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Dienstag, 7. Januar 2025

Unsere Skandinavien Reise Teil 20 - unterwegs im westlichen Südschweden

 

Noch immer in der Nähe von Ystad- am Strand

Am nächsten Tag haben wir wieder super Wetter und einen schönen Sandstrand fast vor der Wohnmobiltür. Wir fahren knappe 3 Kilometer zum Strand und auf den geräumigen Parkplatz, der wie wir leider feststellen müssen, 20 Uhr verschlossen wird. Dort stehen wir bis zum Nachmittag und verbringen einen entspannten Tag am Meer. Katja bleibt vorerst im Ludwig und betreibt ein wenig Recherche für die nächsten Tage, Jamie und Tommy buddeln Löcher im Sand und sammeln Müll auf, der leider wieder zahlreich zwischen den Steinen zu finden ist. Später gesellt sich auch Katja zu ihren beiden Männern, wir erkunden den Strandabschnitt bis zum großen (stinkigen) Steg und laufen wieder zurück. Stinkig deswegen, weil der komplette Strandabschnitt links vom Steg übersäet ist mit nicht so dolle riechenden Algen und auch die linke Hälfte des Stegs damit bedeckt ist. Danach gibt es unseren Nachmittagssnack und wir bleiben bis circa 16 Uhr auf dem Parkplatz, bevor wir uns auf den kurzen Weg zu unserem heutigen Stellplatz machen. 

Dieser befindet sich ganz knapp vor einem Naturreservat, in dem das Abstellen von Wohnmobilen, das Zelten usw. verboten ist, aber man scheint darauf geachtet zu haben, Wohnmobillisten ebenfalls einen Stellplatz anbieten zu können. Zumindest scheint es so, denn überall sieht man Campingverbotsschilder und durchgestrichene Wohnmobile und Wohnwagen aber hier an dieser Stelle gar nichts. Der Park ist ein Tümmelplatz für Jogger und sonstige sportlich aktive Menschen, denn es gibt eine schöne Laufstrecke durch den Wald, Draußen-Fitnessgeräte, einen Spielplatz, Boulebahn und – was für ein klasse Service – ein Häuschen mit Toiletten, Umkleidekabinen und warmen Duschen, geöffnet von 6 bis 22 Uhr! Von der Stellplatzapp wissen wir, dass einige Camper nur für die Duschen hierher kommen und dann weiterfahren aber das finden wir dann doch etwas frech.

 
Sommerwetter pur, also zurück zum Strand! 

Da es wieder ein schöner Tag werden soll und die Zeit am Strand sehr schön war, machen wir das selbe heute nochmal. Nach Frühstück und Spielplatz fahren wir zum Strandparkplatz, verbringen den Tag an der Ostsee und Tommy und Jamie sammeln diesmal Steine. Blöderweise werden heute die Algen dort angespült, wo ein Großteil der Leute am Strand liegt. Wir müssen fast bis zum Ende des Strandes laufen (dort steht übrigens ein alter Bunker) um ohne Algendusche ins Wasser zu gelangen. Wir befinden uns ja hier an der Ostsee und wenn man mal nach dem morgendlichen Erwachen nicht mehr weiß, dass man sich in Schweden aufhält, könnte man sich dank des typischen „Ostsee Ambientes“ auch direkt irgendwo auf der anderen Seite (in Deutschland oder Polen) befinden. Man findet üppige Nadelwälder, übersäet mit dem typischen Ostseesand, dazwischen die Trampelpfade, die sich als Strandzugang etabliert haben und die zahlreichen Ferienhäuser, die besonders in den Sommermonaten bewohnt sind. Hier an der schwedischen Ostseeküste gibt es die kleinen bunten Strandhäuschen, die in mehreren Reihen hintereinander stehen und ihren Nutzern an heißen Strandtagen ein wenig Unterschlupf aber meist nicht sehr viel Platz bieten. 


Tommy konnte einen Blick in die ein oder andere Hütte erhaschen, und sah Tische und Stühle, manchmal eine Couch, Regale zur Aufbewahrung diverser Utensilien oder als Lagerräume genutzte Hütten mit Sonnenschirmen und Strandequipment. Wenn man keine großen Ansprüche an eine Behausung hegt, kann man hier sicherlich auch die ein oder andere Nacht verbringen, eine Kaltwasserdusche gibt es auf der Promenade auch. Auch heute verlassen wir so gegen 16 Uhr den Strand, müssen unseren kaputten Jamie aus seinen nassen Badesachen schälen, waschen, abtrocknen und umziehen und dann fahren wir der Einfachheit halber auf den selben Stellplatz vor dem Naturreservat, machen vorher aber noch einen kleinen Abstecher in den Supermarkt. Heute nutzen wir auch mal die kostenfreien Duschen im Fitnesspark, um uns die ganzen Algen vom Körper zu waschen und unsere Badesachen abzuspülen.

