Tag 5: endlich mal gescheite Windmühlen

Nach 3 Nächten in unserer komfortablen Ferienwohnung hieß es
heute Abschied nehmen. Fahrtechnisch gab es heute nicht viel zu
bewältigen, weil wir eine Unterkunft in Zaanse Schans gebucht
hatten, welches sich nur knappe 40km von Zandvoort entfernt, nördlich
von Amsterdam befindet. Somit hatten wir keinen Zeitdruck und nahmen
die Gelegenheit wahr, noch ein wenig in dem Nationalpark „Zuid-
Kennemerland“ am Rande von Zandvoort herumzustreifen, in dem sich
auch die bekannte Rennstrecke des Ortes befindet. Hierbei handelt es
sich eigentlich nur um eine riesige Dünenlandschaft, in der es sich
angenehm durch das hügelige Gelände spazieren läßt.
Generell läßt sich
sagen, daß wir über die Anzahl der Nationalparks und die damit
einhergehenden unterschiedlichen Landschaftstypen in den Niederlanden
positiv überrascht waren, weil wir soviel Natur irgendwie nicht mit
diesem Land in Verbindung gebracht hatten.
Wie nicht unüblich waren wir irgendwie vom Weg abgekommen, weil
wir durchs Fotografieren abgelenkt waren und versuchten den Weg
zurück zum Parkplatz zu finden, als plötzlich ein großer
Rottweiler vor uns stand und interessiert beäugte und beschnupperte.
Er folgte uns eine Weile bzw. lief er vor uns her als wollte er uns
den Weg zeigen, war dann aber wieder verschwunden. Wir vermuten, daß
er den Weg zurück zu seinem Herrchen gefunden hatte.

Zurück im Auto gings dann also nach Zaanse Schans, was vielerorts
als Freilichtmuseum bezeichnet wird, was wohl nicht ganz stimmt.
Schließlich handelt es sich um noch im Betrieb befindliche
Windmühlen, die in verschiedenen Bereichen tätig sind und nicht nur
zur Schau laufen sondern tatsächlich noch Waren produzieren. Hier
leben und arbeiten ganz normale Menschen in einem Wohn- und
Handwerkerviertel von 1850. Sie leben und arbeiten in hübsch
hergerichteten historischen Gebäuden und als Bewohner hat man sich
wahrscheinlich irgendwann daran gewöhnt, daß tagein, tagaus fremde
Menschen im Vorgarten stehen und Bilder von Haus und Hof machen.

Es gibt Mühlen zur Verarbeitung von Holz, Farben, Gewürzen,
Ölen, Mehl u.v.m. was nur ein Bruchteil von dem darstellt, was hier
im 17. und 18. Jahrhundert vorzufinden war; damals waren in diesem
Gebiet bis zu 600 Mühlen angesiedelt und man kann durchaus von einem
Industriegebiet sprechen. Neben den Mühlen und dem Zaans Museum gibt
es eine Käserei, Zinngießerei, Holzschuhmacher, Bäckermuseum,
Schokoladerie, Souvenirläden, verschiedene Gastronomie und einiges
mehr.
Man kann gut und gerne den ganzen Tag im Viertel verbringen und
da der Eintritt frei ist, kann man diesen Ausflug auch wunderbar für
Familien empfehlen, auch wenn es dort natürlich extrem voll und zur
Mittagszeit durch die vielen Tourbusse überlaufen ist. Zaanse Schans
ist nur ein paar Kilometer von Amsterdam entfernt und somit für
jeden durchreisenden Touristen einfach auf einer Tagestour zu
erreichen und bezeichnet sich deshalb auf der eigenen website als die
beste Tagestour in den Niederlanden. Wie bereits erwähnt, ist der
Eintritt für das Dorf umsonst, nur für einige Mühlen zahlt man ein
paar Euro Eintritt, wenn man sich das Innere genauer anschauen will.
Der Parkplatz kostet übrigens 10 Euro, was wir für übertrieben
halten aber dafür zahlt man ja keinen Eintritt. Wir haben trotzdem
woanders geparkt und sind die paar Meter gelaufen. Mit gesunden
Beinen durchaus machbar.

