Rhönwald mit der „Arche Rhön“. Wir nutzten nur den Spielplatz aber für den
Eintrittspreis von 3 Euro bekommt man noch mehr geboten. Verschiedene Themen –
Hütten mit Ausstellungen über die Rhön, einen Barfußpfad, Fledermaushöhle, Waldschule,
Besucherzentrum Arche Rhön und diverse Lehrpfade. Für Kleinkinder eher
ungeeignet aber für größere Kinder und Erwachsene sicherlich sehr informativ
und interessant. Auch hier befand sich eine Röhrenrutsche. Sie war wesentlich
kleiner als die beim Segel aber Jamie war von ihrer Nutzung nicht zu überzeugen.
Erst ganz zum Schluß entdeckte er, wieviel Spaß man auf dieser Rutsche haben
konnte und wollte sie dann – wie sollte es anders sein- nicht mehr verlassen.
Die Nacht verbrachten wir ganz idyllisch an einem der zahlreichen kleinen Seen in der Gegend.
Tag 3 brachte uns auf die Wasserkuppe im hessischen Landkreis
Fulda. Mit 950m ü. NHN ist die Wasserkuppe der höchste Berg der Rhön und die
höchste Erhebung in Hessen. Auf der „Wiege des Segelflugs“ konnten wir
zahlreiche Segelflieger beim Starten, Segeln und Landen beobachten und erfuhren
später bei einem Small Talk mit einem der Fluglehrer, dass es sich hierbei
größtenteils um Offiziers Anwärter der Bundeswehr (Luftwaffe) handelte, die hier
eine Teambuilding Maßnahme absolvierten. Die Wasserkuppe hat, was den Tourismus
anbelangt, in den letzten Jahren wahnsinnig aufmunitioniert und so hat sich zu
Besucherzentrum und Verkaufsstraße ein Kletterwald, Sommerrodelbahn, Abenteuerspielplatz,
Holzkugelbahn und ein Feriendorf gesellt. Hier hätten wir sogar die Nacht auf
dem Stellplatz verbringen können aber die Preisgestaltung ist etwas unglücklich
geraten. 5 Euro für Wohnmobile für 24 Stunden, wobei das Ticket bis genau 23:59
Uhr gilt. Rein theoretisch müßte man sich um Mitternacht nochmal zum
Parkautomaten begeben, um nochmal ein Ticket zu lösen. Warum man die 24 Stunden
nicht nach Kauf des Tickets zählt, verstehen wir nicht so recht.
Eigentlich wollten wir ja an diesem Tag noch in den Wildpark bei Gersfeld, aber die Zeit war schon stark vorangeschritten. Somit planten wir diesen Ausflug für unseren letzten Tag ein und parkten direkt beim Wildpark auf dem Wohnmobilstellplatz, wo das Parken über Nacht nicht verboten ist. Wir waren also am nächsten Tag verhältnismäßig früh im Park (also wir sprechen hier von unseren Verhältnissen: Öffnung 9 Uhr schafften wir natürlich nicht) und hatten genügend Zeit, die Tiere im Park zu suchen und, wo erlaubt, zu füttern. Wir befürworten solche Parks nicht und bevorzugen immer Tiere in der freien Wildbahn, aber wo oder wann hat man schon mal die Gelegenheit, einem Kind so viele unterschiedliche Tiere zu zeigen und hat dann noch Zeit, sie zu betrachten, ohne dass sie gleich im nächsten Gebüsch verschwinden?
Ein paar Stunden später waren wir schon wieder zu Hause und entluden unseren Ludwig. Gerade als sich Jamie an die Routine im Wohnmobil gewöhnt hatte, rissen wir ihn schon wieder heraus. Wir sagten ihm lieber noch nicht, dass er am nächsten Tag wieder in den Kindergarten gehen würde….