 

Kletterpartie im Nimis im Königreich Ladonien

Jamie und Katja erwachen, weil recht früh schon Autos an uns vorbeifahren, was ungewöhnlich ist, denn wir stehen bis hinten, wo niemand weiter fahren kann. Wir lunsen aus dem Fenster und sehen, dass sich jemand ganz dicht hinter uns gestellt hat. Mit ganz dicht ist ein Meter gemeint. Da wir vorne auf einen Block gefahren sind, um gerade zu stehen, bedeutet dies, dass wir uns nicht rückwärts rollen lassen können, um vom Block runterzukommen. Es werden immer mehr Autos und als wir dann recht bald aufgestanden sind, hat man bereits einen Pavillon an der Boulebahn errichtet. Da scheint also etwas stattzufinden. Wir sind beim Frühstück, als ein Herr an unsere Tür klopft und bestätigt, dass ein Boule Wettkampf stattfinden soll, hier so circa 30 Autos parken sollen und ob wir das Wohnmobil nicht wegfahren könnten. Wir einigen uns mit ihm, dass wir wenigstens noch fix unser Frühstück beenden können. Wir machen ihn darauf aufmerksam, dass wir gern rückwärts fahren würden, was aber nicht geht und ein paar Minuten später ist der Platz hinter uns frei. Bevor sich wieder jemand da hin stellt, rollen wir schon mal vom Block. Das Frühstück können wir nicht mehr beenden, denn inzwischen werden es immer mehr Autos und die parken alle links und rechts des Weges. Katja meint, dass es wohl besser wäre, das Frühstück irgendwo anders zu beenden. Wegräumen müssen wir ja die Sachen trotzdem alle, wir können beim Fahren nichts auf dem Tisch stehen lassen und als wir schon fast so weit sind, parkt ein Herr ganz demonstrativ sehr dicht vor uns. Als Katja ihn bittet, damit noch zwei Minuten zu warten, bis wir rausgefahren sind, wird er ziemlich unhöflich, ihm wäre es erlaubt hier zu parken, uns nicht und er fährt nirgendwo hin. Nun gut, er ist wohl mit dem falschen Fuß aufgestanden, wir kommen auch so raus aber nett war es natürlich nicht, zumal es überhaupt nicht verboten ist, hier zu parken. Insgeheim wünschen wir ihm Impotenz, einen fetten Schwarm Mücken und die Affenpocken und fahren vor zum Supermarkt, wo wir auf dem benachbarten Parkplatz unseren Ludwig erstmal richtig abreisefertig machen und dann fix noch ein Brot kaufen. 


Dann fahren wir eine längere Strecke, weil wir die Großstädte an der Westküsten erstmal auslassen wollen und sich unser Ziel nördlich von Helsingborg befindet. Zwischendurch füllen wir Frischwasser auf, leeren unseren Grauwassertank und fahren wieder einen Umweg für Latrinenentsorgung, denn es gibt zwar einige Rastplätze auf der Strecke, aber kaum einer bietet die Möglichkeit, sein Wohnmobil Klo zu leeren. Danach geht’s Richtung Höganäs und dort beim zweiten Anlauf auf den richtigen Parkplatz Himmelstorp, weil wir eine ganz besondere Wanderung planen. Denn wir besuchen heute das Königreich Ladonien und hier die Holzkonstruktionen von Lars Vilks, bekannt unter dem Namen Nimis. 1980 begann er damit, im Naturreservat Kullaberg mit angeschwemmten Holz Skulpturen zu bauen, die über die Jahre immer größer und umfangreicher wurden. Erst nach zwei Jahren erfuhren die Behörden von diesen Bauwerken und eine Reihe von Gerichtsverfahren nahmen ihren Lauf, währenddessen der Bau der Türme und Verbindungstunnel weitergeführt wurde. Für Nimis wird nirgendwo Werbung gemacht, es erscheint kein Hinweis auf den Wanderschildern und Wegweisern und man findet den Weg eigentlich nur aufgrund seiner Beliebtheit weil ein reger Besucherandrang dorthin besteht. Erst ziemlich zum Schluss findet der aufmerksame Wanderer gelbe „N“ auf Bäume gemalt und kann sich in Sicherheit wähnen, auf dem richtigen Weg zu sein. Was bis dahin noch eine gemütliche Wanderung war, wird dann recht beschwerlich, der Weg nach unten führt über Stock und Stein und die Abstände zwischen den zahlreichen Wurzeln sind teilweise so klein, dass man mit dem Fuß keinen wirklich guten Tritt bekommt. Aber wir können uns glücklich schätzen, dass das Wetter in den letzten Tagen so vorbildlich sommerlich war, bei Regen möchten wir diesen Weg nicht laufen, schließlich werden die Steine und vor allem die Wurzeln rutschig und der Weg hinab damit sehr gefährlich. Irgendwann steht man dann vor dem offiziellen Eingang zum Nimis und dort beginnt die Klettertour durch den Holztunnel. 



Es ist steil, viele der Holzbretter haben dem Gewicht der zahlreichen Besucher bereits vor vielen Jahren nachgegeben und es wurden einfach neue Bretter darüber gezimmert. Überall schauen Nägel heraus, so dass man auf Kleidung und generell auf sich achten muss, um nirgendwo hängen zu bleiben. Zwischendurch fehlen Stufen und man muss sehr große Schritte machen und sich an den alten Holzbalken am Rand festhalten. Das klingt alles schlimmer als es wirklich ist, wir haben die Kletterei mit Jamie gemacht, und es ist nichts passiert. Wir haben ihm vorher erklärt, dass er aufpassen muss und haben während der Kletterei ein wachsames Auge auf ihn geworfen und das reicht vollkommen aus. Man kann die Tour mit kleinen Kindern machen, sofern sie natürlich schon selbst laufen und trittsicher sind. Die meisten Kinder sind wahrscheinlich sowieso fitter als manch Erwachsener. Unten angekommen, gibt es ein Belohnungspicknick, dann schauen wir noch zu dem anderen Bauwerk am Strand, genannt Arx und dann machen wir uns an den Teil, der weitaus anstrengender ist, nämlich den Aufstieg. 