Wir checkten dann irgendwann am Nachmittag
in unsere enge aber trotzdem schöne Unterkunft ein (
siehe Bewertung der Unterkünfte) und nach einem kleinen Einkauf gleich um die Ecke
gab es eine Kleinigkeit zum Abendessen. Wir hatten viel Käse und
Wein gekauft, konnten den Großteil des Käses allerdings doch heil
nach Hause bringen da er teilweise auch als Geschenk gedacht war.
Untergebracht waren wir mitten in der Stadt und so machten wir uns
abends nochmal zu Fuß auf den Weg ins Mühlendorf zum Fotografieren
mit weniger Licht und weniger Menschen.
Tag 6 smells like chocoalate

Im Reiseführer hatten wir in Zaandam (so heißt der Ort
eigentlich, Zaanse Schans ist ja nur das historische
Handwerkerviertel) ein Gebäude mit sehr interessanter Architektur
entdeckt und wollten diesem einen Besuch abstatten. Bekannt ist das
Gebäude durch seine zahlreichen Giebel und man weiß überhaupt
nicht, wo man zuerst hinschauen soll. Für Fotografen ist das Inntel
Hotel eine frustrierende Herausforderung da es sich einer kompletten
Rundum-Bebauung erfreut. Irgendwas störendes befindet sich immer im
Hintergrund.

Hinwärts fuhren wir mit dem Zug, rückwärts liefen wir
dann die 4km zurück zum Auto (das stand noch vor der Unterkunft),
was an der Straße nicht immer angenehm ist. Der Weg zurück zum Auto
führte uns an der ortsansässigen Kakao Fabrik vorbei und dort
duftete es ganz wunderbar. Da war es nur verständlich, daß wir am
Café „smells like chocolate“ nicht einfach vorbeigehen konnten
und so stärkten wir uns dort erstmal mit heißer Schokolade und
einem rekordverdächtigen Brownie bevor wir uns wieder auf den Weg
machten.
Ziel war Rheden, de Steeg in der Nähe von Giesbeek und dort
hatte Tommy beim Stöbern bei booking.com das Landgut Landgoed
Rhederoord gefunden. Zugegeben, das Bild hatte uns ein größeres
Gebäude vorgetäuscht (Vorteil der Weitwinkelfotografie!) aber das
schmälert nicht den

Eindruck, den wir von dem Gebäude bekamen.
Stilvoll aber nicht zu übertrieben eingerichtet und man fühlt sich
irgenwie an Downton Abbey erinnert und würde sich nicht wundern,
wenn plötzlich die gesamte Familie und die komplette Dienerschaft im
Foyer zur Aufstellung erscheinen würde. Das Drama blieb uns
allerdings erspart. Nach dem Abendessen machten wir uns äußerst
verdächtig indem wir ums Gebäude herumschlichen und Bilder machten
aber man schien im Allgemeinen zu sehr mit den Vorbereitungen für
eine am nächsten Tag stattfindende Hochzeit beschäftigt zu sein,
als daß man Anstoß daran hätte nehmen können.
Tag 7: Wir fahren wieder heim

Es ist erst Freitag und eigentlich könnten wir noch bis Sonntag
unterwegs sein aber wir befinden uns in einem kleinen
organisatorischen Dilemma. Am Samstag wollen wir zu Hause sein weil
ein Freund von Tommy Geburtstag feiert. Wir studieren Karten und
informieren uns parallel dazu im Internet, was wir auf der langen
Strecke von Holland nach Thüringen noch unternehmen könnten und wo
wir eine letzte Übernachtung einschieben können. Aber es will uns
einfach nichts einfallen, keine der sich bietenden Möglichkeiten
findet bei uns Gefallen. Auch der deutschen Ruhrpott sieht nicht
besonders vielversprechend aus, obwohl es sicherlich auch dort
sehenswerte Ziele gibt. Auf die Schnelle finden wir diese aber nicht
und so entscheiden wir uns dafür, heute schon nach Hause zu fahren.

Noch in De Steeg befindet sich ganz in der Nähe zum Landgut das
Kasteel Middachten, dem wir am morgen noch schnell einen kurzen
Fotobesuch abstatten. Da sich das Wetter von seiner besten Seite
zeigt, wollten wir den naheliegenden See aufsuchen um auch dort noch
ein wenig spazieren zu gehen aber es ist wie verhext. Egal wie wir
fahren, es scheint keinen direkten Zugang zum See zu geben. Dort wo
man mal eine Möglichkeit findet, sein Auto abzustellen, wird man
gleich zum Zahlen von Parkgebühren aufgefordert oder der Zugang zum
See ist nur über einen Campingplatz möglich. Das ärgert uns und so
fahren wir eben heim. Wie Ihr Euch erinnert, sind wir sowieso
parkgebührengeschädigt und so trifft man uns hier eben an einem
besonders wunden Punkt (diesen Satz bitte mit mehr als nur einem
Augenzwinkern lesen).
An einem Freitag nach Hause zu fahren ist
natürlich nie eine besonders gute Idee und so stehen wir einige Male
in kleineren Staus und Verkehrsverzögerungen aber gegen
18:30 Uhr waren wir dann doch endlich zu Hause. Spätestens mit dem
Herumdrehen des Schlüssels im Schloss wird einem bewußt, daß der
Urlaub schon wieder viel zu schnell vorübergegangen ist und
gedanklich ist man bereits beim Planen des nächsten Ausflug.