Wieder durch die klapprige und enge Holzkonstruktion durch, über Stock und Stein und steil bergauf bis zum normalen Wanderweg und dort angekommen, kann man wieder durchatmen und sich über eine normale Wanderung zurück zum Parkplatz freuen. Dort dürfen wir leider, wie überall sonst in dieser Gegend, von 22 bis 6 Uhr nicht parken und so müssen wir noch einen Stellplatz suchen. Wir haben zwei zur Auswahl und fahren sie ab. Der Golfplatz Parkplatz ist unsere zweite Wahl und wir kommen hierher zurück, wenn der andere nicht mehr frei sein sollte. In Svanshall am Hafen gibt es 5 Bezahl- Stellplätze mit Blick auf die Ostsee und ein Parkplatz ist noch frei. Den Ausblick nehmen wir dankend an, erkunden noch ein wenig den kleinen Hafen und dann ist es auch schon wieder Zeit fürs Abendessen.

 


UFO Absturzstelle und Leuchtturm Morups Tånge

Beim Aufwachen ist alles anderes als gestern. Kein blauer Himmel mehr, alles grau. Der Sommer hat sich wohl erstmal verabschiedet. Wir lassen uns viel Zeit mit dem Fertigwerden, schließlich haben wir auch noch keinen wirklichen Plan für heute. Der entsteht im Laufe des Aufräumens und so fahren wir los nach Ängelholm, wo am 18.05.1946 Gösta Carlsson ein abgestürztes UFO im Wald beobachtet haben will. Es gibt ein Grab, wo zwei tote Besatzungsmitglieder während der Reparaturarbeiten abgelegt wurden und eine kleine Nachbildung des UFOs, das mit Ringen umgeben ist, welche die Originalgröße des Raumschiffes abbilden sollen. Da es gerade zu regnen begonnen hat, bleiben wir nicht lange, aber als wir zum Wohnmobil zurückgekehrt sind, ist es wieder halbwegs trocken. 



Also gleich noch ein Abstecher an den nahegelegenen Strand (der eigentliche Grund für den großen Parkplatz hier), der heute keine Badegäste aufzuweisen hat. Dann fahren wir noch ein ganzes Stückchen weiter Richtung Norden, an Halmstad vorbei zum Leuchtturm Morups Tånge. Laut Schildern darf man dort gar nicht mit dem Wohnmobil parken, aber wie soll man sonst bitteschön dort hinkommen? Wir parken trotzdem, trotzen dem bescheidenen Wetter und machen im Regen unsere Bilder. 


Danach gibt’s einen Nachmittags Snack und anschließend fahren wir zu unserem heutigen Stellplatz: wieder direkt an der Ostsee am Windpark Falkenberg und mit echt beschissenem Wetter. Nach dem Abendessen regnet es sich ein, es windet immer heftiger und manch anderes Wohnmobil nimmt das zum Anlass, den Platz zu verlassen. Die haben ganz offensichtlich noch nicht in Irland Urlaub gemacht!

 


Nichts zu tun und bescheidenes Wetter - also ein Faulenzertag

Nun ja, die Nacht war nicht so angenehm, es hat ein wenig geschunkelt, aber das ist nicht der eigentliche Grund, warum wir schlecht geschlafen haben. Wir haben vergessen, wie laut Wind sein kann und wie sehr dieses Geräusch vom Schlafen abhalten kann. Jamie ist kurz nach 5 Uhr munter, schläft aber zum Glück nochmal ein, weil es draußen noch dunkel ist. Als wir erneut erwachen, ist es nach 9 Uhr, die Sonne scheint, es regnet nicht mehr und der Wind hat ebenfalls nachgelassen. Wir haben keine Eile, frühstücken und dann macht es sich Jamie in seiner Spielecke mit all dem Lego bequem und macht den Eindruck, diesen Ort heute nicht mehr verlassen zu wollen. Wir lassen ihn gewähren, erstens weil wir sowieso keine Pläne für heute haben und weil wir ihn auch nicht immer antreiben wollen, sich etwas mit uns anzuschauen oder spazieren zu gehen. Da gibt es nämlich oft Streit, weil er das eigentlich gar nicht möchte, weil es ihn nicht interessiert oder weil er ja angeblich nie zum Spielen kommt und seine Interessen auch nie berücksichtigt werden. Also verbringt er den Tag im Ludwig. Irgendwann macht sich Katja zu Fuß auf den Weg zum Einkaufen. Wir brauchen eigentlich nichts wirklich dringend, außer vielleicht Brot oder Brötchen aber die ganze Zeit drinnen hocken will sie auch nicht und so läuft sie die 2km dorthin und wieder zurück. 


Nach ihrer Rückkehr gibt’s ein Heißgetränk. In der Zwischenzeit hat es sich schon wieder zugezogen und tröpfeln tut es auch immer mal wieder. Tommy möchte sich auch ein wenig die Beine vertreten und so geht er mal die Umgebung auskundschaften. Der Wind wird immer heftiger und inzwischen sind wir das einzige Wohnmobil weit und breit. Wir überlegen, ob wir noch so eine Nacht direkt am Wasser verbringen wollen oder nicht lieber irgendwo etwas geschützter stehen wollen und entscheiden uns, die paar Meter zum nahegelegenen kostenpflichtigen Stellplatz am Lövstavikens Fyr zu fahren. Da hätten wir wenigstens Strom und die Toilette müsste morgen sowieso geleert werden. Na gut, so parken wir um und da Katja eine Waschmaschine entdeckt, haut sie schnell noch die Dreckwäsche in die Maschine und später in den Trockner. Als wir die fertige Wäsche abholen wollen, ist das Servicehaus leider nicht mehr zugänglich, so dass die Wäsche die Nacht verknitternd im Trockner verbringt.

 


kleiner aber feiner Stadtbummel in Varberg

Als Katja am Morgen von Jamie geweckt wird, holt sie erstmal die Wäsche. Gestern war sie bestimmt trocken, aber die Nacht im Trockner hat sie etwas klamm werden lassen. Also passiert, was Katja eigentlich vermeiden wollte: Im Ludwig hängt wieder jede Menge Wäsche zum Trocknen herum. Sie geht duschen und die Männer bereiten das Frühstück vor. Der Regen setzt wieder ein und das nicht gerade wenig. Bis wir alles fertig verräumt haben und Ver- und Entsorgung erledigt ist, haben wir schon wieder die Mittagszeit erreicht, aber uns treibt niemand an. Wir fahren noch mal schnell zum Coop und holen Brot, dann entscheiden wir uns für einen Besuch in Varberg. Kurz nachdem wir aufgebrochen sind, stoppt der Regen und blauer Himmel kommt zum Vorschein, das ist ja fast nicht zu glauben! 


An der Feste in Varberg gibt es sehr beliebte kostenlose Wohnmobilstellplätze und wir ergattern den Vorletzten. Wenn Jamie auch sonst nichts mitbekommt beim Fahren, aber den Spielplatz auf dem Weg dorthin hat er sofort gesehen und möchte ihn auch unbedingt sofort aufsuchen. Wir machen einen Deal, dass wir wenigstens die Festung und das Kaltbadehaus anschauen wollen und weil es dort leckere Waffeln im Café gibt und wir bisher noch keine probiert haben, lässt er sich dazu überreden. Das Warten ist aber auch schon wieder unerträglich lang und er weiß mal wieder nichts mit sich anzufangen. Um den Familienfrieden zu wahren, gehen Katja und Jamie anschließend auf den Spielplatz, während Tommy noch ein wenig im Hafen fotografiert. Leider dürfen wir auf dem Festungsparkplatz nicht über Nacht stehen bleiben, deswegen geht’s anschließend zum auserwählten Stellplatz an einem Fußballplatz. Dort ist bei unserer Ankunft viel los, aber die gehen ja auch irgendwann mal nach Hause. Wir essen und als es nach 19 Uhr nicht weniger, sondern noch mehr Autos geworden sind und die Anzeigentafel des Stadions darauf schließen lässt, dass hier gerade ein Spiel angepfiffen wird, verdünnisieren wir uns lieber und fahren noch zwanzig Minuten in den Wald. Dort haben wir unsere Ruhe.

 


ein kleiner Abstecher nach Halmstadt

Einen Großteil der Nacht haben wir vom Regen unsere Ruhe, aber am Morgen begrüßt er uns stürmisch und in seiner vollen Pracht. Nachdem wir aufbrechen, stoppen wir ein paar Meter weiter bei der dortigen Schaf-Farm und schauen mal durch ihren Shop, Flohmarkt, Café usw., fühlen die unterschiedlichen Wollarten und bestaunen rätselnd die alten Werkzeuge, deren Einsatzgebiet wir manchmal nur erraten können. Eigentlich möchte Jamie Schafe streicheln, die lassen sich aber bei dem Regen nicht blicken und so kommt er auch um das lästige Händewaschen herum. 


Wir fahren weiter nach Halmstad, weil uns bei dem Wetter nichts besseres einfällt. In der Stadt lässt es sich mit dem Regen besser arrangieren, weil man zur Not auch mal irgendwo nach innen flüchten kann. Wir staunen allerdings nicht schlecht, als sich der Regen verzieht und blauer Himmel zum Vorschein kommt. So war es doch gestern auch…… also wenn das zur Gewohnheit wird….. wollen wir nicht meckern. In Halmstad angekommen, parken wir auf einem Parkplatz in der Nähe des alten Schlosses, haben drei Apps zum Zahlen zur Auswahl und zahlen nur 4 SEK pro Stunde (zwei von den drei hat Katja auf ihrem Handy und hier sind die Preise ausnahmsweise mal gleich). 


Wir laufen ein wenig in der Stadt umher, Jamie ist auf dem Laufrad unterwegs, und wir lassen die Stadtatmosphäre auf uns wirken. Ein richtiges Ziel haben wir nicht, wir lassen uns treiben, folgen interessanten Fotomotiven und landen, wie sollte es anders sein, in einem Café. Später geht’s zurück zum Parkplatz, auf dem wir nicht bleiben dürfen und fahren noch ein paar Kilometer aus der Stadt zum beliebten Tylösand, wo wir einen großen, fast leeren Parkplatz vorfinden. Vor ein paar Wochen noch, als es wärmer war, wäre hier sicherlich der Teufel los gewesen, weil sich alle am Strand gebrutzelt hätten, aber bei den momentan herbstlichen Temperaturen hat sich das erledigt. Zum Schauen laufen wir runter zum Strand und genießen die letzten Sonnenstrahlen, Jamie wirft sich in die Wellen und läuft somit nass zum Ludwig zurück und nur kurze Zeit später kommt der nächste Regenguss vom Himmel.



Sonntag, 22. Dezember 2024

Unsere Skandinavien Reise Teil 19 - Südschweden im Schneckentempo

 

ein kurzes Sightseeing in Karlskrona

Auf unserer To-do-Liste für heute steht die Barockstadt Karlskrona, die architektonisch in den höchsten Tönen gelobt wird. Geschichtlich gibt es ebenfalls einiges zu erzählen, wir beschränken uns aber auf die wesentlichen Fakten: gegründet 1679 als Flottenstützpunkt von König Karl XI. und Admiral Hans Wachtmeister, Stadtrecht bereits ein Jahr später und 1790 brannte ein Großteil der Stadt ab. Der Marinehafen der Stadt mit seinen ehemaligen Werften und Verteidigungsanlagen sowie weitere Gebäude der Stadt wurden von der UNESCO zum Welterbe erklärt. Die Stadt war Hauptstützpunkt der schwedischen Flotte und damals sollen bis zu 10.000 Menschen auf der Werft und bei der Marine beschäftigt gewesen sein. Heute sind es noch 700. 

Besonders interessiert war Katja am Stortorget, dem zentralen Platz in Karlskrona, da man sich hier, laut dem Stadtmarketing an der Architektur anderer europäischer Großstädte orientierte, allen voran an den großen Plätzen Roms. Nun gut, wer Rom ein bisschen kennt, wird Stortorget sicherlich nicht mit einem der grandiosen Piazzas in Rom verwechseln aber inzwischen wissen wir sehr gut, wie das mit dem Marketing funktioniert. Zu bieten hat Stortorget trotzdem einiges, zum Beispiel die Frederikskyrkan, die 1744 eingeweiht wurde oder aber auch die Trefaldighetskyrkan vom selben Architekten. Die Dreifaltigkeitskirche wird auch Deutsche Kirche genannt, da sie bis 1846 die Kirche der deutschen Gemeinde war. Die Kirche beherbergt eine mächtige Gruft der Familie Wachtmeister, auch Generaladmiral Graf Hans Wachtmeister, einer der Gründer der Stadt und verstorben 1714, fand hier seine letzte Ruhestätte.

Heute sind wir leider etwas eingeschränkt mit der Stadtbesichtigung weil wir die Parkgebühr nicht per App zahlen konnten sondern tatsächlich noch ganz altmodisch am Parkautomaten. Diesen Platz haben wir dank App gefunden und dort auch glücklicherweise noch einen Parkplatz gefunden, denn hier sind die Plätze groß genug für Wohnmobile und man kann ganz normal stundenweise bezahlen (5 SEK pro Stunde, sehr günstig). Die anderen Wohnmobilstellplätze der Stadt bieten diese Möglichkeit, so weit wir das überblicken können, nicht und so zahlt man dort pauschal eine Gebühr für den ganzen Tag. Das sehen wir aber nicht ein, wenn wir nur ein paar Stunden vor Ort sind. 

So laufen wir ein wenig umher, werden von Regen überrascht und flüchten in ein Café, laufen anschließend noch ein wenig umher, finden einen Spielplatz, den wir leider nicht ignorieren können und müssen Jamie unter viel Zureden davon überzeugen, dass wir irgendwann auch mal wieder zum Ludwig zurück müssen, weil die Parkzeit abgelaufen ist. Anschließend fahren wir eine Viertelstunde in den nächsten Ort an eine kleine Marina, wo wir den Abend und natürlich auch die Nacht verbringen. Hier kann man ein wenig umherlaufen und die schicken Boote bewundern, es gibt eine kleine Wanderung am Wasser entlang bis zur nächstgelegenen Marina und schwuppsdiwupps ist es auch schon wieder Abend und der Tag neigt sich dem Ende. Blöderweise ist es Freitag Abend und pünktlich zu Jamies Einschlafzeit beginnt die Musik irgendwo in der Nachbarschaft zu spielen, aber es hält sich in Grenzen, man hört sie zwar aber sie ist nie so laut, dass sie wirklich stört und die Fensterscheiben wackeln auch nicht.





unendlich viel Schrott auf dem Autofriedhof Kyrkö mosse

Es scheint eine größere Party gewesen zu sein denn die Autos vom Vorabend stehen am Morgen noch immer neben uns. Wer weiß, wo die alle geschlafen haben…..Tommy hat ein wenig recherchiert und etwas gefunden, was wir uns heute mal anschauen möchten: den Autofriedhof im Moor Kyrkö mosse, in der Nähe von Ryd (Bilkyrkogården på Kyrkö mosse). Åke Danielsson (1914–2000) verdiente hier anfänglich mit Torfmull sein Geld. Er war technisch sehr versiert und baute sich eine kleine Torffabrik, deren Torfreißer er mit alten Automotoren antrieb. Nach dem Krieg und Wirtschaftswunder, als sich fast jeder ein Auto leisten konnte, diese aber einfach im Wald stehen ließ, so bald sie nicht mehr fuhren, sammelte Åke diese Fahrzeuge ein, nahm sie auseinander und wurde zum gefragten Experten für Ersatzteile. 1992 zog Åke ins Altersheim in Ryd und der Ort wurde Anlass zahlreicher Kontroversen. Die einen möchten den Ort geräumt und saniert haben, Fürsprecher sehen den kulturhistorischen Wert der Altautos und so wurde der Ort bis 2050 unter Schutz gestellt. Bis dahin, so nimmt man an, werden die Autos auf natürlichem Wege zerfallen sein. Wahrscheinlich hofft man einfach nur, dass sich das Problem mit der Zeit selbst erledigt, schließlich geht man von 150 Fahrzeugen, Fahrrädern, Mopeds, Herden und zahllosen Autoreifen aus.

 




Von einem Geheimtipp kann man jedenfalls nicht mehr sprechen, der Ort ist ein ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen geworden und der Parkplatz ist eigentlich zu klein, um dem Besucheransturm gerecht zu werden, vorallem all der Besucher in Wohnmobilen. Nach einem kleinen Snack fahren wir weiter und suchen einen Übernachtungsplatz irgendwo in der Gegend. In Kyrkhults gibt es 5 kommunale Stellplätze direkt am See und als wir dort ankommen, stehen nur 4 Fahrzeuge dort, so dass theoretisch noch Platz für uns wäre. Die haben sich aber alle so dusselig und dreist hingestellt, dass wir nirgendwo mehr hinpassen. So langsam werden uns die Schweden in der Hinsicht wirklich unsympathisch, denn das machen sie wirklich gern: sie parken sehr großzügig, damit Sonnendach, Tisch und Stühle an der Seite auch noch Platz finden und tun gerade so, als hätte man immer ein Anrecht darauf. Rücksicht ist ein Fremdwort. Was besonders ärgerlich hier ist: sie alle haben extrem viel Platz links und rechts gelassen, sitzen aber nicht neben ihren Fahrzeugen, sondern davor auf dem Grünstreifen. Und schauen dann alle noch ganz ungläubig als wir über den Parkplatz fahren und schauen, ob wir nicht irgendwo reinpassen könnten. Nun gut, wir haben ihnen Impotenz, einen Schwarm Mücken und die Affenpocken an den Hals gewünscht und sind weitergefahren und haben ein paar Kilometer weiter eine schnuckelige Badestelle mit Feuerstelle gefunden. 


Die Feuerstelle wird am Abend in Beschlag genommen und weil wir danach wieder stinken wie die Räucheraale, geht’s vor dem Zubettgehen nochmal fix in den See. Als wir uns gerade bettfertig machen, kündigt die Dorfjugend um Mitternacht ihr Erscheinen mit lauter Musik an. Es ist klar, dass sie provozieren wollen, denn die Lautstärke wird noch ein paar Mal nach oben gedreht, obwohl sie sich so definitiv nicht mehr unterhalten können. Es ist nur eine Frage der Zeit, wie lange ihre Autobatterie die Beschallung des Waldes und das Flutlicht durchhält und wahrscheinlich wissen sie das selbst, denn sie drehen die Musik immer mal wieder leise. Um uns an ihrer wunderbar verkorksten Playlist teilhaben zu lassen, wird die Musik aber auch wieder hoch gedreht. Nun ja, wir wissen nicht, was sie sich erhofft haben. Durchgehalten haben sie jedenfalls erstaunlich lange und fahren gegen 1 Uhr wieder vom Platz, so dass Tommy dann auch endlich zu Bett gehen kann. Wenn wir solche Idioten in der Nähe haben, bleibt er immer demonstrativ sichtbar vorne sitzen, damit niemand auf dumme Gedanken kommt.


zurück in Kyrkhults, diesmal mit freier Parklücke 

Es dauert eine Weile, bis uns am nächsten Morgen die Sonne begrüßt. Bereits am frühen Vormittag kommen die ersten Badegäste. Wir fahren weiter und haben beschlossen, unser Glück nochmal in Kyrkhults zu versuchen, wo wir gestern die großzügig parkenden 4 Fahrzeuge vorgefunden haben. Es ist noch früh, vielleicht haben wir Glück. Und das haben wir in der Tat, denn als wir ankommen, ist zwar kein Platz frei, aber gerade als wir uns dann doch frecherweise noch hineinquetschen, fährt ein Schweizer vom Platz und wir haben unseren Platz. Wir packen das Solar und den Eco aus und bekommen so einiges geladen, holen auch die Stühle aus der Garage und genießen einen ereignislosen Tag in der Sonne, neben einem kleinen Hindernissparcour, den Jamie gefühlte 85. Mal absolviert und bekommen ihn irgendwie beschäftigt. Wir stellen zum wiederholten Male fest, dass wir viel zu anständig sind, denn wo wir uns gestern nicht reingequetscht haben, tut dies heute ein anderes Womo ohne mit der Wimper zu zucken. Und wo wir gestern auch schon mal kurz überlegt, dies aber als frech verworfen hatten, hat heute ein weiterer Fahrer kein Problem damit, den Zugangsweg zuzuparken. Und das, wo bereits 5 Fahrzeuge hier stehen und das Schild bei der Einfahrt explizit darauf hinweist, dass es nur 5 Plätze sind. Tommy paddelt ein wenig mit dem SUP Board über den See und wir wissen nicht warum, aber Jamie können wir dafür einfach nicht mehr begeistern. Wahrscheinlich ist es ihm zu langweilig, so ruhig auf dem Board sitzen zu müssen, wo er doch sonst keine Minute stillsitzen kann und immer auf Achse ist.



ein weiterer Faulenzertag in Kyrkhults

Es gefällt uns so gut, dass wir einen weiteren Tag bleiben. Wir sind zwar nicht weit entfernt von der Straße und man kann den Verkehr auch nicht ignorieren, aber es ist erträglich. Tommy geht es nicht so gut, er hat Kopf- und Bauchschmerzen und so gönnen Katja und Jamie ihm ein wenig Ruhe und laufen rüber zum Spielplatz. Irgendwann kommt Tommy nach aber es hat sich zugezogen und wird kühler. Nach einem kleinen Imbiss verziehen wir uns erstmal in den Ludwig, weil es regelrecht kalt geworden ist. Unsere Womo Nachbarn tun es uns gleich, irgendwie möchte gerade keiner draußen sitzen. Wir bleiben den Rest des Tages drin und Jamie spielt mit seinen Lego Dinos, die er in der Dinoausstellung in Kalmar bekommen hat. Es handelt sich um 12 Eier mit jeweils einem kleinen Dino, die alle zusammen einen großen Tyrannosaurus Rex ergeben. Momentan sind wir noch mit den 12 kleinen Dinos beschäftigt, die gibt es nach und nach.


 ein kleiner abgeschiedener Übernachtungsplatz im Naturschutzgebiet Gyllebo

Als wir heute aufbrechen, stehen erstmal einige Service Stopps auf der Tagesordnung und dies an unterschiedlichen Standorten: Tanken, Frischwasser aufnehmen, Grauwasser ablassen und die WC Kassette leeren. Für die letzte Aufgabe müssen wir einen größeren Umweg in Kauf nehmen, denn in Südschweden gibt es zwar zahlreiche Rastplätze, aber viele von ihnen besitzen keine Möglichkeit der Latrinenentleerung. Da unsere Hausbatterie und auch der Eco geladen werden müssen, sind wir nicht bös drum und danach brauchen wir noch 30 Minuten bis zum heutigen Stellplatz. Allerdings brauchen wir für 30 Minuten länger als üblich, weil unser Navi mal wieder nicht weiß, was Sache ist und uns zweimal in die verkehrte Richtung schickt. Beim dritten Anlauf navigieren wir mit Google Maps und kommen problemlos an. Wir stehen im Naturschutzgebiet Gyllebo, in der Nähe von Schloss Gyllebo, welches sich allerdings in Privatbesitz befindet. Es gibt eine Ruine in der Nähe des Herrenhauses und das Grundstück darf von 10 bis 12 Uhr betreten werden aber wir wissen noch nicht, ob wir dies morgen in Anspruch nehmen möchten. Irgendwie fühlt es sich ja trotzdem so an, als würde man bei jemandem im Garten umher spazieren. Jamie und Katja laufen vom Parkplatz zum Schloss, vorbei an den Ställen (hier wurden früher bestimmt mal Pferde gezüchtet), sammeln ein paar Kastanien und kommen dann zum Parkplatz zurück. Durch den Wald gibt es auch ein paar Wanderwege, aber es ist nicht so ganz klar, wohin die alle führen. Zum Abend hin ist der kleine Parkplatz deutsches Hoheitsgebiet mit 3 Campingfahrzeugen aus Deutschland und im Hintergrund hört man die Gänse schnattern.   



endlich mal wieder ein Steinkreis - Ales Stenar 

Als wir am nächsten Tag endlich abreisefertig sind, sind wir wieder die letzten auf dem Platz, die anderen haben uns bereits verlassen. Eilig haben wir es nicht, da uns nur circa 30 Minuten Fahrtzeit nach Kåseberga bevorstehen, wo sich Katja Ales Stenar anschauen möchte. Hier handelt es sich um eine Schiffssetzung aus 59 Steinen auf einem Hügel oberhalb des Dorfes Kåseberga mit einem herrlichen Blick auf die Ostsee. Was ist eine Schiffssetzung? Das ist eine dem Umriss eines Schiffes nachbildende Steinsetzung, die das Schiff symbolisieren soll, das die Toten in das Totenreich bringt. Bekannt sind diese Gebilde vorallem im Ostseeraum. Allerdings ist die Bedeutung des Monuments bis heute nicht eindeutig geklärt, gegen eine Grabstätte spricht, dass man keine Gräber gefunden hat. Darüber hinaus gibt es Thesen, es handele sich um eine astronomische Uhr beziehungsweise einen Sonnenkalender, wofür die Anordnung der Steine spricht. Sie sind so positioniert, dass die Sonne im Sommer in der nordwestlichen Ecke unter- und im Winter exakt an der gegenüberliegenden Ecke aufgeht. Die 59 Steine ergeben einen 67 Meter langen und 19 Meter breiten Schiffsrumpf und stammen vermutlich aus der frühen Eisenzeit (500-1000 n.Chr.), was in den Wirkungsbereich der Wikinger fällt. 



Nach unserer Ankunft fahren wir erstmal auf den Stellplatz, den wir uns heute als Übernachtungsplatz ausgesucht haben und schließen unseren Ludwig mal wieder ans Stromnetz an. Die kurzen Strecken machen es momentan wieder schwer, unsere Hausbatterie oder die beiden Ecos zu laden. Jamie hat gerade überhaupt keine Lust auf einen Spaziergang und so versuchen sich Jamie und Katja im Federballspielen während Tommy genügend Aufgaben in und um unseren Ludwig findet. Irgendwann gibt’s unseren Nachmittagssnack und nachdem Jamie immer noch keine Lust auf die Besichtigung von Ales Stenar hat, geht Katja kurzerhand allein. Auf dem Besucherparkplatz stehen noch immer genügend Autos und Wohnmobile rum und so ist sie darauf vorbereitet, dass ihr ständig Leute vor der Linse herumspazieren werden. 

Es ist ein heißer Spätnachmittag, die Brise oben auf der Anhöhe ist herrlich angenehm und man kann den Blick unendlich weit auf die Ostsee schweifen lassen. Irgendwo hinter dem Horizont versteckt sich die dänische Insel Bornholm und noch etwas weiter befindet sich schon wieder Deutschland. Dank ganz viel Geduld hat Katja ein paar Bilder ohne Menschen im Kasten und kann sich zufrieden gen kleinem Hafen wenden, den man von der Anhöhe schnell erreicht. Dort geht es recht touristisch zu mit Fressbuden, Souvenirläden und den üblichen Deko-, Klamotten- und lifestyle Geschäften, macht aber einen sehr gemütlichen Eindruck. Zurück am Stellplatz schnappt sich die verschwitzte Katja den durchs Rumrennen ebenfalls verschwitzten und überhaupt nicht amüsierten Jamie und sie gehen gemeinsam duschen. Danach besorgen wir uns eine Pizza von nebenan, weil wir bei der Hitze keine Lust auf Kochen oder sonstige Aktivitäten haben und so geht das mit dem Abwasch heute superfix.




Ystad, aber wo ist Kurt Wallander? 

Nach dem Frühstück und Aufräumen muss Jamie sein Versprechen von gestern einlösen und wir gehen zu dritt zu Ales Stenar, damit auch Tommy ein paar Fotos machen kann (natürlich muss auch er darauf warten, dass sich all die Selbstdarsteller aus dem Bild bequemen, aber das ist heutzutage alles inklusive). Auf dem Rückweg stoppen wir im Hafen und weil es schon wieder so heiß ist und wir wirklich schon lange kein Eis mehr hatten, holen wir diesen Missstand nach. Am Stellplatz angekommen, springt Tommy nochmal fix unter die Dusche und wir machen den Ludwig abreisefertig. Kurz vor 14 Uhr kommen wir endlich weg, da haben sich schon wieder die ersten Neuankömmlinge häuslich auf dem Platz eingerichtet. Da wir heute nur ein paar Kilometer bis nach Ystad fahren, haben wir keine Eile und nach gerade mal einer halben Stunde parken wir am Hafen in Ystad ein. Von dort kommen wir schnell in die Innenstadt. 

Hier kann man sich wieder mit zahlreichen Park Apps rumschlagen und das ist schon fast kriminell, was da abgeht. Es gibt Parkautomaten, wo man nur für die kommunalen Plätze zahlen kann und wir stehen auf privatem Grund. Man muss ganz genau schauen, in welcher Reihe man steht, denn in einigen Reihen gilt die Aimo Park App, in den anderen Reihen gelten Easypark und Parkster. Zu allem Übel, was die wenigsten jedoch wissen, die haben alle verschiedene Parkgebühren, Mit Parkster zahlt man 40 SEK für 24 Stunden, mit Easypark 46,17 SEK und mit aimo laut Park4night 50 SEK. Da haut jeder nach Belieben noch Gebühren drauf. Katja wird später von einem Deutschen angesprochen, ob wir auch ein Knöllchen bekommen hätten. Nein, haben wir zum Glück nicht. Er steht in der Aimo Reihe (wir haben mit Parkster bezahlt) und hat sich extra die App dafür runtergeladen. Trotz laufendem Parkvorgangs bekommt er vom Kontrolleur ein Knöllchen über 500 SEK verpasst (alles schön auf Schwedisch, da haste keine Lust, eine halbe Stunde lang jedes einzelne Wort in einen Übersetzer abzutippen). Sie saßen im Womo, die Tür war offen, der Typ hätte auch einfach mal kurz anklopfen können. Das ist Abzocke und verschreckt Besucher.

Wir jedenfalls laufen ein wenig durch Ystad. Wem der Name irgendwie bekannt vorkommt, hat vielleicht die Kurt Wallander Krimis von Henning Mankell gelesen, der in Ystad beheimatet ist. So gibt es für Filmfans Wallander Touren, in denen man aus den Krimis bekannte Stationen besuchen und kennenlernen kann, self-guided Audio Walking Touren (mit Audio Guide) etc. Wir lassen uns einfach durch die engen Gassen mit ihren schmucken kleinen Häuschen treiben und landen beim Kloster. Dort sitzen wir eine Weile im Rosengarten, spazieren unter Obstbäumen und erhaschen ein paar Äpfel und Birnen. Später grübeln wir über einen Baum, dessen Früchte wie kleine Brombeeren aussehen aber an Bäumen haben wir die noch nie gesehen. Die App verrät, dass es sich um Maulbeeren handelt und die Früchte sind superlecker. Als wir schon fast wieder zurück am Hafen sind, teilen wir uns auf, Katja verschwindet nochmal im Coop, um eine Kleinigkeit fürs Abendessen zu besorgen, Tommy und Jamie erkunden den Hafen, wo die Fähren nach Swinemünde, Bornholm und Sassnitz ablegen. Gerade als das Abendessen fertig ist, kommen die zwei Abenteuer zum Wohnmobil zurück.